colle
stF.
aus lat. cunila, conila; zur Form vgl. AWB 7,602; s.a.
vëltcolle
und
quënel
.
‘Feldthymian’ (Thymus serpyllum L. Marzell 4,699-714):
der gebranten collen rouch oder ruch vertribet di natern
Macer
28,4;
di colle getrunken mit wine fuͦrdert di wip an ir
suche, di zu lange mit beten [= beiten
]
ebd.
28,9
MWB 3,2 425,29; Bearbeiter: Tao
collecta, collecte
F.
liturg. ‘Kollektengebet’
guzinz: collecta GlHvB (GE)
323;
die collecta [vgl. Anm.z.St.] , die
er ob dem alter sprichet, bezeichent [...]
Lucid
95,3;
nâch der collecten lesen wir die episteln PrBerth
1:497,32;
capitel, collecten, legend [...] /
das hat er [Papst Gregor der Große] gerichtet / und manig
puech getichtet Märt
3908;
als dicke man unser vrowe nent in den collecten, sô sal man
venien StatDtOrd
122,14;
die collecte sal man sîn an der venie ebd.
121,27;
PrGeorg
9,14;
Tauler
281,3.
338,3;
die êrsten collecten [
ad primam
collectam
]
[...] sal man venien StatDtOrd
120,27.
121,24;
waz betútet die iungeste collecta
Lucid
102,22.
103,1
(Schlussgebet, Postcommunio, vgl. Glossar
z.St.)
MWB 3,2 425,36; Bearbeiter: Tao
collectenære, collectære
stM.
vgl. mlat. collectanarius, collectarius (MLatWB 2,837 und
839).
– liturg., Buch, das Kollektengebete enthält, ‘Kollektar’ (vgl. AWB
5,304):
guziminz: collectenere, collectere GlHvB (GE)
314
MWB 3,2 425,51; Bearbeiter: Tao
koller
stM.
→
koliander
MWB 3,2 425,56;
koller, kollier
stN.
→
gollier
MWB 3,2 425,57;
kollirium
stN.
aus gr.-lat. collyrium.
‘Augensalbe’
nim daz atramentum vnde daz wize des eiges vnde daz honec, vnde
mischez zesamine vnde legiz vbir div oͮgin. diz collirium ist wndirliche
goͮt ze der finsternisse der oͮgon Ipocr
76.
83;
swem diu ougen wê tuont, der neme des gîres gallen unde siede
die in honege âne rouch [...]. ouch sprechent die physici,
daz Ypocras nie nehein collirium gemachete, dâ er zuo des gîres gallen wolt enbern
Barth
155,21;
wer ain trauf macht, diu collyrium haizt, mit dem cinamom,
daz macht diu augen klâr BdN
362,18;
diz ist kollirium genant, / dar got uns umme tut gemant / daz
wir unse ougen salben mite / noch der ougswernder lute site HeslApk
7091.
7151
MWB 3,2 425,58; Bearbeiter: Tao
Kolmârhuot
stM.
‘Helm aus Kolmar’
slah die stahelbîzzen dar, / daz die kolmerhüete ûf köpfe
erhellen SM:Go
1: 3,10
MWB 3,2 426,9; Bearbeiter: Tao
colmarisch
Adj.
‘in Kolmar gültig’
zweintzig mark jerlicher gulde colmarisches gewihtes uf dem judencins zu
Colmar MGHConst
8:325,35
(a. 1347)
MWB 3,2 426,12; Bearbeiter: Tao
kolmeister
stM.
Aufsichtsperson über den Kohlen- u. Pechhandel:
welchen knecht der colmeister dar gibt, der sol die secke tragen
StRPrag
83;
auch sol der colmeister haben ein bechwagen, dor an sol man wegen alles bech, das
in der stat gekaufft ebd.
83
MWB 3,2 426,15; Bearbeiter: Tao
kolner
stM.
wie
koler
‘Köhler’, nur als Bestandteil von PN belegt:
F. der cholnær UrkCorp (WMU)
2306,29.
bruder Vlrich der cholner ebd.
1396,33
MWB 3,2 426,21; Bearbeiter: Tao
kölnisch
Adj.
auch kolsch (s.u.), kulsch
(
UrkHess (B)
5,262
(a. 1331);
UrkFriedb
130
(a. 1335)
).
‘kölnisch’
ob si [...] mischelten swebschiz saltz oder
masirsaltz [Steinsalz? vgl. SchweizId
7,892] vnder koͤlnschiz saltz
UrkCorp (WMU)
80,45;
vunfzich malder rocgen colscher mazen ebd.
N233,6.
– bezogen auf Münzen bzw. Geld:
koste ieglich lüge ein kölnisch pfunt, / man lüge niht sô manege stunt
Freid
171,9;
reichte [= rehte
] kolsche penninge
UrkCorp (WMU)
255,28;
vuͦnf marc kolschir penninge ebd.
69AB,48.
74,17.
1000,35,29,36;
einen kolschen schillinc Elis
8294;
(mit Ellipse von pfenninge:)
vier schillinge colscher UrkFrankf (B)
469
(a. 1323);
umbe drissich marc kolsch pagements UrkDOKobl
1,404
(a. 1345);
drizzig schillinge geldes colsch UrkEberb
2,913
(a. 1330);
weitere Belege WMU 2,1020 und DRW 7,1180f.
MWB 3,2 426,24; Bearbeiter: Tao
colobium
N.
lat. (vgl. MLatWB 2,978).
ein ärmelloses Messgewand:
colobium hiez ein gewant / daz man ê zer messe truoc, / daz dûhte in
widerzæme gnuoc, / wand ez der arme dahte niht. / dâ von gebôt er,
[...] / daz vür daz wandelbære kleit, / würde ein
anderz angeleit, / daz ist genant dalmaticâ KvWSilv
620
MWB 3,2 426,41; Bearbeiter: Tao
coloquintida
F.
‘Koloquinthe’ (vgl. Citrullus Colocynthis, Marzell 1,1028f.):
coloquintida ist ein frucht als ein apfel vnde hat vzen ein
herte rinde, innen hat ez samen SalArz
86,46;
coloquintida haizt ain alexandrischer kürbiz. der paum
wehset gegen der sunnen aufganch pei Jerusalem und haizt sein apfel auch
coloquintida BdN
365,18;
wiltu di ercenie machen, so nim
[...] des innern in der coloquintida dri dragme
[...]
SalArz
99,12.
101,20
MWB 3,2 426,48; Bearbeiter: Tao
kolre
stMF.
aus lat. cholera; ahd. kolero, nhd.
Koller.
1
‘Darmkolik, Ruhr’
2 eine Gehirnkrankheit, ein Anfall, bei dem man nicht bei Verstand ist
1
‘Darmkolik, Ruhr’
die scarfe kolre: dissenteria GlAnzfKdVz
8:493,46
2
eine Gehirnkrankheit, ein Anfall, bei dem man nicht bei Verstand ist:
ir hât niht guoter sinne [...]. / mich dunket wol ir
hât den kolre, / der gêt iu in dem houbt entwer Rädlein
78
MWB 3,2 426,58; Bearbeiter: Tao
colris
Subst.
unverständliches Wort, das weder mit Kohl oder Kohlen, noch mit Reis etwas zu tun
hat; Name einer süßen Eierspeise (vgl. Hepp, Fachspr., S. 198):
ein col ris. ein colris gebacken. vnd mache von eyern
duͤnne bleter vnd snit die cleine vnd wirf die in ein suͤzze milich.
vnd nim semel brot vnd snit daz wuͤrfeleht dor in vnde mengez mit eyer totern
vnd suͤdez wol vnd tuͦ ein smaltz dor vf vnd versaltz niht
BvgSp
65.
66.
67
MWB 3,2 427,1; Bearbeiter: Tao
kolrôse
swFM.
‘Kohlrose’ (mit Beziehung auf die dunkelrote Blütenfarbe, wohl Paeonia L.
Marzell 3,499-524, bes. 509):
der kunic schuof dô / daz immer zwischen zwô / ein ritter
nider saz. / [...] daz die frouwen blanken / wâren
geparrieret, / als diu heide stêt gezieret / mit swarzen kolrôsen / und mit wîzem
zîtelôsen: / sô schein bî den frouwen klâr / von harnasche râmvar / maniges ritters
vel Ottok
17935
MWB 3,2 427,10; Bearbeiter: Tao
kôlsaf
stN.
‘Saft des Kohls’
salbe dich [...] mit rosen ole oder
mit kolsaffe SalArz
78,11;
weitere Belege des 13. bis 14. Jh. s. AWB 5,305; vgl. kôles
saf
Macer
88,12
( →
kôl
)
MWB 3,2 427,19; Bearbeiter: Tao
kôlsâme
swM.
1
‘Kohlsamen’ (?) 2
‘Repskohl’ (? vgl. Brassica Napus L. Marzell 1,636f. und DWB 5,1598)
1
‘Kohlsamen’ (?):
gip im huner hirn mit wine vnde mit kolsamen
SalArz
74,28
(vgl. dazu das freie Syntagma:
nim [...] den hanefsamin vnde der
chole samen Ipocr
229
)
2
‘Repskohl’ (? vgl. Brassica Napus L. Marzell 1,636f. und DWB
5,1598):
strucium: koͤlsame, koͤlsam VocOpt
50.277;
Gl
3:565,9
MWB 3,2 427,23; Bearbeiter: Tao
kolsch
Adj.
→
kölnisch
MWB 3,2 427,30;
kôlsouc
stM.
wie
kôlsaf
:
ist derer fuz sichtum von kalder vuchte, so lege im ein plaster
uf di fuze von kol souch vnde von origant SalArz
66,33
MWB 3,2 427,31; Bearbeiter: Tao
kolswarz
Adj.
‘schwarz wie Kohle, kohlschwarz’
ein kolswarzer man, / der ist eislich getân
Ottok
3591;
wie cholswartz war ir [der
Mohrenkönigin] haut HvNstAp
14240.
– von Pferden:
hartte kaisserlich verdachtt / ward manig kolschwartzes mark
GTroj
17713;
zwei kolswarze marc / riten si dort her Ottok
33631
MWB 3,2 427,34; Bearbeiter: Tao
kolte
swF.
→
kulter
MWB 3,2 427,41;
kolter
stMN.
→
kulter
MWB 3,2 427,42;
kolter
stN.
zu afrz. coltre, coutre (vgl. Rosenqvist 1,131f.).
‘Pflugmesser’
Karlle nam dat kolter in de hant, / dat hey an dem ploche vant
Karlmeinet
383,62.
384,39
MWB 3,2 427,43; Bearbeiter: Tao
koltrager
stM.
‘Kohlenträger’
von koln und von koltragern WüP
72,1;
da groͤzzer gebrest an gewesen ist bizher von den, die
koln fuͤrkauften, und auch von den koltragern, die swern loͤn genumen
haben von armen und von richen luͤten ebd.
72,7
MWB 3,2 427,47; Bearbeiter: Tao |