gouch
stM.
Pl. auch gouche (z.B.
NibB
867,1
),
göuche (
Virg
625,7 ).
1
‘Kuckuck’
2
‘Vogeljunges’
3 als Schimpfwort 4
‘Ungeheuer, Teufel’ (s.a.
hellegouch
)
1
‘Kuckuck’
cuculus haizt ain cukuk oder ain gauch. der
[...] singt neur cukuk, cukuk, dar umb spottent sein
diu kint BdN
178,10;
sô prüett daz vremd vögellein des gauches air auz mit den
seinen und speiset den jungen gauch ebd.
178,17
u.ö.;
HvNstAp
13129;
ein tôre næme des gouches sanc / für der süezen harpfen klanc Freid
84,2;
SHort
5864;
Seuse
310,17;
doch ticht ich als der gouch, / der meien früte garret
[der die Lebensfreude des Monats Mai
herausschreit] ouch Mügeln
155,5;
mîn dürkel vriunt kan gougeln ouch, / daz ein ar wirt ein riudic gouch: / ouch
kan er mir von habchen vliegen machen RvZw
243,10.
–
‘untergeschobenes Kind, Kuckuckskind’
suln wir gouche ziehen? NibB
867,1
2
‘Vogeljunges’
swie vil der alte [der alte Adler] in
[den Jungen] vür geleit, sô gint der junge gouch: / sô
nimt er im daz beste RvZw
171,5
3
als Schimpfwort
‘Dummkopf, Trottel, Narr’ u.ä.:
eseln, gouchen und affen, / den ist wnderlich ere
geschaffen. / affen, esel und gouch, / also heizzet man die liut ouch
StrKD
46,I 1.
120,30;
swîc, sinnelôser gouch! RvEBarl
12842;
ReinFu
S1,606.
K,29;
ich gouch, als ich des niht erkennen wil! MF:
Reinm
30: 1,8;
GTroj
8090;
TürlArabel
*A 223,26;
swer ob dem tische sniuzet sich, / ob er ez ribet an die
hant, / der ist ein gouch, [...] dem ist niht bezzer
zuht bekant TannhHofz
131;
Mügeln
382,2;
alle die maistir, die schrift ie gelasin, die sint reht gouch und torin
widir sinir [Gottes] wishait PrGeorg (Sch)
12,138;
SHort
4002;
HeslApk
1294;
uͤber alle die haidnischen welt, / sus eren si den
selben gauch [Mohammed]
WhvÖst
6211;
wir geturren selbe strîten. / hânt ir uns vür göuche
[Feiglinge] ersehen? Virg
625,7;
ir mugt gar wol sein ain gauch
[verbrecherischer
Strolch]
[...] wie gedurret ir in
disem lande / payde rauben und mörden? HvNstAp
19627;
Ottok
71674.
40107.
– oft in Verbindung mit tump:
tumber gouch, nû sich dar an, / dîn got leben nie gewan
RvEBarl
12829;
MF:Reinm
11: 1,15.
64: 1,7;
StrKD
61,118;
GTroj
5441;
er ist tumber dan ein gouch Volmar
18
4
‘Ungeheuer, Teufel’ (s.a.
hellegouch
):
Sente Michael irsla den gouch HeslApk
19800;
Hiob
6924
MWB 2 876,37; Bearbeiter: Graën
goucheit
stF.
‘Dummheit’
ein tôr wirt dik gelêret wol, / doch ist sîn herze goucheit vol Boner
92,68;
daz iuch iemer wundern mac, / swer eine goucheit getuot, / daz er dar nâch ist
unbehuot / der selben unwitze, / daz er daz iht entsitze Flore (G)
6251
MWB 2 877,18; Bearbeiter: Graën
göuchelîn, göuchel
stN.
Dimin. zu
gouch
.
‘untergeschobenes Kind, Kuckuckskind’
ouch hete er des vil grôzen ruom [...] daz er daz
göuchel hæte gezogen SchneekindA
58;
RuprvWü
341;
Neidh
WL 2:6,7;
dirre gouch ziuhet jungiu göuchlîn Renner
1671.
– Ersatz für die eigentliche Adressatin des Minneliedes:
ir wænet daz ich sî der mære ein göichelîn KLD:UvW
11:2,7
(vgl.
sold ich für frömden kumber [wegen einer anderen]
sîn gen iu ein trœsterinne KLD:UvW
11:5,4
)
MWB 2 877,23; Bearbeiter: Graën
gouchen
swV.
1
‘den Kuckucksruf ausstoßen’
2
‘jmdn. zum Narren halten’
1
‘den Kuckucksruf ausstoßen’
ein hane sol kren, ein hunt sol bellen, [...] gouchen
zimt dem gouche Frl
5:34,6
2
‘jmdn. zum Narren halten’
[die Knappen] den vil tumben gouch / volleklîchen
gouchten RvMunre
713;
[der Wein] gouchit sinen [des
Trinkers] horsack [hier: Körper] / ist
er alt er wirt iunc / mengen frolichin sprunc / wil er danne sprechin / darzuo
liedir singen Martina
63,44
MWB 2 877,33; Bearbeiter: Graën
gouchesampfer
stM.
eine Pflanze, wohl ‘Sauerklee’ (vgl. Marzell 3,493f.), s.a.
gotesampfer
:
trifillum vel trifolium: kle oder goͮches ampfer VocClos
Tr81
MWB 2 877,42; Bearbeiter: Graën
gouchesvogel
stM.
‘Kuckuck’ (hier übertr.):
[das personif.] Gelücke quam eins zu dem schrin / und
sloz in uf, do was ez [der Inhalt] ein gouchesvogel
Frl
7:16,12
MWB 2 877,46; Bearbeiter: Graën
gouchkobolt
stM.
hier: gouchgovolt.
‘dummer Kerl’
ir gouchgovolt, der sint ir holt / und ahtet sî vil kleine / ûffen iuwern
tœrschen lîp, / wan sist gar ein biderpe wîp KLD:UvW
11:2,11.
11:4,11
MWB 2 877,50; Bearbeiter: Graën
gouchlich
Adj.
‘dumm, unklug’
ez wære ein gouchlichez reht, / daz er der lantliute chneht
/ mit sinen guͦte wære StrKD
161,379;
ist der hase also getan, / daz er lewen wil bestan, / daz
enheize ich niht frumcheit: / ez ist ein gouchlich arbeit ebd.
43,4
(in anderer Ausg. zu goukellich (?):
ez ist ein gouglich arbeit Erz III
175a,12
)
MWB 2 877,54; Bearbeiter: Graën
göud-
→
giud-
MWB 2 877,61;
goufe
swF.
→
kupfe
MWB 2 877,62;
goufe
swF.
‘hohle Hand’, besonders der mit beiden Händen gebildete Hohlraum (vgl.
gopse
,
göuse
,
gousene
; s.a.
greffe
):
mit ir goufen truoc si dar / des wazzers unde gôz im in
Wig
5454;
pugillus: goͮfe SummHeinr (Ho)
14,1;
PsM
Per 4,12.
– als Maßangabe für Getreide:
ein grôz goufen volle nim ir [von der gestampften
Gerste] unde wirf die in einen haven
[Topf] unde wirf ein huon dar zuo unde lâ daz sieden
Barth
152,17;
der im [dem Geizhals] zesamen schütte / weizes
tûsent mütte [Scheffel] / an einen grôzen houfen, / und
trüeg man im ein goufen / desselben weizes hin dan, / er wænte sîn gar zergân / von
sîner grôzen gîtikeit Helbl
2,582.
2,328;
OberBairLdr
340
MWB 2 877,63; Bearbeiter: Graën
göuflich
Adj.
Bed. unklar:
göuflîchez [Laa. geufterleichs, varlich,
verleichs
] birsen, schiezen / muoz ich ouch
underkumen [verhindern]
Hadam
46,1
MWB 2 878,13; Bearbeiter: Graën
gougel-
→
goukel-
MWB 2 878,16;
gougeln
swV.
→
goukelen
MWB 2 878,17;
gougeren
swV.
‘umherschweifen’
da si [Jakobs Tochter Dina] da
govgerente gî / ein richer vurste si gevî VMos
30,12
MWB 2 878,18; Bearbeiter: Graën
göugewete (?)
swM.
‘Landsmann’ (vgl. NeidhWB, S. 103):
die zwên geugeweten [Konjektur, Hs. gent
geweten
] , / sint von Künehôhesteten Neidh
WL 25:6,1
MWB 2 878,21; Bearbeiter: Graën
göugrâve
swM.
vgl. mnd. gogreve
(Schiller/ Lübben 2,130).
‘(gewählter oder bestellter) Vorsitzender eines Grafengerichts’
is ist der lant luete vrie kor, daz si gougreven czu iczlichir gourichteris
tat kisin adir czu bescheydenir czit RbNeumarkt
144;
wen man kusit czu langir czit czu gougreven, den sal des landis herre belenen
ebd.
144;
SSp (W)
1,56;
SSp
49,10
u.ö.
MWB 2 878,25; Bearbeiter: Graën
göugrâveschaft
stF.
vgl. mnd. goschap
(Schiller/ Lübben 2,135).
‘Amtswürde eines Gaugrafen’
an gôgrêveschaft en ist mit rechte chein lên noch chein volge; wand ez ist der
lantlûte vrî kore, daz sie gôgreven kiesen zu [...]
bescheidener zcît SSp (W)
1,56
MWB 2 878,33; Bearbeiter: Graën
göugrâveschaftnisse
stF.
‘Amt eines Gaugrafen’
an gougrevenschaftnus gehorit keyn volge lenis [lehnsrechtliche
Folgepflicht] , wenne is ist der luete vrie kor, daz si gougreven
czu iczlichir gourichteris tat kisin adir czu bescheydenir czit RbNeumarkt
144
MWB 2 878,39; Bearbeiter: Graën
göuhërre
swM.
Geistlicher eines Pfarrbezirks:
geuherren DRW
3,1210
(SteirLArch.; a. 1312)
MWB 2 878,45; Bearbeiter: Graën
göuhuon
stN.
1
‘Zinshuhn’
2
‘Landhuhn’ , übertr. für Landbevölkerung
1
‘Zinshuhn’
umb daz verfluochte geuhuon / treit bruoder sîm bruoder nît, / ob man imer im
êre gît Helbl
8,858
2
‘Landhuhn’, übertr. für Landbevölkerung:
[die] uf daz gou streben / und niht wan roͧbes
wellen leben, / si erchennent niht des gowes chraft / und der goͤu huner
meisterschaft. / diu chluckent etelichem abe / den hals und alle sine habe
StrKD
36,140.
36,153
u.ö.
MWB 2 878,47; Bearbeiter: Graën
goukel
stM.
wohl ‘Schauspieler’, abwertend ‘Gaukler’
wis niht der andern gevkel [Gl. zu non sis
%’ystrio
]
UvLil
259 rd 20
MWB 2 878,55; Bearbeiter: Graën
goukel
stN.
auch gougel.
1
‘(falscher) Zauber, Blendwerk’
2
‘Belustigung’
1
‘(falscher) Zauber, Blendwerk’
von gougel muoz geschehen / daz er die siechen alle stunt / mit sîner helfe
tuot gesunt KvWPant
852;
sîn gougel und sîn zouberlist ebd.
912;
HvNstAp
14374;
sie kunde vil zaubers und gauckels Lanc
568,32.
572,24
u.ö.;
über zouber, goukel, ketzerîe / sölten alle kristen wâfen schrîe Renner
11127;
[das Glück kann] verswinden / als ein gougel RvZw
264,3;
ich bin ein kint, doch sihe ich wol, / daz disiu werlt ein goukel ist
Winsb
58,2;
Teichn
305,1;
sagt mir, unsæligiu diet, / wer iu ditz goukel riet?
EnikWchr
8840
2
‘Belustigung’
dô sante in unser herre boten daz sie sich bezzerten, oder er wolte sie alle
ertrenken in dem sintwâge. daz was niht dan ir gespötte und ir goukel PrBerth
1:81,6.
1:33,17
MWB 2 878,58; Bearbeiter: Graën
goukel-
s.a.
gogel
-
MWB 2 879,10;
goukelære
stM.
auch gougelære.
‘Zauberer, Zauberkünstler’
dû [Simon Magus] bist ain
goukelære: / die tievel helfent dir dar zuo, / sô dû zouber wil tuon, / die liute dâ
mit triegen Kchr
2546;
si solten wizzen, / daz got stercher wâre / danne die goͮcgelâre
Exod
1762
u.ö.;
da widere taten oͮch des chuneges goͮckelare
[
sapientes et malefici Ex 7,11] zeichen
genoͮgiv; daz was allez mit dem tieuele Spec
144,33
u.ö.;
ainer vragt mich der maͤr, / zwew ein herr
gauklaͤr / und narren in seinem haus hiͤt Teichn
378,2;
schirmer, gîger, goukeler Renner
16507.
–
‘Taschenspieler, Betrüger’
genuoge hêrren sint gelîch den gougelæren, / die behendeklîche kunnen triegen
Walth
37,34;
si waren lugeneren / unde waren ouh couhcheleren Glaub
1405;
prestigiator: ein goͮgler VocOpt
40.012;
hastu ye keinen gauckeler gesien, / der mit dem
huͤtgin dribet daz spiel sin, / das er hait uff die erde gesatzt nieder, /
und dut die lude verstaen wyder / das ettwas dar under sij Pilgerf
8006;
Renner
3678
u.ö.;
Kröllwitz
4179
MWB 2 879,11; Bearbeiter: Graën |