kathaplasma
N.
‘Salbenumschlag, Wickel mit heilenden, wärmenden oder kühlenden
Bestandteilen’ (vgl. MlatWB 2,361f. s.v. cataplasma):
von dem senfe machet man ein guͦt kathaplasma
Macer
26,13
MWB 3,1 172,58; Bearbeiterin: Baumgarte
cathaplebe
swM.
ein Fabeltier (vgl. MlatWB 2,382 s.v. catoblepas, cathapleba
‘Gnu’):
von dem cathapleben. cathapleba ist ain tier, daz wont pei
dem wazzer, daz Nilus haizt, in Egiptenlant. alsô sprechent die maister Plinius und
Solînus. daz ist sô vergiftig mit seim angesiht, ob ainer im in daz aug siht, sô
stirbt er zehant BdN
131,22
MWB 3,1 172,63; Bearbeiterin: Baumgarte
catharticum, catharcium
N.
‘ein Abführmittel’ (vgl. MlatWB 2,373 s.v. catharticus):
gip im catarticum SalArz
71,29;
catarcium imperiale furdert des ersten di roten coleram
ebd.
94,55;
catarcicum ebd.
95,6
MWB 3,1 173,6; Bearbeiterin: Baumgarte
cathe
swM.
ein Fabeltier (vgl. MlatWB 2,14 s.v. cacus):
von dem cathen [de caco] . cathus
ist ain tier in dem land Archadia, daz ist zemâl stinkend als ain verunraint swein.
der maister Adelînus schreibt von dem tier, daz ez flammen auz seim hals lâz
BdN
129,2
MWB 3,1 173,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kathecuminus
M.
jmd., der die Taufe erlangen möchte, Taufbewerber ‘Katechumene’ (vgl.
MlatWB 2,368 s.v. catechumenus):
dise lêre lêrte sus / der gotes kathecuminus / und vestent ez
vil sêre / nâch kristenlîcher lêre RvEBarl
14128
MWB 3,1 173,17; Bearbeiterin: Baumgarte
kathezizieren
swV.
‘jmdn. auf die Taufe vorbereiten, den Katechismus lehren’ (mit Akk.d.P.; vgl.
MlatWB 2,367 s.v. catechizo):
er katheziziert in sô: / ‘sun’ sprach er, ‘geloubestû / mit
vesteclîchen sinnen nû, / daz got ie was und iemer ist’ RvEBarl
6732;
er kathezizierte in sâ / mit gotlîchem segene aldâ ebd.
14155
MWB 3,1 173,22; Bearbeiterin: Baumgarte
katholicô
M.
zum mlat. Adj. catholicus (vgl. MlatWB 2,379ff.).
Bez. für den Patriarchen von Hromgla [= Ranculat], einer byzantinischen
Festung am Euphrat (vgl. Suolahti 1,121):
waz dar inne veiles læge? / derz mit gelte widerwæge, / der
bâruc von Baldac / vergulte niht daz drinne lac: / als tæte der katolicô / von
Ranculat: dô Kriechen sô / stuont daz man hort dar inne vant Parz
563,7
MWB 3,1 173,29; Bearbeiterin: Baumgarte
katîve
Adj.
‘fremd, elend, unglücklich’ (vgl. Suolahti 1,121):
ouch soullens wyr anderen haven schande / ind kative blyven in desem lande
KarlGalie
4195;
o wi mir armen wive, / wie bin ich dus keitive / hie in deseme lande / inde
ich dese schande / en weiz weme clagen, / de mich moge verdragen / na urdeile inde
rechte MorantGalie
1664.
– subst.:
wir sullen arme kative bliven HagenChr (G)
3174;
‘in truwen’ sprach der keitif MorantGalie
4857
MWB 3,1 173,37; Bearbeiterin: Baumgarte
katze
swF.
‘Katze’
1 das Tier (zur Bed. der Katze in Volks- und Aberglauben vgl. Hwb. dt. Abergl.
4,1107-1124) 1.1 allg. 1.2 in Vergleichen 1.3 in Sprichwörtern, Wendungen u. ä. (vgl. Friedrich, PhrasWB 241 sowie TPMA 6,441-465) 2 eine Belagerungsvorrichtung, die vor allem dem Schutz der Belagerer diente (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,406f.)
1
das Tier (zur Bed. der Katze in Volks- und Aberglauben vgl. Hwb. dt. Abergl.
4,1107-1124)
1.1
allg.:
cattus: katze VocOpt
45.068;
musio oder murilegus oder cattus haizt ain katz. daz ist
gar ain listik tier BdN
151,24;
diu katze mint unreine, entreint daz reine RvZw
165,7
u. ö.;
er muoste loufen unde gân / ûf manigen hôhen rûhen berc,
/ dâ weder katze, noch getwerc / möht über sîn geklummen KvWTroj
6190;
ein alsô armez hûs, / dâ diu katze noch diu mûs / sich niender inne moht
ernern Georg
1896;
Barth
139,29;
ReinFu
K,313;
RvEBarl
10551.
– eine →
merkatze
(?):
dâ [auf dem Schild] lûhte
in swarzem schîne von / ein wildiu katze von dem mer KvWTroj
33071.
– das Niesen einer Katze in Verbindung mit magischen Fähigkeiten
(?):
dir het diu katze niht genorn [geniest] , /
frumer kneht; und wær ez wâr! [vgl. Anm.z.St.]
Helbl
1,1393
1.2
in Vergleichen:
– Aussehen betreffend:
ir [Flatas] antlitz ist
fraßlich. / geleich ainer wilden katzen HvNstAp
4380;
verwâze von mir den Satân, / der [...] als
ein eber ist gezan / und hât alsam ein katze gran
[Schnurrhaare]
MarGr 18
61;
Herb
7691.
– Verhalten betreffend:
si [die merker
] sehent umb sam diu katze nâch der mûs SM:Had
3: 5,5;
als die katze mit der mûs / spilten die Oselêre LivlChr
1230;
er [der Löwe] îlte ûz sîme neste / zuo dem
pherde wünneclich / und hete sam ein katze sich / gestrûbet und gesmücket, /
diu sich zesamne drücket, / sô si der miuse lâgen muoz
KvWPart
10526;
HvNstAp
4618;
Bez. ketzer abgeleitet von katze bei
PrBerth (vgl. auch die weiteren Ausführungen von
1:402,21 bis 1:403,21):
er hiez in einen ketzer. daz tet er dar umbe, daz er sich gar wol
heimelîchen gemachen kan, swâ man in niht wol erkennet, als ouch diu katze
PrBerth
1:402,23
u. ö.
1.3
in Sprichwörtern, Wendungen u. ä. (vgl. Friedrich, PhrasWB 241 sowie TPMA
6,441-465):
als diu katze ûz kumet, sô rîchsent die miuse: als ir [der
Dienerschaft] hêrschaft ûz kumet, sô hebet sich grôz unzuht
PrBerth
1:85,6;
sô diu katze gevrizzet vil, / zehant sô hebet sî ir
spil [als Anspielung auf Iweins Übermütigkeit während eines
Gelages]
Iw
823;
diu mûs ungerne ziuhet kint, / swâ si weiz, dâ katzen sint
Freid
141,14
u. ö.;
man streichet eine katzen schon, / um daz sie miuse jaget
Frl
9:10,13;
duͤ kaz den vischen ist gefaͤr / vnd wa si by dem wazzer waͤr / si woͤlt
dar in komen nicht MinneR 53
77;
dû [
werlt
] ziuhest mir den halm alsô einer jungen katzen vor
WernhSpr (Z)
64,3;
RvMunre
1257.
–
diu ~ belîbet jmdm. ûf dem rücken etwa i.S.v.
‘etwas Unangenehmes/ eine Last (er-)tragen müssen’ (?)
(vgl. DWB 5,285):
daz mir belibe hie / ûf dem ruck diu katze, / daz
Niuhûs [eine Burg] , ze tratze
Ottok
54835.
– in der Fabel ‘Rat der Mäuse gegen die Katze’ (vgl. Dicke/
Grubmüller Nr. 483; zur aus dieser Fabel erst später erwachsenen Wendung
einer katze die schellen anehengen/-binden u.ä. vgl. DWB
5,283, FWB 1,1238 sowie TPMA 6,461):
da sollen wir [die Mäuse] henken an / der
katzen eine schellen [s. Anm.z.St.]
KgvOdenw
8,27;
Boner
70,27
2
eine Belagerungsvorrichtung, die vor allem dem Schutz der Belagerer diente (vgl.
Schultz, Höf. Leben 2,406f.):
testudo: katze VocOpt
29.051;
der kunic het mit im genomen / antwerc und einez, heizet
katze Ottok
9106
u. ö.;
czu hulfe desir eynunge so sullen wir furin eyne blidin, eyne kaczin und
czwenczig schiczin mit rucarmbrustin UrkErf
2,191
(a. 1343);
Kreuzf
6452;
KLD:BvH
16: 2,8.
– im bildhaften Vergleich:
hie wurt rehte die katze an die mure getrungen; schiere
so der mensche in kummet in daz riche daz in uns ist, die muren súllent schiere
gevellet werden Tauler
419,37
MWB 3,1 173,47; Bearbeiter: Luxner
katzenber
stNF.
Bez. für unterschiedliche Pflanzen, s. AWB 5,59
MWB 3,1 174,58; Bearbeiter: Luxner
katzenbrët
stN.
hier -brit; Pl. -brútter.
Abdeckung bzw. Dach der Katze, einer Belagerungsvorrichtung (vgl.
katze
2):
pluteus: katzenbrit, kaczenbrútter VocOpt
29.055
MWB 3,1 174,60; Bearbeiter: Luxner
katzengolt
stN.
Bez. für das goldgelbe Harz des Kirschbaumes (vgl. Kluge S. 478):
gummi : kazzengolt SummHeinr
1:186,221.
2:48,286
MWB 3,1 175,1; Bearbeiter: Luxner
katzenhâr
stN.
‘Katzenhaar, -fell’
der ameiz des gewar wart, / vz dem hovbet tet er eine vart. /
do kroch er rechte, deswar, / fvr sich in daz katzenhar ReinFu
K,2042
MWB 3,1 175,4; Bearbeiter: Luxner
katzenhuot
stM.
hier katzhvt.
‘Kopfbedeckung aus Katzenfell’
do satzt er im vf den katzhvt ReinFu
K,2014
MWB 3,1 175,8; Bearbeiter: Luxner
katzenhurt
stF.
Abdeckung bzw. Dach der Katze, einer Belagerungsvorrichtung (vgl.
katze
2):
cratis: katzenhurt, kaczenhurt VocOpt
29.056
MWB 3,1 175,11; Bearbeiter: Luxner
katzenkint
stN.
‘Katzenjunges, junge Katze’ im Sprichwort (vgl. TPMA 6,449):
katzen kint gelernet wol mûsen Renner
13325;
kchaczn chind lernt wol maüsenn Freid (Sch)
96
MWB 3,1 175,14; Bearbeiter: Luxner
katzenkrût
stN.
‘Katzenminze’ (vgl. Marzell 3,309-313):
nepta: katzencraut Gl
3:562,28
(BStK285)
MWB 3,1 175,18; Bearbeiter: Luxner
katzenmist
stMN.
‘Katzenkot’
wor daz mol in den ougen nym
ruiz [Ruß] unde katzen mist unde salcz unde menge daz
mit czegener milch [Ziegenmilch] unde truckene is denne
unde rip daz czu puluer unde blos dem pherde in daz ouge Albrant
3,56
MWB 3,1 175,20; Bearbeiter: Luxner
katzenôr
stN.
‘Katzenohr’, hier als Bestandteil eines Personennamens:
her Gvnther katzenôr, ein burger von Strazburg UrkCorp (WMU)
N130,9
MWB 3,1 175,26; Bearbeiter: Luxner
katzenouge
swN.
‘Auge einer Katze’
lieber meister, ez sol an mîr / ein katzen ouge werden. / ichn
weiz niht uf der erden, / daz baz gesehe, dan si tut [dem König soll ein
fehlendes Auge mit dem Auge einer Katze ersetzt werden]
StrKD
2,27
u. ö.
MWB 3,1 175,29; Bearbeiter: Luxner
katzenritter
stM.
jmd., der zur Schau mit Tieren kämpft (vgl. DWB 5,299):
spil laͤut vnd loͤtern [Gaukler] vnd katzen ritter,
vnd ander puͦben, die guͦt mit unzuͤchten vnd mit suͤnden gewinnent
RechtssA
V27,51
MWB 3,1 175,34; Bearbeiter: Luxner
katzen|smër
stN.
‘Katzenfett’
nim chazensmer unde eines dahses smer unde bernsmer unde einer
alten geize smer Barth
143,11;
man sal nemen katzen smer vnde aloe glich uil
SalArz
116,13
MWB 3,1 175,39; Bearbeiter: Luxner
katzenspil
stN.
‘Spiel für Katzen’
[
dër wërlt
] lon ist ein katzen spil: / si zeiget vnd zucket / geliche als der
den halm rucket / durch schimpf den ivngen katzen vor TürlArabel
*R 67,12
MWB 3,1 175,43; Bearbeiter: Luxner
katzensprunc
stM.
‘Sprung einer Katze’, hier übertr. auf Menschen, die sich aus dem Fenster
retten, ‘waghalsiger, riskanter Sprung’
da wart gedain sulch katzen sprunck / van luden beide alt ind junck / zo den
vinsteren us HagenChr (G)
3129
MWB 3,1 175,47; Bearbeiter: Luxner
katzenvaʒ
stN.
‘Napf, Schale für eine Katze’
gip dir selber ûf dîn katzenvaz oder dînen kinden oder dîner katzen!
[seinen Handwerkern und Dienstleuten hingegen soll man das Essen in
grôzen schüzzeln geben]
PrBerth
1:91,6
MWB 3,1 175,53; Bearbeiter: Luxner |