2galle
swF.
aus lat. galla.
‘Geschwulst’ (bes. bei Pferden am Hinterbein)
über bain noch kain galle lag / an dem pfertt runzitt
GTroj
21078;
er bet so vil mit knie vallen / daz an den knien waren gallen /
gewachssen sam den olbenten Märt
5888
MWB 2 63,28; Bearbeiterin: Herbers
gallenbitter
Adj.
‘bitter wie Galle’
dez ungetruͤwen zunge / hat manig wandelunge: / zucker suͦsz ist das
wort, / gallen bitter ist jr ort LS40
118
MWB 2 63,33; Bearbeiterin: Herbers
gallenbitterîn
stF.
für die Gallenflüssigkeit:
bilis : gallenbiterin VocOpt
1.119
MWB 2 63,36; Bearbeiterin: Herbers
gallensûf
stM.
‘Gallentrank’, übertr. ‘Trank der
Sünde’
[
die kuschen kindere
] achten minner dan ein kaf /
uf die vertumeten [verfluchte] unvlat, / die da besulet
[befleckt] kusche wat / und gibet dem menschen gallensuf
PassIII
578,83
MWB 2 63,38; Bearbeiterin: Herbers
gallentrunc
stM.
‘bitterer Trank’
alsam daz hermelîn den unc [Schlange] /
versêren mac in sîner tunc [Höhle] : / altherre junc, / dîn
gallentrunc / lêrt in den sprunc / an dem er sich ze tôde erviel KvWLd
1,154
MWB 2 63,43; Bearbeiterin: Herbers
gallenwaʒʒer
stN.
‘Gallenwasser’, bittere Flüssigkeit:
der herre hat uns gemacht swigen und hat uns gegeben gallenwazzir
zu tranke Cranc
Jer 8,14.
Jer 9,15
MWB 2 63,48; Bearbeiterin: Herbers
gallinc
Adj.
‘mit der Pferdekrankheit galle behaftet’
ez [Pferd] enwas galling noch blint
UvZLanz
1467
MWB 2 63,52; Bearbeiterin: Herbers
galm, gëlm
stM.
beide auch sw. (-a-:
Martina
21,30.
30,4;
Rennew
16694;
GTroj
15462;
-ë-:
FrSchw
5838.
6724
).
‘Laut, Schall, Lärm, lautes Geräusch’
1 von menschlicher Stimme und Rede 1.1 allg. 1.2 als Ausdruck von Klage, Trauer u.a. 1.3 bezogen auf Gesang (auch Kriegsgesang) 2 von Tierstimmen 3 von Musikinstrumenten (meist Kriegsmusik) 4 bezogen auf Naturgeräusche 5 bezogen auf Kampfes- oder Arbeitslärm
1
von menschlicher Stimme und Rede
1.1
allg.:
mînes sündehaften mundes galm / dîn heilikeit an schrîet
Wh
4,14;
wie was so hel ir lobes galm! / ich wæn, er hal
fuͤr alliu wip Rennew
16366;
mir hat geraten dins mundes galm / des ich dir gerne
volgen wil ebd.
2162.
34830.
36450
u.ö.;
hoͤrt wie ich mines leydes salm / gar dicke do laz
mit wortes galm Minneb
1804;
von der nôt, die er dolde, / was timper [dumpf,
heiser] sîner stimme galm LvRegFr
3918;
ir rôten mundes gelm / unde ir liehten ougen blic KvWPart
18010.
6367
u.ö.;
von sîner stimme galme / wart ich erwecket unde erschrac KvWEngelh
6014;
wa ist Wildehelm? / ich hoͤr hie siner krie gelm /
kainen knappen schrien WhvÖst
10194;
Ottok
62349;
PassIII
335,59;
MinneR 481
188
1.2
als Ausdruck von Klage, Trauer u.a.:
die [Seeleute] heten iæmerlichen galm / ze gote
[...] / daz er si in dem wege iht lieze beligen
Serv
3244;
Wh
129,22;
jæmerlich was sins mundes galm Rennew
1466.
trûric was sîner stimme galm Wh
165,30;
da von gelît / mîn sündic galm gein dir in siuftens dône Loheng
7666;
der klegeliche galm, / den sant Willehalm / het ob
Vivianz Ottok
21852.
3255;
EnikWchr
7768.
–
Willehalm / des hertz twanc des jamers galm
Rennew
1264;
ir leides galm / vil lute durch diu oren hal ebd.
25430;
ez gie von sînem munde / vil jâmerlicher stimme gelm KvWPart
10259;
WhvÖst
7326.
–
ach got! [...] hilf
[...] Wildehelme, / der in jamers gelme / dich
helflich an schriet! WhvÖst
1110.
3103.
5423;
als er uz jamers gelme / half
[...] den drien kinden ebd.
12210
1.3
bezogen auf Gesang (auch Kriegsgesang):
seht, dô wart von zeche [ ‘abwechselnd’/
‘der Reihe nach’ (NeidhWB)] vor gesungen! / durch
diu venster gie der galm Neidh
WL 4:2,10;
do hub er zu singen an / mit schoner stimme galme
Vät
32041;
das ir sang, ir doz, ir schal / und ir galm so lute
irhal / das ez die heidene horten da RvEWchr
22156;
in der luft horte man / die engele schone singen / und iren galm erklingen
PassIII
48,42;
PassI/II
130,54.
–
‘Lobgesang’
etlich kamen mit palmen / frolich mit lobis galmen / genuoge mit
ölebovmen Martina
30,4
2
von Tierstimmen:
von des bracken galme WhvÖst
3740;
den lewen sîn muoter tôt gebirt: / von sîns vater galme er
lebendec wirt Parz
738,20;
Freid
136,18;
Wh
40,7;
es ward ain galm und ain
prast [Lärm] : / do saß auff galadrius / und der edel
pellicanus / und di susse nachtegal [...] / do ward ain don
und ain gesang HvNstAp
13154;
PassI/II
36,16
3
von Musikinstrumenten (meist Kriegsmusik):
manc tambûrr dâ worhte / mit der pusûner galm
Parz
379,15.
63,6;
dô was der schal mit galmes dôz / von manc busîne harte grôz
RvEAlex
7217;
allenthalben [...] hortt man
[...] manig tambur unnd horn erschellen, / das man
ver’ hort irn gelmen FrSchw
6724;
Wh
17,24.
390,28;
Wig
8654;
Vät
40688;
WhvÖst
15592.
–
gedóne ane wórt daz ist ein toder galm Meissner
10:1,7
4
bezogen auf Naturgeräusche:
er fürht des donrs galm und daz himelplatzen mêr dann kain
ander tier BdN
270,5.
92,9;
der galme in der wilde doss, / dar zü uff daz wilde mer
GTroj
15462.
– Echo:
ir sanc was sô mislîch, / [...]
die stimme gap in widere / mit gelîchem galme der walt Iw
619;
Er
5752;
ouch wâren in der wîse lût / die vogele, daz berc unt tal / in gelîchem
galme gegen hal KvFuss
1826;
sprichwörtl.:
swie man ze walde ruofet, / billîch alsô der galm widerhillet Hadam
430,7
(TPMA 12,346)
5
bezogen auf Kampfes- oder Arbeitslärm:
des galmes het in sô bevilt / daz er zucte über sich den
schilt Parz
567,29;
ez hal so lute der slege galm Rennew
23404;
vil griuweliches dônes gelm / von sîme erwelten swerte clanc
KvWTroj
40036;
der vogel in den lüften nôt / leit von des heres galm Helbl
15,769;
WhvÖst
8370.
–
daz gesiht streckt sich verrer und sneller dan daz
gehœrd. alsô seh wir oft auf den püeheln ob den pächen, dâ die weschen waschent,
den slag mit den pleueln, ê wir den galm hœren BdN
92,1
MWB 2 63,55; Bearbeiterin: Herbers
galmei
stM.
s.a.
kalemîn
.
‘Zinkerz’ (ein Mineral, das zur Herstellung von Messing verwendet
wird)
cride und calmei, die in gibt keinen zol UrkFrankf(B)
505
(a. 1329)
MWB 2 65,11; Bearbeiterin: Herbers
gâlois
Adj., Adv.
‘walisisch’
er sanc diu leichnotelîn / britûnsche und gâloise, / latînsche
und franzoise Tr
3627.
3691;
harpfen unde rotten / daz lêrten mich Galotten, / zwêne meister
gâloise ebd.
3679;
umb den rech ging ein galois grabe, darinne waren große eichen
gestecket Lanc
180,23
MWB 2 65,15; Bearbeiterin: Herbers
Gâlois, Wâleis
stM.
aus frz. Galois, Walois (Suolahti 1,302).
‘Einwohner von Wales’
der beste den man wiste; / der selbe der was ein Gâlois
Tr
3513;
Parzivâl der Wâleis Parz
281,11.
108,30;
Krone
2208;
Gwî von Gâlois bin ich genant Wig
1574;
auch reit dar Ywains Liavoltres und Galegwintins der Galois
Lanc
255,33
u.ö.;
der Wâleys sie [die Kaiserin] under armen vüeren wolt
Loheng
3059
MWB 2 65,21; Bearbeiterin: Herbers
galopeiʒ, kalopeiʒ
stM.
zu frz. galop ( →
walap
);
Neubildung Wolframs von Eschenbach (s. Vorderstemann, Fremdw., 127f.; dort auch
zu g- und k- in den Hss.). –
‘Galopp’
der heiden sînen puneiz / sô sêre nam ûz dem galopeiz, / daz sîn
tjost wart mit krache hel Wh
333,24;
dâ kom in galopeize her / [...] manec
storje unbetwungen ebd.
372,14;
ein ors von sölhem kalopeiz / müese rêren sînen sweiz ebd.
317,13;
mit rîterlîchem kalopeiz ebd.
32,11.
118,5.
360,9.
362,29.
435,27;
KgTirol
F 7,3
MWB 2 65,29; Bearbeiterin: Herbers
galopieren
swV.
auch
galumpiern WhvÖst
10151;
aus frz. galoper (Rosenqvist 1,270), dieses aus westfrk. *wala
hlaupan (2FremdWB 6, 35ff.); vgl.
walopieren
.
1 intr. ‘galoppieren’
2
tr. ‘in Galopp setzen’
1
intr. ‘galoppieren’
do er disen rîter komen sach / zuo zim kalopieren hie
Parz
37,15.
286,26.
597,17;
nu sach er [...] / vier gewâfende
man / [...] ein lützel balder danne enzelt / vliehende
galopieren Tr
8947;
ir deheiner was so ræze, / der gein im walopierte [La.
galopierte
] , daz er im ie der ersten tjoste gesæze
JTit
5367,4.
5576,3.
– subst.:
sus kom Gâwân zuo zim geriten, / sunder kalopieren / unt
âne punieren Parz
300,7;
in ritterlichem gahen / wart ir starkes galopiern
TürlArabel
*R 47,27.
*R 29,11.
*A 31,11
2
– tr. ‘in Galopp setzen’
sin ros fuͦr als ain hirz in brunft, / daz ward er
galumpiern WhvÖst
10151
MWB 2 65,39; Bearbeiterin: Herbers
Gâlotte
swM.
zu Galoîs (Suolahti 1,91).
‘Waliser’
daz lêrten mich Galotten, / zwêne meister gâloise Tr
3678.
16279;
in der Gâlotten lant / sluoc ich zu tôde mit mîner hant / einen
risen HvFreibTr
3965;
ein hundelîn, / daz sande ich der vrouwen mîn / bî einem Gâlotten
ebd.
3971
MWB 2 65,55; Bearbeiterin: Herbers
galp
stM.
s.a.
galf
.
‘Bellen’
ir [Hirten] hunde hetten iren
galp [
halp:] , / wâ ir ieclîcher gerte, /
daz sie ir vihe, ir herte / behûtten Erlös
3324
MWB 2 65,61; Bearbeiterin: Herbers
galpen
swV.
zu
gëlfen
, vgl. DWB 4,1,2,3014.
‘bellen’
sô galpeden ouh di hunde SAlex
6023
MWB 2 66,1; Bearbeiterin: Herbers
galreide, galrei
stF.
‘Gallert’, aus tierischen oder pflanzlichen Stoffen:
huner in gallraide, / wol mit fleiz [...] / gepraten und
gesoten Württemb
W 241;
in galreiden die lamprîden [Seefisch] ,
/ pardrîse [Rebhühner] begund er mîden Wh
134,13;
diu galreide ist von wurzen heiz Reiher
176;
vier swiͤnin bein / in ezzig und in galrein KgvOdenw
9,26;
übertr.:
gesoten lüge, gebrâten lüge, / lüge ûz der galrei,
[...]swie mans erdenken wil RvZw
169,2
MWB 2 66,3; Bearbeiterin: Herbers
galsch
stM. oder stN.
‘Absicht’
er [Pilatus] sante
in [Jesus] dar in sulchem galsche [:
valsche
] , / ob in Herodes vrâgte / und lîchte ûz im
jagte / ein sache [...], / dar um von rechte unser hêre / den
tôt mûste dulden JvFrst
6568
MWB 2 66,13; Bearbeiterin: Herbers
galster
stN.
‘Zauber(gesang), Zauberei’
vns saget diu scrift zewâre, / daz die goucgelâre / mit galsters liste /
[...] diu selben werch worhten Exod
1289;
ouch hât in [...] der künic Artûs vertriben /
[...] mit sîm galster manigen tac UvZLanz(K)
7011.
–
‘Betrug, Täuschung’
sô er einem gelobt hat das vür wâr, / das er im welle rêhîn hâr / stôssen in sîns
satels balster [Polster] , / sô begât er ein
[...] galster, / das er rinder- und geissenhâr stôsset drîn
Ammenh
11856
MWB 2 66,18; Bearbeiterin: Herbers
galsterîe
stF.
zu
galster
.
‘Zauberei’
got weiz wol daz ich nie gephlac / dekeiner galsterîe
[: frîe
]
KvWSchwanr
953
MWB 2 66,28; Bearbeiterin: Herbers
galsterlich
Adj.
‘zauberisch, magisch’
die leiden zoͮberâre [...], die die sîne wolten
uerstôzzen / mit galsterlîchen dingen [
Ex 9,11
]
Exod
1757
MWB 2 66,31; Bearbeiterin: Herbers
galt, gelte
Adj.
zur umgelauteten Form vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,34-36.
‘unfruchtbar’, von Menschen, Tieren und Pflanzen:
di ebrecherinne [...] went
[...], daz sy gelde sy, / daz sy unkuscheit mug da by /
nach irem willen getryben: / keyne vrucht ir mac beclyben Hiob
9809.
9806;
übertr.:
uzen, gyt [= giht
]
er [Eliphas] , truge
er [Hiob] den schin / alsam er solde heilig sin, / und
was vol der sunden kelde / bynnen, und dorumme gelde / alle sine liebe bleib ebd.
6378.
–
alle habn sei [Schafe] tzwillinge / vnd ein galcz
[
sterilis
] ist nindert vnder in
OsekHl
55(Ct 4,2);
geltz ebd.
102(Ct 6,5).
–
jst abir der wynstok gelde, so machin si yn vruchtsam also
Pelzb
130,24.
118,21;
Hiob
9777.
– mit Gen.:
der selbe wintir was sô kalt, / daz dî vruchtboume
[...] mûstin werdin sôr / odir vruchte gelde
NvJer
25782
MWB 2 66,34; Bearbeiterin: Herbers
galtbrunne
swM.
→
galgbrunne
MWB 2 66,51;
galte
swM.
‘einjähriges Kalb’
Auf Stayn geit ze cins [...] 1 melchen vrischinch
[milchgebendes junges Schaf] ; <1/2> galten
UrbSonnenb
67
MWB 2 66,52; Bearbeiterin: Herbers
galter
swM.
aus ge-alter.
‘Gleichaltriger’
diu ougen wâren im truobe / von der tage menige: / in aller sîner
gegene / was sîn galter nehein Wernh
3285.
– anders? (Bedeutung unklar):
in dem alter / wolde er [Christus zum Zeitpunkt
seiner Kreuzigung] sîn des lebens galter JvFrst
8404
MWB 2 66,55; Bearbeiterin: Herbers |