gerwære
stM.
‘Gerber’
pelzcer gerwer vleischhouwer [...] phlegin butin /
mit wollen und mit hutin PfzdHech
280,5;
die schuworchten unde di gerewer haben ouch eine innunge mit einander hi in
der stat StRFreiberg
248,1;
ein igleich lederer. oder gerber. oder scuhwürt RbHohenlohe
30;
UrkCorp (WMU)
2936,25;
UrkKölnSchr
1,220
(Mitte 12. Jh.).
– als Bestandteil von Personen- und Straßennamen:
in Iohannes hvͥs des gerweris UrkCorp (WMU)
1489,26;
ze Friburg [...] in der gerwer gassun ebd.
2133,17
MWB 2 526,13; Bearbeiter: Graën
gerwe
Adj.
→
gar
MWB 2 526,24;
gerwe
swF.
auch gerbe.
1
‘Hefe’
2
‘Rückstand’
2.1 Ausscheidungen des Körpers 2.2 bei der Weinherstellung
1
‘Hefe’
misch die gerwen zuo dem souge Barth
148,23;
ein trügener [...] gît wazzer für wîn, der verkouft
luft für brôt unde machet ez mit gerwen, daz ez innen hol wirt PrBerth
1:16,11;
daz brôt [...] sol derbe gebacken sîn, âne gerwen,
unde sinewel ebd.
1:301,4.
– übertr.:
di naturliche melancolia di ist eine gerwe des blutes und
ist trube also di wingerwe SalArz
4,24
2
‘Rückstand’
2.1
Ausscheidungen des Körpers:
[in der Leber] schait diu nâtûr daz klâr von den
gerben und sent die gerben ab zuo den niern und zuo der plâsen
BdN
28,15;
daz vastend gedirm [...] ist
[
alle zeit wan (leer)] von den
gerben des ezzens, wan ez nimpt allein die klâren fäuhten von dem magen, aber
die gerben gênt irn weg zuo der mistporten ebd.
32,15.
34,4;
Aristotiles spricht, daz derlai weibel
[Schildkrötenweibchen] neur ainen auzganch hab
peider gärm [zur Lautgestalt s. Frnhd. Gr. § L61,4]
ebd.
283,21
2.2
bei der Weinherstellung:
dicz weins gerben schullen ligen gedrukcht an dem poden
des vass HvHürnh
52,6;
[der Wein] was an der zijt gelesen / vnd mit den
vaszen bewart / vnd böser gerben enbart Krone
20344;
er gelûtert von dem grunde, / sô daz die gerben ligent drunde
LvRegSyon
2657.
– übertr.:
der hailig gaist, der arbait vester in die sêl der
jungen läut [...] danne in der alten sêle, die den
guoten wain verkauft habent und gebent die gerben durch got
BdN
71,35
MWB 2 526,25; Bearbeiter: Graën
gerwe
stN.
auch garwe.
1
‘Gewand, Ornat’
2
‘Bereitung’ (vgl. AWB 4,110)
1
‘Gewand, Ornat’
do wart diu tohter furgeladet [...]
in chunichlichem gerwe AvaJo
26,10;
do er stuont in dem garwe, / sein gedanc was ce gote groz Serv
517;
Wernh
2369;
der bischof und di pfafheit / wurden vrolich an geleit / in ir gerwe schone
MarLegPass
25,487;
dô wânt der herr Silvester, /
er [Konstantin] wolt in tœten mit swær, / wan er in
dem gerwe gie EnikWchr
25447;
so machent si venster und
elter [Altäre] und gerwe und wellent das man das wisse
Tauler
185,25
2
‘Bereitung’ (vgl. AWB 4,110):
preparatio: gerwe SummHeinr
2:427,01.103
MWB 2 526,54; Bearbeiter: Graën
gerwekamere
F.
auch gerkamere.
‘Ankleideraum, Sakristei’
hynoch volgit der inre vrithof, in deme
[...] waz der altir des brunstopphirs und dy gerbkamirn
der pristir [...] und dy gerbkamirn der sengir
Cranc
Uzl 259,9
u.ö.;
in der gerkameren StRechAachen
408,6
MWB 2 527,1; Bearbeiter: Graën
gerwel
stN.
Dimin. zu
garwe1
stF.
‘Schafgarbe’ (vgl. Marzell 1,82):
millefolium: gaͤrwel, gerwell VocOpt
50.206
MWB 2 527,7; Bearbeiter: Graën
gerwen
swV.
auch garwen, Part. Prät. auch gaerbtiu (flekt.).
1
‘bereiten, bereitmachen, ausrüsten, kleiden’
1.1
‘jmdn./ etw. bereitmachen’
1.2
‘jmdm. etw. bereiten’
2
‘etw. bewirken’
3
‘etw. gerben’ , Haut zu Leder verarbeiten 4
‘sich färben’
1
‘bereiten, bereitmachen, ausrüsten, kleiden’
1.1
‘jmdn./ etw. bereitmachen’
den chunich er [der Papst] duo
garte: / er segent im sîne regalia, / ûf sazt er im sâ / ain tiurlîche crône
Kchr
8119;
Anno
8,10;
daz man si [
die dâ vehten
sullen
] alsô gärwe nâch rehter gewonheit, alse man si
durch reht gärwen süle SSpAug
175,8;
Hochz
278;
da waz unser herre bereit und gegerwet messe zu singene HlReg
67,1;
Herb
3594;
KvWTurn
676.
– mit Refl.-Pron.:
do ríht ih míh ûf ze gûoten uuérchon
[...] unte gárota míh Will
80,6;
ze dem tode si sich garten Rol
3408;
VMos
37,24.
45,17;
Vateruns
156;
SAlex
3215;
dô garte sich der wîse durch des tumben rât
NibB
2250,1;
der bâbest sich geistlîche garte, / als er sich gerwen solde
LvRegFr
4916;
Kchr
7972;
TrSilv
325.
–
‘sich kleiden’
der pischof sich do gart / in die englischen wât
Wernh
A 1556;
NibB
1832,1;
Kchr
11708;
unserm herren ze ruom, / zêren und ze schalle /
heten si sich alle / gegerbt und an gelegt Ottok
28216;
in ein trüebez cleit der walt sich gerwet, / der mit
grüenem loube was / umbevangen KvWLd
12,4
1.2
‘jmdm. etw. bereiten’
dem ich piute daz prot, der hat mir gegarwet den tot
AvaLJ
118,5;
VMos
33,26;
daz ir der gnade niht verstozzin werdit, die min trehtin
allin saligen livtin gegarwit hat Spec
82,34;
also scult ir ime garwen daz hûs iwers herzen ebd.
138,2;
min erbe wolt ich gerne besitzín / daz mír uon angenge
gegarwet ist Rol
8481
2
‘etw. bewirken’
mer wunders du auch gerbest: / du verstumest dicke einen man,
/ der sust doch wol gereden kan Minneb
1088;
ach got, waz gerbet / din hoch gewaltig kraft an mir? ebd.
4338
3
‘etw. gerben’, Haut zu Leder verarbeiten:
ein gaerbtiu hut git einen helblinch StRAugsb
33,33;
die buochvel [Pergament] unde
leder gerbent Ottok
65678;
UrkCorp (WMU)
2521,19;
der künig den richter
fillen [häuten] ließ, / und im sin hut er gerben hieß
/ und zoch sie über den stul der schrann [Gerichtsbank]
Mügeln
206,7.
– übertr.:
rethorica, die ferbt / der sprüche blumen unde gerbt /
das mark Mügeln
283,2;
so mus unstete daz an ir gerben / daz sie sich tuͤ
enpferben Minneb
4107.
– mit erspartem Objekt:
der helt so vrischleich gerbet [teilt aus,
drischt] / mit swertes stichen und mit slegen! Suchenw
14,156
4
‘sich färben’
[wie das Chamäleon sind diejenigen] die sich alle tage
verwent / nâch der werlde und sich niht gerwent / mit der rôten varwe des smerzen /
Cristes bluotes in dem herzen Renner
18888
MWB 2 527,10; Bearbeiter: Graën
gerwer
Subst.
‘(weiches, geschmeidiges) Leder’
aluta: kurdewan oder rot leder oder gerwer VocClos
Al120
MWB 2 527,62; Bearbeiter: Graën
gerwic
Adj.
nur in den Formen gerbig, gärmig belegt (
vgl.
gerwe
swF.
und DWB 4,1,2,3592 s.v. gerbig).
‘wie Hefe’
daz unterist [des gekochten Saftes der
Aloe] ist trüeb und gerbig BdN
354,28.
–
‘kotig’
wenn ez [das
seidenwürmel
] allez daz auzgewirft, daz mistig in im
ist und gärmig und swarz BdN
297,13
MWB 2 528,1; Bearbeiter: Graën
gêr|wunde
swF.
‘Speerwunde’
do hette Wolfratis zorn / geinachit [l.
gemachit
] blutige sporn / dife gerwnnin
[l. gerwundin
]
Roth
4339
MWB 2 528,8; Bearbeiter: Graën
gerwunge
stF.
‘Vorbereitung’
Joachim chîvt ze dîvte / preparatio domini,
[...] daz kivt unsers herren garewnge
Wernh
D 275;
garwunge, vorgrehtunge [Doppelgl. zu
preparationem
]
PsWindb
9,38;
so sal iklicher boten biten zu des anderen gerwunge zwene man, di sullen dabi
sin, daz man si antu unde gerwe, als recht ist StRFreiberg
197,12
MWB 2 528,11; Bearbeiter: Graën
gesachen
swV.
‘zuordnen’
syne krancheit alzubalt / nicht gesachet noch gezalt / werde zu der alden
schult! TvKulm
506
MWB 2 528,19; Bearbeiter: Graën
gesach in got
Interj.
→
got
stM.
MWB 2 528,22;
gesaf
stN.
‘Körpersäfte, Blut’
dîn vedervarwe die sint kranc, / du hâst smæhe vogels gesaft, / du maht wol
haben ringe kraft Bîspel(Pf)
24,9
MWB 2 528,23; Bearbeiter: Graën
gesagede, gesegede
stFN.
‘Aussage, Bericht’ (vgl.
gesege
):
nu sol man wißene, daz dirre krieg und strit beschriben sint und wurdent zu
latine, von biderber lüte gesege di bi disen dingen zuͦgegene worent und sü
ouch sohent, und sünderliche von gesegede des großen Elnhartes vor dem münster eins
burgers zuͦ Strosburg ClosChr
89,4;
vnd hant di [
biderben lîvte
] vffe irn
eide drumbe geseit, vnd nah irre gesagede so sin wir miteinander vber ein komen
UrkCorp (WMU)
N195,19;
noch gesagide der brife UrkEls
2,137
(a. 1328);
swer da shuldig wurt geseit, der sol nach irre gesegede [dem
Urteil der Ratsmänner] widertun ebd.
1,456
(a. 1266)
MWB 2 528,26; Bearbeiter: Graën
gesalzene
F.
hier wohl salzige ‘Würze’
condimentum: gisalzani Gl
2:283,6
(BStK665)
MWB 2 528,40; Bearbeiter: Graën
gesâme
stN.
‘Saatgut’
alle die gesehent si erchennent si wand dise sint gesame dem gesegenet hat der
herre PsM
Per 16,9
MWB 2 528,42; Bearbeiter: Graën
gesamene, gesemene
stN.
(stF.
PsTr
88,6
)
‘Versammlung, Menge, Gruppe’ (vgl.
gesemede
):
michel ist diu menege, breit ir gesemene, / si bedechent allez din lant mit
micheler gewalt GenM
146,20;
mit dem gesamene der uppicheite [interl. zu cum concilio
uanitatis
]
PsWindb
25,4;
in der gesemene der heiligen [interl. zu in ecclesia
sanctorum
]
PsTr
88,6;
uon deme gesemene der ubelicheide [interl. zu a conventu
malignantium
]
ebd.
63,2;
daz gesemene der uarren [interl. zu congregatio
taurorum
]
ebd.
67,34;
in deme gesemene der gote [interl. zu in synagoga
deorum
]
ebd.
81,1;
contio: gesemne SummHeinr
2:244,01.99;
phalanx: gesamne ebd.
2:427,01.97.
–
‘Gefolge’
an dem anderen tage do geschach dirre schade / dem chunege selbeme und allem
sinem gesamene GenM
141,29;
Exod
1664
MWB 2 528,45; Bearbeiter: Graën
gesament
Part.-Adj.
s.
samenen
swV.
1
‘versammelt, vollzählig’
2
‘gesammelt, konzentriert’
3 rechtsspr. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, einstimmig,
einträchtig’
1
‘versammelt, vollzählig’
dâ was gesamentes bovels [Volkes]
gnuoc HvFreibTr
3308;
gesament deit HagenChr(G)
3577.
6084;
Loheng
4234;
daz in daz volch alles sach / swanne er die lere zvo in sprach / vnd si vor
ieme waren gesamt [Hs. gesammet
]
PassI/II
166,55.
85,14;
er bat die gesamente rote PassIII
9,66.
270,5.
– subst.:
swaz da was gesamtes / vor dem kunige PassIII
346,16
2
‘gesammelt, konzentriert’
der got lobin wil, der muiz helic sin und gesaminit ein geist sin und nirgin
uz sin Parad
50,18
3
rechtsspr. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, einstimmig,
einträchtig’
mit gesaminotem willen UrkCorp (WMU)
126,11;
do wart vor vns erteilet mit gesamenter vrteile, daz man keinem verzalten man
rihten sol ebd.
2618,9;
ertailt mit gesamenter urtail UrkFürstenb
2,164
(a. 1347).
– oft in der Rechtsformel mit gesamenter hant (zur rechtl.
Differenzierung mit zahlr. Belegen vgl. DRW 4,409ff.):
wollin su iz abir mit einir gisamitin hant
Mühlh
143,22;
UrkStraßb
4,1:156,22
(a. 1276);
mit gemeinem muͦte und mit gesamenter hant UrkWürtt
9,144
(a. 1287);
mit einem munde und mit gesamenter hant ebd.
9,172
(a. 1288);
UrkZürich
8,336
(a. 1310);
mit gesamintir hant vnd mit willegeme gemute UrkCorp (WMU)
941,41;
daz wir mit gesameter hant vnd mit glichen wilen han vns
[...] verbunden ebd.
3438,25;
NvJer
1940
MWB 2 528,62; Bearbeiter: Graën
gesamheit
stF.
‘Vollständigkeit’
der name, der da bezeichent die gemeinen gotlichen naturen in
der gesamheit, der mag understan für ein iegliches, daz in der gemeinen naturen
gehalten wirt ThvASu
94,3
MWB 2 529,27; Bearbeiter: Graën
gesamunge
stF.
‘Versammlung, Übereinkunft’
conuentiones: gizamunga Gl
1:559,3
(BStK221)
MWB 2 529,32; Bearbeiter: Graën
gesanc
stNM.
1
‘Singen, Gesang’
1.1 von menschl. Stimmen 1.2 von Tieren (überw. Singvögeln) 2
‘Klang, Melodie’
1
‘Singen, Gesang’
1.1
von menschl. Stimmen:
der ander meister, den er gewan, / der lêrtin wol mûsicam
[...] unt von ime selben heven daz gesanc
VAlex
182;
zelen, tichten und gesang Mügeln
304,7;
der brutegoum cumet mit einer menie siner riter, so er
sine brut enphahit vnde si mit gesange fúr leitet Lucid
123,4;
nv ist allez frolich gesanc hingeleit Spec
38,8;
man schol auch mit gesange uber die greber niht mer gen, denne so man die
leich legt NüP
158;
SM:UvB
6:3,3;
RvEBarl
12417;
Lanc
112,27;
DvAStaff
198;
Eckh
5:38,16.
– bestimmter Gesang, Lied:
daz froͤlich gesanch ‘gloria in excelsis
deo’, daz wir ze weihen nachten vil froͤlich singen
PrOberalt
13,27;
cantemus domino, gloriose. ditz gesanc vindet man in
dem salter BuchdKg
32,14;
diz
gisanc [
canticum
] vom ewangeli
BrZw
12.
17.
–
‘Stimme, Intonation’
diu kel hât die kraft, daz si münzet und stellet die
stimm und daz gesanch BdN
18,28
1.2
von Tieren (überw. Singvögeln):
wol troeste mich der vogel gesanc MF:Reinm
6b: 4,9;
MF:Wolfr
6:2,4;
Georg
3080;
HvNstAp
13166;
EnikWchr
5551;
diu lerch meldet den tag des morgens fruo
[...] mit gar frœleichem gesang BdN
171,20;
[der Wiedehopf] hât neur ain gesank und ain stimm, wan
er singet neur hoz hoz hoz ebd.
228,7;
diu pfärt sänftigt [der
Hahn] mit seinem gesang des nahts und macht die kämel ungestüem
ebd.
192,17;
dar nâch huob er [der Esel] ein gesanc, / daz
vil gar der walt erhal WälGa
13266
2
‘Klang, Melodie’
doch so klag ich den summer nicht so sere, / und solt ich in der stuben sein,
/ da die jungen tretten [stampfen] wol zu preis / den
newen gesang Neidh(S)
1,71 c117:2,4;
in den oren harpfen klang / und aller seiten spil gesang
HvNstGZ
7727.
– terminus technicus der musikal. Mutationslehre (vgl. Anm.z.St.):
das leret gar uns musica die frie, / wie in der hant
[Guidonische Hand] man fint gesenge drie
Mügeln
286,10
MWB 2 529,34; Bearbeiter: Graën
gesant
stN.
‘gesandte Gaben’
die boten du cherten, / dar man si lerte, / zu der cristin lande / mit uil
herlichime gwande [La. gesande
]
Rol
628
MWB 2 530,10; Bearbeiter: Graën
gesasticheit
stF.
‘Gesetztheit, Ruhe’
also muͦs der mensche tuͦn, noch dan das er ist
in ein gesastekeit kummen an sine viertzig jor Tauler
80,5
MWB 2 530,13; Bearbeiter: Graën
gesaten
swV.
→
saten2
MWB 2 530,16; |