Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   enbir - enbrëchen    


enbir Subst. zu enbërn . ‘was man nicht hat’ irbarmen, vride ist ir [sündhafter Menschen] enpir HeslApk 23066

MWB 1 1598,27; Bearbeiter: Runow

enbîten stV. 1 ‘warten, zögern’
2 ‘auf etw./ jmdn. warten, etw./ jmdn. erwarten’
2.1 mit Gen.
2.2 mit Obj.-Satz
   1 ‘warten, zögern’ hie enbitens ouch nimêre: / Tristan und sîn vriunt Rûal / die schiffeten [...] heim wider ze Parmenîe Tr 5172. 2466; niht enbîtet, / zû dem her ir rîtet / und sêt, daz sie unfûgen niht Kreuzf 845. 3876    2 ‘auf etw./ jmdn. warten, etw./ jmdn. erwarten’    2.1 mit Gen.: dâ [in der einœde ] sol ich zallen zîten / sîner [Christi] gnâde enbîten LBarl 569; ist daz ich under wegen sî / vier tage oder drî, / zehant enbîtet mîn nimê, / entrinnet wider über sê Tr 8721; dône chunden die argen schalche niht / der rehten zît enbîten KvHeimUrst 261; MarlbGr 539; Serv 3501. ôwê wie kûme ich des enbîte! [ich kann es kaum erwarten] Eracl 892. nû vernemt [...], / wâ got vor allen tagen was / und vor aller geschefte: / [...] / in im selben er was. / enbor truoc in sîn gotheit. / owê, wie sanfte er enbeit / dirre werlde gruntveste! [s. Anm.z.St.: ‘wie bequem kam er doch ohne diese Welt aus’ (wörtl.: ‘konnte er auf die Schöpfung dieser Welt warten’)] Aneg 96    2.2 mit Obj.-Satz: ia enbait er uil chume / daz er Turpin uant Rol 4382

MWB 1 1598,30; Bearbeiter: Runow

enbîʒen stV. auch inbizen (vgl. ínbîʒ ); sw. Prät. EvBeh Lc 11,37. 1 intr. ‘essen, eine Mahlzeit zu sich nehmen’
2 mit Gen.-Obj. ‘Nahrung (Essen und/ oder Trinken) zu sich nehmen, (von) etw. kosten’
3 in der Wendung enbizzen sîn ‘gespeist haben, verköstigt sein’
   1 intr. ‘essen, eine Mahlzeit zu sich nehmen’ des anderen tages dô man enbaiz, / dô brâht er si, gotewaiz, / ze hove Kchr 11948; snellîche dâ enbizzen wart Parz 803,27; daz ich dem botten ze enbîssenne geben sol, der mir den zins da bringet UrkCorp (WMU) 2654,40; kuͦmit und inbizzet! EvBeh Io 21,12; NibB 944,2; StatDtOrd 32,22. dô bat en etlîcher Pharisêus daz her inbizzete bî ime EvBeh Lc 11,37    2 mit Gen.-Obj. ‘Nahrung (Essen und/ oder Trinken) zu sich nehmen, (von) etw. kosten’ duo bevalech got deme manne [...] daz er sîn ouge chêrte von eineme boume, / noch des inbizze des dâ ûfe wuohse Gen 279. 388; swanne ein brûder beginnet zu sîchene, sô mac er uffe sînem bette zu drîn mâlen ezzen unde doch alsô, daz er dâ vleisches, eiere, keses, vische unde wînes iht enbîze StatDtOrd 68,25; ich enbeiß nie eßens noch trinckens dort innen Lanc 469,6; KvWHerzm 445. ich sag eu daz ze war daz ir deheiner miner wirtscheft enbizzet [Lc 14,24: gustabit coenam meam ] die her geladen waren PrOberalt 121,20; der [ napf vol wines ] was vil heiz. / do des der arm man enbeiz, / do bruͦt ez in an den munt StrKD 62,24; der allerpeste / prunne deß ye man enpayß HvNstAp 18005; Kchr 7556; Tr 11458. – mit Akk.-Obj. (?): der marcrâve alêrst enbeiz / gâhes pitît mangeiz Wh 103,23    3 in der Wendung enbizzen sîn ‘gespeist haben, verköstigt sein’ er was noch nicht enbizzen ReinFu K,861; dô si enbizzen wâren, si wolden dannen varn NibB 1688,1; des morgens, so der voit enbizzen ist vnd an sin gerihte sitzet, so sal er von erst rihten vber alle die clage der schultheizen UrkCorp (WMU) 29,30; Parz 45,20. – übertr.: sæch aber ich die stunde, / daz mir von ir munde / wurt ein küssen, wol wær ich enbizzen! SM:Ro 8: 1,10

MWB 1 1598,52; Bearbeiter: Runow

enblæjen swV. refl. ‘abkoten’ welch ros won dem futir ist czu rehe [starr] , daz bleit sich unde kerit alle vire of. dem sal man seyfe in den lip stoßen: zo enbleit is sich Albrant 3,25

MWB 1 1599,25; Bearbeiter: Runow

enblanden stV. 1 ‘jmdm./ sich etw. zur Aufgabe machen, auferlegen, aufbürden’
1.1 mit Akk.-Obj.
1.2 mit Gen.-Obj.
1.3 mit Obj.-Satz
2 in Wendungen
2.1 ëʒ dem lîbe/ den (armen unde) handen ‘sich anstrengen, etw. in Angriff nehmen’
2.2 den ougen/ den handen etc. jâmer/ leit (o.ä.) zum Ausdruck von Trauergesten (Weinen, Kleider vom Leib reißen, Händeringen)
3 als Part.-Adj. ‘mühselig, widerwärtig, lästig’
3.1 in der Verbindung ~ wësen ‘sich bemühen’
3.2 in der Wendung sich etw. ~ lâʒen (wohl elliptisch für ~ sîn lâʒen ) ‘etw. mit Eifer betreiben’
   1 ‘jmdm./ sich etw. zur Aufgabe machen, auferlegen, aufbürden’    1.1 mit Akk.-Obj.: der ditze hât getihtet, / [...] / er heizet Wirnt von Grâvenberc. / der werlte ze minnen / enblient erz sînen sinnen Wig 143; ob [...] si iender dehain arzât vunde / in allen den landen, / der im [sich] daz wolte inblanden, / ob er ir hêrren mahte gehailen Kchr 12422. 11557; got eine mac iu helfen hin, / ob er imz enblanden wil: / wand im ist nihtes ze vil Iw 6343; der knabe enblient dem rosse daz / (mit sporn ruorte erz deste baz) / daz ez deste wîter spranc Bit 2953; JTit 3741,4    1.2 mit Gen.-Obj.: misch daz allez ze samen unde soufe daz siben tage [...]. mügestû dir des niht enblanten, sô nim louterz regenwazer [...] und trinchez Barth 158,7; ee nün dye lerer ain not / litenn in fromden landenn / und in predigens da enplanden, / sy peleibent hie haim pey mir Märt 9748; dez wold er in nicht enplanden Teichn 40,65    1.3 mit Obj.-Satz: wie mugt ir iu enplanden / daz ir so ungelaubehaft seit? GvJudenb 3480; möht ich dâmit bringen / mîn sun ûz den banden, / darumb ich mir enplanden / wolt, daz ich immer arm wære Ottok 4982    2 in Wendungen    2.1 ëʒ dem lîbe/ den (armen unde) handen ~ ‘sich anstrengen, etw. in Angriff nehmen’ noch muoste erz enblanden / grimme den handen, / esn wære anders niht geschehen Er 2688; wir müezenz starke enblanden / den armen unde den handen Iw 6391; swer mit schilt sich decken wil vor schanden, der sol ez dem lîbe wol enplanden KLD:UvL 38: 4,2. 16: 2,1; iwer iegelicher wirt ein helt, / ob irz dem libe enblanden welt TürlArabel *A 23,4. einen [Räuber] er [Erec] schiere / ouch tôten von dem rosse stach / unde daz sîn sper zebrach. / dô enblient erz dem swerte [kämpfte mit dem Schwert weiter] Er 3396    2.2 den ougen/ den handen etc. jâmer/ leit (o.ä.) ~ zum Ausdruck von Trauergesten (Weinen, Kleider vom Leib reißen, Händeringen): si begunde ir leit enblanden / den ougen unt den handen KvFuss 2151; Swämmelîn [als Überbringer der Todesbotschaft] anders niht ensach, / wan mit wintenden handen / den jâmer vaste enblanden / den ougen und der waete KlageC 3760. ëʒ den ougen/  handen ~ : swaz in [den Frauen] ze leide geschiht, / dâ wider tuont die guoten niht, / wan daz siz phlegent enblanden / ougen unde handen / mit trehenen und mit hantslegen Er 5766; dâ wart geweinet unt geschrît / ûf dem palase wît: / daz volc von drîzec landen / möhtz den ougen niht enblanden Parz 231,26    3 als Part.-Adj. ‘mühselig, widerwärtig, lästig’ der hunger wuohs ze Rôme in dem lande, / daz jâr wart harte enblanden, / daz liut hête michel ungemach Kchr 10402. 14127 u.ö.; der kampf dûht in enblanden UvZLanz 2087; unser leben ist enblanden, / suͤl wir ez lange liden Rennew 684. 30862. – mit Dat.d.P.: wurde iz in enplanden, / des fruͦte sich min sele Rol 2450. 7987; ir [der Seelen] leides was genuoc, / man was in vaste enblanden [quälte sie sehr] Tund 1131; Gâwâne wart enblanden / daz er den swæren schilt getruoc Parz 567,4    3.1 in der Verbindung ~ wësen ‘sich bemühen’ nuo wis niht enblanden, / daz verdiene ich gern ze aller zît UvZLanz (K) 2472    3.2 in der Wendung sich etw. ~ lâʒen (wohl elliptisch für ~ sîn lâʒen) ‘etw. mit Eifer betreiben’ lât iu den reien wol enblanden [tanzt nach Kräften!] Neidh (HW) 13,23; si liezen in strit enblanden [Anm.z.St.: ‘sie ließen den Streit mühselig werden (strengten sich sehr an)’] Rab 441,1 u.ö.; wie daz wurd understanden, / daz liez er im enplanden, / daz daz geschæhe mit îlen Ottok 22997; Kudr 718,4. – mit präp. Erg. anstelle des Obj.: swaz herren mohten gesîn / in Swâben oder an dem Rîn, / die schuofen nâch ir muote / mit des rîches guote. / ouch liezens in enplanden / in welhischen landen [bemühten sich, ihren Einfluss in Frankreich auszuweiten] / nâch keiser Fridrichs tôt Ottok 113

MWB 1 1599,29; Bearbeiter: Runow

enblâsen stV. ‘anblasen, blasend entfachen’ dar vnder hiezen sie machen / fur [...]. / do enwolde ez vnden noch obe / brinne [...]. / sie waren im vil vaste mite, / daz sie ez enpliesen Herb 15760. – übertr.: daz sint die ubelin blasbelge des ubilin smides des tuvelis die entblasin den zorn PrLpz (L) 140 (Glossar. s.v. blâsbalc)

MWB 1 1600,43; Bearbeiter: Runow

enblecken swV. selten Prät. -blahte ( Helbl 4,417). 1 tr.
1.1 ‘etw./ jmdn. entblößen, aufdecken’
1.2 mit präp. Erg., hier mit Refl.-Pron. ‘etw. ablegen’
1.3 bildl.
1.4 ‘etw. zu erkennen geben, zeigen’
2 refl. ‘sich zeigen, zutage treten’
   1 tr.    1.1 ‘etw./ jmdn. entblößen, aufdecken’ mit manegem dicken umbevanc / was ir antlütze verdecket / und niht ze sehen enblecket Parz 778,30. 818,22; er enplect daz houbet über al / unde zeigt, dâ er was kal Ottok 87184; der den vater decket / do er lag und waz enplecket, / da sint edel luͤt von worden Teichn 517,18; owê daz nû der selbe list [das Verhalten der Aspis, sich die Ohren zu verschließen] / niht mangen herren decket, / der bœser rede sîn ôre enblecket [sein Ohr öffnet für …] KvWLd 25,9; KvWPant 1605. – von den Zähnen: an allen disen dingen sol sich der gaischlich mentsche flisseklich huͦten [...]: lachen ane zen embleken; sehen ân ogen steken [starren, fixieren] ; reden ân hende streken PrGeorg 334,7 als Drohgebärde ‘blecken’ ez ist noch ein bewæret dinc, / sô man den fremden hunt ze vil / streichen unde triuten wil, / daz er enblecket sînen zan KvWEngelh 3537; [der Hund] enblaht die zend unde grein Helbl 4,417; KLD:Schulm 2:2,11    1.2 mit präp. Erg., hier mit Refl.-Pron. ‘etw. ablegen’ wan er [der Mensch] hât der sunden dorn / alsus an sich gestecket / und hât sich ouch enblecket / von der wirdekeide Erlös 500    1.3 bildl.: diz sint diu goukel hüetelîn / mit den der tiufel unkust bedecket, / die er doch hin nâch enblecket Renner 4074; si künnen ir schande wol bedecken / und ein kleine unzuht enblecken / eins andern und gar wîten ströuwen ebd. 22592. [Der Körper verhüllt die Seele wie eine Wolke die Sonne] were aber der wolke davon entplecket [weggezogen] , / so hette die sele so clar gesichte Pilgerf 6014    1.4 ‘etw. zu erkennen geben, zeigen’ daz wolde dir entecken / der alle dinc entplecken / kan mit siner ceswen hant / die dir waren umbekant Daniel 748; do wart ir vreud enblecket in sunnen varwer glenze JTit 165,1. – übertr. ‘etw. bloßstellen, bekanntmachen’ der schilt ist ein dach daz niht schande kan decken. / sîn blic [Blitzen] læt enblecken an êren die weichen KLD:UvL 16: 4,4; swer sines bruder missetat / im zu deheiner smacheit / saget unde machet breit / unde sie also enplecket Vät 19675    2 refl. ‘sich zeigen, zutage treten’ ûz der vinster gein dem liehte / het er sich enblecket Parz 613,13; wer mac des heizen fiures rôst / verbergen und verdecken? / ez kan sich wol enblecken / und öugen mit dem glanze sîn KvWTroj 21016; swâ gegen der sunnen sich enplect / der glast von den helmen Ottok 30025. 15752 u.ö. also kumt her [Christus] mit den wunden / vrischen an daz gerichte, / so daz an nimmer nichte / got vater sich entblecket, / wen in der sun bedecket / mit angenomener menscheit HeslApk 8947

MWB 1 1600,50; Bearbeiter: Runow

enblenden swV. ‘blenden’ mîn tumber sin vermîde daz, / daz mîn kunst niht enlêre, / daz männeglîch sîn vlîz dar zuo kêre, / wie man daz buoch bescheide. / ist daz durch liebe noch durch leide / noch zorn noch gâbe enblende, / daz man iuch von dem rehten wende, / swer daz tuot, der verliuset gotes hulde SpdtL 77,7

MWB 1 1601,40; Bearbeiter: Runow

enblenken swV. ‘etw. enthüllen’ do im Sigun enblenken solt ir lip biz dar sich leit der borte. / daz ander was verhullet JTit 4159,2

MWB 1 1601,47; Bearbeiter: Runow

enblîben stV. 1 ‘von etw. fern bleiben’ mit Dat.d.S.
2 ‘zurückbleiben, übrig bleiben’
   1 ‘von etw. fern bleiben’ mit Dat.d.S.: alle menschen die och gerne guͦte menschen weren, beginnent dis und des und gont alles mit den sinnen umbe und entblibent also der luter worheit und enkoment in sich selber nút Tauler 236,28; wie wir der worheit entbliben ebd. 75,26 u.ö.    2 ‘zurückbleiben, übrig bleiben’ ja werden si, di do entbliben sin, sich machen uz Jherusalem Cranc Jes 37,32; so sicht der geist [...], obe ime do út entbliben si Tauler 88,6

MWB 1 1601,50; Bearbeiter: Runow

enblîchen stV. ‘bleich werden’ man zuckt sy [die in Ohnmacht Gefallene] uff zehannd: / ir farb was ir enblichen, / ir krafft von ir gewichen FrSchw 7945

MWB 1 1601,60; Bearbeiter: Runow

enblœʒen swV. 1 ‘etw. bloßlegen, frei machen; jmdn. entblößen’
1.1 allg.
1.2 bes. ‘etw./ jmdn. entkleiden’ (überw. in Passivkonstr.)
1.3 von Waffen ‘zücken’
2 ‘jmdn./ etw. von etw. befreien’
2.1 mit Gen.-Obj.
2.2 mit präp. Erg. von
3 refl. ‘sich entblößen, entkleiden’
4 ‘(jmdm) etw. zu erkennen geben, offenbaren, zeigen’
   1 ‘etw. bloßlegen, frei machen; jmdn. entblößen’    1.1 allg.: man snyde von eyme czwige eynis boumis eyn stucke vnd entplose das stucke, das do blebin ist an dem boume Pelzb 121,14; enblœzet iwer houbet Parz 746,27; als wir mit enblœztem antlütze aneschouwen den glanz und die klârheit gotes Eckh 1:397,3; dô intblôzetin [deckten ab, öffneten] si daz dach dô her was, unde machten iz offin und si lîzen nider daz bette in dem der gichtige lac EvBeh Mc 2,4; JTit 5809,1. – mit präp. Erg.: er enblôzt imz houbet schier / von helme und von herssenier Parz 212,27. 748,3    1.2 bes. ‘etw./ jmdn. entkleiden’ (überw. in Passivkonstr.): ir brüste lûter unde klâr / stuonden ouch endecket, / enblœzet unde enblecket / ir sîten wâren unde ir lîp KvWSilv 974; nacket unde enblœzet gar KvWEngelh 3085; nû wart diu magt enbloezet schier. / an sich dructe sie der degen stolz und fier Loheng 2364; GTroj 6439    1.3 von Waffen ‘zücken’ Hen das swert aber entblost myt elenthaffter hant Alph 1204; jst daz zwen man oder mer in zorn gegeneinander auf wischten, vnd dhein wer enplosten StRVilsh 86    2 ‘jmdn./ etw. von etw. befreien’    2.1 mit Gen.-Obj.: den herzeric [Luftröhre des erlegten Wildes] er [Tristan] dô gevienc / [...] / und enblôztin aller sîner habe [streifte alles ab, was daran hing] Tr 2973. – meist in Passivkonstr.: dô wart enblœzet sîner habe / vil manec werder Franzeis KvWTurn 1024; er wirt enbloͤßet aller wat HvNstGZ 2889; diu sêle muoz als gar enblœzet werden alles des, daz zuogevallen ist Eckh 2:549,6. 5: 41,20; GTroj 20802; Boner 51,27. wer sein [des Maulwurfs] pluot streicht an die stat, dâ ainz enplœzt ist seins hârs [wo einer keine Haare mehr hat] , sô wehst im daz hâr wider BdN 160,31    2.2 mit präp. Erg. von: [der Strauß] hât ain sô dick haut, daz in niht freuset, wenn er von den federn enplœzt wirt BdN 223,29; daz ertreich enplœzt ist von dem wazzer an den steten, dâ die läut wonent und andreu tier, die ân luft niht geleben mügent ebd. 100,34; KvMSph 10,5; enbloͤs mich von aller unlidekeit Seuse 318,16; Eckh 3:266,1    3 refl. ‘sich entblößen, entkleiden’ ez sol kain brvͦder pie dem fivr sich vnerlich vnd vngeistlich nach wertlicher lvte gewonhait enblozen, wan daz zimet niht geistlich lvte SpitEich 40,8; als sich div keyserinne habe / enbloͤzet, so suͤlt ir abe / den slayer tuͦn vnd kuͤssen sie TürlArabel *R 270,4. sende swære ein sendebære vinden kan, / swenne enblœzet sich der tan / und die winde stôzent dran KvWLd 5,13. – mit Gen.-Obj. ‘sich einer Sache entledigen’ jârlanc wil diu heide mit leide / vrîjen unde enblœzen sich / liehter bluomen wünneclich, / die der süeze meie kunde bringen KvWLd 17,2    4 ‘(jmdm) etw. zu erkennen geben, offenbaren, zeigen’ sîn rôtez bluot er [Christus] uns ze schaden vor gerihte enblœzet KvWLd 32,35; wan nichtes nicht ist bedackit daz nicht intblôzet werde, noch vorborgen daz man niht wizzen werde EvBeh Mt 10,26. – übertr.: do rief er eime knappen dare / vnd enblozzete im gare / sin leit vnde sine swere Herb 11252; [wenn] sein [des Anklägers] botwaren [Verleumdung] vor dem gerihte enbloͤzzet wirt, dem botwarer sol man div zvnge auz dem halse sneiden UrkCorp (WMU) 2345,3; so enbloͤz ich min herz Seuse 174,7. merket gar ebene: der geschrift ist gar rehte, der sie entdecket [auslegt, erklärt] und sie entblœzen wil Eckh 2:288,2

MWB 1 1602,1; Bearbeiter: Runow

enblœʒunge stF. 1 ‘Offenbarung’
2 ‘Entäußerung, Verzicht’
3 der ~ stat , übers. calvariae locus ‘Schädelstätte’ als lat. Bezeichnung für den Berg Golgatha (pseudoetymol. zu lat. calvus ‘kahl’ ?)
   1 ‘Offenbarung’ von der entblœzunge des bildes [Gottes] in dem menschen sô ist sich der mensche gote glîchende Eckh 2:276,7; daz bekentnisse entgeistet den geist. diu entgeistunge des geistes ist ein entblœzunge aller wîse der einekeit, die die persône beslozzen hânt in rehter wîse Überschall (Pf) 519,39    2 ‘Entäußerung, Verzicht’ aller vollekomenheite hœster grât [ lît ] an enplœzunge des geistes von allem anevalle der unglîchnisse unde von trôste der crêâtiure PrEkkewint 232; ‘unde mîn sêle wart minnelôs’: daz ist diu entplœzunge aller mîner krefte unde mîner sinne Eckh (Pf) 507,37    3 der ~ stat, übers. calvariae locus ‘Schädelstätte’ als lat. Bezeichnung für den Berg Golgatha (pseudoetymol. zu lat. calvus ‘kahl’?): dô si quâmen an di stat di da heizet Golgatâ: daz ist der intplôzunge stat EvBeh Mt 27,33. Mc 15,22

MWB 1 1603,6; Bearbeiter: Runow

enblüejen swV. auch ontpluychen. ‘erblühen, aufblühen’ (übertr.): sîn herze ime enblüete; / wan in dô der Minnen bolz / hât alsô sêre troffen Virg 1000,6; daz dirde casteel hies ruychendale; / in dem casteel roecht also wale. / Amor beguͦnde syn hertz tzontpluychen, / so dedent dair die lieben ruychen. / nyen roese, fyole noch muͦschaet MinneR 496 231; von dem werke in gotte vnd von der gebvrt, da der vater gebirt sinen eingebornen svn, vnd von dem vs flvsse entblvͤget der heiliger geist Eckh 2:456,9; so ist got die erste sach / on dez wesen nichtz enpluͤt, / weder rich noch ander guͤt Teichn 581,93

MWB 1 1603,24; Bearbeiter: Runow

enblüemen swV. ‘entjungfern’ (Lehnübers. zu lat. deflorare): des legirs der Brûnhavin pflac / mit der magit alvorwâr / volliclîch en ganziz jâr / alsô îdoch, als sî darnâch / mit geswornem eide jach, / und mit meitlîchim zeichin, / [...], / sich offinlîch berûmete, / daz er sî nî intblûmete, / joch nî unkûschlîch angewant NvJer 19071; doch tet diu schœne dem gelîch, / als ob si leidic wære / [...], / daz ir enblüemet was der lîp KvWTroj 17059. Partonopier, getriuwer man, / wirde ich keines mannes wîp / für dînen werden süezen lîp, / sô muoz ich sîn vertüemet, / der mich hât enblüemet / an allen sælden iemer, / wand ich enwirde niemer / frî noch fröudenhaft als ê: / mir ist nâch dir ze tôde wê KvWPart 15670

MWB 1 1603,37; Bearbeiter: Runow

enblüemunge stF. ‘Entjungferung’ das eine [...] heißet geweldikeit, / das ander der unkuscheit mit sime geslechte deit, / das dritte der jungfrauwen entblumonge, / das vierde mit eins andern wibe umb gan Pilgerf 10819

MWB 1 1603,52; Bearbeiter: Runow

enbobene Adv., Präp. auch enboven, inbofen. ‘oben, oberhalb’ 1 Adv.
2 Präp.
2.1 lokal mit Dat. ‘über’
2.2 direktional mit Akk. ‘über … hinaus’
   1 Adv.: dih ruͦme vnde lobe, / herre Crist, hie enboven / al din creatura Glaub 1496; an dem gewelbe hoch enboben Pass III 280,17; der heilige geist kummet von inbofen in den menschen Tauler 38,5; Eckh 2:161,7. – in der Verbindung ~ tragen ‘überlegen sein’ gelouben, hoffen, minnen, / die buzen und enbinnen / glich sin an irme tuene / kegen der gotes suene, / daz ir niekein in gotes loben / treit under noch enboben HeslApk 21216    2 Präp.    2.1 lokal mit Dat. ‘über’ du [Maria] bis enboven in allen, / wand, wiͤ wal si god bevallen, / si muͤzen under dinen vuͤzen sin MarlbRh 110,35; vil hôhe enboven der erde En 9394; ei nu vreut uch alle in gote / der den gescheffeden ist enboben Pass I/II 98,31    2.2 direktional mit Akk. ‘über … hinaus’ die suͦlen varin wonnen ce Numegin ove da beniedene; in boven [(flussaufwärts) nach oberhalb von] Numegin [Neumagen] ensuͦlen si niemer kuͦmin UrkCorp (WMU) 78,45. – übertr.: so suͦlen wir ire schuldich sin ze geldene in boven dat hovet guͦt hundert malder half weizze inde half rocge UrkCorp (WMU) N223,33

MWB 1 1603,57; Bearbeiter: Runow

enbor- bor- Präf.

MWB 1 1604,17;

enborbinnen Adv. ‘oben darin’ des selbin jâris ouch geschach, / [...] / ein ertbibunge sêre grôz, / dî drîes gab sô harten stôz / mit schutte dem gebuide, / daz kuime sich dî luide, / dî impor binnen wârn, / mochtin vallis bewarn NvJer 22744

MWB 1 1604,18; Bearbeiter: Runow

enbore Adv. ‘hoch’ 1 lokal ‘oben, in der Höhe’
2 direktional ‘nach oben, in die Höhe’
   1 lokal ‘oben, in der Höhe’ nû hienc ein tavel vor dem tor / an zwein ketenen enbor Iw 300; Pînel der kurteys, / [...], / den lîp verlôs, des prîs embor / noch hiut in hôher wirde swebt Wh 45,12; do die uf der wer enbor / vernament vientlichen krie RvEWh 1386; Lucid 45,9; KvWTurn 40    2 direktional ‘nach oben, in die Höhe’ er sluc, daz daz houbet enbor / flouc Herb 5766; sîne hende habter enbor / und sach vil tiure hin ze got Wig 7113; die lute die da waren vor, / dahten daz ieman enpor / zu im gestigen were Vät 1398; Barth 149,4; Iw 4672. – bildl.: ir herze daz vuor rehte enbor, / als ez gevidert wære Tr 5244; sîn [des Meißners] adellichez dœnen, daz dâ klinget hôhe enbor KvWLd 32,294; witiben und waisen [...] / trügen ïr gemüt enpor / und nïeten rechter frewden sich Märt 15143; Parz 649,27; RvEBarl 2354

MWB 1 1604,23; Bearbeiter: Runow

enbœrec Adj. ‘aufrührerisch’ swem so der pris enpfalle, daz er fluchticlichen werde enboͤric, / swer dem git den tot, dem wirt zesolde / der got und ouch der wibe lon JTit 3123,2

MWB 1 1604,41; Bearbeiter: Runow

enbœren swV. 1 ‘etw. in die Höhe heben; etw./sich erheben’
1.1 konkret
1.2 übertr.
1.2.1 ‘das Herz/ die Seele zu Gott erheben, auf ihn ausrichten’
1.2.2 ‘(jmdm. das Gemüt, die Stimmung) erregen; erfreuen’
1.2.3 ‘etw. anheben, beginnen’
2 intr., Bed. unklar
3 mit Refl.-Pron. ‘sich auflehnen, zur Wehr setzen’
   1 ‘etw. in die Höhe heben; etw./sich erheben’    1.1 konkret: nu begunde hohe enboͤren / der ander sine stange Rennew 30652; der slegel aber enbort / wart WhvÖst 12068; [ich will] den mînen lîp mit manegem sprunge enbœren Neidh SL 20:4,2; Loheng 5433. – refl. ‘sich erheben, aufstehen’ des morgens gein der heiden maht / sich daz her begunde enbœren Wh 316,15; do er da lac, / [...], / da er die stimme erhorte; / uf er san enborte / sich sanfte und auch vil lyse Rennew 5180; WhvÖst 14476    1.2 übertr.    1.2.1 ‘das Herz/ die Seele zu Gott erheben, auf ihn ausrichten’ zetugent si [die Braut auf der Hochzeit zu Kanaan] emport / dem der si nemmen hoͤret, / lip und die sel beide SHort 5687; als sich dc wolchen enboͤret von der êrde, als wil sie der hailige gaist och enboͤren von allen weltelichen dingen PrSchw 1,33; daz sich di sele inbore [...], daz si di irluchtunge der engle muge inphahin Parad 46,19    1.2.2 ‘(jmdm. das Gemüt, die Stimmung) erregen; erfreuen’ mir ist [...] daz herze mîn ze vreuden hôch enboeret Loheng 4703; des wart Sigune an vreuden hoch enpoͤret JTit 4953,3. 1506,2; hubscher muot und wâfen / zeinander niht gehôrt. / hubscher muot enpôrt / den herren solhen gedanc, / dâvon ir trûren wirt kranc Ottok 730. – refl. ‘sich freuen, leicht werden’ des sich enpôrte / mîn muot und mîn herze, / daz der pîn und der smerze / solde sîn zergangen Ottok 44174; dô ich daz beide gesach und gehôrte, / daz man si hâte sô verre verguot, / von deme lobe ich mich tumplîch enbôrte, / daz ir diu werlt alsô güetlîchen tuot KLD:HvSw 14,3; nie hertze sich enporte / so hoh SHort 922    1.2.3 ‘etw. anheben, beginnen’ von in wart vil rîcher sprüche enboeret Loheng 6886; dô si die red enpôren / begunden der gemein Ottok 65958. 17419. – refl. ‘entstehen, aufkommen’ vil vreuden sich enporte an Elizabel der suͤzen JTit 142,1; grôzer schal sich enpôrte Ottok 16071. 12309    2 intr., Bed. unklar: nu was des waldes ouwe / begriffen mit unmuoze, / wan manic vogel suoze / sîn stimme lie dâ hœren, / wan der meige enbœren / von abrellen wolte [sich über den April erheben, ihn ablösen (?)] Reinfr 27516    3 mit Refl.-Pron. ‘sich auflehnen, zur Wehr setzen’ etlich der kleinen dienstman, / die sich [...] / niht getorsten [...] offenlich enpœren Ottok 55807. – mit präp. Erg.: gen eẃern vinden soͤlt ir úch entpoͤrn / und die uß dem lannd stoͤren FrSchw 3759; lose mih uon den uianden minen [...] unde uon den anboriden an mich lose mich [ ab insurgentibus in me libera me ] PsTr 58,1

MWB 1 1604,45; Bearbeiter: Runow

enboren Präp. ‘über’ (mit Dat.): Chamille div werde [wurde bestattet] : / vil hohe enboren der erde / bei ir templo an ein stat, / da si sich selbe legen bat En (Fm) 9394

MWB 1 1605,33; Bearbeiter: Runow

enbraʒieren swV. ‘jmdn. umarmen’ (aus afrz. enbracier): si begunden in ze wunder / mit armen enbrazieren, / höfschlîche salûieren [begrüßen] Tr 4329

MWB 1 1605,37; Bearbeiter: Runow

enbrëchen stV. 1 tr. ‘etw. aufbrechen’
2 intr.
2.1 ‘hervorbrechen, zutage treten’
2.2 ‘freikommen, sich losreißen von etw.’
2.3 ‘mangeln, fehlen’ , mit Dat.d.P.
2.4 als Übers. zu lat. deficere ‘schwinden’
2.5 rechtsspr. ‘sich entlasten, der Anklage/ Verantwortung entziehen’ (s.a. enbrësten 3 )
3 refl. ‘sich losreißen; weggehen, entkommen’
3.1 mit präp. Erg.
3.2 mit Gen. ‘von jmdm. loskommen’
   1 tr. ‘etw. aufbrechen’ die erde man da wit enbrach / mit schufeln, howen und mit spaten, / daz si doch nindert in zu staten / vunden eines wazzers tran Pass III 663,36. – ‘etw. losbrechen, entspringen lassen’ barmherzicheit cluge sinne / genade vnd suze minne / da mite vlizzen diese bach [des Paradieses] / die vnz die minne selbe enprach / vz dem lebenden brunnen Pass I/II 113,38. – ‘jmdm. den Weg bahnen’ in sulcher forme quam darna [nach dem Sündenfall] / die milde barmherzekeit, / als ich da vor habe geseit, / da ir die minne ir ganc enprach Pass III 4,13    2 intr.    2.1 ‘hervorbrechen, zutage treten’ mit gewalt ouch enbrach / her dan von siner tugende / zucht mit schoner iugende Pass III 355,12    2.2 ‘freikommen, sich losreißen von etw.’ dich sloge der selue ualant! / inbreche her uon der lannin, / din leuent [Leben] were irgangin Roth 4686    2.3 ‘mangeln, fehlen’, mit Dat.d.P.: – und Gen.d.S.: swer die tugent wolde lazen [...], / den liez got gnaden unprechen / da von siner barmeherzekeit; / der hellen grunt waz in bereit HeslApk 8644; ja inpricht nicht deme pristir der e noch deme wysen ratis noch den propheten rede Cranc Jer 18,18; wir willen wol verclagen / hîr nâch wes uns nû enbrechet Crane 767. – und Akk.d.S.: da von war im [Gott] nicht enprochen [hätte er nichts entbehren müssen] , / war all dw werlt zu hell [in der Hölle] beliben Teichn 337,60. 564,1548    2.4 als Übers. zu lat. deficere ‘schwinden’ entprichet des sneyz Lybani von den steynvlinzen des ackirs [ numquid deficiet de petra agri nix Libani ] ? Cranc Jer 18,14    2.5 rechtsspr. ‘sich entlasten, der Anklage/ Verantwortung entziehen’ (s.a. enbrësten 3): wer sich um einvoltigeu wunden unschuldigen will, der schol selb dritter enprechen auf dem chreucz StRBrünn 358    3 refl. ‘sich losreißen; weggehen, entkommen’ min iuncvrowe vnd ich / vns hinnen vntbreken Segremors 20,50; dar nach hiez er balde in vlien / vnde zv lande in wider zien / [...] / der dyaken sich enprach / vnde quam so hin zu lande Pass I/II 366,69    3.1 mit präp. Erg.: von yn er aber sich enbrach, / gebet daz selbe er aber sprach EvStPaul 4994; so mag sich der gast enprechen / von dem rauber Teichn 545,28. 169,31; Pass III 569,89. dirre furste here, / [...], / kume sich abe in enbrach Elis 4279    3.2 mit Gen. ‘von jmdm. loskommen’ wie er sich enbrach der Franzoisinne, / des wil ich hie geswîgen Tit 37,3. – ‘sich (einer Anklage) entziehen’ dise hêrren [die Beschuldigten] mînen tôt / [...] / haben gesworn, / [...] / wen ich hie getriuwen hân, / der helfe mir sie grîfen an, / unz daz sie sich enprechen / des ich hân ze in ze sprechen UvEtzAlex 18145

MWB 1 1605,41; Bearbeiter: Runow