gras(e)marschalcambet
stM.
Bed. unklar ‘Amt des Aufsehers über die Grasnutzung’ (?):
item Brunwardus, Heroldus et Volkerus dicti Huͤzelin fratres receperunt
officium grasemarschalcampt ecclesie Herbipolensis UrbWürzb
2092;
grasmarschalkambt ebd.
3074.
3471
MWB 2 900,31; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)mucke
swF.
auch -mugge.
eine Vogelart, ‘Grasmücke’
er [der Kuckuck] legt sein air in
ains andern vögelleins nest, daz haizt ain grasmuk BdN
178,14;
du vil kleine grasemugge, / wa wilt du huppen hin / us dem neste? Neidh
(S)
1,504 C280:3,5;
grasemugga GlHvB
404,34;
pfî iu armen grasmucken, / daz ir iuch ofte müezet smucken, / swenne ir des
schimeligen schatzes hüetet / und fremden göuchen ir eier brüetet Renner
7609.
– übers. mlat. felocena, curruca, curricalus
und diomeredoe vgl.
Volucr (L)
51;
VocClos
Cu90.
Cu83.
Di84
MWB 2 900,37; Bearbeiterin: Baumgarte
1grasen
swV.
1
‘Gras fressen’
2
‘Gras schneiden’ (um Tiere damit zu füttern)
1
‘Gras fressen’
[das Pferd] was [...] so dùrre
vnd vndare. / [...] vil kume es so vil gegrast / mit den
zenen, das es sich hernert Krone
19819
2
‘Gras schneiden’ (um Tiere damit zu füttern):
man sol och des abbetes phert instellen und sol man im grasen UrkEls
2,164
(a. 1339).
– subst.:
geselle, lâ dîn grasen sîn Wig
5328
(vgl.
nâch grase wolde er ûz gân ebd.
5319
)
MWB 2 900,49; Bearbeiterin: Baumgarte
2grasen
swV.
→
grâʒen
MWB 2 900,57;
gras(e)phenninc
stM.
‘Abgabe für Wiesennutzung’
jz geltent auch dev gvͤt nivn Mvnicher chavfmvt
[...] fvͤr swein vnd grasphenninge zwei phvnt
vnd siben phennig UrkCorp (WMU)
801,38;
UrkNAltaich
1,55
(a. 1257);
de Pædling xiii grasphenning UrbNAlteich
316
u.ö.
MWB 2 900,58; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)spier
stN.
‘Grashalm’
dô sprach ich: wie alle / grasspier sô glîch sîn, das ist noch wunderlîcher
Eckh
1:384,4
MWB 2 901,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)spinne
stF.
‘Grasspinne’ wohl irrtümlich für
grasspier
:
ob ich gevrâget würde, wie ein ieglich grasspier [Hs.
grasspinnen, vgl. Anm.z.St.] dem andern sô unglîch
wære Eckh
1:384,2
MWB 2 901,4; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)sprinkelîn
stN.
→
gras(e)sprüngelîn
MWB 2 901,8;
gras(e)sprüngelîn
stN.
‘Grasspross, Grashalm’ (vgl. springen in der Bed.
‘sprießen’):
es enist niergent so klein bluͤmlin noch ein bletlin
noch enkein gras sprúnglin [La. gras
sprúnkelin
] , der grosse himel, die sternen, die
sunne und mone, es enwúrke alles darin, und vor allen dingen got mit im
selber Tauler
157,1
MWB 2 901,9; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)var
Adj.
‘wie Gras aussehend, grasgrün’
si [die Buchstaben der Inschrift auf dem
Paris-Apfel] glizzen rôt, gel unde blâ / verr ûz der lîsten
[Borte] grasevar KvWTroj
1451
MWB 2 901,16; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)vinke
stM.
‘Grasfink’ (?) oder ‘Grasmücke’ (?) (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 70;
Etymol.Wb.d.Ahd. 4,597):
filocena: grasvink Gl
3:30,50
(BStK285)
MWB 2 901,20; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)vrischinc
stM.
Bed. unklar, wohl ‘Jungtier, das sich schon durch Weiden ernährt’ (?):
grasfrisching dimidium valentem vi denarios UrbBayJ
209;
de Winleinsrevt in festo s. Georii xv denarios pro grasfrisching
UrbNAlteich
560
MWB 2 901,24; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)warte (?)
swM.
Bed. unklar, ‘Aufseher über die Grasnutzung’ (?):
officiales vero sunt, prepositus, causidicus, cellerarius, forestarius,
grasewatio UrkEls
1,332
(a. 1216)
MWB 2 901,29; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)wëc
stM.
‘mit Gras bewachsener Weg’
jtem ein acker oben amme grasewege UrkCorp (WMU)
3037,35;
zwene ackere nebent deme grasewege ebd.
N101,27.
– übertr. für ‘Irrweg’ (s.a.
grasic
):
daz mir sin wisheit si ein stech [
stîc
‘Pfad’
] , / so vare ich nicht an den grasewech
Brun
6992
MWB 2 901,33; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)wurm
stM.
‘Raupe’
eruca ab erodendo: grasewrm SummHeinr
1:155,573.
2:62,160;
VocClos
Do14.
Er29;
eruca: graswurn [La. graswrm
]
VocOpt
46.038
MWB 2 901,39; Bearbeiterin: Baumgarte
gras(e)zins
stM.
‘Abgabe für Weidenutzung’
item ex hiis tribus villis mutatus est census in tres libras denariorum et
insuper dimidium talentum in festo s. Georii, quod vocatur graszins
UrbNAlteich
314.
84.
260;
nota graszins in officio Weiborn UrbBayS
4,325(App.)
MWB 2 901,43; Bearbeiterin: Baumgarte
grasic
Adj.
‘mit Gras bewachsen’
ein schöne grasige hoffstat / neben dem graben vor dem thor Krone
15336.
– oft zur Beschreibung von (ungebahnten, wilden) Wegen (s.a.
graswëc
):
sîn manic gemüete vuocte im daz / er die strâze übersach. /
einem stîge volget er nâch / [...] / der was grasic unde
ungebant. / er truoc in verre in den walt Wig
6258;
hin reit der künec Êrec / eine den grasigen wec / wol drîer rosseloufe lanc /
durch bluomen und durch vogelsanc Er
8897.
8884;
Wigam (B)
1094;
Greg
3237;
Renner
43;
UrkCorp (WMU)
3037,1
MWB 2 901,49; Bearbeiterin: Baumgarte
1grât
stM.
1
‘Stufe’ (s.a.
grêde
) 1.1 übertr. 1.2
‘Treppe’
2 als Terminus 2.1 med.: Abstufungsgrad der Qualitäten (warm, trocken usw.) in der Humorallehre 2.2 astronomisch/ astrologisch: Maßeinheit der Winkelweite
‘Grad’
1
‘Stufe’ (s.a.
grêde
):
ouh gingen ûf den berc / biz an daz hêrlîche
werc [den palas
] / zwei dûsint grâde
SAlex
5431;
sin stul [Salomos Thron] was gut
helphinbein, / [...]. / sechs gradi gingin dir
[l. dar
] zu LobSal
161;
HvNstAp
12817
1.1
übertr.:
der beste grât, dar ûf man getreten mac, als man ze gote
in ganzer andâht wil gân, daz ist, daz man âne sünde sî in der kraft der
götlîchen riuwe Eckh
5: 237,7;
der êrste grât des innern und des niuwen menschen,
sprichet sant Augustînus, ist, sô der mensche lebet nâch dem bilde guoter und
heiliger liute ebd.
5: 111,22;
die lanttherrenn sind ain zu gabe unnd ain merung des
reichs, unnd von in wirt getziert der hof und geordent das reich in ir graden
[
in gradibus
] du wedarfft wol der
pesstenn ordnung an ir gredenn [
in
gradibus
] unnd an ir ordnunge [
in
dispositionibus
]
HvHürnh
73,1
1.2
‘Treppe’
er ging furbas und qwam zu eim grade der hoch uff ging
zu einem schönen sal. der grad was on lene und was ser schmal
Lanc
572,27.
606,1.
616,12
2
als Terminus
2.1
med.: Abstufungsgrad der Qualitäten (warm, trocken usw.) in der
Humorallehre:
der nature erste grat ist, so man sprichet:
‘warm’. der ander grat ist [...] :
‘wermer’. der dritte grat ist [...] :
‘aller wermest’. der vierde grat ist, so man sprichet: ‘wermer
denne aller wermest’ Macer
Prosavorr. 4;
die aller minsten gezierde / hat dise natur, die vierde. /
ir [
melancolici
] grad muz nider bucken, /
wann sie ist kalt unde trucken Physiogn
103;
BdN
293,14;
SalArz
6,55
2.2
astronomisch/ astrologisch: Maßeinheit der Winkelweite
‘Grad’
an dez himels uͤmbkraizz sint drei hundert und
sehzig grad oder klain stuͤkke KvMSph
18,6.
11,7;
dirre zodiacus ist zerteilit in zwelfiu, unde ieglich
zeichen ist geteilit in drizic stucke, unde ieglich stucke heizit ein gradus,
daz ist ein staffel MNat
13,21
MWB 2 901,61; Bearbeiterin: Baumgarte
2grât
stM.
etwas Hervorstechendes, Hervorstehendes (vgl. DWB 4,1,5,2029f.)
1 etwas Spitzes 1.1 meist ‘Gräte’
1.1.1 konkret 1.1.2 übertr. 1.1.3 in Wendungen 1.1.3.1
âne/ sunder græte
‘ohne Makel, ohne Falsch’
1.1.3.2 auf das Rückgrat (vgl. 2.1 ) des Fisches bezogen 1.2
‘Stachel, Dorn’
1.3
‘Splitter’
2 eine herausgehobene/ scharfe Linie 2.1
‘Rückgrat’ (s.a. 1.1.3.2 ) 2.2 Schuppenkamm 2.3
‘Bergkamm’
2.4
‘scharfe Kante, Klinge, Stichel’ (?) 2.5 Terminus der Tuchweber ‘diagonale erhabene Linie im Tuch’
1
etwas Spitzes
1.1
meist ‘Gräte’
1.1.1
konkret:
so wirt des luzel rat swaz flozen unde grat hat
AvaJG
6,4;
Tarquinius enbæiz, do cherte sich eines visces grat,
[...], im in den hals Konr
5,21;
nim einen frischen hechede vnd loͤse abe die
hut als gantz vnd suͤde in gar vnd loͤse vz die grete
BvgSp
36.
– auch für die Knochen des Wals:
dis tieres gebeine ist eins edelen visches grat,
da machet man schoͤnú cleinot abe, das edel lúte
zuͦ iren eren habent Mechth
4: 18,94
1.1.2
übertr.:
– Gräte als etw. Gefährliches:
der den pfeffer [das, was das
Sündigen annehmbar erscheinen lässt] dran gemachet
hat, / er hat des ewigen todes grat / in dem pfeffer verborgen
StrKD
99,50;
wenestu du, unreinez wib, / daz ich niht dinen valschen lib /
bekenne in deme kleide, / nu du mit valschem leide / und mit grozer
unvlat / verslunden hast der sunden grat / und din e zubrochen?
Pass III
321,40;
o welt, daz sint dein graͤte! Suchenw
21,65.
– Gräte als etw. Falsches und Hinterhältiges:
dor nach sy geben rete / dy gar vol sin valschir
grete Hiob
4704.
9264;
die fumfte [Gabe des Hl. Geistes ist]
geist des rates, / der nicht in im hat grates TvKulm
5750;
an valschen grat ebd.
5504;
yegleich mensch ein chloster hat, / wo er lebt
an valschen grat Teichn
358,46.
– Gräte als etw. Geringes:
waz ich mit minem angel / gevische in ir wage, /
swie vil ich ir hilfe lage, / von in gevah ich nymmer grat
WhvÖst
19487.
– allg. für Unerwünschtes oder Gefährliches in präzisierenden
Gen.-Konstruktionen (fließender Übergang zum übertr. Gebrauch):
hüt dich vor schanden grate Mügeln
47,17;
mensche, [...], / schaffe, daz dir bîcht
mit rûwen [Reue] zücke ûz sünden græte
Rumelant (R)
6:11,12
1.1.3
in Wendungen
1.1.3.1
âne/ sunder græte
‘ohne Makel, ohne Falsch’
wer inniglichen liep hat stete / den zarten, süssen got, an alle
grete / der minnet auch, was got hat holt, / mit weiser sinne rete
FrlSuppl
11:201,36;
sin hohez herze gab im dise ræte, / daz ander werde minne, daz
dritte richeit, erge [= Konjektur, wohl wie die Hss. AB
daz ergie
] sunder græte JTit
1318,4.
–
gen ritterlicher hende biut ich hende sunder eren græte
[ohne einen Makel an der Ehre ?]
JTit
3032,2.
–
so hat yeder man enphangen /
wiͤrdichait an allen grat, / daz nie chainer missetrat
Teichn
315,7
1.1.3.2
auf das Rückgrat (vgl. 2.1) des Fisches bezogen:
–
genagen ûf den ~
:
sy endurst neit anders dan ur bloit / ind ur ere ind ure goit.
/ sy knagent uch reicht up den grait HagenChr (G)
3301.
–
niht visch unze/ biʒ an den ~ sîn
‘nicht ganz und gar echt, vertrauenswürdig sein’
mich dunket, [...], / diu
[die Minne] sî niht visch unz an den
grât Walth
67,31;
swaz si [die Welt] frovden hat /
ist niht visch vnz an den grat Martina
276,92;
ez leret wol für missetat, / der niht ist
visch biz an den grat TannhHofz
264.
128.
– wohl daraus verkürzt: (unze) ûf den ~
‘durch und durch, vollständig’
wan si der reinen sele wat / gehonet wol vntz vf den grat
Martina
23,92;
doch ist er ein zweiflund man, / unczt man
yns versuechen lat: / so erkennt ers auf dem [l.
den
] grat Teichn
652,28.
– ins Positive gewendet:
dû [Christus] bist ein visch unz ûf
den grât: dîn süeze wandels niht enhât LobGesMar
65,11
1.2
‘Stachel, Dorn’
hie mischt sich minne süez mit distels græten RvZw
49,7;
gerste lusteclich uf gat, / grune, crusp, breit ist ir
blat, / trubelecht; des ackers geil / wil sie sin. darnach ein teil / hat der
halm herwe grete Daniel
2311.
2315;
jmdm. ein ~ sîn
‘jmdm. ein Dorn im Auge, ein Stachel des Anstoßes sein’
man sol sew vahen uͤber al. / sew sind guten
lauten ein grat Teichn
190,69;
waz aynem [einem Einzelnen
] wurr an einer stat, / daz solt in allen [allen
Menschen] sein ein grat ebd.
195,8.
– hierher ‘Stechen, Stich, bohrender Schmerz’ (?, vgl. Iob
30,17):
und ich screy zu dir stete / durch not myner scharfen
grete, / und doch irhorestu mich nicht, / mich losende von diser gycht
Hiob
11488
(vgl.
der smertzen spitze ebd.
11506
)
1.3
‘Splitter’
dw geschrift spricht: ‘du solt den grat / aus dein
selbs augen rauͤten, / e du redest von den lauͤten’
Teichn
23,66
2
eine herausgehobene/ scharfe Linie
2.1
‘Rückgrat’ (s.a. 1.1.3.2):
spina: ruͦgbein, grat Gl
3:354,5
(BStK927);
daz im daz verch biz ûf den grât / wart schiere endecket
unde enbart / und im daz bein enblœzet KvWTroj
38520;
JTit
4278,4;
dem rosse gienc al über den grât / von dem houpte hin ze tal ein grüeniu
lîste KvWEngelh
2548;
Er
7320;
etleich würm sint ân füez, iedoch habent si pain in irm
leib oder græt, sam die slangen habent BdN
287,6.
287,10
2.2
Schuppenkamm:
breite schuopen hürnîn / wâren an im [dem
Drachen] über al; / von dem houbet hin ze tal / stuont ûf im
ein scharfer grât Wig
5038.
5061;
der kokodrille hat so scharfe græte [zwei]
JTit
3888,2
2.3
‘Bergkamm’
er muoz sich üeben ûf dem plan / der tugenden, und muoz erbeit hân, / ê
daz er ûf den hôhen grât / müg komen, dâ der boum ûf stât Boner
4,25.
–
grunt und ~
:
grund vnd grat des hertzogen WeistGr
1,166
(a. 1303?).
1,311
(a. 1344)
2.4
‘scharfe Kante, Klinge, Stichel’ (?):
zwei mezzer snîdende als ein grât Parz
234,18;
sîn liegen snîdet sam ein grât HartmKlage
1767;
swer gît [...] dem kinde den grât / und dem
tobenden daz swert, / er hât si alle übel gewert WälGa
14614.
–
mit worten lind und nicht zeslecht, / ir tzung di sneidet als ein grat
Suchenw
23,81
2.5
Terminus der Tuchweber ‘diagonale erhabene Linie im Tuch’
bristet dem gebende [
sleyer oder
hoͧptuͦch
] der lengi oder der
breti umb ein vierdenteil einer elne und mere, das gebende alles sol man
enmitten durch den grat zersniden StBZürich
85
(a. 1336);
auch dvgentliche sinne / der hasz friszit durch den grat. / alsam die
milwe gvde wat / verswendit PrHess
21,35
MWB 2 902,35; Bearbeiterin: Baumgarte
grætic
Adj.
‘scharf, spitz’
beide itel unde ler / ist di sele und ummer, / di jo ist gotes mangel; / ouch
ein vil gretik angel / si versnidet in den tot, / ir énhelfe den uz not /
mit genaden allirmeist / der vil vrone heilge geist TvKulm
5440
MWB 2 904,24; Bearbeiterin: Baumgarte
grâ|tuochære
stM.
Hersteller und Händler eines groben, grauen Wolltuchs (vgl. Nölle-Hornkamp,
Handwerkerbez., S. 359):
Chuͦnratz [...] von Loͮfen des
gratvͦchers UrkCorp (WMU)
3215,25
MWB 2 904,29; Bearbeiterin: Baumgarte
graufschatz
stF.
→
grâveschaft
MWB 2 904,33;
grâ|var
Adj.
‘grau aussehend, grau’
pellicanus haizt nâch der aigenchait der latein ain
grâhäutel, wan sam Augustînus und Isidorus sprechent, er hât grâvar federn
BdN
210,5
MWB 2 904,34; Bearbeiterin: Baumgarte
grâve
swM.
wmd. auch grêve.
‘Graf’, in Rechtstexten oft als Gerichtsherr (vgl. WMU 1,757f; DRW
4,1051-55):
swelich graf, frei oder dienstman iar vnd tach in offen banne ist, den sol man
in di æht tvͦn UrkCorp (WMU)
475AB,41,5;
tut er des [den Bruch des Landfriedens
bezzeren
] nit, so sol er meineidig sin, vnd sol in der
erzebischof [...] zu banne tun
[...] vnd der furste oder der graue, in des gerihte er
sitzet, zu ahte dun ebd.
879W,14
u.ö.;
deheine widerworfen urteile diu vor einem grâven widerworfen
wirt, die enmac man niht geziehen an den marcgrâven, ez enhabe der grâve die
grâschaft von dem marcgrâven SpdtL
197,14;
do quan iz an einin oster tac / daz Constantin mit scalle was
/ an deme Poderamis houe / mit gravin vnde mit herzogin / vnde mit vrigin herren
Roth
894;
ich [Frau Welt] bin sô hôhes muotes
/ daz keiser unde küneges kint / under mîner crône sint, / grâven, frîen, herzogen /
habent mir ir knie gebogen / und leistent alle mîn gebot KvWWelt
207;
VAlex
1443;
Wig
7824;
Mügeln
24,1;
Mechth
5: 11,5;
Lanc
246,26;
er [der König Marsilie] hiz
uuͦr sich chomen / sechs wise herzogen, / dar zu sechs grauen / di sines
rates phlagen Rol
405;
[sie trugen die Gefallenen zusammen] die hôhen si sunder
kurn. / der vürste, der grâve, der barûn, / [...] / die
armen wurden dâ begraben, / und die edelen ûf bâre gehaben, / die si ze lande wolten
/ vüeren Wh
451,7;
was sol ein graff, der keiner ern wil walten? / waz sol ein
fry, der nymmer tag sin ere kan behalten? / waz sol ein werder dinstman, der sich
mit schanden neret? SM:Ga
1a: 1,5;
Parz
5,17;
PrBerthKl
2,14;
übers. lat. comes und praeses:
comes: grove oder geverte vf dem wege VocClos
Co111.
Pr65.
– mit Angabe der Grafschaft ( ~
von/ ze) und/ oder des Personennamens:
wir Gebhart, von gotes gnaden graue ze Hirzperch UrkCorp (WMU)
2195,33;
wir der edel graf Vͦlrich von Helfenstain ebd.
3361,13
u.ö.;
der grâve Adân von Âlârîe Wig
7841;
SM:Had
2: 7,4;
der graue von Liningen Herb
95;
Parz
184,4;
dô nam mîn hêr Gâwân / den grâven Lahedumân / und ander sîne
gevangen ebd.
393,18.
– Titel in der Anrede:
nu helft mir, grâve Scherules Parz
392,7;
her greve, svaz uch dunket gut, / daz wil ich mit u ane gan
GrRud
Bb 30.
– vereinzelt im Sprichwort der Prototyp des Reichen und Mächtigen als
Vergleichsgröße (vgl. TPMA 1,186; 2,261; 3,30):
arman mag niht grâve gesîn Quodlibet (W)
1160,11;
besser ist erkennen sich / dan wesen grave, konnig odir
keiser rich Pilgerf
5881;
man sprichet und ist och war: ‘des kaisers dienste man ist
groͤsser denne ein grâf’ PrGeorg
43,10
MWB 2 904,38; Bearbeiterin: Baumgarte
grævelich
Adj.
auch grebenlich.
‘gräflich, dem Grafen zukommend’
seyn griefliche herschaf ind sine gedinge RegErzbKöln
4,223
(a. 1317);
dyͤ stat sal auch uns lazen bi unseme grebenlicheme rechte in unser
graschaf UrkWetzl
1,494
(a. 1332);
daz si [...] gen denselben iren herscheften in
gerichte ze clage, ze antworte und mit grevelichem [dem Grafen zu
leistendem] dienste und ze allen sachen tuͮn sullen
[...] gleich andern nokebwͦirn UrkFriedb
172
(a. 1349)
MWB 2 905,27; Bearbeiterin: Baumgarte |