krësem, krësem-
→
krisem
, krisem-
MWB 3,2 579,58;
krësen
stV. (V)
(Prät.Pl. nicht belegt)
‘kriechen’
1 die Bewegungsart der Kriechtiere 2 von Menschen 3 übertr., mit unbelebtem Subj.
1
die Bewegungsart der Kriechtiere:
vbir din brust solt du [Schlange] gen,
oͮfreht nimmir mere gesten, / die erde solt du ezzen, chresent solt du si
mezzen GenM
16,25;
von diu muoz er ûf der erde / an den brusten cresen iemer
mêre Kchr
2416;
allez daz lebentich was, ez uluge gienge ode chras GenM
11,4;
diu arche was entslozzen. / dô gie ûz und grast [Hs.
chras
] / allez daz dar ínne was, / an die
suozen weide Aneg
1962;
mit den vligintin, / swimmintin undi cresintin
[Geschöpfen]
SuTheol
94;
Gen
406;
VMos
12,15;
Wernh
574.
1184;
swaz uf erden get, swebet oder kriset MarGr 10
2,6;
[der Kranich zum hochmütigen Pfau:] ich vliuge in dem
lufte enbor. / dane schadet mir krût noch hor / [...] dun
dunkest dich nie sô spæhe, / dune müezest doch hie inne
[
krût und hor
] kresen
Bîspel (Pf)
24,27
2
von Menschen:
dez svn siv [die Sünder in der finstern Hölle] ane
lieht wesin / und vf allen vierin kresin Martina
67,84.
21,58;
sa suln sie billich iemer cresen JMeissn
A 1:19,17;
wenn er [verwundeter Ritter] müde was / vnd an
allen vieren krasz / jn dem sne vf dem gras Krone
12389;
daz ez [l. er
] ze wâre wære / dâ vor
ein ritter gewesen, / swie kûme er kæme dar gekresen GFrau
2812;
disiu sieche vrouwe [...] her ûz kras
[aus ihrer Unterkunft]
ebd.
1872;
übertr., ‘sich hinschleppen’
si kos ir aber anderswa / in eime dorfe zu wesene, / in armut hin zu cresene
Elis
6634.
–
‘in etw. schlüpfen, sich hinein winden’
nu lâz mich in den ermel dîn / beide sliefen unt ouch kresen; / ich wil
verholn bî dir wesen Mönchl
175;
sus in ain ander kresen / sah man si in dem strit
WhvÖst
8760
3
übertr., mit unbelebtem Subj.:
als er ir leibes enphant,[...] minne chras von lide
ze lide / vnd began in gar enzünden Krone
11710;
so heymlich mag auch niht gewesen, / ez enmuze ie doch zu
lihte cresen [
in palam veniat Mc 4,22 ]
EvStPaul
2931
MWB 3,2 579,59; Bearbeiter: Plate
krësm-
→
krisem
, krisem-
MWB 3,2 580,34;
krespelkrispen
stN.
PrBerth
1:414,35,
s. →
krenzelkrispen
MWB 3,2 580,35; Bearbeiter: Plate
kresse
swM.
‘Gründling’; vgl. AWB 5,309 s.v. kresso1
zur
SummHeinr -Überlieferung (als Glosse zu mlat.
gracius).
MWB 3,2 580,37; Bearbeiter: Plate
krësse
swM.
zur frmhd. Glossenüberlieferung (vor allem SummHeinr und
GlHvB ) s. AWB 5,399-401 s.v.
kresso2
.
‘Kresse’
minz unte epphich, chres unt lattich, / astrîza unt wîchboum
habent ouch suozen toum Gen
251;
sô dir ze den brusten wê sî, sô nim wilden chressen unde geizîne
milch Barth
136,8
u.ö.;
cresse ist heiz vnde trucken an deme dritten gradu
SalArz
11,48
u.ö.;
cresse gestossen unde mit tismen gekneten vertribet einerhande
bose swern Macer
44,3;
von dem kressen. nasturtium haizt kress. daz ist ain gemainez
kraut und ist an der kraft haiz und trucken BdN
410,7.
–
noch scherfer danne kren oder kressen / hal sin stimme JTit
4566,2
MWB 3,2 580,40; Bearbeiter: Plate
kresselkrût
stN.
die Pflanze Dickblatt:
orpinum haizt krässelkraut und haizt auch ze latein crassula
BdN
412,3
MWB 3,2 580,54; Bearbeiter: Plate
kreste
stF.
→
kreiste
MWB 3,2 580,57;
kresten
swV.
→
kreisten
MWB 3,2 580,58;
kreter
stM.
‘Prokurator, Advokat’
do sich gesamnet hatten / di alle Jesum schatten, / di creter und di alden / mit
allen anewalden TvKulm
4141;
di creter wol gelart ebd.
3297.
4145
MWB 3,2 580,59; Bearbeiterin: Herbers
kretscheme
stM.
zum slaw. Ursprung und zu Verbreitung des Wortes im Deutschen s. Bellmann,
Slavoteutonica, S. 248ff.
‘Dorfgasthaus, Schänke’
taberna: kreczin VocBirl
64,23;
tabernam quae currthema [l. curcthema s. Bellmann,
Slavoteutonica, S. 249f.] vulgariter dicitur
UrkMeissen
1,103
(a. 1233);
wir wollen ouch, das keyn man, der gerichtes pflege
[...], das her keynen veylen kretzmen in der stat haben sulle
UrkSchlesSt
507
(a. 1324);
ouch [sal] der vorgenante schultheyze unde sine erben zwu mark pfenninge cynsen
unserme huse von deme kretzeme jerliches uf den vorgenanten tag UrkPr
2:98,26
(a. 1316);
UrkPreuss
2,108
(a. 1320);
UrkSchles
1,30
(a. 1328)
MWB 3,2 580,63; Bearbeiterin: Herbers
kretschemer
stM.
‘Schankwirt, Besitzer einer →
kretscheme’
tabernatore: kreczimer VocBirl
64,23;
nu wel wir lere gewerin / von den krezchemerin / und von den gastgebin / sal sich
rede hebin PfzdHech
319,22.
355,8
u.ö.;
zur Etym. und Verbreitung s. Walter Wenzel, Slawische Zunamen aus
Bezeichnungen für den Gastwirt im Deutschen. Unter besonderer Berücksichtigung des
Deutschen, in: Zunamen – Zeitschrift für Namenforschung 5/1–2 (2010),
S. 192–212
MWB 3,2 581,13; Bearbeiterin: Herbers
krette
swM.
→
kratte
MWB 3,2 581,23;
kretze
swFM.
zu →
kratte
swM.
1
‘Tragkorb’
2 als Bestandteil von Personennamen, evtl. ‘Korbmacher’ ? (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 546)
1
‘Tragkorb’
cophinus, qui in dorso portatur: kreze, corp GlAnzfKdVz
8:395b,21;
er truoc ein kretzen ûf dem ruck EnikWchr
24959;
diu uroͮwe in dem sahere [Schilf] gesach /
den chrezzen, dâ daz chint inne was Exod
234;
er treit ez dar ûf wol in ainer krätzûn SchwSp (W)
392,2;
der sol ez [Obst] hinuͦz
tragen in einem kretzen StRAugsb
203,34.
72,28;
StRMünch
534,11;
StRÜberl
470
2
als Bestandteil von Personennamen, evtl. ‘Korbmacher’? (vgl.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 546):
C Kreze UrkCorp
2164,2;
brvͦder Crezze ebd.
2233,12
MWB 3,2 581,24; Bearbeiterin: Herbers
kretze
swM.
eine Adlerart:
alietus: kretzo VocOpt
44.031
MWB 3,2 581,37; Bearbeiterin: Herbers
kretze
stN.
zu kratzen swV.
Bezeichnung für Feinmetallrückstände:
item mussen die geste geben ii haller den vnderkewffel, als verre als die geste
das kreze behalden, so mussen sie das gelt geben, wann ein wirt hat das kreze von gnaden
von den zinern [Zinngießern]
StRPrag
96
MWB 3,2 581,39; Bearbeiterin: Herbers
kretzoht
Adj.
‘die Krätze habend, krätzig’
als ainen krezochten hunt / in dem brachat floͤh avne [der im
Juni ohne Flöhe ist]
LügenrM
128
MWB 3,2 581,45; Bearbeiterin: Herbers
krî
stM.
→
krîe
stF.
MWB 3,2 581,48;
kribelen
swV.
‘kitzeln, kribbeln’
ey, herre, welch ist ot der wurm? / daz ist wille an boser lust. / swie daz
kribelt in der brust Pass III
667,24
MWB 3,2 581,49; Bearbeiterin: Herbers
krichel
stM.
‘(Saat-)Krähe oder Elster’ (vgl. AWB 5,410):
graculus a garrulitate vocis: ruͦch / krichel SummHeinr
1:163,711
MWB 3,2 581,52; Bearbeiterin: Herbers
krîde
swF.
‘Kreide; weißer Kalkstein’
creta: crida SummHeinr
2:87,258;
creta: crid, cride VocOpt
23.013;
ir segel solte sîn / wîz unde swarz geverwet wol. / er solte
halber als ein kol / und halber als ein krîde wesen KvWTroj
22443;
ein wâpencleit von sîden / [...] schein
reht als ein krîde blanc ebd.
9556.
30023;
von krîden gemâlt ein wîzer hirz Wig
5618;
sô gar minneclîche schein / ir scheitel sam ein krîde Reinfr
2135;
die snuer glich der kriden / geworcht von wisser suden MinneR 433
155;
MinneR 68
392;
BdN
434,27;
Renner
764.
14161.
– medizin.:
dit is ouch eyn vorsucht arczedye: nym eyne eyes dodere vnde
eyn wenich kryken [La. kryten
] vnde vyr lefel
vul starkes etekes [Essig]
OvBaierl
119,8
MWB 3,2 581,55; Bearbeiterin: Herbers
krîdenmel
stN.
‘Kreide(-Pulver)’
glat als ein altez helfenbein / und wîzer denne ein krîdenmel /
was ir daz neckel unde ir kel KvWTroj
19989.
14000;
menig zarttes bain sin wel / schain wis als ain kryden mel
GTroj
13700;
Reinfr
2268
MWB 3,2 582,6; Bearbeiterin: Herbers
krîdenwîʒ
Adj.
‘weiß, blass wie Kreide’ (LexFarb, S. 113):
ir liechte varb kridenwis Minneb
1946;
daz raine kriden wise vel GTroj
12426
MWB 3,2 582,11; Bearbeiterin: Herbers
krîe
F.?
(zum Lemmaansatz s. Suolahti, Vogelnamen, S. 293 u. AWB, Sp. 395).
‘(junger) Kranich’
grus: krie VocOpt
44.126
MWB 3,2 582,14; Bearbeiterin: Herbers
krîe, krî,
kroi(je)
stF.
auch mask. (
KvWTroj
30813,
RvEWh ,
WhvÖst
14441 );
krei (Hirzelin , Edolanz );
krige (VirgH , Reinfr ); mit r-Metathese
korie (VirgH );
aus frz. criie stF. (s. Vorderstemann, Fremdw., 158) oder
cri stM. (s. Suolahti 1, 131; Rosenqvist 1,140); s.a.
krîen
stV.
1
‘lauter Ruf, Geschrei’ , häufig ‘Schlachtruf,
Feldgeschrei’ , auch ‘Parole’
2 übertr.
1
‘lauter Ruf, Geschrei’, häufig ‘Schlachtruf,
Feldgeschrei’, auch ‘Parole’
manges swertes klinge / erklanc sô man die krîe schrei
Wh
437,17;
ieslîcher schare krîe / hân ich besunder dort gehôrt ebd.
336,12
u.ö.;
ir baider týoste liefen mitte / vil grogierer nach ir
sitte / und riefent mengen stolzen krie RvEWh
6463.
1387
u.ö.;
man rief dâ vremede krîe / von manger sprâche wilde
KvWTroj
33722.
30813;
Parz
379,27;
her Terramer, sit willekome! / nu twinget mich die heidenscaft mit maniger
krie don Wartb (H)
546:19,2;
maniger schrei sin krei Edolanz
B,19;
wan hort da sprüche wilde / von der garzvn croy Krone
805;
swelch stein den künic vindet / ûf dem veld, dâ er möhte komen, / sô wirt diu
krî von im vernomen, / sô hœret man in schrîen: ‘schâch’
HvBer
10053;
dô die Kriechen gwunnen Troje, / swer dâ truoc der minnen boje, / des croije /
was niht wan ach unde owê KLD: Alex
7,143;
Reinfr
1082;
WhvÖst
14441.
–
Amor was sîn krîe Parz
478,30.
739,24
u.ö.;
vor im manc wapen knappe rait, / der krie was: ‘hie
Österrich! [...] ’ WhvÖst
15037;
des rief in vröuden her Tristan / sîn an geborne krîe: /
‘Parmenîe! Parmenîe!’ HvFreibTr
1811.
1832;
‘Munschoye’ was sin krie, swenn er streit zu velde
JTit
124,1.
4766,1
u.ö.;
Brûneswîg und Sahsen / was ir krîge und ir ruof Reinfr
16201;
unser chrei was ‘Osterriche!’ Hirzelin
96;
gemeinlich die ivden iahin / crucifige crucifige / in tuschen sprichit div
crîe / wan [= man
] sol in crucigon crucigon
Martina
35,96;
ez was ein jâmerlîchiu krî / an dem kriuz ‘elî, elî!’
Helbl
12,27;
UvEtzAlex
13329;
RvEGer
3647;
Rennew
23491;
Kreuzf
4406;
Loheng
5119
2
übertr.:
–
‘Ruf, Geschichte, Ruhm’
(al)sus an stêter wirdi jung / (h)oͤhet sich von tag ze tage /
(d)es fúrsten krije MinneR 471 (Pf)
3,39;
da von im [...] ist vil kúndig worden, /
wie er ritters orden / ze prîse hat gefuͤret, / also das nie
versnuͤret [bildl. ‘beeinträchtigt’
] /
wart siner manheit krije ebd.
5,46.
3,7.
– auf die Kriegerschar selbst (?):
ir heissen in der korien / der beste furste der nuͦ lebet / witen
in dem lande VirgH
854,6;
er ist in der krige / gewesen ie der beste ein ebd.
979,10.
– auf einen Gegenstand ‘Erkennungszeichen’, evtl.
Helmschmuck (s.a. →
kroijierære stM.):
und swenn wir an sî strîten, / helde wandels frîge, / sô nement eine
krîge, / dâ bî wir uns erkennen Reinfr
16040
MWB 3,2 582,17; Bearbeiterin: Herbers |