kûch
stM.
vgl. →
kûchen swV. und DWB 5,305f.
–
‘das Hauchen, Keuchen’, bildl.:
die singer künste [Gen.] rûch. / niht
wan ein snabelsnappen / zeigt mir ir storchen kûch KLD: Kzl
1: 5,16
(vgl.
[Der Storch habe ] kain stimm
[...] denne daz er cläpper mit dem snabel
BdN
175,8
)
MWB 3,2 660,23; Bearbeiter: Tao
kuchel
stF. oder stN.
Nebenform zu →
küchen
(vgl. DWB 5,2493f.);
oder ist eine alte Diminutivbildung küchel stN. anzusetzen (vgl. EWA
5,854)?
–
‘Küche’
popina vel culina: chvchil, chuchin Gl
3:630,2
MWB 3,2 660,29; Bearbeiter: Tao
küchel
stN.
→
kiuchel
MWB 3,2 660,33;
kuchelen
swV.
‘keimen’
dô îczunt der ketzere sâmen kuͦcheldin EvBeh
5
(vgl. Glossar z.St.: pullulare)
MWB 3,2 660,34; Bearbeiter: Tao
kuchelîn, kuchel
stN.
‘Küken, das Junge eines Vogels’
di henne, / [...] di ir kuchelin kan
bewarn / vor den wien und den arn Brun
3782;
alsam andere vogelin, / di ire eyger wol bewachen / und ire
cuchelin besachen Hiob
14490;
die vogel tragen [übertragen, schenken] uf ir
kuchel dan / mit fröiden leben [Akk.-Obj.]
Wartb (H)
563:7,13.
– hierher oder zu →
kiuchel
, küchel stN.:
der [Hahn] get vil der hennin an / und let die
kuchil rennin / alleine mit der hennin PfzdHech
188,28
MWB 3,2 660,37; Bearbeiter: Tao
kuchelmeister
stM.
→
kuchenmeister
MWB 3,2 660,47;
kuchelstiure
st.F.
→
kuchenstiure
MWB 3,2 660,48;
kuchen, kiuchen
stN.
Ansatz unsicher.
‘Küken, das Junge eines Vogels’, nur Pl. belegt:
wî dicke wolde ich samenen dîne sune alse ein henne sament ire
kuͦchin [
pullos suos
] undir ire
vetiche EvBeh
Mt 23,37;
Marîâ brâchte ouch ir opfer: zwei turteltûben und zwei kuchin
[vgl. duos pullos columbarum Lc 2,24]
HvFritzlHl
81,5;
‘schui, wie [= wîe
‘Weihe’
] , schui!’ sus rufen die kint, ‘verderbe
uns nicht die kiuchen.’ Frl
5:35,12
MWB 3,2 660,49; Bearbeiter: Tao
küchen, kuchen,
küche, kuche,
kuchîn
stF. , kuchene
swstF.
kuchein:
BdN
196,28.
197,3.
197,19;
NüP
185;
kuchene (kuchine), swF.:
SAlex
4044;
BrHoh
35.
53;
BrEb
35;
stF.:
BrHoh
46;
Mechth
6: 1,41.
– aus vulgärlat. cocīna (EWA 5, 855f.).
–
‘Küche’
von den wocchinarin der kuchi [
de
septimanariis coquinae
]
BrZw
35.
46;
ze sîner cuchenen man ouh gab, /
[...] zehen sumersâzen / veiz unde grôzen, / und dar zô
drîzich rinder / mêrre unde minder, / und dar zô hundrit wedere SAlex
4044;
hey waz man des zer kuchen des küneges
ingesinde [Dat.] truoc! NibB
943,4.
965,2.
959,1;
dane was gesoten noch gebrâten, / unt ir küchen unberâten
Parz
486,12;
so gruͤsset er si [Gott die
Seele] mit der hovesprache, die man in dirre kuchin nút
vernimet Mechth
1: 2,10;
das ich wider krieche als ein gesclagen hunt in die
kúchin ebd.
5: 33,11;
do ist hochgezit, do
rúchet [duftet] die kuchin so wol der edelen
guͦten spise die do wurt angerichtet Tauler
98,16;
der schultheizen butil sol die kuchen berihte mit heuen, mit pfeffere
vn̄ mit salze UrkCorp (WMU)
29,14.
3575,26.
126,6.
1912,45;
WüP
50,5.
85,11;
Macer
Gewürzvorr. 3;
Er
3088;
Wh
188,8.
188,16.
198,21
u.ö.;
Wig
8863;
Tannh
14,50;
Krone
9851;
RvZw
198,6;
EnikWchr
12963.
13050.
28569;
EnikFb
2503.
1426;
HvNstAp
18018;
PrBerth
1:403,5;
Pass III
32,79;
PrGeorg
339,19;
HvBurg
5584;
Köditz
20,6.
– humoristisch:
ich [Trevrizent] mac uns selben
niht gespîsen, / esne welle uns got bewîsen. / mîn küche riuchet selten
Parz
485,7;
Kudr
99,4;
des herren küche [...] / ein vil lützel riuhet, / der
koch ab wec fliuhet Helbl
15,384;
die Unger selten erblent / von ir kuchen der rouch: / ein
wagen voller knobelouch, / dâ hât lenger zezzen an / von Ungern kunic Wêlân / denn
ir an tûsent bachen Ottok
6932.
–
des tiufels ~
, umschreibend für die Hölle:
Sobna der schreiber wirt über gefüert als ain cappân. eiâ, wâ
hin? treun, an kain ander stat danne in des teufels kuchein BdN
197,3;
dar umb sint si [die pflichtvergessenen
Priester] zuo nihtiu nütz dann in des teufels kuchein ebd.
197,19
MWB 3,2 660,58; Bearbeiter: Tao
kûchen
swV.
vgl. →
kûch
stM.,
kîchen
swV. und
1hûchen
swV.
–
‘hauchen, keuchen’
dû blæsest [La. der kuchet
] kalt unt
hûchest [La. der blaset
] warm / ûz eines mannes
munde: stæter triuwen bistû arm RvZw
61,4
(vgl. Anm.z.St.
);
die höchsten, die zer werlte solten rechtes pflegen, / die lazen
sie [die Mâze
] in krankem wesen kuchen
Frl
9:11,4.
– auch keuchen durch Kontamination mit kîchen (FrlWB, S.
197 und Kluge, S. 485):
man kennet nicht des affen keuchen Frl
8:25,10(App.)
MWB 3,2 661,36; Bearbeiter: Tao
kuchenære
stM.
‘jmd., der den Wochendienst in der Küche leistet’
dar nah so ezze er mit den kvchenerin vnd mit den dienerin
[
cum coquinae ebdomadariis et
servitoribus
]
BrHoh
38
MWB 3,2 661,46; Bearbeiter: Tao
kuchenbanc
stF.
‘Küchenbank’
slafen vf einer kuͦchen pank / des in groze not betwank
Wh
282,26a(App.)
MWB 3,2 661,50; Bearbeiter: Bohnert
kuchenbüebelîn
stN.
‘Küchenjunge’
ain armes kuchenbueblin HvNördlBrf
35,9
MWB 3,2 661,53; Bearbeiter: Bohnert
kuchen-, kuchi|dienest
stM.
‘(Verpflichtung zur) Arbeit in der Küche’
die brvͦdra svn ein andren dienon. vnde sol incheine
dis chvchi dienstis werdin irlazin [
nullus excusetur a coquinae
officio
]
BrEng
35.
35
MWB 3,2 661,55; Bearbeiter: Bohnert
küchen-, kuchi|dierne
swF.
‘Küchenmagd’
als ob ein edle kúng sin kuchidirnen sasti
úber sin frowen Seuse
376,12.
448,24;
bildl.:
[Menschen, die an irdischen Bildern für Gott
festhalten,] di sint alle kúchin dirnen, und den ist dis joch
bitter Tauler
26,22
MWB 3,2 661,60; Bearbeiter: Bohnert
kuchengarzûn
stM.
‘Küchenjunge, -knecht’
alsam ein kuchengarzûn [
quasi garcio in coquina
exsistens
]
LvRegFr
925
MWB 3,2 662,1; Bearbeiter: Bohnert
kuchengerihte
stN.
‘Zukost (die zum Hauptgericht hinzugegeben wird)’
swaz von koste möht gesîn, / ez wære brôt oder wîn, /
wiltpræt, fleisch oder visch, / kuchengerihte [Hss.
kúchen gerát, chuchel gerecht
] oder
tisch Ottok
69389
(s. Glossar z.St.)
MWB 3,2 662,4; Bearbeiter: Bohnert
küchenknabe
swM.
‘Küchenjunge, -knecht’
e ich gescheh ze vüern / iv vnder iwer chvchen knaben [bevor es
dazu kommt, dass ihr mich ... führt (zur Konstr. vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 34 Anm. 1 und
OrtnAW
335,4 mit Anm.)]
Krone
9868
MWB 3,2 662,9; Bearbeiter: Bohnert
kuchenknëht
stM.
‘Küchenjunge, -knecht’
ir köche und ir kuchen knehte Renner
639;
diu bœsten hemde / diu ie küchenkneht getruoc
Iw
4923;
bœser ~
Herb
1580;
Ottok
66878;
HvNstAp
8640;
(bildl.:)
des [Leibes] küchen kneht ist mîn her Slunt
Renner
9645;
Cruselere deme kuchenknechte eine marc UrkCorp (WMU)
566,12;
hey waz er kuchenknehte von dem fiwer schiet!
NibB
959,2;
Rennew
3553;
Wildon
3,349;
Pass III
143,96
(vgl. LA (H) 1:430,13 qui coquinam faciebat);
HvNstAp
11433;
Glossenbeleg des 12. Jh.s s. AWB 5,455
MWB 3,2 662,14; Bearbeiter: Bohnert
kuchenlêhen, kuchilêhen
stM.
‘Lehnsgut, dessen Ertrag an die herrschaftliche Küche geliefert
wird’
(vgl.
Chuͦnrades lehen von Puͤhel [...]
gehoͤrt in deu chuchen UrbSonnenb
114
):
Vlricus cocus habet i chuchnlehen UrbNAlteich
351;
von dem chûchenlehen [...] cedunt nobis duo manipuli
TradSchäftl
461
(vor 1250);
proprietatem sive iurisdictionem curie site in Schaͤmmern nuncupate
kuchilehin UrkWürtt
8,*373
(a. 1283)
MWB 3,2 662,26; Bearbeiter: Bohnert
kuchen-, küchenmeister,
kuchelmeister,
kuchimeister
stM.
kuchel-
PrBerth
2:244,17.
2:245,21;
UrkCorp (WMU)
2297,28
u.ö.;
kuchi-
ebd.
197,32
u.ö.;
Kuchim
29,16;
küchi-
ebd.
96,149;
‘Küchenmeister, Oberkoch’
1 allg. 2 als fürstlicher Bediensteter, Inhaber eines Hofamtes 3 als Bestandteil von Personennamen
1
allg.:
archimagirus: princeps cocorum, chuͤchenmeister
SummHeinr
1:286,245;
swer chuchenmaister [
magister coquine
]
ist UrkGeisf
434
(13. Jh.);
der küchenmeister lac dâ tôt; / die anderen koche dolten nôt
Wh
202,1.
286,1
(entspr.
koch ebd.
286,8
);
(Pl.:)
die kuchenmeister wurben / daz man sæze ezzen Mantel
401;
her Cvͦnrat, der herren [= der minnern brvder
ordens
] kvchenmeister UrkCorp (WMU)
2293,42;
er were ein meister coch [...], si machten in kuchen
meister und bewulen ime genug dez closterez dingez HlReg
49,8;
Parz
637,2.
– bildl. von Gott:
ich wil ein wênic sagen von dem kuchenmeister oben ûf in dem himele, wie der
spîse machen kan PrBerth
2:244,3
2
als fürstlicher Bediensteter, Inhaber eines Hofamtes:
die amptlevt: hofmaister, chamermaister, marschalch, chelner, spiser,
chvchenmeister UrkWittelsb
2,56.57
=
UrkLandsh
92
(a. 1294 kopial);
Rûmolt der kuchenmeister, ein ûz erwelter degen
NibB
10,1.
1288,2.
1465,1;
NibC
1550,1;
des herzogen kuchenmeister gie / zuo der kuchen
EnikFb
1429;
daz wir [Erzbischof von Salzburg]
[...] Chvͦnen von Teisinge, vnserm chuchelmaister,
ein huͦbe [...] verlihen haben UrkCorp
(WMU)
2297,28.
2430,26;
UrkKlostern
1,89
(a. 1303);
UrkWSchott
236
(a. 1342);
Bit
10633.
10569;
Anteloye
398;
HvNstAp
18052.
– scherzhaft auf 1 bezogen:
Rûmolt der kuchenmeister, wie wol er rihte sît / die
sînen undertânen, vil manigen kezzel wît, / häven unde pfannen
NibB
777,1;
in grôzer wer wart funden / der Gunthêres ambetman [d.i.
Rûmolt
] , / vil lützel prîs im an gewan / Heime
der wîgant: / von des kuchenmeisters hant / wart er wol berâten. / er gap dâ für
die brâten / die verchtiefen wunden Bit
10562.
10609
3
als Bestandteil von Personennamen:
uvir Vͦlrich dir chvchimeister von Basel, ein rither UrkCorp
(WMU)
197,32;
her Lvpolt, der alte chvchenmeister von Nortenberch ebd.
258,15;
her Heinrich der chvchimeister, ein tvͦmhere von Basil ebd.
880,39;
Hainr̄ der chuchelmaister, burger ze Gurk ebd.
2935,13;
Cristâns des kuchimaisters Kuchim
29,16;
Cuͦnrat küchimaister ebd.
96,149
MWB 3,2 662,35; Bearbeiter: Bohnert
kuchenmeisterin, kuchi-,
küchimeisterin
stF.
‘Küchenmeisterin, Oberköchin’
daz ich [die personif. Hoffnung] in gotez kuchen
pin / oberste kuchenmaisterin Syon
238;
im Nonnenkloster:
welle frowe von dem convent underkelnerin und chuͥhimaistrin ist
UrkHeiligkreuztal
136,7
(a. 1323).
– als Bestandteil von Personennamen?
(vgl. Ring, Substantivderivation S. 286):
vro Anginesa, der chvchimeistiron swestir UrkCorp (WMU)
880,27;
zwischent hern Huge Stvͥbenwege vnd der kuchinmeisterin hus ebd.
N511,25
MWB 3,2 663,18; Bearbeiter: Bohnert
kuchenschrîber, kucheschrîber
stM.
frnhd. küchenschreiber (FWB 8,1750, bereits
MGHConst
10:527,4
[a. 1352]).
‘für die Verwaltung der Küche zuständiger
Hofbediensteter’
(entspr. lat. notarius/ scriba/ scriptor
coquine):
Vlrich, der weilen chvchen schreiber was des hertzogen Albrehtes von Oesterich
UrkCorp (WMU)
N414,20;
cucheschriber RechBTirol
1,105
u.ö.;
DRW
8,35
(Szaivert, TirolKanzleibuch; a. 1310)
MWB 3,2 663,29; Bearbeiter: Bohnert
kuchen-, küchen-,
kuchi|spîse
stF.
1
‘in der Küche zubereitete Speise’
2
‘Vorrat für die Küche’
1
‘in der Küche zubereitete Speise’
ein knappe [...] rief
[...] : / ‘holâ, holâ küchenspîse!’/ sô
rief aber einer: ‘holâ tranc!’ HvFreibTr
590;
[Nießbrauchvorbehalt eines Seelgerätstifters:] swan ich
ze Tirnstein pin, daz ich hab chuchenspeise von dem selben guet, di weil ich lebe
UrkCorp (WMU)
N428,10;
so sal man ume unn sinen luten gebe bier unn brot unn kuchchenspise
UrkErf
1,400
(a. 1311)
=
ebd.
2,30.72
und
UrkMühlh
339
(a. 1326-1330);
[am Jahrtag des Seelgerätstifters soll man] den herren in
dem refent die grozz herrenphruͤndt weyns geben vnd von chuechenspeys dester
vleizzer phlegen mit visch oder mit vleisch UrkWSchott
264
(a. 1350);
der gemeinen knehte kuchen spîse StatDtOrd
81,16.
– übertr. auf körperliche Plagen, die jmdm. bereitet
werden:
mit urluge hie besezzin / wir trinken alder ezzin [vgl. Gn
3,19]
[...]. / dise herten kuchi spise / machet uns der
[zur Sünde geneigten menschlichen] nature koch
Martina
130,56;
[der Teufel] git kuchi spise / mit steckin nit mit
rise ebd.
122,61
2
‘Vorrat für die Küche’
der nunnen ein genæmez rint / gap si ze kuchenspîse Helmbr
119;
so hete ouch der koning wise / des tages zu kuchenspise /
zehen ochsen veize / gemestet wol mit weize Brun
A 3,10;
ein halb malter weizzes ze kuchenspize UrkWürzb
40,310
(a. 1340);
Köditz
43,2
MWB 3,2 663,38; Bearbeiter: Bohnert
kuchen-, kuchel-,
kuchi|stiure
stF.
chuchel-
UrkSalzb
3,603
(a. 1244);
UrkCorp (WMU)
2419,13;
cuchi-
UrbSonnenb
31.
–
‘Abgabe für die Küche’
(entspr. lat. stiura coquine/ coquinalis/
coquinaria):
so der winter ane gie, / chain jar sy das verlie, / man must
ir chuchen stewer geben [...], / der den ochsen, der dew
chue HvBurg
5709;
langizstiure [Abgabe im Frühling
(lenze)] und chuchinstiure UrbSonnenb
4;
vmb die chuchenstiwer des guͦtes der Augstburger chirchen geit Seifrid
von sand Peter: 2 pfunt UrbTirol
121;
25 schill. ze chuchenstiur UrbSonnenb
77;
wie vil fell man iedem pfründer allen iar geit ze der cuchinstür ebd.
120.
4-8.
24-53
u.ö.;
UrbBayS
4,123
MWB 3,2 664,1; Bearbeiter: Bohnert |