er|bëtelich
Adj.
‘gnädig, nachsichtig’
erbetelih erdigelih wis [interl. zu deprecabilis esto
] du uber scalche dine PsWindb
89,13
MWB 1 1809,42; Bearbeiter: Richter
er|bëteln
swV.
‘etw. erbetteln’
si hofte erbeteln etewaz, / davon si mochte vurbaz / ernern ir vil armez leben
Pass III
648,37;
diu rotte fuor beschiltet / nâch wunsche und ouch besetelet. / man hete niht
erbetelet, / swaz si gezierde brâhten dar KvWTroj
32650;
swaz wir rebetelen baide, / daz ist algemaine
Kchr
2757;
ElsLA
734,9
MWB 1 1809,45; Bearbeiter: Richter
erbetôt
stM.
durch den Sündenfall bedingte Sterblichkeit des Menschen:
Criste, der sich gab / vrikuric [aus freiem
Willen] in unser leit, / do sin untotliche gotheit / an zoch unsen
erbe tot HeslApk
10273;
sin gebinediet leben / wolder zu dem tode geben, / uf daz unser erbetot / sich
bezilte [ein Ende nehme] mit der not / an dem lichamen
sin Pass III
82,39
MWB 1 1809,52; Bearbeiter: Richter
erbevater
M.
Adoptivvater, der das Kind als Erben annimmt:
Tristan, gâ her und küsse mich! / und zwâre, soltû leben und
ich, / ich wil dîn erbevater sîn Tr
4301
MWB 1 1809,60; Bearbeiter: Richter
erbeveste
stF.
‘erbliche, ererbte Burg’
man setzet die geste / oͮf iwer erbe veste Dietr
7993
MWB 1 1810,1; Bearbeiter: Richter
erbevîent
stM.
‘seit Generationen verhasster Feind, Erbfeind’
we, wi bin ich [Helena] sus
geuort [dorthin entführt] , / da min erbe finde sint
Herb
2665;
also reit Antenor / mit sinen gesellen vf daz spor / gegen der
stat, dar inne was / ir erbe fiant Pelias ebd.
1932;
dem argen anticriste, / [...] / wirt
ein erbe vient dan [beim Jüngsten Gericht]
HeslApk
18513
MWB 1 1810,3; Bearbeiter: Richter
erbevîentschaft
stF.
‘ewige Feindschaft, Erbfeindschaft’
ein erbe vientschaft / under im [dem
Teufel] waz und der menscheit HeslApk
6094
MWB 1 1810,11; Bearbeiter: Richter
erbevierteil
stN.
‘Viertel des Nachlasses (als Abgabe)’
de nostro erbevirtail terciam partem decimarum UrbNAlteich
614
MWB 1 1810,14; Bearbeiter: Richter
erbevoget
stM.
1
‘Amtsinhaber einer erblichen Vogtei, Erbvogt’
2
‘Vormund’
1
‘Amtsinhaber einer erblichen Vogtei, Erbvogt’
wir bekennen an diesem brive, das wir geleyen habin und leyhen dye voytey in
demselbin dorfe zcu Kloßwitz Heinrich von Molewitze und allen seinen erbin
[...], das er und alle seine erbin darubir unser
erbvoyt sall sein UrkJena
187
(a. 1346 kopial);
daz er ze diser stunt / daz goteshûs schermen solde, / sît
er wesen wolde / sîn rehter erbevogt Ottok
34096;
UrkCorp (WMU)
3168,2;
UrkBresl
133
(a. 1334).
– bildl. ‘ewiger Schutzherr’
sie [die Geliebte] hat gehuset und wil sin ein
erbevoget / nach minem [der Minne] mute in diner
brust Frl
14:31,8
2
‘Vormund’
ich mane dich vnd gebút dir [...] wand du dines
bruͤders seligen suͦn [...] wissenthaffter erbvoͤgt bist,
von reht, das du [...] dich an siner stat vor mir vnd minen
mannen verantwuͤrtest zuͦ Rapoltzwiler vor geriht UrkRapp
389,36
(a. 1341 kopial)
MWB 1 1810,17; Bearbeiter: Richter
erbevogetîe
stF.
‘erbliche Herrschaft, Erbvogtei’
und schol der selb egenant hof datz Wochaw mein und meiner chind ewig und
recht erib vogtai sein UrkPölt
222
(a. 1308);
daz mein vodern von alten dingen vnd ich vntz her ein vogtai haben gehabt, vnd
haben si her praht in rehter erbe vogitai gewêr von des lants herren ovf der herren
gvͤt von Richersperge UrkCorp (WMU)
N468,25;
UrkKlostern
1,248
(a. 1334);
UrkEnns
6,517
(a. 1345)
MWB 1 1810,35; Bearbeiter: Richter
erbevogetinne
stF.
‘angestammte, ererbte Herrscherin’ (übertr.):
Minne, sîn erbevogetîn: / der muose er aber gevolgec sîn Tr (BG)
11769;
vgl. Komm.z.St. sowie
Steinmetz, Tristans erbeminne, in: ZfdA 129 (2000), S.
388-408.
MWB 1 1810,44; Bearbeiter: Richter
erbevrî
Adj.
Bedeutung unklar:
daz ich [...] mich veriht han mit meinem herrn
[...] umb mein erbfrei laevt Jansen und seiner bruder
zwen UrkFreisÖst
2,78
(a. 1315);
ist das ein auzzerman purger wird in der stat, chumt jemand und vordert in für
einen erbvreien man oder seinen aigen [...] so sol im der
richter recht tun DRW
3,64
(Carinthia; a. 1346)
MWB 1 1810,49; Bearbeiter: Richter
erbevrouwe
swF.
‘Herrin durch Erbrecht’
wir sîn iu undertân / als unserr erbevrouwen Mai
79,3;
eine erbfraw unnd schuczerinne desselben dorffes DRW
3,64
(OelsUrk.; a. 1297)
MWB 1 1810,57; Bearbeiter: Richter
erbevürste
swM.
‘ewiger Herr, Erbfürst’
Jhesus Crist, / der unser erbe furste ist
HvNstGZ
3176
MWB 1 1810,61; Bearbeiter: Richter
erbewîn
stM.
‘erbliche Weinabgabe’
exactionem sive stiuram betwin, erbewin UrkWürtt
10,174
(a. 1293);
hat ze lehen enpfangen anderhalb [...] aymer
wingeltes [...] heizzet der erbwin DRW
3,157
(WürtVjh.; a. 1344)
MWB 1 1810,63; Bearbeiter: Richter
erbezal
stF.
nur alem.
‘Erbteil, Erbe’
gib mir min erbezal, daz mich zuo reht angehoeret [Lc
15,12]
PrEls
2,68;
Eberhart von Schoͤnecke, unser burger, sinen kinden
[...] het geteilt, alse reht ist, irre muͦter seligen
erbizal UrkStraßb
3:73,37
(a. 1289);
die missehellin die svͥ ze beiden siten [...]
mitenander gehebt hant vmbe die erbezal des guͦtes, das der vorgenante Gerung selige
der brotbecke verlassen hat UrkRapp
343,21
(a. 1335);
UrkCorp (WMU)
902,17;
UrkEls
2,100
(a. 1312 kopial);
ElsLA
30,24
MWB 1 1811,4; Bearbeiter: Richter
erbezëhende
swM.
‘erblicher Zehnt’
ze Rein ist ein erbzehende; der git ze zinse 6 ß und 8 d. Baseler
UrbHabsb
1:99,29
MWB 1 1811,15; Bearbeiter: Richter
erbezeichen
stN.
‘ererbtes Wappen’ (vgl.
erbeschilt
):
sîn erbezeichen dar ûf lac, / der eber, den der hêrre pflac /
zu vüeren an dem schilde HvFreibTr
1943;
und ir ensúllent enkein busunen blasen [Eure
guten Werke nicht hinausposaunen] (das meint das erb zeichen, als
ir úwer almuͦsen gent), als die gelichsener tuͦnt Tauler
186,21;
sô sach man ir iclîchin [der Stifter] / sîn teil
sundirlîchin / mit dem erbezeichin / dem meistre ûfreichin NvJer
17640
MWB 1 1811,18; Bearbeiter: Richter
erbezins
stM.
‘erblicher, unablöslicher Grundzins’
ein gvͦt, das giltet [...] zehen schillinge
pheningen, der gand siben schillinge dem gotteshvse ze sant Gallen wider ze erbe
zinse UrkCorp (WMU)
N675,32;
her richter, erbecins habe ich an dem huse, der wirt mir nicht, ich invinde
ouch da nicht zu pfendene unde bite einis urteils, waz ich nu zu rechte mite tun
sulle StRFreiberg
26,15
u.ö.;
UrkBresl
102
(a. 1324)
MWB 1 1811,28; Bearbeiter: Richter
erbezinsgëlt
stN.
‘Zahlung von erblichem, unablöslichem Grundzins’
purkrecht oder erbczinsgelt, wanne das auch erbrecht hat, schol man vor
richter und scheppen aufgeben und enphahen, vnd nicht heymelich vor den czinsherren
SchöffIglau
67
MWB 1 1811,37; Bearbeiter: Richter
erbezinsguot
stN.
‘gegen Erbzins verliehenes Gut’
nichein zinsman en muͦz noch steingrûben noch leimgrûben graben âne sînes
herren urloub, des zinsman her ist, noch holcz howen noch roden ûf sîme zinsgûte, ez
en sie sîn erbezinsgût SSp (W)
1:54,5
MWB 1 1811,43; Bearbeiter: Richter
erbezinslêhen
stN.
‘gegen Erbzins verliehenes Gut’
ob Cvͦnrat [...] die mvli
[...] hete ze erbezinslehen von dem gotzhuse ze
Crvzelingen, oder ob dv selbe mvli sin lipgedinge waͤre von dem vorgenanten gotzhuse
UrkCorp (WMU)
2285,12;
also hat inen herre Cvͦnrat vnd sin wirtin vnd siniv kint fvr sich vnd fvr
alle ir nachkomen die hofstette gelihen ze ainem rehtin erbezinslehen ebd.
528,37.
746,28
MWB 1 1811,49; Bearbeiter: Richter
erbezinsrëht
stN.
‘Lehensrecht bei Erbzinsgütern’
swâ gebûre ein dorf besezzcen von wilder wurzceln, den mac des dorfes herre
wol gebn erbezinsrecht an deme gûte, al en sîn sie zû deme gûte nicht geborn
SSp (W)
3:79,1
MWB 1 1811,58; Bearbeiter: Richter
erbiben
swV.
1
‘beben, erbeben’
2
‘zittern, erschauern’ (als körperliche Reaktion auf Empfindungen)
1
‘beben, erbeben’
diu erde erbibete uberal. / dô was der doner vil grôz
VAlex
108;
unter diu wart ain michel scal, / daz di berge uber al /
erchlungen unt erbibeten / sam si alle lebeten Rol
6681;
Erlös
5859;
HeslApk
3464
2
‘zittern, erschauern’ (als körperliche Reaktion auf Empfindungen):
horet daz wort des herren, di ir irbewet zu synem worte
Cranc
Jes 66,5;
ir [Brangänes] herze erbibete und
alle ir lider Tr
12780;
do der geist vor gieng in miner engegenwúrtkeit, do
erbibenten dú har mins fleisches Tauler
222,10;
MarlbRh
22,34;
Brun
7991
MWB 1 1811,63; Bearbeiter: Richter
erbibenen
swV.
3. Sg. auch
erbybonet PrEngelb
188,238.
1
‘beben, erbeben’
2
‘zittern, erschauern’ (als Reaktion auf Empfindungen)
1
‘beben, erbeben’
beweget ist und irbibenet [interl. zu contremuit
] div erde PsM
17,8;
diu stat an der si lâgen, / erbibente unde erwagete KvWPant
1805;
wenne die wint in das ertriche koment [...] so
erschüttent si das ertrich das es alles erbybonet PrEngelb
188,238;
Mechth
3: 1,62
2
‘zittern, erschauern’ (als Reaktion auf Empfindungen):
mîn uuîne ráchta sîne hánt ín ze mír ze / êinemo fénstre. unte
mîn uuámba erbíbenêta ze sînemo ánagríffe [Ct 5,4]
Will
79,2;
do dú sele die vil grúwelich túfel angesach, do erbibente si
ein clein und trúwete sich zuͦ únserm herren Mechth
4: 2,42;
KvWTroj
5861;
KlageB
4283.
–
swenn ich gedenke an die helle, so erbibnet mir aͤllú min kraft, und min
lib erzittret von der bitterkait der helle PrGeorg
129,3
MWB 1 1812,11; Bearbeiter: Richter |