gebrëstic
Adj.
‘mangelhaft, unvollkommen’
das ist nit hintz got ze sprechen / daz er si gebrestig. / er
hat almaͤchtigen sitt Teichn
582,41
MWB 2 182,28; Bearbeiterin: Herbers
gebrësticlich
Adj., Adv.
‘mangelhaft, unvollkommen’
menger spricht, er [Gott] beger. /
wenn daz wer, so bedorft er. / da mit wer [erg.
er
] geprestiglich Teichn
582,51;
Adv.:
hast du bi dinen tagen ie gebrestklich gelebt,
[...] dar ab solt du nit ze vast erschreken an der
stunde dines todes Seuse
379,13
MWB 2 182,31; Bearbeiterin: Herbers
gebrëstlich, gebrëstenlich
Adj. , -lîche
Adv.
1
‘drückend, bedrängend’
2
‘mangelhaft, abnehmend’
3
‘sündhaft, zur Sünde geneigt’
4 Adv. ‘mit Mängeln behaftet, schädlich’
1
‘drückend, bedrängend’
ain geprestleich pein Teichn
464,1513.
440,159
2
‘mangelhaft, abnehmend’
wise liute sprechint daz der mane gebrestenlich lieht habe von
eime manade an den anderen MNat
11,23
3
‘sündhaft, zur Sünde geneigt’
wan, ie sich der mensche gebrestenlîcher vindet und mêr
missetân hât, ie mêr er ursache hât, sich an got ze bindenne mit ungeteilter minne,
dâ kein sünde und gebreste enist Eckh
5: 237,5.
1:132,1.
2:318,5;
[der Mensch] sol gruntlich bekennen sin natúrlich nicht
und sin gebrestlich nicht Tauler
365,21
u.ö.;
Seuse
193,5.
5,11
u.ö.;
4
Adv. ‘mit Mängeln behaftet, schädlich’
in disen ziden ane vieng / ein hungernot, die umme gienc / alle dusche riche /
also gebrestenliche [die hatte solchen Mangel zur Folge] ,
/ daz [...] vil armer lude bliben dot Elis
3480
MWB 2 182,38; Bearbeiterin: Herbers
gebrëstlîcheit
stF.
‘Mangelhaftigkeit, Unvollkommenheit, Geneigtheit zur Sünde’
die gebrestlicheit die der mönsche hat von dien vier elementen PrEngelb
183,66;
enphengklich [...] aller gebrestlicheit
[...] geneigklich [...] zuo
süntlichen gebresten ebd.
187,199.
187,195;
nu lat got dicke die lidunge der gebrestlicheit uf manigen
menschen vallen Tauler
163,13;
Eckh(Pf)
515,15;
Gnadenl
3:M1,49;
Eckh
2:76,1
MWB 2 182,56; Bearbeiterin: Herbers
gebrëstunge
stF.
‘Abnahme, Rückgang, Niedergang’
wan also der mone fuͤmftzehen tag wæchst und andere
fuͤmftzehen tag ab nimt, also tuͦt der mensch, der wæchst untz daz er
drizzich jar alt wirt und nimt dann ab also der mon; von diu haizzet er in unser zung
‘gebrestung’ [
luna [...] in
scripturis [...] defectum nostrae mortalitatis
insinuat, qui crescimus nascendo, decrescimus moriendo, vgl. Anm.
z.St.]
PrOberalt
53,36
MWB 2 183,1; Bearbeiterin: Herbers
gebrieve
stN.
‘Sammlung von Stundengebeten, Brevier’
sprich sexte nah dem geprieve daz vor dir stet. sprich daz capitulum zder tercie
davor LambBrev
140
MWB 2 183,10; Bearbeiterin: Herbers
gebrievede
stN.
‘Auflistung, Liste’, Glossenbeleg des 13./14. Jh.s s. AWB
3,1383
MWB 2 183,14; Bearbeiterin: Herbers
gebriten
Part.Prät.
→
brîden
stV.
MWB 2 183,16;
gebriuwe
stN.
-û- md.
1 zu briuwen
1 : ‘Gebräu, eine bestimmte auf einmal gebraute Menge
Bier’
2 zu briuwen
2 : ‘Intrige, Ränkeschmieden’
1
zu briuwen
1: ‘Gebräu, eine bestimmte auf einmal gebraute Menge
Bier’
dry rethe haben gesaczed, daz hinneforth eyn yclich man, der do bruwen wil,
der ensal des jares nicht mer enkiezin zcu eyme gebruwe dann drizeg maldir gersten
StRMühlh
117
u.ö.
2
zu briuwen
2: ‘Intrige, Ränkeschmieden’
wand etsliche ungetruwe / haben von bosme gebruwe / besezzen gewaldecliche /
gar unserre vetre riche Macc
6600.
8112.
12864;
daz geriun [Geflüster] und daz
gebriwe Ottok
55756;
sîn valsch gebrûwe NvJer
16306
MWB 2 183,17; Bearbeiterin: Herbers
gebrockel
stN.
‘Reste, Überbleibsel’
1 Speisereste 2 von Menschen (nur bei Cranc , stets für
reliquiae )
1
Speisereste:
daz [...] die kleinen húndelin
[...] gespiset werdent von dem gebrockele daz do vellet
von der herren tische Tauler
44,22;
heis mich armen bilgerin [...] spisen von dem
gebruckel dines tisches ElsLA
427,22
2
von Menschen (nur bei Cranc , stets für
reliquiae):
herre, selige din volk, das gebrockele Israhelis
Cranc
Jer 31,7;
daz gebrockil der zal der starken schutzen von Cedars sone
wirt gemynret ebd.
Jes 21,17
u.ö.
MWB 2 183,29; Bearbeiterin: Herbers
gebröhsel
stN.
‘Lärm, Getöse’
da wart das gebröhsel so groß in jhener kirchen, das yn ducht
das sie allezumal off yn viele Lanc
565,27;
mit dem hort Meleagant gebröhsel das Lancelot macht mit syn
rittern ebd.
603,6
MWB 2 183,39; Bearbeiterin: Herbers
gebrôt
stN.
‘Brot, Brotähnliches’
und wær ez dîn grimmiger tôt, / du enbîzest tâlanc kein gebrôt BAdelh
18
MWB 2 183,44; Bearbeiterin: Herbers
gebrouche
Adv.
zu gebrouchen
‘biegen, beugen’ (vgl. Leitzmann, Lexik. Probl., S. 22)?
‘gewandt’?:
si vî in bî dem hâre / unde slûch im alsô gebrouche [Hs.
geburche
] / daz houbet von dem bûche JJud
1465
MWB 2 183,47; Bearbeiterin: Herbers
gebrouchlich
Adj.
‘geneigt zu etw.’
ir gemûte ist [...] / ze allem laster
gebrouchlîch Erinn
870;
du sollt nichtt greülich wesenn sunder genädigk unnd geprüchenlich
zentleibenn [verschonen] den du an gesigtt hast
HvHürnh
13,4
MWB 2 183,52; Bearbeiterin: Herbers
gebroʒ
stN.
‘Blütentraube’, als Bezeichnung für eine Kleesorte (Geißklee,
Schneckenklee):
cithisis : zepfo [Rispe] vel gebroz SummHeinr
2,241,39;
(vgl. AWB 1, 1428)
MWB 2 183,57; Bearbeiterin: Herbers
gebruch
stM.
1 wie
bruch 2.1
‘Mangel, Gebrechen, Schaden’ :
‘Fehlbetrag’
2 wie
bruch 1.3
‘Bruch, das Brechen’
3 wie
bruch 2.2
‘Rechtsverletzung’
1
wie →
bruch 2.1
‘Mangel, Gebrechen, Schaden’:
‘Fehlbetrag’
an welchem [...] leipding oder
ewigem gelte gebruche sein würdde, das man des disem male umb viertausend guldin nit
ankomen und gehaben moechte, so sol man des andern dest mer verkauffen, bis man die
summ achttausent guldin hat ungevarlichen StRAugsb
297,4.
299,19.
–
‘Abgang’
so sal die stat van Kolne van vnsen luden einen anderen kiesen an des
stat, des da gebruͦg is [der ausgeschieden
ist]
UrkCorp (WMU)
3470,5
2
wie →
bruch 1.3
‘Bruch, das Brechen’
doch wellent etleich maister, daz daz hirn hab enpfinden seins
gepruches, wenne man ez zepricht BdN
7,2
3
wie →
bruch 2.2
‘Rechtsverletzung’
so we oug iere [der Gräfin] gebeszirt inde
verbuͦzit hait bit guͦdeme vͦrkuͦnde, van wilcherhande
gebruͦgge dat dat si, dan ave ensulen wir engeinrehande beszeringe ove
buͦsze me vorderen ove nemen UrkCorp (WMU)
255,2.
3470,37
MWB 2 183,61; Bearbeiterin: Herbers
gebrûch
stM.
‘Benutzung, Gebrauch’
du [Gott] hast in gebruche dinere
gwaltigen hente / allere dinge anegenge jouch den ente Himmelr
1,21;
git in got in lidender wisen, so lident sú, git er in
[...] in schoͮwen oder in gebruche wise, so
gebruchent sú Tauler
24,24
MWB 2 184,17; Bearbeiterin: Herbers
gebrûchen
swV.
→
brûchen
(die präfigierten Formen sehr häufig in
Eckh , Mechth , Daniel ,
ThvASu , Tauler ).
‘gebrauchen, genießen’
also vil alse si hie vereinet waren, also vil gebruchet dort
únser vroͮwe und also vil gússet únser herre ob allen heligen in si
Mechth
6: 39,20;
git in got in lidender wisen, so lident sú, git er in
[...] in schoͮwen oder in gebruche wise, so
gebruchent sú Tauler
24,25.
–
‘jmdn. genießen, nutzen’
da sal man gebruchen offenbare / den suzen Jhesus, den wir hi up deme altare /
in des brodes in des wines formen intfen Lilie
44,3
MWB 2 184,23; Bearbeiterin: Herbers
gebrûcher
stM.
wer →
gebrûchunge
hat oder ausübt:
Christus were ein
wegman [
viator
] unde ein gebrucher
[
comprehensor
] gotlicher wesunge
ThvASu
92,15
u.ö.
MWB 2 184,35; Bearbeiterin: Herbers
gebrûchic
Adj.
‘tauglich, brauchbar’
[ein gerade getauftes] kint ist nit so gezwidig vnd so
gebrüching zü wirken nach der frien willenkuͤr Gnadenl
3:A2,349
MWB 2 184,39; Bearbeiterin: Herbers
gebrûchlich, -lîche
Adj., Adv.
auch gebrûchenlich ( Tauler ).
1
‘nutzend, teilhabend’
2 Adv.
1
‘nutzend, teilhabend’
inwendig ist er [der Mensch]
versunken und versmolzen in sinem gebruchlichen anhangende an gotte
Tauler
158,20
u.ö.;
dô enwolte ich niht, noch enbegerte ich niht, wan ich was ein ledic sîn und
ein bekenner mîn selbes nâch gebrûchlîcher wârheit Eckh
2:492,5;
Seuse
332,18.
–
in gebrûchlicher wîse:
so muͤssent ir [die
Menschen] ime [Gott] einen lutern
unbekumberten grunt erbieten, so múgent ir sin gewar werden in gebruchenlicher
wisen Tauler
59,19.
210,22;
der mensch, der sich verstat daz niht, von dem
gesprochen ist, in gebruchlicher wise, blibet diz dem menschen alwegent?
Seuse
350,30.
351,1.
474,9;
HvFritzlHl
225,24
2
Adv.:
der [überlebende
Ehepartner]
[...] mag gebruchliche
[als Nutzer] sitzen mit den kindern in alleme
guͦde StRHeiligenst
77
MWB 2 184,43; Bearbeiterin: Herbers
gebrûchlîcheit, -lîchkeit
stF.
‘Gebrauch, Genuss’
[in der Verbindung zwischen äußerem und innerem Gebet] were
gebruchlicheit und wúrklicheit ein, als das ein von dem anderen ungehindert belibe
Tauler
156,15
u.ö.;
so blibet der geist hie in geistes art in der gebrúchlichkeit
[...] dero glich ewigen, glich gewaltigen, inneblibenden
und doch ussfliessenden personen Seuse
185,30
MWB 2 184,61; Bearbeiterin: Herbers
gebrûchunge
stF.
‘Gebrauch, Verfügen, Teilhabe, Genuss’,
überwiegend in myst. und theolog. Texten als Übersetzung für usus oder
fruitio, die Übergänge sind fließend:
diͤ suͤz gebruchung unses heren, / de dich in
erdrich so wold eren, / dat du sin muͦder soldes sin, /
[...] dat sal al din vröude meren MarlbRh
130,22;
ouch creftiget in diz spise an siner inrlicher gotlicher gebruchunge dez götlichen
wesennes und der götlichen gegenwirtikeit MvHeilFr
21;
want die verdientlichen werke dez menschen
[...] bestat in einer voller gotlicher gebruchunge
ThvASu
32,19.
58,16;
Seuse
334,2;
Parad
71,19.
–
in dem, der da hat gebruchunge dez frigen
willen [
usum liberi arbitrii
] , der wirt
niht beweget von got zuo der gerehtikeit ane bewegunge dez frien willen
ThvASu
336,9.
120,21.
–
sîne [Gottes] obersten krefte die
hâten eine besitzunge und eine gebrûchunge êwiger sælicheit Eckh
5: 270,13
MWB 2 185,5; Bearbeiterin: Herbers
gebrüdeme
stN.
‘Gebrodel’
wær [...] ælliu tiuvellichiu craft / hie
mit æller ir gebruͤdem, / ez moͤht daz
geluͤdem [Lärm] / kume tiuvellicher sin
WhvÖst
4407
MWB 2 185,24; Bearbeiterin: Herbers
gebrülle
stN.
‘Gebrüll’
dô wart ein grôz gebrülle, / daz ime der grimme tôt wart schin Virg
383,8
MWB 2 185,28; Bearbeiterin: Herbers |