enzürnen
swV.
‘zornig werden’
1 mit Gen. ‘über etw.’
2 mit präp. Erg. ‘auf jmdn.’
1
mit Gen. ‘über etw.’
des enzürnt der keiser dô EnikWchr
A II,835;
ich bitt uch das irs nit enzúrnent durch mynen willen
Lanc
187,29
2
mit präp. Erg. ‘auf jmdn.’
enzuͤrn her ze mir nicht PrOberalt
102,35;
ein liep frúnt, der alwegen in sorgen ist das sin liep frúnt
sich nút uf in enzúrne Tauler
188,7
MWB 1 1770,18; Bearbeiter: Runow
enzwagen
stM.
→
einzwagen
MWB 1 1770,25;
enzwâr
Adv.
‘fürwahr, in der Tat’
er was enzwar behende / mit siner bedutnisse, / idoch ich noch
vermisse / geistlicher uzlegunge / an Danyelis zunge Daniel
922;
ja entzwar, ez ist also / als ir habit gesprochen ebd.
5350
u.ö.
MWB 1 1770,26; Bearbeiter: Runow
enzwei
Adv.
‘entzwei’
1
‘in zwei (gleiche) Teile, Stücke’
2 allg. ‘in Stücke, auseinander, kaputt’
3 in adj. Verwendung 4 phras. 4.1
mitten ~
‘mitten durch’
4.2
~ tragen
4.2.1 intr. ‘sich unterscheiden, trennen’
4.2.2 tr. ‘jmdn. unterscheiden, trennen’
4.3
~ gân
‘unterschiedlich ausfallen’
1
‘in zwei (gleiche) Teile, Stücke’
dannoch het er [St. Martin] ein
lachen an ime; daz sneit er enzwei unde gab ez halbez dem armen, halbez het er ez
selbe Spec
116,5;
HvFritzlHl
239,10;
Tristan begunde wenken; / und iedoch wancter niht alsô, / ern
würfe ime daz ors dô / vor den goffen [Hinterbacken] gar
enzwei Tr
16027.
5687;
div [...] bat mich des, daz ich die fvͦmzehen
schilling enzwai tailet UrkCorp (WMU)
2403,16;
wer ain leinein tuoch entzwai tailt gleiches
BdN
105,14;
Lanc
432,27.
–
duͦ deilti got sîni werch al in zuei: / disi werlt ist daz eine deil, /
daz ander ist geistîn Anno
2,5;
der menniske [...] scol die
scrift alter ewe. inzuei teilen. daz er wizze rehte gewarheit. geistlichere unde
werltlichere gewizzine JPhys
17,15;
HlReg
13,33
2
allg. ‘in Stücke, auseinander, kaputt’
sege den boum enczwey in stucke Pelzb
122,2;
er stîz in ze tal uber einem stein, / daz ime sîn hals enzwei
brast VAlex
231;
Lanc
572,6;
ich wil frumen noch vil der sper enzwei Parz
97,7;
UvZLanz
3065;
den schilt den spielt er im enzwei KvWSchwanr
1168;
Herb
5246;
ReinFu
S2,807;
Wh
24,23.
– übertr.:
hie gêt diu rede enzwei [bricht ab]
Walth
104,6;
maht tu genesen, / sô ist enzwei geteilt mîn sêr
UvZLanz
2227;
mit rehter jâmers lêre / brach im sîn grœstiu vreude
enzwei RvEBarl
8113;
herre, ich woͤlte miner sele herze inzwoͤi rissen
Mechth
3: 2,20;
Parz
103,19;
Lanc
593,29
3
in adj. Verwendung:
dâ lac manc sper enzwei Parz
79,12;
heía, nu heí! / / nu íst dem videlaére / sin vídelboge enzweí!
Tannh
4,144;
wann im der arm enczwey was zwuschen dem elenbogen und der
hant Lanc
341,33;
ReinFu
K,463;
BdN
51,11.
–
in was der selbe dôn [gemeint: die schallende
Freude üppiger Lebensweise] enzwei Parz
184,26;
sîn wîsheit ist enzwei KLD:Kzl
1: 1,12;
di zuversicht waz do gar inzwei HlReg
39,23.
– rechtsspr. ‘ungültig, hinfällig’
waz der [Ehe-] man gelobit oder verburget, daz
muz man leisten, ab he stirbit an erben. gewinnen aber si erben mit einander, so
ist die rede inzwei StRFreiberg
25,14;
were aber, daz he kint hette mit ir unde sie mit ime, so ist die gift alle
intzwei UrkFrankf
2,158
(a. 1322)
4
phras.
4.1
mitten ~
‘mitten durch’
snyde sy [Früchte] mittin
enczwey odir schele sy an eyme ende Pelzb
134,10;
so nym beyde stocke vnd spalde si in di lenge mittin
enczwey ebd.
131,6;
des wart im zv spalden / sin houbet mitten enzei
Herb
13199.
6443
4.2
~ tragen
4.2.1
intr. ‘sich unterscheiden, trennen’
in welcher wise enzwei treit / der keiser und die pfafheit, / des bin
ich underwiset wol Pass III
249,3;
sol aber die harfe wol luten so sulen die seiten wol uber ein geliche
tragen. tragen sie vngeliche inzwei [wenn sie
dissonieren] . so benemen sie der stimme ir zuzzeheit
PrLpz (L)
24,13.
– mit präp. Erg. (mite hier mit Akk.):
dor an Sophar inzwey trug meist / mit Job und
ouch sine volleist [Sophar entzweite sich hieran mit Hiob
und seiner Autorität]
Hiob
7929.
– hierher oder tr. mit Ersparung des Obj. (?):
get nu von einander hin / ir [Christen und
Arianer] , der geloube entzwei treit Pass III
128,77
4.2.2
tr. ‘jmdn. unterscheiden, trennen’
da was meistere genuc, / die ir sin entzwei truc, / den einen sus, den
andern so Pass III
645,96
4.3
~ gân
‘unterschiedlich ausfallen’
gêt di urtail enzwai, daz iewederm vorsprechen gevolgt wiert RbRupr
252
MWB 1 1770,31; Bearbeiter: Runow
enzwein
Adv.
‘in zwei (gleiche) Teile’
er teilet al sîn habe enzwein; / die wolt er nicht mêr haben ein HvBer
6072.
9717.
–
‘entzwei, kaputt’
du sprichest iemer neinâ neinâ nein, /
[...] / daz brichet mir mîn herze enzwein MF:
Mor
20: 7.
– unklar:
vrouwe, wis genædic mir, / Marîâ, daz dû vil wol weist, / bin ich iht sündic
an den geist, / er heilic drîe, er heilic ein. / nim dich fürwart wan enzwein
MarGr 18
299,34
MWB 1 1771,35; Bearbeiter: Runow
enzwicken
swV.
1 tr. ‘etw. lösen, vertreiben’
2 refl. ‘sich lösen, befreien’
1
tr. ‘etw. lösen, vertreiben’
vil sorghen se [die Dame] vntzwicket Wizlav
L 7,23
2
refl. ‘sich lösen, befreien’
Ekwart, îl hin und goum [achte darauf] , / daz der
vorder schranboum [Schranke] / inder sich entzwicke
Helbl
15,245;
[wenn das Herz von Liebe entzündet ist,] lieb wil sich
entzwicken / und klaget uf [wegen (s. Anm.z. St.)]
minne Frl
8:15,17
MWB 1 1771,44; Bearbeiter: Runow
enzwischen
Adv., Präp.
auch inzwischen, enzwischent, en-/intuschen.
1 Adv. 1.1 lokal ‘dazwischen’
1.2 temporal ‘inzwischen’
1.3
‘untereinander, gegenseitig’
2 Präp. ‘zwischen’
2.1 mit Dat. 2.1.1 lokal 2.1.2 temporal 2.2 direktional mit Akk.
1
Adv.
1.1
lokal ‘dazwischen’
ci demi allir bezzistin lante / [...] / dâ die
becche miliche vluzzin, / diz suͦze honig dar inzuschin Anno
49,8;
von der burc bis an den se / vnde waz da enszwischen was
Herb
7437;
nuͦ salt du [Täufling] in des
namen baden, / die [l. der
] den hiemil vͦf heldit / vnde der erden weldit. / der bekennit al
die dinc, / die da inzívssen sint TrSilv
254;
io was hie inzwischen / manic ungeuerte
Ägidius
1532;
Lanc
322,4.
–
ein rîlich blîât, / der zweier hande varwe erschein: /
sich kunde an im wol underein / rôt unde grüene mischen, / und was darûf
enzwischen / zernæjet wol zam unde wilt KvWTurn
342;
MNat
11,1
1.2
temporal ‘inzwischen’
ir hânt dem rîche wol gedienet und alsô, / daz iuwer lop dâ enzwischen
[seither] stîget unde sweibet hô Walth
85,3;
ê wir daz grîfin an, / sô sul wir hî inzwischin / ein teil geschichte
mischin, / dî bin der vorloufnin zît / [...] sîn
geschên NvJer
18030
1.3
‘untereinander, gegenseitig’
want ich gebieden uch dat ir uch intusschen minnet, / alse ir wizet dat
ich uch haven geminnet Lilie
60,5
2
Präp. ‘zwischen’
2.1
mit Dat.
2.1.1
lokal:
do heten si in [Jesus]
gehangen inzwiscen zwein scachmannen AvaLJ
151,6;
ungwentum iacobi calisticum.
[...] ist goͮt den der inzwissen den lidirn we
ist Ipocr
295;
zwene morgen akkerz, die entswúschen Phaͤffingen vnd Boltringen an der
Ammer ligen UrkCorp (WMU)
3453,41;
Wig
6943.
– übertr.:
da wart ein fraislich champh / in zwischen den
haiden unt den christen Rol
5325;
Wig
553;
Seraphin is ein middelere / entüschen god ind
allem here MarlbRh
88,34.
18,33;
si gont einen engen phat enzwischent friden und
unfriden und enzwischen hoffenunge und unrechter vorchte
Tauler
218,23.
116,13;
Konr
3 W1,98;
Tr
17506
2.1.2
temporal:
enzwissin den zwein messin vnsir frowin UrkCorp (WMU)
752,32;
entswshent winnahten vnd fochsnaht
[Fastnacht]
ebd.
1999,4.
– mit Adv. und Dat.:
intuschin hie [jetzt] inde Sente
Martinis mossin [Messe]
UrkCorp (WMU)
21A,38.
796,9.
–
‘innerhalb’
jst ouch, daz der burgen dekener abe gat da entzwischent den
zwenzik jaren UrkCorp (WMU)
2558,9
2.2
direktional mit Akk.:
ouch hæte Tristan geleit / sîn swert bar enzwischen si; /
hin dan lac er, her dan lac si Tr
17413
MWB 1 1771,52; Bearbeiter: Runow
enzwîvel
Adv.
‘zweifelhaft’
der mennischen genist ist enzwîvil, die mit gesuntim lîbe
vravelichin êzzint, so si scholtin vastin Spec
64,8
MWB 1 1772,36; Bearbeiter: Runow
epacte
F.
‘Epakte’, Zahl der am 22. März eines Jahres vergangenen Tage des Mondzyklus;
zur Festlegung der Ostergrenze (vgl. LexMa 3,2041):
einer hande zal, heizit epacte, die leret welhes tages der
mane enzundet werde MNat
15,12
MWB 1 1772,39; Bearbeiter: Runow
eparche
M.
‘Herrscher, Statthalter’ (aus gr. eparchos):
hin / vour er dô er daz gesprach / dâ der eparche [gemeint ist
Kaiser Konstantin] sîn gemach / het in sînem slâfe
StNik
390
MWB 1 1772,44; Bearbeiter: Runow
epgrunde
stN.
→ abegründe
MWB 1 1772,48;
epfel-
→ apfel-
MWB 1 1772,49;
êphenninc
stM.
‘Gerichtspfennig’
omnes illi, qui dant epfeninge, debent dare annuatim panwerch
UrkTirol
1:3,143
(a. 1239);
omnes homines qui de iure dare debent epfenninge de bonis eorum
UrkÖsterrM
131
(a. 1272)
MWB 1 1772,50; Bearbeiter: Runow
ephich
stMN.
auch eppe, ephe, epf.
‘Sellerie’ (Apium graveolens; vgl. Marzell 1,345f.):
apium vel selino: ephe / ephich SummHeinr
1:204,434;
ephih ist goͮt den zornegen liuten PrüllK
24;
der eppe ro gessen oder getrunken: das saf hilfet den, der mit
arbeiten pisset Macer
9,6;
fenichel und epich Barth
158,2;
apium haizt epf. daz kraut ist haiz und trucken
BdN
382,14;
petersil hât vil der kreft, die der epfeich hât ebd.
413,33;
Gen
251;
SalArz
11,51
MWB 1 1772,55; Bearbeiter: Runow
ephichblat
stN.
‘Sellerieblatt’
zu den sichen ougen. nim eppes bletere vnde rip si mit
gruneme kese. vnde lege daz uf di ougin SalArz
36,45
MWB 1 1773,1; Bearbeiter: Runow
ephichrinde
F.
‘(abgeschälte) Sellerierinde’
gip im [dem Fieberkranken] uenchel
rinde. oder eppen rinde di gesoten sin mit oximel SalArz
72,33
MWB 1 1773,4; Bearbeiter: Runow
ephichsaf
stN.
‘Selleriesaft’
so sal man dem siechen geben scariole saf. vnde eppe saf
SalArz
71,54;
salbe dich mit eppe saffe ebd.
78,9
u.ö.
MWB 1 1773,7; Bearbeiter: Runow
ephichsâme
swM.
‘Selleriesame’
man sal im [der am Blasenstein
leidet] ouch gebin alle di dinc di den harn machen uaste gen. daz
is [...] eppesame. petirsilge same SalArz
59,8
u.ö.;
der eppe same mit wassere unde mit ezzege genutzet verstophet
den buch Macer
9,12;
Ipocr
222
MWB 1 1773,10; Bearbeiter: Runow
ephichsouc
stM.
‘Selleriesaft’
nim wermuotsouch unde ephichsouch unde maratrisouch unde
mische die alle under einander Barth
143,15;
swer di [
hitzeblatern
] hat. der sal [...] ofte baden. vnde sal
sich bestrichen [...] mit eppe suge so er uz dem bade ge
SalArz
78,54.
65,16
MWB 1 1773,16; Bearbeiter: Runow
ephichwurz
stF.
‘Selleriewurzel’
diptamnum: ephiwrz VocBV67
3:498,6;
nim venichlwurz und epfeichwurz und petersilwurz und seut
die in erdgallensaf [...] und gib ez dem ze trinken, der
krankeu gelider hât BdN
397,26
MWB 1 1773,22; Bearbeiter: Runow
ephimera
F.
eine (kurze) fiebrige Erkrankung:
effimera daz ist ein swer. vnde
[...] geschit etwenne uon der sunnen hitze. so wirt daz
houbit heizer denne ander teil des libes. vnde tut uil we SalArz
66,53;
swenne di effimera ist uon der sunnen hitze ebd.
67,16.
67,27
MWB 1 1773,27; Bearbeiter: Runow
ephot
Subst.
(hebr., vgl. Glr.z.St.) ‘Gewand des Hohepriesters’
Jeronimus heizzet die alben [weißes liturgisches
Gewand] ephot Lucid
87,7
MWB 1 1773,33; Bearbeiter: Runow
ephöu
stN.
auch ebehou; zu ahd. ebah, mit pseudoetymol. Anlehnung an
ahd. howi
‘Heu’ (vgl. 2DWB 7,90 (s.a. AWB 3,1).
‘Efeu’
edera quod arboribus reptando hereat: ephoͮ SummHeinr
1:191,269
u.ö.;
ad capitis dolorem. nim wormatun. rutam. ebehoͮe. daz an der
erde wahsset Ipocr
7.
15.
52;
mule daz ephoͮwe cum uino InnsbArz
5
MWB 1 1773,36; Bearbeiter: Runow
epiphanie
F.
‘Epiphanias, Tauffest Christi; Dreikönigstag’
dis beschach [...] an dem fritage nach der epiphanie
UrkCorp (WMU)
503,4;
dur daz began wir des in epiphania niht. der toͮf, den wir ze
osteren begant, der ist vnsers herren Ihesu Cristi Lucid
115,13;
[Überschrift:] in epyphania. an dem zwolften tage
Tauler
16,20
MWB 1 1773,43; Bearbeiter: Runow
epistelære
stM.
Bez. für den Kleriker, der in der Liturgie die erste Lesung (aus den
Apostelbriefen) abhält:
[Bildüberschrift:] accolite episteler vnd ewangilier
Pilgerf
814 (App.)
MWB 1 1773,50; Bearbeiter: Runow |