gederbe
Adj.
vgl.
bíderbe
Adj.
‘tüchtig, pflichtbewusst’
wand er was gederbe, / wart er sîs hêrren erbe Boner
62,85.
–
‘tapfer’
nider pey dem perg / hiez er [Alexander] sich gar
gederb / daz volk slachen nider GrAlex
4648
MWB 2 205,6; Bearbeiterin: Herbers
gederme
stN.
auch gedirm
BdN
32,14
u.ö.
‘Darm(-trakt), Eingeweide, innere Organe’ (meist
unspezifisch):
under der rippe scerme hanget daz gederme Gen
177;
intestinum: geterm VocOpt
1.122;
der lang [Pfeffer] mach daz ezzen
mêr hin ab steigend in den magen und in dem gedärm BdN
373,25.
365,11
u.ö.;
zo nym daz gederme us eyme hunde unde slach im
[dem Pferd] daz in den munt Albrant
3,37;
des andern nachtes traumpt im
[Galahot] das sin buch offgerißsen were und das er all
sin gederm in synem buch sehe ligen Lanc
483,9.
370,32;
von im [Antichrist] wirt begangen /
martel bitter ane zal, / brennen, schinden und qual, / gederme uz zihen
HvNstGZ
5702;
OvBaierl
43,16;
Hiob
6674;
HeslApk
6491.
–
‘Inneres’
wan dv [Johannes] vorgest vor dem
antlütz des herren zv bereiten sin wege. [...] dvrch daz
gederm [
viscera
Lc 1,78
] der barmherzikeit vnsers gotes
EvAug
126,25
MWB 2 205,11; Bearbeiterin: Herbers
gediemüetic
Adj.
‘demütig’
die läiter die auf gericht waz ist vnser lebn̄ in diser welt die
mit gediemütigē hertzen von got wirt auf gerichtet in den hymel BrAlt
7
MWB 2 205,30; Bearbeiterin: Herbers
gediet
stFN.
‘Volk’
dû [Gott] erzeige daz dem gedîte, / daz dû nîne lâzest
ûz dîner gûte / swer sô dir getrûwet JJud
733.
–
‘Schar, Gruppe’
arme gediet [Mäusekinder] , / erkennent ir die
katzen niet? Boner
43,75;
dô kam der affe ungetân / mit sînen kinden ûf den plân. / sîn kint rüemen er
geriet, / und sprach vor aller der gediet [vor allen anderen
Tieren]
ebd.
79,34
u.ö.
MWB 2 205,34; Bearbeiterin: Herbers
gedige
stF.
‘Bitten, Flehen’
erhore got daz gebet min un nieht uersmæhe die gedige min [interl. zu
deprecationem meam
]
PsM
54,2.
27,6
MWB 2 205,42; Bearbeiterin: Herbers
gedigen
Part.-Adj.
zu
dîhen
stV. und
gedîhen
stV.
bezogen auf Gegenstände und Sachen ‘fest, stark’
die schilde wâren sô gedigen Parz
541,15.
335,12;
grôz und gedigen was der schaft Er
794;
ein gedigene swêre lanzen hart / begreif der edele Burchart
Kreuzf
5605.
5630;
Ottok
77728.
– bezogen auf Menschen ‘tüchtig, klug’
guotiu unde gedigeniu mennisken TrudHL
72,2;
Galba, en gedegen man, wart de seste keiser SächsWchr
98,27.
–
‘ausgezehrt’ mit Gen.:
ich armez lant Ôsterrîch, / seht, man iuch [König
Rudolf] des, daz ir vier jâr / ab mir nâmt die iuwern nar. / sîn
bin ich jæmerlîch gedigen Helbl
5,9
MWB 2 205,45; Bearbeiterin: Herbers
1gedigene
stN.
F. nur
UrkCorp (WMU)
3272,44;
vereinzelt sw. flekt. (
ClosChr
122,1
). – Koll. zu
dëgen
.
‘Gefolgschaft’
1
‘(ritterliches) Gefolge, Dienstmannschaft, Ritterschaft’
2
daz himelische
‘die himmlischen Heerscharen, die Engel’
3
‘nichtadlige Einwohnerschaft, Volk’
1
‘(ritterliches) Gefolge, Dienstmannschaft, Ritterschaft’
daz er [Jakob] trût wâre des
chuniges, meister alles sînes gedigenes Gen
2501;
daz herste gedigene, / daz man ze Tungeren vant Serv
1442.
1932;
under al disem gedigene sô ist dehein bote niht sô guoter Kudr
1154,4;
so muͦsz u̍ch dienen dis gedigen, / was hie in dem land ist
Krone
20872.
13635;
die [
hantveste
] ir [der
Stadt] von vnsirm gidigine vnd von keisirn vnd kvnigin gigebin vnd
giuestint warin UrkCorp (WMU)
173,2;
Roth
774.
3772;
NibB
1442,3;
TrudHL
42,27;
JTit
5786,4;
Hawich
17;
Ottok
70743.
–
‘Söhne’
herzog Bernhartes gedigen Ottok
8368.
–
siv [die Tochter
Constantins] luchit vz deme gedigene / so daz gesterne tvͦt
uvndeme himele Roth
71
2
daz himelische
~
‘die himmlischen Heerscharen, die Engel’
daz himelische gedigene / dem chünic Charle hilfe bot Serv
2124;
lob dem himelschen gedigene Konr(Sch)
109,22;
wê dir, armchlîchiu gotes gischaft, / uber die dîn schephære
wirt chlaghaft / allem himelischem gedigene Priesterl
349
3
‘nichtadlige Einwohnerschaft, Volk’
nv was daz romsche gedigen / komen zvo dem tempel gar Martina
223,86;
daz menschelich gedigen [Menschheit]
ebd.
255,75.
–
‘Bürgerschaft’
der rat, die zunftmeister vnd gimeinlich daz gidigen von Basil tuͦn
kunt UrkCorp (WMU)
189,13
u.ö.;
daz gedigene [die Gläubigen, Gemeinde] gegen
dem stuole dranc / vrölich wart der antvanch / gegen dem bischofe milten
Serv
437;
do geschach ein gescholle zwischent den edeln und dem gediegenen
zuͦ Strosburg, und gesigetent die edeln, daz sü des gedigenen 16
erschlugent ClosChr
122,1;
UrkAltenb
135
(a. 1314).
–
‘Gotteshausleute’ (die in Abhängigkeit von einem Kloster oder
einer Kirche Stehenden):
darna sol man dien gestun zem erst rihtun, darna dien frowen, darna dem
gedigun WeistGr
1,311
(a. 1344)
MWB 2 205,58; Bearbeiterin: Herbers
2gedigene
stN.
wohl zu gedîhen stV.
‘Gewohnheit, Rechtstradition’
daz der chvntschaft wol gewizzen ist von altem gedigen her [von
alters her]
UrkCorp (WMU)
2120,24
MWB 2 206,34; Bearbeiterin: Herbers
gedigenheit
stF.
1
‘Vollkommenheit, Reife’
2
‘Tüchtigkeit’
1
‘Vollkommenheit, Reife’
got aine treit die segense, dâ die iungen mitte ze der
gedigenhait gemêt werdent TrudHL
123,8.
125,1.
146,30
2
‘Tüchtigkeit’
daz sol doh mit dimutikeit vn̄ gedigenheit vn̄ uorhten
tvͦn. dem ez der abte gebivtet BrAsb
47.
42
u.ö.;
MWB 2 206,38; Bearbeiterin: Herbers
gedigenicheit
stF.
zu
gedigen
Part.-Adj.
‘Tüchtigkeit’
vnt daz di gebezerit werden di iz da horint. daz tvͦ man mit demvte vnd mit
gedignicheite vnt mit forte BrHoh
47.
42
u.ö.
MWB 2 206,44; Bearbeiterin: Herbers
gedigenlich
Adj.
‘fest, stark’
diu [die Reue] sol uns leren, wie wir
got sulen phlegen. / dannen chomet (uns) diemuot unde gedigenlichez muot
AvaLJ
211,5
MWB 2 206,48; Bearbeiterin: Herbers
gedigenlîchen
Adv.
zu digen swV.
‘im Gebet, betend’
also der herre Salemon vil gedigenlichen des almahtigen gotes hulde suchunde
sprach PrKlostern
37
MWB 2 206,52; Bearbeiterin: Herbers
gedîhe
stF.
‘Heil, Rettung’
daz von gotes willen und von kraft des heiligen geistes gemachet wart diu edel
menscheit und der edel lîchame ze menschlîcher gedîhe in unser vrouwen lîbe
Eckh
2:439,6.
–
‘Gesundung’
daz he arcztie [Arznei gebe] / den siechin zcu
gedie PfzdHech
311,37.
338,6
MWB 2 206,56; Bearbeiterin: Herbers
gedîhe
Adj., Adv.
‘vollkommen’
cynnama heizet cynemin. der ist drierhande. under den ist di
beste di cleinste unde gedihste unde der suͦzeste unde der baz zengert unde
bisset an der zungen Macer
84,3;
wer dir sin gut lihe, / da gilt im gar gedihe; / wann wer ungern giltet, / vil
dicke man in schiltet Facetus
152
MWB 2 206,62; Bearbeiter: Bohnert
gedîhen
stV.
auch gedîen (z.B.
Walth
95,2;
En
4499;
MarlbRh
7,36;
gedigen HlReg
11,28
).
1
‘wachsen, gedeihen’
1.1 eigentl., von Kindern, Pflanzen 1.2 übertr.; 2
‘jmdm. in best. Weise ergehen, in best. Weise verlaufen, vonstatten
gehen, ausschlagen’ , oft mit wol/übele/sô u.ä. 2.1 ohne Dat. 2.2 mit Dat. 3
‘(in eine schlechte Lage) geraten, kommen;
herunterkommen’ ; 4 wohin ‘kommen, gelangen’ , mit Präp. 4.1 eigentl. 4.2 übertr., unpers. 5
‘zu etw. werden’ , mit Präp. ze , auch
an/in 6 (jmdm.) ze spotte/klage ~
‘(für jmdn.) zum Gegenstand des Spottes/der Klage werden’ u.ä.
1
‘wachsen, gedeihen’
1.1
eigentl., von Kindern, Pflanzen:
er gedeih baz in drîn tagen / dan alle andere kint, / sô si
drîer mânede alt sint SAlex
142;
eyn iclich boum, der do wirt gepfropt
[...] an sente Lambrechtis tage, der gedigit
Pelzb
122,35.
128,4.
– hier anzuschließen? mit Dat.d.S. ‘für etw. auf-,
heranwachsen, reif werden’, verblasst:
her [ein Mensch] gedech dem
vure / der grundelosen helle HeslApk
11546
1.2
übertr.;
‘wachsen, größer werden, sich vermehren’
vor Kunst ich [die
Milte
] guotes niht enspar, / swie kûme ez doch
gedîhet KvWKlage
20,6;
daz ir lop dâ bî wahse und vol gedîhe
MF:Reinm
68: 1,3.
–
‘etw. (ein Gefühl) erwächst, entsteht jmdm., wird jmdm.
zuteil’
dâ von gedêch mir dirre pîn Parz
673,24;
daz dir gedihe dar uz scham Minneb
4985;
Wh
152,10
2
‘jmdm. in best. Weise ergehen, in best. Weise verlaufen, vonstatten
gehen, ausschlagen’, oft mit wol/übele/sô u.ä.
2.1
ohne Dat.:
sô dankent [...] gote, / daz ir
sît sus wol gedigen UvZLanz
4703;
ich wil mit in [den Trojanern] strîten / sô daz
sis schande gewinnen. [...] / si soln
[...] / vil ubile gedîen En
4499;
doch liez in got gedîhen / vil übel an dem lîbe
Ottok
206;
Roth
36;
Neidh(S)
1,504 C284:5,4;
Helbl
5,9;
Virg
590,8.
–
daz alle krâ gedîen, / als ich in des gunne! Walth
95,2;
ach, ûz erweltiu ritterschaft / von Troye, wie bist
dû gedigen [wie weit ist es mit dir gekommen] ! /
wie siht man dich zerhouwen ligen KvWTroj
13191;
SM:Tu
2:3,2;
KvWEngelh
5735.
–
wand sin [Isaaks] herce
minte got / und leiste gerne sin gebot, / das ze selden im gedech
[zum Glück ausschlug]
RvEWchr
5614.
– mit sô und Konsekutivsatz:
sîn strît der gedêch alsô, / daz herter strît nie wart gesehen
UvTürhTr
3252;
Parz
578,24.
644,7.
667,16
2.2
mit Dat.:
gerne wolden si sich im [Gott mit Opfern]
genahen / daz in deste baz gedige swaz er in hiete uerlihen GenM
24,8;
so wil ich [Isaak] dich
[Esau] wihen daz dir alliv diniv dinch wol
gedihen ebd.
49,5.
–
wie dem helde Abimalech
[...] gedech / sin tumplich
vrevil [welche Folgen er für ihn zeitigte]
RvEWchr
28808.
– unpers.:
wiez Ermrich [Dat.] ist gedigen
Dietr
9827
3
‘(in eine schlechte Lage) geraten, kommen;
herunterkommen’;
mit Präp. ze:
ob ein man oder ein wip [...] ze soͤlher
armvt gedeihen, daz si durch notdurft ir erbe mvͦzzen verchauffen
UrkCorp (WMU)
2345,35;
sô muost dû [...] ze bôsheite gedîhen unde zem
almuosen [dahin kommen, dass du von Almosen leben
musst]
PrBerth
1:191,21;
ze fremder hêrschaft / gedêch daz selbe lant
Ottok
15141;
Greg
2341(La.);
DvASchr
356,3;
mit dar zuo und Konsekutivsatz:
von klagen si dar zuo gedêch, / daz ir vil kûm bestuont der lîp
KlageD
78;
KlageB
4201;
Warnung
17269.
– mit Präp. in:
die getouften in den kumber sint gedigen, / daz si wol mugen verderben
RvZw
170,5;
sô gedîhent iure lant / in der Swâben hant
Ottok
14459
4
wohin ‘kommen, gelangen’, mit Präp.
4.1
eigentl.:
der poynder was gedigen / [...]
gein der porten Wh
114,24;
wie im [Joseph] got do uerlech daz er in
Egiptum gedech GenM
100,27;
Wh
135,23;
KvWGS
1291;
der strît gedêch wider ûf den plân Wh
42,29
4.2
übertr., unpers.:
eins tages gedêhez an die stat / daz si der junge künec
bat / nâch sîme dienste minne Parz
345,27;
ez gedech uf einin strit [kam zum
Kampf]
RvEWchr
20229;
HeslApk
3673;
wohl auch unpers.:
des wordin die radlude zweynde und [es] gedeich
an den obirman, der gab uns sine sprache beschriben UrkWetzl
1,481
(a. 1331)
5
‘zu etw. werden’, mit Präp. ze, auch
an/in:
daz die kristen und die heiden gar / gedigen alle zeiner
schar, / [...] als ob si in einer presse / zesamne wæren
getwungen Wh
391,16.
187,28;
der ritterlîche turnei / gedêch nu zeime strîte KvWPart
15431;
das ir volkomene craft / ze solher swacheit gediech
RvEWchr
18158;
alle tungede ane besheindenheit werden zu nichte eder gedigen zu
untuͦgenden HlReg
11,28.
69,31;
wohl auch hierher:
des chlag ich [...] den vil werden, / der laider ist
der [l. zer
] erden / gedigen Suchenw
15,191.
–
der strît was sô ergangen: [...]
/ sîniu zweinzec tûsent wâren gedigen / unz an vierzehen Wh
50,12;
Parz
190,28;
sin grimmer muͦt der was gedigen / in eine vil
reine guͤte Rennew
25620;
UvTürhTr
3539
6
(jmdm.) ze spotte/klage ~
‘(für jmdn.) zum Gegenstand des Spottes/der Klage werden’
u.ä.:
daz wir den hellegeisten / ze spotte niht gedihen KvWGS
1559;
PassIII
483,79;
die [ungebeichteten Sünden] sind tze iamer dir
gedigen [am Jüngsten Tag]
Suchenw
42,130.
7,47;
RvEWchr
21989;
mit Ersparung des Dat.:
swes in hete vor [vor seiner Bekehrung] beducht /
von manigen valschen abgote, / daz gedech nu gar zu spote PassIII
549,50
– anders:
dem richter wuchs ein michel pin, / wand im [d.h. zu seinem
Verdruss] maniger werder got
[Götze] / alhie gedêch uf einen spot
[zum Gespött wurde]
PassIII
173,8
MWB 2 207,5; Bearbeiter: Bohnert
gedîhenusse
stF.
‘Wachstum, Entwicklung’
durch ir [der jungen Mitbürger] gedeinusse willen
StRPrag
14
MWB 2 208,41; Bearbeiterin: Herbers
gedîhte
Adv.
gediche Daniel
6053.
5734.
6877.
7247,
nur im Reim (auf rîche und gelîche) und als Füllwort, im
Glossar als Kontamination mit dicke erklärt.
‘häufig’
wir [...]sculen vil gedihte mit war diumuotiger bihte /
in daz gotes hus gan MillPhys
86,2;
da dich [Gott] gedihte erhevent mit
sange jouch mit lobe / dine engile here Himmelr
3,10.
12,2;
ez gesluoc nie kein bischof / sundære sô gedîhte / mit besmen an der bîhte, / sô
sî mich mit dem schîte sluoc BFrau
547;
strichen wirt er von dannen / vrolich mit sinen mannen / durch
lybiam gediche, / ouch durch der moren riche Daniel
7247;
Gnaistli
885;
Martina
167,101;
TvKulm
1503.
–
ie
~
‘ununterbrochen’
do sein michel hæilichæit erschal, / der er phlac ie gedeihte, / ze briester
man in weihte Serv
279;
gelieben [Liebende]
[...] die dicke und ie gedîhte / ein ander mugen gewesen bî
Tr
13050;
ez wâren ie gedîhte / die engel bî ir herren KvFuss
1204;
LvRegFr
2256
MWB 2 208,44; Bearbeiterin: Herbers
gedîhticlîche
Adv.
‘dicht, häufig, beständig’
iugiter ueremur: gedihtichliche wir furhten PsWindb
100,Oratio;
ir [Blanscheflur] ougen über wielen, /
die heizen trehene vielen / gedîhteclîche und ange / über ir vil liehtiu wange
Tr
1211;
dô [...] ir [den Gefährten
Lanzelots] ein niwe wünne / gedîhteclîche und ebene pflac /
[...] dô reit über ein breide / gegen einer wegescheide /
Wâlwein UvZLanz
2361
MWB 2 208,63; Bearbeiterin: Herbers
gedille
stN.
→
getülle
MWB 2 209,8;
gedinchof
stM.
‘Gerichtshof’
unnser gnediger her [...] hatt ain gedinkhoff ze
Nüwkilch, in denselbigen dinkhoff hörend zwingbennlütt
[...] und gut und gericht WeistGr
1,292
(a. 1330)
MWB 2 209,9; Bearbeiter: Bohnert
gedinclich
Adj.
‘rechtsverbindlich, rechtsgültig’
so hen ich [...] gedinget mit gedinchklichen worten
UrkCorp (WMU)
3297,28
MWB 2 209,13; Bearbeiter: Bohnert
gedincliute
stM. (Pl.)
‘Urteilsberechtigte bei Gericht’
daz geziuget ein man [...] mit deme richtere vnd mit
den schephenen. sint aber im die schephenen vor gestuͦrben, so tuͦt
her iz mit den gedingliuten UrkCorp (WMU)
51,27
MWB 2 209,16; Bearbeiter: Bohnert
gedincwërc
stN.
‘vereinbarungsgemäß übernommene Arbeit, Akkordarbeit’
waͤr ôch, das su̍ ains gedinges mit enander in ain
kaͤmint umb ain werkk [...] uff ain zil, das haisset
ain gedinkwerkk StRFeldk
164
MWB 2 209,21; Bearbeiter: Bohnert
gedinge
swM.
‘Gerichtshelfer, Zeuge’
[er] huet seiner zungen vor unrechter vrag, ob er ein
richter sei, darnach so huet sich vor unrechter volig, ob er ein geding sei, darnach
var valscher urtail, ob er ein vorsprech sei StRWien
Prolog 2;
es mag auch niemant widertreiben gedingen aus der schrann ebd.
110
MWB 2 209,26; Bearbeiter: Bohnert
gedinge
swM. stNMF. , gedinc
stM.
überw. swM. oder stN., seltener stM. (gedinge:
Kchr
984.
8547;
NibA
279,3;
Ottok
47366.
5652;
ThvASu
164,4,
gedinc:
Ottok
18480
u.ö.
) oder stF. (
RvEAlex
5120;
RvEBarl
4849
u.ö.;
Vät
2935
).
1
‘Hoffnung, Zuversicht’
1.1 allg. 1.2 in best. Verbverbindungen bzw. Wendungen 1.3 mit Bez. der erhofften Sache; 1.4
ûf gedinge(n)
‘auf die Hoffnung hin; aufgrund der Hoffnung’
1.5
gedinge(n) hân
‘hoffen’
1.5.1
‘etw. (selten jmdn.) erhoffen, erwarten, damit
rechnen’ ; 1.5.2
‘seine Hoffnung (im Bezug auf etw.) in jmdn./sich/etw.
setzen’ , mit Präp. an/gegen/in/ze 2
‘Anwartschaft (auf ein Lehen)’
1
‘Hoffnung, Zuversicht’
1.1
allg.:
gedinge ist aller werlde trôst, / daz sie von sorgen werde erlôst. /
gedinge fröuwet manegen man, / der doch nie herzeliep gewan Freid
134,24;
dem armen ist niht mê gegeben / wan guot gedinge und übel leben ebd.
43,13;
ain zuversicht unt ain minne, / aín geloube unt ain
gedinge, / ain truͦwe was in allen Rol
3460;
sein gedinge was ze gote guot Serv
1634;
die fürsten [...] sâhen wol daz er
[Alexander] was frô, / daz was ir guot gedinge dô
[gab ihnen Zuversicht, freute sie] , / wann sie in
vorhten sêre UvEtzAlex
19150.
–
ez heizet eteswâ gedinge, eteswâ zuoversiht, eteswâ hoffenunge, ez
heizet in latîne spes PrBerth
1:46,14.
1:165,20;
der hat rethen gedingen oder reht hofenvmb
SpitEich
43,16.
– unterschieden von wân (s.a. Götz, Leitwörter S.
164ff.):
mîn gedinge ist, der ich bin / holt mit rehten triuwen, daz si ouch
mir daz selbe sî. / triuget dar an mich mîn sin, / sô ist mînem wâne leider
lützel fröiden bî Walth
14,14
(s.a. 1.3);
ichn hân gedingen noch wân Iw
7864;
guot gedinge der ist vil guot, / lieber wân noch sanfter tuot
UvLFrd
340,25;
daz dû des solt gedingen hân / sunder zwîvellîchen
wân RvEBarl
3981
(s.a. 1.5);
Freid
134,23;
KLD:GvN
35:2,7;
KLD:Obernb
4:2,2
1.2
in best. Verbverbindungen bzw. Wendungen:
di fursten uon Karlingen / fluren allen ir gedingen
Rol
8880;
unser gedinge der ist hin Tr
9395;
RvEBarl
4849.
13315.
–
[David zu Goliath:] din gedinge ist an der
sterchke din, / so lit der gedinge min / an gotis namen
RvEWchr
24207;
Erinn
4;
man sol allen gedingen an got legen
SpitEich
39,24;
óbe dú dîn gedínge ánne míh sezzest
Will
43,16;
Spec
51,13;
Wernh
D 4141;
RvEAlex
5120
1.3
mit Bez. der erhofften Sache;
mit Gen.:
unsir herri Crist [...] hat
uns erzeigit den gedingin der hêrn urstende Spec
72,30;
die hilig schrift [...]
geringet alle werltlich angest mit dem gedingen der ewigen genaden
PrOberalt
40,8;
SuTheol
190.
– mit präp. Attr.:
mich fröit gedinge ûf lieben trôst KLD:Obernb
4:2,7;
von sînem hazze ich nâch versanc, / und ouch versunken wære, / des
half mir, daz ich niht ertranc, / gedinge ûf liebiu mære HartmKlage
1718;
SEzzo
72.
– mit abh. Satz:
dô was er des gedingen niht gar in herzen vrî, / im
müese von ir schulden liebes vil geschehen NibB
625,2;
wan daz si der trôst labete / und der gedinge ûf
habete [aufrecht hielt] , / daz sin binamen
wolte sehen, / swie sôz möhte geschehen Tr
1188;
HvFreibTr
6542;
Walth
14,14;
KLD:UvL
19:2,4;
SM:KvL
17:3,1
1.4
ûf gedinge(n)
‘auf die Hoffnung hin; aufgrund der Hoffnung’
ach ungelückes âkust, / wie dû dich erzeigen muost; / wan dû dicke liebe
tuost / manegem ûf gedinge, / swenn im dar nâch misselinge, / daz sîn clage sî
deste merre Flore
1173;
ich wil aber singen / der lieben ûf gedingen
KLD:GvN
20: 2,6;
doch bin ich ûf gedinge frô: / unz ich gedinge, so lebe ich
hô SM:Gl
1: 14,1;
KvHeimUrst
576;
SM:HvStr
2:5,4.
–
ûf den gedingen/daʒ gedinge, daʒ/obe ...
‘in der Hoffnung, dass ...’
und suohte her unde hin / ûf den gedingen, ob er in /
iender hæte vunden Tr
9178.
19060;
ûf den gedingen kom er dar / daz si im würde âne
strît Wig
7328;
RvEWh
4306;
RvEBarl
16075;
Ottok
22118;
Seuse
47,19;
ähnl.:
ûf solhen gedingen ich her ze hove reit, / daz du mir
holt wærest NibB
2102,2
1.5
gedinge(n) hân
‘hoffen’
1.5.1
‘etw. (selten jmdn.) erhoffen, erwarten, damit
rechnen’;
mit Gen.d.S.:
wir hân des niht gedingen NibB
115,1;
ir sult iz lâzen stân / des ir dâ habet gedingen,
ja’n mag es niht ergân ebd.
635,2
u.ö.;
RvEBarl
3981.
– mit Präp. ze:
sône hete er ze sîner genist / dehein gedingen [Hss.
gedinge
] mêre AHeinr
241;
sît wir ze herverte haben guot gedinge Kudr
945,3;
wand vns got erben hat beroubet vnd zvͦ andern erben niht
gedingen haben UrkCorp (WMU)
N377,23;
SM:KvL
19:3,1.
– mit abh. Satz:
sô haben wir doh gedinge / daz wir ze jungest
ernern unser sêle Kchr
984.
8547;
ich hân gedingen daz mir werde ein süezer umbevanc
KLD:GvN
15: 1,9
u.ö.;
sô heter gedingen unde wân, / im möhte niemer
missegân Eracl
1905;
Will
53,5;
HvNstAp
15860;
Dalimil
32,33;
Seuse
377,28
1.5.2
‘seine Hoffnung (im Bezug auf etw.) in jmdn./sich/etw.
setzen’, mit Präp. an/gegen/in/ze:
dîe guoton sêla, dîe der
[...] nechêin gedínge ne hând an ín sélbon
[...], neuuâre ókkeret in gótes gnâdon
Will
52,42;
daz der mensche verzwîvel unde daz gedinge lâze, daz ein ieglich
mensche gegen gote haben sol PrBerth
1:46,10;
daz er ze got gedingen het Ottok
15713;
diu Minne wol gevüegen kan / liep unde leit, die [denen,
die] zuo ir habent gedingen RvZw
30,12;
SuTheol
261;
PrLpz
134,36.
– mit gedinge erläuterndem abh. Satz:
íh uuíl ióh dén gedíngon an ín [ihn
(Christus)] hában. daz íh mîne mûoter Synagogam
[...] ze sînemo gelôuben brínge
Will
48,39;
nû haben wir alle ze gote gedingen, / ir
[Seele] werde ze jungest guot rât
Kchr
6080
2
‘Anwartschaft (auf ein Lehen)’
daz kint [...] bricht [hebt auf, setzt
außer Kraft] al gedinge [anderer möglicher
Erben] in des vater lêne, wan [wenn] ez
lebete nâh des vater tôde SSp(W)
1:33;
SpdtL
115,17;
lên bî ires mannes lîbe ist ir gedinge; nâh ires mannes tôde ist ez ir rechte
lên SSp(W)
3:75,2
MWB 2 209,33; Bearbeiter: Bohnert |