gelückederat
stN.
‘Glücksrad’
da sitzet fro selde mit irem glúktrad Seuse
435,7
MWB 2 390,11; Bearbeiter: Bohnert
gelückelich
Adj. , -lîch(en)
Adv.
1 Adj. ‘günstig’
2 Adv. ‘gut, glücklich’
3 Adv. ‘glückbringend’
1
Adj. ‘günstig’
[die erste Stufe der Tugend ist] nv̍t forchten
nv̍want vnnerberu̍ ding vnd liden notfestlich widerwertigu̍ old
gluklichv̍ ding RvBib
174,10
2
Adv. ‘gut, glücklich’
swaz ir dorch in [Eneas] getût / daz enmach niht
sîn verloren: / ir habet geluckelîche erkoren [eine glückliche Wahl
getroffen]
En
1550;
da von froͤd myn hertze hat / das es dir gluͤcklichen gat
KonstBrf
69,26
3
Adv. ‘glückbringend’
[
die heiden
] iren goten tâten / opfir grôz mit
lobe, / dî in gewesin obe / wâren mit geleite / geluklîch an der reite NvJer
23377
MWB 2 390,13; Bearbeiterin: Herbers
gelücken
swV.
1 unpersönl. mit Dat.d.Pers. ‘glücken, gelingen, Erfolg
haben’
2 persönl., in der Verbindung gelücket sîn
‘vom Glück begünstigt, erfolgreich sein’
3 refl. ‘sich erfolgreich erweisen’
1
unpersönl. mit Dat.d.Pers. ‘glücken, gelingen, Erfolg
haben’
mocht mir gelucken / in myn leben eyns alsoe, / soe wold ich sicher sterben
vroe MinneR496
218.
MinneR 497
549;
ir [Engelhard und Engeltrud] wunne wart enzücket. /
daz in doch niht gelücket / ist an ir freuden einen tac KvWEngelh
3198.
–
an
‘mit jmdm.’:
gelingen und gelucchen / mach noch dem chünge an in [
den
edelen von Zweinbrukken
] wol Hirzelin
206
2
persönl., in der Verbindung gelücket sîn
‘vom Glück begünstigt, erfolgreich sein’
wir müezen uns friuntschaft flîzen. / unser keiner mac verwîzen / dem andern
niht umb ein hâr: / wir sîn gelîch gelücket gar UvEtzAlex
15596
3
refl. ‘sich erfolgreich erweisen’
also gelukt sich / alle sein [Alexanders] sach
sicherlich, / daz im daz lant Persia / ward undertenig sa GrAlex
2753
MWB 2 390,25; Bearbeiterin: Herbers
gelückhaft
Adj.
1
‘glücklich, unbeschwert’
2
‘glückbringend, glückversprechend’
1
‘glücklich, unbeschwert’
uͤnsers herren leichnamen / macht den menschen
klukhaft Teichn
473,35;
es ist manger glukchaft / hie in diser welt gewesen ebd.
687,36.
687,63;
subst.:
geluͤkhafften nydet sie
[
gerechtikeit
] nit MinneR444
393
2
‘glückbringend, glückversprechend’
Jupiter unde Venus sint geluckehaft, Saturnus unde Mars ubil
MNat
3,26
MWB 2 390,43; Bearbeiterin: Herbers
gelückhaftic
Adj.
1
‘glücklich, unbeschwert’
2
‘heilbringend’
1
‘glücklich, unbeschwert’
der vogel [
alz
] bedäut
uns die läut, die in glückhaftiger zeit træg sint BdN
172,14
2
‘heilbringend’
daz der gelúckhaftig nam
[Jesus] so tief in úwer herz ist gesenket, daz allen
menschen neiswi reht ein núwú kraft dannen enpfintlich moͤht dringen
Seuse
394,25.
394,33
MWB 2 390,51; Bearbeiterin: Herbers
gelückic
Adj.
‘glücklich, vom Glück begünstigt’
man muoz die hôhen hêrren [der rheinischen
Ritterschaft] umbe ein ezzen sêre vlêhen; er muoz gar gelückec sîn,
swem dâ sol guot geschehen WernhSpr
67,5;
ach gelückiger ritter userkorn, / die zit do ir wurdent geborn / muesse iemer
gesegent sin ParzRapp
683,12;
so were ich gelückig [...] / unde wolte nüt me trurig sin
ebd.
707,36.
489,34;
[Rudolf] were alse glücgig, wer es mügelich daz ein lebende
mensche moht gottes stat besitzen, kunig Ruͦdolf würde sü besitzende
ClosChr
42,11.
– subst.:
do von beschlusset ein ende [d.h. der Tod] glucke
vnd widerwertikeit dirre welt, daz die betruͤbten iht fúrzagent vnd die
gluckigen iht zuͦ hochfertig werdent ElsLA
752,26
MWB 2 390,58; Bearbeiter: Bohnert
gelückrat
stN.
auch gelücke-.
‘Glücksrad’ (als Symbol für stetig wechselndes Glück), s.a.
gelücke
2.8.1 :
ich gen auff dem geluckerat, / ich gen auff der sorgen pfat, /
und das gelucke will mein nicht HvNstAp
16427.
2021;
es [das Leben] was liep und leit, leit
und liep, dar nach als es gap fro Venus glúckrat Seuse
424,18.
– auf dem ~ sitzen ‘vorübergehend Glück haben, vom Glück
begünstigt sein’
die wil er dennoch uf dem glúkrad sass Seuse
123,20
MWB 2 391,9; Bearbeiterin: Herbers
gelücksælic
Adj.
‘glückselig, (über)glücklich’
[
der ametiste
] machet glücksælic den man
Volmar
221;
er [
Pompeius
] ni geluckeselig wart
HistAE
5378
MWB 2 391,19; Bearbeiterin: Herbers
gelücksamicheit
stF.
‘günstige Verhältnisse, Wohlstand’
Scilla und Bitallassum / sint auch zwene bose nam. / Scilla ist
genant widerwertikeit, / Bitallasus glucsammekeit
[
prosperité
]
Pilgerf
12197;
personif.:
von nuwem verstanden wir han / das die stieffmutter der
dugent solle han, / Glucksammekeit, geslagen ire hant / in unser weltlich lant
Pilgerf
12384.
12410.
12418
MWB 2 391,23; Bearbeiterin: Herbers
geludeme
stN.
Cranc auch gelodeme.
1
‘Lärm, laute Geräusche’
1.1 von Stimmen; in Verbindung mit Ausdrücken für Schreien und Rufen 1.2 Naturgeräusche 1.3 von Musikinstrumenten 2
‘Aufruhr, Tumult’
2.1 von Personen 2.2 übertr.
1
‘Lärm, laute Geräusche’
1.1
von Stimmen; in Verbindung mit Ausdrücken für Schreien und Rufen:
sich hub under in ein ruf / vnd ein geludme sa zehant PassI/II
188,32;
ein geludme und einen ruf PassIII
40,31;
der tuvel hulte unde schrei / [...] mit geludme
er dannen vloch PassI/II
288,35;
mit eym geludme und mit scre / get des bosen
[Gottlosen] gedechnis hin Hiob
7372;
dô sie hâten vernomen / daz geludem und den braht ErnstD
3059.
–
tu wec von mir daz geludeme dinis gesenges
Cranc
Am 5,23.
–
daz wolveliche hulen / was in dem geludme
[von furchterregenden Tierstimmen] starc
Vät
1093
1.2
Naturgeräusche:
do hub sich ein gesuse / von dem geiste harte groz / als eines windes
sneller doz / sin geludme starke erschal / in deme huse vber al
[vom Pfingstereignis, Act 2,2]
PassI/II
113,63;
als alle wazzer duzzen / und snelle sich irguzzen / sust von dem himel
snelle / der heilge geist gar helle / quam mit eim geludme dar TvKulm
5543;
[der heilige Geist,] der wol snelle sich irguzet / und
sam alle wazzer duzet / in eynem geludme her zutal Hiob
45;
nach dem liechte mit ungevug / volget eyn geludme groz. /
daz ist der doner ebd.
13819;
ez bruͤdelt und dundert / in dem gebirge vaste. /
[...] ja, herre! wær diu helle / hie
[...] mit æller ir gebruͤdem, / ez
moͤht daz geluͤdem / kume tiuvellicher sin WhvÖst
4408
1.3
von Musikinstrumenten:
man hort uz ietwedern scharn / der busunen crach und doz:
/ daz geluͤdem wart so groz / daz der kuͤnc von Zyzya / erschrak
WhvÖst
6430;
geluͤdems was do wunder / busunen und von tamburn
ebd.
6480
2
‘Aufruhr, Tumult’
2.1
von Personen:
ja wert ir uzgen nicht in gelodeme [
non
in tumultu exibitis
] noch in vlucht wert ir uch
wecvordern [wegeilen]
Cranc
Jes 52,12;
PassIII
263,9;
HvNstGZ
3583.
–
~
in/under dem volke:
daz lîchte nicht ein geluͦdeme worde in dem volke EvBeh
Mc 14,2.
Mt 26,5;
EvBerl
54,25;
ein
geludeme [
tumultus
] wirt sich
irheben undir dinem volke Cranc
Os 10,14.
Ez 7,11
2.2
übertr.:
do in ir kusch herze erschal / daz geludme [Einflüsterungen
des Teufels] al entwerch / und wolde sie verwunden verch, /
deme gienc si wol engegen [widerstand sie]
PassIII
493,65;
des vleisches geludme ebd.
426,31.
–
daz geludme ist so groz, / [...] in uns
kranken / an iteln gedanken, / die in die andacht vliegen / und sie leider
biegen / uz guter andacht mit gewalt PassIII
168,47.
–
[die himmlischen Ehren,] die daz ore des totlichen
libes nich nehoret, / die wile iz des werltlichen geludemes doz betoret
Himmelr
10,22
MWB 2 391,31; Bearbeiterin: Herbers
gelükt
stN.
→
gelückede
MWB 2 392,19;
gelummere
stN.
‘Lärm, Getöse, Tumult’
dô wart in der selbin nacht / wol in dem êrstin slummere / ein sô grûwelîch
gedummere [La. gelummere
] / vornumin obin in der
luft NvJer
24781;
auf Kriegslärm bezogen:
ebd.
24814
MWB 2 392,20; Bearbeiterin: Herbers
gelüpnusse, -nussede,
gelüptnusse
stF.
‘Gelöbnis, Versprechen’
so henkent die bv́rger von Clingenowe ir ingesigel an disen brief ze einer
gelvͦbnvste dirre dinge UrkCorp (WMU)
3467,41;
als die gelúptnuß geschach, / bald gen himel sach / Fridrich unnd sprach
‘rainer got, / dein gnad unnd dein gebot / hat vaͤtterlich an mir getan
[...]’ FrSchw
4623;
mein geschaͤft und gelubnuß [
testamentum meum,
Ps 88,29
] wirt ym getrewleich berayt PsMb
29(Glossar)
MWB 2 392,25; Bearbeiterin: Herbers
gelüppe
stN.
‘Gift’
daz gelüppe was alsô getân, / daz siz mit nihte kunden /
gescheiden von der wunden Tr
7268.
7771;
daz gelüppe vrumete im smerzen / an lîbe und an dem herzen / und
bitterlîche quâle HvFreibTr
6323;
Parz
790,11;
merkch das chraut und sewds in wein / und gib es [als
Gegengift] den die wunt sein! / die werdent an der selben stundt / von
dem gelupp wol gesundt Seifrit
6210.
6200;
ein phîl gelüppes vol KvWPart
9461;
ez wont ein wurm [bildl. für die Zunge] in eime hol /
[...] / sîn swanz der ist gelüppes vol, / vergiftig ist sîn
ort Kolm(B)
93,6.
–
mit/von ~ wunt
‘vergiftet’
sîn oder werden:
dû [Tristan] bist mit gelüppe wunt
Tr
7773;
HvFreibTr
6723;
die von gelupp wuerden wundt, / die wuerden auf der selben stat gesundt
Seifrit
6219.
–
‘Zaubersalbe’
aspindê dâ von verbran. / waz wunders diz gelüppe kan
Parz
490,30;
sît man daz gelüppe heiz / an dem spers îsen weiz, /
[...] den frost ez ûzem lîbe treit ebd.
490,13.
– übertr.:
diner [Jesu] marter geluppe Martina
108,87.
91,57;
nuͦ hat mir leides geluͤppe / durch stochen myne wuͦnne,
/ getoͤtet alle myn kuͤnne MinneR444
112;
och soltu nit gestatten / irem [der
Sünde] vergiften pfil / belibendes kain wil, / ald ir gelúppe
tuͦt dir schaden SHort
4589;
Renner
17021;
NvJer
5934
MWB 2 392,35; Bearbeiterin: Herbers
gelüppic
Adj.
‘vergiftet’
[der Mensch] tet och werc vil vppige / von svnden gar
geluppige Martina
117,26
MWB 2 392,61; Bearbeiterin: Herbers
gelüpschafte
stF.
‘Gelöbnis, Versprechen’
sin [Gottes] gelúbschafte ist, daz er allen
[...] hat gelobet, die im dienent unz an daz ende
PrGeorg(Sch)
14,62
MWB 2 392,63; Bearbeiterin: Herbers
gelüptic
Adj.
‘verpflichtet, an ein Versprechen (einen Eid) gebunden’, präd. mit
werden:
– mit Dat.d.P.:
dar vmb enbieten wir üch vnd wellen, daz ir dem selben Volmar gelüptig werdent
mit üwerem briefe UrkEidgenG
4,2:462
(a. 1316).
– mit Dat.d.P. und Gen.d.S.:
daz [wir]
[...] den ersamen lûten [...] dez
volgig vnd gelûbdig sigen worden, daz wir den êgraben [...]
niemer sv̂lint naher gewisen alde gerihten UrkCorp (WMU)
2209,18.
– mit Akk.d.S.:
her Gregorie von Valkenstein vnd Ruͦm vnd Albereht von Valkenstein, die
gegenwertich waren, da ich diz gelúbdich wart UrkCorp (WMU)
2734,5.
– mit ze:
die wisan in Tegermose [...], dar vmbe si
geluͦbdich wrdent ze widerlegunge vivnf vnd trizech schillinge geltes
UrkCorp (WMU)
1795,41;
swaz iman tvͦth als [l. ald
]
zetv́nne gilvbdich wirth ebd.
N503,29
MWB 2 393,3; Bearbeiterin: Herbers
gelüptnusse
stF.
→ gelüpnusse
MWB 2 393,20;
gelürme
stN.
‘Ungeziefer’(?)
kever unde würme / und ander mang gelürme / was ir [der
Krähe] spîs Boner
49,12
MWB 2 393,21; Bearbeiterin: Herbers
gelust
stMF.
auch glust, gelost.
1
‘Verlangen, Begierde (nach etw.)’
1.1 ohne negative Wertung; allgemein 1.2 in negativer Wertung: ‘böse, sündhafte Begierde, Lust,
Wollust’
2
‘Freude (an etw./ jmdm.), Vergnügen, Wonne’
1
‘Verlangen, Begierde (nach etw.)’
1.1
ohne negative Wertung; allgemein:
des twang in [Parzival] art und
sîn gelust Parz
118,28.
9,26;
ez [mein Herz] wil ûz durh ganze
brust / von mir zuo der sældenrîchen: / also stark ist sîn gelust
SM:St
4: 4,7;
sô sêre er her gerüeret kam, / daz er nâch sîner gelust /
hurtende mit des orses brust / den vînt sô sêre erschalte, / daz ern zer erden
valte Tr
7011;
sper druhten si dô nider, / als si truoc ir gelust
Wig
3526;
nu tuont ein wênic des ich ger, / büezt mir mînen gelust
/ und erloubent mir die êrsten just UvZLanz
2895;
sîn manlîch gelust Wh
11,6;
Frl
7:14,11;
der bitter tôt was ir gelust Wig
9996;
daz herze mîn mir mangen stôz / mit sprüngen stiez an mîne brust: / ze
reden was gar sîn gelust UvLFrd
36,22;
in lange sehen was ir gelust: / dô was im von in vil gâch
RvEBarl
14900;
die rehten maister der geschrift, die tag und naht mit
überigem grôzem gelust lesent die geschrift und tihtent new lêr
BdN
221,20.
– mit Gen.-Attr.:
daz kint [...], / daz souc
nâch sîns lîbs gelust [wie sein Körper dessen
bedurfte]
EnikWchr
13662.
13654;
den fursten sol für unmuot
wegen [helfen] , / daz si kurzewîle phlegen, /
und doch mit den mâzen, / sô daz si des niht lâzen / durch dheiner kurzewîl
gelust, / si hüeten stæt vor der verlust / ir lant und ir liute
Ottok
287;
der ritterschaft gelust UvLFrd
469,14;
strites gelust WhvÖst
17639.
– in verbalen Wendungen:
ich bin in einem gelvste, / daz ich gerne kvste
ReinFu
K,179;
mich ist anchomen ein glvst Fabelcorp
23,6;
und das solltu wechennenn an der pegirde und an dem
gelust den du gewinnest zu essenn HvHürnh
35,2;
an sime libe langer leben / hete er gelost nicht vmbe ein har
PassI/II
33,76;
vnde [der Wein] gibit gelust
zu ezzene vnde irlosit den bladem SalArz
20,54;
ain syrop dâ von [aus Quitten
gemacht] , der den gelust ze ezzen wider pringt
BdN
320,22.
– spez. von sinnlicher, sexueller Begierde, Trieb:
minne gerende gelust / kunde ir lîp vil wol gereizen
Parz
409,30;
swelche lute heizir vnde vuchter nature sin, an den
merit sich di gelust vnde di same. swelche aber heiz vnde trucken sin, di
haben groze gelust vnde weninc samen SalArz
61,21;
und sein [des Kamels] weip
hât sô grôzen gelust zuo im, daz si vor gelust greint BdN
124,22
1.2
in negativer Wertung: ‘böse, sündhafte Begierde, Lust,
Wollust’
daz wir alle die gelust unrehtir dinge erleschin
muͦzzin an unsirme lîbe, die uns ze sundin unde ze unrehte lâitint
Spec
88,12;
swer sich an niht wil kêren / wan an des lîbes gelust, /
daz ist der êren verlust Tr
12511;
sünden glust ist sünde niht, / swenne er wirt sigelôs unt daz mit widerwer
geschiht; / sünden glust mit widerwer tuot crônebæren kemphen kunt RvZw
89,1.3;
der furste bezeichent die gelûste unsers fleisches,
chelgîte unde allir slahte gierscheit Spec
40,10;
der meister alzu dicke sach / den tuuel [in der Gestalt einer
schönen Frau] an durch gelust PassI/II
294,30;
du sollt nit naigen zu dem gelust der
weibe [
ad coitum mulieris
]
HvHürnh
14,1;
ich weiz sô michel geluste ime chômen unter sîne bruste,
/ daz er fore minnen aller begunde brinnen Gen
1598.
309;
nû hüete, daz dir iht under brust / in dîn herze kom der glust, / dâ mit
dû dînen werden man / an êren mügest geswachen KgTirol
32,4.
– mit Adj.-Attr. (bœse, übel, vleischlich, werltlich
usw.):
so die unreinen girde und die boͤsen
gluͤst gestillet werdent von der heiligen riw
PrOberalt
163,9;
duo si [Adam und Eva]
nedwanch nehein ubel gedanch, / noch unter ire brust chom nehein ubel gelust
/ unze si wâren wolgezogen [wohlerzogen, gehorsam]
Gen
309;
ouch enhât mich werltlich gelust / unz her noch niht berüeret, / der
hin zer helle vüeret AHeinr
690;
wert iv vngezæmer gelust, / div ist der sele gewissiv verlust
Warnung
1613;
wan der vleischlîch gelust / mit brœdeclîcher âkust /
uns armen brâhte den tôt RvEBarl
2467;
Renner
9823;
Elis
1488.
1660;
si [
die kiuscheit
] ist die zv hus
sal tragen / den sic ob valscher gelust, / swa si buet in der brust
PassI/II
248,64
2
‘Freude (an etw./ jmdm.), Vergnügen, Wonne’
von giluste der tuginde [(delectatione
virtutum) aus Freude an der Tugend ]
BrZw
7;
si üebeten [...] den bracken unde
daz armbrust / mê durch ir herzen gelust / und durch ir banekîe / danne durch
mangerîe Tr
17268;
besaz si nach ir gluste / mit ir geniezen kindes spil, / wart ir gewinnes icht
zi vil, / daz sich di lude erheben duͦt, / sa wolt di juncfrouwe guͦt
/ [...] der winnunge abe gen Elis
874;
nu saltu wizzen alvurwar, / daz dich gelust me weichet, /
als [wenn] dine gewonheit streichet / dine katzen mit
der hant, / dan dem bischove si bekant / an alle dirre
zierheit [Herrlichkeit der liturgischen Kleidung] /
die nu ist an in geleit PassIII
128,11.
205,2;
dâ [in der liebevollen Pflege der guten Pflanzen]
lît gelust des herzen an, / und gît ouch hôhen muot Walth
103,19;
ach, waz si enpfiengen / sit swær nach geluͤsten!
WhvÖst
9673.
– in Verbindung mit haben, machen:
daz ich gelust an got han PrGeorg(Sch)
6,132;
dat höu machd in [dem Ochsen und
Esel] gelust ind macht, / darup uns Jhesus was gelacht
MarlbRh
41,37.
97,26.
102,24
MWB 2 393,24; Bearbeiter: Tao
gelustamîe
swF.
‘reizende Geliebte’
da fuͤr næm ich ain kosen / von der kuͤschen
Aglyen, / mins libes glust amyen WhvÖst
6808
MWB 2 395,1; Bearbeiter: Tao
geluste
swM.
‘Verlangen, Begierde’
sôn blendet dekein blintheit / als anclîch unde als ange / sô
geluste unde gelange Tr
17800.
17767.
17792;
gottis minne, div kreftiger ist denne der welte geluste
DvAStaff
371.
–
‘sinnliche, sündhafte Begierde, Gelüste’
sô sie des wurden gewar, / daz der geluste wolte enzünden / ir fleisches gir
zuo den sünden LvRegFr
1703;
der geainiget werd mit dem inren mit underzogenheit aller
vihlicher gelústen Seuse
170,13;
du solt [...] dinen begirden
erbleichen und allen dinen gelústen ertoden ebd.
209,10
MWB 2 395,4; Bearbeiter: Tao
gelüste
stN.
nicht immer zu unterscheiden von
gelust
stMF.
1
‘Verlangen, Begierde’
2
‘Lust, Freude’
1
‘Verlangen, Begierde’
deu sint vns elliv von vnser plodicheit ein materi der svnden:
hochfart oder travricheit, vngedvlt oder verlazzenheit, zagheit oder vngewarlichiv
sicherheit, pitercheit oder vnordenliches gelvst [...]
DvAPatern
303;
wer isset an [= âne
]
notturfft des leibes, das ist an [= âne
] gelüst
essenn, der erfinndet daz sein natürlich hitz ist kalt HvHürnh
35,2.
– spez. vom Koitus:
du sollt nach vollgenn nichtt den pegirdenn an essenn, an
trinncken, an gelüsst [
coitu
] unnd an
geyttigklichem schlaffe HvHürnh
13,6
2
‘Lust, Freude’
got in sînem hôhen trône / hât begert dîner schône, / dâ er
wil, o wîbes crône, / mit gelüste dich ansehen SM:EvS
1: 16,12.
– als Anrede an die Geliebte:
nu tanze eht hin, min liebez, min gelüste!
Tannh
11,22
MWB 2 395,16; Bearbeiter: Tao
gelustelich
Adj.
→
gelustlich
MWB 2 395,33;
gelüstelîn, gelüstel
stN.
1
‘kleines Verlangen’
2
‘kleines Vergnügen’
1
‘kleines Verlangen’
swenne dû alse grôze êre verliusest mit einem bœsen gelüstelîn PrBerth
1:337,12;
ich mac vil kum erliden, als mich ein fiwer cleine kan begruͤzen. /
solt ich mit all dar inne sin di lenge / durch ein so cleinez glustel? JTit
236,4.
–
so die maget beginnet sharen / und entwerfent sich diu
bruͤstel, / so bestat sie ein geluͤstel, / daz slichet ir in daz
herze, / und daz des gelustes smerze / ir den muͦt gar verkeret / und ir
muͦter site leret Rennew
4224
(vgl. TPMA 2,135);
ob ein gelustel / von herzen Tristande gât, / daz er dich
minnenclîch bestât HvFreibTr
714
2
‘kleines Vergnügen’
swaz im liebes dâ von geschiht oder gelustes, daz ist allez, sam der die slêhe
von dem dorne izzet, wan umbe ein kleinez gelustelîn stechent in vier müedorne
DvASchr
314,12
MWB 2 395,34; Bearbeiter: Tao |