ertriegen
stV.
1
‘etw. durch Betrug erlangen’
2
‘jmdn. durch Betrug zu etw. bewegen’
1
‘etw. durch Betrug erlangen’
mit der [Verwandtschaft zwischen Marke und
Tristan] verkouften si [Tristan und
Isolde] vil, / mit der ertrugens ir minnenspil Tr
13004;
daz ei brâht im daz vogelîn: / der vogel muoz gelîchet sîn /
dem wîsen zouberære, / des zouberlîchiu mære / im einen erben hânt ertrogn
RvEAlex
1189
2
‘jmdn. durch Betrug zu etw. bewegen’
und hât mich got gehaizzen dc ich dich mit mier hain fuͤre, dc du mit mier
essest und also ertrôg er den wissagen dc er mit im wider hain fuͦr PrSchw
1,53
MWB 1 2122,32; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtrinc
stM.
‘Erdkreis’
wir giloubin ani den Crist, / der gischuf alliz daz dir ist, /
der dir hiz werdin / den himil joch di erdin; / sin ist al der ertrinc
ÄJud
55;
den himel unt den ertrinc / machit diu goteheit wise / ze eim eweclichin
paradise LAntichr
1178
MWB 1 2122,43; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertrinken
stV.
1
‘ertrinken’
1.1 eigentl. 1.2 in vielfältiger Weise übertr. 2
‘in einer Flut untergehen, versinken’
3 von Schiffen ‘untergehen’
4
‘etw. trinken’
1
‘ertrinken’
1.1
eigentl.:
daz wazzer flôz uber al, iz fulte berg unde tal. / dei
gebirge dô sunchen, dei lûte elliu ertrunchen Gen
705;
daz sîner [Alexanders] scephe
ein hundert versunchen / unt sîne helde all ertrunchen VAlex
772;
also di haiden di da intsamt waren / alle ertrunchen unt
ertwalen Rol
7071;
der die rüder nicht beweget in der czeyt des vngewitters,
[...] ein sölher ertrincket oft Gnadenl
3:M1,175;
Seuse
78,12.
–
in dem mer, see, wag, wazzer
~ :
in dem grundelosen mere ist er ertrunken
Tauler
176,11;
siben hundert oder me [...]
ertruncken in dem se Herb
4250;
der visch mag in dem wasser nit ertrinken
Mechth
1: 44,69;
si [Juden] müezen vor uns
sinken / und in dem wâg ertrinken EnikWchr
8304.
– subst.:
der [Stein] ist guot wider
diu pœsen tier und wider ertrinken in wazzer BdN
471,2.
–
uf dem mer
~ :
sam er [
mergans
] sich fräw der läut, die auf dem mer ertrinkent
[Schiffbruch erleiden]
BdN
205,16.
–
in dem blute
~ (oft hyperbolisch in Kampfschilderungen):
die helede gûte / wûten in den [=
dem
] blûte / vaste biz an di knî. / [...]
/ vil manich in den blûte ertranc SAlex
2149;
da was die slachte so groz, / daz daz blut als ferre
floz, / swelchen man von dem rosse dranc, / daz er in dem blute ertranc
Herb
1486;
es [Kind bei der Geburt]
ertrunke och in dem bluͦte / das von der wunden kæme, / e das man es us næme
WernhMl
13054
1.2
in vielfältiger Weise übertr.:
er [Heinrich] was trûric und unvrô. / sîn
swebendez herze daz verswanc, / sîn swimmendiu vreude ertranc AHeinr
150;
von sînem hazze ich nâch versanc, / und ouch versunken wære, / des half
mir, daz ich niht ertranc, / gedinge ûf liebiu mære HartmKlage
1717.
–
in etw. (Dat.) ~ :
daz ist daz süeze gebet, / dâ diu sêle inne / ertrinket in der minne
LvRegSyon
1127;
das si [
únsere magen
] des pfuͦles alze kleine haben, da si doch leider inne
versinken und in den súnden ertrinkent Mechth
7: 27,18;
von allem luste daz oberste wipfelîn der sêle niht enwirt geneiget her
abe, daz ez niht ertrinke in dem luste Eckh
3:482,10;
durh daz was herzenhalp sîn brust / wol hende breit
gesunken / und sîn vreude in riuwe ertrunken Wh
177,14;
la minne in unminne nicht ertrinken JTit
1906,4
2
‘in einer Flut untergehen, versinken’
ich vurhte mir uile sêre / daz guͦt ist uirsunchen / dev werlt
allev irtrunchen VMos
13,21;
die stete waren virsunchin, / lút und lant irtrunchin
RvEWchr
4869;
ein so groz isil [...], / dú an des
mers grunt versanch, / mit lútin und mit guͦte irtranch ebd.
3015.
–
in dem wâge, wazzer
~ :
diu hiuser, daz si sunken / und in dem wâg ertrunken
EnikWchr
4176.
4096;
swedir ez [
daz der man gewinnet
] versinchet, / in dem wazzir ertrinchet, / oder sus chumet ein
unheil / unde enleibet im sin deheinen teil VRechte
81
3
von Schiffen ‘untergehen’
zwelve kiele al dâ ertrunken / und alzemâl versunken ErnstD
1955;
von danne furt er ainen̄ pracken / wol mit dreyssig tausent
marcken̄: / das ertranck mitten in dem wilden mer HvNstAp
1716;
ob âne meisterschefte vert / ein schef, [...], / daz
muoz durch nôt ertrinken / und vil gar ersinken LBarl
6535
4
‘etw. trinken’
er [Holofernes] wart des schônen wîbes
[Judith] alsô vrô, / daz er mêre ertranch dô / in mete
jouch in wîne / danne er deheines tages î getrunche ze sînem lîbe JJud
1430.
–
‘etw. völlig austrinken, leer trinken’
ein wurm wuchs dar inni [
in Hiersalem
] , / der irdranc alli di brunni, / di dir in der burch warin
LobSal
60
MWB 1 2122,49; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertropfen
swV.
‘abtropfen’
als er nu̇ den staden gefie, / sin rosz er hertropfen lie Krone
21339;
Scholls Konjektur ertraben ist unnötig, siehe Anm.z.St.
MWB 1 2123,55; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtrouch
stM.
‘Erdrauch’ (Fumaria officinalis, vgl. Marzell 2,50f.)
vurbe dich [...] mit dem saffe fumi
terre daz ist ertrouch SalArz
78,6;
si [Tamarinde] ist ouch gut vur
den grint di da ist uon der colera, so man si gibet mit ertrouch ebd.
82,35
MWB 1 2123,59; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtrouchsaf
stN.
‘Erdrauchsaft’
vurbe im di vuchte mit nezzil windech saffe, oder mit
ertrouch saffe SalArz
55,51
MWB 1 2124,1; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtrouchsôt
stM.
‘Erdrauchsud’
der sal si zu triben in einem ciginem kesewazzer oder in
ertrouche sot SalArz
82,55
MWB 1 2124,4; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertruckenen
swV.
‘trocken werden’
do al dú erde irtruchint schein, / Noe zoh uf die erde widir
RvEWchr
832;
daz sin geselle bi dem fúre wol ertruchnet were
Seuse
76,19.
– Part.-Adj.:
das si [die Taube nach dem Rückgang der
Sintflut] vant irtruhchent lant RvEWchr
828
MWB 1 2124,7; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertrüeben
swV.
‘jmdn. traurig, betrübt machen’
geniuzet es mîn wîp, / daz si
[Kriemhild] hât ertrüebet den Prünhilde lîp
NibB
861,2;
weinen si began. / des hete michel wunder die Ezelen man, / waz ir sô snelle
ertrüebet het ir hôhen muot NibC
1804,3;
ez wirt ertrüebet, / der mit gemach wænt sein Krone
1327
MWB 1 2124,13; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertrûren
swV. (vgl. ane ertrûren)
‘jmdn. traurig machen’
edil jonffrou czairt, / ich moicht uch ommer dienen voirt / went an myns
levens oirt, / sint uch myn liden hait erdrocht [La. erdrurt
]
MinneR 497
1043.
–
er svl etswenne von vblen vnsern werchin irtrurit werden
BrZw
Prolog
MWB 1 2124,20; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtscholle
swM.
‘Erdklumpen’
einen rappen man dô sach / vliegen ob dem herren hin, / der
lie vallen hin ûf in / einen ertschollen sâ RvEAlex
10205;
swâ ein ertscholle hin vellet, dâ vellet diu erde alzêmâle hin, wan ein
ertscholle bewîset, daz diu erde sîn rehtiu ruowestat ist Eckh (Pf)
236,37;
wenn diu jungen rephüendl sich fürhtent, daz man si vâhen
well, sô hebent si die ertschollen auf mit irn füezen und verpergent sich dar under
BdN
215,26
MWB 1 2124,26; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtsnëcke
swM.
‘Erdschnecke, Landschnecke’
limax haizt ain erdsneck, wan limus ist ain zæh erdreich sam
laim, dar auz wechset der sneck BdN
302,33;
ez sei ain wazzersneck oder ain ertsneck ebd.
308,20
MWB 1 2124,35; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtstadelec
Adj.
Bed. unklar, wohl: ‘in der (unterirdischen) Vorratskammer lagernd’ (vgl.
Schiller/ Lübben 1, 717)
swô ein gût erbelôs erstirbet von manne oder von wîbe, daz ertstatelêge korn
ist sîn [des Fronboten]
SSp (W)
3:56,3
MWB 1 2124,40; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtstift
stMN.
‘auf der Erde errichtetes Bauwerk’
dâ lac ein burc, diu beste / diu ie genant wart ertstift
Parz
403,19
MWB 1 2124,45; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertücken
swV.
‘etw. mit List erlangen’
er wolt ein brievelin schriben, / ob im diu sælde triben /
wolt daz geluͤck / so daz er moͤht ertuͤck / die stunde daz er wuͤrde / der diu des
jamers buͤrde / uf in geladen hæte WhvÖst
6682
MWB 1 2124,48; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertumben
swV.
‘völlig unverständig, unbesonnen werden’
si was ertumbet als ein kint / von herzesüezer minne KvWTroj
8870
MWB 1 2124,53; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtval
stM.
‘Schlag, der jmd. zu Boden wirft’
swer in der stat ze Gewiler [...] in dem ertvalle
schuldig wirt [...] âne den tod WeistGr
5,344
(a. 1310)
MWB 1 2124,56; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvar
Adj.
‘erdfarben’
melancolici, die leute, / sint ertfar Physiogn
90;
wan sô er [
regenvisch
] sich nâch der praiten an daz ertreich smucket, sô ist er oben auf dem
ruck erdvar BdN
247,8;
daz ein pfluoges schar [...] ertvar wirt als ander
mist / von roste, swenne ez müezic lît Renner
21054
MWB 1 2124,59; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvellec
Adj.
in der Wendung jmdn.
~ machen: ‘jmdn. zu Boden schlagen, niederschlagen’
swelch burger den andern ertvellic machet, oder der den andern mit gewaffenter
hant ubellichen anloufet UrkEls
2,56
(a. 1293);
wer auch den andern sleht mit gewaffenter hand und jn pluetruns und herdfellig
machet DRW
3,167f.
(a. 1313)
MWB 1 2125,1; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvluc
stM.
‘bodennaher Flug’, von der Schwalbe:
die swalewe vêt die mücken, vor dem valken des sie bâget. / den ertvluc unde
den swippersweif kan sie baz üeben Rumelant (R)
4:18,2
MWB 1 2125,8; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvruht
stF.
→
ërdenvruht
MWB 1 2125,12;
ertwahen
stV.
‘jmdn. durch Abwaschen von etw. reinigen’, übertr.:
des wart der keiser Constantîn / gereinet unde wol getwagen [La.
ertwagen
] / von sünden und von siechtagen KvWSilv
1849
MWB 1 2125,13; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtwaʒʒer
stN.
‘Erdwasser’ als Etymologie des griech. Schlangennamens
cylidros:
cilydros ist in kriechisch sô vil als ertwazzer, wan citron
haizt erd in kriechischen, sô haizt ydros wazzer BdN
267,7
MWB 1 2125,17; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtweige
F. (?)
‘Erdbeben’
ie sâ mit disem worte / ein ertweige sich erbôrte WvRh
12361
MWB 1 2125,21; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertweln
swV.
‘jmdn. kraftlos, betäubt machen’
des schuzzes beide [Gunther und
Siegfried] strûchten, die vil starken man. / si
[Prünhild] ertwelte si sô sêre, daz si den lîp nâch
heten lân NibC
468,4
MWB 1 2125,23; Bearbeiter: Pfefferkorn |