kenne (?)
stF.
wohl ‘(Er-)Kenntnis’
Clemens vaste in [Petrus] ansach. / in duchte in
rechter kenne [vgl. La. in rechte erkenne
] , / wie er ouch in eteswenne / anderswa hete gesehen, / idoch wa daz
was geschehen, / des konde er nicht begrifen da Pass III
653,13
MWB 3,1 205,41; Bearbeiter: Hansen
kennelich, kenlich
Adj.
‘bekannt, offenkundig’ (in der md. Rechts- und Urkundensprache, vgl. mnd.
kentlik, kennelik, kenlik Schiller/ Lübben 2,446; s.a. WMU
2,993 und DRW 7,750):
so han wir der stede van Colne seszin burgin gesat, of dis id gebrocgin worde,
dat kenlig si, dat diese seszine [...] lestin sulin ze
Muͦlinheim, alse burgin reit is UrkCorp (WMU)
62,33
u.ö.;
universa debita notoria, que vulgariter kenlige sculde dicuntur
UrkNiederrh
2,437
(a. 1279);
het des byschof ampman van Collen iemanne van des greuen luden van der Marche
geschat binnen vreyden dat kenlich is, dat sal hey weyder keren
UrkBerlin
59
(a. 1300)
MWB 3,1 205,47; Bearbeiter: Hansen
kennelîn, kentelîn
stN.
Dimin. zu
kanne
, kante swF.
‘kleine Kanne, Kännchen’
swer in glesern oder in chaenelin
[...] oder niht mit dem gesatzten masse schenchet, als
oft swer daz tuͦt, als ofte sol er daz fuͤr valsche buͤzzen StRMünch
193,14;
ein kentelîn / mit wîne Ammenh
15663
MWB 3,1 205,61; Bearbeiter: Hansen
kennelôs
Adj.
‘kenntnislos, ohne Wissen’
und sô diu abegescheidenheit kumet ûf daz hœhste, sô wirt si
von bekennenne kennelôs und von minne minnelôs und von liehte vinster
Eckh
5: 428,8;
Eckh (J)
34,38;
kennelos und minnelos und werklos und geistlos
Tauler
257,36
MWB 3,1 206,3; Bearbeiter: Hansen
kennen
swV.
Prät. kante.
‘kennen, erkennen’
1
‘etw. kennen, (um) etw. wissen’
2
‘etw. (als etw.) erkennen, erfassen, wahrnehmen’
3
‘jmdn. kennen, mit jmdm. bekannt sein’
4
‘jmdn. (als jmdn.) erkennen’
1
‘etw. kennen, (um) etw. wissen’
von des túfels bosheit wiste ich nit, der welte krancheit
kante ich nit Mechth
4: 2,7;
vnsre herre chent die gedenche dir monschon [
novit cogitationes hominum
]
BrEng
7;
von den berlen ich iu sagen sol, / die kennent ir alle wol
Volmar
508;
TrSilv
40;
VMos
19,3.
–
got mir gan / geluͤcks und ern, daz kenne ich!
WhvÖst
17367
2
‘etw. (als etw.) erkennen, erfassen, wahrnehmen’
der [
stein
] gibt kraft ze kennen die siehtüem an dem menschen BdN
470,26;
di [die Speise des heiligen
Geistes] gib vns, herre vater, [...] da
von wir starch sin wider die svnde zestreiten vnd weiz dinen willen zechennen
DvAPatern
189;
waz [welches Gebäck] semelin ist,
daz sol man zwicken [kennzeichnen] , und daz bollin
[aus feinem Mehl] sol man ungezwicket lazzen, also daz
man einz voͤr dem andern kenne WüP
91,6;
subst.:
zu allem kennen waz sie laz: / sie kante nit uf erden / dann
den reinen werden / Jhesum HvNstGZ
3832.
– in myst. Texten (häufig unter Ersparung des Obj.):
hi sagit meister Eckart [...] wi
daz ubirste gut ist geordinit zu der sele und wi di sele sinen influiz inphehit
und wi di sele mit ime minnit und kennit Parad
6,33;
der vader ist ein bekentlich nature in ume selbin und
fluzit in ume selbin in sinir nature, e dan he kenne oder icht wolle ebd.
97,14;
diu vernunft in der nâtûre diu ist sich alvermügende in dem liehte der
nâtûre, unde dâ mite si sich kennet, daz ist ein anderz denne daz diu vernunft
ist Eckh (Pf)
670,4
Eckh
5: 308,6;
Part.Präs.:
der mensche der sinen uswendigen und inwendigen menschen
mit allem vermúgende uf spannet und flúget in die hoͤhi kennende und minnende,
das enkein sinnelich kraft nút erlangen enmag Tauler
378,10;
subst.:
das kennen, das wissen, das wellen Tauler
257,23
3
‘jmdn. kennen, mit jmdm. bekannt sein’
ich kenne ouch wol den pilat da von Zasamanc
Tannh
5,9;
in kande do min selbes niht ebd.
12,17;
dannoch ritten uber das rat / zehen außerwelter man / der ich
nicht wol gekennen kan HvNstAp
11395;
ich súch einen ritter des ich nit enkenne und weiß auch
synes namen nit Lanc
441,10
u.ö.;
UrkCorp
2302,23;
WüP
7f,2
4
‘jmdn. (als jmdn.) erkennen’
er forcht sere das sie yn kente, und kert syn anczlit von ir
Lanc
190,11
u.ö.;
do nam Pilose urlof / unde rumete den hof, / daz in nieman ne
kande Eilh
St,7375.
St,7499;
dô wart gevrâget, war umbe denne got niht ennæme die liute,
die er kennet [bei denen er erkennt] , daz sie ûz der gnâde
des toufes sölten vallen, daz sie stürben in ir kintheit Eckh
5: 288,7;
Herb
17128;
GvJudenb
2340.
–
und enfrage nút nach hohen kúnsten, denne gang in dinen
eigenen grunt unde ler dich selber kennen Tauler
74,26
MWB 3,1 206,9; Bearbeiter: Hansen
kenneschaft
stF.
‘Erkennungsvermögen’
Christ mit sîner gotes kraft / si blente an der kenschaft, /
daz si nicht erkanten in JvFrst
3942
MWB 3,1 207,1; Bearbeiter: Hansen
kennunge
stF.
‘Erkennen’
die geheizze die er [Gott] in [den
Menschen] do intwande [vermittelte] . die
warn rehte ein same von himile her an die erde geworphin. zeiner chennunge des altin
gotis PrWack
5,11
MWB 3,1 207,4; Bearbeiter: Hansen
kentelîn
stN.
→
kennelîn
MWB 3,1 207,9;
kentlich
Adj.
‘erkennbar, sichtbar, kenntlich’
ein stoub ûfdranc, der ubir al / velt und volc sô gar bewal /
mit alsô dickim melme, / daz noch banîr, noch helme, / noch andir strîtgeschirre /
was kentlîch in dî virre NvJer
15518
MWB 3,1 207,10; Bearbeiter: Hansen
kentnisse
stF.
→
kantnisse
MWB 3,1 207,15;
kenwortekeit
stF.
→
gegenwerticheit
MWB 3,1 207,16;
kepchîn
stN.
→
keppechîn
MWB 3,1 207,17;
kepfære
stM.
ein aus der Wand herausragender Stein oder Balken, durch den andere Bauteile
gestützt werden ‘Balkenkopf, Kragstein, Stützbalken’ (entlehnt aus einer
Vorform von frz. chevron, früh.-rom. *capreonem, vgl. Kluge,
S. 468; SchweizId 3,407f.; wohl sekundäre Anlehnung an
kepfen
):
proceres: kepfer, schorstein VocOpt
5.110;
daz wir an der mvren, die wir han an deme hove [...]
in der stat ze Colmere [...], haben vs geschossen kepfere
gegen hern Vͦlriches gesesse des Tanners [...], vnd
erlvͦben ime, an die selben muren ze buwende UrkCorp (WMU)
N495,1
(s.v. kapfære)
MWB 3,1 207,18; Bearbeiterin: Baumgarte
kepfen, kapfen
swV.
Prät. kapfte ( →
ûf kepfen
).
‘(hervor-, heraus-)stehen, ragen’
sie habent schopfes vil dâ vor, / hinden kepfet im enbor / ein spænel
[eine Locke] kûme vingers breit Helbl
1,276;
sîn Rûmegazze [sein Schwert ‘Räum die Gasse’]
kaphet zallen zîten wol hinhinder Neidh
WL 10:1,11;
ich sach doch einen sigelôs, / der den buckelaere [einen größeren
und schwereren Schildtyp] vür den schilt erkôs / swie daz
[La. (Wartb
Rs *25,10
) swie doch
] sîn swert gar hôhe kunde kepfen [obwohl sein Schwert
hoch (darüber hinaus) reichen konnte (der bukelære ist zu unhandlich,
um vor kleinen Wurfgeschossen (riutelingen, vgl. 229
(*26,9)) zu schützen]
Loheng
220
MWB 3,1 207,30; Bearbeiterin: Baumgarte
keppechîn
stN.
Dimin. zu
kappe
swstF. 2.
‘(kleine) Kappe, Käppchen’ (als Kopfbedeckung):
ouch dy frauwe mogin wole tragin an irme gebende kepchin gestreichit ane golt
und silbir StRMühlh
45
MWB 3,1 207,44; Bearbeiter: Hansen
keppeler
stM.
→
kappelære
MWB 3,1 207,49;
keppelîn, keppel
stN.
auch keppeli, keppali.
Dimin. zu
kappe
swstF.
1
‘(kleines, einfaches) mantelartiges Obergewand (mit Kapuze)’ (zu
kappe
swstF. 1 ) 2
‘(kleine) Kappe, Käppchen’ (als Kopfbedeckung; zu
kappe
swstF. 2 )
1
‘(kleines, einfaches) mantelartiges Obergewand (mit Kapuze)’ (zu
kappe
swstF. 1):
hœrt, wie ein schretel dort her lief. / [...] ez was
gar eislîch getân / und het ein rôtez keppel an Schrätel
190;
sôgetân herren dekeinen sô bœsen / roc habent, den si von der hant / frîlich
lâzen âne pfant: / zwuo hosen oder ein keppelîn / muoz einer lœsen ze dem wîn, / der
ez haben wil von in Renner
15177.
16776.
– verächtlich auf Mönchskutten bzw. Mönche bezogen (vgl. FrlWB 182):
her Hof, wie lange sol ich daz vertragen, / daz iu behagen / so wol die
klostergiegen [Klosternarren] ? / möcht ir lazen
vliegen / die keppel heim, der menige unpris müste vor iu biegen
Frl
5:33,5.
– bildl.:
her hete den sunden gerne gemachet / ein keppelin, des
wart her geswachet. / di bicht sal gar nacket sin, / si sol haben kein keppelin.
/ daz deckekleit mit irre lere / benamen ir di predigere Brun
8368.
– für hëlkeppelîn
‘Tarnkappe’ (hier bildl. ‘falsche, hinterhältige Art’):
‘vil missewendic sint die man, / si tragent helekäppel an. /
[...] versnîdet dich ir käppelsnite, / dû muost diu
wange ûz ougen baden.’ / [...]
[Tochter:] ‘waz ahte ich ûf ir käppelîn, / dâ si ir
vriunt versnîdent mite? / ich getrû dem stæten herzen mîn’
Winsbeckin
18,1
2
‘(kleine) Kappe, Käppchen’ (als Kopfbedeckung; zu
kappe
swstF. 2):
wie hoͤfsche lúte habe der Rin, / daz ist mir wol mit schaden kunt. / ir
hube, ir har, ir keppelin / erzeigent núwer fúnde vunt Marner (W)
3:2,3;
nû stêt etelîcher als im ein spiz in dem rücke stecke, unde kumt im daz
keppelîn oder der huot niemer von dem houbte PrBerth
1:457,17;
daz keppelîn oder swaz ir ûf dem houbte habt ebd.
1:457,10;
ein rotes keppeli StBZürich
18;
keppali Gnaistli
425;
SchwSp
69b
MWB 3,1 207,50; Bearbeiter: Hansen
keppëlîn
stN.
→
kappëllîn
MWB 3,1 208,23;
keppelsnit
stM.
‘heimlicher Messerangriff, Dolchstoß eines Menschen unter der Tarnkappe’,
hier bildl. für (ehr-)verletzendes Verhalten, das aus böswilliger Verstellung
resultiert:
vil missewendic sint die man, / si tragent helekäppel
[Tarnkappen] an. / [...]
versnîdet dich [Tochter] ir käppelsnite, / dû muost diu
wange ûz ougen baden Winsbeckin
17,9
MWB 3,1 208,24; Bearbeiter: Hansen
kêr
stM.
→
kêre
MWB 3,1 208,32;
kêrære
stM.
‘(Um-)Wender, Kehrer’ (zur Übers. von lat. versus
‘Vers’):
auz der selben geschrift macht man gemezzen rede, die wir
vers haizen, daz sint walzær oder kêrær, wan man muoz die red hin und her welzen und
kêren, ê man si nâch künsten mag gemezzen BdN
430,30
MWB 3,1 208,33; Bearbeiter: Hansen
kerbe
swF.
wohl ‘Korb’ (kaum Erstbeleg für die frnhd. für kërbe belegte
Bed. ‘Gesäßfalte, After’ wie Lexer 1,1550 z.St. vermutet):
[der Vater bemerkt, dass sich ein Liebhaber seiner Tochter in einem
durch ein Loch in der Decke heruntergelassenen Korb nähern will:]
er lief mit zorne dar, / und wolde in begrîfen, / die vueze begunden im slîfen / unt
ze eime valle werben, / sus viel er in die kerben / einen kreftigen val, / daz vil
lûte erschal / unde regete sich daz seil RvMunre
850.
888
MWB 3,1 208,39; Bearbeiter: Hansen
kërbe
Subst.
Pl. hier (verschrieben?) kerbere (gerne:).
‘Einschnitt, Kerbe, Schnittwunde’
sy salbede yme uch sine vuze. / dat nam der herzesuysze / vil sere gerne, / wande
si hatten viil kerbere: / si waren iemerlichen gescrunden MynnenR
708
MWB 3,1 208,49; Bearbeiter: Hansen
kërbele
F.
→
kërvele
MWB 3,1 208,54;
kërbelîn
stN.
Dimin. zu
kërbe
.
‘Grübchen’
in rehter mâze cleine / lûhte ir kinne dort her dan / und
stuont ein kerbelîn dar an KvWTroj
19986
MWB 3,1 208,55; Bearbeiter: Hansen |