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ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
      gebietærin stF.
      gebiete, gebiet stNF.
      gebietebrôt stN.
      gebietegære stM.
      gebietelich Adj.
      gebieten stV.
      gebiethûs stN.
      gebietic Adj.
      gebilde stN.
      gebildunge stF.
      gebillen swV.
      gebinde stN.
      gebint stN.
      gebint stF.
      gebirge stN.
      gebirgeht Adj.
      gebite stF.
      gebitelôs Adj.
      gebitic Adj.
      gebiuge stN.
      gebiunde, gebünde, gebunt F.
      gebiurde stF.
      gebiurisch Adj.
      gebiurischeit stF.
      gebiurischlich Adj.
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gebietærin - gebiurischlich    


gebietærin stF. auch -în. ‘Herrin, Herrscherin’ ir habet doch ziuwerre hant / beidiu liute unde lant, / diu sint iuwer unde mîn: / dar über sît gebietærîn; / daz sol ziuwerm gebote stân; / swaz ir gebietet, deist getân Tr 13932; diu sêle ist [...] ein gebieterinne aller crêatûre und ein besitzerinne aller der fröuden, die got geben mac in sîner êwekeit Eckh(Pf) 413,19; (Höflichkeitsfloskel des Gastgebers:) frowe mein, / ir schult gebieterinne sein / uber al meine hab GvJudenb 4940. – von der Minnedame: ich wil mit dienest neigen / mînen lîp in iuwer gebot, / wand ich hân iuch mir nâch got / zeiner gebieterinne erkorn Wig 8984; swie dû wilt, sô wil ich leben; / ich bin dîn dienst, dû mîn gebietærinne RvZw 26,12; iwer eigen man, mîn herre, / [...] giht iu, frowe, für elliu wîp, / daz ir ze reht über sînen lîp / vrowe und gebieterinne sît UvLFrd 52,12; SM:WvK 6:2,5 u.ö.; – von Maria: Salomônes hôhen thrônes / bistû, frowe, ein selde hêre und ouch gebieterinne. / [...] ob allen megden bist dû, maget, ein magt, ein küniginne Walth 4,35; gewaltigú gebieterin, / der wir gehorsam gerne sint / mit dienst willekliche WernhMl 14453; dô got hât sô liep sîn wîp, / er hât ir werden süezen lîp / im selben erwelt ze minne, / und zeiner gebietærinne / hât er gemacht ir eine / über himel und erde gemeine: / dâ sol si gewaltec sîn MarlbGr 484. 579; KvHelmsd 4151; Philipp 9339

MWB 2 159,13; Bearbeiter: Plate

gebiete, gebiet stNF. auch gebiute Macc 8304. 13362; Daniel 4218 (unten unter 3; vgl. → biet, biute stFN.). 1 ‘Gebot, Befehl’
2 ‘Befehlsgewalt, Herrschaft’
3 ‘Herrschaftsbereich’
   1 ‘Gebot, Befehl’ noch der gotheit gebiet / den boum man in [Adam und Eva] beschiet Lutwin 345; der quam [...] durch rehte liebe und niht durch keiner slaht gebiet Loheng 3365; der wirt wart sîner geste frô; / über al hiez er dô / aller der diete / sagen mit gebiete, / sînen gesten, den hêrren, / solden sie ze êren / vrô wesen unde vîren ErnstD 5066; der meistir mit gebîte / bevûl im der bîsorgin werc / des hûsis zu Kungisberc NvJer 19023    2 ‘Befehlsgewalt, Herrschaft’ do ich [...] in hoher wirde swebte, / und do min herlich gebiet / vor maniger hande diet, / und nach minem willen worhte HvNstVis 319; Ludewic was der name sîn, / der lantgrâve von des landes craft, / des im was die hêrschaft / an voller gebiete Kreuzf 637; an voller gebiete ebd. 5550; al die, der ich gebiete hân ebd. 7757; jâ, herre, dir ist undertân / alliu heidenische diet, / diu stêt in dîner gebiet Ottok 47026; daz er solde beidirwegin / der lande mit gebîte pflegin / und mit bîsorge nemin war NvJer 17080; undir der stat gebite sint vil burge unde stete MarcoPolo 73,12; die den di leut undertenick sint und under ierem gepiet wonunt und siezent StRBrünn 376    3 ‘Herrschaftsbereich’ swaz avch in einem jar ergangen ist vͦf dem lande od vͦf den wazzern, so sol der herre, in des gebiͤt ez ergangen ist, schaffen, daz di den selben schaden selbe bezzern, die di getat getan habent UrkCorp (WMU) N571,5; vnd sol ouch der erzbischolf in siner gebiet vnser leut sichern vnd vreien ebd. 2290,38; solde ein strît geschehen, / daz möht ir denne gerne sehen / nâhen bî iwer gebiete; / ob iu der strît misseriete, / dester baz hulf man iu hin Ottok 29042; das ir da her seyt gezogt / in mein gepiet in ditz lant HvNstAp 13836; sein gepiette was zwayer meil prait / und langk wol funff meyle ebd. 10675; brûdir Herman Balke [...] der êrste lantmeistir was / in Prûzinlande, als ich las, / und pflac wol zwelf jâr / des gebîtis dâ vorwâr NvJer 3616. 17103; weren dise arme lute / nu kumen in dem gebute / zu dem volke daz snoder was, / Scytin man dem den namen las, / in were da reht geschehen [ 2 Macc 4,47 ] Macc 8304. 13362; Daniel 4218; al kirchprobst, al ander amptleut aller pfarren, aller dorffer, aller burgen, aller vesten in dem pistumb vnd gepiet zw Trint StatTrient 114. – Gerichtsbezirk: mit dem rihtær, in des gebiet der ravp gefuͤrt oder getriben ist UrkCorp (WMU) 1800A,6

MWB 2 159,41; Bearbeiter: Plate

gebietebrôt stN. ‘(den Fronarbeitern) gereichtes Brot’ wenn unser herre der abbas och will haben lute in frone, so sol der weibel nemen als menig brod ze gebietende jeglichem frönlinge ein brot, als meniges frönlinges unser herre bedarf. [...] das gebiete brot sol sîn also gros, das man drîssig müge gemachen von eime malter viertel UrkEls 2,163 (a. 1339)

MWB 2 160,28; Bearbeiter: Plate

gebietegære stM. ‘Herrscher’ Cretina das ist eyn groz kunigriche in Persida, do sendit der groze chaam noch siner lust eynen gebiteger MarcoPolo 8,4; Deutschordensoberer (vgl. → gebietære): und dô in disen swêrin / mit sînin gebîtegêrin / der meistir sus betrûbit saz NvJer 19433

MWB 2 160,36; Bearbeiter: Plate

gebietelich Adj. ‘mit hoher Befehlsgewalt (hier: des Darius) versehen’ alle vursten und ratgeben [...] haben einen rat angegangen, daz ein gebitlich gesecze [ decretum imperatorium ] uzgee unde ein gebot, das [...] Cranc Dan 6,7

MWB 2 160,42; Bearbeiter: Plate

gebieten stV. 1 bieten 1.2 ‘(jmdm.) etw. darbieten, geben, anbieten’
2 ‘Herrschaft ausüben’
3 ‘(jmdm.) etw. befehlen; etw. (jmdm.) als Befehl, Gebot, Gesetz o.ä. (durch Boten) verkünden (lassen)’ , mit (Dat.d.P. und) Obj.-Satz, Inf. oder Akk.d.S., beim Inf. auch mit Akk.d.P.; selten auch → bieten in dieser Bedeutung, vgl. dort unter 1.5
3.1 mit Obj.-Satz
3.2 mit Inf.
3.3 mit Akk.d.S.
3.3.1 Pron.
3.3.2 Subst. ( vride, hervart, dinc, hof usw.)
3.4 Wendungen
3.4.1 (unter Androhung einer Strafe:) an daz leben / den lîp, bî der wide (Strang), einer Geldbuße usw.
3.4.2 (unter Berufung auf eine Eidesverpflichtung o.ä:) bî dem eide / gelübede ~
3.5 absol.
4 ‘befehlen’ in Höflichkeitsfloskeln
5 ‘laden, aufbieten (lassen)’
5.1 jmdm. (auch: jmdn.) wohin , mit Richtungserg. an, gegen, in, ûf, vür, zuo/ze + Akk. oder dar
5.2 etw. vür ‘gegen’ etw.
   1 bieten 1.2 ‘(jmdm.) etw. darbieten, geben, anbieten’ daz er dekeine miete / möhte gebieten oder gegeben Tr 7219; er bôt sich drâte ûf ir vuoz / und suochte ir hulde unde ir gruoz / [...] er sprach: ichn mac noch enkan / iu gebieten mêre / wandels noch êre Iw 2287; daz si im ir minne nie gebôt, / des lager nâch ir minne tôt Parz 16,9; UrkEls 2,163 (a. 1339)    2 ‘Herrschaft ausüben’ ouch wurden ir mit dienste sider undertân / alle des küniges mâge unt alle sîne man, / daz nie diu vrouwe Helche so gewalteclîch gebôt NibB 1385,3. über jmdn.: waͤr [...], ob der v́nser kainer, v́ber die wir ze gebiettend hand, die frighait v́berfuͤr vnd braͤch UrkCorp (WMU) 108,4; als Höflichkeitsfloskel, ‘über jmdn. verfügen’ gebietet über mich: / swaz ir gebietet, daz tuon ich Iw 3622; Parz 554,18; Tr 3374. got gebietet über jmdn. ‘beruft jmdn. aus dem Leben ab’, euphem. für ‘jmd. stirbt’ daz si mich, so got vͤber mich gebeut, bi dem selbem irem chloster piuilden suͤlen UrkCorp (WMU) 2706,18; wenn awer got vber vns gepewtet, so schullen si den vorgenanten iartag begen StiftStBernh 257 (a. 1314); wer och daz, daz got uber vns gebvte, daz [so dass] wir stvrben an erben UrkCorp (WMU) 1816,25. 3585,15    3 ‘(jmdm.) etw. befehlen; etw. (jmdm.) als Befehl, Gebot, Gesetz o.ä. (durch Boten) verkünden (lassen)’, mit (Dat.d.P. und) Obj.-Satz, Inf. oder Akk.d.S., beim Inf. auch mit Akk.d.P.; selten auch → bieten in dieser Bedeutung, vgl. dort unter 1.5    3.1 mit Obj.-Satz: unde daz gebôt sî mir / daz ich iuch gruozte von ir Iw 3113. 5482; darum gepiet wier vestichleichen allen mautern [...], daz si von chainem chaufschatz [...] maut aischen oder vodern StRBrünn 383 (a. 1312). sus seit man uns daz er gebüte / daz man diu kint dâ lieze leben KvWSilv 1168; got sol daz gebieten, daz iuwer tugent immer lebe NibB 2199,4    3.2 mit Inf.: er gebiutet dêmüete, / zuht, milte unde güete / behalten unverkêret RvEBarl 10889; swenne vogtsdink kumt ze dem maien, und ein vogt gebiut abe ze brechen ubergecimber oder graben ze rumen StRAugsb 136,15. – und Akk.d.P.: do gebot der bisgof riche / al die menige swigen Wernh D 2024; vnd wil hie dienen minem threhtin / der gebivtet mich sin helfere sin Albert 565; sie gebuten sâ zehant / arme und rîche gâhen, / ir lieben herren vâhen RvEBarl 14698. – und Dat.d.P.: diu mir gebôt / vil langen niuwen kumber tragen MF:  Reinm 38: 1,5; daz si mir gebotten hât / singen unde frô belîben SM:KvL 14: 2,7; daz mir mîn herze ie gebôt / von der lieben vrôwen mîn / in alsô rîchen vreuden sîn RvEGer 4428    3.3 mit Akk.d.S.    3.3.1 Pron.: swie hôhe rîche wære deheines küniges man, / swaz im gebüte sîn herre, das sold’ er doch niht lân NibB 728,2; ir zuht von art gebôt in daz Iw 6292; gebuten daz die wîssagen / und die boten bî ir tagen? RvEBarl 5311    3.3.2 Subst. (vride, hervart, dinc, hof usw.): mit râte alsô wîslîchem / rihte der chunic daz rîche. / er gebôt ainen gotes fride Kchr 15140; swer des frides wider ist, als in der meister gebivtet von der stat UrkCorp (WMU) 130,26; so gebiut in vride her ze mir Iw 515; StRBrünn 358. der künic gebot eine hervart hin ze Kriechen über mer PKchr 147,17; doh gebôt er sîne hervart SAlex 4324; swenne man einen gemeinen vsgezog gebv̂t UrkCorp (WMU) 1797B,18. vnd sol ze drien citen imme iare in ieclicheme hove ding han [...] vnd sol man dv́ [sc. ding ] dervor viercehen naht gebieten UrkCorp (WMU) 679,28; er gebot einen hof ze Rome PKchr 151,34. 194,47. daz man mæzlîchen / vasten sol gewislîchen / die tage die von got sint / geboten WälGa 10342    3.4 Wendungen    3.4.1 (unter Androhung einer Strafe:) an daz leben / den lîp, bî der wide (Strang), einer Geldbuße usw. ~ : wær ez im an den lîp geboten, / ern möhtez niht verswigen hân Tr 3518; dô hiez er dem gesinde / mit drô gebieten an den lîp, / daz deweder man noch wîp / giengen in den palas RvEBarl 883; ReinFu K,1655; Parz 117,22. 148,2; diu vrouwe gebôt ir an daz leben, / [...] daz sî in allenthalben / niht bestriche dâ mite Iw 3439; der küneginne marschalc / tet den schiffen sölhen vride, / daz er gebôt bî der wide [Strang] / daz se ir decheiner ruorte Parz 200,26; und den sol im der richter geben und dem selben gepieten bei fùmf pfunt pfenning, daz er es tuͦ OberBairLdr 12    3.4.2 (unter Berufung auf eine Eidesverpflichtung o.ä:) bî dem eide / gelübede ~ : des manen vnd biten wir si mit fleizze vnd gebieten in ez bi dem gelubde UrkCorp (WMU) 1411,44; daz gebieten wir den herren bi dem aid, den si vns datz Freising gesworn habent ebd. 1312AB,31,27    3.5 absol.: gebietet als wir dâ heime sîn Wh 262,9; Artûs [...] sol nâch wirtes siten / hie gebieten und nicht biten HvFreibTr 2500    4 ‘befehlen’ in Höflichkeitsfloskeln: swaz si [ friunde ] mir gebietent, des bin ich alles in bereit NibB 1862,4; swaz ir gebietet hie ze hûs, / des sît ir alles gewert, / ist daz ir betelîchen gert Iw 4544; swaz ir gebietet, daz ist getân ebd. 243. 3622; ‘dû solt mich einer bete gewern, / dern wil ich niht von dir enbern.’ / ‘swaz ir gebietet, hêrre mîn.’ Tr 3369; bei der Begrüßung: waz ist daz ir gebietet [was führt Euch zu mir, was ist Euer Anliegen?] Iw 7959. swie / als / ob ir gebietet ‘wie / wenn es Euch gefällt, wie / wenn Ihr wollt, mögt’ ‘sô nim ich iu lîhte den lîp.’ / ‘swie ir gebietet, sælec wîp.’ Iw 2294; nu tuot als ir gebietet Wig 2439; hêr Tristan / dern gepfliget mîn niemer tac. / ob ichs iuch erbiten mac, / ir müezet mîn zwâre under wegen, / ob ir gebietet, selbe pflegen Tr 14000; [Erzähler:] ine sagez iu [Publikum] niht nâch wâne: / gebiet ir, sô ist ez wâr Parz 59,27. 685,12; âventiure hœrt, obe ir gebietet Tit 141,3. – beim Abschied: ‘jmdn. entlassen, jmdm. den Abschied geben’ ob ir gebietet, frouwe, / mit urloube ich schouwe / wiez umbe mîne muoter stê Parz 223,17; gebietet mir, hiest bite [Verweilen] nimê. / ‘vriunt’ sprâchen jene ‘adê, adê!’ Tr 3857. 14491; vergezzet mîn durch keine nôt. / dûze amîe, bêle Îsôt, / gebietet mir und küsset mich ebd. 18285 u.ö. – jmdm. an sîne stat ~ ‘nach Hause gehen lassen, freilassen’ dû [Tod] hâst vil bœser râtgeben, / wan dû gâhes nimst daz leben / einem sô gewanten man / den diu werlt niht überwinden kan, / und gebiutest einem an sîne stat / dem ie diu werlt des tôdes bat / unde lâst den werden alt Er 5928; maniger zuo den vrouwen gât / und swîget allen einen tac / und anders niemen sînen willen reden lât. / niemen im ez vervienge / zeiner grôzen missetât, / ob er dannen gienge, / dâ er niht ze tuonne hât; / spraeche als ein gewizzen man / "gebietet ir [l. mir ] an mîne stat!", / daz waere ein zuht MF:Reinm 19: 5,6    5 ‘laden, aufbieten (lassen)’    5.1 jmdm. (auch: jmdn.) wohin ~ , mit Richtungserg. an, gegen, in, ûf, vür, zuo/ze + Akk. oder dar ist ieman [...] dar [ lanttegedinc ] gebotten, div gebot svln stete sin SchwSp 54a; sîn manheit im gebôt / genendeclîche an manegen strît Parz 296,14. dem jungen Sigebande man gên hove gebôt, / dâ er solte lernen [...] / mit dem sper rîten Kudr 3,1. der butil der insal aber niht gebieten deme gesinde in irs herren hus UrkCorp (WMU) 1161B,29; der gast muz im in daz dinc lazen gebiten StRFreiberg 48,34. man sol in gebieten ûf daz capitel unde sol sie mit geistlîchem gerihte dar zuo twingen, daz sie gelten unde widergeben PrBerth 1:122,35; sweme man gebiutet uf den hof, der niht enkumet, der büezzet driu phunt RbBasel 13,5; jn swez gebiete di levte sitzen [...], der gebiet in auf di stat vnd auf den tach UrkCorp (WMU) 631,48. ich gebot im, kvnic, fvr dich ReinFu K,1615; sîn elter sun für sich gebôt / den fürsten ûzem rîche Parz 6,2; swer der ist, der mit den lantherren [...] niht envert [...], dem sol der landesherre fvͤr sich gebieten UrkCorp (WMU) 467,8; wer im des widerstat, dem sol er gebieten für den vogt UrkEls 2,164 (a. 1339); ist daz der juden richter ein iuden vur gericht gepeut StRBrünn 370; anders: also, daz sv́ vmbe [wegen] die vnzúht fúr die stat [das städtische Gericht] gebieten UrkCorp (WMU) 542,29. dô chômen boten frône, / si gebuten im ze Rôme Kchr 6637; er bat und ouch gebôt / zuo sîner hôhgezîte NibB 1422,3    5.2 etw. vür ‘gegen’ etw. ~ : wan ê dir iht geschehe, so müeze mir geschehen / ein unverheilet smerze, / da man niht vür gebieten [gegen den man nichts aufbieten] kan SM:UvS 12: 3,5. – etw. an einer Stelle?; mit attrahiertem Gen. statt Akk.d.S.: aller mîner êren der muoz ich abe stân, / triuwen unde zühte, der got an mir gebôt [die Gott an mir aufgeboten hat = die mir nach Gottes Wunsch zuteil wurden] NibB 2153,3

MWB 2 160,47; Bearbeiter: Plate

gebiethûs stN. ‘Gerichtsgebäude’ do fvrten si Ihesum zv Pilatum in daz gepiethus [ praetorium ] EvAug 266,10 ( Io 18,28). 72,8 ( Mt 27,27). 119,5 ( Mc 15,16)

MWB 2 163,28; Bearbeiter: Plate

gebietic Adj. gebeitic

MWB 2 163,32;

gebilde stN. 1 ‘Gestalt, Bildung, (äußere) Erscheinung’
2 ‘Abbild’
3 ‘Vorbild, Exempel’
   1 ‘Gestalt, Bildung, (äußere) Erscheinung’ do unser herre, schepfær aller dinge, durch lieb siner hantgetat, der armen menschen, menschlich gebilde an sich nam PrOberalt 30,4; di selben gute spise / ze geistlicher wise, / die geheiliget got uon himele / in sûnlichen [sichtbarem] gebilede / uon brote ioh uon wine Glaub 962; die prister hat gebilide / Cristis uon himele, / alser gegerwet da steit / unde uor deme altare begeit / den gotelichen rat / uor unse missetat ebd. 1085; dô sprach der vater zuo dem sune: wir suln machen einen menschen, unde sîn gebilde das werde nâch uns selben DvASchr 399,8. – besonders ‘Sternbild’ (?): di wisen begunden sih ouh uermezzen, / si chunden wol mezzeu / in lutzelir wile / di manic tusint mile / uon der erden zo dem himele, / da inzwischen di gebilede, / di begunden si alle nennen Glaub 396    2 ‘Abbild’ zum dritten mol sullen wir uns kennen, daz wir sein gebild gotes an dem, daz er uns noch im gebildet hat Eckh(J) 66,19; vnde dat eyn jtlick sy barmhertich sinen euen cristen, wente he is eyn kynt godes als he vnde eyn gebilde godes vnde eyn geselle der ewigen vroude Gnadenl 3:Wo1,137. 3:Wo1,183    3 ‘Vorbild, Exempel’ daz gebild hat uns got vor getan, ob wir den worten niht volgen, daz wir den pilden volgen PrOberalt 92,26; si [Maria Magdalena] ist uns des gebilede: alle di dir getruwen / vnde ir sunden sih geruwent / di werdent von dinen gnaden getrost / von allen sunden irlost Glaub 2229; HeslApk 13624

MWB 2 163,33; Bearbeiter: Plate

gebildunge stF. ‘Gebilde’ figmentum: gebilidunge PsWindb 102,14

MWB 2 164,1; Bearbeiter: Plate

gebillen swV. billen. tr.: ir mohtet æ̂ gepillen [schlagen] / daz wazzer ovz dem steine Wernh A 1442. – intr.: und daz niht gebillen [durchdringen] / mîn zunge in arge sinne mac KvWLd 32,232

MWB 2 164,3; Bearbeiter: Plate

gebinde stN. ‘Band’ (vgl. gebende stN.): einem krâmer hêt er genomen / ein sîdîn gebinde, / daz gap er Gotelinde Helmbr 1075

MWB 2 164,7; Bearbeiter: Plate

gebint stN. ‘Gebinde’ und di werden gesament in einir burden gebint [in congregationem unius fascis] in di helle, do werden si beslozzen in kerkern Cranc Jes 24,22. – ‘Verbindung’ ouch hân dî rîmen recht gebint: / ist daz man andirs icht dâ vint, / dî schrîber daran schuldic sint NvJer 26663

MWB 2 164,10; Bearbeiter: Plate

gebint stF. ‘Flurstück’ (vgl. gebünde, gebunt F. und 1DWB 4,1,1,1773 s.v. gebinde, gebind FN.): dri sateln bi der gebint hern Albrechtis von Heruirsleiben UrkCorp (WMU) 2937,3; drey acker, dy doselbins legen an der gebind, dy do Titzels Francken burgers aldoselbins waren UrkJena 120 (a. 1331)

MWB 2 164,16; Bearbeiter: Plate

gebirge stN. 1 ‘Berg, hügelige / bergige Gegend, Gebirge’
1.1 ausdrücklich für eine Mehrzahl von Bergen
1.2 allg. für ‘Gebirge / Bergland’ (im Ggs. zu ‘Tal’ )
1.3 für ein bestimmtes Gebirge / Bergland
1.4 öfters scheint eher ‘Berg’ gemeint zu sein
1.5 bildl.
1.6 übertr.
2 ‘Bergwerksgebiet’
   1 ‘Berg, hügelige / bergige Gegend, Gebirge’    1.1 ausdrücklich für eine Mehrzahl von Bergen: jn dem mer sint uil grose berge, vnde gant in daz gebirge groze loͮcher Lucid 41,7; an disin selbin bergin lit / und stozent dran vil nahe bi / die berge montes Kaspii: / das ist ein hoch gebirge groz RvEWchr 1476; ein berc von sîm gebirge schît / in einre erdbibunge schûr / und zu andrin bergin vûr NvJer 1441    1.2 allg. für ‘Gebirge / Bergland’ (im Ggs. zu ‘Tal’): daz die zwo stette [...] sollent wunne vnd weide gemeine haben vnd niessen, an holze, an gebirge vnd an velde UrkCorp (WMU) 3055ABC,24,44; swaz ich verlihens guͦtes han in dem Enstal [...] in dem gepirig vberal vnd ouzzerhalb des gepiriges ebd. 3217(2),  29,30    1.3 für ein bestimmtes Gebirge / Bergland: si furten den uerratere / wider uber daz gepirge [Pyrenäen] / gegen sinim herren Marsilien Rol 6126; kaiser Otte dô / eins grôzen urliuges pflac / und enhalp des gebirges [jenseits der Alpen] lac / vor einer stat vil wünneclich KvWHvK 398; er fuor mit sîme herren dan / über daz gebirge enwec ebd. 515. 443; WeistGr 1,366 (vor 1341); in Vrankin vnd in Doringin vnde in deme beygerischim gebirge Pelzb 136,32; in Burgundenland pei dem geperg BdN 493,36. – bibl. für das Hügelland Judäas (lat. montana Lc 1,39.66): der czit machte sich uf maria unde gynk in daz gebirge snelleclich, in dy stat czu juda EvBerl 3,9. 136,6; EvAug 124,22. 126,9    1.4 öfters scheint eher ‘Berg’ gemeint zu sein: ubir tal vn̄ gebirge / man sie unsanfte iagete Ägidius 376; der steinbok hvp sich her nider / von dem gebirge balde ReinFu K,1345; daz was vor eins gebirges want, / aldâ sîn manlîchiu hant / froun Jeschûten die hulde erwarp Parz 455,27. von den snêen, die durch daz jâr auf etleichem geperg ligent BdN 102,31. – besonders, wenn ~ im Pl. gebraucht wird: uuís gelîh déro rêion unte démo híntcalbe in den gebírgon Bethel [super montes Bethel] Will 47,2; daz wazzer flôz uber al, iz fulte berg unde tal. / dei gebirge dô sunchen, dei lûte elliu ertrunchen Gen 705; so er [Löwe] gêt in den gebirgen oder in deme walde, so in die iagere iagint JPhys 1,8    1.5 bildl.: ir munndlin ist húpsch rot und fin, / als ob ain geburg von röbin / staͤtteclichen dar inn brin MinneR3 42    1.6 übertr.: dez wazzers geperg [Wölbung des Meeresspiegels] KvMSph 15,25    2 ‘Bergwerksgebiet’ ein iklich bercman muz antwerten in der stat, wi wol he besezzen ist uffeme gebirge StRFreiberg 47,2; man sal uf keime gebirge noch in keinen dorferen noch in keinen vorwerken noch nirgen inme lande kein burnegadem [Edelmetallschmelze] haben wen in Vriberc alleine ebd. 76,23; uf alleme gebirge, daz in di stat zu Vriberc gehorit ebd. 22,21. 118,7. 252,7 u.ö. – ‘Bergwerk’ ist das iemant tail hat an eim gepirge und auzerhalb landes ist, versaumet sein besteller oder sein pfleger drei gedinge, daz er seiner cost darczu nicht geit, er verleust sein tail mit rechte BgRIglauD 33

MWB 2 164,23; Bearbeiter: Plate

gebirgeht Adj. ‘gebirgig’ dorno ist eyn andir provincie di ist gebirgecht, und ir tale sint gar lustik und ir velde MarcoPolo 29,4; ist gebirgit ebd. 4,21

MWB 2 165,19; Bearbeiter: Plate

gebite stF. 1 ‘geduldiges Warten’
2 ‘Aufschub, Frist’
3 ‘Verweilen, Aufenthalt’
   1 ‘geduldiges Warten’ ze manegen dingen ist mir gâch, / daz mich geriuwet dar nâch. / unrehtiu gæhe schaden tuot, / reht gebite diu ist guot Freid 116,22; zer welte ist niht sô guot, daz ich ie gesach, sô guot gebite. / swer die gedulteclîchen hât, / der kam des ie mit vröiden hin MF:Reinm 12: 4,6; Rennewarten duhte gar zu lanc / nach Alysen die gebite Rennew 4789; Mai 26,26; merket war ich diz wende, / mit geduldigen gebiten HeslApk 14547    2 ‘Aufschub, Frist’ daz ist ein klag vor aller klage, / daz wir ie von tag ze tage / dâ gegen [auf den Tod zu] treten einen trit, / und weder frist noch gebit / dar an ist niender umb ein hâr Georg 1066; kûm erwarp man im daz, / daz man im liez solch gebit [soviel Zeit] , / daz er hinz Knutelvelde rit Ottok 57159; mîn frâg niht lenger hât gebit Helbl 1,308    3 ‘Verweilen, Aufenthalt’ wand er deheiner slahte twâl / hete ninder noch gebite Parz 15,7; nu kertens dannen on gebit WhvÖst 4204

MWB 2 165,23; Bearbeiter: Plate

gebitelôs Adj. ‘ungeduldig’ dû gibitelôser menniske, dû dâ wilt den lôn haben ê dû in uerdienist TrudHL 71,23. 120,25; ich weiz wol, Tristan unde Îsôt, / die gebitelôsen beide / benâmen ouch ir leide / unde ir triure ein ander vil, / dô si begriffen daz zil / gemeines willen under in Tr 12359

MWB 2 165,43; Bearbeiter: Plate

gebitic Adj. oder gebîtic? longanimis: gebitich PsM 102,8

MWB 2 165,49; Bearbeiter: Plate

gebiuge stN. ‘Beugen’ als der wynt wirffet abe mit gebuͤge / die frucht von baumen und slet sij abe Pilgerf 7672

MWB 2 165,51; Bearbeiter: Plate

gebiunde, gebünde, gebunt F. ‘eingefriedete landwirtschaftliche Nutzungsfläche’ (vgl. biunde, biunt und gebint stF.): daz wir den berch [...] niht bawen svlen noch auf deheinem andern berge in der selben gebeunde UrkCorp (WMU) 1541,11; in loco, qui dicitur cleyne gebunt UrkJena 65 (a. 1310); vierczehen hube landes ardackirs an den gebunden gelegen vor der stat zu Erffurt UrkErf 2,221 (a. 1347); WeistGr 3,619 (a. 1268)

MWB 2 165,54; Bearbeiter: Plate

gebiurde stF. ‘Landschaft, Gebiet’ mir nennet daz buch her na / die geburde in der geine [Gegend] , / groz vnde kleine: / Azonis von Persia, / Taure vnde Yndia Herb 14290 u.ö.; in der gebuͦrte vnd in der gegenote was vnser herre eine wile PrLpz(L) 68,5; regiones gentium: [...] die gegende. die gebiurde dere diete PsWindb 104,44; in regione uiuorum: in der gebiurde dere lebentigen ebd. 114,Oratio; inde sin wir dan ze Kolne ove ze Buͦnne [...] ove in dieser gebuͦirden UrkCorp 255,3 u.ö. (alle Belege Köln)

MWB 2 165,63; Bearbeiterin: Herbers

gebiurisch Adj. 1 von Personen
1.1 ständisch: ‘bäuerlich, von bäuerlichem Stand, bäuerlicher Herkunft, bäuerlicher Lebensweise’
1.2 nicht ständisch: ‘von einfacher, unverfeinerter, grober Lebensart; bäurisch, unedel, unfein’
2 (von Kleidung, Speise, Benehmen, Sinnesart usw.:) ‘bäuerlich’ , z.T. unständisch, übergehend zu ‘bäurisch’ , dann ‘unfein, grob’ überhaupt
3 (rhetorisch) ‘einfach’ ; im Sinne des stilus rusticus
4 übertr. ‘misstönend’
   1 von Personen    1.1 ständisch: ‘bäuerlich, von bäuerlichem Stand, bäuerlicher Herkunft, bäuerlicher Lebensweise’ dâbî ouch nâhen ist gesezzen / ein gebiurischez geslehte, / die von altem rehte / darzuo sint belêhent Ottok 19998; [ daz er eins ritters tohter zur Frau nimmt,] daz solt wol vermîden / ein gebiurischez barn Helbl 8,233; daz seh wir auch an gepäurischen läuten, die niht zärtleichen habent gelebt und tägleichs grôzer arbait habent gepflegen BdN 160,1    1.2 nicht ständisch: ‘von einfacher, unverfeinerter, grober Lebensart; bäurisch, unedel, unfein’ nu was das lút ubir al das lant / dannoh gebúrsch, in wonten mit / niendir hoveliche site / noh menschen bescheidenheit RvEWchr 20002; ob mir von vrowen liep geschiht, / des liez ich ungern wizzen iht / für wâr ein gebeurischen lîp, / ez wær man oder wîp UvLFrd 510,1; diser innewendiger grunt der muͦs von not den verborgen bliben die alles mit irre wirklicheit in dem usseren sinnelichen menschen blibent; der ist ze gebúrsch und ze grob zuͦ disem edelen grundelosen grunde Tauler 370,6    2 (von Kleidung, Speise, Benehmen, Sinnesart usw.:) ‘bäuerlich’, z.T. unständisch, übergehend zu ‘bäurisch’, dann ‘unfein, grob’ überhaupt: ir ezzen ist schad mit groben dingen, sam gepäurisch ezzen ist, milich und sämleich dinch BdN 323,6; und zoch gar geswinde iren oberen witen gebúrschen rog abe, und hette do gar einen guoten engen wolgesnitten rock an irme libe MerswKn 88; sümliche bizent ab der sniten / und stozents in die schüzzel wider / nach geburischen siten; / sülh unzuht legent die hübschen nider TannhHofz 47; do quam her [ein gebur ] von grozin wetagin widder in eine vorchte unde in siner gebureschin einfeldikeit begerte he abir gesuntheit Köditz 81,4; dest ein gebiurscher tuc, / swer hirzen unde geizen / gelîcher werde gan KLD:  Kzl 1: 6,6. dez beren nature ist gar unfuͤge und gebúresch und erkennet nit honges suͤssi PrGeorg 326,7    3 (rhetorisch) ‘einfach’; im Sinne des stilus rusticus: Jeremias der prophete, deme dise vorrede geschreben stet, ist vorwar by den hebrehen Ysaien und Oseen und etzlichen andirn propheten an der rede geacht gebuyrischer, abir an dem synne iz er in glich Cranc Vorr. Jer 80,3; sô wirt mit kurzen worten kunt / dur mînen gebiurschen munt / al der welte dîn werdecheit WvRh 120; dise kleine lere, dv hie nah geschriben stat [...] ist mit gebvrschen worten geschriben Bihteb 6; mit kivrzen worten vnd mit gebiurscher rede ebd. 29. – anders: sus von den ewangelien / wil ich nu tihten etewas, / swie doch genuge lúte daz / sprechen daz man nit enmuge / minnen tihten ane lug / und frómd núwe fúnde / vinden ane súnde. / seht, die gebúrschen giegen [törichten Feinden der Dichtkunst] / all hie bewer ich liegen SHort 93    4 übertr. ‘misstönend’ kupfer [...] hillt wol und dœnt [...]. sein gedœn von im selber ist gepäurisch. wenn aber man ez mit silber mischt oder mit zin oder mit golt, sô gewinnt ez gar ainen guoten klank BdN 478,28

MWB 2 166,10; Bearbeiter: Plate

gebiurischeit stF. 1 ‘schlechtes Benehmen’
2 ‘Überlieferung bei den Bauern, Bauernweisheit’
   1 ‘schlechtes Benehmen’ vmbe daz sú ire gebúrescheit nút enzoͤgte [sich nicht als ungezogen darstellte] , vnd [in der Lichtmesse] die kercze also die anderen [...] ǒch opherte ElsLA 192,3. – ‘unzivilisiertes Verhalten’ daz [Rachemord] weri ein unvernúnftigú geburschheit und ein úbelstendú freidikeit Seuse 123,13    2 ‘Überlieferung bei den Bauern, Bauernweisheit’ wer des wazzerfrosches zungen ainem slâfenden menschen legt under sein haupt, daz wirt redent in dem slâf und offenbârt haimleicheu dinch, sam diu alt gepäurischait spricht, diu doch dick missagt BdN 306,9

MWB 2 167,8; Bearbeiter: Plate

gebiurischlich Adj. ‘bäurisch, unfein’ nu hœrent wie diu frische / bire dô geteilet wart / nâch gebiureschlîcher art [...]. / die nam der unbedâhte helt / und sneit die biren ungeschelt / enzwei mit sînem mezzer HBirne 86

MWB 2 167,21; Bearbeiter: Plate