g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
ganeistelîn, ganeisterlîn
stN.
auch
gensterlîn, gänsterlîn, gnaistli
Gnaistli .
‘kleiner Funken’
dez steinlîn was ein grânât: / des blic gap ûz der vinster schîn
/ reht als ein ander gänsterlîn Parz
438,8;
wære ein [...] kleine ganeistlîn von im [dem
Engel] gevallen, ez hæte ervüllet alle dise werlt mit wunne
Eckh
3:129,7;
Eckh(Pf)
79,6.
495,9.
–
diß buechlins [moralisch-allegorisches Gedicht über die
Tugend] nam sy dir erchant / ez ist das gnaistli genant
Gnaistli
884
MWB 2 89,7; Bearbeiterin: Herbers
ganeisten
swV.
meist gn-;
ganeistern nur in Göllh .
‘Funken sprühen’
dar nâch, als ich lige in gneistendem viure, / sus erglüet mich Schîonatulander
Tit
121,2;
ir munt [...] gneistet alse ein viurstein snel
KLD:RvB
4:1,5;
des wilden fiures blicke / sach man ûz helmen dringen, / von slegen hôhe springen
/ flammelîche gneisten Reinfr
11307.
233;
daz irs hertzen sinne / funken und gnaisten WhvÖst
8075.
14573.
–
sîn swert gienc wal dâ wirken, / [...] engenzen unt
gehirmen [Hs. ganstren vnde gelimmen
]
Göllh
20
MWB 2 89,17; Bearbeiterin: Herbers
ganeister
stswF.
→
ganeist
MWB 2 89,28;
ganerbe
swM.
‘Ganerbe, Miterbe’ (Angehöriger einer Erbengemeinschaft, als Miterbe
zur gesamten Hand, vgl. 2HRG 1, 1928-1930):
swenne aber ein erbe sich verswestert und verbrûdert [wenn eine
Erbschaft an andere Verwandte als Schwestern oder Brüder fällt] , alle
die sich glîche nâh zû der sibbe gestôzen mugen, die nemen glîche teil dar an, ez sî man
oder wîb: disse heizen die Sachsen ganerben SSp(W)
1:17,1;
er [Parzival] was ouch ganerbe
dar [in Bezug auf den Gral]
Parz
333,30;
mit gesaminter hant vn̄ mit gelichen willen aller vnser erben vn̄ ganerben
UrkCorp (WMU)
1526,9;
indede ich des nicht, so sal ich min deil an Lancheim han virlorn und sal das
minen neisten ganerbin gefallin ledig und loz UrkFrankf
2,204
(a. 1324);
UrkWürzb
40,509
(a. 1342);
UrkHohenl
2:196,27
(a. 1324);
KlKsr
2,18;
s.a.
miteganerbe
MWB 2 89,29; Bearbeiterin: Herbers
gans
stF.
1
‘(Haus- und Wild)Gans’
2 typische Eigenschaften (häufig im Vergleich)
1
‘(Haus- und Wild)Gans’
die sint gerne in dem wasser alse enten vnde gense
Lucid
61,2;
dâ wol tûsent gense lâgen. / dâ wart ein michel gâgen
Parz
282,13.
295,19;
ErzIII
40,31;
HvBurg
5994;
da wirt manger umbe bescholten / und angeschriet als die arn, / so man die
gense wil bewarn Jüngl
1238;
der fuhs [...] lâget auch allermaist
haimleichem gefügel, sam hüenren und gensen BdN
163,28
u.ö.;
Boner
79,19.
80,2;
ime Riezze der wilden gense / ist des winters nit me
Rennew
14844.
–
die gens airnt [legen Eier] oft
ân den ganzen [Gänserich]
BdN
168,29;
den gensen ist vliegen alsô lustig, daz si selten nümmer
ruoent ebd.
169,8.
169,3.
–
die gens meldent auch die dieb mit irm quiteln
BdN
168,27.
168,32.
–
ein wilder wolf wirt dir ein hunt, / ein gans ein gouch Marner
11,46.
– als Abgabe:
diz scaph unde di zige unde die gans unde di boc virwirkin
zueni phennigi an einwurti [Buße, vgl. Anm. z.St.]
Mühlh
157,7;
so sol man pfarrær gebn ein gans vnd zwei hvͤner UrkGeisf
426
(13. Jh.);
UrbBayÄ
740,a.
123;
UrkCorp (WMU)
445,29.
1836,9
u.ö.
– als Teil der Zubereitung:
ein gans er an dem spizze reiz / bî dem fiuwer
umbe [drehte herum]
EnikFb
1436;
mich würget niht ein grôzziu gans, so ichs slinde
SM:St
1: 5,7.
1:3,4;
wirt, bisend dien gesten / gense, die da sîen blinde, /
unde mache die stubun heiz SM:Had
18: 3,5;
HvNstAp
4563;
BdN
168,29;
BvgSp
42
u.ö.;
wil dû die besten salben machen zuo der wunden,
[...] nim danne ein henne unde ein gans
Barth
138,1.
SalArz
81,40.
17,44
u.ö.
2
typische Eigenschaften (häufig im Vergleich):
der strît begunde
tokzen [schwanken] , / als ûf dem wâge tuot diu gans
Wh
398,15;
zallen zîten drôt er mir / als einer veizten gense Neidh
WL 27:3,12;
er [Ydrogant] hett praitte fuesse /
mit flecken recht als ain gans HvNstAp
9095;
GTroj
15958;
wolt ich mit gensen leken, / ich wolt auch liegen also vil
KvMSph
2,15.
2,19.
2,20.
–
ich bin der sinne niht ein gans Rennew
29365;
verfluochter bœswiht, der ez tuo, / der sinn
[Verstand] ein gans, der züht ein kuo
Helbl
2,386.
– im Sprichwort (TPMA 4,158):
[sie] hânt gense wân, / swen sie den wolf / erkennet
unde doch ûz ir ziunen gân Wartb
Fl 19,14
–
diz [ironisch für die Frauen] sint gense genant
Gänslein
84;
dô verjach er im zehant / reht der gense wârheit, / als ich iu ê hân
geseit, / wie er die gans hin under lie / und sich die naht mit ir begie. ebd.
261
u.ö.
– als Schimpfwort:
ir [Parzival] sît ein gans
Parz
247,27;
west willekomn, ir [Gawan]
gans. / nie man sô grôze tumpheit dans [besaß]
ebd.
515,13.
599,2;
ich wære immer mêr ein gans / an wizzenlîchen triuwen, /
ob mich der [Tod Vivians] niht solde riuwen
Wh
13,22
MWB 2 89,47; Bearbeiterin: Herbers
gansaffe
swM.
Schimpfwort:
si sint narren und gansaffen, / si sîn leien oder pfaffen Renner
4151
MWB 2 90,37; Bearbeiterin: Herbers
gans|ar
swM.
‘Gänseadler’
nie gansar wart nach valken vluk so dræte, / swenn er in jagt von hoͤhe
JTit
4172,3.
4074,3.
–
‘Seeadler’ (oder eine Falkenart?), Glossenbeleg des 13. Jh.s s. AWB
4,98
MWB 2 90,39; Bearbeiterin: Herbers
ganse
swM.
→
ganze
swM.
MWB 2 90,43;
ganseffin
stF.
Schimpfwort für eine dumme Frau:
wê, wes habt ir mich gezigen, / sprach der guote man zehant, /
[...] wenne ir sît [...]ein
unversunnen ganseffîn [: sîn
]
Renner
4147
MWB 2 90,44; Bearbeiterin: Herbers
gans|ei
stN.
‘Gänseei’
der âmeize mac [...] ein gansei niht getragen
PrBerth
1,562,30
MWB 2 90,48; Bearbeiterin: Herbers
gansen
swV.
‘Jagd auf wilde Gänse machen’ (Dalby, Mediaeval Hunt
55):
gansen oder mit den beilgen [
beigel ‘kleiner
Strick für den Vogelfang’, FWB 3,902] vogeln, oder suss noch
vogeln stellen StrassbP
178;
wer do ganset, do ein rehter zug [Vogelzuglinie]
ist, der sol die [die Netze haltenden] pfele, die er
gesleht, ussrumen ebd.
179
MWB 2 90,50; Bearbeiterin: Herbers
ganser
stM.
→
ganzer
MWB 2 90,57;
ganst
stF.
→
genste
MWB 2 90,58;
ganster, gänster
Subst.
→
ganeist
MWB 2 90,59;
gänsterlîn
stN.
→
ganeistelîn
MWB 2 90,60;
gansvëdere
F.
‘Gänsefeder’
ûf sînem helme der biderbe truoc / einen krantz von gansvedern grôz und wîz
UvLFrd
482,23
MWB 2 90,61; Bearbeiterin: Herbers
gansweide
stF.
‘Gänseweide’
wa ich iv erwette [verpfände] stoͮt. vnt
stuͦtwaide. [...] unt rethe ganswaide. unt
chorter. [Herde] scaphe. n.s.e. [nach
Schwaben Recht]
Trauformel
20
MWB 2 91,1; Bearbeiterin: Herbers
gant
stF.
‘gerichtliche Versteigerung’
wem pfand hie geantwürt werdent [...] das der sin erstes
pfand [...] siben tag behalten sol
[...] und es darnach an dem achtenden tag uff die gantt
schikken, ob er wil, und es da offenlich lassen ganten und verkuͦfen nach der
gantt recht StRFeldk
162.
163
MWB 2 91,5; Bearbeiterin: Herbers
ganten
swV.
‘versteigern, auf der gant verkaufen’
so sol und mag der pfanttrager das pfand [...] umbtragen
und gantten úntz ze vesper StRFeldk
162
u.ö.; s.a. gant
MWB 2 91,11; Bearbeiterin: Herbers
ganteren
swV.
‘trüben’(?):
so daz wîp lange âne man ist daz ir di matrice swillit, hilfet man ir des nicht,
sô wirt si colerica. [...]v̂szirthalp ist si slecht vn̄ gantirn
ir di ougin, sô si sî bî dem manne gelein Barth(H)
469
MWB 2 91,15; Bearbeiterin: Herbers
ganz
Adj., Adv.
Komp. ganzer, Superl. allerganzest (s. unter
1.8.1
und
1.9.1
). – Adv. auch ganze
Eckh
5:8,14
u.ö. und wohl
Mechth
5:24,22;
JTit
2672,2.
4647,2,
vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,75 s.v. ganzo.
1 Adj. 1.1
‘gesamt, alle Teile umfassend, vollständig’
1.1.1 allg. 1.1.2 zeitlich 1.1.3 von Abstrakta: ‘vollständig, restlos’
1.1.4 in rechtl. Zusammenhängen; 1.1.5 auf die ungeteilte Dreieinigkeit Gottes, auf Christi Menschheit bezogen 1.1.6
mit/von ganzem herzen u.ä. 1.1.7 subst. daz ganze 1.2
‘von allen ausgehend, allgemein’
1.3 in hyperbolischen Ausdrücken 1.4
‘aus einem Stück bestehend, räumlich zusammenhängend’
1.4.1 allg. 1.4.2
‘keine Öffnung habend’
1.4.3
‘ge-, verschlossen’
1.5 von Naturgegenständen, Handelsgütern, Verkaufseinheiten: ‘unzerteilt,
unzerkleinert, unzerschnitten; ungeteilt’
1.6 von Flüssigkeiten, varwe : ‘rein, unvermischt,
unverfälscht’
1.7 von Werkstoffen, Bestandteilen: ‘ausschließlich
verwendet’
1.8
‘heil, unverletzt, unbeschädigt, unzerstört; (vollständig)
erhalten’
1.8.1 allg. 1.8.2 auf Körperteile bezogen 1.8.3 auf die Jungfräulichkeit bezogen 1.8.4
‘unangebrochen, unaufgeschnitten’
1.8.5
ganzer man, hêrre
1.9
‘vollkommen, vorbildlich, höchst-, größtmöglich’
1.9.1 allg. 1.9.2
ganze rîme 1.9.3 subst. 1.10
‘uneingeschränkt, unverbrüchlich, unerschütterlich’ ; 2 Adv. (teilw. ist auch eine Auffassung als präd. Adj. möglich) 2.1
‘gänzlich, durchaus, völlig, vollkommen’
2.2 ein Adj. oder Adv. verstärkend
1
Adj.
1.1
‘gesamt, alle Teile umfassend, vollständig’
1.1.1
allg.:
daz gantz ertreich KvMSph
51,29.
9,13;
daz gantze mer Tauler
417,36;
daz ez [Wasser] ain haus
oder ain ganz dorf hin füert BdN
82,7;
der ganze poynder ûf in stach Wh
361,25;
wenne ain varch schreit, sô läuft diu ganz hert der
värher zuo BdN
122,6;
daz clain augäpfelein nimpt ain pild aines ganzen
menschen oder ains grœzern dinges ebd.
10,15;
die
wundermenschen [
monstruosi
]
[...] die ir glider niht ganz habent oder ir mêr
habent dann si schüllen haben ebd.
486,30;
der mit ritters kraft / mit gantzem harnasche reit
StrKD
8,121;
ganzú wappenclait RvEWh
10988;
gantzeu wappen Teichn
351,13;
Lanc
322,5;
dem preuttegam was peraitt / und den preutten gantz
klaid HvNstAp
6002;
Ottok
37019;
ein trache in sînen klân / hets ganzen apfels
[goldener Knopf am First des Zeltes] halben
teil Parz
278,15;
swelich schuͦler aht tag in ein schuͦl
get, der geb daz gantz lon von einem iar StRMünch
221,23;
ein gantzer salter [...] daz
ist hundert vn̄ fünfzig salm BrAlt
18;
daz ganz abc BdN
427,8.
KvWTroj
16356;
RvEWchr
21221;
Pilgerf
9331;
WüP
72,19;
da ich halber bin, dâ wænet man mich ganzen sehen [denn
diu liebe (Geliebte) hât daz herze
mîn
] , [...] / jâ bin ich
leider ganzer weder dort noch hie KLD:RvB
4:9,3.
–
diu ganze werlt
‘Makrokosmos’
nû hân ich kurz begriffen, wie der mensch der
ganzen werlt sei geleich. dar umb haizt er in kriechischer sprâch
microcosmus BdN
4,5.
3,7.
– vom Verstand:
ich bin noch ganzer sinne hol; / des sprich ich
nâch kindes sit Wig
46;
ir ganze sinne si verkôs / mit jæmerlîcher
tobeheit ebd.
10008.
6345;
RvEWchr
33486;
mit ganzen witzen ebd.
29796
1.1.2
zeitlich:
ganzer tage drî MF:Mor
5: 2,5;
ine wolde niemer mîniu jâr / dir gedienen
gantzen [auch nur einen] tag
SM:Gl
2: 9,23;
HvNstAp
19125;
GvJudenb
513;
den halben tac, die ganzen naht Wh
126,2;
vier wochen gantze HvNstAp
6004;
ganzer môneit viere Ottok
46684;
MNat
13,30;
der waltratt slæft den ganzen winter
BdN
140,8;
mêr danne ein ganzez jâr Parz
139,20;
En
1603;
Iw
2925;
BdN
349,28
1.1.3
von Abstrakta: ‘vollständig, restlos’
so bitten ich dich, herre,
[...] umb ganze bekerunge der armen súndern
Mechth
5: 35,26;
den fründen gantze hilffe geben GTroj
5744;
die andern namen alle gar / gantze wider kere / von
dir und diner lere HvNstGZ
2227;
mit ruwen gantze bihte / macht sele und libe lihte
ebd.
6592;
StrKD
156,239;
Seuse
99,26;
Pilgerf
2126.
–
diu ganze wârheit:
hêt mirz ein knappe niht geseit / zeiner ganzen
wârheit Wig
597;
ich neme ez ouch ûf mînen eit / und ist die ganze
wârheit HvFreibTr
4598.
1262;
EnikWchr
844.
1604;
Mechth
6:15,57;
na ganzzer kristanlicher warheit
Seuse
194,11
1.1.4
in rechtl. Zusammenhängen;
‘(voll)gültig’
sus bot er gen dem aide / die vordern vinger
baide / und swuͦr es ainen ganzen ait RvEWh
4587;
Vät
15081;
ich bin der êrste, der û nu / des mîn ganz
gelubde tû Kreuzf
4776;
[Medea zu Jason:] welt ir mich, herre, minnen
/ ze ganzer und ze stæter ê KvWTroj
8377.
–
die ratgeben habent gesetzzet mit gantzzem
rate [d.h. einmütig]
[...]
StRAugsb
34,7;
daz diu wal niht ganz wære [Wahl
Richards von Cornwall zum dt. König im Jahr 1257]
Ottok
12356.
12363
1.1.5
auf die ungeteilte Dreieinigkeit Gottes, auf Christi Menschheit
bezogen:
so sihet sú einen ganzen got in drin personen
Mechth
1: 2,8;
herre gantze und ungescheiden helige drivaltekeit
ebd.
6: 27,4.
5:26,19;
[Christus ist] ein ganzer mensch unt warer got
GvJudenb
325;
HeslApk
3117.
10535
1.1.6
mit/von ganzem herzen u.ä.:
vrô von ganzem herzen HvFreibTr
4338;
HvNstAp
1014;
mit ganzem herzen Eckh
2:567,3.
5:421,3;
von ganzem grund sins herzen Seuse
114,21.
284,22;
mit ganzes herzen triwe Vät
5381.
33866.
–
ganziu sêle, ganzer muot/wille:
daz er [Gott] geminnet
werde vz allem herzen. vnd vz ganzem mvet. vnd vz allem verstantnüsse.
vnd vz gantzer sel. vnd vz aller stircke [
Mc 12,33
]
EvAug
109,16;
mit lûterm ganzen willen Eckh
5: 38,21
u.ö.
1.1.7
subst. daz ganze:
[der hl. Johannes als Versorger Mariens] behielt
[...] si mit micheler rainichait alse von rehte
ein hvͦtære des rainen vnde des ganzen Spec
28,27;
so daz teile in dem ganzen gesehen wirt
ThvASu
248,11
1.2
‘von allen ausgehend, allgemein’
diu gemeine chlage, der ganze ruͦf / muz uber die
Sodomiten gan StrKD
66,102;
mit gantzem gelffe GTroj
13617
1.3
in hyperbolischen Ausdrücken:
in bedunket mîn eines lîbes ein ganzez her
MF:Reinm
21: 3,6;
Parz
131,20;
ein ganzez küneges her NibB
117,2;
HvNstAp
20159;
KLD:BvH
17:1,6;
mit einer ganzen rotte Tr
5495.
6873.
6891;
Kchr
7400;
Mechth
4:22,21;
hie hât der künec von Patrigalt / von speren einen ganzen
walt Parz
66,24;
KvWTroj
36921.
39222;
also han ich selden ganzen regen Herb
38.
–
ein maister waz / der all maister uͤberlaz
[im Wissen übertraf] / in einer gantzen schul
groz Teichn
444,41.
–
sij
[Weisheit]
[...] dede
[...] / einen gantzen ohssen in eyn eigerschale
Pilgerf
2741;
der elyphant [...] / uz
sufet eyne gantze bach Hiob
14862;
HvNstAp
4561;
RvEWchr
1671.
–
dise wort [
Io 12,26
] sint vol edels riches sinnes und mag man
von eime ieglichen worte ein gantz buͦch schriben
Tauler
413,3;
daz moht nit geschriben stan / an ainer gantzen hút
SHort
5015
1.4
‘aus einem Stück bestehend, räumlich zusammenhängend’
1.4.1
allg.:
der lîp ist obene gantz, nidene getailet. dc chît: er
hât obenân ain houbet nidenân zwên fuͦzze TrudHL
141,22;
Pelzb
125,5;
da die cene [des Tieres
cocrota
] soltin stan, da ist ein ganz bein
Lucid
26,6;
BdN
257,8;
KvWTroj
20619;
vnsers herren roc, der waz allentalbin ganz vnde waz
ane nat Lucid
89,8;
JvFrst
9326.
– bergm.:
ein unverschroten ganch / uf einem gantzen gevilde ErzIII
56,49
(vgl. Piirainen, Bergrecht 292)
1.4.2
‘keine Öffnung habend’
in [Joseph von Arimathia]
het Jesus gefurt dar ouz / durch ganze mǒwer, durch versparte tûr
GvJudenb
2441;
HvFreibTr
796;
Mechth
5:23,45;
Teichn
326,21;
du sichest doch der sunne schein / dringen durich ain
ganczes glas / und doch nicht zebrechen das HvBurg
549;
PrWack
3,21;
GvJudenb
340
1.4.3
‘ge-, verschlossen’
wie sant Augustînus gelîchet ist einem guldînen vazze, daz dâ ist
unden ganz und oben offen Eckh
1:274,10;
daz ein mensch [...] /
chomen ist auz gantzem czimmer, / waz ez wart beslozzen ymmer
Teichn
564,503.
78,4;
der kewschait turelein / verspart pelib und gancz
HvBurg
537;
Mechth
6:31,33
1.5
von Naturgegenständen, Handelsgütern, Verkaufseinheiten: ‘unzerteilt,
unzerkleinert, unzerschnitten; ungeteilt’
die steine ganzen / sich [...] spielten [
Mt 27,51
]
Ottok
49912;
ganze castâne Parz
378,17;
BdN
93,7;
SalArz
45,12;
Pelzb
121,18;
swer ein gantzetz holtz her in die stat bringet
[...]. wirt aber daz holtz engentzzet,
[...]
StRAugsb
47,32.
–
phelle breit, / ganze, die man nie versneit
Parz
11,18;
Gen
434;
En
13189;
gantz broͤt veil haben WüP
20,9;
swelh burger von Venedic kumt unde ganzen kaufschatz
her fueret StRAugsb
43,15;
GTroj
15043.
–
swer rindereins vleihsch bei einem gantzen rinde oder
bei einem halben hin geit StRMünch
203,1;
ein gantzes vlaehsch ebd.
248,13;
bringet ein burger gewant her
[...] der sol des niht sniden, niwan bi gancem
tuche hine gaeben StRAugsb
40,25.
198,30.
–
der sol si [Heringe] niht
anders verkauffen wan bi ganzer meise [Tragkorb]
StRAugsb
201,22;
vigen [...] bi ganzen ballen
ebd.
201,35.
202,1;
wein [...] pey gantzen
vazzen StRMünch
474,18
1.6
von Flüssigkeiten, varwe: ‘rein, unvermischt,
unverfälscht’
ganzer most BdN
351,23;
ist der balsem ganz und
gereht [echt] , sô wirt ain wüllein tuoch niht
unsauber dâ von ebd.
360,11.
–
brûn enist niht ein ganziu varwe; ez hât etwaz liehtes und och
tunkelheit Eckh
1:292,4;
ir scham / machte si rôt und dar nâch bleich. / ir
ganziu varwe ir entweich / dô si den helt bî ir sach Wig
8971;
der meige [...] / der ie ganze varwe
truͦg NeunMänner(G)
318.
– übertr.:
swaz guotes der mensch hât, daz er niht diemüeteclîchen üebet
[...], daz nimt vil selten guot ende, er vliese
ez [ob er es verliert] , oder sich mische etwaz
dar zuo, daz niht ganz ist DvASchr
334,18
1.7
von Werkstoffen, Bestandteilen: ‘ausschließlich
verwendet’
si truogen von ganzem scharlach kleit
EnikFb
2301;
sin schiltt von gantzem hornne waz GTroj
14095;
ain prot von gantzem rogken StRMünch
433,24
1.8
‘heil, unverletzt, unbeschädigt, unzerstört; (vollständig)
erhalten’
1.8.1
allg.:
daz velt ist diu ungeroͮrte erde, diu
ungevurhte erde, diu ganze erde Spec
96,30;
si [zerbrochene Edelsteine]
[...] / alsam da vor wurden ganz PassI/II
233,93;
verstu so ganz hinnen? [kommst du so
ohne Wunde davon?]
Rol
5378;
ein swert mit ganzir eckin Athis
B 68;
daz dirre schilt heim kome / ganz und âne wunde En
8777;
Wh
383,6;
die want, / die man vzzen ganz fant / vnde
wurezic [= wurmæzic
] ist innen
Herb
15444;
SalArz
41,49;
swâ ein ganzez dorf lac
[...], / daz wart verbrant an der stat
Ottok
63010;
balsem [...] behelt der
tôten leib ganz ân faulen BdN
361,4;
sin di zeichen [Siegel]
gantz? Cranc
Dan 14,16;
Bâbilôn, / dâ rehter sprâche ganzer dôn / gebrochen
unde geschendet wart RvEBarl
12740.
– mit Gen.:
Âbis [...] fuort einen sô starken schaft
/ daz er des [den Schild des Gegners
durchstoßenden] stiches ganz beleip StrKarl
6607.
– Komp.:
iuwer lêre [...] ist ân gebrest, / noch
ganzer denn ein wefsennest HvBer
I,34;
der arczat sprach das er gesunder und genczer
were dann er ye ward Lanc
207,18
1.8.2
auf Körperteile bezogen:
hâstû noh ganzen lîp Kchr
2638;
ganze hende ebd.
2641;
zway gantze pain HvNstAp
16285;
daz [...] im diu hût ganz belibe En
5782;
KvWTroj
36421.
– jmd. ist ~ an etw. (vgl.
1.9.1
):
an dem lîbe ganz Kchr
2753.
1594;
HvNstGZ
6194.
– subst.:
niemen nichtes ganzez an im [dem
gegeißelten Christus] sach, / ez was cerhowen unt
cerslagen GvJudenb
1890.
– in Oxymora (vgl.
1.4.3
):
si kan dur gantzen lîb wol herze wunden
SM:WvT
4: 6,5;
si kam her [in mein
herze
] dur diu ganzen ougen / sunder tür
gegangen MF:Mor
6a: 1,5;
SM:St
4:3,6.
4:4,5;
Mechth
5:23,30.
1.8.3
auf die Jungfräulichkeit bezogen:
wan er der küniginne entslôz / der hôhgelopten minne schrîn / und nam
der kiuschen schappellîn [...]. / nâch minneclîchem
orden / vant erz lûterlîchen ganz Reinfr
11043;
geborn von einer lutern ganzen maget, sante Marien
Mechth
5: 6,3
1.8.4
‘unangebrochen, unaufgeschnitten’
die ganzen brôt sal man [nach der
Mahlzeit] behalten unde daz andere geben zu dem almûsen
StatDtOrd
42,14
1.8.5
ganzer man, hêrre
(vgl. halber man:
Wh
80,28;
Tr
5704
);
‘unverwundet, kampfesfrisch’
ich pin ain uil ganzer man Rol
5089;
sibenhundertt gantzer herrn GTroj
13973.
–
Jesus aber was
ir [Sünde] ân, / vur aller sunde ein
ganzer man [
immunis et integer ab omni peccato
127,7f.]
JvFrst
10818.
– übertr.: ‘tauglich, vollkommen’
swaz grôzer dinge ergât, diu hebent sich von cleinen dingen an. /
nagel, îsen, ros, burc, lant, diu vünviu wæren / bereit, wan daz mich
dunket an den mæren, / wir hân dar zuo niht ganzes mannes RvZw
195,9;
der ist nicht ein gantzer man
Teichn
178,24
1.9
‘vollkommen, vorbildlich, höchst-, größtmöglich’
1.9.1
allg.:
Volkêr von Alzeye, mit ganzem ellen wol bewart
NibB
9,4;
mit hôhem muote, mit ganzer kraft Wig
6625.
3394;
Poydiconjunzes zorn was ganz Parz
360,1;
mit ernste und mit ganzem vlîze Eckh
5: 400,4;
StRMünch
551,25.
553,25.
–
ganze [
‘äußerste’] armuot SM:JvR
1: 13,6;
ich tün dich gantzer sorgen fry
GTroj
21264;
HvNstGZ
2380;
da sit ir edele unde fri, / da nedwinget iuch
sunde noch leit, daz ist diu ganze friheit AvaJG
32,2;
TrudHL
67,13.
–
hie vant ich wîsheit bî der jugent, / grôze schœne
und ganze tugent Iw
340;
MF:Mor
31:2,4;
nimmer dehein hof gestêt / mit sô ganzer
rîterschaft [wie der Artushof]
Wig
1586.
7832;
wir geloben ganze chusche des libes
PrBerthKl
4,19.
–
got offent der genaden scryn / den di gantz sint
und volkumen Hiob
8559.
– mit Gen.:
swelch wîplîch herze ist stæte ganz, / ich wæn
diu treit den besten glanz Parz
551,29;
Ottok
20080.
– jmd./etw. ist ~ an etw. (vgl.
1.9.3
und
1.8.2
):
er ist âne triegen / vest unde an hôhen êren ganz
KvWLd
32,330;
nv sit ir mænlich vnd wis, / vnd gar an
uͥwern worten ganz TürlArabel
*A 120,9;
TrudHL
11,22;
HeslApk
14737;
sô durliuchtig glantz / ist ir bild an tugenden
gantz SM:Ro
7: 2,5;
Rennew
26875;
KvWWelt
142.
– Komp.:
nie ganzer triuwe wart getragen / von manne noch
von wîbe KvWHerzm
52;
disiu sicherheit ist verre mêrer, ganzer und
wârer dan diu êrste Eckh
5: 242,3.
– Superl.:
der allergantzeste frúnt gottes
Tauler
49,3
1.9.2
ganze rîme:
mîn zunge si [
die
âventiure
] verschriete / und begunde si wider lîmen
/ mit ganzen niuwen rîmen Wig
11674;
des muͦz ich mîner worde vuͦz / ûf ganze rîme setzen
Yolande
18
mit Anm. z.St.
1.9.3
subst.:
er [Besarion, ein gotes
helt
] tet do, als die ganzen tun Vät
19611;
die baide müttes gantzen / mitt ir scharppffen
lantzen / ze samen treffenlichen ritten GTroj
24129;
an vreuden gar der gantze JTit
5922,2.
3989,4
1.10
‘uneingeschränkt, unverbrüchlich, unerschütterlich’;
von Subst. wie reht, triuwe, hulde,
sicherheit, suone, vride,
vriuntschaft:
der soll mit gantzem rechte tragen / di crone
HvNstAp
11156;
diu swert si in die scheide / mit ganzem vride
stiezen Wig
7201;
ganze triuwe [...] / ân
aller slahte bôsheit ebd.
3150;
dâmit si ze ganzer suon / und ze friuntschaft kæmen
Ottok
30133;
Tinas, / der ganzer vriunt Tristandes was
HvFreibTr
3112;
RvEWchr
6537;
hilf mir hútte, milter got, diner ganzen hulde
Mechth
6: 37,9
(weitere Belege s. WMU 1,550).
– in der Corroboratio (stets in Doppel- und
Mehrfachausdrücken):
vnd daz diz stete vnd ganz si, so ist dirre brief bisigilt mittes
hv́ses ingesigele UrkCorp (WMU)
348,12
u.ö.;
das wir dieselben brief und hantfest
[...] staͤt, gantz und untzerbrochen
halten wellen StRMünch
174,9;
ze einer gantzen staetichait und ewigen
urchuͤnde ebd.
169,10
u.ö.
2
Adv. (teilw. ist auch eine Auffassung als präd. Adj. möglich)
2.1
‘gänzlich, durchaus, völlig, vollkommen’
nu was ouch Tristan genesen / ganz unde geheilet garwe
Tr
8143;
von golde gantz was ir
[Burg] dach HvNstAp
13360;
sich [...] wol und ganze getrœsten
Eckh
5: 8,14;
HvHürnh
76,7;
Tauler
46,18;
UrkCorp (WMU)
2918,4.
–
er [der Mensch] sehe sich
also edel das er gantz wande das er got were Tauler
363,16;
in duchte des gantz, er muͤste zuͦ
einem luteren nichte werden ebd.
387,30.
375,11;
daz weiz ich gantz Hiob
7955.
13836;
Daniel
625.
– verstärkt
~ und gar, auch gar und
~
:
so were gantz vnd gar verlorn / die arbeit Krone
28494;
Appolonius hatt funden / mein frag gantz und gar
HvNstAp
729;
KvWTroj
10777;
UrkCorp (WMU)
N705,11;
Eckh
2:415,6;
gar unde ganz KvWEngelh
428;
JvFrst
3809.
3830;
StRMünch(A)
39
(entspr.
gar und gaentzleich StRMünch
336,28
);
UrkCorp (WMU)
N266,27.
– bei einer Verneinung: ‘gar, überhaupt’
es ist mir gantz kain ungemach GTroj
144;
alsus zierett man den gast / das im gantz nichtz
gebrast ebd.
8956;
das enhilffet uch gancz nicht Lanc
160,18
2.2
ein Adj. oder Adv. verstärkend:
di bichte sol sin ganz mutwillich / volkomen nacket
Brun
11631;
von vil kolen ein gantz gros fúr wirt
Tauler
369,3;
gantz lutere einvaltige worheit ebd.
422,8;
wir verbieten ganz ernstlich alle vorkauf
WüP
6q,2;
EvAug
163,20;
GTroj
1142;
Baldem
307
MWB 2 91,20; Bearbeiter: Bohnert
ganze
swM.
vgl. →
ganzer
.
‘Gänserich, Ganser’
anser: ganizo SummHeinr
2:66,253.
die gens airnt oft ân den ganzen, aber diu air mügent niht
zuo vogeln werden BdN
168,30;
der mair [...] sol haben
[...] einen ganssen, einen hänen und einen antrechen
[Enterich]
WeistGr
6,225;
zinzerlich [...] / wie der gancz nach den gensen get
Neidh(S)
2,114 c43:9,14;
VocOpt
44.038.
– übertr.: ‘dummer Mensch’
ein tœrscher ganze Neidh
WL 18:3,8;
ich hân von œden ganzen alle wîle her gesungen ebd.
WL 11:6,1.
WL 3:6,7
MWB 2 96,15; Bearbeiter: Bohnert
ganzenheit
stF.
wie →
ganzicheit:
ein offenbar urkunde der ganznheit senti Marien der ewigen magt. die da was
ein magt reine vor der geburt. nach der geburt vnd in der geburt PrLpz(L)
26,13
MWB 2 96,26; Bearbeiter: Bohnert
ganzer
stM.
wie →
ganze
swM.
:
anser: ganser Gl
3:25,38.
– als Spottname:
sag an, du alder ganser, wie bistu verirrt
Mügeln
46,4
MWB 2 96,30; Bearbeiter: Bohnert
ganzheit
stF.
‘Ganzheit, Vollständigkeit’
nv sol wie [wir] von der ganzheit lesen. / die
bicht inwirt nimmer gut, / die man vngenzlichen tut Beichte
88;
in gantzheit mines hertzen [
in toto corde
meo
]
PsAlem
Ps 110,1;
gantzheit unde volkomenheit [
totalitas
[...] et perfectio
]
ThvASu
62,7.
192,26
(integritas).
22,27
(totum) u.ö.;
PrWack
56,477
(La.)
–
do waren si [trinitarische Personen vor Jesu
Geburt] bekant und mit underscheide angesehen von allen heligen
engeln an ir gantzheit und an irem namen und wie die drie ein got waren
Mechth
4: 14,5;
also wurt des edeln gotformeten geistes gantzheit gebrochen und verwarloset
mit der williger vermengunge der dinge die nút sin bilde noch sin ursprung ensint
Tauler(H)
359;
mich wundert [...], wie der
[...] lip mins minneklichen herren in aller siner
groͤzi und ganzheit sich mug verbergen als toͮgenlich under der
kleinen forme des broͤtlins Seuse
291,29;
ach, do liess in got innan werden an in
baiden [treulose Freunde] , daz in der creatur nút
gantzheit ist ebd.
123,23.
– i.S.v. ‘Rechtswirksamkeit’
ditz rette der potestât, / ein guldînen cepterstap / dâ mite er dem hêrren
gap: / sîner rede ein gewisheit / und ein volle ganzheit UvEtzAlex
Anh. 1750;
unt uffe dirre teidinc ganzheit un̄ stetikeit habe wie geheizen gescriben
diesen brif UrkCorp (WMU)
544,40
(=
UrkMühlh
121
)
MWB 2 96,33; Bearbeiter: Bohnert |