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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lien- - liese    


lien- s.a. lêhen-

MWB 3,3 1137,8;

liene, liehe swF. hier liwe. ‘Wildsau, Bache’ (vgl. DWB 6,547 s.v. Lehne und FWB 9,1231 s.v. liene mit Dalby, Mediaeval Hunt, S. 136b): ein wolf ze einer liwen [l. liehen? vgl. auch La. lieon ] sprach, / do er si grôze tragen [trächtig] sach [in der Fabel de lupo et sue pariente ] Boner 28,1

MWB 3,3 1137,9; Bearbeiter: Hansen

liep Adj. , liebe Adv. auch liup, lip, md. lief, lieve. 1 attr. gebrauchtes Adj. ‘angenehm, geschätzt, geliebt, lieb, schön’
1.1 allg.
1.2 häufig von Gott, Christus, Heiligen (oft in der Anrede, vgl. auch 1.4 )
1.3 spez. unser ~ vrouwe , von Maria
1.4 formelhaft (v.a. in der Anrede)
2 präd. gebrauchtes Adj. ‘jmdm. angenehm, von jmdm. geschätzt, geliebt; schön, lieb, erfreulich’ (meist mit Dat.d.P.; vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 272f.)
2.1 allg.
2.2 in Wendungen
2.2.1 etw./ jmdn. ~ gewinnen ‘etw./ jmdn. lieb gewinnen, Zuneigung, Wertschätzung oder Liebe entwickeln’
2.2.2 etw./ jmdn. ~ haben liep haben swV.
2.2.3 sich etw. ~ lâʒen (mit refl. Dat.) ‘sich über etw. freuen’ (mit erspartem sîn , vgl. 2 5 Mhd. Gr. § S 232,2)
2.2.4 jmdm. ist/  wirt ~ 4.3.5
2.2.5 jmdm. ist ûf/ zuo etw./ jmdm. ~ 4.3.6
3 subst. Adj.
3.1 stN. (Formenüberschneidungen mit liebe stF.)
3.1.1 ‘Gutes, Angenehmes, Schönes, Geliebtes’
3.1.2 ‘Freude’ (offen zu 3.1.1 )
3.1.3 ‘geliebte Person, Geliebte(r)’
3.2 stswMF. ‘geschätzte oder geliebte Person, Freund(in), Geliebte(r)’ (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 272)
4 Adv. ‘(jmdm.) angenehm, auf (für jmdn.) angenehme Art und Weise’ (meist mit Dat.d.P.)
4.1 allg.
4.2 Komp. lieber
4.2.1 meist ohne Dat. ‘mit größerem Vergnügen, lieber, eher’
4.2.2 mit Dat. ‘auf für jmdn. angenehmere, bessere Weise’
4.3 in Wendungen
4.3.1 etw. ( ëʒ ) ergât jmdm. ~ ‘jmdm. geht es gut (mit etw.), jmd. ist (über etw.) froh, glücklich’
4.3.2 jmdm. geschiht ~ ‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/  wird froh, glücklich’ (nicht immer sicher von liebe stF. zu unterscheiden)
4.3.3 jmdm. ~ tuon ‘jmdn. gut behandeln, jmdm. liebevolle Umsorgung, Wertschätzung zukommen lassen’ (nicht immer sicher von liebe stF. zu unterscheiden)
4.3.4 jmdm. ~ (ge)reden ‘jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen’ (vgl. liepreden und liepkôsen 2 )
4.3.5 präd. jmdm. ist/  wirt ~ ‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/  wird froh, glücklich’
4.3.6 präd. jmdm. ist ûf/ zuo etw./ jmdn. ~ ‘jmdm. steht nach etw./jmdm. der Sinn, jmd. hat Wohlgefallen an etw., begehrt etw., strebt etw. an; jmd. hat jmdn. lieb’ (vgl. AWB 5,1034 s.v. liobo Adv.)
4.3.7 (sich) ~ (ge)denken (mit refl. Dat.) ‘angenehme Gedanken hegen; sich glücklich schätzen, froh sein’
4.3.8 sich ~ (ge)lëben (mit refl. Dat.) wohl ‘froh, glücklich sein’
4.3.9 sich ~ (ge)sëhen (mit refl. Dat.) ‘einen erfreulichen Anblick haben; sich glücklich schätzen, froh sein’
   1 attr. gebrauchtes Adj. ‘angenehm, geschätzt, geliebt, lieb, schön’    1.1 allg.: sît lebte diu vil guote vil manegen lieben tac NibB 18,2. 225,3; ob si mînre nôt, diu guote, / wolde ein liebez ende geben MF:Mor 31: 3,2; ovch klait [beklagte] ser her Ysengrin / den vil lieben zagel sin, / den mvste er do zv pfande lan ReinFu K,820; sîn vil liebez kint RvEBarl 14506. 15798; mit lieben [liebevollen] ougen blicken ein ander sâhen an / der herre und ouch diu frouwe NibB 293,3. 1669,1 MF:Wolfr 6: 4,4; Rol 7265. – Komp.: den lieberen sun sezzet man ze der zesewen Gen 1696. – Superl.: Rother ginc zo houe / mit deme alden herzogen / vnde bat sine liebesten man [seine engsten Gefolgsleute] / wor [vor] sich an den rat gan Roth 548; vil ofte er im vor erschein, / als sîner junkherren ein / unde als ein sîn liebster man RvEBarl 15055; Litan 649; Eckh 5: 190,11 u.ö.    1.2 häufig von Gott, Christus, Heiligen (oft in der Anrede, vgl. auch 1.4 ): lieber got, herre Krist RvEBarl 7407; ô wol mich wart, vil lieber got! Wig 8954; gebenedict sistu, lieber herre Jhesu Christe got, des lebenden gottes sun! Mechth 6: 37,2; der liebe sant Siluester Konr 5,39. 3 W1,193. 13,116; VMos 13,19. 61,20    1.3 spez. unser ~ vrouwe, von Maria: es wart aber nie muoter diu ie ir kint so sere minneti so ünser liebiu vrowe PrWack 44,126; in unser lieben vrouwen namen Pass I/II (HSW) 14146; Mechth 2: 4,45. 7: 50,18    1.4 formelhaft (v.a. in der Anrede): liebiv chint, werfet von iv dei werch der vinster Spec 10,21; fliuc dînen wec, vil lieber swan! KvWSchwanr 380; sehzig marck silbers geltes, die er von uns und dem riche hat uf den juden ze Spyer, unsern lieben chamerknechten UrkSpeyer 340,26 (a. 1331); Mechth 4: 27,157; Parz 497,21 u.ö.    2 präd. gebrauchtes Adj. ‘jmdm. angenehm, von jmdm. geschätzt, geliebt; schön, lieb, erfreulich’ (meist mit Dat.d.P.; vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 272f.)    2.1 allg.: sô minnet dich daz liut: dû wirdest in vil liup Gen 2926; si ist mir [...] lieb vor allem guote SM:WvT 4: 4,5; si liezen an im schînen / daz er in liep ze herren was Wig 8669; du bist mir ze allen eren uile lib Rol 1324; dâ sît ir mir ze liep zuo Tr 16590; KvHeimUrst 1394; daz was liep ze sehene Gunthers und Sîfrides man NibB 794,4; Pass I/II (HSW) 10215; SM:Had 3: 3,3; flekt.: wan mir nie gast sô lieber wart KvWTroj 7403. – mit Komp.: er hete ein sconez wip, / bi der gewan er ein tohter, diu ime niht lieber sin mohte AvaJo 20,4; ir kunden disiu mære nimmer lieber gesîn NibB 238,4; si ward ime lieber den der lîp Gen 1602 u.ö.; VMos 31,6; das was dem kónig lieber dann leider [mehr lieb als leid] Lanc 640,27; KvWTroj 8646. 8260. 8490; Rol 5234; SüklV 743. – mit Superl.: daz ist immer und was ie / daz diu jungisten chint / dem vater aller liebest sint KvHeimHinv 422. – Ersparung des Dat.: nu bit mich halbes mines riches, swaz dir sin geliche, / ez si lait oder liep, daz wil ich dir versagen niet AvaJo 27,4; ia wart di selbe botscaft / lieb unde lobehaft Rol 164; VEzzo 375; Tannh 9,56    2.2 in Wendungen    2.2.1 etw./ jmdn. ~ gewinnen ‘etw./ jmdn. lieb gewinnen, Zuneigung, Wertschätzung oder Liebe entwickeln’ wan im sîn muot gein iu sô stât, / daz nie dehein minnegernder man / dehein vrowen alsô liep gewan, / als er iuch hât, guot vrowe mîn, / mit triwen in dem hertzen sîn UvLFrd 320,26; darnach sol der serpant komen mit dem guldenin heubt und sol den lepart noch lieber gewinnen dann yn der trach ie gewann Lanc 505,27. 95,7. 100,29; swer got ie úber sich selben liep gewan Mechth 1: 3,23; EnikWchr 19280; KvWEngelh 1004; StrKD 27,194; ebd. 28,18. – mit Komp.: ich wene wol das er mich lieber sol gewinnen in dißem jare dann keyne die nu lebet Lanc 393,21. 533,25    2.2.2 etw./ jmdn. ~ haben liep haben swV.    2.2.3 sich etw. ~ lâʒen (mit refl. Dat.) ‘sich über etw. freuen’ (mit erspartem sîn, vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 232,2): nv Hector ist eruallen, / daz lazzet vch liep allen. / vns wirt burg vnde lant Herb 10708    2.2.4 jmdm. ist/  wirt ~ 4.3.5    2.2.5 jmdm. ist ûf/ zuo etw./ jmdm. ~ 4.3.6    3 subst. Adj.    3.1 stN. (Formenüberschneidungen mit liebe stF.)    3.1.1 ‘Gutes, Angenehmes, Schönes, Geliebtes’ nv Hector ist eruallen, / [...]. / vns wirt burg vnde lant. / des dancket alle siner hant, / der vns daz liep getan hat Herb 10711; ob er im ye keyn lieb gethete Lanc 67,23; sî was ie / hie lieb vor allem liebe mir in mînem muote SM:WvT 1: 2,9; swaz wir liebis [...] / uon gote uernumen vnde gescriben habin Litan 731; KLD:UvL 14: 2,2; Roth 4853. – subst. Komp. ‘Besseres, Angenehmeres’ ir güete kêre mirz ze guote, / die mîn herze und al den lîp / âne valsch in ir gewalt betwungen hât, / sô daz mir nie liebers wart geborn SM:UvS 15a: 1,6. – subst. Superl. ‘Bestes, Angenehmstes’ daz wær in vür die leide / daz liebest und daz beste Iw 6971    3.1.2 ‘Freude’ (offen zu 3.1.1 ): von disen worten alsô frô / wurden die zwô frouwen dô / daz si vor liebe weinden KvWSchwanr 907; alle, die nû wellen / liep und leit mit mir tragen, / die sullen iu danc sagen, / des ir mir tuot ze diser stunde Ottok 41889; der herzoge von Meran / gienc gezogenliche / vor den koninc riche / vnde lachede uor lieue Roth 3357. 4774; Tr 12317; MF:Mor 4: 3,6; Iw 2713; MF:Reinm 49: 1,9. ir scœnez antlütze daz wart rôsenrôt, / do mit liebe [glücklich] was gesceiden ûz der grôzen nôt / der wætlîche recke NibB 241,2    3.1.3 ‘geliebte Person, Geliebte(r)’ swa lieb lît bî liebe, lieblîch siu sich liebent SM:KvL 1: 5,1; ires herzen sehen / konde ir vorbieten wîp noch man, / dâ mit sach sie ôt alles an / ir zartez liep Tristande HvFreibTr 2605; ich hân sî vür alliu wîp / mir ze vrowen und ze liebe erkorn MF:Mor 10: 1,2; liebez lieb, liebiu vrowe, / lieb, herzen trôst und der sinne, / lieb, liebez lieb SM:HvT 1: 1,1; MF:Reinm 54: 4,5; Tauler 424,10. – sprichw.: ich hân oft gehœret sagen: / ‘swer mêr liep hât dan einez, / dern hât nindert keinez’ HvFreibTr 139. – übertr. auf Tiere: diu si [das Weibchen der Turteltaube] hât irn gemahel liep und helt im allain trew, alsô vil, daz si ir kain ander liep nimt wenn er gestirbt BdN 225,21    3.2 stswMF. ‘geschätzte oder geliebte Person, Freund(in), Geliebte(r)’ (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 272): da sol nieman sin unfro, / da der Tanhusaere / reiet mit der lieben so Tannh 1,105; ez wære missetân, / solt ich sus hinnen scheiden: / die lieben unt die leiden [Freund wie Feind] / heten mich für einen zagen Parz 558,10; mîn frîheit sich für eigen / neigen der vil lieben kan KLD: BvH 2: 2,6; und der [ feurein himel ] hat kainen lauf, sunder got ruͦt mit seinen lieben darinne KvMSph 7,20; die himmelsche gabe, da got mitte pfliget gruͤssen und leren sine userwelten lieben Mechth 6: 1,107; dat ich mich van allen dingen wande / ind den liͤven [Christus] alein bekande MarlbRh 101,40. 114,17; SM:HvS 1: 22,4; SM:HvStr 3: 3,1. – formelhaft in der Anrede: wol ir mine uil liebin, / nu scul wir gote dínin / mit luterlichin muͦte Rol 87; liebin, nû bitet hûte unsirn herrin sînir gnâdin, daz er uns irquicken wolle von deme tôde der armin sêle PrMd (J) 341,11; ei lieber, wer sol mich begraben / oder wer bringet mich dar? KvHeimHinv 294; nu muͦz ich, liͤve [Maria] , kuͤnlich sprechen MarlbRh 49,3; AvaLJ 89,3; Konr 1,59; subst. Superl.: ézzet mîne frûinta. trínket únte uuérdent trúnkan mîne lîebeston Will 75,2. 75,3; ‘wilkomen die liebste’, sprach er, ‘die hut lebet!’ Lanc 613,35; KvWHerzm 208    4 Adv. ‘(jmdm.) angenehm, auf (für jmdn.) angenehme Art und Weise’ (meist mit Dat.d.P.)    4.1 allg.: dar nâch si muosen rîten in Rüedegêres lant. / dem kâmen ouch diu mære: daz was im liebe bekant NibC 1670,4; swem von liebe friuntlich meinen sî beschehen, / der fröwe sich so lieb geschehener sachen! SM:Te 1: 1,2; Tristan und sîn vrouwe Îsôt / diu lebeten aber liebe unde wol Tr 15041 (vgl. 4.3.8 ); sô liebe dienôten si dir, trehtîn, daz dû si hiezze chint dîn Gen 665; ich sagt ouch dâ, wie sie si trôsten / und daz sie mit ir liebe kôsten / sô vil, daz ir daz herze erwiel / von der gerunge LvRegSyon 1435 (vgl. → liepkôsen ); daz wir dem almechtigen gote so libe gedinen in diseme libe daz wir des himelriches wirdich sin PrLpz (L) 108,26. 111,22    4.2 Komp. lieber    4.2.1 meist ohne Dat. ‘mit größerem Vergnügen, lieber, eher’ sol ich disen sumer lanc bekumbert sîn mit kinden, / sô wær ich vil lieber tôt KLD: GvN 50: 1,3; waz sol dem sanc / und seiten clanc, / der lieber hort den gouch? Frl 8:24,21; ich woͤlte lieber zer helle varn Mechth 2: 2,23; RuprvWü 581; KvWTroj 19162. 16673; KvWEngelh 1397; Eckh 5: 429,4. 5: 428,12    4.2.2 mit Dat. ‘auf für jmdn. angenehmere, bessere Weise’ vnd swer in [Gott] ert vnd minnet vnd sinen willen mit triwen tvͦt, der chan in [den Heiligen im Himmelreich] nimmer lieber gedienen, noch si wirdichlicher geern DvAPatern 443    4.3 in Wendungen    4.3.1 etw. (ëʒ) ergât jmdm. ~ ‘jmdm. geht es gut (mit etw.), jmd. ist (über etw.) froh, glücklich’ daz was im liebe ergangen: / ez kom im sît ze trôste Parz 390,18; iz ist mir libe irgangen VMos 29,16    4.3.2 jmdm. geschiht ~ ‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/  wird froh, glücklich’ (nicht immer sicher von liebe stF. zu unterscheiden): er was es also gemeit, / daz im so liebe nie geschach Herb 10111; dô der burcrâve daz ersach, / sô rehte liebe im nie geschach Parz 43,10. 397,4; so ne schach uns nie so libe Rol 1744; binnen des zu berge er warf / die ougen hin unde sach, / des im liebe sit geschach / und des wir alle hoffen, / den himel sach er offen Pass III 39,96; KLD: GvdF 5:7,3; Wig 1018; Rol 7357. sînem herzen liebe geschach Iw 2557. – mit Komp.: sôn möhte mir zer werlte lieber niht geschên MF:Mor 7: 6,2; mir enmohte lieber niht geschehen UvZLanz 1094; ReinFu K,376. K,234; NibB 729,4. 1313,4    4.3.3 jmdm. ~ tuon ‘jmdn. gut behandeln, jmdm. liebevolle Umsorgung, Wertschätzung zukommen lassen’ (nicht immer sicher von liebe stF. zu unterscheiden): sîn weiz niht wie liebe sî mir tuot / mit ir tugend und mit ir werdekeit KLD: GvdF 3:2,1; si sprachen er hete in so liebe getan, / si wolten den grimmigen tot dolen, / e si haim wolten chom / ane sige unt ane ere Rol 5458. 3189; al die mit mînem vater sint, / beidiu mîn muoter unde ir kint / suln iuch ze hêrren immer hân: / sô liebe habt ir uns getân Parz 554,22; got lône mînen vriwenden: si hânt mir liebe getân NibB 249,4. 547,2; Parad 82,18; SAlex 2845. – mit Komp.: ob er niht [...] den menschen alzemâle bezzer machen und im lieber tuon enmöhte Eckh 5: 47,9    4.3.4 jmdm. ~ (ge)reden ‘jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen’ (vgl. liepreden und liepkôsen 2): dem [Festus] geredeten die iuden als liebe daz ern [d.i. er in, Paulus] wolde wider senden zv Iherusalem in ir gewalt PrLpz (L) 84,4    4.3.5 präd. jmdm. ist/  wirt ~ ‘jmdm. geht es gut, jmd. ist/  wird froh, glücklich’ im was wol unde wê, / liebe unde leide Eracl 3827; fröide und sorge erkenne ich beide, / dâ von singe ich, swaz ich sol. / mir ist liebe, mir ist leide. / sumerwunne tuot mir wol Walth 110,36; im wurde nie sô liebe, / sît daz in got zer werlde lie KLD: GvdF 5:5,6. – auch in der Form des präd. Adj. (vgl. 2 ): Constantine was wil [l. vil ] lief Roth 3265    4.3.6 präd. jmdm. ist ûf/ zuo etw./ jmdn. ~ ‘jmdm. steht nach etw./jmdm. der Sinn, jmd. hat Wohlgefallen an etw., begehrt etw., strebt etw. an; jmd. hat jmdn. lieb’ (vgl. AWB 5,1034 s.v. liobo Adv.): im was vil liebe zû der vart LivlChr 1735; mir ist vil liebe dar zuo Eracl 4869; da [...] gebirit der vader sinen son und ist yme also libe darzu daz he nummir uf gehorit Parad 50,2. – häufig auch in der Form des präd. Adj. (vgl. 2 ): die sinnereichen schuoler, den haiz und lieb ze lernen ist BdN 119,5; da inen nu vil liep zuͦ ist Mechth 4: 27,93; ir was vffe den hof lieb [sie wollte gerne an den Hof] Roth 1819. 2683. 3088. 4189; Eckh 5: 241,8. – mit Komp.: alsô liep dir ze im [Gott] ist, des bist dû sicher, daz im âne alle mâze mêr und lieber ist ze dir Eckh 5: 241,9    4.3.7 (sich) ~ (ge)denken (mit refl. Dat.) ‘angenehme Gedanken hegen; sich glücklich schätzen, froh sein’ der bote im liebe gedachte Herb 11423. – mit erspartem refl. Dat.: ein sælig man mag gerne wol gedenken, / er enkan den sorgen niemer baz entwenken. / daz hât mich dike darzuo brâht, / daz ich mîn selbes herre was, / so ich so liebe hân gedâht SM: UvS 26a: 5,9    4.3.8 sich ~ (ge)lëben (mit refl. Dat.) wohl ‘froh, glücklich sein’ ez mac vns schiere got geben, / daz wir vns liebe geleben / in disme lande Herb 8442    4.3.9 sich ~ (ge)sëhen (mit refl. Dat.) ‘einen erfreulichen Anblick haben; sich glücklich schätzen, froh sein’ des vreuten sich die andern, / die vor den goten sprungen, / liefen unde sungen, / des im der kunic liebe sach, / wand alle sin wille geschach, / als er begerte unde bat Pass III 669,1; got hatte wunne / und sach im lîb in hôher lust, / dô allir sundin abekust / und unvlât manchirhande / was ûz dem heiligin lande / vorblichin gar NvJer 21796; der lantgrâve im liebe sach an in [der Landgraf war glücklich über seine Leute] , / frô wolt er der werden sîn, / als er wol mohte Kreuzf 1731; Iw 5970. – mit Komp.: so ich sie dicker sach an, / so ich mir lieber gesach Herb 17662

MWB 3,3 1137,15; Bearbeiter: Hansen

liepgedinge stMNF. ‘Hoffnung auf erfüllte Liebe’ (vgl. gedinge swM., stMNF.): ahy, was er vræuden las / in sin hochgebornes leben! / daz liep gedinge kund im geben / me vræuden denn er gert WhvÖst 15224; sol ich sô mit leide ûf liep gedinge lange leben, / sô mac mir diu liebe ir trôst vil schiere unschedelîche geben SM:UvS 19: 6,5. 18: 1,8; ach, süezze Minne, wâ ist dîn trôst? / dîn rât mich verwîset hât: / diu minne und lieb gedinge hât mich brâht ûf dînen rôst [Scheiterhaufen] ! SM:KvL 6: 5,10. 3: 3,7 u.ö.

MWB 3,3 1141,27; Bearbeiter: Hansen

liepgenæme Adj. ‘reizvoll, angenehm’ bote, nu sage dem liepgenæmen wîbe, / daz ze wunsche gât sô wol mîn schîbe! Neidh SL 12:7,1

MWB 3,3 1141,38; Bearbeiter: Hansen

liephabære stM. überw. -haber, auch -heber. 1 ‘Freund, Anhänger von etw.’
2 ‘Liebender, Geliebter, Liebhaber’
   1 ‘Freund, Anhänger von etw.’ ein lipheber des heiligen cristin glouben, her was ein ernstir vortilger der ketzerie unde des unglouben Köditz 46,27; ein rechtir libhaber der gerechtikeit ebd. 20,19; di Krichin und ir meistirtum / in nantin Philomeum, / daz sich in duczschim uzleit / ‘libheber moze und gerechtikeit.’ PfzdHech 167,14; das ist ungereit allen den minnern [La. liebhabern ] diser welte Tauler 258,20    2 ‘Liebender, Geliebter, Liebhaber’ wem der afterpell pain klain sint, daz bedäut ainen liebhaber der frawen und des leibs krankhait und vorht BdN 49,7. 73,17. – von Christus: mîn hêre Jêsu Krist, / mîn antliz er bezeichnet hât, / daz ich sol immer haben rât / ander liebhabêre EbvErf 3415; Agnete sprach: ‘jungelinc, ich wil nicht dîner gâbe, wan ein ander liphaber hât dich vorkomen [ist dir zuvorgekommen] , und deme habe ich mich vertrûwet.’ HvFritzlHl 67,19

MWB 3,3 1141,41; Bearbeiter: Hansen

liephabærinne stF. ‘Freundin, Anhängerin von etw.’ di liebheberinne der demutikeit unde di uberinne der barmeherzikeit, di liebe sente Elyzabeth Köditz 36,9

MWB 3,3 1141,61; Bearbeiter: Hansen

liep haben swV. vgl. haben swV. 6.1.2. 1 ‘etw. mögen, begehren, eine Vorliebe für etw. haben’
2 ‘jmdn. gern haben, lieb haben, wertschätzen’
3 ‘jmdn. lieben, begehren’ (offen zu 2 )
   1 ‘etw. mögen, begehren, eine Vorliebe für etw. haben’ secht, wie schedleich es der sel ist der reichttuͦm lieb hat, wann da kümt geittikait von SchlierbAT (LS) 1,139 u.ö.; der konig Ban sah syn burg brinnen, die er lieb hett fur alle syn búrgk Lanc 12,16 u.ö.; sy [die Pharisäer] habin lyp dy obirsten stat an dem obynt ezzene unde dy ersten stule in der synagogen [ amant autem primos recubitus in cenis, et primas cathedras in synagogis Mt 23,6] EvBerl 26,15; Judas [...] was ein dieb / und hatte vil winkel [dunkle Ecken] lieb / und trug und anewante [benutzte zum eigenen Vorteil] / di dink di man in sante TvKulm 3750; KvMSph 45,15; PrBerthKl 5,42. – ‘etw. freiwillig anerkennen, wertschätzen’ ez ist wol gezemelich, daz die brûdere alsô liep haben die gemeinen dinc des ordenes, unde die sunderlîche sie anegehôrent, daz sî in alle wîs vermîden ubermâze StatDtOrd 65,28    2 ‘jmdn. gern haben, lieb haben, wertschätzen’ hat ir gehort waz gesait ist uwirn elderen: habe dynen nehesten lyp unde hazze dynen vynt? EvBerl 19,7; dem [St. Sebastian] hete vnser herre got die genade gegeben, das in die kaysere vnd die liͤvte alle minten oder lieb haten Konr 6,6; solde ich den liep haben, / der mich gerne begraben / sehe den an dem libe? Herb 12591 u.ö.; do karte sich sente Petir umme unde sach den jungern den Jhesus lip hatte [ quem diligebat Iesus Io 21,20] nach ym volgen EvBerl 6,25. 67,7; DvAPatern 21; HeslApk 9171; EvAug 243,19; mit Komp.: si wolte in verre lieber haben / danne ir kint, daz si gebar KvWTroj 574; Lanc 39,9. 98,6; übertr. auf Tiere: diu pfärt habent sich sunderleichen liep under ainander, mêr dan andreu tier [ equi naturaliter pre ceteris bestiis diligunt suam speciem ] BdN 137,10. 177,25. – von göttlicher Liebe, göttlichem Wohlwollen: got het im [Luzifer] wol schin getan / daz her in wolde lieb han, / wen her in so liecht irluchte / daz her vil schoner duchte / dan siner engele kein HeslApk 11586; welcher fride bestat in der liebin, in der uns got liep hat ThvASu 334,21. – von der Liebe der Menschen zu Gott: wir weren erger dan ein dieb / hete wir den Got nicht lieb / der uns nach im gebildet hat HeslApk 11130. 6737; Eckh 5: 17,12    3 ‘jmdn. lieben, begehren’ (offen zu 2 ): ez enlît nicht eben / und kumt von krankem sinne, / daz dû die küniginne, / dînes ôhems êlîch wîp, / hâst liep vor aller wîbe lîp HvFreibTr 208; die ich alse lieb hân / in dem herzen alle stunde, / diu ist wandel vor behuot SM:KvL 11: 3,1; flekt.: ich wæn, dem [dem kint, dem anderen Minnewerber] doch sîn herze iht [nicht] stê / gein ir [der vrouwe ] , alsam daz mîne stât, / und wæn [erg.: (das kint)] si ouch iht [nicht] sô liebe hât, / als ich si in mînem herzen hân UvLFrd 6,32

MWB 3,3 1142,1; Bearbeiter: Hansen

liephaft Adj. lîphaft

MWB 3,3 1142,58;

liepholden swV. ‘Ergebenheit zeigen, Huld erweisen’ man sach auch liebholden / Crispin von Belgalgan, / diu wirdecliche, swaz dar kan, / enpfienc nach grozen eren, / und sunderlich den heren / werden kuͤnc von Spangen WhvÖst 18260

MWB 3,3 1142,59; Bearbeiter: Hansen

liephoubet stN. ‘nächster Verwandter, Angehöriger; geliebte Person’ (vgl. auch mnd. lêfhovet ‘geliebte Person (bes. von Verstorbenen)’ Schiller/  Lübben 2,680): hern Cvnrade Eseler vnde vorn [Frau] Alheide, siner vrowen, vnde allen jren liebhavbten vnde iren nachkvmen UrkCorp (WMU) 1773,3; nû sint etlîche, swanne in ir liep houbet stirbet, sô werdent sie sô gar durchgozzen mit leide, daz sie niht ûf in selben gestân enmügen und müezen sitzen Eckh 2:580,8; uͦwer almuͦsin sult ir vil gerne tuͦn vor uͦwer lieb hovbtin. daz hilft den lebendin vnd den toten PrLpz (L) 69,30. – unklar, ob ebenfalls hierher: Jesus nicht da wider [gegen die Mordvorwürfe] sprach, / [...]. / der meintat, di uf in gie, / jene wol geloubeten, / mit des toden lib houbeten [Laa. liebhoubeten, lieb houbeten ‘(zusammen) mit den nächsten Verwandten bzw. Freunden des Toten’; Ausg. erwägt dagegen houbeten swV. in sonst nicht belegter Bed. ‘etw. (mit etw.) bezeugen’ i.S.v. ‘(und) bezeugten (das Verbrechen) mit dem Körper des Toten’ (vgl. Anm.z.St.)] Pass I/II (HSW) 4614

MWB 3,3 1143,1; Bearbeiter: Hansen

liepkôsen swV. auch liebe- (vgl. auch liep 4). 1 ‘freundlich, liebevoll mit jmdm. reden’ (vgl. auch miltekôsen )
2 ‘jmdm. schmeicheln, nach dem Mund reden’
   1 ‘freundlich, liebevoll mit jmdm. reden’ (vgl. auch miltekôsen ): uns saget daz heil[ige] ew[angelium] wie unser herre got mit sinen íungern libchoset. vn[d] sprach disiu suͦzen wort zu ín PrPrag 364; unt [Moses] uerdiente da mit [mit Fasten] , daz er got so uorderliche liep wart, daz er mit im liebkoste glichirwise sam ein friunt mit sinem friunde liebkoset, unt daz er im gap die alten ê PrHoff 100,23; des suchen yn [den anstelle seiner Frau im Kindbett liegenden Mann] sine mok [Verwandten] unde vrunde [...] unde libekosin mit ym unde vroygin sich mit ym MarcoPolo 34,22; got liebkoset mit der sele an sehs dingen Mechth 1: 19,1. 1: Reg. 20; Eckh 2:34,7. – subst.: in vriuntlicher saze / was ir [Gaius’ und Herodes’] liebekosen do, / wand sie einander waren vro Pass I/II (HSW) 19105; daz selb nim och gen dem werden gote, [...] des minneklich zúrnen besser ist, denn falsches liepkosen Seuse 364,28    2 ‘jmdm. schmeicheln, nach dem Mund reden’ der aber tugentlôs ist, der ist unwert in aller liute herzen, swie im doch sumelîche durch ir genäsche [Verführbarkeit] oder durch vorhte ze angehœrde [in seiner Anwesenheit] mithellen unde valschlîchen liepkôsen DvASchr 310,2; smiren und liepkosen / mit herren und mit frowen / wolt er nit SHort 2536. – spez. ‘jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen’ mit maniger hande sachen / begund er im lôsen [schmeicheln] / und mit rede liepkôsen, / unz daz der kunic sîn gemüete / begunde neigen ze güete Ottok 14354. 68554; Part.-Adj.: alse Dalida die vrowe tet mit weicher liebekosender rede vnde also beroͮbete sú den starken Sampson siner crefte FünferlLiebe 175,29; subst.: spâte unde fruo / treip si darzuo / mit triuten und mit lôsen, / mit manigem liepkôsen / den kunic Wenzlân, / daz er die hîrât trüeg an [in die Wege leiten möge] Ottok 67758. 40269; lass dich dar ab nit wisen, weder mit troͤwene noch mit liebkosene Seuse 372,7. 461,11

MWB 3,3 1143,23; Bearbeiter: Hansen

lieplich Adj. , -lîche Adv. auch leplich ( KvHelmsd 4660 ); adv. auch -lîchen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Gebrauchsweisen sind fließend, viele Belege lassen sich verschiedenen Positionen zuordnen. 1 ‘freundlich, gütig, wohlwollend, herzlich’
2 ‘liebevoll, zärtlich’
3 ‘verliebt, nach Art von Liebenden’
4 ‘angenehm, erfreulich, wohltuend’
5 ‘mit Freude, gerne, freiwillig’
6 rechtssprachl. ‘gütlich, im Guten’ (vgl. WMU 2,1134; DRW 8,1312f. mit weiteren Belegen)
   1 ‘freundlich, gütig, wohlwollend, herzlich’ ein lieplich wirt hat gutete vil Frl 10:8,9; so sprichet s. Bernhardus das man unserem herren die lieplichesten guͤtlichesten wort zuͦ sprechen sol die man iemer erdenken mag Tauler 383,14; der grâve was dô gemeit; / und empfienc den boten lieplîch Heidin IV 441; der konig Artus begund yn fast lieblich besehen, er hett gut ritter sere lieb Lanc 115,20; SAlex 6346; Wernh D 2763. A 333. – ‘fürsorglich’ die [alten Meister] sol man sanfte legen und lieplich halten, wan si koͤnnent nochdenne vil heligen rat geben Mechth 4: 27,86; nâch der râte unde state des hûses sal man barmherzeclîche die siechen handelen unde ir pflegen lieplîche StatDtOrd 32,20. 33,30; beid in glüc ind widermuͤde / behuͦd dich liͤflich sine [Gottes] guͤde MarlbRh 3,28. – semantisch abgeschwächt adv. ‘auf gütige, freundliche Art und Weise’ (oder zu 4 i.S.v. ‘auf schöne, vortreffliche Art und Weise’): nu hæte ouch in der künec genomen / an sîne hant und leite in hin; / vil lieplîche sazter in / ze sich an sîne sîten nider Tr 4336; do teilte sine lant zehant / lieplich unde schone / glich mit Sẏmeone / der ellenthafte Judas RvEWchr 17274. 25221; daz ewangelium prediget er selber vnde sante sine boten liepliche, die daz ewangelium predigietent Lucid 97,1    2 ‘liebevoll, zärtlich’ si [die Sünderin] weinote vil suoze an die gotes vuoze. / mit trahenen si si badete [...], vil lieblichen si si chuste AvaLJ 79,5; wie gar unmâzen sanfte tuot ein lieplîch küssen unde ein minneclîcher umbevanc! KLD: GvN 8: 4,2; er kuste si und si kust in / lieplîchen unde suoze Tr 12039; MF:Reinm 61: 1; GrRud Ib 38. Ib 13    3 ‘verliebt, nach Art von Liebenden’ sô lige dise naht bî mir, / daz ich geniete mich mit dir / mit minneclîcher liebe kraft / lieplîcher geselleschaft RvEBarl 12238; do begonden sie zu bette gan. / des nedarf nie man vragen, / ob sie icht liepliche insamet lagen. / ja, sie werliche! GrRud Ib 31; also entschlieffen sie beide ein lang wil lieblich gehalset und ir mund an einander Lanc 429,26; RvEWchr 6313. 24266; KLD:BvH 1: 1,4    4 ‘angenehm, erfreulich, wohltuend’ uns ist zergangen der lieplîch sumer MF:Mor 25: 1,1; ze glicher wise als die lipliche sunne hat ein stetes unzellich wúrken und influs in das ertrich Tauler 372,28; liͤflich sint der erzengel wort / si sint vil gelustelich gehort MarlbRh 53,30; sus triben si zwei under in / die stunde lieplîche hin / wîlent sus und wîlent sô Tr 13018 u.ö.; Konr 15,43; Pass I/II (HSW) 11926. 25559; subst.: Seuse 14,27. – ‘schön, anmutig, lieblich’ ir kinne, ir munt, ir varwe, ir lîch / daz was sô rehte wunneclîch, / sô lieplîch und sô muotsam, / daz ir Marken gezam [verfiel] Tr 17589; ir lieblich munt so rôt SM:Te 9: 2,4; alle ires lybes gelider / geschrenket und geformet sin / lieplichen gar nach wunsches schin Minneb 3234; SM:KvL 13: 2,14. 18: 3,10. – vom Charakter von Personen, ‘angenehm, liebenswert, lieb’ diu maget diu wart sich wider den man / sô rehte lieplîch machende [beliebt machend] , / smierende unde lachende, / kallende unde kôsende Tr 19241; si umbevieng ez [das Kind] unde truchte ez nâhe an sich, / davon dâchte ich [erg. si ] lîeblîch zehant SM:Had 4: 1,4    5 ‘mit Freude, gerne, freiwillig’ suͤzlich ’t wort min herze sluͦch, / liͤflich min herz diͤ wunde druͦch [ertrug] MarlbRh 101,4; er [der Freigebige] muß geben allen synen gesellen lieblich und frölich des sie bedörffent, beide richen und armen Lanc 62,6; das ich gotte und allen creaturen lieplich muͦs wesen undertan Mechth 2: 19,29 u.ö.; Frl 10:8,3    6 rechtssprachl. ‘gütlich, im Guten’ (vgl. WMU 2,1134; DRW 8,1312f. mit weiteren Belegen): wil abir he liepliche mit umi ge ani girichte [ohne Hilfe des Gerichts] Mühlh 125,6; daz ein lieblich schidung gischehin ist UrkCorp (WMU) 1873,29; daz wir vmbe alle die missehelli [...] lieplich sin vberein komen also, daz [...] ebd. 1180,32 u.ö.

MWB 3,3 1144,1; Bearbeiter: Hansen

lieplîche stF. ‘Genuss, Wonne’ wannen kumt ellú zartheit, schonheit, herzlust und lieplichi? Seuse 14,30. 166,26

MWB 3,3 1145,20; Bearbeiter: Hansen

liepnisse stFN. auch lief-, leif-. 1 ‘Freundlichkeit’
2 ‘(Bestechungs-)Geschenk; Tribut’
3 ‘Vermittlungsgebühr, Provision’
   1 ‘Freundlichkeit’ so hant si uns geluwen durch liefnisse acht marc [...], di geloven wir in wider ze gevene un si zu bezalne innenwendich zwein iaren UrkDOKobl 1,383 (a. 1323)    2 ‘(Bestechungs-)Geschenk; Tribut’ alle dy Tartirn, idoch czu vordirst alle dy belenyt synt von Chaam, dy gebin ym czu lipnisse groze gobe von golde unde von silbir und edilim gesteyne MarcoPolo 23,1; nullis muneribus, vel promissionibus, quod liebnusse dicitur UrkFrankf 1,235 (a. 1284); van gridekeit so kumet [...] bose offer, bose gewin, lipnisse, roup, stelen, wuͦcher, dopelspil HlReg 40,8    3 ‘Vermittlungsgebühr, Provision’ [die Bruderschaft der Tuchschneider beschließt,] dat ingeyn broder [...] eynnegeme schroder nog schorre [weder einem Schneider noch Tuchscherer (die dem Tuchschneider Kunden vermitteln)] [...] neit me van ekelicher elin gewanz [von jeder Elle Tuch] [...] dan eynnen hl. geven sal ze leifnisse UrkKölnZunft 2:173,25 (a. 1318)

MWB 3,3 1145,23; Bearbeiter: Hansen

liepnissede stF. ‘Genuss, Wonne’ die liebnusside an zeswen diner unze an den ente [interl. zu delectationes in dextera tua usque in finem ] PsWindb 15,10

MWB 3,3 1145,43; Bearbeiter: Hansen

liepreden swV. ‘jmdm. schmeicheln, jmdn. (durch Schmeichelei) für sich und seine Zwecke zu gewinnen suchen, betören’ (vgl. liep 4.3.4 und liepkôsen 2): auch ist lieb chosen ain todsund, wann der mensch daz in schaden suͦcht des anderen dem er lieb redt, vnd in da mit petriegen wil RechtssB L13,15. – subst.: wann lieb reden sey ain todsund [Überschrift] RechtssB L13,1 u.ö.; lieb reden vnd lieb chosen daz ist suͤnd RechtssA L13,3 u.ö.

MWB 3,3 1145,47; Bearbeiter: Hansen

liepschaft stF. auch liebe-. 1 ‘Zuneigung, Freundschaft’
2 ‘Liebe’
   1 ‘Zuneigung, Freundschaft’ sit pflak der helt vermezzen nach Isenhart so grozer liebschefte: / swaz Isenhart mit liebe truͦc in sinne, / durch di selben liebe wolt er dem tragen furbaz sunder minne JTit 2601,2    2 ‘Liebe’ wie geliep wir [Alise und Rennewart] ein ander waren, / und wie gar wir verbaren / gein ein ander allen haz, / und taten bede gerne daz / swaz gein liepshaft sich gezoch Rennew 9217; des siht man noch har rauffen / manige die die liebschaft / und der suͤzzen minne kraft / gefuͤgt niht hant zesammen WhvÖst 8671. 10206. – ‘Verliebtheit’ durch der ersten liebeschaft / geloupt er [der eifersüchtige Liebhaber] ir [der fremdgehenden, vorgeblich reumütigen Geliebten] deste baz, / untz si im vertribet den haz StrKD 68,130

MWB 3,3 1145,56; Bearbeiter: Hansen

liepsëhen subst. Inf. ‘Zuneigung, Liebe’ ach, owe, und daz du, truter herre, ein sunderlich minnekliches liebsehen uff mich hettist. ach, wie wol mir denn were! Seuse 450,23. 378,2

MWB 3,3 1146,8; Bearbeiter: Hansen

liepsuochende Part.-Adj. ‘liebesbedürftig’ wie mengen bittern tod du dir selb hast angetan, so ist dir doch daz beliben von gotes verhengde, daz du hast ein zart, liebsuͦchende natur Seuse 57,12

MWB 3,3 1146,12; Bearbeiter: Hansen

liep|swinderinne stF. ‘vor Liebe Dahinschwindende, Nachtigall’ dar umb haizt si [die Nachtigall] ze kriechischer sprâch phylomena, daz ist sô vil gesprochen sam ain liepswinderinne, wan si swindet und nimt ab von rehter lieb irs gesanges unz in den tôt [ phylomena dicitur a phylos, quod est amor, et menos, quod est defectus, quasi amore deficiens ] BdN 221,9

MWB 3,3 1146,16; Bearbeiter: Hansen

lier stN. ‘Scheinen, Strahlen’ (hier im Pl. i.S.v. ‘strahlender, funkelnder Glanz’; vgl. lieren und ûʒ lieren ): uf dem schilt was auch daz tier, / dar uz maniger stain lier / functen und glasten, / diu riche kost lasten [auferlegen würden] / ainem kranken [armen] manne, der sie / schoͤlt fuͤern WhvÖst 13848. – Lit.: K. Regel, mhd. lier, lieren, in: ZfdPh 9 (1878), S. 77–82

MWB 3,3 1146,24; Bearbeiter: Hansen

lieren swV. ‘strahlen, funkeln’ (vgl. lier und ûʒ lieren ): stain und bluͦmen wider schin / gaben von dem golde, / dar uz manic krisolde [Chrysolithe] / von den gezelten lierten WhvÖst 2279; schoͤlt ich vol loben alles das / da mit der sezzel was geziert, / und daz gestain daz drab liert, / ez wuͤrd in ainer wochen / nymmer vollen sprochen ebd. 4954. 14034. – übertr.: dunke dich daz mir [...] [ diu suͤzze minne ] uz den augen liere, / so tuͦ also, dunk ez dich guͦt WhvÖst 1602. – Lit.: K. Regel, mhd. lier, lieren, in: ZfdPh 9 (1878), S. 77–82

MWB 3,3 1146,32; Bearbeiter: Hansen

liesche stF. ‘Liesch, Lieschgras’ (ein Futtergras; vgl. auch DWB 6,1019 s.v. liesch, liesche): so sollent die banwarte bringen in den hof sebeden [d.i. semeden ‘Schilf’ ] und liesche, das der appet und die huber sufir gesizent WeistGr 1,674 (a. 1320)

MWB 3,3 1146,43; Bearbeiter: Hansen

liese F. ‘dünne Haut’ (vgl. Anm.z.St.): zwúschent sinem lichamen und der schoͤpfnisse des himelriches ist nit me denne ein dúnnú want als eines eies lise [La. hut ] Mechth 4: 23,13

MWB 3,3 1146,48; Bearbeiter: Hansen