kæse
stM.
‘Käse’, als Bezeichnung für verschiedene, durch Dicklegung von Milch
gewonnene und ggf. gewürzte und gereifte Käseprodukte (insbes. Sauermilchkäse,
Frischkäse, Quark, aber auch durch Labwirkung erzeugter, höherwertiger Labkäse),
metonymisch eine konkrete (geformte) Portion bzw. ein Käselaib:
dô greif er in die gugelen sân / und nam den kêse in sîne
hant; / der willetôre her Tristant / greif sô grimmeclîch dar în, / daz im durch die
vinger sîn / ran daz kêsewazzer [die Molke]
HvFreibTr
5195;
kæs ist kalt und vol löchel, dâ von zeuht er die hitzigen
dünst in sich BdN
352,5;
ist auch, daz man [...]
[Minze] in ain milich legt, die læt si niht zuo kæs werden
ebd.
408,30;
gesalzene kese [...] unde andere
ungesunde spîse StatDtOrd
67,34;
rib kese, menge den mit eyern vnd scharbe gesoten spec dar zvͦ
BvgSp
44;
nim grunen [frischen, ungereiften]
kese SalArz
29,56;
er truoc vür des hungers nôt / weder kæse, vleisch noch brôt
RvEBarl
14976;
sine heten kæse, vleisch noch prôt Parz
184,8;
HvBurg
3290;
formadium [vgl. MlatWb 4,400 s.v. formaticus
] : kese VocOpt
13.052;
nem danne einen geizinen kese
[Ziegenkäse] niuwen BenRez
40
(vgl.
geiʒkæse
);
Seuse
75,2;
Eckh
1:274,3.
–
kæse machen
‘Käse herstellen, käsen’
ich sol noch bewisen / mit mines vater mannen / daz ich kæse
in der pfannen / kan baz ezzen danne machen Rennew
2022;
swaz denne vf dem tuͦche belibe, do von mache einen kese
BvgSp
39
vgl.
ebd.
72;
subst.:
sage, hastu mit andern sachen / gesundet als mit chese machen?
HvBurg
806;
manic gebûre sînes suon / [...]
wart entwert, / der wol sîn vater hiet genert / mit kæse machen manige frist
Ottok
26190.
– auch von Mandelkäse (vgl.
mandelkæse
):
wilt du machen aber einen kese von mandeln, so nim mandelkern
vnd stoz die vnd nim die milich vnd guͤz einer guͦten milich dor zvͦ
BvgSp
72.
– als Abgabe (vgl.
dienestkæse
,
huobkæse
u.ä.):
daz gvt giltet alle iar [...] zwelf kese
UrkCorp (WMU)
1712,39
u.ö.;
drie meigerhove ze Spigelharn die geltint
[...] sechzzic kæse UrbBayÄ
120.
– Lit.: LexMA 5,1029
MWB 3,1 164,57; Bearbeiter: Hansen
kæsebor
stF.
Korb, in dem der Käse seine Form erhält, ‘Käsekorb’ (vgl.
kæsekar
,
kæsenapf
):
ein wagen mit chæ̂sborn [zahlt (als Abgabe)] ein
phenninch, der karre einen helblinch UrkCorp (WMU)
548A,28
MWB 3,1 165,36; Bearbeiter: Hansen
kæsedienest
stM.
Naturalabgabe in Form von Käse → DRW 7,477 (GöttweigUrb.; a. 1322)
MWB 3,1 165,41; Bearbeiter: Hansen
kæsegëlt
stN.
Naturalabgabe in Form von Käse oder Geldzahlung zur Abgeltung dieser Naturalabgabe
(vgl. DRW 7,477 mit weiteren Belegen):
wir [...] tun chunt [...]
daz wir [...] ze einem widerwaechssel gegeben haben vnsers
rechten aigens [...] an zwelif chaes fuͤmf schillinge
chaesgeltes, daz ieder chaes ains wienner phennings wert sei UrkHeil
2,202
(a. 1347);
zehen pfunt perner gälts oder dafür chaese gelt auf meiner swayge
DRW
7,477
(Stolz,Schwaighöfe; a. 1345);
fumf schillinge chaes geltes an zwelif chaes UrkKlostern
1,322
(a. 1348)
MWB 3,1 165,43; Bearbeiter: Hansen
kæsegülte
stF.
Naturalabgabe in Form von Käse (vgl. DRW 7,478):
alle kæsegülte sol man verdienen halb ze wîhennähten unde halb
ze pfingesten SSpAug
214,21
MWB 3,1 165,55; Bearbeiter: Hansen
kæsekar
stN.
Gefäß (z.B. ein Korb), in dem der Käse seine Form erhält, ‘Käsekorb,
Käseform’ (vgl.
kæsebor
,
kæsenapf
):
fiscina: chasichar Gl
3:677,23
(BStK287);
galatho: chasichar ebd.
3:670,28
(BStK287).
4:215,56
(BStK926).
3:357,55
(BStK926).
– bildl. (phras.?) zwêne sint gedûhet in ein ~
‘zwei sind vom gleichen Schlag’ (vgl. auch Anm.z.St.):
dise zwêne süne sint gar / gedûhet [gedrückt] in
ein kæsekar Schlegel
314
MWB 3,1 165,59; Bearbeiter: Hansen
kâsel
F.
auch kâsûl, cassul;
zu mlat. casula.
1 ein liturgisches Kleidungsstück, ‘Messgewand, Kasel’
2
‘Häuschen, Hütte’ , hier übertr. vom Herzbeutel
1
ein liturgisches Kleidungsstück, ‘Messgewand, Kasel’
kaslen, kappen, andre cleit, / dî gotis dînste wârn gereit,
/ trûg an dî tûvils rote / zu vorsmêunge gote NvJer
26460;
die priestr gebuten den megden daz, / daz sî dâ von solden wirken / gezierde
zuo der gotes kirchen, câsuln, stôlen unde alben, / mit golde gezieret allenthalben
Philipp
704;
sîn [St. Peters] kleider wârn
fremd genuoc. / ein kâsûl was im erkant. / ein krumpstap in sîner hant / hêt er
sicherlîche EnikWchr
25377;
casula: misach, cassul SummHeinr
2:11,259;
ThvKandelb
260;
Lucid
89,9.
–
die infel [Bischofsmütze] muͦz
min helm wesen / [...] / und die kasele min
kursit [Überwurf (des Ritters)]
Rennew
13893
2
‘Häuschen, Hütte’, hier übertr. vom Herzbeutel:
daz herz ist gesetzt in ain pälglein,
[...] daz haizt des herzen hütt oder sein kasel
BdN
27,29
MWB 3,1 166,4; Bearbeiter: Hansen
kæselach
stN.
‘(kleiner) Käse’
ich send euch [...] zwen kesz und Margaretha und iren
kinden zwai keslach und beger, das si sie gessen vor der diser fasznacht
HvNördlBrf
57,11
MWB 3,1 166,22; Bearbeiter: Hansen
kæselêhen
stN.
Lehen, dessen Inhaber zur Abgabe von Käse verpflichtet ist:
daselb ein chaeslehen giltt 1 / 2 pfunt UrbBayJ
497;
Metemhausen diu hub vnd das chaeslehen UrbBayS
4,251
MWB 3,1 166,26; Bearbeiter: Hansen
kæselîn
stN.
auch -lî.
‘(kleiner) Käse’
dô greif he in die kogele sîn / und zôch den kêse her vore /
[...] / ‘nû nemet, mîn lîbe vrauwe, / ich sage ûch bî
mîner trûwe: / wêrit ir mir nicht sô lîp, / ich brêchte ûch daz kleinôt
[La. des keselin
] nît’ Eilh (L)
8876.
– als Bestandteil von Personennamen (vgl. auch Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez. S.
171):
Ruͦdolf Kesli UrkCorp (WMU)
813,7;
her Chasili ebd.
767,18
MWB 3,1 166,30; Bearbeiter: Hansen
kæse|lüppe,
kæse|luppe
stF.
‘Lab (zur Käseherstellung)’ (vgl. ahd. kâsilubbi, kâsilubba AWB
5,53f.):
nim ein chalch [...] unde chæselüppe,
diu ungebiderbet [unbenutzt] sî, unde seifen unde zemule
daz in einem hulzînen vaze Barth
132,29;
coagulum: keslupp VocOpt
13.045
MWB 3,1 166,39; Bearbeiter: Hansen
kæselüppen
swV.
‘etw. (Milch) mit Lab versehen’
die [Milch] sol man erwellen vnd dik machen vnd nüt
keslupen vnd nüt nidlun [d.i. nidelen
‘entrahmen’
]
WeistGr
1,4
(wohl M. 14. Jh.)
MWB 3,1 166,45; Bearbeiter: Hansen
kæsemachen
stN.
→
kæse
MWB 3,1 166,49;
kæsenapf
stM.
Gefäß, in dem der Käse seine Form erhält, ‘Käseform, Käsenapf’(vgl.
kæsebor
,
kæsekar
):
laz in [den Mandelkäse] erkalden vnd
lege in in einen kese napf vnd mache in [wohl i.S.v. ‘forme ihn (zu
einem Käse)’
] vnd lege in denne vf ein teler BvgSp
72
MWB 3,1 166,50; Bearbeiter: Hansen
kæsephenninc
stM.
Geldzahlung zur Abgeltung einer Käseabgabe (vgl.
kæsegëlt
):
in pentecoste dantur [...] xx [
denarii
] , qui dicuntur chespfenning UrbNAlteich
389a
MWB 3,1 166,56; Bearbeiter: Hansen
kæse|suntac
stM.
der erste Sonntag der Fastenzeit, ‘Invocavit’ (vgl. DRW 7,481f. mit Lit. u.
weiteren Belegen):
asset du ie an dem chessundtag / durch
luppe [Zauberei] vleisch oder spech, das sag?
HvBurg
853
MWB 3,1 166,60; Bearbeiter: Hansen
kæsewaʒʒer
stN.
‘Molke’
dô greif er in die gugelen sân / und nam den kêse in sîne
hant; / der willetôre her Tristant / greif sô grimmeclîch dar în, / daz im durch die
vinger sîn / ran daz kêsewazzer HvFreibTr
5195;
wie ist der kæs ûz geworht! / ich sih daz kæsewazzer wol, / daz ist guoter
topfen vol Helbl
1,1191;
nim scripfen vnde sut di in
geizime [Ziegen-] kesewazzer SalArz
28,19;
geuar als daz kesewazzer ebd.
110,52;
serum: keswasser VocOpt
13.049.
– als (ärmliche) Speise bzw. Getränk:
ich mach im kæsewazzer / zezzen. Matz, dâ prang ich bî, / sam ich hin
entvestent sî [
‘während mein Mann Molke schlürft, tafle ich, als ob ich heute Hochzeit
hielte’ (vgl. Komm.z.St.)]
Helbl
1,991;
den [den Kranken, die ihre Medizin nicht nehmen
möchten] sal men se heymelychen geuen, alz in eyme kesewatere
OvBaierl
23,3.
143,6;
nem die [Pillen] in kæswazzer oder
in molken, daz haiz ich allz ainz BdN
90,4;
SalArz
74,1
u.ö.
– als Bestandteil von Personennamen:
her Eberhart von dem Kasewazzer UrkCorp (WMU)
N138,22
MWB 3,1 167,1; Bearbeiter: Hansen
kasigân
M.
→
kasagân
MWB 3,1 167,23;
kasmeôt
stM.
ein kostbarer (Seiden-)Stoff (vgl. Rosenqvist 1,127f.):
ietwederhalp den [Querbalken (in einem
Wappen)] bevienc / gehaspiliert [gitterartig
umwoben] von golde rot / ein silber wizzer kasmiot, / der glantz
do wider glantzt WhvÖst
2310
MWB 3,1 167,24; Bearbeiter: Hansen
caspenisch
Adj.
‘kaspisch’, nur vom Kaspischen Meer (wohl benannt nach dem antiken Volksstamm
der Kaspier/ Kaspianer; vgl. lat. mare caspium):
jn India ist ein berc, der heizet Caspius, da uon heizet daz
caspenische mer Lucid
21,6
MWB 3,1 167,30; Bearbeiter: Hansen
kasse
swF.
auch cassia.
eine Pflanze, ‘Zimtkassie’ bzw. deren wohlriechende Rinde (aus mlat.
cas(s)ia vgl. MlatWB 2,326f.):
cipresse, kasse, mandel, mirre, zeder, larke, / prisilia, triasandel und
aspinde, dar uz Noe di arke / worcht JTit
301,1;
lat. flektiert:
nim samboumes. vnde eppe samen icweders funf dragmas. cassie.
spice. wermute ichliches dri dragmas SalArz
64,17.
100,46.
– häufig von Maria:
man glîchet sie [Maria] mit lobe dem balsamen unde
spica nardi unde kassen unde mandel PrBerth
1:442,25;
wis gegrüezet, spica nardes, / veldes bluome, klê des hardes. / zeder,
mirrekafse [l. mirre, kasse (so Hs.)] , mandel
MarGr 18
199;
sie treit an ein riches kleit: / balsem, mirre und cassya /
smackent von iren cleydern da HvNstGZ
7572
MWB 3,1 167,35; Bearbeiter: Hansen
kassenboum
stM.
→
cassianboum
MWB 3,1 167,51;
kassenrœre
swF.
eine Pflanze, ‘Röhrenkassie’ bzw. deren Frucht (Lehnübers. zu mlat.
ca(s)sia fistula, vgl. MlatWb 2,327 s.v. casia):
cassia fistula mag ain cassenrœrn haizen. daz ist ain paum,
der wechset gegen der sunnen aufganch [...].
[...] sein mark ist guot zuo erznei BdN
364,18;
diu cassenrœr ist diu pest, diu dick und vaizt ist,
[...]; aber diu swarz ist diu ist wolzeitig und diu gar
rôt ist oder weiz, diu ist niht zeitig ebd.
364,25.
364,17
MWB 3,1 167,52; Bearbeiter: Hansen
cassianboum, kassenboum
stM.
eine wohlriechende exotische Pflanze, gemeint sein dürfte ein nicht näher
bestimmbarer Verwandter der Zimtkassie (mlat. cas(s)ia, s.a.
kasse):
von dem cassianpaum [La. cassenbaum;
Überschrift im Kapitel über die wohlriechenden exotischen Bäume] .
cassiana haizt ain paum, der [...] wechset gern an fäuhten
steten [...]. des paums pleter und sein früht sint guot zuo
erznei und sint sein früht klain gestalt sam die
kranwitper [Wacholderbeere]
BdN
363,31
MWB 3,1 167,61; Bearbeiter: Hansen
cassieren
swV.
‘für ungültig erklären, aufheben’ (zu afrz. quasser, mnl.
casseren, vgl. Rosenqvist 2,297):
euer [ebenso] in sal man neit in deisme boichge
[Buch] vssnidin noch casserin noch quetzschin, man
inbuide id dan zu maile vs. wurde euer mit eynehme sumenisse of behentgeide
[aus Unachtsamkeit] gecasseirt enich punt
[Punkt, Artikel] he inne, dat in sal neit hinderin.
id in sule bliuen, ast e was, in alle sinre maicht UrkKöln
1,37
(Eidbuch v. 1341, Zusatz späterer Hand)
MWB 3,1 168,8; Bearbeiter: Hansen |