Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
      gederbe Adj.
      gederme stN.
      gediemüetic Adj.
      gediet stFN.
      gedige stF.
      gedigen Part.-Adj.
      1gedigene stN.
      2gedigene stN.
      gedigenheit stF.
      gedigenicheit stF.
      gedigenlich Adj.
      gedigenlîchen Adv.
      gedîhe stF.
      gedîhe Adj., Adv.
      gedîhen stV.
      gedîhenusse stF.
      gedîhte Adv.
      gedîhticlîche Adv.
      gedille stN.
      gedinchof stM.
      gedinclich Adj.
      gedincliute stM. (Pl.)
      gedincwërc stN.
      gedinge swM.
      gedinge swM. stNMF.
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gederbe - gedinge    


gederbe Adj. vgl. bíderbe Adj. ‘tüchtig, pflichtbewusst’ wand er was gederbe, / wart er sîs hêrren erbe Boner 62,85. – ‘tapfer’ nider pey dem perg / hiez er [Alexander] sich gar gederb / daz volk slachen nider GrAlex 4648

MWB 2 205,6; Bearbeiterin: Herbers

gederme stN. auch gedirm BdN 32,14 u.ö. ‘Darm(-trakt), Eingeweide, innere Organe’ (meist unspezifisch): under der rippe scerme hanget daz gederme Gen 177; intestinum: geterm VocOpt 1.122; der lang [Pfeffer] mach daz ezzen mêr hin ab steigend in den magen und in dem gedärm BdN 373,25. 365,11 u.ö.; zo nym daz gederme us eyme hunde unde slach im [dem Pferd] daz in den munt Albrant 3,37; des andern nachtes traumpt im [Galahot] das sin buch offgerißsen were und das er all sin gederm in synem buch sehe ligen Lanc 483,9. 370,32; von im [Antichrist] wirt begangen / martel bitter ane zal, / brennen, schinden und qual, / gederme uz zihen HvNstGZ 5702; OvBaierl 43,16; Hiob 6674; HeslApk 6491. – ‘Inneres’ wan dv [Johannes] vorgest vor dem antlütz des herren zv bereiten sin wege. [...] dvrch daz gederm [ viscera Lc 1,78 ] der barmherzikeit vnsers gotes EvAug 126,25

MWB 2 205,11; Bearbeiterin: Herbers

gediemüetic Adj. ‘demütig’ die läiter die auf gericht waz ist vnser lebn̄ in diser welt die mit gediemütigē hertzen von got wirt auf gerichtet in den hymel BrAlt 7

MWB 2 205,30; Bearbeiterin: Herbers

gediet stFN. ‘Volk’ dû [Gott] erzeige daz dem gedîte, / daz dû nîne lâzest ûz dîner gûte / swer sô dir getrûwet JJud 733. – ‘Schar, Gruppe’ arme gediet [Mäusekinder] , / erkennent ir die katzen niet? Boner 43,75; dô kam der affe ungetân / mit sînen kinden ûf den plân. / sîn kint rüemen er geriet, / und sprach vor aller der gediet [vor allen anderen Tieren] ebd. 79,34 u.ö.

MWB 2 205,34; Bearbeiterin: Herbers

gedige stF. ‘Bitten, Flehen’ erhore got daz gebet min un nieht uersmæhe die gedige min [interl. zu deprecationem meam ] PsM 54,2. 27,6

MWB 2 205,42; Bearbeiterin: Herbers

gedigen Part.-Adj. zu dîhen stV. und gedîhen stV. bezogen auf Gegenstände und Sachen ‘fest, stark’ die schilde wâren sô gedigen Parz 541,15. 335,12; grôz und gedigen was der schaft Er 794; ein gedigene swêre lanzen hart / begreif der edele Burchart Kreuzf 5605. 5630; Ottok 77728. – bezogen auf Menschen ‘tüchtig, klug’ guotiu unde gedigeniu mennisken TrudHL 72,2; Galba, en gedegen man, wart de seste keiser SächsWchr 98,27. – ‘ausgezehrt’ mit Gen.: ich armez lant Ôsterrîch, / seht, man iuch [König Rudolf] des, daz ir vier jâr / ab mir nâmt die iuwern nar. / sîn bin ich jæmerlîch gedigen Helbl 5,9

MWB 2 205,45; Bearbeiterin: Herbers

1gedigene stN. F. nur UrkCorp (WMU) 3272,44; vereinzelt sw. flekt. ( ClosChr 122,1 ). – Koll. zu dëgen . ‘Gefolgschaft’ 1 ‘(ritterliches) Gefolge, Dienstmannschaft, Ritterschaft’
2 daz himelische ‘die himmlischen Heerscharen, die Engel’
3 ‘nichtadlige Einwohnerschaft, Volk’
   1 ‘(ritterliches) Gefolge, Dienstmannschaft, Ritterschaft’ daz er [Jakob] trût wâre des chuniges, meister alles sînes gedigenes Gen 2501; daz herste gedigene, / daz man ze Tungeren vant Serv 1442. 1932; under al disem gedigene sô ist dehein bote niht sô guoter Kudr 1154,4; so muͦsz u̍ch dienen dis gedigen, / was hie in dem land ist Krone 20872. 13635; die [ hantveste ] ir [der Stadt] von vnsirm gidigine vnd von keisirn vnd kvnigin gigebin vnd giuestint warin UrkCorp (WMU) 173,2; Roth 774. 3772; NibB 1442,3; TrudHL 42,27; JTit 5786,4; Hawich 17; Ottok 70743. – ‘Söhne’ herzog Bernhartes gedigen Ottok 8368. siv [die Tochter Constantins] luchit vz deme gedigene / so daz gesterne tvͦt uvndeme himele Roth 71    2 daz himelische ~ ‘die himmlischen Heerscharen, die Engel’ daz himelische gedigene / dem chünic Charle hilfe bot Serv 2124; lob dem himelschen gedigene Konr(Sch) 109,22; wê dir, armchlîchiu gotes gischaft, / uber die dîn schephære wirt chlaghaft / allem himelischem gedigene Priesterl 349    3 ‘nichtadlige Einwohnerschaft, Volk’ nv was daz romsche gedigen / komen zvo dem tempel gar Martina 223,86; daz menschelich gedigen [Menschheit] ebd. 255,75. – ‘Bürgerschaft’ der rat, die zunftmeister vnd gimeinlich daz gidigen von Basil tuͦn kunt UrkCorp (WMU) 189,13 u.ö.; daz gedigene [die Gläubigen, Gemeinde] gegen dem stuole dranc / vrölich wart der antvanch / gegen dem bischofe milten Serv 437; do geschach ein gescholle zwischent den edeln und dem gediegenen zuͦ Strosburg, und gesigetent die edeln, daz sü des gedigenen 16 erschlugent ClosChr 122,1; UrkAltenb 135 (a. 1314). – ‘Gotteshausleute’ (die in Abhängigkeit von einem Kloster oder einer Kirche Stehenden): darna sol man dien gestun zem erst rihtun, darna dien frowen, darna dem gedigun WeistGr 1,311 (a. 1344)

MWB 2 205,58; Bearbeiterin: Herbers

2gedigene stN. wohl zu gedîhen stV. ‘Gewohnheit, Rechtstradition’ daz der chvntschaft wol gewizzen ist von altem gedigen her [von alters her] UrkCorp (WMU) 2120,24

MWB 2 206,34; Bearbeiterin: Herbers

gedigenheit stF. 1 ‘Vollkommenheit, Reife’
2 ‘Tüchtigkeit’
   1 ‘Vollkommenheit, Reife’ got aine treit die segense, dâ die iungen mitte ze der gedigenhait gemêt werdent TrudHL 123,8. 125,1. 146,30    2 ‘Tüchtigkeit’ daz sol doh mit dimutikeit vn̄ gedigenheit vn̄ uorhten tvͦn. dem ez der abte gebivtet BrAsb 47. 42 u.ö.;

MWB 2 206,38; Bearbeiterin: Herbers

gedigenicheit stF. zu gedigen Part.-Adj. ‘Tüchtigkeit’ vnt daz di gebezerit werden di iz da horint. daz tvͦ man mit demvte vnd mit gedignicheite vnt mit forte BrHoh 47. 42 u.ö.

MWB 2 206,44; Bearbeiterin: Herbers

gedigenlich Adj. ‘fest, stark’ diu [die Reue] sol uns leren, wie wir got sulen phlegen. / dannen chomet (uns) diemuot unde gedigenlichez muot AvaLJ 211,5

MWB 2 206,48; Bearbeiterin: Herbers

gedigenlîchen Adv. zu digen swV. ‘im Gebet, betend’ also der herre Salemon vil gedigenlichen des almahtigen gotes hulde suchunde sprach PrKlostern 37

MWB 2 206,52; Bearbeiterin: Herbers

gedîhe stF. ‘Heil, Rettung’ daz von gotes willen und von kraft des heiligen geistes gemachet wart diu edel menscheit und der edel lîchame ze menschlîcher gedîhe in unser vrouwen lîbe Eckh 2:439,6. – ‘Gesundung’ daz he arcztie [Arznei gebe] / den siechin zcu gedie PfzdHech 311,37. 338,6

MWB 2 206,56; Bearbeiterin: Herbers

gedîhe Adj., Adv. ‘vollkommen’ cynnama heizet cynemin. der ist drierhande. under den ist di beste di cleinste unde gedihste unde der suͦzeste unde der baz zengert unde bisset an der zungen Macer 84,3; wer dir sin gut lihe, / da gilt im gar gedihe; / wann wer ungern giltet, / vil dicke man in schiltet Facetus 152

MWB 2 206,62; Bearbeiter: Bohnert

gedîhen stV. auch gedîen (z.B. Walth 95,2; En 4499; MarlbRh 7,36; gedigen HlReg 11,28 ). 1 ‘wachsen, gedeihen’
1.1 eigentl., von Kindern, Pflanzen
1.2 übertr.;
2 ‘jmdm. in best. Weise ergehen, in best. Weise verlaufen, vonstatten gehen, ausschlagen’ , oft mit wol/übele/sô u.ä.
2.1 ohne Dat.
2.2 mit Dat.
3 ‘(in eine schlechte Lage) geraten, kommen; herunterkommen’ ;
4 wohin ‘kommen, gelangen’ , mit Präp.
4.1 eigentl.
4.2 übertr., unpers.
5 ‘zu etw. werden’ , mit Präp. ze , auch an/in
6 (jmdm.) ze spotte/klage ~ ‘(für jmdn.) zum Gegenstand des Spottes/der Klage werden’ u.ä.
   1 ‘wachsen, gedeihen’    1.1 eigentl., von Kindern, Pflanzen: er gedeih baz in drîn tagen / dan alle andere kint, / sô si drîer mânede alt sint SAlex 142; eyn iclich boum, der do wirt gepfropt [...] an sente Lambrechtis tage, der gedigit Pelzb 122,35. 128,4. – hier anzuschließen? mit Dat.d.S. ‘für etw. auf-, heranwachsen, reif werden’, verblasst: her [ein Mensch] gedech dem vure / der grundelosen helle HeslApk 11546    1.2 übertr.; ‘wachsen, größer werden, sich vermehren’ vor Kunst ich [die Milte ] guotes niht enspar, / swie kûme ez doch gedîhet KvWKlage 20,6; daz ir lop dâ bî wahse und vol gedîhe MF:Reinm 68: 1,3. – ‘etw. (ein Gefühl) erwächst, entsteht jmdm., wird jmdm. zuteil’ dâ von gedêch mir dirre pîn Parz 673,24; daz dir gedihe dar uz scham Minneb 4985; Wh 152,10    2 ‘jmdm. in best. Weise ergehen, in best. Weise verlaufen, vonstatten gehen, ausschlagen’, oft mit wol/übele/sô u.ä.    2.1 ohne Dat.: sô dankent [...] gote, / daz ir sît sus wol gedigen UvZLanz 4703; ich wil mit in [den Trojanern] strîten / sô daz sis schande gewinnen. [...] / si soln [...] / vil ubile gedîen En 4499; doch liez in got gedîhen / vil übel an dem lîbe Ottok 206; Roth 36; Neidh(S) 1,504 C284:5,4; Helbl 5,9; Virg 590,8. daz alle krâ gedîen, / als ich in des gunne! Walth 95,2; ach, ûz erweltiu ritterschaft / von Troye, wie bist dû gedigen [wie weit ist es mit dir gekommen] ! / wie siht man dich zerhouwen ligen KvWTroj 13191; SM:Tu 2:3,2; KvWEngelh 5735. wand sin [Isaaks] herce minte got / und leiste gerne sin gebot, / das ze selden im gedech [zum Glück ausschlug] RvEWchr 5614. – mit und Konsekutivsatz: sîn strît der gedêch alsô, / daz herter strît nie wart gesehen UvTürhTr 3252; Parz 578,24. 644,7. 667,16    2.2 mit Dat.: gerne wolden si sich im [Gott mit Opfern] genahen / daz in deste baz gedige swaz er in hiete uerlihen GenM 24,8; so wil ich [Isaak] dich [Esau] wihen daz dir alliv diniv dinch wol gedihen ebd. 49,5. wie dem helde Abimalech [...] gedech / sin tumplich vrevil [welche Folgen er für ihn zeitigte] RvEWchr 28808. – unpers.: wiez Ermrich [Dat.] ist gedigen Dietr 9827    3 ‘(in eine schlechte Lage) geraten, kommen; herunterkommen’; mit Präp. ze: ob ein man oder ein wip [...] ze soͤlher armvt gedeihen, daz si durch notdurft ir erbe mvͦzzen verchauffen UrkCorp (WMU) 2345,35; sô muost dû [...] ze bôsheite gedîhen unde zem almuosen [dahin kommen, dass du von Almosen leben musst] PrBerth 1:191,21; ze fremder hêrschaft / gedêch daz selbe lant Ottok 15141; Greg 2341(La.); DvASchr 356,3; mit dar zuo und Konsekutivsatz: von klagen si dar zuo gedêch, / daz ir vil kûm bestuont der lîp KlageD 78; KlageB 4201; Warnung 17269. – mit Präp. in: die getouften in den kumber sint gedigen, / daz si wol mugen verderben RvZw 170,5; sô gedîhent iure lant / in der Swâben hant Ottok 14459    4 wohin ‘kommen, gelangen’, mit Präp.    4.1 eigentl.: der poynder was gedigen / [...] gein der porten Wh 114,24; wie im [Joseph] got do uerlech daz er in Egiptum gedech GenM 100,27; Wh 135,23; KvWGS 1291; der strît gedêch wider ûf den plân Wh 42,29    4.2 übertr., unpers.: eins tages gedêhez an die stat / daz si der junge künec bat / nâch sîme dienste minne Parz 345,27; ez gedech uf einin strit [kam zum Kampf] RvEWchr 20229; HeslApk 3673; wohl auch unpers.: des wordin die radlude zweynde und [es] gedeich an den obirman, der gab uns sine sprache beschriben UrkWetzl 1,481 (a. 1331)    5 ‘zu etw. werden’, mit Präp. ze, auch an/in: daz die kristen und die heiden gar / gedigen alle zeiner schar, / [...] als ob si in einer presse / zesamne wæren getwungen Wh 391,16. 187,28; der ritterlîche turnei / gedêch nu zeime strîte KvWPart 15431; das ir volkomene craft / ze solher swacheit gediech RvEWchr 18158; alle tungede ane besheindenheit werden zu nichte eder gedigen zu untuͦgenden HlReg 11,28. 69,31; wohl auch hierher: des chlag ich [...] den vil werden, / der laider ist der [l. zer ] erden / gedigen Suchenw 15,191. der strît was sô ergangen: [...] / sîniu zweinzec tûsent wâren gedigen / unz an vierzehen Wh 50,12; Parz 190,28; sin grimmer muͦt der was gedigen / in eine vil reine guͤte Rennew 25620; UvTürhTr 3539    6 (jmdm.) ze spotte/klage ~ ‘(für jmdn.) zum Gegenstand des Spottes/der Klage werden’ u.ä.: daz wir den hellegeisten / ze spotte niht gedihen KvWGS 1559; PassIII 483,79; die [ungebeichteten Sünden] sind tze iamer dir gedigen [am Jüngsten Tag] Suchenw 42,130. 7,47; RvEWchr 21989; mit Ersparung des Dat.: swes in hete vor [vor seiner Bekehrung] beducht / von manigen valschen abgote, / daz gedech nu gar zu spote PassIII 549,50 – anders: dem richter wuchs ein michel pin, / wand im [d.h. zu seinem Verdruss] maniger werder got [Götze] / alhie gedêch uf einen spot [zum Gespött wurde] PassIII 173,8

MWB 2 207,5; Bearbeiter: Bohnert

gedîhenusse stF. ‘Wachstum, Entwicklung’ durch ir [der jungen Mitbürger] gedeinusse willen StRPrag 14

MWB 2 208,41; Bearbeiterin: Herbers

gedîhte Adv. gediche Daniel 6053. 5734. 6877. 7247, nur im Reim (auf rîche und gelîche) und als Füllwort, im Glossar als Kontamination mit dicke erklärt. ‘häufig’ wir [...]sculen vil gedihte mit war diumuotiger bihte / in daz gotes hus gan MillPhys 86,2; da dich [Gott] gedihte erhevent mit sange jouch mit lobe / dine engile here Himmelr 3,10. 12,2; ez gesluoc nie kein bischof / sundære sô gedîhte / mit besmen an der bîhte, / sô sî mich mit dem schîte sluoc BFrau 547; strichen wirt er von dannen / vrolich mit sinen mannen / durch lybiam gediche, / ouch durch der moren riche Daniel 7247; Gnaistli 885; Martina 167,101; TvKulm 1503. ie ~ ‘ununterbrochen’ do sein michel hæilichæit erschal, / der er phlac ie gedeihte, / ze briester man in weihte Serv 279; gelieben [Liebende] [...] die dicke und ie gedîhte / ein ander mugen gewesen bî Tr 13050; ez wâren ie gedîhte / die engel bî ir herren KvFuss 1204; LvRegFr 2256

MWB 2 208,44; Bearbeiterin: Herbers

gedîhticlîche Adv. ‘dicht, häufig, beständig’ iugiter ueremur: gedihtichliche wir furhten PsWindb 100,Oratio; ir [Blanscheflur] ougen über wielen, / die heizen trehene vielen / gedîhteclîche und ange / über ir vil liehtiu wange Tr 1211; dô [...] ir [den Gefährten Lanzelots] ein niwe wünne / gedîhteclîche und ebene pflac / [...] dô reit über ein breide / gegen einer wegescheide / Wâlwein UvZLanz 2361

MWB 2 208,63; Bearbeiterin: Herbers

gedille stN. getülle

MWB 2 209,8;

gedinchof stM. ‘Gerichtshof’ unnser gnediger her [...] hatt ain gedinkhoff ze Nüwkilch, in denselbigen dinkhoff hörend zwingbennlütt [...] und gut und gericht WeistGr 1,292 (a. 1330)

MWB 2 209,9; Bearbeiter: Bohnert

gedinclich Adj. ‘rechtsverbindlich, rechtsgültig’ so hen ich [...] gedinget mit gedinchklichen worten UrkCorp (WMU) 3297,28

MWB 2 209,13; Bearbeiter: Bohnert

gedincliute stM. (Pl.) ‘Urteilsberechtigte bei Gericht’ daz geziuget ein man [...] mit deme richtere vnd mit den schephenen. sint aber im die schephenen vor gestuͦrben, so tuͦt her iz mit den gedingliuten UrkCorp (WMU) 51,27

MWB 2 209,16; Bearbeiter: Bohnert

gedincwërc stN. ‘vereinbarungsgemäß übernommene Arbeit, Akkordarbeit’ waͤr ôch, das su̍ ains gedinges mit enander in ain kaͤmint umb ain werkk [...] uff ain zil, das haisset ain gedinkwerkk StRFeldk 164

MWB 2 209,21; Bearbeiter: Bohnert

gedinge swM. ‘Gerichtshelfer, Zeuge’ [er] huet seiner zungen vor unrechter vrag, ob er ein richter sei, darnach so huet sich vor unrechter volig, ob er ein geding sei, darnach var valscher urtail, ob er ein vorsprech sei StRWien Prolog 2; es mag auch niemant widertreiben gedingen aus der schrann ebd. 110

MWB 2 209,26; Bearbeiter: Bohnert

gedinge swM. stNMF. , gedinc stM. überw. swM. oder stN., seltener stM. (gedinge: Kchr 984. 8547; NibA 279,3; Ottok 47366. 5652; ThvASu 164,4, gedinc: Ottok 18480 u.ö. ) oder stF. ( RvEAlex 5120; RvEBarl 4849 u.ö.; Vät 2935 ). 1 ‘Hoffnung, Zuversicht’
1.1 allg.
1.2 in best. Verbverbindungen bzw. Wendungen
1.3 mit Bez. der erhofften Sache;
1.4 ûf gedinge(n) ‘auf die Hoffnung hin; aufgrund der Hoffnung’
1.5 gedinge(n) hân ‘hoffen’
1.5.1 ‘etw. (selten jmdn.) erhoffen, erwarten, damit rechnen’ ;
1.5.2 ‘seine Hoffnung (im Bezug auf etw.) in jmdn./sich/etw. setzen’ , mit Präp. an/gegen/in/ze
2 ‘Anwartschaft (auf ein Lehen)’
   1 ‘Hoffnung, Zuversicht’    1.1 allg.: gedinge ist aller werlde trôst, / daz sie von sorgen werde erlôst. / gedinge fröuwet manegen man, / der doch nie herzeliep gewan Freid 134,24; dem armen ist niht mê gegeben / wan guot gedinge und übel leben ebd. 43,13; ain zuversicht unt ain minne, / aín geloube unt ain gedinge, / ain truͦwe was in allen Rol 3460; sein gedinge was ze gote guot Serv 1634; die fürsten [...] sâhen wol daz er [Alexander] was frô, / daz was ir guot gedinge dô [gab ihnen Zuversicht, freute sie] , / wann sie in vorhten sêre UvEtzAlex 19150. ez heizet eteswâ gedinge, eteswâ zuoversiht, eteswâ hoffenunge, ez heizet in latîne spes PrBerth 1:46,14. 1:165,20; der hat rethen gedingen oder reht hofenvmb SpitEich 43,16. – unterschieden von wân (s.a. Götz, Leitwörter S. 164ff.): mîn gedinge ist, der ich bin / holt mit rehten triuwen, daz si ouch mir daz selbe sî. / triuget dar an mich mîn sin, / sô ist mînem wâne leider lützel fröiden bî Walth 14,14 (s.a. 1.3); ichn hân gedingen noch wân Iw 7864; guot gedinge der ist vil guot, / lieber wân noch sanfter tuot UvLFrd 340,25; daz dû des solt gedingen hân / sunder zwîvellîchen wân RvEBarl 3981 (s.a. 1.5); Freid 134,23; KLD:GvN 35:2,7; KLD:Obernb 4:2,2    1.2 in best. Verbverbindungen bzw. Wendungen: di fursten uon Karlingen / fluren allen ir gedingen Rol 8880; unser gedinge der ist hin Tr 9395; RvEBarl 4849. 13315. [David zu Goliath:] din gedinge ist an der sterchke din, / so lit der gedinge min / an gotis namen RvEWchr 24207; Erinn 4; man sol allen gedingen an got legen SpitEich 39,24; óbe dú dîn gedínge ánne míh sezzest Will 43,16; Spec 51,13; Wernh D 4141; RvEAlex 5120    1.3 mit Bez. der erhofften Sache; mit Gen.: unsir herri Crist [...] hat uns erzeigit den gedingin der hêrn urstende Spec 72,30; die hilig schrift [...] geringet alle werltlich angest mit dem gedingen der ewigen genaden PrOberalt 40,8; SuTheol 190. – mit präp. Attr.: mich fröit gedinge ûf lieben trôst KLD:Obernb 4:2,7; von sînem hazze ich nâch versanc, / und ouch versunken wære, / des half mir, daz ich niht ertranc, / gedinge ûf liebiu mære HartmKlage 1718; SEzzo 72. – mit abh. Satz: dô was er des gedingen niht gar in herzen vrî, / im müese von ir schulden liebes vil geschehen NibB 625,2; wan daz si der trôst labete / und der gedinge ûf habete [aufrecht hielt] , / daz sin binamen wolte sehen, / swie sôz möhte geschehen Tr 1188; HvFreibTr 6542; Walth 14,14; KLD:UvL 19:2,4; SM:KvL 17:3,1    1.4 ûf gedinge(n) ‘auf die Hoffnung hin; aufgrund der Hoffnung’ ach ungelückes âkust, / wie dû dich erzeigen muost; / wan dû dicke liebe tuost / manegem ûf gedinge, / swenn im dar nâch misselinge, / daz sîn clage sî deste merre Flore 1173; ich wil aber singen / der lieben ûf gedingen KLD:GvN 20: 2,6; doch bin ich ûf gedinge frô: / unz ich gedinge, so lebe ich hô SM:Gl 1: 14,1; KvHeimUrst 576; SM:HvStr 2:5,4. ûf den gedingen/daʒ gedinge, daʒ/obe ... ‘in der Hoffnung, dass ...’ und suohte her unde hin / ûf den gedingen, ob er in / iender hæte vunden Tr 9178. 19060; ûf den gedingen kom er dar / daz si im würde âne strît Wig 7328; RvEWh 4306; RvEBarl 16075; Ottok 22118; Seuse 47,19; ähnl.: ûf solhen gedingen ich her ze hove reit, / daz du mir holt wærest NibB 2102,2    1.5 gedinge(n) hân ‘hoffen’    1.5.1 ‘etw. (selten jmdn.) erhoffen, erwarten, damit rechnen’; mit Gen.d.S.: wir hân des niht gedingen NibB 115,1; ir sult iz lâzen stân / des ir dâ habet gedingen, ja’n mag es niht ergân ebd. 635,2 u.ö.; RvEBarl 3981. – mit Präp. ze: sône hete er ze sîner genist / dehein gedingen [Hss. gedinge ] mêre AHeinr 241; sît wir ze herverte haben guot gedinge Kudr 945,3; wand vns got erben hat beroubet vnd zvͦ andern erben niht gedingen haben UrkCorp (WMU) N377,23; SM:KvL 19:3,1. – mit abh. Satz: sô haben wir doh gedinge / daz wir ze jungest ernern unser sêle Kchr 984. 8547; ich hân gedingen daz mir werde ein süezer umbevanc KLD:GvN 15: 1,9 u.ö.; sô heter gedingen unde wân, / im möhte niemer missegân Eracl 1905; Will 53,5; HvNstAp 15860; Dalimil 32,33; Seuse 377,28    1.5.2 ‘seine Hoffnung (im Bezug auf etw.) in jmdn./sich/etw. setzen’, mit Präp. an/gegen/in/ze: dîe guoton sêla, dîe der [...] nechêin gedínge ne hând an ín sélbon [...], neuuâre ókkeret in gótes gnâdon Will 52,42; daz der mensche verzwîvel unde daz gedinge lâze, daz ein ieglich mensche gegen gote haben sol PrBerth 1:46,10; daz er ze got gedingen het Ottok 15713; diu Minne wol gevüegen kan / liep unde leit, die [denen, die] zuo ir habent gedingen RvZw 30,12; SuTheol 261; PrLpz 134,36. – mit gedinge erläuterndem abh. Satz: íh uuíl ióh dén gedíngon an ín [ihn (Christus)] hában. daz íh mîne mûoter Synagogam [...] ze sînemo gelôuben brínge Will 48,39; nû haben wir alle ze gote gedingen, / ir [Seele] werde ze jungest guot rât Kchr 6080    2 ‘Anwartschaft (auf ein Lehen)’ daz kint [...] bricht [hebt auf, setzt außer Kraft] al gedinge [anderer möglicher Erben] in des vater lêne, wan [wenn] ez lebete nâh des vater tôde SSp(W) 1:33; SpdtL 115,17; lên bî ires mannes lîbe ist ir gedinge; nâh ires mannes tôde ist ez ir rechte lên SSp(W) 3:75,2

MWB 2 209,33; Bearbeiter: Bohnert