gelîp
Adj.
‘mit einem lîp versehen, beschaffen’
ir [Frauen] sît alle alsô gelîp, /
alsô gartet unde gemuot: / iuch dunket ie daz arge guot Tr
9868
MWB 2 354,48; Bearbeiter: Bohnert
gelisem
stN.
vgl.
lismen
swV.
(vgl. Rosenfeld, lesa und
lese S. 130).
‘Unterredung, Beratung’, jmd. hât (ein) ~
, mit
folgendem indir. Fragesatz:
besunder het er ain gelisem / mit ieglichem kuͤnge
hoch / wie si den kuͤng von Marroch / mit strite do entworhten
WhvÖst
7868;
die kuͤnge grozz gelisem / under ain ander heten / waz
todes si tæten / Wildhelme von Österrich ebd.
10786
MWB 2 354,51; Bearbeiter: Bohnert
gelit
stN.
auch gelide; Pl. auch gelide und
gelider.
1 eigentl., ‘Körperglied, -teil’ (vereinzelt
‘Gelenk’
1.1 allg. 1.2 bestimmte Glieder 1.3 umschreibend 2 bildl. und übertr. 2.1 auf das Zugehörigkeitsverhältnis von Leib und Gliedern bezogen, überw. für
Personen 2.1.1 die Gläubigen als Glieder des Leibs Christi, der Christenheit 2.1.2 die Verdammten als Glieder des Teufels 2.1.3
‘Anhänger(in) eines Glaubens’
2.1.4
‘Angehöriger, Mitglied eines Ordens’
2.1.5 für die Schachfiguren außer König und Königin (= den
houbeten ) 2.1.6 als Teil eines Ganzen 2.2 auf Mehrgliedrigkeit, eine Folge von Gliedern bezogen 2.3 mit unklarem Bezug; 3
‘Knoten des Pflanzenstängels’
4
‘Türflügel’
5 wohl ‘Glied (eines Kettchens)’
1
eigentl., ‘Körperglied, -teil’ (vereinzelt
‘Gelenk’
artus: glider PsM
H 110,2;
SummHeinr
2:178,01.30,
vgl. 3)
1.1
allg.:
er [Gott] gischuf an uns du
gilit alli / ein andir dininti SuTheol
197;
augen, nas, hent, fuͤzze und elliu unseriu glid
PrOberalt
27,1.
151,28;
er was [...] / an geliden und an
geliune / gewahsen alse ein hiune Tr
4035;
di irscraken also sere daz si ein gelit nicht regen mochten HlReg
45,6;
im tâten gar wê sîne gelide HvFreibTr
5235;
EbvErf
2642;
iz czymt baz daz eynes dyner gelede vorterbe, denne alle
dyn licham gesenket wurde in dy helle [
Mt 5,30
]
EvBerl
107,20;
Barth
140,14;
UrkCorp (WMU)
475B,8;
StRBrünn
345;
Volmar
554;
Daniel
6683.
6866.
–
ein stvcke reben [Rebland, Weingarten]
[...] wart gekoifet [...]
vme xii phvnt, die wir mit vnsirn geliden [mit eigener Hände
Arbeit] gedienit hetten UrkCorp (WMU)
3575,24
1.2
bestimmte Glieder:
ich gæbe ê [...] / ein mîn lit
[La. gelit
] von mîner hant, / ê ieman
wære bekant, / daz ich hie bî iu wære Tr
14743;
kegin eyme gelede breyt des lengistin vingirs
Pelzb
121,1;
Cranc
Dan 5,5.
–
waz dutet dit, / daz got heiset der ougen
gelit [die Augenlider] / mit ougsalben
bestrichen? HeslApk
7076
(vgl. collyrio inunge oculos tuos Apc 3,18; oder zu
1.3?).
–
wan er [in der Hölle] mer
gewitzet [gepeinigt] waz an der zungen dann an
andern sinen gelidern PrOberalt
118,37;
die zvnge ist ein glit / die maniger sunden vbertrit / an den luten
menget [vermehrt]
PassI/II
116,82.
–
wen der man sin manlich gelit / besneit
HeslApk
12472;
[ein Sud] benimpt hitz oder prunst
[...], und allermaist wenn man diu schämigen
gelider dâ mit handelt BdN
312,13.
– für innere Organe:
werin ellú minú gelider daz edelste gelid, daz an mir
ist, daz ist daz herz, daz wolt ich lazen durwunden und toͤten
Seuse
210,1;
die schüllent muskât kewen, daz diu gaistleichen
gelider gesterkt werden, daz herz und diu leber und andreu gelider
BdN
372,11.
339,15.
393,12
1.3
umschreibend:
siner zungen gelit / berihtet jenes und ouch dit
Vät
12319;
siner ougen gelit / sint groz PassI/II(HSW)
31774;
siner liebe gebot / lac ir ie vollen nahen / und kondez wol gevahen / mit
ires herzen gelide PassIII
618,55;
Vät
15951.
19539.
– formelhaft:
mit des toufes gelit / was si
[Katechumenin] dennoch unbewart
PassIII
117,6;
Elyphas [...] / nu habe Job
gestrafet vil / durch syner sunden gelyder Hiob
9099;
durch daz gelyt / diner claren gerechtekeit ebd.
3552
2
bildl. und übertr.
2.1
auf das Zugehörigkeitsverhältnis von Leib und Gliedern bezogen, überw. für
Personen
2.1.1
die Gläubigen als Glieder des Leibs Christi, der Christenheit:
daz er nicht wil sin ein gelit an dem lichamen da Got selbe houbet ane
ist HlReg
78,7;
SuTheol
246;
Tauler
81,6;
wir sin alle der cristenhait gelide PrGeorg(Sch)
19,287.
15,277;
DvAPatern
197.
– die Gläubigen als Glieder Christi:
merket daz unser trechten / ist houbet der
gerechten / unde sie wider sine gelit HeslApk
1971.
3299.
16881;
do erschein im [Papst Gregor I.]
Cristus / und sprach wider in alsus: / Gregori, du pfligest bevriden /
mich dicke an minen geliden PassIII
202,86;
ellú dú menschen, dú sinú gelider sint
Seuse
339,7;
Stagel
72,35.
– die Gläubigen als zueinander gehörende Glieder ( Rm
12,5):
swel mentsche der cristinhait gelit ist, dem tuͦt we und
wol, daz ouch sin ebinmentschin we tuͦt, der sin gelit ist uon
der cristenhait PrGeorg(Sch)
15,277;
swaz minem bruͦder alde miner swestir wirret, daz sol och
mir werren, sit si min gelid ist vnde ich ir gelid bin ebd.
19,288
2.1.2
die Verdammten als Glieder des Teufels:
alle vorlorne sint gelit / des tuveles
HeslApk
10784;
slafestu, tyranne, / dins vatter Sathans ain gelid?
SHort
10521;
PassI/II
377,25
2.1.3
‘Anhänger(in) eines Glaubens’
ich han vernumen daz Judit, / rechtes gelouben ein
gelit, / sich zierte [...], / uf daz sie mochte wol
behagen / dem herren Holoferni Vät
36360
2.1.4
‘Angehöriger, Mitglied eines Ordens’
dirre heilige ritterliche orden des spitâles sente
Marîen von dem thûschen hûse [...] ist gezîret mit
manigeme êrsamen gelide StatDtOrd
25,29
u.ö.;
bruder Helwic von Goltbach, der ouch ein gelit ist des selben ordens
UrkCorp (WMU)
1508,10;
NvJer
830.
853
2.1.5
für die Schachfiguren außer König und Königin (= den
houbeten):
ir habt der houbet vert [Gangarten]
vernomen; / nu bin ich [in meiner Darlegung] an
diu glider komen HvBer
10201
2.1.6
als Teil eines Ganzen:
uß den teilen [
partes orationis
]
wird gesmit / der rede lib und ir gelit MügelnKranz
178
2.2
auf Mehrgliedrigkeit, eine Folge von Gliedern bezogen:
darnach so ist Judith / das buch, der bibel ouch ein
gelit Mügeln
83,2
2.3
mit unklarem Bezug;
‘Ort, Stelle’
des cirkels trit / nindert quam an daz gelit, / da die sunne blint
stat / unde eclipsim begat PassIII
544,42;
an des jares umme trit / ist der stunden [La.
stunde
] gelit / gevallen nu uf disen ort, /
daz man der propheten wort / vernuwet und ir wisheit PassI/II(HSW)
2034.
–
‘Reihe’ (wie späteres milit. ins Glied
treten)?
nu was er [Johannes der Evangelist] also
veste an gote, / daz er nindert einen trit / uz des gelouben gelit / besit
weich durch vorchte PassI/II(HSW)
26590;
der da vrolichen trit / in des gelouben gelit / nam und ouch bestunt
dar an ebd.
35418;
[Paulus ergänzt seine bisherige Lehre:] so wil
ich nu dar zu sagen / werlich ane hindertrit / an miner lere gelit, / daz
[...] du [Maria]
sist ane zwivel kumen / in daz himelriche ebd.
11820
3
‘Knoten des Pflanzenstängels’
manchirleyge ist der boume pfroppunge, doch is gewonlich, das
man das rys snyt von syme stamme benedin deme knoufe odir dem gelede
Pelzb
120,17.
19-21
4
‘Türflügel’
[der Weinkeller soll haben] von czwen gelidin eyn gatir
Pelzb
138,31
5
wohl ‘Glied (eines Kettchens)’
di [
suckenîe
] was von
golde gar durch slagen. / mit giliden was dar auf getragen / manig kostlicher stain
HvNstAp
18372
(vgl. Anm. z.St.)
MWB 2 354,59; Bearbeiter: Bohnert
gelit
stMN.
→
geliz
MWB 2 356,51;
gelîte
stNF.
→
galîte swF.
MWB 2 356,52;
gelitenhaben
stN.
→
lîden
stV.
MWB 2 356,53;
gelitkrachen
stN.
‘Gliederkrachen’, in einer Aufzählung von Klagegebärden:
jamers wüeff vnd brustslege [...], / hertzen bresten,
liden [La. glid
] chrachen Krone
11539
MWB 2 356,54; Bearbeiter: Bohnert
gelitschert
Part.-Adj.
→
litscherten
MWB 2 356,58;
gelitschrôt
stM.
‘Verletzung der Glieder, Verstümmelung’
swer aver dem andern einen winger abslecht, oder also verwundet, daz er
gepresten der glider leidet, daz da glidschrot haizzt UrkBabenb
2:289,17
(a. 1244)
MWB 2 356,59; Bearbeiter: Bohnert
geliuhte
stN.
1
‘Leuchten, Licht, Glanz’
2
‘Beleuchtung’
3
‘kirchliches Licht, Kerzenstiftung’
4
‘Augenlicht’
1
‘Leuchten, Licht, Glanz’
din hoer gotlicher rat / geworcht vnde vnderworcht
[geschieden] wol hat / daz vinstere von geluchte
PassI/II
1,30.
21,49.
29,22
u.ö.;
das geliucht der sterne das si gebent uf das ertriche PrWack
68,346.348;
der tuvel irschein / als ein liehter engel rein. / vil
liehte sine geluchte bran Vät
22729.
40063;
vil edele gesteine / liez er stecken aldar in, / die alsam sternen solden sin
/ und mit geluchte brunnen PassIII
280,9;
Kröllwitz
2001.
– vom Umlauf der Gestirne:
des geluckes [l. geluchtes
] vmmetrit
/ an sternen manen sunnen / wie die iren louf kunnen / in ir cirkels krumme
PassI/II
1,48;
im Pl. von den Gestirnen selbst:
schowe [...] daz wunder
[...]: / sunne, mand und sterne
[...], / wie die geluchte
[Lichter] ummegan / und nimmer stille gestan
PassIII
670,75
2
‘Beleuchtung’
als ymant sluge, stoisse, ader vngebarte in finstern steden, dar die luchte
[Lichter] oder daz fyr vzgedain weren gewest, der sal
gelden die busse vierueltig, vnd daz sal man halden vff alle die jhene, die daz
geluchte vnd daz fyr vzgedain han WeistGr
1,542
3
‘kirchliches Licht, Kerzenstiftung’
daz he ader sin erbin [...] sullent gebin
[...] i. punt oleiis an daz geluchte UrkHess(B)
1,316
(a. 1306);
rente ind gulde anderhalffs puntz ways, de de heiren jayrlichs
[...] schuldich waren zu geven
[...] in die kirche zu Luppe zu dem geluygte
UrkGerKöln
389
(a. 1349);
zuͦ eyme ewigen geluchte UrkFrankf
2,67
(a. 1317);
UrkSiegen
126
(a. 1335);
UrkDOHess
2:500,34
(a. 1341)
4
‘Augenlicht’
sin gelûhte wart im wider EbvErf
3003
MWB 2 357,1; Bearbeiter: Bohnert
geliumet
Adj.
= geliumundet, ‘in gutem Ruf stehend’
(vgl. ungeliumet):
waz daz puoch nicht enhat oder zwen artickel mit ainander chriegen, darumb sol
der richter fünf gesworen und geleumter man an der schrannen dargeben
StRMünch(A)
160.
–
‘berühmt’
das hübsch spil hat funden ain maister, der hies Xerses, in Chaldea. der was
ein so wol gelewnter [Konjektur, s. Anm. z.St.] maister,
das sich der maister in Chriechen vil nach im nannten Schachzb
26,51
MWB 2 357,33; Bearbeiter: Bohnert
geliune
stN.
Koll. zu lûne.
‘Beschaffenheit, Gliederbau’
Nestor quam do zv geriten, / groz alsam ein hune, / mit
starcem gelune Herb
1382;
er [Rual] was
[...] / an geliden und an geliune / gewahsen alse ein
hiune Tr
4035;
den [Trojanern] wuohs vil manic
scharte / an lîbe und an geliune KvWTroj
33757
MWB 2 357,43; Bearbeiter: Bohnert
geliute, gelût
stN.
‘Schall, Klang’;
der menschl. Stimme:
ich erhorde daz sueze gelut [: krut
] /
von den [singenden] megden JvBrabant
2:2,3.
– von Musikinstrumenten:
do luitin simo [dem abgot zu
Ehren] zisamini / mid trumbin joch mid cymbilin
[...]. / mid so gitanimo giluti / so bigingin si sini
ziti ÄJud
31;
Lanc
273,26.
– bes. ‘das Läuten der Glocken, Glockengeläut’
in der Kriechen lant [...] / ân
geliut gênt si ze kirchen gar, / wan si der glocken niht enhant
EnikWchr
27576;
sî santen nâch den pfaffen, / sî hiezen sâ schaffen / umbe geliute und umb sîn
[des Tnugdalus] grap Tund
267;
vnd (ich) shaffe [...] dem mesnaͤr vīer
phennīḡ, daz er min iarzit mit gelevtte begê UrkCorp (WMU)
653,35.
2419,9;
Köditz
12,14.
–
do inphienc man die herren / mit michelen eren,
[...] / mit grozeme gelute, / heilictum unde cruce
GrRud
B 27;
den herren man da erte / mit geliute unt mit gesange Serv
933;
Kchr
12602;
RvEGer
668
MWB 2 357,50; Bearbeiter: Bohnert
geliz
stMN.
auch unverschoben gelit. – zu liz.
‘Verlangen, Begehren’
daz sie
[Prediger]
[...] den herten
naturen / mit herten worten sturen / an menslichen gelitzen HeslApk
8199;
got [...] kunde den unturen / tuveln
wol gesturen / unde al ir gelit gestillen ebd.
2705
MWB 2 358,5; Bearbeiter: Bohnert
gelle
swF.
ahd. gi-ella zu ella swF. (AWB 3,266).
‘Rivalin, Nebenbuhlerin’
der selbe man Elchana / zwei wip im ze wibe nam
[...]. / die gellin hatin undir in / vil ofte
krieclichen nit RvEWchr
21770
(I Rg 1,1-6);
swie sie [Lea und Rachel, Gen 30
]
geswester waren, so bitterten sie doch als die gellen gein einander
PrBerth(K)
111;
bœser schimph macht undr gesellen / grœzern nît dan under gellen WälGa
670;
GenM
38,31;
RvZw
47,7.
–
ein gelle ir gellen nîden muoz RvZw
47,1.2;
sîner swester gellen, / die hiez er füern von dan
Ottok
74486;
derselbe man ein ander wip beschlief vnd dovon begunde er sine husfrowe sere
fürsmôhen. [...] do gedahte sü, wie sü sich an irer gellen
reche PrEls
70,208.
30A,240;
ReinFu
K,58.
– Wortspiel mit
1galle:
sô sint aber noch wirsere, die mugen baz gellen haizzen denne
chebese, want si tragent die pitteren gallen wider gaistlich leben
TrudHL
98,26
MWB 2 358,11; Bearbeiter: Bohnert
gelle
swM.
ahd. gi-ello zu ello swM. (AWB 3,269f.).
1
‘Rivale’ , im ritterlichen Kampf 2
‘Liebhaber’
1
‘Rivale’, im ritterlichen Kampf:
ein sper nam er sâ in die hant. / dô ich in sô bereiten vant,
[...] / dô freut ich mich ze gesellen [Hs.
gellen
] sîn; / dô bant ich ûf den helm mîn
UvLFrd
455,7
2
‘Liebhaber’
in dem hag und in dem moß / ist Serpanta di
hose [l. muore : huore
] / und
Idrogant ir gelle [zwei Ungeheuer]
HvNstAp
8916
MWB 2 358,29; Bearbeiter: Bohnert
gelleht
Adj.
‘mit
2gallen, Beulen bedeckt’
wor daz eyme pherde der rucke serik ist adir czubrochyn adir
gellit Albrant
3,55;
der esel sprach: [...] / ich han grozze secke
getragen, / slege han ich vil derliden; / ich bin ouch gellecht geriten
[habe vom Reiten oder Säcketragen
2gallen
bekommen]
KgvOdenw
10,76.
– auch vom Menschen:
blawe mal sich uf cloben / uber al an siner [des
gegeißelten Christus] hut. / gellecht was der engle trut / wurden
ane missetat Daniel
4236
MWB 2 358,37; Bearbeiter: Bohnert
1gellen
swV.
1
‘vergällen, bitter wie Galle machen’
1.1 eigentl., mit Akk.d.S. 1.2 übertr. ‘jmdn./etw. verbittern, widerwärtig machen,
verekeln’
2
‘einen Fisch entgällen: von der Galle befreien, ausnehmen’
1
‘vergällen, bitter wie Galle machen’
(Ggs. honegen
Tr ; SHort ; Suchenw )
1.1
eigentl., mit Akk.d.S.:
mîn süeze ist nû gegellet [Hs.
gegallet
] / und mîn vröude genideret Mai
75,24.
– mit erspartem Obj.,
Oxymoron:
daz honegende gellet, / daz süezende siuret
Tr
11884.
– Part.-Adj.:
ir [der trunkenheit
] bach
gegellet [gallenbitteres] wasser treit
MügelnKranz
1692
1.2
übertr. ‘jmdn./etw. verbittern, widerwärtig machen,
verekeln’
gehonihte hertzen gellet /
[derjenige,] zuͦ dem sich zorn gesellet
SHort
313;
in dem himel ist ez so guͤt / daz chain neyd nieman
do gellet Teichn
11,105.
– mit erspartem Obj.:
maniger stellt nach grozzem gŭt / in geitichait mit valschem mŭt
[...], / er smaichet unde trenget, / er
hoͤniget unde gellet Suchenw
21,109.
– Part.-Adj.:
wir bûwen die minne [das Feld der Liebe,
vgl. bûwen
5.2
] / mit
gegelletem [galligem, bitterem] sinne
Tr
12238
2
‘einen Fisch entgällen: von der Galle befreien, ausnehmen’
nû bâten si in [den Fisch] dâ / den wirt selben
gellen [La. engellen, s. ZfdA 5 (1845), S. 63 zu V.
3119] . / do begunde er in zevellen
[zerlegen]
Greg
3291
MWB 2 358,47; Bearbeiter: Bohnert
2gellen
swV.
Kausativum zu gëllen.
‘zum Schallen bringen’
di grôzen sumber [Pauke] er vernam
/ gellen [mit ihrem Widerhall erfüllen] berc unde tal
EnikWchr
17423
MWB 2 359,6; Bearbeiter: Bohnert
gëllen
stV. (IIIb)
vereinzelt
gillen [: willen
]
Minneb
632.
1 von Tieren, Fabelwesen, Menschen, ‘die Stimme laut ertönen
lassen’
1.1
‘(meist vor Wut, Schmerz, Hunger) schreien, brüllen’
1.2
‘(vor Freude) laut bellen’
2 von Unbelebtem 2.1
‘einen lauten Ton von sich geben, laut tönen, schallen’
2.2 von den Ohren, ‘dröhnen’
2.3 von einem hohlen Felsen, ‘mit Echo wiederhallen’ , Part. Präs.
1
von Tieren, Fabelwesen, Menschen, ‘die Stimme laut ertönen
lassen’
1.1
‘(meist vor Wut, Schmerz, Hunger) schreien, brüllen’
die nateren und die slangen [...] bliesen unde
gullen, / freislîche si bullen En
3251;
er stach den lewen, daz er gal Pyramus
271;
si [der wazzerman und seine
waltgesellen
] gvllen vnd rieffen, / daz der
walt allr nach hal, / wan dirre iamerlich gal, / der den arm het verlorn
Krone
9282.
9517;
Wig
7025;
Seifrit
5489;
ir negesten armen, / den sie [die
Geizigen] sen hungers
swellen [verschmachten] / und so jamerlichen
gellen HeslApk
5864;
do geriet es [Säugling] uil erbermekliche
gellen ElsLA
434,15;
SHort
2962;
Tauler
225,32.
–
des fürsten sele nu da gal, / der so niulich ist verschæiden
Serv
1966.
– mit präp. Erg.:
sie [La. die jungen Drachen]
gullen nâch der spîse WolfdD(J)
8:107,1.
– subst.:
dar abe wirt ein
gellen [Jauchzen] / uz menschen munde gehort,
/ gesanc, minnecliche wort Daniel
2024
1.2
‘(vor Freude) laut bellen’
Fuͤrst sin edel bracke gal / vor vræuden
WhvÖst
5680
2
von Unbelebtem
2.1
‘einen lauten Ton von sich geben, laut tönen, schallen’
sie horten irschellen / busunen, pfifen gellen
Daniel
1202.
– von dem Ton, Schall selbst:
des volc was [...] âne
menneschlîch stimme erkorn: / der dôn von ir munde / gal sam die leithunde /
oder als ein kelber muoter lüet Wh
35,16;
der donr ist mangerlai, wann oft gillt er sam der
ainem ain plâtern voller luftes auf dem haupt zerslüeg BdN
92,31.
–
ez gillet jmdm. durch diu ôren:
sie sageten antwurt von dem künige Rolfen, / daz ez die besten über al
/ hôrten, den ez allen durch ir ôren gal, / wie gar getriuwelîch er wolt sîn
geholfen / dem rîch und dem keiser Loheng
3965
2.2
von den Ohren, ‘dröhnen’
beginnent diu ôren gellen, nemugestû dem menschen anders
niht gehelfen, sô muost dû [...]
Barth
146,27;
wer iz horet, deme werden syn oren gellen
Cranc
Jer 19,3
2.3
von einem hohlen Felsen, ‘mit Echo wiederhallen’, Part.
Präs.:
ein turn von nâtûre [aus gewachsenem Fels
bestehend]
[...], / innen hol und ûzen
hart / als ein gellendiu fluo [Fels(wand)]
UvZLanz
7127;
der gellende vels der sich von der gerten slege uf tet
[...] daz sich ain gellender stain von ainer gerten
slege uf tuon solte [vgl. Nm 20,9
]
Konr(Sch)
195,26
MWB 2 359,10; Bearbeiter: Bohnert
gellic
Adj.
1
‘gallig, bitter wie
1galle’ ; übertr.
‘Leid zufügend, verursachend’
2
‘an der
2galle (Pferdekrankheit) leidend’
1
‘gallig, bitter wie
1galle’; übertr.
‘Leid zufügend, verursachend’
ez enist niht gelligers dan lîden und enist niht honicsamers
dan geliten-hân Eckh
5: 433,4;
[Kaiser Dâciân ist] væric als der slange, /
unheiles wâre zange, / gellic als diu vipper Georg
4185;
ir [schlechter, böser Herren] dornic herze, ir
durkel rât, ir gellec munt / hât verhouwen dâ man was gesunt Sigeher
13,11
2
‘an der
2galle (Pferdekrankheit) leidend’
daz ros [...] wart mager unde slach
[...]. / ouch wart ez gellig unde laz Boner
51,39
MWB 2 359,57; Bearbeiter: Bohnert
gellin
stF.
‘Rivalin, Nebenbuhlerin’ (zu gelle swF., vgl.
Wilmanns, Dt. Gr. 2,311 und Anm. z.St.) oder Verschreibung von →
gesellinne (so Klein/Bumke, Index s.v.):
Cassandra quam gande [...]. / mit ir
ginc Dimena / vnde ir gellin Ethra Herb
16359
MWB 2 360,4; Bearbeiter: Bohnert
gellof
stM.
‘Schwager, Bruder des Mannes’
levir: gellof Gl
3:427,50,
vermutlich ist aber gello = mhd. →
gelle
swM. zu lesen, s. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,142f., dort
auch Näheres zur Bed. der Gl.
MWB 2 360,9; Bearbeiter: Bohnert
gëllunge
stF.
‘lautes Tönen, Klingen’
wann sich darinne [im Kopf]
gesämenent die überflüssigkait, das macht du kennen pei disen zaichen, das ist
vinstre der augenn [...], gellunge der
orenn [
tynnitus aurium
]
HvHürnh
44,2
MWB 2 360,13; Bearbeiter: Bohnert
gëlm
stM.
→ galm
MWB 2 360,18; |