ëbenalt
Adj.
‘gleichalt’
waz vrvmte so groz vnpilde vnder ebenaltes blvͦtes vluzze
[
coevi sanguinis fluenta
]
PsM
H 41,7;
si gabin insine geselleschaft / im drizig knappin ebin alt /
und im ebin alt gestalt, / das si die zit mit im virtribin / und sine gesellen
belibin RvEWchr
20602;
Flore(S)
625;
er [Christus] ist dier, vater, eben
alt, / mit dier ewich, almechtik, ein gewalt HvBurg
3531;
Aneg
934.
– subst. (swFM., stM.) ‘Gleichaltrige(r)’
daz sie / mit ir ebenalten gie, / andern frouwelînen MargAntiochIV
188;
der tievel alsô ræze / schuof daz er vergæze / niht sîner ebenalten
LBarl
15460;
ern [ein junger Mann] wære gar der werlde chint /
als diche sein ebenalter sint Serv
3328.
– euphemistisch für Penis:
daz muoste sich erzöugen / an sînem ebenalten HBirne
277
(vgl.
der eilfte vinger ebd.
289 )
MWB 1 1465,41; Bearbeiter: Diehl
ëbenære
stM.
1
‘Bewohner einer Ebene’ (Bestandteil von Personennamen, vgl.
Kunze, Namenkunde, S. 97) oder zu 2 ? 2
‘einer, der etw. einebnet, ausgleicht’
1
‘Bewohner einer Ebene’ (Bestandteil von Personennamen, vgl.
Kunze, Namenkunde, S. 97) oder zu 2?:
her Heinrih der Ebner UrkCorp (WMU)
1910,25;
her Sifrit der Ebener UrkCorp
2535,10
2
‘einer, der etw. einebnet, ausgleicht’
so zevallent die burge, die durch ruom geworht wurden. / berge
unde veste daz muoz allez zebresten. / so ist got ze ware ein rehter ebenære
AvaJG
12,4;
FünfzZeich
224;
er [der Tod] ist ein ebenare: /
necheiman ist so here, / er ne muoze ersterbin MemMori
95;
ist got selch ebenære? / er gît dem einen gewin / und dem andern sin
Walth
122,8;
RvZw
62,3.
– übertr. ‘Schiedsrichter’
er zamte sînes lîbes muot, / den undertânen riet er guot, / wande er was
zewâre / des rehtes ebenære LBarl
14149;
der aller diser sache taidinger vnd ebner was UrkCorp (WMU)
3310,3;
shidman vnd ebenær tzwishen vns peden ebd.
2669,16
MWB 1 1465,58; Bearbeiter: Diehl
ëbenærinne
stF.
‘eine, die etw. ausgleicht’
nu get dort her ein schon meit, / die ebenerin Concordia
HvNstGZ
891
MWB 1 1466,13; Bearbeiter: Diehl
ëbenbarmede
stF.
‘Mitleid, Erbarmen’
ich nihabo bihalten [...] an mînemo nâhesten
[...] ebenbarmide BambGlB
147,22
MWB 1 1466,16; Bearbeiter: Diehl
ëbenbilde
stN.
1
‘Vorbild’ (so schon ahd., vgl. AWB 3,5) 2
‘Abbild, Ebenbild’ (jüngere Lehnübers. zu
configuratio ) 3
‘Gleichnis, Parallele’
1
‘Vorbild’ (so schon ahd., vgl. AWB 3,5):
der herre Jêsus ist der sêle vor gangen unde hât uns ebenbilde geben in dem
würken sîner menscheit Eckh (Pf)
399,31;
in dem gotlichen ebenpild ist weder anvank noch end, wanne ez
ewig ist KvMSph
12,8;
BdN
208,15.
214,3;
di wir darumb billichen und durch recht straffen und zuͤchtigen sullen
zu einem ebenpilde und exempel andern leuͤten und ouch steten NürnbChr
3:329,39
(a. 1349)
2
‘Abbild, Ebenbild’ (jüngere Lehnübers. zu
configuratio):
daz er [Gott] uns dô sîn selbes ebenbilde gap
DvASchr
399,20;
reht sam ain gaistleich form oder ain ebenpild ains geminten
dinges, daz in den spiegel deiner vernunft ist gedrückt BdN
379,36;
der luft nimpt die ebenpild aller stimme ebd.
11,13;
daz der gaist ain wägenlein ist, dar auf diu ebenpild anderr
ding varnt ebd.
33,14.
–
‘Spiegelbild’
wenne der han und diu wahtel ir ebenpild sehent in ainem
spiegel BdN
192,27.
99,24.
–
‘(reale) Abbildung’
daz zemal sihstu in disem ebenpild oder in diser figur
KvMSph
52,22.
8,19
u.ö.
–
‘sprachl. Wiedergabe desselben Gegenstandes’
dez aufganges ebenpild setzt Ovidius in Fastis, so er
sprichet KvMSph
35,22
u.ö.
3
‘Gleichnis, Parallele’
nim des ein ebenbilde: ein tür gât in einem angel ûf und zuo.
nû glîche ich daz ûzer bret an der tür dem ûzern menschen Eckh
5: 422,7;
[über die rechte Einstellung der Mächtigen] sagt vns
Valerius ain ebenpild in dem virden püech Schachzb
66,198
MWB 1 1466,19; Bearbeiter: Diehl
ëbenbildec
Adj.
‘vorbildlich’ oder ‘einzig, nur sich selbst
gleich’ (?):
die gerechtigkait ist ain löblich entpfelhnüß von den
aigenschefften des höchstenn, des ebenpilldigen und des
erlichenn [
simplicis et gloriosi
]
HvHürnh
61,1
MWB 1 1466,49; Bearbeiter: Diehl
ëbenbilden
swV.
‘sich jmdm./etw. nachbilden’
wenn die sele gelabet wirt und gevesstent, so ebenpilldet und
ebenfreuet sich ir der leib HvHürnh
30,10
MWB 1 1466,54; Bearbeiter: Diehl
ëbenbrûn
Adj.
‘ebenso brûn’ mit Dat. (hier brûn
‘violett’
→
vîolînbrûn
):
[das Gewand] was von timît
[Seidenstoff] innen vol, / vil brûner danne ein
vîolate, / reht ebenbrûn der gloien [Schwertlilie] blate
Tr
11122
MWB 1 1466,58; Bearbeiter: Diehl
ëbenbürtec
Adj.
‘ebenbürtig, gleichrangig im Hinblick auf Geburt, Abkunft’
ist ein man sînem wîbe niht ebenbürtic, er ist doch ir vormunt
SSpAug
133,5;
iriu kint sint doch gelîche nâhen sippe, ir ietwederme des
andern erbe ze nemen, ob si in ebenbürtic sint SpdtL
84,13
u.ö.;
swar die suͦne binnen iren iaren sint, ir eldeste evenbordiche
swertmach [...] ist der kinde vormunde UrkCorp (WMU)
51,25
MWB 1 1466,63; Bearbeiter: Diehl
ëbenbürtecheit
stF.
‘Ebenbürtigkeit, Gleichrangigkeit im Hinblick auf Geburt,
Abkunft’
waz zu deme erbe gehôret bî wîcpilde [im
Stadtgebiet] nôch der ebenburtikeit StRZwick
94
MWB 1 1467,8; Bearbeiter: Diehl
ëbendol
stFM.
‘Mitleid’
[die Trauernden] kament also indas hol / mit vil grosser
ebendol WernhMl
11640;
sich stæteklich erbarmen / mit trúwen úber die armen / und
halten milten ebendol / mit allen die sint laides vol ebd.
675;
mit trúwe mainde er alle lút / und hette mit in ebendol
ebd.
5671
u.ö.
MWB 1 1467,12; Bearbeiter: Diehl
ëbendoln
swV.
‘mit jmdm. Gleiches dulden, mitleiden’
si gît gelaite den chomenten, si ebendolet den sêrigen, si
ist gedultich den suntigen TrudHL
40,28;
dû tvͦst uns alse diu uil gvͦte muͦtir
diu ir kinde eben dolet an alleme sîneme sêre. sô eben dolt si ime ebd.
15,7
u.ö.;
do du in sahe irstanden den du dauor ebindoltost sercliche insin notin
MuriGeb
251;
dez chrankeit er also eben dolt [
conpassus
est
] daz ez gerucht nemen auf sein heilig achsel
BrAlt
27
MWB 1 1467,19; Bearbeiter: Diehl
ëbendolunge
stF.
‘Mitleiden’
dc ist diu ebendolunge, diu die guͦten dikchere
gebezzeret denne diu chestegunge TrudHL
125,3;
so haben wir ebendolunge AvaLJ
212,6
MWB 1 1467,29; Bearbeiter: Diehl
ëbene
stF.
1
‘Ebene, Niederung’
2
‘Gleichmäßigkeit, Ausgeglichenheit’
1
‘Ebene, Niederung’
ebene, berc oder tal KvHeimHinv
7;
daz vierde gvt auf der eben UrkCorp (WMU)
3598,8;
in der ebin sint gelegin vil stete und burge MarcoPolo
8,11;
BdN
103,3
2
‘Gleichmäßigkeit, Ausgeglichenheit’
nu muͤssint wir vier ding han, alz ich e sprach, dú zuͦ aim
guͦten weg hoͤrent: daz ist lieht, ebni, schoͤni und schlihti
PrGeorg
187,28;
sin heilic geistlichez leben, / daz er hete an sich genumen, / zum ersten was
vollekumen / in tugentlicher ebene, / als ob er in dem lebene / were manic iar gesin
Pass III
193,21
MWB 1 1467,33; Bearbeiter: Diehl
ëbenede
stF.
‘ebene Fläche, Ebene’ (vgl.
ëbenôt
):
jtem I duale vffen der ebenete iuxta scultetum UrkCorp (WMU)
N184,34
MWB 1 1467,45; Bearbeiter: Diehl
ëben|edel
Adj.
‘in gleicher Weise edel’
doh ein geslehte in were irchorn / von dén si werin geborn, /
und ebin edil ubiral / waren an unedeln val RvEWchr
13976
MWB 1 1467,48; Bearbeiter: Diehl
ëben|ehtec
Adj.
‘(immer) gleichermaßen angesehen’
got almechtic der da was ie, / der sin begin begunde nie, /
wen her ie waz eben echtic HeslApk
8913
MWB 1 1467,52; Bearbeiter: Diehl
ëbenen
swV.
1
‘etw. (sich) ebnen, glätten, bereit machen’
2 rechtl. ‘etw. schlichten, beilegen’
3
‘angleichen’ (meist jmdn. jmdm.)
1
‘etw. (sich) ebnen, glätten, bereit machen’
er [Johannes der Täufer] ebenot uns
den gotes wech VEzzo
144;
swie hohe ir [der Berge] joch sih
wagin, / si slihten sih gar in dú tal / und ebintin sih ubir al, / das deste lihter
dan und dar / moͤhtin komen die gotis schar RvEWchr
14383;
stoz diz alzvͦ male vnd ebenez oben mit einer kellen
BvgSp
11;
nû dar, her scherær, / strîchet scharsach unde schær, / ebent hâr und scheret
bart! Helbl
3,79;
do quamin sine knapin / vnd ebindin sine wapin
Athis
B 20;
sie ebenten sich vnder ir schilt, / beide dirre vnde der
Herb
13960.
– übertr.:
[Riwalin wollte] von im
[Marke] werden tugenthaft / und lernen niuwan
ritterschaft / und ebenen sîne site baz Tr
459
2
rechtl. ‘etw. schlichten, beilegen’
[König Rudolf] ebent unde slihte, / swaz er verworrens
vant / umb den Rîn und Swâbenlant, / daz macht er allez sleht, / wand daz ist des
rîches reht Ottok
31729;
vnd shol der selb [...] allez daz eben vnd verrihten
vnd ablegen UrkCorp (WMU)
690,32;
vnd wirt es zwihsschen in mit minnen niht geebenet
[...], so sol es gerihtet wærden ebd.
905AB,3,6.
–
‘jmdn. zum Vergleich, zur Übereinkunft bringen’
dat ich Mechtilden [...] vnde Lodewige
[...] han bescheiden vnde geiffent
[d.i. geebent
]
UrkCorp (WMU)
54,14.
–
‘sich einigen, einen Ausgleich herbeiführen’
ebinin su sich abir des ani richteri Mühlh
170,9;
daz wie [l. wir
] vns mit vnseme
lieben sune [...] vruntlichen vnde gutlichen geebenet
haben vnde geeinet UrkCorp (WMU)
1062,22;
des chom ich hintz Nevnburch [...] vnd ebent mich
mit im UrkHeil
2,9
(a. 1302);
biz sie sich geebenten do / mit so getanen worten, / die
da zv gehorten Herb
6224;
Ottok
23266
3
‘angleichen’ (meist jmdn. jmdm.):
dannen abe bechennet man daz ebennahte sint.
[...]. wante duͦder tîefel daz wisse. daz tag
unt naht gebenot waren JPhys
7,7;
weme hat ir mich geglichet und
geebenyt [
adaequastis
] ?
Cranc
Jes 46,5;
[Ks. Heinrich] ebente sie [die
Ungarn] glîche / rômischem rîche [oder
‘eingliedern’, vgl. Vorlage: Romano imperio
adunavit
]
EbvErf
2119.
–
‘sich zusammentun, sich jmdm. anschließen’
Alban sich zu im ebende / und wart mit ime wonehaft HeslNic
4242;
daz gebeine daz dar tot lac, / zu samene sich
ebende [sich zusammenfügte] , / daz iz stunt als do
is waz lebende HeslApk
18253;
so rate ich, daz du ebenes / dich mit gelouben sunder spot / an den
almechtigen got Pass III
634,6
MWB 1 1467,56; Bearbeiter: Diehl
ëben|erbe
stN.
‘gleichmäßig geteiltes, entsprechendes Erbe’
[im Himmel ist] daz unerrahliche lon. daz gotesebenerbe.
sin wnniglich mitewist Himmel
41
MWB 1 1468,41; Bearbeiter: Diehl
ëben|erbe
swM.
‘Miterbe’
ob er si ebenerbe [
coheres
] sines herren
PsM
H 49,3;
[die Apostel] kâmen an daz rehte zil, /
[...] / die engel sint ir gesellen, / ir ebenerbe daz
ist Krist LBarl
4787;
so sol der vorgenante hof [...] wider vallen an daz
vorgenante closter [...], vnd sol dar nach kein vnser erben
oder ebenerben keinerhande vorderunge oder anesprach han UrkHerrenalb
5,347
(a. 1306)
MWB 1 1468,45; Bearbeiter: Diehl
ëbenest
Adv.
→
ëben
2.1
MWB 1 1468,54;
ëben|êwec
Adj.
‘gleichermaßen ewig’ (überw. bezogen auf Christus):
daz dû, herre himelischer vater, dînen einbornen hâst geborn dir ebenêwic,
ebenhêr an allen dingen DvAOff
49;
din ebinewiger sun Litan
94;
PsM
C 11,6;
PrOberalt
29,21;
Erlös
6027;
daz dú mentschait bi der gothait ist und sol sin eben ewig und gewaltig
PrGeorg
324,27
MWB 1 1468,55; Bearbeiter: Diehl
ëben|êwecheit
stF.
‘(gott-)gleiche Ewigkeit’
ich gloubo [...] eina ebenewigheit des uater, unde
des sunes, unde des heiligosten geistes BambGlB
136,5;
got unt dîn eben êwikeit / mit drin persônen underschriben, / sî des gelobt,
daz unser leit / der drîer einer hât vertriben, / der dir ze kinde ist bî beliben
RvZw
Leich 1;
durch din eben ewekeit, hilf uns, der engel vrouwe! MarGr9
7,18;
MarGr10
35,10
MWB 1 1468,63; Bearbeiter: Diehl
ëben|êweclîche
Adv.
‘gleichermaßen ewig’ (bezogen auf die Trinität):
ich glóubo daz der gotes sun [...] dohie
ebenewicliche uone sinemo heiligin uater giborn was BambGlB
136,23
MWB 1 1469,8; Bearbeiter: Diehl
ëbengelîch
Adj., Adv.
‘genau übereinstimmend’
[Johannes d. Täufer] , ebinglich den engilin, ain scherige
des heiligin Cristis Spec
81,17;
in ebengelîcher wîse Tr
8105;
gegen einer iegelîchen sunde er gedâhte / einer ebengelîcher
[entsprechenden] buoze Aneg
2671;
sus sî Tristan geleitet / [...] /
sînen gesellen ebengelîch, / ebenziere und ebenrîch Tr
4989.
– präd.:
wâren si ze himele ebengelîch und ebenhêre
Kchr
8788;
ir sît alle ebenglîch / der geburt: ich meine / dienstman ze Pîlsteine. /
etlîch die sint baz geborn, / sô sint sumlîch ûz erkorn Helbl
6,164.
– adv. ‘in gleicher Weise, genauso’
het er gephlegen drîer rîche, / im wirt der erden ebengelîche
/ mit getäilet als einem durftigen Erinn
568;
David der sellden riche / teiltin eben geliche / den roup
als er wolte RvEWchr
26190;
ich glóubo eina gotheit, ebenglîche guotlichi, ebenewige maginkraft, eina
uurstwesende natura BambGlB
136,1.
– subst. ‘Standesgenosse’
seit daz reht wil daz ein iegleicher gen seinem ebengeleich und ebengenoz
chainen gewalt [...] niht enhaben
[...] sol StRWienerNeust
55
MWB 1 1469,12; Bearbeiter: Diehl |