kalte
stF.
→
kelte
MWB 3,1 116,46;
kalte
swN.
‘Kälte’, med. Bezeichnung für ‘kaltes Fieber, Schüttelfrost’
an dem sechstin tage des wintirmandin, do bestunt den edeln furstin di groze
krankheit di man nennet daz kalde, zu latine di febres, da von leit he groze not
Köditz
40,12;
er [der Holunder] furdert di
wazzersuchtigen di da sich sint uon dem kalden SalArz
90,52;
ebreze vertribet di slangen. si ist ouch guͦt wider dem calden
Macer
2,13;
daz kalde vergeit unde etteswenne di suche gar ebd.
39,12
u.ö.;
Kröllwitz
771
MWB 3,1 116,47; Bearbeiter: Diehl
kalten
swV.
auch kelten (Tauler ).
1 intr. ‘kalt werden, erkalten’
2 tr. ‘kalt machen, abkühlen’ (z.T. mit Ersparung des Obj.; Interferenz zu
kelten
?)
1
intr. ‘kalt werden, erkalten’
die nacht kalden geriet ReinFu
K,751;
die peinen sint krank und siechent allermaist sô die pluomen
kaltent BdN
292,7;
laz sie [die Leber] braten gar vnd
nim sie denne abe vnd lazze sie kalden vnd besnit sie schone BvgSp
29.
– bezogen auf das hërze:
nu begunde ir herze kalten Tr
10087;
wan so der rein Hartman / mein hertz besitzet, / so chaltez
[l. kaltet eʒ
] vnd switzet / vnd bristet vnd chrachet Krone
2408;
swer ûf bœse kündikeit / wort und werc und sinne leit, / des herze kaltet
als ein îs, / sô slehtiu einvalt beheltet den prîs Renner
15265;
also gross schaden ist komen hinabe, verre und nahe, das
den waren frúnden gottes ir hertze dorren und kelten mag in irme libe
Tauler
48,19.
– phras. (vor allem im Zusammenhang von alten - kalten
‘altern - weniger werden’):
liebe armet unde altet, / si kuolet unde kaltet
Tr
13064;
die welt beginnent alten, die minne beginnet kalten
Seuse
430,26;
do er [Kg. David] begunde
alten, do begunde er kalten ebd.
406,8;
swes man zem êrsten beginnet, / der muot dar sêre brinnet; / soz beginnet
alten, / sô geræt ez kalten Freid
133,24;
heiz wazzer âne fiur beginnet kalten Renner
17152
2
tr. ‘kalt machen, abkühlen’ (z.T. mit Ersparung des Obj.; Interferenz zu
kelten
?):
si [die Planeten] warment und
kaldent: / etswenne daz îs si schaffent; / dar nâch si boume saffent
Wh
309,24;
sicut cisterna aquam frigidam facit / also di cisterna kaldet
daz wazzer Brun
4894
MWB 3,1 116,58; Bearbeiter: Diehl
kaltguʒ
stM.
‘kalter Guß’ (vgl. Glr.z.St.; auch zu den Schreibformen):
waschez diche mit tan czephen chaltchuͤzz, gesoten von
tanzephen Albrant
1,21;
swelich ros hagen huof ist, so mach ein chalchez von aschen aus
magen halm und wasch iz da mit ebd.
1,20;
calcus ebd.
3,18
MWB 3,1 117,24; Bearbeiter: Diehl
kaltheit
stF.
‘Kälte’, hier übertr. zur Beschreibung von Gottesferne (vgl. Egerding,
Metaphorik 2,659ff.):
darumme bedarf der mensche gar grozis flizis daz he ummer mê
einen gereidin ufgerichtin willin habe zu gode, [...] und
daz nicht lazin wolde durch kein ungemach oder traicheit, und so ist alle wege nuwe
und vrisch und inwirt nicht ein kaltheit noch slafheit an dem menschin
Parad
132,29;
doch stont dise lúte muͤssig, daz ist sú stont in lauwikeit,
in kaltheit, minnelos und gnadelos Tauler
29,21.
335,11;
si haben sich vorsûmit an kaltheit ires herzen und an undancbêrikeit gotlîches
gutes HvFritzlHl
235,33
MWB 3,1 117,30; Bearbeiter: Diehl
kalthërzic
Adj.
‘kaltherzig’ (hier subst.):
doch mac der heilige geist baz / innewendic irn gedermen /
mit siner brunst irwermen / die kaltherzigen dan die
lan [lauen] , / die wider kalt noch warmiz han
HeslApk
6493
MWB 3,1 117,43; Bearbeiter: Diehl
kaltholz (?)
stN.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum (vgl.
kalt
1.1).
minderwertiges Weichholz im Ggs. zum Nutzholz:
jtem [sollen] daz tal Eberspach
[...] vnd daz tal Schoͤnowe haben reht zu hauͤwen kalt
holtz vnd brunne holtz [Brennholz] . jtem sy mugen auch
hauwen buͤholtz UrkWürzb
39,278
(a. 1326);
kaltholtz daz ist birkyn, espin, selhin [von der
Salweide] vnd erlin vnd daz zu buͤwen niht entauͤk ebd.
42,41
(a. 1353)
MWB 3,1 117,48; Bearbeiter: Diehl
kalticlîche
Adv.
‘ohne innere Anteilnahme’
[im Gegensatz zum holocaustum, dem Tieropfer]
ist sacrificium allichen brot unde win, daz die ewarte do [zur Zeit des
alten Bundes] chaltichliche ze ire nucze biderbten. aue wir nu in
der christenheite haben iz ze heiltuome des lihnamen unde des bluotes unseres herren
Ihesu Christi PsWindb
50,18(Randgl.)
MWB 3,1 117,57; Bearbeiter: Diehl
kaltîsen
stN.
‘Kalteisen’, vom Beruf des Kaltschmieds abgeleitet (zur Sache DRW 6,741 und
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 287; vgl.
kaltsmit
), nur Bestandteil von Personennamen:
Albrecht kaltisen UrkCorp
917A,6.
2368,44
MWB 3,1 118,1; Bearbeiter: Diehl
kaltlîchen
Adv.
‘kalt’, hier übertr. zur Beschreibung von Gottesferne (vgl. Egerding,
Metaphorik 2,659ff.):
das tuͦst du alles alsus ane minne und andacht mit einem
zerstroͤwetem herzen also blintlichen und kaltlichen Tauler
137,35
MWB 3,1 118,6; Bearbeiter: Diehl
kaltnisse
stF.
auch kelt-.
‘Kälte’
di wilden tire [...] : / si vulen
hitze und kaltnisse / und alle rurunge ouch wol Brun
7230;
das die sunne dem luft sin keltnisse und vinsternisse
úberwindet Mechth
7: 55,41.
– im Rahmen der Humoralpathologie (vgl.
kalt
3.3):
swaz man mit keltnisse heilin mac unde sal, daz heilet man
mit stures saffe getempert mit ezsige Macer
92,9
MWB 3,1 118,11; Bearbeiter: Diehl
kaltsmit
stM.
‘Kaltschmied’, Schmied, der ohne Feuer arbeitet (d.h. v.a. Buntmetalle wie
Kupfer und Messing kalt treibt, dengelt; vgl.
keʒʒelære
), ‘Kesselschmied’
malleator: dengeleri, hamerere vel kaltsmit SummHeinr
2:20,388.
1:289,270;
wir F., [...] burggraffe ze Nürnberg, verjehen
[...] an dießem brieff, daz wir
[...] die chaldschmied und die chezzler in unßer gnade
und schirme genommen haben DRW
7,788
(Hornschuch, Keßler; a. 1327);
Teichn
600,28.
– als Bestandteil von Personennamen:
Hainrich chaltsmit de Woluratehusen TradSchäftl
133;
Wernheres dez kaltsmides von Phullendorf lehen von mir UrkCorp
(WMU)
402,4.
2779,30.
– auch abwertend bezogen auf den oft herumziehenden ‘Kesselflicker’,
übertr. ‘Fahrender’
Ismahelîte, die varent in dere werlt wîte. / daz wir heizzen
chaltsmide Gen
858;
wie si Josep gewandes bestròften unde wie si in den chaltsmiden uerchoͮften
GenM
100,26
MWB 3,1 118,19; Bearbeiter: Diehl
kalwe
swF.
‘Kahlheit, Haarlosigkeit’ (vgl.
kelwe
):
calvitium: calwa SummHeinr
2:4,53
u.ö.;
swem daz hâr ouz rîset, ezne sî daz ez von der alten chalwen
sî, der sol nemen honecseim unde rîbe die stat wol vast dâ mit Barth
149,17.
–
‘kahle Stelle, Glatze’
dô kam daz kleine vogellîn / [...]. / dem einen ez an
die kalwen saz, / der ander man der resach daz, / und sluoc dar einen grôzen plaz /
sînem gesellen ûf den glaz HundesNot
175
MWB 3,1 118,38; Bearbeiter: Diehl
kalwen
swV.
‘kahl werden’
dar umb auch werdent die haizen man kal wenne si unkäusch
pflegent, aber die frawen kalwent niht, dâ von daz si kelterr nâtûr sint wan die man
BdN
7,33
MWB 3,1 118,47; Bearbeiter: Diehl
kalzen
swM. Pl.
→ kolzen
MWB 3,1 118,51;
kâm, kân
stM.
‘Schimmel’ (auf gegorenen Flüssigkeiten):
daz gelichet sich deme leimen der hute di uf dem wine wirt. daz
man den kan heizet SalArz
2,11;
wy man denn cham vertreibt Barth (H)
557;
bech, mergel, schimel unde kân / habent mir leides vil getân
Renner
9497
MWB 3,1 118,52; Bearbeiter: Diehl
kâmahû
MF.
→
gâmahiu
MWB 3,1 118,58;
camamel
stM. oder N.
zu mlat. canamella aus canna mellis (s. MlatWB 2,143),
‘Zuckerrohr’
uon dem camamel SalArz
8,15;
camamel ist warm vnd vuchte an dem erstin gradu vnde ist gut
uor der lunge schrepfte ebd.
16,29
MWB 3,1 118,59; Bearbeiter: Richter
kâman
stM.
→
gâmân
MWB 3,1 119,1;
kambalche
M.
auch kan-.
Felchen, Coregonus (ein Speisefisch aus der Ordnung der Lachsartigen) aus dem
Zugersee bei Cham, vgl. Anm.z.St. in UrbHabsb , SchweizId 4,1192 und
J. L. Brandstetter in Geschichtsfreund 38 (1883), S. 40; s.a. →
stanbalche
,
velche
:
die [
guͤter
] geltent der herschaft 1200 kanbalchen, 1000 roͤtlin, 600 eyger
UrbHabsb
1:209,7;
pro annuo censu, videlicet centum piscibus, qui kambalche nuncupantur, nostro
monasterio in festo sancti Galli persolvendis SchweizId
4,1192
(a. 1266)
u.ö.
MWB 3,1 119,2; Bearbeiter: Richter
kambe
swM.
→
kamp
stM.
MWB 3,1 119,13;
kamber
stM.
→
kembære
MWB 3,1 119,14;
cambicolor
Subst.
eine (schillernde) Stoffart (s.a.
enbicobe
):
reich was ir geraitte, / geworcht von purper und von samit, /
conbicolor und von capit HvNstAp
3951
MWB 3,1 119,15; Bearbeiter: Diehl
kâm|britel
stM.
‘zum Zaumzeug gehörende Gebissstange, Kandare’ (kâm- aus lat.
camus, mit zahlr. ahd. Belegen vgl. AWB 5,23f.):
camus: kambritil SummHeinr
1:354,117.
2:95,219;
die dir sust nicht nach wellent gan! / leg in cham pritel
an! Teichn
468,28
MWB 3,1 119,19; Bearbeiter: Diehl
kambur
stM.
‘Zählender, (Be-)Rechner’ (vgl. lat. computator und
Anm.z.St.):
ez wær eim kambur genuͦg, / der da zu der siene
[Rechenschiene] sæze / und die zal mit vieren mæze, /
so wær ein summer langer tag. / der heiden da so vil tot lag / daz nieman da die
erde sach Rennew
22890
MWB 3,1 119,25; Bearbeiter: Diehl |