e – ëbenbürtecheit ëbendol – ëbenguot ëbenheilec (?) – ebenisch ëbenjunc – ëbenmenden ëbenmensche – ëbenstrenge ëbensuoʒe – ëbenwette ëbenwîch – êbrëchærinne êbrëchec – eckerich eckerlîn – edelkeit edelkint – effede effelîn – ege|sam eges|bærec – êhaftec, ehtec êhafteclîche – ehten ehter – eichermel eichgrabe – eidigen eierære – eigenerge eigengeborn – eigenschaft eigenschaftlich – einbærkeit einbærunge – einent einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben einhël – einlift einlifthalp – einöuge einöugec – einstirn einstrîtec – einvach einvalt – einworhte einwort, einwürte – eischtac eischunge – eiterbluome eiterbrâme – eitertrache eitervar – êkonvrouwe ekub – elfenbein elfenbeinîn – ellendeclich ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb- ember – emʒlîche en – enbicobe enbieten – enbore enbœrec – ende endeblat – endeschaft endeslac – enein hëllen enein komen – engegenen engegengân – engelkeiserinne engelkôr – engelvürste engelwësen – englîmen englimmen – enhundert enîdrus – enklieben enklœʒen – enmitten enmittenzwei – enphrüenden enphüelen – ensîten enslîbe (?) – ent- ent|ænegen – enthalben enthalt – enthitzen enthiuten – entlegen entlêhenen – entliutern entlocken – en|toben (?) ent|ordenen – ent|rigeln ent|rîhen – entsagen entsagunge – entschîben entschicken – entsebelich entseben – entslîchen entsliefen – entspitzen entsprëchen – entsüenen entsunkenheit – entvëlhen entvëlhigen – entvliehen entvlieʒen – entwachen entwâfenen – en|twelmen en|tweln – entwësenen entwëten – envalten envar – ênzeclich enzeichenen – enzückunge enzündærinne – ephichwurz ephimera – erargen erarmen – erbarmen erbarmhërze – erbeclîche erbedienest – erbe|insigel 1erbeiten – erbelôsunge erbeman – erbeschilt erbeschrîn – erbeveste erbevîent – erbieten erbietunge – erblœʒen erblüejen – erbrogen erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer ërden-, ërtvruht – erdiuten erdoln – êregîtec êregîtikeit – êrenhüetære êrenhüge – êrenvest êrenvrëch – ergëben ergëbenheit – ergetzen ergëtzen – erglitzen erglîʒen – ergrisgramen ergriulen – erharn erharten – erhogen erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich erkennen – erklepfen erklîben – erkræjen erkrallen – erkuolen erkuolunge – erlegen erlêhenen – êrlich erlîden – ér|lôn erlônen – erlusten erlustigen – ermelzipf ermen – ernacken ernaʒʒen – ërnesthaftic ërnesthafticheit – erqueln erqueschen – errîhen erringen – erscheinunge erschellen – erschrîben erschricken – ersîhen ersiht – ersnellen ersnîden – erstandunge erstarken – erstieben erstîgen – ersuochære ersuochærinne – ërtbærec ërtber – ërtgerüste ërtgruft – ertougen ertouwen – ertücken ertumben – ervære ervâren – erviselunge erviuhten – ervreisen ervriesen – erwahsen erwæjen – erwëgen erwëgen – erwermen erwern – erwîtern erwîʒen – erzeigen erzeigunge – erziugen erziugunge – eschenbürnen ê|schillinc – esellîp eselmære – esser estel, estelîn – ëtevil ëtewâ – etzweide etzwise – êwelich ê|wëlten – ê|wise ê|worhte – ëʒʒesac ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn
|
ellede
stF.
‘Kühnheit, Mut’
sî wârin hellede / an menlîchir ellede / und got was mit in NvJer
17593
MWB 1 1579,14; Bearbeiter: Diehl
ellen
stN.
(stF. HeslNic
3071) selten mit epithetischem t, z.B. Demantin
.
‘Mut, Kühnheit, Tatkraft’
dâ mohte man scowen / manneglîchis ellen / under den gesellen
/ und degenis gebêre SAlex
4308;
mit ellen er dar wác / manigen uermezenlichen slác
Rol
4899;
si tâten rîters ellen schîn, / der tjost ein ander si niht
lugen Parz
37,24;
der rîter ellens niht vergaz MF:Wolfr
2: 5,7;
ûr hant hât daz ellent mîn / mit kreftin segelôs getân. / ich enkan ûch
strîtes nicht irstân Demantin
5478;
Frl
3:10,2.
– in der Wendung
~ tragen
‘Mut zeigen’
ein man, der ellen truoc, / der gerne unde wol vaht
Eracl
4604;
ich wæn er selbe ouch ellen truoc Wh
301,5.
78,3;
des hant vil mänlich ellen truoc Wig
10170;
iwer manlichez ellen tragen / git reinen wiben herzen spil
TürlArabel
*A 25,8.
– in (teils synonymen) Wortpaaren:
ir ellen und ir sterke beider wâren grôz NibB
2359,1;
daz gap im ellen unde kraft Iw
2999;
sîn jugent het ellen unde kraft Parz
174,22;
Wig
5610;
Ottok
16796;
dô wuohs im muot und ellen Tr
7006;
er ist manheit und ellens hêr Parz
425,1;
wie gar er sî volkomen / ellens unde manheit
Ottok
11210;
arme und riche / clagten do geliche / sin ellend und sin
tegenhaitt GTroj
4071;
vrecheit und ellen truoc sîn lîp Parz
26,16;
swâ der vil zesamne kumt / den beidiu kunst und ellen vrumt;
/ dâ wirt gehurt unde geslagen Wig
8436;
Parz
175,9.
–
ich gap dem ellens vesten / der sunnen wider glesten
Wh
355,5;
in Verbindung mit rîche übergehend zur Lexikalisierung ( →
ellensrîche
)
MWB 1 1579,16; Bearbeiter: Diehl
ellenbërnde
Part.-Adj.
‘tatkräftig, Mut verratend’
an dir man prîses ist gewon, / den dîn hant erworben hât / in strît mit
ellenbernder tât UvEtzAlex
10928
MWB 1 1579,47; Bearbeiter: Diehl
ellenboge
swM.
1
‘Ellenbogen’
2 der Elle entspr. Maßeinheit 3
‘Geschwisterkind, zweiter Verwandtschaftsgrad’ (in der Verwandtschaftszählung
des SSp )
1
‘Ellenbogen’
ich saz ûf eime steine / und dahte bein mit beine. / dar ûf sazte ich den
ellenbogen Walth
8,6;
er saß uber der tafeln und wart gedencken.
[...], er leit sinen backen in syn hant und leynte off
synen ellebogen, er vergaß synes eßsens Lanc
306,9;
siu bietent ime den herten rukken oder den stôzzenden
ellenbougen odir daz wesse chinnebain TrudHL
70,5;
er reit zu Galahot und stieß yn mit dem elebogen an die
schultern als er mit im spielen wolt Lanc
483,22;
diu hant was ûzsetzic zwâr / biz an den ellenbogen gar
EnikWchr
7538;
enilbogen OvBaierl
64,6.
– zur Beschreibung der Stärke (?):
‘wer bestêt einen resen, der heizet Strûtân? /
[...]’ / ‘den bestêt Heime, der hât vîr ellebogen.’
RosengP
320
2
der Elle entspr. Maßeinheit:
mit einem eichinen garte, der drier oder zweier ellenbogen lang si
SchwSp
85a;
nimst du nu ain meil fuͤr vier tausent elenpogen, so sint an
dem uͤmbkraizz dez ertreiches zwaintzig tausent und vir hundert meil
KvMSph
19,4;
ain mervisch, der ist zeitleich klain, wan er ist wênig mêrer
denne ains elnpogen lang BdN
259,16
3
‘Geschwisterkind, zweiter Verwandtschaftsgrad’ (in der Verwandtschaftszählung
des SSp ):
diu mâcschaft gât von brüeder kinden unde von swester kinden.
diu in dem elbogen stânt, daz ist diu ander [erg.
Verwandtschaftsebene]
SpdtL
84,17;
PrBerth
1:312,21
MWB 1 1579,51; Bearbeiter: Diehl
ellenbreit
Adj.
→
elne
stF.
MWB 1 1580,15;
ellende
Adj.
md. auch enlende; häufig subst.
1
‘fremd’
1.1
‘nicht heimisch’ (im Ahd. überwiegend, vgl. AWB 3,256ff.) 1.2
‘fern (einer Sache, Person/ von etw., jmdm.)’
1.3 rechtl. 2
‘armselig, einsam, elend, beklagenswert’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden)
1
‘fremd’
1.1
‘nicht heimisch’ (im Ahd. überwiegend, vgl. AWB 3,256ff.):
ouch sprach her nekunde / die sprache uon deme lande, /
her were enelende Ägidius
783;
er endiente vaste / dem ellenden gaste, / der mit sîner
swestr geriten kam UvZLanz
2796;
Parz
382,15;
wâ sint die vriunde mîn, / die durch mîne liebe wellent
ellende sîn, / die suln mit mir rîten in der Hiunen lant? NibB
1282,2;
Domicius habet in versant / in ein ellentez lant, / in eine
iselen, diu heizet Patmos HimmlJer
24;
du woltest sîn ûf erden gast / und ein ellender pilgerîn
KvWLd
1,70.
–
swer Zürich zem zapfen win verkouffet, es si ellender win oder lantwin
StBZürich
58;
StRZürich
240.
– subst.:
daz ih die ellenden nien geherbergote BenedGlB
337,28;
von den ellenden / wolt er den portenære / gerne
vrâgen mære Iw
6234.
– im Ggs. zum Himmlischen ‘diesseitig, irdisch’
unze got sinen sun sande ze den ellenden landen
AvaLJ
139,3;
swer dize ellente leben / umbe daz ewige hat gegeben
HimmlJer
378
1.2
‘fern (einer Sache, Person/ von etw., jmdm.)’
alse lange so wir in dirre werlte birn, so mvͦzen wir
ellende sin von gote Spec
38,1;
ThvASu
136,31;
hôher muot ist her gewesen von uns lange ellende: / wol
uns des, er ist nu wider komen KLD:UvL
34: 2,1;
won sy was ellend des landes und der lút dannen sy geboren was
Stagel
111,22.
– subst. mit vorangestelltem Gen. zum Ausdruck einer Negation:
ich freuden
ellende [Freudloser] , / zem urteillîchem ende
/ beklage ich eine iuch alle Parz
788,1
u.ö.;
der vröuden enlende, / der trôstlôse marke
HvFreibTr
6726;
der gnâden ellende / hât danne den bœsern teil erkorn Greg
24;
WernhMl
11221
1.3
rechtl.:
vnd in welhem gerichte ein mort geschiht, er sey gefreunt oder niht, vnd
der niht clager hat von freunden noch von nimant, daz heisset ein ellender mort
StRBamb
47;
den ellendin eit zuͦ dune UrkMoselQ
170,6
(a. 1338)
(vgl.
ellende
stN.)
2
‘armselig, einsam, elend, beklagenswert’ (nicht immer klar von 1 zu
scheiden):
ein haus vnd ein hofstatt in der ellenten strazz [oder bereits
Name?]
UrkCorp
299,8;
der man ist ellend âne guot, / swaz er kan od swaz er tuot Freid
57,12;
SM:Had
7: 4,6;
EnikWchr
15655;
alsô, lieber mensch, wenne dû von disem ellenden mer diser
armen werlt schaiden muost BdN
182,27;
er wirt gefuͤrt einen gar wilden weg, der gar vinster und
ellent ist Tauler
161,14;
owe und owe, und minem ellenden herzen iemer we, waz han ich
getan Seuse
211,18.
– subst.:
si gaben ez den armen und den ellenden, also Job tet
PrOberalt
159,24
MWB 1 1580,16; Bearbeiter: Diehl
ellende
stN.
md. auch elelende, enelende, enlende,
inelende.
1
‘Fremde, Fremdheit an einem Ort’ (oft im Hinblick auf Herkunft oder Folge von Verbannung) 2 rechtl. ‘Elendeneid’ , der Reinigungseid eines Beklagten ohne genügend
Eideshelfer (vgl.
ellende
Adj., zur Sache DRW 2,1511 und 2 HRG 1,1791-98) 3
‘Unglück, Not’
1
‘Fremde, Fremdheit an einem Ort’ (oft im Hinblick auf Herkunft oder Folge von
Verbannung):
an der stat ellentes mines [interl. zu in loco
peregrinationis mee
]
PsM
118,54;
da heime vnde in ellende Herb
18447;
Wahrh
10;
nû fûre mich mit dir hinnin zû Alexandrîe, daz ich in deme
ellende icht irsterbe PrMd (J)
353,30;
Spec
29,3;
di nu ir lieben sahen / inz inelende gahen Elis
4366;
der sich durch godes ere / [...] / ergap ins enlende
ebd.
4410;
ellende frumt mirz herze kalt Parz
659,19;
ich ne wille daz elelende / buwin immir mere
Roth
2346;
dar nach herzog Chuͦn [Konrad II.]
wart von Payern von kayser Hainreichen vertriben daz er ellend ward und starb in dem
ellend EnikWchr
541,36 ;
swa sich ein gotzhusman verloft in das ellend WeistBa
240
(a. 1344);
daz her si uns zu huteren sende, / wen wir in daz enelende /
dort sullen mit angeste varn Brun
6898.
–
‘Verbannung’
von dem aufgang [der Gestirne]
schreibt Ovidius in dem puch, daz haizzet de Ponto, da er klagt di langen zeit
seines ellendes, do in di roͤmer heten eingesant KvMSph
35,1;
wo ainer um ein totslach von der stat vertailt wiert in daz ellent
StRBrünn
344.
– übertr. ‘Galgen’
hat er der zeichen [Diebszeichen] zwei, man
sendet en in das enelende; das ist an eynen galgen RbMagdeb
341,12.
– mit dem Ggs. zum Paradies ‘Diesseits’
gedenket an des himels wunne / diu dâ iemer wert ân ende; / merket daz der
werlde ellende / unlange wernde fröude gît / unde in swacher fuore lît
LvRegFr
133
u.ö.;
herre, ich wone in eime lande, das heisset ellende, das
ist disú welt Mechth
7: 48,3;
duo er si dere wunnône bestiez ich weiz er si ûz deme
paradîse liez / vile hart âmerende in ditz ellende Gen
501;
Konr
18,46;
AvaLJ
189,3;
Ägidius
1577;
nv hat got verhangt, daz [...] Ortlieb von Steten
chvrtzlichen wart gezvchet von disem ellende [starb]
UrkCorp (WMU)
1866,17;
iedoch wartent si tæglichen, die sæligen, von disem
ellende hintz himel ze dem hiligen Christ PrOberalt
24,28;
PrGeorg
307,1.
– bezogen auf die Hölle:
diu genade ist daz paradise: /
[...] / di anderen cherint / vil vreisliche / in
daz tieffe hellewize. / [...] / daz ist daz ellente
Wahrh
26;
sie han sich gevlizzen / der warheit [...] / und
han vorsuht vil ebene / des armen libes ende / und genez ellende, / dar wir nach
disem libe varn HeslNic
2742
2
rechtl. ‘Elendeneid’, der Reinigungseid eines Beklagten ohne genügend
Eideshelfer (vgl.
ellende
Adj., zur Sache DRW 2,1511 und 2HRG 1,1791-98):
iz enmac nieman weder vmbe totslach oder vmbe wnde oder vmbe decheine schult
dichein ellende geswern UrkCorp (WMU)
2265,29;
ist er ein vremder, so swert er um das ellend StRBrünn
364
3
‘Unglück, Not’
frowe reine, / wandels eine, / süezze, wende / mîn ellende, /
lieber lîp SM:KvL
21: 5,4;
mein clag hat ain ende, / da hin ist mein ellende
HvNstAp
16794;
daz ir icht gebrest in dem ellende ditz libes
PrOberalt
136,29;
man mochte iamer schowen / an deme kindeline / wie is mit quelender pine /
vaste weinte vnde schre / dem vatere was vmmazen we / vmbe ein sulch ellende
Pass I/II
380,34;
die ime [Christus] nu aller
werlichest nach volgent an uswendiger trostloskeit und an worem ellende von innen
und von ussen [...], die koment aller adellichest und
luterlichest dar do das rich [...] funden wirt
Tauler
364,5
MWB 1 1581,5; Bearbeiter: Diehl
ellendec
Adj.
‘fremd, jämmerlich, arm’ (die ältere Hauptbed. ‘fremd, vertrieben’ [vgl.
AWB 3,253] in jüngeren Belegen nur ausnahmsweise noch erkennbar):
1
‘fremd’
2
‘jämmerlich, arm’
1
‘fremd’
konig Foren lachen da began. / er sprach: ‘lant ruwen den ellenden man. / ich
han an sinem libe uß erkorn / und prieff an sinen geberden, / er ist von hoher art
geborn.’ SalMor
195,2;
der guͦte Joseph der sente Marien vridel was, der was ellendich worden durch
sine not und durch sin armuͦte und was cuͦmen zu Nazareth PrLpz
151,23
2
‘jämmerlich, arm’
wer sal sich erbarmen / uber vns vil elendigen armen ThürJungfrSp
B 676;
in der diemuͤtigen einvaltekeit und in dem ellendigen armuͤte
und in der verdrukten smacheit hat mir got sinú wunder erzoͤget
Mechth
3: 1,40;
alsust sprichet der gepineget licham zuͦ der ellendigen sele
ebd.
7: 65,13
u.ö.;
als unser herre denne sicht din ellendig liden, das du das
vertreist und dich do inne tugentlichen haltest Tauler
152,30
MWB 1 1582,10; Bearbeiter: Diehl
ellendecheit
stF.
‘Fremdheit, Verbannung’
in deser werelde ellendicheit Pilgerf
Anh. 6;
unde welches die rede der ellendikeit si [
quae sit ratio peregrationis
]
ThvASu
136,31;
daz wâre wort der êwicheit wirt aleine gesprochen in der einicheit, dâ der
mensche verwüestet und verellendet ist sîn selbes und aller manicvalticheit. dirre
verwüesteten ellendicheit begerte der prophête Eckh
4:482,70;
[diejenigen] , die gote nâchvolgent in armuot und in
ellendicheit ebd.
4:774,74;
Mechth (M)
282
MWB 1 1582,30; Bearbeiter: Diehl
ellendeclich
Adj., Adv.
kontrahiert ellenklich; adv. auch -lîchen.
1
‘fremd, verbannt’
2 adv. ‘jämmerlich, bedauernswert’
1
‘fremd, verbannt’
daz dirre lande ein fremde man, / [...] / mich dâ von
wil vertrîben. / mîn ellendeclich belîben, / [...] / daz
sol mîn volc mit triuwen clagen UvEtzAlex
15850
2
adv. ‘jämmerlich, bedauernswert’
ob du alsô erstirbest / und ellendiclich vertirbest UvEtzAlex
6420;
Hierusalem, dir sÿ gesait / das du wirst uff die erd gelait / und ellentklich
zerstoͤret gar / von diner grimmen vient schar KvHelmsd
931;
der tiufel. so der dc sihet dc diu sele also wiselôse und also ellentclichen
gât PrSchw
2,61;
do er in einem froͤmden convent vil ellendeklich ze bet gelag
und dez nahtes von noͤten des grimmen siechtagen nit mohte schlafen
Seuse
69,4;
so wirt min sele also vinster [...]
unde min herze also kalt, das ich ellendeklich muͦs weinen und jemerlich klagen
Mechth
5: 33,8.
–
‘schrecklich’
dem frumptte der gaste sur / ainen all sölichen stich /
mitt sinen kreften ellenklich / daz er nach gevallen was / nider uff daz grünne
gras GTroj
5086
MWB 1 1582,40; Bearbeiter: Diehl
ellenden
swV.
1 tr. ‘jmdn. bedrücken’
2 refl. ‘sich in die Fremde begeben’
1
tr. ‘jmdn. bedrücken’
der flvst mich svs ellendet TürlArabel
*A 202,22;
ebd.
*R 207,22.
– in unpers. Konstr. mit Dat. oder Akk.d.P.:
des wortes mich ellendet GvJudenb
2058;
herr, gewerlich, mir beginnet als ser ellenden, mich
beginnet als inneklichen belangen nach mins einigen herzen wúnne
Seuse
312,26.
– subst. ‘Bedrückung’
daz mir ellú disú welt bringe ein ellenden, daz ich nach
ime allein trage ein grundloses jameren Seuse
322,17
2
refl. ‘sich in die Fremde begeben’
vert der lîp in ellende [La. mvͦs sich min lip von ir
ellenden
] , / mîn herze belîbet dâ MF:Hausen
13:2,7;
MF:Hartm
17:2,5;
owê, waz êren sich ellendet von tiutschen landen Walth
13,5;
mir ist uf gelait das ich / in allen wis ellende mich / ane
haͤmuͦt, ane lant, / an alle die mir sint erkant, / muͦs ich laider ane wesen / und
in dem ellende genesen RvEWh
9592;
daz sich mîn muot ellendet dar Reinfr
279;
dar [Santiago de Compostela] sich manich man vnd
wip hin ellendet duͦrch der sele willen PrLpz (L)
85,24;
deheinrre, der sich vber mêr ellenden wil UrkCorp (WMU)
93,17.
93,10
MWB 1 1582,61; Bearbeiter: Diehl
ellenkraft
stF.
‘kühner Mut’
ervraget [...], / wer hie, wer dort trage ellenkraft
Frl
5:42,12
MWB 1 1583,20; Bearbeiter: Diehl
ellenlanc
Adj.
‘eine Elle lang’
do gab man dem kecken / ainen elen langen stecken
HvNstAp
20246;
di klainen pigmey / sitzent in den pergen, / geleich den
twergen / zwair daum prait, elen langk ebd.
10968;
einer ellenlanger wunden / möhte er vil wol sîn bekomen Er
873;
seinen elenlangen kragen Neidh (S)
1,137 c113:14,4
MWB 1 1583,22; Bearbeiter: Diehl
ellenmâʒ
stN.
‘Messstab in der Länge einer Elle’ (vgl.
elne
,
elmëʒ
):
diu ellenmâz, die er da treit, / bediutet mit bezeichenheit / den koufman, der
daz tuoch versnît HvBer
6282;
sîn ellnmâz legt er niht dar an Georg
117;
wer selber misset, ez sey mit ellenmassen, mit trinkmazen oder andern mazen
StRBamb
28
MWB 1 1583,29; Bearbeiter: Diehl
ellenmëʒ
stN.
kontrahiert auch elmez.
‘Messstab in der Länge einer Elle’ (vgl.
elne
):
wie sol ich dich trügenheit lêren? [...] sô hât der
ein unrechtez elmez; sô hât der daz wahs gevelschet PrBerth
1:16,22;
amptluͤte, die des messes pflegent, / und ouch der, die mit der wâge wegent: /
das kann das elnmess betuͤten wol Ammenh
16321.
16314
MWB 1 1583,36; Bearbeiter: Diehl
ellenschaft
stM.
‘Messstab in der Länge einer Elle’
snit zwei cluͤppelin eines vingers lanc, als ein eln schaft
fornen sleht sinewel, vnd nim des gesoten als groz als ein morche, walkez sinewel in
der hant vnd fuͤge ez vͤmme den spiz BvgSp
23
MWB 1 1583,43; Bearbeiter: Diehl
ellensrîche
Adj.
‘mutvoll, tapfer’ übergehend zur Lexikalisierung (vgl.
ellen
und
ellentrîche
), z.T. subst.:
ein ellens rîcher man, / der ouch in sîner jugende grôzer êren
vil gewan NibB
7,3;
Gaschier, / der ellens rîche degen fier, / der starke
tjostiure Parz
38,18.
249,11;
dô gienc der ellens rîche / vür die wirtîn zühteclîche
Wh
273,19;
waz tet nu der geselle sîn, / der ellensrîche Tristant?
HvFreibTr
6235;
ouch was der ellensrîch / sô gar unverzagt
Ottok
16506
u.ö.
MWB 1 1583,48; Bearbeiter: Diehl
ellenstap
stM.
‘Messstab in der Länge einer Elle’
in der linggen hende sîn / einen elnstab er haben sol Ammenh
13073;
ouch sol der veiltrager nemen ze lône waz er mizzet mit Münicher ellenstabe
von hundert ellen grâwes tuoches StRMeran
419
MWB 1 1583,58; Bearbeiter: Diehl
ellentât
stF.
‘mannhafte Tat’
sol hant gesigen, / mut darf nicht ligen. / des phawen ofte hat überstigen / des
kraneches vluc. sus si genigen / dir, ellentat! lob dir wol stat Frl
5:23,19
MWB 1 1583,63; Bearbeiter: Diehl
ellenthaft
Adj., Adv.
adv. auch -haften.
‘mutig, tatkräftig, entschlossen’
1 Adj. 2 Adv.
1
Adj.:
manegen ellenthaften slac / enphienc von sîner werden hant /
der vürste ûz Provenzâlen Wh
422,10;
do begunde sich bedenken / der ellenthafte Karjet
UvZLanz
6347;
KLD:Rub
20:2,1;
er habet ellenthaften gedanc VAlex
319;
so vollekomen an mannis kraft, / so starch, so vrech, so
ellenthaft RvEWchr
8495;
ez muz verderben dicke ein ellenthafter mut Frl
5:49,1;
mit craft und ellenthafter tât Kreuzf
4286;
(vgl.
ellentât
).
– häufig in Verbindung mit hant:
sin arm dannoch nie gelac / noch sin elnthafte hant, /
vnz er niemannen vant / vf dem velde Herb
9123;
und sluoc im slege grimme mit sîner ellenthafter hant
NibB
2050,4;
dise vrouwen und diu lant / bejagt sîn ellenthaftiu hant
/ und sînes herzen manheit Wig
9526.
– subst.:
der ellenthafte, niht der zage, / mac mich bî dir
schouwen Wh
161,8;
Parz
675,26;
oft do gesprochen / von dem ellenthaften wart
SHort
6275.
– halbprädikativ:
swer im was ellenthaft erkant, / den begunde er sâ zehant
/ von herzen und von sinnen / vil vriuntlîche minnen, / wan elliu zageheit in
vlôch RvEAlex
2329
2
Adv.:
gewaldiclîche verwan er den / unde vil ellenthafte / mit sîner
hercrafte SAlex
105;
VAlex
88;
da grîfet ellenthafte zuo Wh
301,22;
wie gar unervorht der / menlîche ellenthaft / an sînen vînden
mit craft / den sige nam Kreuzf
5459;
KvWTurn
156;
daz er sô ellenthaften sprach: / in was nâch den vienden gâch LivlChr
10475
MWB 1 1584,3; Bearbeiter: Diehl
ellenthaftec
Adj.
‘kühn, entschlossen’
di dritte schrift nâch irem riz / genant ist triumphalis /
und dût werdes siges punt / den ellenthaftic mûtes vunt / erworben hât nâch êren
JvFrst
9086
MWB 1 1584,33; Bearbeiter: Diehl
ellentheit
stF.
‘Kühnheit, Entschlossenheit’
îdoch sô inwart nicht tum / von der werke vreidikeit [Übermut der
Belagerer] / zuhant der brûdre ellintheit, / dî des hûses wîldin
NvJer
12316
MWB 1 1584,37; Bearbeiter: Diehl
1ellentlich
Adj., Adv.
‘mutig, entschlossen’
die edlen und die zieren / mitt vil ellentlichen sitten / gar
frölichen ze samen ritten GTroj
10659;
daz det sin ellentlicher muͦt Elis
3227.
– präd.:
sin kobertüre dü waz rich, / selbe waz er ellentlich
GTroj
8316.
– adv.:
daz sy mitt wigenlicher craft / erre und ritterschaft /
gerüchend ellentlich bejagen / und an trüwen nitt verzagen GTroj
13375;
daz ich hie altersaine / muͦz vehten ellentlich
WhvÖst
3689;
dô irhûbin sî ouch sich / kegn den vîendin ellintlîch / und trâfin zusamin /
mit in NvJer
8416
MWB 1 1584,41; Bearbeiter: Diehl
2ellentlich
Adj., Adv.
zu
ellende
stN.
‘bedauernswert, jammervoll’
diz bouch uiench ane mit ainir chunichlicken mandunge. iz
endet sich mit aineme ellentlichen âmere TrudHL
145,8;
o allersuͤzste, ellentliche, / wiͤ siͤn ich dich
[Christus] sus jemerliche / gebunden ind gevangen!
MarlbRh
25,29;
nieman gesach von wibe / so ellentliche blicke / als si an in
tet dicke WhvÖst
18453;
gott gar ferre ist von ir / geflochen mit sines hertzen gir / und hat sÿ
ellentlich gelaͮssen, / ain witwen gar verwassen KvHelmsd
4689;
dar vmb gieng er ellentleich sauͤftzend chlagend vnd wainend GestRom
170
MWB 1 1584,52; Bearbeiter: Diehl
ellentrîche
Adj.
‘mutig, kühn’ (vgl.
ellensrîche
):
sie truogen ellentrîchen muot, / die ellenthaften helde guot
/ sach man schône zogende varn RvEAlex
12215;
die Persen und Mêdî / kâmen ouch mit kreften dar / mit manger
ellentrîcher schar ebd.
12500;
er gab und gab und gab et dar / mit ellentrîchen handen. / ez
wart in Engellanden / sô kürlich ritter nie geborn KvWTurn
87.
147;
KvWTroj
12320;
und sag mir, tegen ellentrich, / wa du suss habest gesumptt
dich? GTroj
5321;
KvWTroj
12183;
das si dem ellent richen / mit flúthen muͤsent wichen
RvEWchr
11302;
ErnstB (W)
1726
MWB 1 1585,1; Bearbeiter: Diehl |