kalben
swV.
‘ ein Kalb werfen, kalben’, hier evtl. übertr. ‘sich wie ein Kalb
benehmen, herumalbern’ (vgl. mit jüngeren Belegen FWB 8,486 und 8,488 s.v.
kälbern):
wyͤ, mir ist leyde und czoren, / ich han myn knecht [auf dem
Weg] vorloren / [...] / und ich furchte
er lege [liege] kalben OsterSpI
617
MWB 3,1 107,53; Bearbeiter: Diehl
kalbskrœse
stN.
‘Kalbsdarm’
die feitzten kalbeskroͤse / / gesoten und geroͤstet KgvOdenw
1,179
MWB 3,1 107,60; Bearbeiter: Diehl
kalbslebere
swF.
‘Kalbsleber’
wilt du einen guͦten fladen machen von kalbslebern, so nim
kalbslebern vnd hacke die clein BvgSp
90
u.ö.
MWB 3,1 107,62; Bearbeiter: Diehl
kalbsvuoʒ
stM.
1
‘Kalbsfuß’
2 als Pflanzenname (Aronstab; vgl. AWB 5,9 und Marzell 1,449f.)
1
‘Kalbsfuß’
[sie] spalden den kalbes vuz HeslApk
8445
2
als Pflanzenname (Aronstab; vgl. AWB 5,9 und Marzell 1,449f.):
iliaros pes vituli: cabeswz [l. calbes-
]
Gl
3:542,33
(BStK947)
MWB 3,1 108,1; Bearbeiter: Diehl
kalc
stM.
‘Kalk’
dô wart vermûret daz tor / mit kalke und mit steinen / grôzen unde kleinen, /
die veste wâren unde hart En
8413;
mit dem kalke man in bant [verputzte den
Saal] , / so man in schonest fant, / rechte wiz als der sne
Herb
1825;
ouch was daz gemiwer / von guotes kalkes stiwer / sô vaste
verwallen Ottok
59872;
do man icht zymern wold / oder mawren sold, / holcz slahen
oder kalich prennen HvBurg
5701;
[es gibt an Zoll] der wagen mit ziegel oder mit mvrsteinen
oder mit kalcke, [...], einen phenninch UrkCorp
(WMU)
548ABC,15,16,38.
– oft im Hinblick auf die Eigenschaften des ungelöschten Kalks:
der ungenetzte kalch lebet vnde ist heiz an dem uierden
gradu. vnde trucken SalArz
92,6.
28,21;
OvBaierl
76,1;
Macer
35,23;
lebentiger kalk, daz ist newer kalk, hât verporgenz fewer
BdN
443,21.
443,24;
die wile trucken ist der kalc, / sin viur, daz ist verspart, / und wirt er
naz, gar manigvalt / vor hitze er brinnet uf der vart Frl
9:7,13;
sumelîche gotes scalche, / mit wallundem kalche / marterte
man in die lîchnâmen Kchr
6398;
als ob ein kalc dâ wære enbrant, / alsô was ob im rouches
vil KvWTroj
35932;
Ottok
4492.
– phras. (?):
so ist der kalc und trunkenheit / vil wol von einer art [im
Hinblick auf die eruptive Reaktion nach dem Zufügen von
Flüssigkeit]
Frl
9:7,17;
si solten geben, ê dem lobe der kalc würde abe getragen [bevor
der Lack (hier ‘Kalktünche, Schminke’) ab ist (vgl. Wilmanns, Walth.
Anm.z.St.)]
Walth
28,30;
ist er kayl und ane har, / man sprichet, er sii ein glazzer schalk / und trage
in sinen huͦte kalk MinneR 52
66.
– als Bestandteil von Personennamen:
Friederich im Chalch UrkCorp (WMU)
N671,2
MWB 3,1 108,6; Bearbeiter: Diehl
calcaire
Subst.
aus lat. calcaria (vgl. MlatWB 2,56).
‘Ofen zum Kalkbrennen’
daz ich [...] min hoͤfh ze Scurffen
[...] han geben [...] vmbe de
calcaire ce Tarrens UrkCorp (WMU)
90,4
MWB 3,1 108,40; Bearbeiter: Diehl
kalcbrennære
stM.
‘Kalkbrenner’
warandyam cementariorum, qui kalcbernere vocantur WeistGr
3,186
(a. 1277).
– als Bestandteil von Personennamen:
in curia Theoderici dicti Kalcburner UrkFrankf
1,440
(a. 1305);
Gyso dictus calcburnere zu Laubenheim DRW
6,731
(EtymFamNWB.; a. 1297)
MWB 3,1 108,44; Bearbeiter: Diehl
calcedôn
stM.
auch lat. calcedonius, bzw. calcedonie swF. (
GTroj
1950, MarcoPolo ).
ein Edelstein (heute Gruppenbegriff für Steine wie Achat, Carneol, Onyx; vgl.
Engelen, Edelsteine, S. 289-293; Lecoutex, Pierres, S. 90f.; Salzer, Sinnbilder, S.
214-216; ausführl. mhd. HimmlJer
173ff. und BdN
438,11ff.):
dâ lac kalcedon, berillus, / ônix und crisolitus, / jâchant
und karfunkel: / dâ von wart niener tunkel / in der kemenâten UvZLanz
4141;
Rol
1559;
dar nach ist ouch gut so man nimet ladanum vnde wermute,
kalcetern vnde burne der allir geliche uil zu einim puluere siben tage
SalArz
26,58;
calcedôn ist nâhe gelîch / dem kappensteine wærlîch. / swâ ein
strît sich heben wil, / ir sî wênic oder vil, / bringet man in dar enzît, / sô
zergât der strît Volmar
565;
so hilfet vor gerichte kalcedonius sunder schaden kumende JTit
565,4;
BdN
438,12;
do ist ouch eyn wazzer, in deme vint man dy jaspis unde calcydonie di vulle
MarcoPolo
13,22.
– häufig in Edelsteinkatalogen:
vil saphiren, schmaraken und rubin / sind in die cröne
gelaitt, / karfunkell und calzidonien braitt GTroj
1950;
Herb
9234;
Tr
10971;
Parz
791,3;
HvNstAp
18148;
Ottok
69264
MWB 3,1 108,51; Bearbeiter: Diehl
calcedônen
swV.
‘dem
calcedôn
gleich werden’ (als Symbol der Demut eine Mariensigle, vgl. FrlWB, S.
180 und Salzer, Sinnbilder, S. 214-216):
sin topasieren mir in reiner lüste quam, / do calcedonete ich
[Maria] , daz ez der züchte zam Frl
1:20,24
MWB 3,1 109,11; Bearbeiter: Diehl
kalc|kretze
swM.F.
Korb als Maßeinheit für Kalk (entspr. 890 Litern, vgl. Gl.z.St.):
all chalichchretzen sullen einen gantzen muͤt haben nach
vier aufgehawften schaflein StRMünch
534,1
MWB 3,1 109,17; Bearbeiter: Diehl
calcofôn
stM.
auch alkofon (wohl verschrieben, vgl. Suolahti 1,47) und
calof.
ein Edelstein (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 93):
calcofôn der edel stein / [...] /
swer in treit in eime vingerlîn, / der mac wol âne wîp sîn Volmar
497;
von dem calof. calophagus oder calophanos ist ain swarzer
stain. [...]. der stain klingelt schôn reht sam diu
glokspeis, wenn man mit ainem eisen dar auf slecht BdN
440,28.
– in Edelsteinkatalogen:
[...], / sardonîs unt calcofôn, /
[...]
Parz
791,12;
[...], / karfuncolus und caltafon [Hs.
calcafon
] , / [...]
HvNstAp
18149;
alkofone, rubine, [...]
JTit
363,1
MWB 3,1 109,21; Bearbeiter: Diehl
kalcoven
stM.
‘Ofen zum Kalkbrennen’
allez daz reht, daz wir [...] heten an dem anger, der
vor dem swibogen lit, vnd an dem chalchoven, der der zv gehoͤret UrkCorp
(WMU)
808,18.
738,20;
der selbe ritter wart kürzlich dar nâch in einen kalkoven geworfen und
verbrante dar inne ze tôde SprMyst (Pf)
237a,43
MWB 3,1 109,33; Bearbeiter: Diehl
Kaldêi
Subst.
eigentl. ‘Chaldäer’, hier evtl. anspielend auf babylonische Astrologen
(vgl. LThK 2,998f. und
von Kaldêâ und von Indîâ, / [...]
alle meister gar RvEBarl
8928
) oder allgemeiner auf die Bevölkerung des arabischen Sprachraums bezogen
(vgl.
kaldêisch
mit Lit.):
driu leben in dirre welte lebent, / diu vil goten sich
ergebent, / diu wil ich dir bescheiden: / juden, kristen, heiden. / der eine teil
der ist an iu, / der hât geteilet sich in driu: / Kaldêî, Kriechen, Egyptiî
RvEBarl
9257;
[die Predigt der Apostel] starkte des gelouben kraft / den
juden und der heidenschaft: / Kaldein, Armenjen, Kriechen ebd.
3031;
sie sint tôrheit rîcher / und lebent unmenschlîcher, / danne
die Kaldêjen leben ebd.
9845
MWB 3,1 109,40; Bearbeiter: Diehl
kaldêisch
Adj.
eigentl. ‘chaldäisch’, i.d.R. weiter gefasst ‘arabisch’ (vgl.
Heinzle, Wh. S. 968 mit weiterer Lit., s.a. das nicht auf Sprachen bezogene
arâbesch
):
Jeronimus der heilige man vant an den caldêischen buochen von
maniger ercenîe Barth
154,24.
– überw. subst. bezogen auf die Sprache ‘das Arabische’
Norweye, Yberne sint unbekant / an ir sprâche tiutschen liuten; / nieman kan
ouch wol bediuten / kriechisch, jüdisch und heidenisch / syrisch, windisch,
kaldêisch: / swer daz mischet in tiutsch getihte, / diu meisterschaft ist gar ze
nihte Renner
22284;
der marhgrâve dâ ze stunde / sprach chaldeis und heidensch
zim Wh
192,23.
192,8;
Wartb (S)
119,10
MWB 3,1 109,55; Bearbeiter: Diehl
kaldiment
stN.
‘(zerschnittene) Eingeweide (vom Schwein)’
nim gesotene swins darme vnd den magen, snit die
[...] so du cleinest wilt.
[...] vnd guͤz ez [die
Marinade] vf die kaldiment vnd tuͦ smaltz dor zvͦ
BvgSp
21
MWB 3,1 110,5; Bearbeiter: Diehl
cale
Subst.
→
eale
MWB 3,1 110,10;
kalemente
Subst.
→
kalamente
MWB 3,1 110,11;
kalemîn
stM.
‘Zinkerz’ (ein Mineral, das zur Herstellung von Messing verwendet
wird;
s.a.
galmei
):
die vürsten sint des kopfers worden inne, wie daz gemischet ist mit kalemîne
Rumelant (R)
1:8,14
MWB 3,1 110,12; Bearbeiterin: Herbers
kalende
F.
‘erster Tag des Monats’ (meist Pl., in Anlehnung an die röm. Datierung aus
lat. kalendae, meist mit einer Ordinalzahl zur Angabe der Anzahl der vor
dem Monatsersten liegenden Tage einschließl. des ersten und letzten):
danach wissest daz ieglich mande drier hande tage het, daz
sint kalende, none unde idus MNat
17,14;
von ostrun unzi zir kalende des manodis BrZw
48;
sîn lebin sach man endin / an den nûndin kalendin / des
oustin [24. Juli]
NvJer
1006;
do man zalte dîe sehzehendvn kalende maîenes [16.
April]
UrkCorp (WMU)
N633,35;
an dem tage der achtzehenden kalenden dez monades, der da heiset julius
[14. Juni]
ebd.
2734,13.
– für den ganzen Monat:
an sant Laurencien habent [l. abent (9.
August)] in den kalenden des manodes UrkCorp (WMU)
N503,20
MWB 3,1 110,17; Bearbeiter: Diehl
kalender, kalendenære
stM.
‘Kalender, Verzeichnis der Tage des Jahres sowie der kirchl. Gedenk- und
Feiertage’ (aus lat. calendarium):
an dem cristesâbende zu prîme, swâ man den kalender liset
StatDtOrd
124,35;
der gewonlich mande daz sint die tage die von den alten ziten
unde nu geschriben sint in unsern kalendenern MNat
15,24;
keiser Iulius, der mahte den kalendener rehte unde irvollette
den gebresten mit einlof dagen ebd.
16,24.
– auch lat. flektiert:
stat der tac in dem kalendario ebd.
18,11.
18,16
MWB 3,1 110,34; Bearbeiter: Diehl
caleus
Subst.
Name einer Süßspeise:
halt die mandelmilch vͤber daz fiuͤr,
[...], wirf daz brot dar in, daz sie dicke werde,
[...] vnde strauwe ein zvcker dar vf. daz heizzet
caleus BvgSp
24
MWB 3,1 110,45; Bearbeiter: Diehl
kalge
F.
‘Ferse’ (zu lat. calx, vgl. Wegner, Albrecht, S. 240):
von dem knie zer kalg iz zwir zebruckte. / der schenkel blank wart in driu
geteilet JTit
5689,2.
– als Variante:
von dem knie zvr kalig JTit (H)
5630,2
(Verschreibung oder zu lat. caliga
‘Stiefel’, wohl ‘Teil des Fußes’?)
MWB 3,1 110,49; Bearbeiter: Diehl
kalhart
stM.
‘Schwätzer’, in Würzburg Bezeichnung für den Saal, in dem das kaiserliche
Landgericht unter Vorsitz des Bischofs tagte, davor (‘under kalharten’)
befanden sich u.a. Marktbuden:
si begund ain wile stan / under kalharten; / ir kaüffes wölt sy warten
ArmKonr (DVN)
l,35;
swer auch wil vail haben tuͦch uf dem hof oder dem gademen an
dem marckt oder leinein tuͦch under kalharten, als daz von alter her chomen ist
WüP
104,3;
Herman erwalter zcu bischoff saß das erste lantgericht uff dem sal in kalharts
kemnaten DRW
6,729
(SchrrBayrLG. 54; a. 1334)
MWB 3,1 110,55; Bearbeiter: Diehl
kalîf
M.
‘Kalif’ (zur Sache vgl. LexMa 5,868f.):
Baldac ist ain hauptstat: / haidnisch diet dinne hat / ainen
babst, der haizt kalif, / des gewalt und des begrif / get nah ir e durch
haidenschaft WhvÖst
6019
u.ö.;
eyn califfus was czu Baldac, das ist eyn babist, der do hassite di cristin
MarcoPolo
6,14
u.ö.
MWB 3,1 111,3; Bearbeiter: Diehl
kalige
stF.
→
kalge
MWB 3,1 111,10; |