knütel
stM.
hölzerne Schlagwaffe, ‘Knüppel’
von des paums holz macht man gar guot knütel
BdN
333,24;
drî guote knütele eichen RvMunre
1434;
die gebûrn er tragen hiez / knütel für die hunde, / der swert man in niht
gunde Helbl
8,877;
ich laze uch uwern rucke / mit knuteln gar wol durch slan
Pass I/II (HSW)
16213.
17010;
StrKD
58,II 289;
swer den andern [...] mit chnuͤtteln sleht,
[...] der sol im ein pfvnt geben vnd dem rihter zwen
vnd sibentzich pfennige UrkCorp (WMU)
475AB,21,42;
StRPrag
127.
55;
StRBrünn
359;
WüP
42,6
MWB 3,1 408,60; Bearbeiterin: Wemhöner
knütelen
swV.
‘jmdn. mit einem Knüppel schlagen’
swelch borger den andern knuttilt mit bedachten mute, di git zwo marc, vnde
rumet zwey iar StRNordh
2,10.
– subst.:
blutrunst odir heimsuche odir totslac odir knuttiln mit bedachtin mvte
UrkCorp (WMU)
1161AB,10,11
MWB 3,1 409,7; Bearbeiterin: Wemhöner
knütelholz
stN.
‘Knüppel’, hier iron. personifiziert zur Umschreibung einer tätlichen
Auseinandersetzung:
di unwæge richt uns bei den herren chnutelholcz! Neidh (S)
1,322 R47:4,11
MWB 3,1 409,13; Bearbeiterin: Wemhöner
knütelieren
swV.
‘(auf etw.) mit Knüppeln schlagen’
sie vlâhten hart mit alre nôt / von dornen eine krônen. / hie mide wart des
vrônen / houbet dâ gezieret, / darûf geknuttelieret / mit vreissamen stecken, /
langen unde quecken Erlös
5128
MWB 3,1 409,17; Bearbeiterin: Wemhöner
knütelslac
stM.
hier nur Pl.
‘Knüppelschlag’
in [Blasius] hiez Agricolaus / uber
gen [überziehen] mit chnütel slegenn Märt
2035;
nû kom ein widerfreise / von doner und von regen: / den man
mit knutelslegen / hiete ûz getriben, / er solde sîn beliben Ottok
6571.
45080;
uf swen man chlagt vmb ravffen, vmb mavlslege, vmb pævlsleg
[Schläge, die eine Beule verursachen] , vmb
chnvttelsleg UrkCorp (WMU)
3452,23
MWB 3,1 409,22; Bearbeiterin: Wemhöner
knütelunge
stN.
‘das Schlagen mit einem Knüppel’
von knuttelunge [Überschrift] . swelch borger den
andern knuttilt mit bedachten mute StRNordh
2,10
MWB 3,1 409,31; Bearbeiterin: Wemhöner
knütelwërc
stN.
‘Tracht Prügel’
er beginnet ûf iuwerm rücke / würken ein grôz knütelwerc Sibote
551
MWB 3,1 409,35; Bearbeiterin: Wemhöner
knutzen
swV.
‘etw. fest (an etw.) drücken’
mitten durch [seinen Umhang] zoch er
[hl. Martin] daz swert / und gab deme durftigen ein
teil, / des er wart ummazen geil / und knutztez umme sich zuhant Pass
III
593,79
MWB 3,1 409,38; Bearbeiterin: Wemhöner
knûʒ
Adj.
‘tapfer, mutig, wagemutig’
ich weiz in nindert sô knûz, / daz er sich geturre gelîchen /
mit vehten zuo grâf Heinrichen, / den sehs Unger müezen entsitzen
Ottok
11331.
6099
u. ö.;
ist er so frech und so knauß / das er den sig pehaltet, / des
landes er dann waltet HvNstAp
5636;
des las er gute boten uz / siner manne kluc unde knuz Macc
5660;
der selbe dunket sich so knuz, / im strauben her vorne die locke uz, / als er
in harnasch habe geriten Jüngl
81;
gegen den armen ist er knuz ebd.
243.
– zur Beschreibung einer angebeteten Dame:
geselle, sie ist so vin und knus, / daz ich ez kan vol sagen
niht. / solt ir geberde und ir gelit / ich dir vol loben, ez wurde zu vil
Minneb
4478
MWB 3,1 409,43; Bearbeiterin: Wemhöner
côatî (?)
Subst.
eine (nicht zu identifizierende) Sprache, vielleicht ‘Kurdisch’? (vgl. dazu
P. Kunitzsch, Caldeis und Côatî, in: DVjs 49 [1975], S. 372-377):
do der marhgrâve in prîsûne / gevangen lac dâ ze Arâbî, /
chaldeis und côatî / lernet er dâ ze sprechen Wh
192,8
MWB 3,1 409,57; Bearbeiterin: Wemhöner
1kobe
swM.
hier kope.
eine Fischart, ‘Groppe’ (Cottus gobio), vgl. Birkhan, HvNstAp., S.
364:
der see trug güt vische: [...] der
klainen grundel vil, / kopen, pfrillen ane zil HvNstAp
18054
MWB 3,1 409,63; Bearbeiterin: Wemhöner
2kobe
swM.
hier kove.
1 Innenraum eines Ofens, ‘Ofenhöhlung’
2
‘Verlies, Kerker’ , hier als Beschreibung der Hölle (vgl. Glr.z.St.) 3
‘Käfig’
1
Innenraum eines Ofens, ‘Ofenhöhlung’
dô er [Nebukadnezar] Daniellen / mit
sînen gesellen / hîz werfin in den koven / des gar gluenden oven
NvJer
97;
die [drei Jünglinge] der kunc
Nabochodonosor / liez werfen in den gluenden oven. / ein engel quam dar in den coven
/ mit einer kuͦlen senften luft Vät
8752.
36448
2
‘Verlies, Kerker’, hier als Beschreibung der Hölle (vgl. Glr.z.St.):
do brahte er mich drate / [...] /
in einen kerker vreuden los, / da was vinsternisse gros. /
[...] / in den vreudelosen coven / wisete er mir einen
grozen oven, / der uz unde innen gluete Vät
23543.
– übertr.:
doch mochte in [Arsenius] niht
der selen cove / gedrucken: daz vleisch mein ich Vät
14618
3
‘Käfig’
ein nuwevangen vederspil / zement man wol in eime coven
Vät
3833
MWB 3,1 410,3; Bearbeiterin: Wemhöner
kobebe
swF.
→
kubêbe
MWB 3,1 410,20;
kobel
stM.
mehrrippiger, gewölbter und mit Planen bedeckter Aufbau eines sog. Kobelwagens,
‘Kobel’ (vgl. H. Haupt, Der Wagen im Mittelalter, in: Achse, Rad und
Wagen, Göttingen 1986, S. 196):
dô hiez der künic Nerô / bereiten einen wagen dô, / der was
aller silberîn. / [...] / ein kobel lanc unde wît / muost
ob dem wagen sîn / von einem guoten baldekîn EnikWchr
23240;
suoht mir teken [Strohmatten] zeinem kobel, / daz
man darüber einen hobel [Decke] / mit grüenen hiuten
ziehe Helbl
1,626
MWB 3,1 410,21; Bearbeiterin: Wemhöner
kobel
swF.
obd. kobaul (vgl. FWB 8,1236).
‘Pferdestute’
die kobäuln oder die pfärtmüeter habent die art und die
sänftikait, ist daz aineu stirbt, sô säugt diu ander der tôten kint
BdN
137,7;
und wen sy yn [den Khan] brengin an dy stat do her
sal begrabin werdin, so totin si alle di pfert unde kobiln us syme stalle
MarcoPolo
16,30
MWB 3,1 410,32; Bearbeiterin: Wemhöner
kobel
stN.
‘Felsschlucht’ (vgl.
gekobel
):
dar nach er [Dietrich] sich czu rúge lies / czu
einem kuelen prunnen, / der durch das kobell het sein flis VirgW
455,9
=
Virg (St)
460,9
MWB 3,1 410,39; Bearbeiterin: Wemhöner
kobellachen
stN.
Tuch, Plane zum Bespannen eines Kobelwagens (vgl.
kobel
stM.):
ûf die wegen muost man machen [...]
kobellachen / von sîden und von golde Ottok
73292
MWB 3,1 410,43; Bearbeiterin: Wemhöner
kobelmilch
stF.
‘Stutenmilch’
ir tranc, des sî ouch nertin sich / in aldin zîtin, was ouch
drilch: / wazzir, mete, kobilmilch NvJer
4154;
der kobil milch trynkit nymant me wen der groze
chaam [Khan]
MarcoPolo
21,8.
21,10
MWB 3,1 410,47; Bearbeiterin: Wemhöner
kobenîekorn
stN.
→
kubêbenkorn
MWB 3,1 410,52;
kober
Adj.
→
korberhabech
MWB 3,1 410,53;
koberen, kobern
swV.
auch koveren (
Loheng
2716
), präfixlose Neubildung zu lat. recuperare (vgl. EWA 5,664; s.a.
erkoberen
,
bekobern
).
1
‘sich sammeln’ (intr. und refl.) 1.1
‘sich als Gruppe (um jmdn.) versammeln’
1.2
‘sich sammeln, erholen, (neue) Kraft erlangen’
2 jägersprachl. von Hunden ‘(laut bellend) einer Spur, Fährte folgen’ , häufig subst. (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 121f., mit weiteren Belegen) 3 Einzelnes 3.1 subst. in der Wendung âne
‘ohne die Möglichkeit des Wiedererlangens, unwiederbringlich’
3.2 nach Lexer tr. ‘etw. erreichen, erlangen’ , vermutlich jedoch ein
(verderbtes?) Toponym (vgl. H. Thomas, Rot und Gold - Krieg und Frieden,
in: FS Ernst Schubert, Hannover 2006 , S. 31, Anm. 59) 3.3
‘unredlich, raffgierig (auf Gewinn) spielen’ (vgl. DRW 7,1160 sowie FWB 8,1239 mit weiteren Belegen)
1
‘sich sammeln’ (intr. und refl.)
1.1
‘sich als Gruppe (um jmdn.) versammeln’
do got Jhesus tot was, / [...] /
do koberten di apostelen gemeine / bi Marien gotes muter eine
Brun
11130.
– meist von Kämpfern oder Heeren:
der heiden her daz hatte sich / gekobert und was volkes rîch
LivlChr
8416;
der Riuzen künic [metonymisch für sein
Heer] sich kovert Loheng
2716;
die Kriechen sach man sich kobern, / [...] /
zesamne sie sich hielten UvEtzAlex
14050;
NvJer
13838.
12775
1.2
‘sich sammeln, erholen, (neue) Kraft erlangen’
Tristan begonde bezzern sich / und kobern an dem lîbe
HvFreibTr
5057;
doch koberte sich Polidamas / vnde sluc
im [Pyrrhus] vaste engeine Herb
14712;
Brun
11829;
JTit
4244,1.
5064,3.
– von Personengruppen (offen zu 1.1):
sie begunden vaste kobern / und an den vînden obern [die
Oberhand gewinnen]
UvEtzAlex
21935;
ErnstD
807;
Willehalm der unervorht / so verre nâch jagete, / daz
der küene und der verzagete, / die nidern und die oberen / sich sêre
begunden koberen Wh
294,6.
435,21.
425,5;
diu heidenschaft sô balde sich niht enkoberet Loheng
6097.
2801.
– hier ‘(zahlenmäßig) erstarken’
die [Besatzer Jerusalems] sazten dar sundic
volc hin / und vil ubeltetic darin / unde koberten [
convaluerunt I Mcc 1,36] da sere
Macc
1555.
– subst.:
diu Josweizes heres kraft /
[...] / und Halzebiers kobern / mohte dô niht
gobern [d.i. ge-oberen
] / die getouften an der zît Wh
33,29.
212,21
2
jägersprachl. von Hunden ‘(laut bellend) einer Spur, Fährte folgen’, häufig
subst. (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 121f., mit weiteren Belegen):
der hunt [...] kobert ûf der verte
Hadam
118,6.
131,1;
nieman weiz, waz ein unverzagtes kobern / mac ungehoerter dinge / nâch guotem
wilde ûf walden überobern ebd.
114,5.
506,6
u.ö.
3
Einzelnes
3.1
subst. in der Wendung âne
~
‘ohne die Möglichkeit des Wiedererlangens, unwiederbringlich’
[Lancelot klagt um seine Dame,] die er úmmer verlorn
wond haben one kobern Lanc
596,21
3.2
nach Lexer tr. ‘etw. erreichen, erlangen’, vermutlich jedoch ein
(verderbtes?) Toponym (vgl. H. Thomas, Rot und Gold - Krieg und Frieden,
in: FS Ernst Schubert, Hannover 2006, S. 31, Anm. 59):
der keiser sînen marschalc hiez / herbergen ze kobern [Hs.
kovben
] , dâ sich nider liez / daz volc und wolt des keisers selben
warten Loheng
3979
3.3
‘unredlich, raffgierig (auf Gewinn) spielen’ (vgl. DRW 7,1160 sowie FWB
8,1239 mit weiteren Belegen):
chobert ein man [...], den sol man antwurten
hintz dem nachrichter, und schol in der ain gefuege puezz haizzen anlegen
StRWien
68
MWB 3,1 410,54; Bearbeiterin: Wemhöner
koberunge
stF.
auch kover-.
1
‘Sammlung, Formierung’ zu einer bevorstehenden Schlacht 2
‘(Wieder-)Erstarken’ (nicht immer klar von 1 zu trennen)
1
‘Sammlung, Formierung’ zu einer bevorstehenden Schlacht:
daz vünfteil balde was gelegen, / ê die Hiunen koverunge mohten pflegen
Loheng
2715;
si huoben an ir krîe / durch koverunge ‘Belamunt’ PleierGar
15383.
15025;
sus hal dâ der ander dôn / durh koverunge, Brûbant
Wh
397,11.
402,27;
dâ von [von Glaukos’ Tod] begunden
gar verzagen / die werden Troiær unde ir her. / âne widersaz und âne wer / und âne
koverunge genuht [ungeordnet] / rihten si ir her ze fluht
KvWTroj
43097.
– metonymisch für das gesammelte Heer:
menlîch sie gein in quâmen gevarn, / reht als dâ ein valkenterz kumt under
starn, / sus sie mit hurte die koverung zestôrten Loheng
2720;
sie gâhten vaste gein dem mer, / doch vil koverunge sich gein in sazte ze
wer ebd.
5852
u.ö.
2
‘(Wieder-)Erstarken’ (nicht immer klar von 1 zu
trennen):
nû begunde Troiæren komen, / [...]
/ soliche koverunge dar, / daz si der frechen Kriechen schar / wider triben mit
grôzer craft KvWTroj
43013;
mit den swerten umbe kêrten / die kristen al die
heidenschaft. / [...] / dennoch manec koberunge lac / an
der rîterschaft der Sarrazîn Wh
435,16.
– in nicht militärischem Kontext:
di here Elizabet [...] / brachte
[...] / frides koberunge, / von des heilegen
geistes craft / [...] / in dirre cristenheide
Elis
10414;
ez were nv vil lange zit / wan din zovberlicher strit / hant mengen hie
besweret / [...] / wir sin der koverunge /
[...] / fro vnd vmbe dinen val / daz din zoberige
smal / worden ist Martina
219,61
MWB 3,1 411,45; Bearbeiterin: Wemhöner
kobolt
stM.
‘tückischer Hausgeist, Kobold’, meist als (kleine) aus Wachs oder Holz
gefertigte Figur:
mit wunderlichen sachen / ler ich sie denne machen / von wachs einen kobolt
JvNürnberg
169;
mir ist ein lôser hoveschalc als ein kobolt von
buhse [Buchsbaumholz]
KvWLd
32,211;
abgöte, als ich gelesen hân, / wâren kobolde und taterman
Renner
10884.
5011.
5522.
–
in koboldes sprâche/ wîse sprechen:
mit kleiner stimme dô sprach / ein jungelink von Ache, / reht in koboldes
sprâche RvMunre
1298;
setzet mich hinder den umbehanc, / dâ lig ich reht als ein
sac. / [...] / hinder iurem ruck an der stat / rûn ich ez
in iuwer ôre. / [...] / ich red in koboldes wîse
EnikFb
2209.
– bildl. und im Vergleich:
die [Ignoranten] vurschopfent ir oren hol, sie ne
wollen wider sen noch horen. [...] we den kobolden, die
alsus irstummen Meissner
17:13,3;
personif.:
si [die Trinker] sitzent als die tôren / und einer
siht den andern an / als Kobolt hern Taterman Renner
10318
MWB 3,1 412,12; Bearbeiterin: Wemhöner
kobus
Subst.
ein Musikinstrument, ‘Leier’? (vgl. H. Fromm, Ungarisches Wortgut bei
H.v.N. In: Ural-Altaische Jahrbücher 31 [1959], S. 90):
zymbeln und drummen, / harpfen und auch zytoln, / psalterien
und welsche fioln, / die kobus mit der luͦten, / dambuͦren mit den bucken
HvNstGZ
4671
MWB 3,1 412,32; Bearbeiterin: Wemhöner
coccus
Subst.
‘Purpurschnecke’
bi cocco dem wurmelin / und bi dem roten blute sin / daz vuwer man vernemen
sol, / daz hoste elemente wol, / ob alle rot geverbet HistAE
1577.
– hier metonymisch für den damit gefärbten Stoff (?):
coccus der was rot / wande er was in di uarewe gedunkot / der
bezeichenet ze ware / di heren marterare VMos
59,1
MWB 3,1 412,38; Bearbeiterin: Wemhöner |