Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
      gegenwertic Adj.
      gegenwertic Adj.
      gegenwerticheit stF.
      gegenwerticlich Adj., Adv.
      gegenwertige stF.
      gegenwort stN.
      gegenworte stF.
      gegenwortes Adv.
      gegenwurf stM.
      gegenwürflich Adj.
      gegenwurt Adj.
      gegenwurt stF.
      gegenwurten swV.
      gegenwürtic Adj., Adv.
      gegenwürtic Adv.
      gegenwürtigen swV.
      gegenwürtlich Adv.
      gegenzil stN.
      gegenzuht stF.
      gegerwe stN.
      gegerwede stN.
      gegerwen swv
      gegeter stN.
      gegiht stF.
      gegihte stN.
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gegenwertic - gegihte    


gegenwertic Adj. 1 ‘widerwärtig’
2 ‘entgegengesetzt, gegensätzlich’
   1 ‘widerwärtig’ der vunfte grat [zur Seligkeit] [...] heizet zu dute gedoldikeit / an kegenwerdigen dingen Brun 12225    2 ‘entgegengesetzt, gegensätzlich’ siben houbtpin sint dar inne [in der Hölle] [...] : / calor, frigus, tenebrae, vermes, / fetor, horror, contraria voluntas. / daz ist hitze kelde [...], / di [siebte houbtpin ] heizit kegenwertiger wille. / daz der mensche nicht enwil, / des geschit da me denne vil. / nimber geschit menschen wille [...], / unwille ist im stete bi Brun 6403

MWB 2 248,38; Bearbeiter: Tao

gegenwertic Adj. → gegenwartic

MWB 2 248,49;

gegenwerticheit, -würticheit stF. auch kenwortekeit. 1 ‘Anwesenheit, Gegenwart, Erscheinung’
2 ‘Gegenstand (einer künstlerischen Darstellung), Thema’ oder ‘Begegnung’ (?)
3 ‘gegenwärtige Zeit, Gegenwart’
4 ‘Zeitlichkeit’
   1 ‘Anwesenheit, Gegenwart, Erscheinung’ der sach in die kirchen treten / schoner iungelinge vil. / dem munche wuchs ein vreudenspil / an irre gegenwurtikeit PassIII 451,7; daz er bî im wære und in trôste mit sîn selbes gegenwerticheit Eckh 5: 49,17; des ward úch baiden [Maria und Elisabeth] froͤde kunt / das die kindlin frowten sich / in iwern zarten liben schinbaͤrlich / von diner gegenwirtikait KvHelmsd 4423. in/ze jmds. ~ : daz man alle tage in orer keinwertikeit wol nun hundirt armen menschin daz alsmosin reichte unde gab Köditz 45,12; UrkCorp (WMU) 1653,23; zu der gegenwertekeit des commendûres StatDtOrd 87,13; ze gesihtt vnd ze der gegenwrtichait aller der sammung vnd dez gesintz ze Raitenħ UrkCorp (WMU) 1117,40. – von der Gegenwart Gottes: so dv́ sele [...] mit grozzer gervnge nach gottis gegenwertikeit gesv́ftet hat, so erschinet er ir vnder wilen alse ein blich des goͤtlichen liehtes DvAStaff 389; alsô sol der mensche mit götlîcher gegenwerticheit durchgangen sîn und mit der forme sînes geminneten gotes durchformet sîn und in im gewesent sîn, daz im sîn gegenwerticheit liuhte âne alle arbeit Eckh 5: 208,11; dar umb so muͦss daz namlos goͤtlich wesen in sich selb ein allichs wesen sin, daz ellú zerteiltú wesen ufenthaltend ist mit siner gegenwúrtikait Seuse 177,6; di man, di [...] nicht gehaldin habin di wort der vorbindunge, in di si gelibit habin in miner keginwortekeit [ in conspectu meo ] Cranc Jer 34,18. Jer 34,15. – von Engelsvisionen: und sprichet ein lerer, daz engelschlichú gegenwúrtikeit diker erschinet etlichen menschen in dem schlaf, me denn in dem wachen Seuse 183,12    2 ‘Gegenstand (einer künstlerischen Darstellung), Thema’ oder ‘Begegnung’ (?): zu Rôme in der kirchen di dâ heizet zu sente Johannese zu Laterâni dô stên zwei bilde gemâlet [...]: unser vrowe alsô si unsen herren inphangen hate und her drîer tage alt was in sîner muter lîbe, und sent Elîzabêth alse ir sun Johannes was sechs mânden alt in sîner muter lîbe; und dise vrôlîchen gegenwertikeit stêt behendeclîchen beschriben [geschickt dargestellt] bobin in [oben in der Kirche?] HvFritzlHl 143,18    3 ‘gegenwärtige Zeit, Gegenwart’ got ist ein got der gegenwerticheit. wie er dich vindet, alsô nimet er und enpfæhet dich, niht, waz dû gewesen sîst Eckh 5: 234,5; daz dâ hin ist, daz stiftet leit; / unstæt ist gegenwürtekeit. / wel zît noch künftig komen sol, / daz zît erkennet nieman wol Boner 86,46. – ‘gegenwärtige Lage’ di [...] redeten mit ir und bezzerten ire gegenwertikeit HvFritzlHl 244,20. – (Tempusform:) ‘Präsens’ alsô setz wir oft den spruch der gegenwürtichait für den spruch der künftichait, als wenn dû mich ladest auf den künftigen samstag zuo flaisch, sô sprich ich: ich izz niht flaisch an dem samstag, daz ist: ich wil sein niht ezzen an dem künftigen samstag BdN 60,34    4 ‘Zeitlichkeit’ dorumme daz der mensch nicht mac / sicher wesen uf keynen tac / noch gewis syner stetekeit / by des lebens kenwortekeit, / so [...] Hiob 3394; owe gegenwúrtikeit, wie blendest du, wie trúgest du! Seuse 239,3

MWB 2 248,50; Bearbeiter: Tao

gegenwerticlich, -würticlich Adj., Adv. Adv. auch -lîchen. 1 ‘anwesend, zugegen’ , von Gottes Gegenwart
2 ‘(sinnlich wahrnehmbar) vorhanden, daseiend’
2.1 allgemein
2.2 übertr. ‘geistig gegenwärtig, innerlich vor Augen’
3 zeitl.
3.1 ‘gegenwärtig, jetzt’
3.2 ‘ewig, immerwährend’ (?)
   1 ‘anwesend, zugegen’, von Gottes Gegenwart: sô man gegenwerticlîchen got enpfünde Eckh 5: 284,2; owe, minneklicher got, und bist du selber hie als gegenwúrteklich, und ist der engel schar hie Seuse 297,28; wie vergissest du din selbes so berlich, und du mit dem ewigen guͦte so gegenwúrtiklich umbgeben bist! ebd. 235,18. – ‘vor jmdm.’ so ir da sind, daz ir mich gegenwúrteklich sehend und da von liden muͦssent Seuse 73,1    2 ‘(sinnlich wahrnehmbar) vorhanden, daseiend’    2.1 allgemein: vîrlêge crefte sint da mide di sêle bekennit. daz erste sint lipliche sinne. da mide bekenne wir dise liplichin und geginwerticliche dinc, und mit den inmac got nicht bekant werdin Parad 43,15; und alle ding werdent in eime ougenblicke ingetragen in den minnenclichen grunt, das als ussgeflossen ist in die ewikeit, do es ewiclichen in gegenwerteclichen gewesen ist und ietze ist und als wol da inne ist Tauler 68,27    2.2 übertr. ‘geistig gegenwärtig, innerlich vor Augen’ diz bilde der drivaldikeit inist nicht allewege in deme menschin geginwerticlich und genzlich. alse der mensche slefit oder an got nicht indenkit, oder in eime kinde, so inist diz bilde nicht vollincumeliche an ume Parad 99,17; nim dez inren menschen war [...]. der nehsten [höchsten] gelassenheit hoͤret zuͦ, daz man alle zit die natur in einem zom habe. ein mensch sol sich alle zit gegenwúrtklich halten, daz sich dú natur nit verlofe Seuse 165,13    3 zeitl.    3.1 ‘gegenwärtig, jetzt’ sulche obin berurtte guttere [...] haben wir [...] dem genantin deutschen orden gegebin, zcu geeygent vnde kegenbertiglich mit krafft dises briffes geben UrkCorp (WMU) 222AB,14,5; die fröde unde der lust die sint von dem guot, daz gegenwerticlichen gehabt wirt [ est de bono praesenti et habito ] ; aber die begirde unde der gedinge sicht an daz guot, daz noch niht gewunnen ist ThvASu 272,16    3.2 ‘ewig, immerwährend’ (?): ‘dit ist mîn lîbir son, in dem ich mir etc.’ [ Mt 3,17 ] . in disin wortin sint gerurit funf stucke, di [...]. daz erste ist daz nicht dan ein son mac gesin in der ewigin geburt, da he sprichit ‘dit’ [...]. daz andir ist di unwandilberkeit [...]. di ist gerurit da he sprichit ‘ist’. [...] darumme ist dise geburt ummer mê geginwerteclich Parad 29,3; kanst du nu mit einem gelúterten ogen [...] schowen dez obresten guͦtes lútersten guͤtekait, dú da ist an irem wesen ein gegenwúrteklicher wúrkender anvang, sich selb natúrlich und willeklich ze minnen, so sihst du die úberswenken, úbernaturlichen entgiessunge dez wortes uss dem vater, von des geberene und sprechen ellú ding werdent her fúr gesprochen und gegeben Seuse 179,25

MWB 2 249,50; Bearbeiter: Tao

gegenwertige, -würtige stF. ‘Anwesenheit, Gegenwart’ wir gloͥben daz inallenthalbon si dv gotlichv geginwurtigi vnde daz dv oͥgin vnsirs herrin an einr ielichir stat schowen beidv die vbiln vnde die gvͦtin BrEng 19; ze vnser gegenwertigi vor gerihte UrkCorp (WMU) 813,33; in miner vroͮwen hant der ebtisschenne von Zv́rich ze gegenwv́rtige ir samenvnge, vroͮwen vnd phafen ebd. 92,27. 2759,29. – ‘Präsenz’ wir nemen ein speculatiun, wenne wir ein ding sehen vnd bekennen in dem spiegel vnd in sinem bilde, nu̍t in siner dinglicher gegenwu̍rtigi RvBib 56,10

MWB 2 250,41; Bearbeiter: Tao

gegenwort stN. 1 ‘Wechselrede, Antwort’
2 ‘Äußerung über/gegen etw.’
   1 ‘Wechselrede, Antwort’ daz si ze gegenworte / nie kômen, frouwen noch die man Parz 637,22; des freude sich an sorgen rach, / swer dâ nâch werder minne sprach [verlangte] , / ob er vant süeziu gegenwort ebd. 641,7    2 ‘Äußerung über/gegen etw.’ hoͤr und sich und bis verswigen! / wa du icht hoͤrst, da laz auch ligen! / so beleibst an gegenwort Teichn 564,2987

MWB 2 250,53; Bearbeiter: Tao

gegenworte stF. gegenwart

MWB 2 250,61;

gegenwortes Adv. vgl. gegenwertes Präp. ‘anwesend’ wold man der frawen ir morgengab brechen an bereyten gut, das man ir gelobit zu der zeit, do man sye zu ee gab, sy behaldet is mit rechte, [...] selbe sibende mit man vnd mit wrawen, die do gegenwortis waren sahen vnd horten StRPrag 112

MWB 2 250,62; Bearbeiter: Tao

gegenwurf stM. auch gegenwirf ( ThvASu 272,4 ). 1 ‘Objekt, Gegenstand’
2 ‘Gedanke’
3 ‘Entgegengesetztes, Hindernis’
4 ‘Antwort’
5 ‘Gewährung’
6 ‘Subjekt’ (Träger von Seinsweisen)
   1 ‘Objekt, Gegenstand’ nu ist got alleine der eiginliche widerworf der minne, alse di varwe ist der geginworf des augin Parad 133,1; Vorsmak P 442; der engel [...] schouwet sunder underlâz, und sîn gegenwurf ist ein vernünftic wesen [Gott] Eckh 3:336,7; di geginworf der fornuft ist wesin, und daz allir erste daz wir bekennen an eime iclichin dinge, daz ist wesin Parad 90,16; dar vmbe enphintnissi [Erfahrung] ist ein gegenwu̍rtigv̍ beruͤrde vnd bekennen des gegenwu̍rfes einer ieklicher kraft der sel RvBib 144,9; ez ist zesagen, daz der gegenwurf des glouben ist dü gotlichen ding, die da ungesihtig sint ThvASu 58,2; daz guot ist [...] übermitz sich selber [durch sich selbst] gegenwurf dez willen unde der begirde ebd. 272,6. – ‘Ziel’ waz ist eins reht gelassen menschen gegenwurf in allen dingen? daz ist ein entsinken im selb, und mit ime entsinkend im ellú ding Seuse 168,21    2 ‘Gedanke’ er wart gefraget, was sin gegenwurf weri, so er mess sang und er vor der stillen messe die prefation an huͦb: sursum corda! Seuse 27,18; und dis waz sin gegenwurf in den worten sursum corda ebd. 29,5    3 ‘Entgegengesetztes, Hindernis’ die minne tuͦt versincken in den geminneten. hie inne ist ein gegenwurf, daz ist die súnde; danne sint ander gegenwúrf, das sint grosse und swere bekorunge in vil sweren wisen Tauler 410,11; denne hat die minne einen andern gegenwurf ebd. 410,22    4 ‘Antwort’ dez ward im ein soͤlicher gegenwurf von got, dar an er enkeinen zwivel wolte han, daz er soͤlte der behaltnen eine wesen und von got niemer gescheiden hier umbe Seuse 81,1    5 ‘Gewährung’ der vorder gnadenricher lust verlekert [lässt verlangen] eins unweslichen menschen geist, daz er daz alle zit gern heti, und als im der gegenwurf froͤd birt, also birt im der underzuk ungeordnet trurikeit Seuse 174,26    6 ‘Subjekt’ (Träger von Seinsweisen): so ist die sele nach der wesunge der erste gegenwurf [ subiectum ] der erbesünden ThvASu 188,3. 188,6. 186,30 (statt der in dem Text gewöhnlichen Übersetzung von subiectum durch underwurf)

MWB 2 251,5; Bearbeiter: Tao

gegenwürflich Adj. ‘entgegengesetzt, gegensätzlich’ aber daz guot ist dez ersten unde übermitz sich selber [durch sich selbst] gegenwurf dez willen unde der begirde, aber daz übel dar nach, unde daz übermitz etwaz anders, nach dem unde [insofern] ez gegenwirflich ist [ opponitur ] dem guoten ThvASu 272,6

MWB 2 251,49; Bearbeiter: Tao

gegenwurt Adj. gegenwart

MWB 2 251,56;

gegenwurt, -würte stF. gegenwart

MWB 2 251,57;

gegenwurten swV. ‘etw. gegenwärtig machen’ und die tugent des himels [englische Wesen] gegenwurtentt als offt den tod des erschlagenn in irem lobe dem scheppfer pis die rach enpfangen werde von dem erschlahenden HvHürnh 21,5

MWB 2 251,58; Bearbeiter: Tao

gegenwürtic Adj., Adv. gegenwartec

MWB 2 251,63;

gegenwürtic Adv. ‘entgegen, heran’ ê diu rede wære getân, / Îdêrs ûf Karadigân / gegenwürtic über den hof reit / ze einem steine, der was breit Er 1198

MWB 2 252,1; Bearbeiter: Tao

gegenwürtigen swV. ‘etw. gegenwärtig machen, vorstellen’ daz speculierlich liecht gegenwu̍rtigot vnd erzeiget nu̍t als kreftlich daz liecht tragende ding dien oͮgen als daz lieht, daz vnmittellich enphangen ist von dem liechtrichen RvBib 57,15; waz si [Einbildungskraft] schoͤpft mit sinnen des fleisches, daz erzoͮgt si dem vu̍rstant vnd gegenwu̍rtiget ze dienst der vernunft ebd. 71,23

MWB 2 252,5; Bearbeiter: Tao

gegenwürtlich Adv. ‘unmittelbar’ aber dv̍ sel, dv̍ anblikende vnd gegenwu̍rtlich got bekent, dv̍ velt niemer vf nideru̍ ding, want si blicht vnd beschowet an vnderlas suͤzzeklich vnd eweklich got RvBib 58,2

MWB 2 252,13; Bearbeiter: Tao

gegenzil stN. ‘Widerstand’ die brûdere dâ mit sneller wer / brâchten in daz kegenzil LivlChr 2223

MWB 2 252,18; Bearbeiter: Tao

gegenzuht stF. ‘das Entgegenziehen’ dî burcdît was gewar / ir wurdin an der keginzucht / unde hattin an dî vlucht / zu walde sich gegebin NvJer 20776

MWB 2 252,20; Bearbeiter: Tao

gegerwe stN. 1 ‘Bearbeitung’
2 ‘(priesterliches, königliches) Gewand, Ornat’
   1 ‘Bearbeitung’ wole slîft her die goltsteine; / mit manigir slahtin gigerwa / gewinnit er in die variwa Anno 38,9    2 ‘(priesterliches, königliches) Gewand, Ornat’ nu het der heilige man / eins dîaken gegerwe an LvRegFr 3127; die altertwêlen unde die corporâl unde die prîsterliche dinge unde gegerwe, die sol man wîz unde reineclîche halden unde beslizzen, StatDtOrd 73,4; und so machent si venster und elter [Altäre] und gerwe [La. gegerwe ] und wellent das man das wisse, und zeichenent das mit schilten Tauler 185,25; koufet ein jude oder nimet her zu wette kelche oder bûche oder gegerwe, dâ her nicheinen geweren an en hât: [...] SSp(W) 3:7,4. ein gegarewe man dar vore trûch, / rîlîch unde scône, / ein zeptrum und ein crône / und ein goldîn vingerlîn En 8236

MWB 2 252,24; Bearbeiter: Tao

gegerwede stN. ‘Kleidung, Gewand’ do kam ein jungeling gros, der brahte ein gebunt gegerwedes, da mit gerweten sich die drie herren Mechth 2: 4,30; gekleidet rehte alse ein ewangelier in gar schœneme snewisseme gegerwede MerswBrf 31

MWB 2 252,41; Bearbeiter: Tao

gegerwen swv gerwen

MWB 2 252,46;

gegeter stN. ‘Gitter’ gegettere goldes riche [waren] die tur vor allen koͤren, / daz man alumb geliche baz gesehen mochte und gehoͤren JTit 397,1; vsque ad portam dictam daz gegeter UrkWürzb 41,31 (a. 1344); sich er steit vnder vnser want, er sicht durch di venster, er luͤget durch di gegeterr [ per cancellos ] OsekHl 37(Ct 2,9)

MWB 2 252,47; Bearbeiter: Tao

gegiht stF. ‘Aussage’ wa ieman den andern beklagt [...] vor vͥnserm gericht, vnd der ein teil [Partei] der gegichte vngichtig ist vnd dar vmb die hant vff hat vnd schweren wil vnd der ander teil im die hand nider schlachet, [...] StRBern 1/2:402,7

MWB 2 252,54; Bearbeiter: Tao

gegihte stN. stF. HeslNic 740. ‘Körperlähmung, Krämpfe, Gicht’ (zur Sache vgl. LexMA 4,1442 s.v. Gicht) 1 allgemein
2 als Subj. und Obj. von bestimmten Verben
3 personif.
4 wortspielerisch (vgl. Wagner, Sprichw., S. 120 und TPMA 4,377)
   1 allgemein: paralisis: gegihte SummHeinr 1:378,525; daz gegichte ist etswenne uon dem blute vnde ist etswenne uon dem fleumate. ez ist etswenne vber al den lip, etswenne an einem teile des libes SalArz 80,30; von grôzer hitze, von grôzer kelte, / von grôzer fülle, von grôzer lêre, / von grôzer unkiusche, von grôzer swêre, / von grôzem zorn, von grôzem leide / kumt leme, krampf und gegihte beide Renner 9930; von gesunder spise kumt kein gegihte ebd. 9953; vür gegihte wart nie niht sô guot / als lützel sorgen und frôer muot ebd. 9933; diu salb [...] ist guot für der âdern gegiht, daz artetica haizt, und für der füez und der pain giht, daz podagra haizt, und für der hend giht, daz ciragra haizt, wenn man diu gelider dâ mit salbet BdN 409,33. nû begunde er an der bâre chleben / als ein vogel ûf dem chloben / und vor gegihte starche toben KvHeimHinv 726    2 als Subj. und Obj. von bestimmten Verben: daz gegihte begunde brechen / die muoter von leide AHeinr 884; PrGeorg 31,14; UvTürhTr 1461; Rab 1059,2; ir wirt vor zorn also we, / daz si daz gegiht bestat / und si niht lange leben lat StrKD 119,605; dâ ist müende / daz gegihte UvTürhTr 1513; swen neget daz gegihte in sînem lîbe Renner 9939; und swer daz wüetende gegihte hât ebd. 9946; so vortribet er die gegiht, / die lamen tut er gende HeslNic 740; WernhMl 7284; Renner 9931    3 personif.: ‘Tot, du mir die boten nennest!’ / ‘gra schopf, gra bart; der dritte bot ist daz gegiht [...]’ Regenb 345b    4 wortspielerisch (vgl. Wagner, Sprichw., S. 120 und TPMA 4,377): wizzet daz tegelich gegihte / und vor gerihte valsch getihte / und alle tage krût mit nihte / sint driu jêmerlich gerihte Renner 8761

MWB 2 252,59; Bearbeiter: Tao