enste
Adj.
‘sanftmütig, wohlwollend’
den tumbin was her [Heinrich III.] sceirphe, / den
guͦtin was er einste Anno
35,8
MWB 1 1656,31; Bearbeiter: Runow
enste
stF.
ahd. anst (zur Bildung des zweisilbigen Nom. vgl. 2
5Mhd. Gr. § M 19); sw. Gen. HeslApk
7995 (vgl. Anm.z.St).
‘Zuneigung, Gnade, Hingabe’ (übers. lat. affectus [cordis], devotio,
caritas [fraternitatis]):
dc was der hailige gaist [...] den
sante uns Christ unser bruͦder. wande er diu enste ist der gotes guͦte
TrudHL
131,18;
er [...] wart mensche / durch unsir allir enste / ze
troste und ze heile / der werlt al gemeine Glaub
570;
er gelovbe mit innegir enste des herzen BrHoh
7.
20;
daz sie [die Christenheit (Akk.)]
nicht her vordrucken mac / von gotlicher enste, / der tuvel noch sin gespenste
HeslApk
17261;
die varwe [das Grün des
Smaragds] nicht vorblichet / von der sunnen luchten / noch von des
wazzers vuchten; / noch suzer ensten er
[Christus] gruende [noch mehr ‘grünte’ er
mit lieblichen Gnadengaben]
ebd.
7995
u.ö.
MWB 1 1656,34; Bearbeiter: Runow
enstec
Adj.
‘sanftmütig, wohlwollend’
den sundigen luten / was der herre guͦte / uil harte enstic
Ägidius
978;
gratiosus: enstiger SummHeinr
2:315,89
MWB 1 1656,52; Bearbeiter: Runow
enstecheit
stF.
‘Zuneigung’
in dirre selben fuͦge / sprach ouch di frouwe cluͦge, / da si di lude weinden
[beweinten] , / ir enstekeit bescheinden, / da si von
hinnen gahete, / ir selec ende nahete Elis
9152
MWB 1 1656,55; Bearbeiter: Runow
enstëchen
stV.
→
entstëchen
MWB 1 1656,59;
ensteclich
Adj., Adv.
‘innig, liebevoll, gnädig’
dû [Gott] ê sie
[Maria] gesoͮget hetest mit dînir ensteclicher minne
TrudHL
14,21;
die süezen trähene dîner ensteclichen gestungede
[Hingabe]
TrudHL (O)
144,9;
di liez ouch nu die reine / mit ensteclicher weine / in ruwelichen leiden /
mit sufzen von ir scheiden Elis
6914;
si lac den frouwen alles ane / mit gar ensteclicher mane, / di kint zu doufene
hetten ebd.
8214
u.ö.
– adv.:
unser herre alleine, / der [...] ir di bane wisete /
zu ir vaterlande heim, / des licht ir enstecliche engleim
[leuchtete]
Elis
9070
MWB 1 1656,60; Bearbeiter: Runow
enstellen
swV.
→
entstellen
MWB 1 1657,8;
ensten
swV.
zu enste stF.
‘jmdm. lieb werden, sich beliebt machen’
sô er [Esau] iz [die
Jagdbeute] denne hine heim brâhte mislicher muose er gedahte, /
vile wole er iz phefferôte, sînem vater er dâ mite enstôte Gen
1080
MWB 1 1657,9; Bearbeiter: Runow
en|stet,
en|steten
Adv.
‘an der Stelle’
dô lâgen si ensteten, / unz in der kunic enkegen kom
Ottok
9563;
alsô lâgen si enstet ebd.
15339.
–
‘auf der Stelle, sogleich’
so wil ich [Gott] das der sunnen
schein / zeir ursprunge wider chere / und sich der tach so mere, / oder wil
er [Ezechias] das sy ste en stete, / ich erhore auch
dar an sein bete HvBurg
2229
MWB 1 1657,14; Bearbeiter: Runow
ensticken
swV.
→
entsticken
MWB 1 1657,22;
enstiften
swV.
→
entstiften
MWB 1 1657,23;
enstîgen
stV.
→
entstîgen
MWB 1 1657,24;
enstlich
Adj.
‘liebevoll, gnädig’
nû lâ mir die suͦzen trahene̜ dîner enstlichen gestungede
TrudHL
144,9
MWB 1 1657,25; Bearbeiter: Runow
enstôʒen
stV.
→
entstôʒen
MWB 1 1657,27;
enstricken
swV.
→
entstricken
MWB 1 1657,28;
en|strîte
Adv.
‘wetteifernd, um die Wette’
ich han geschafft umb ein gewant. / daz wiͤrt zu der
hochczeit, / daz iͤr dar inn get enstreit / mit der hertzoginn zu chor
Teichn
360,40.
– in der Verbindung
~ gegen:
ein kristalle, lûterr danne ein glas
[...]; / des süeze enstrîte gegen wac / bisem und spicâ
nardî [Moschus und Lavendel]
Wig
10365;
ir schœne gap den andern schîn / enstrîte gegen dem liehten
tage ebd.
10522
MWB 1 1657,29; Bearbeiter: Runow
enstrûchen
swV.
→
entstrûchen
MWB 1 1657,38;
ensweime
Adv.
‘gleitend, schwebend’
mîn herze hebet sich ze spil, / ze vröiden swinget sich mîn
muot, / alse der valke envluge tuot / und der are ensweime MF:Reinm
7: 5
MWB 1 1657,39; Bearbeiter: Runow
en|t-
s.a. en|d-
MWB 1 1657,43;
ent-
Präf.
en-/ent- in deutschen verbalen Präfixbildungen hat sich aus zweifacher Wurzel
germ. *in- bzw. *and- entwickelt. Es ist davon auszugehen, dass
germ. and- (in allen westgerm. Sprachen) bereits in voreinzelsprachlicher
Zeit zu an-, on-, in- reduziert wurde. Infolgedessen kam es im Ahd. zu einer
Vermischung des aus and- entstandenen in(t)- mit in-.
Der Unterschied zwischen in(t)- (^< and-) und in- ist im Ahd.
z.T. noch daran erkennbar, dass bei einigen ursprünglichen in-Verben der
Anteil der t-losen Präfixvariante in- deutlich höher ist als bei
den ursprünglichen int-Verben. In mhd. Zeit haben sich die Grenzen verwischt.
Hier zeigt sich eine allomorphische Spaltung des Präfixes in die Varianten
ent- und en-, deren Distribution weitgehend vom Anlaut des
Basisverbs abhängt (vgl. 2
5Mhd. Gr. L 74 und ausführlich 2DWB 8,1339). Die Lemmaansätze des
MWB nehmen diese Tendenz auf und berücksichtigen je Folgegraphem nur einen Ansatz: So
erscheint en- bei den Verschlusslauten b, d, g und p, t,
k sowie bei z; alle übrigen werden unter ent- angesetzt.
Die Verteilung von enph- und entv- richtet sich nach den zugrunde
liegenden Simplicia. Als Orientierungshilfe erscheinen z.T. Doppelansätze. Außerdem
helfen Verweise beim Auffinden der Lemmata.
MWB 1 1657,44; Bearbeiter: Runow
ent|ænegen
swV.
refl. ‘sich entledigen, verzichten’ (mit Gen.d.S.):
auch habe wir vns der selben zehenden gevzzert vnde verzigen vnde aller dinge
enteniget UrkCorp (WMU)
3130,44
MWB 1 1658,7; Bearbeiter: Runow
ent|ânen
swV.
auch entænen ( Reinfr ,
KvWTroj ).
1 tr. mit Gen. 1.1
‘jmdn. einer Sache berauben’
1.2
‘jmdn. von etw. befreien’
1.3
‘jmdn. vor etwas bewahren, verschonen’
2 refl. mit Gen.-Obj. 2.1
‘sich von etw. befreien, etw. loswerden’
2.2
‘auf etw. verzichten, sich entziehen’
1
tr. mit Gen.
1.1
‘jmdn. einer Sache berauben’
dabî hât mich entânet mîner sinne / mîns herzen trôst und
ouch mîn küniginne SM:WvT
2: 1,5;
er ist unschuldic und ich frî / aller valschen tæte. / ob aber ich im hæte
/ dienstes lôn entwænet, / dâ von würde entænet / mîn lîp keiner wirde
Reinfr
5248.
– in der Wendung jmdn. des lîbes ~
‘töten’
ich wart / verraten von Walwanen, / der wil mich hie
entanen / des libes WhvÖst
5016
1.2
‘jmdn. von etw. befreien’
das ist sein angst und sein chlag / und pitet got alle
tag / das er in [den geistlichen man
] der [
bechorunge
] entane, / und wierdet ier doch nicht ane HvBurg
2659;
ach got, wiltu entane [Inf.] /
mich vræuden und libes WhvÖst
10584
1.3
‘jmdn. vor etwas bewahren, verschonen’
doch wolte si [Thetis] des wænen, / si möhte in
[Achill] wol entænen / der veigen misselinge
KvWTroj
4658
2
refl. mit Gen.-Obj.
2.1
‘sich von etw. befreien, etw. loswerden’
die gevangen schar, / der wolt ich mich entanen gar
RvEWh
12800;
ich [...] / han von dem gote
Tervigande / beide shaden und shande. / ich wil mich sin entanen
Rennew
27627.
33856;
die gedenke vielen in / sîn herze sô ze grunde, / daz er niht enkunde /
noch moht sich ir entænen Reinfr
4025;
der herre ouch kurzelîche hât / der wâfen sich entænet [die
Waffen abgelegt]
ebd.
2627.
–
‘frei sein von, sich abwenden von etw.’
Alyse, [...] / nu wise mine
sinne / der pflege diner meisterinne, / [...] / die
sich kunde entanen / swaz gein valshe sich gezoch Rennew
7464
2.2
‘auf etw. verzichten, sich entziehen’
du bist gebildet, mensche, nach im [Gott] . /
[...] du solt dich siner helfe niemer vrevenliche
entanen Marner (W)
1:2,6;
der bete dich, frawe, entane Rennew
19573;
EckenlE2
204,11.
– in einem mit sô eingeleiteten Rel.-Satz:
swc rechtvnge der meiier vnd der banwart vnz her hatten an dien
gvͤtern, so wir vns entânet han, die svlen si hinnan vúr lidekliche han
UrkCorp (WMU)
273,5
MWB 1 1658,11; Bearbeiter: Runow
entb-
→
enb-
MWB 1 1658,51;
entd-
→
end-, ent-
MWB 1 1658,52;
ente
stswF.
→
ant stM.
MWB 1 1658,53; |