Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gargarismus - garte    


gargarismus M. lat., vgl. MlatWB 4,620. ‘Mittel zum Gurgeln, zur Rachenspülung’ mache im ein gargarismum in den hals SalArz 81,12; da nach sal man machen ein gargarismum uon ezzige der gegozzin si an girstine clien [...] oder uon geiziner milch ebd. 43,25 u.ö.

MWB 2 102,57; Bearbeiter: Bohnert

gargele stF. aus lat. gargellum, gargalum (s. Germ. Rom. 2,268). Einschnitt an den Enden der Fassdauben zur Befestigung des Bodens, ‘Gargel, Kimme’ (s.a. Steffens, Weinbau 143); der Wein gât ûf die gargele ‘geht zur Neige, dem Ende zu’ swer och der ebtizhin kelner [Verwalter] ist / [...] so der banwin vf die gargele gande wirt / so sol der vbrige sin sin UrkCorp 679,26

MWB 2 102,63; Bearbeiter: Bohnert

gargôle swF. afrz. gargole, gargouille (Suolahti 1,93). ‘Wasserspeier’ einer Dachtraufe: darumbe [Thron Gottes] stûnd ein dolde / von posten und viôlen [Fialen] , / wintburgelîn, gargôlen Erlös 442

MWB 2 103,7; Bearbeiter: Bohnert

garlîche, gerlîche Adv. auch gær-, -lîchen. 1 ‘gänzlich, völlig, vollständig, vollends’ ;
2 ‘besonders, zumal, vor allem’ , meist in der Verbindung und (doch) ~
   1 ‘gänzlich, völlig, vollständig, vollends’; ein Verb näher bestimmend: doch newirt got dâ mitte [mit weltlichen guten Werken] nieht garlîche [La. gar ] fundin noͮch gezartet TrudHL 38,21. 43,12; darumbe got zestoren sol dich gærlichen [ destruet te in finem ] PsM 51,7; der tiufel ist verteilt von dem almæchtigen got der in von den himelischen eren stiez in den luof [Abgrund] da er des jungisten urteils erbite, daz er dann gærlichen verdampnet werde PrOberalt 100,5. 145,1; Aneg 1369; Konr 16,34; Lilie 4,34; DvASchr 380,24; owe tot, todes not, / wes zvhestv dich hin von mir? / ia bistv gerliche min gir PassI/II 73,6. – ein Adj./Adv. näher bestimmend: sô hât got sîne genâde garlîche here ze der armin sêle gekêret TrudHL 72,23; als was ouch geflôrieret / rîche garlich sîn her Kreuzf 1831; anders ist niht gar unguot / in deheines mannes muot / ân untugent diu zaller vrist / vil gerlîchen übel ist WälGa 5866; Wernh D 672; PrOberalt 149,12; Elis 178; UrkCorp 1382,18; PassI/II 67,62. – im Ggs. zu halbe, ze mâzen: die ampulla, da der criseme inne ist, die treit men dez dagis [Gründonnerstag] , daz si halbe ist bedeckit vnde halbe ist bar. [...] so men denne den crisemen gewihet, so endecket men die ampullam gerliche Lucid 108,7; so der harn [...] gerlichen dicke ist, [...]. so aber er gerlichen dunne ist, [...]. so aber er ze mazen dicke ist, [...] SalArz 112,15. sô ~ mit folgendem (zu ergänzendem) Vergleich oder Konsekutivsatz: ez ist niemant so gærlich unser næchster so unser herre der uns berucht PrOberalt 156,12; ezn wart nie man deheiner / sô gerlîch âne triuwe [wie Genelûn] StrKarl 2517; Loheng 7234; ir ist leider nû niht vil / die diu sælde ûf ir zil / sô gärlîche lâze / daz si mit der mâze / älliu dinc verenden Wig 2958; Krone 27330; RvZw 108,11. – eine Verneinung verstärkend: ân gnâde sol daz geriht / gerlîchen blîben niht WälGa 10052; o gar genädiger kaiser, müg es gesein, so ensolt du nichtt auf stan noch essenn noch trinncken noch garlichenn nichttes [überhaupt irgendetwas] tuen an der räte ains gelerten mannes an der stern kunst HvHürnh 26,1. – in Bekräftigungsausdrücken: vnd hat auch der vorgenant pruͦder Chuͦnrat / denselben chauf vergolten / gentzleich vnd gêrleich UrkCorp 1051,41; genzliche / vnd garliche ebd. 1687,14. 500,26. 1156,12; do geste wir von willichlich, lieplich vnd gærlich vnd verzihen vns aller der recht ebd. 772,17; gerlich vnd ledichlich avf gegebn ebd. N670,15; weitere Belege s. WMU 1,552f.    2 ‘besonders, zumal, vor allem’, meist in der Verbindung und (doch) ~ : daz ist ein unguoter sit / an den kunigen gerlich Ottok 16745; daz dûz sagest dheinem lîbe, / und doch gerlich [besonders aber] dînem wîbe, / daz dû ez der verdagest ebd. 62665 u.ö.; der suͦn sol sin vurteilet eigens vnd legens vnd varendes gutes / vnd gerlich aldes gutes ewelige / des er von vater oder van muter / erben solte UrkCorp 494,15; daz wiͤr der wuͦr [Staudamm zum Ableiten von Wasser] vnd auch des wuͦrslages [Uferbefestigung] / gewer vnd scherm wellen sein [...] gegen allen den, die da engegen ihttesicht zesprechen habent, vnd doch gerleich gen allen den, die iht guͦtes habent ze nidern Schonpuhel ebd. 1156,10. 1549,18

MWB 2 103,12; Bearbeiter: Bohnert

gärmic Adj. gerwic

MWB 2 104,14;

garn Part. Prät. ern stV.

MWB 2 104,15;

garn stN. Pl.-Formen nur in Bed. 2 ( UrkCorp (WMU) , WvRh , Orend ). 1 ‘Garn, Faden’ , meist kollektiver Sg.
2 ‘(aus Garn gewirktes) Netz, Garn’ zum Fangen von Tieren, teilw. bildl.
   1 ‘Garn, Faden’, meist kollektiver Sg.: filamen: garn Gl 3:627,17; GlHvB 399,11; ein kunkel [...], / ab der span er dâ cleinez garn KvWTroj 15873. 28286; herzoginne [...] muosten garn winden Kudr 1005,4; KLD:GvN 27:1,7; und man sol auch zu iedem tuch niht minner nemen dann 8 gepunt garns NüP 95; diu vor ein tuoch von garne truoc, / diu wil nu haben einen wifelinc Renner 12776. der gúrtel [der albe ] der sol sydin sin oder von wissem garn lýnim PrGeorg 8,33; PrWack 41,49; wullein garn StRMünch 460,28; UrkCorp (WMU) 46,15; der rok was brun val, von hertem gezwirnetem garne Mechth 5: 23,150; geswertz garn NüP 93. allez daz ze dem varndem guote [der vrouwe ] hœret: daz sint [...] garn und diu bette diu si dar brâhte, bolster, küsse [...] und elliu wîplîchiu kleider SpdtL 102,5; SSp(W) 1:24,3; UrkCorp (WMU) 51,31; treit ein geladen karre linwat, wolle, garn, flahs, hvnr, chæ̂se oder aier ebd. 548ABC,31,46; StRAugsb 30,11; NüP 93; SalMor 709,1. – in Vergleichen: hie wart alrêrst gevohten / und rotte in schar geflohten / als in daz warf des garnes wevel KvWTroj 31539. 33862; dar în [Schar feindlicher Kämpfer] wart er verstricket / als in daz wippe ein garnes vaden ebd. 33483. – phras., jmdm. bleibt niht ein ~ am Leib: solden im die fursten allesamt / alsô verdienen ire amt, / als man iuch dienen siht, / zwâre, sô belib in niht / an dem lîbe ein garn Ottok 14839; bildl., ‘(so gut wie) nichts’ von etw. (Gen.): aller fröide mir niht lât / Minne ein garn an mînem lîbe SM:UvB 2: 2,2    2 ‘(aus Garn gewirktes) Netz, Garn’ zum Fangen von Tieren, teilw. bildl.: ich sach da fliegen manchen starn: / er must han ein verdecket garn / der im wolt die vedern struben Minneb 5160; daz nieman in der Jllen vischen sol [...] mit segenen noch mit geknvpfiten garnen UrkCorp N109A,3; in was enpfarn / der visch mit kreften durch daz garn; / her Tristan was entrunnen in HvFreibTr 3238; er wart in leit verworren / als in ein garn die vische KvWTroj 20731. 7837; diu vertâne heidenschaft / wart umbevangen dâ mit kraft, / als in dem garne ein wildez tier KvWPart 20995. 7998; [der Sünder] sinen vuez von willen stiz / in diz netze und in diz garn / der sunden, di er nicht bewarn / wolde Hiob 7269. – in Verbindung mit machen, legen, stellen, werfen: so der vissher en nuwe garn gemahchet UrkCorp (WMU) 240,38; waz mac diu minne, ob ir daz garn / des ungelückes wirt geleit? KvWTroj 2362; volgen ir mir sollent. / stellent nach luden vwer garn. / vnd lazent daz vischen varn [vgl. Mt 4,19 ] PassSpM 184; werfent aber us dis garn, und ir súllent vohen [vgl. Lc 5,4 ] Tauler 171,11; Orend 572. 576(La.); werf ich der witze garn in der naturen bach, / ich fische ding Mügeln 53,4

MWB 2 104,16; Bearbeiter: Bohnert

garnasch stF. aus afrz. garnache, ital. guarnaccia. ‘langes Oberkleid’, wohl ärmellos und mit Pelz gefüttert (vgl. Brüggen, Kleidung 216): [Gawan erhält] eine garnasch [La. garnache ] märderîn, / des selben ein kürsenlîn Parz 588,17 (s.a. Nellmann, Parz. z.St.); wil sich ein vrowe mit zuht bewarn, / si sol niht âne hülle varn. / si sol ir hül ze samen hân, / ist si der garnatsch [Laa. garnats, garnæsch, underkleit ] ân WälGa 454; miner tohter Elspeten schaff ich [...] den guͦten chuͦrse und min gutiu gærnætsch und garnatsch mit den perln UrkRegensb 123 (a. 1308); Ottok 34970

MWB 2 105,9; Bearbeiter: Bohnert

garnboum stM. ‘Kettbaum’, Teil des Webstuhls, auf den das Kettgarn (Aufzug, Zettel) gewunden wird: liciatorivm: garnboͮm Gl 3:358,57

MWB 2 105,21; Bearbeiter: Bohnert

garnbrët stN. ‘Garnwinde, Garnbrett zum Aufwickeln des Garns’, Glossenbeleg des 14. Jh.s s. AWB 4,115

MWB 2 105,24; Bearbeiter: Bohnert

garnde, gärnde, garne stF. gearnede

MWB 2 105,27;

garnrocke swM. ‘Garnrocken, Kunkel’ girgillus: garenroche Gl 4:215,18

MWB 2 105,28; Bearbeiter: Bohnert

garnvisch stM. ‘Fisch, der mit dem Netz gefangen wird’ vnbe die garnvisshe sprechen wir, so der vissher en nuwe garn gemahchet [...], so sol er niht wan einen vish nemen UrkCorp 240,38. 240,28

MWB 2 105,30; Bearbeiter: Bohnert

garnvrete swM. zu vreten . ‘Garnquäler’, Spottname für Weber: weber: garen frett, / loder: wollen czett Teichn 600,43

MWB 2 105,34; Bearbeiter: Bohnert

garnwinde swF. ‘Winde, Haspel, auf die Garn aufgespult wird’ girgillus: gernwind, garnwinde VocOpt 17.028

MWB 2 105,37; Bearbeiter: Bohnert

garnzuger stM. ‘Garnspinner’ das di garnczuger [...] kein garn vorbas me bindin sullin mit keinim baste, sundir mit deme selbin garne. [...] vorkoufte ouch ein garnczuger einim webir garn, das fuchte were, das sal im an der wage ane vor [= vâre ] sten bi eime pfunde UrkBresl 104 (a. 1324)

MWB 2 105,40; Bearbeiter: Bohnert

garren swV. vgl. karren , kërren . von Tierlauten: er [ wer gerne redet über daz maz ] garret als ein orehan [Auerhahn] , / der den munt kan offen lan Jüngl 601; Mügeln 155,6 (gouch); die valle sy [Ratte] begraiff [...]. / sie begund vaste garren Ratte 32

MWB 2 105,46; Bearbeiter: Bohnert

garst Adj. ‘schlecht, verdorben; ranzig riechend, schmeckend’ einen spongen [Schwamm] bant man an einen schaft, / da inne was eczech unde gallen, / garzt was iz bitalle WildM 1,350. – subst.: nim mandelkern, mache in schoͤne in siedem wazzer vnd wirf sie in kalt wazzer, loͤse die garsten vz vnd stoz die besten in einem moͤrser BvgSp 39

MWB 2 105,52; Bearbeiter: Bohnert

garst stM. ‘ranziger, stinkender Geruch’ nim einen stoc visch, do niht garst insi, tuͦ im die hut abe BvgSp 20; etewenne wart ich [Sünder in der Hölle] entzündet / ouf einem glüegenden harste [Rost] . / darnach chom ich ze sölhem garste, / daz diu hitze da wider was ein tau Serv 3482

MWB 2 105,59; Bearbeiter: Bohnert

gart stM. auch stF. ( PassI/II 12,77; Neidh(S) 2,158 c76:9,8 ); vereinzelt sw. flekt. JvFrst 4187. 1 ‘Stachel, Treibstecken’
1.1 eigentl.;
1.2 bildl.
1.3 wider dem garte spürnen, wider den gart streben u.ä. vom Ochsen und bildl. i.S.v. ‘aufbegehren, starrköpfig sein’ (TPMA 11,95; vgl. contra stimulum calcitrare Act 9,5. 26,14)
2 ‘Stachel’ des Skorpions
3 ‘Gerte, Rute’
   1 ‘Stachel, Treibstecken’    1.1 eigentl.; zum Antreiben von Zugtieren, bes. Ochsen: aculeus. stimulus: gart Gl 4:212,49; si begunden sæn, dar nâch egen, / ir gart ob starken ohsen wegen Parz 124,30; die fürsten hânt der esele art, / si tuont durch niemen âne gart Freid 73,1; als ein vihe mit garten / wurd dû [der das Kreuz tragende Christus] von in gement Ottok 49886; Wh 352,9; Helmbr 818; Frl 5:27,14. – als Zeichen der Standeszugehörigkeit des Bauern: an dem sunnentage sol er ze kirchen gân, / den gart in der hant tragen Kchr 14806; aber wil er hofsit / an sich nemen fuͤr den gart, / so belibt er nit an siner art Teichn 491,25; Greg 2805. – anders: man bedorft nvͥt dez gartes, / der si ze ritterschefte tribe TürlArabel F 833    1.2 bildl.: diu minne manic herze mennet / mit ir vil sharpfen garte Rennew 28007. 19194; RuprvWü 56; in [Paulus] stach doch seines leibes gart [ stimulus carnis II Cor 12,7] HvBurg 2736; der girden gart HeslApk 5941 u.ö.; jâmer ist ein schärpher gart Parz 90,11; nu sage, tôt, wâ ist dîn sige? / war ist nu komen dîn gart? [I Cor 15,55] LBarl 3361; HeslApk 18165; der bittern helle gart Tund 2140. unmâze ist der untugende schar / gart WälGa 9918. Christ bôt sîner rede garten / gegen den gevursten êwarten JvFrst 4187    1.3 wider dem garte spürnen, wider den gart streben u.ä. vom Ochsen und bildl. i.S.v. ‘aufbegehren, starrköpfig sein’ (TPMA 11,95; vgl. contra stimulum calcitrare Act 9,5. 26,14): der ohse kumberlîche lebt, / dâ er wider dem garte strebt Freid 139,16; TrudHL 59,14. ein man vil wisliche tuͦt / der gein dem garte nit spuͤrnet Rennew 18715; siv wen [= wellen ] steteclichen streben / wider dem gotlichem garte Martina 262,109; wizze daz dir ist zu hart / vf zv leckene in den gart PassI/II 181,85; Wernh D 1919; PrStPaul 6,10.19    2 ‘Stachel’ des Skorpions: der lewe fürht den spitzigen gart des schorpen BdN 143,14    3 ‘Gerte, Rute’ er [Joseph] hub uf die rute; / do wisete got der gute / ein zeichen an der selben gart, / wande si von bladen grune wart PassI/II 12,77; so wettet [verbüßt] er des chuniges malter, daz sint zwene vnd dreizzich [Schläge] mit einem gruͤnen æicheinen garte der dreier oder zwaier daumellen lanch sei SpdtL(E) Ldr 115; SchwSp 85a

MWB 2 106,1; Bearbeiter: Bohnert

gart stM. garte swM.

MWB 2 106,49;

gartacker stM. ‘Gartenland’ in agro dicto der Gartacher UrkBern 4,300 (a. 1307); vendiderunt [...] 1<1/2> gartackere apud Rotenkirchen UrkStraßb 3:383,16 (a. 1330) u.ö.

MWB 2 106,50; Bearbeiter: Bohnert

gart-, garte-, gartenbrunne swM. ‘Gartenquelle’, Übers. von fons hortorum ( Ct 4,15): du bíst gártbrunno Will 71,1; garteprunne TrudHL 61,25; du [Maria] bist der süeze gartenbrunne Philipp 9737

MWB 2 106,54; Bearbeiter: Bohnert

garte swF. garde

MWB 2 106,58;

garte swM. , gart stM. swM. Nom. Sg. garten FrlSuppl 8:209,29; Gen. Sg. gartens UrkCorp 2151,18.28; im Pl. vereinzelt umgelautet ( SalArz 19,29; BdN 53,28 u.ö.; s.a. WMU 1,553). – stM. PassIII 415,7; Mügeln 253,12. 358,17. ‘Garten’ 1 im Ggs. zur Wildnis
2 als eingehegtes (umzäuntes, ummauertes) Stück Kulturland
3 als Nutzgarten
4 als Blumen-, Ziergarten
5 auf das Paradies bezogen
6 bildl., überw. mit abh. Gen.
7 phras., jmdm. einen stein in sînen garten werfen ‘Schaden zufügen, Schwierigkeiten bereiten’ (TPMA 11,139; Röhrich 5,1540)
   1 im Ggs. zur Wildnis: dy andirn [Kirschen] [...] wachsin in den weldin, vnd di boume sint ho vnd werdin gepfropt in di gartin Pelzb 127,20; holtz und graz, wo daz auf gat, / daz ist wild an ainer stat. / daz man dann ze nutz wil haben, / daz wiͤrt aus der wuest gegraben, / in einen garten gesetzt durich huͤt Teichn 37,5; der garte aller wuoste gelach Kchr 6866    2 als eingehegtes (umzäuntes, ummauertes) Stück Kulturland: sin [Bauer] hove vnd sin garte / was niht bezevnet ze frvmen ReinFu K,24. K,64; daz die augenprâw sein reht als die zeun umb ainen garten BdN 10,24; der gart was hôhe umbemowert PrStPaul 79,21; TrudHL 56,30; EnikWchr 18726; UrkCorp (WMU) 414BA,8    3 als Nutzgarten: swâ guoter hande wurzen sint / in einem grüenen garten / bekliben Walth 103,14; swer chraut oder obs auz dem garten stilt StRMünch 418,21; sie hete kersboume ein teil / in ir garten gezogen Eracl 3461; Neidh WL 5:2,10. WL 6:1,9; SalArz 111,5; BdN 443,20. – wohl für Gartenertrag, -ernte: do chomen hovscrekken dare / si namen in garten unde chorn VMos 39,7. – in Verbindung mit best. Verben: er [Kain] phlanzôte sînen garten mit mislichen chrûten Gen 585; ain man [...] zôch im ain guoten garten [...] : / dar inne zôch er wurze unt crût Kchr 6856; arbeitet ein herre einen garten oder einen baumgarten oder ander guot SSpAug 215,17; SSp(W) 2:58,3; der garte, sô her gesêwet und geharket wirt ebd. 2:58,2; sicut hortus semen suum germinat: als der garte samen sinen chînet PsM Per 23,11; dû muost [...] dînen garten jeten Neidh SL 16:6,6; StrKD 68,30; Eckh 2:255,3; Tauler 398,18    4 als Blumen-, Ziergarten: rosen wachsen manchir var, / rot, wiz, bla [...]. / man zut sie in den garten Daniel 1967. 7641; in einen garten ûf ein gras / vuort in der truhsæz bî der hant; / [...] her Gwîgâlois der küene / kuolte sich und ruowet dâ Wig 4072; Tr 18192; PleierGar 3181; Ottok 67985    5 auf das Paradies bezogen: Eden: garde Gl 3:379,54; ‘got hât gepflanzet ain paradýs’, daz spricht ain garte der wollust [vgl. Gn 2,8 ] PrGeorg 158,12; got dâ nâch began einen boumgarten phlanzen [...], den hiez er paradîsum. [...] / der selbe garto stât ôstene an der werlte orte Gen 255; JvFrst 11307    6 bildl., überw. mit abh. Gen.: so wirt des riches garte / verwustet also sere / daz er muͦz [...] / ungebuwen ligen Rennew 4100; in disem garten der heiligen kilchen do stot manig wunneklich boͮm mit vollen frúchten: das ist manig guͦt demuͤtig mensche Tauler 188,11; in lebens garten der tot iat, / da die helde hvrten hin TürlArabel *A 47,28; Frl 2:9,12; Daniel 6204. tiure welt! [...] / du zarte gotes garte FvSonnenburg 3,9; du [Augustinus] were uns in dirre zit / in gotes garte ein rose PassIII 415,7; in gotez garten vindet man / chainer lauͤt so vil gepawen / als chauscher priester und junchvrawen Teichn 218,32. o wip, du fioliner garte Frl 3:8,1; sit du der hosten wünne ein garte bist ebd. 5:101,1. 14:12,2; von Hystroyss dü wirtin / was [...] voller tugend ain blüme; [...] / gantzer miltte ain gartte / was die schön und zartte GTroj 7741. – für Maria, im Anschluss an Ct 4,12 (hortus conclusus): Maria, du bis de beslozzen garde, / den godes huͦde self bewarde MarlbRh 6,1 u.ö.; MarldM 65; SM:EvS 1:2,9; KvHelmsd 4427; Marien garte wirt nimmer ane woͮcher Spec 93,21. – für literar. Werke: ich muoz ûz ir [früherer Dichter] garten und [nämlich] ir sprüchen bluomen lesen Marner 14,288    7 phras., jmdm. einen stein in sînen garten werfen ‘Schaden zufügen, Schwierigkeiten bereiten’ (TPMA 11,139; Röhrich 5,1540): bezzert her mir nicht, ich werfe im einen stein in sinen garten / unde eine kletten in den bart Meissner 16:6,7

MWB 2 106,59; Bearbeiter: Bohnert