kamergrâve
swM.
leitender Kämmereibediensteter der Finanzverwaltung in habsburgischen Ländern
(vgl. DRW 6,895f.), ‘Kammergraf’
jch, Pittrolf von Tuln vnd purger ze Wienne vnd zden zeiten chamergraf, tun
chunt UrkCorp (WMU)
3148,2.
1818,35
MWB 3,1 124,57; Bearbeiter: Diehl
kamerguot
stN.
von der →
kamere
verwaltetes bewegliches und unbewegliches Gut eines Landesherrn bzw. dessen
Erträge (vgl. 2HRG 2,1560f.), ‘Kammergut’
wer hintz kamer gelten sol, und des laugent, wann man es an in vodert, das
pringt ain ieder hausgenoss wol mit seinem schreiber. gicht aber der antwurter, er
hab des kamerguet gewert, und das der hausgenoss des laugnet, das pringt der
antwurter wol mit zwain ietzlichen pider erber mannen, als recht ist
StRWien
36.
37
MWB 3,1 124,62; Bearbeiter: Diehl
kamerhof
stM.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörender Hof:
darnâch fuorten si in [den gewählten jungen
König] / in den kamerhof hin. / in der selben klûse / wont der
kunic mit hûse Ottok
80255
MWB 3,1 125,8; Bearbeiter: Diehl
kamerholz
stN.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörender Wald (hier als Flurname, vgl.
kamervorst
):
aput silvam dictam kamerholz prope Bliswilr UrkSlgAlmende
416
(a. 1284);
daz der stift von Selse suͦnderliche hat drie welde, ligende in demme
vorgenanten eigen, daz ist daz Rôtris, der Mülnhart unt daz Kamerholz
WeistGr
1,761
(a. 1310)
MWB 3,1 125,13; Bearbeiter: Diehl
kamerhort
stM.
‘Schatz’, der in der →
kamere
aufbewahrt wird (hier übertr.):
dîner werke pflac Stæte / und aller dîner ræte / gedanke unde worte / und
dîner kamerhorte Mai
177,30;
minne ist ein daz beste wort, / minne ist ein übergulde, ob allen tugenden
kamerhort, / minne ist ein sloz der sinne, dâ mite man guotiu werc besliezen sol
RvZw
32,2
MWB 3,1 125,21; Bearbeiter: Diehl
kamerhuobe
stF.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörende Hufe:
in Smidhaim chamerhvb et donacio eiusdem UrbNAlteich
18;
curia in Dvrrenperge, que est una chamerhvb ebd.
397a
u.ö.
MWB 3,1 125,28; Bearbeiter: Diehl
kamerîe
stF.
md. auch kemerîe.
‘Kammerdienerin, -frau’ (zur Bildung vgl. Suolahti 1,116; s.a.
kamerærinne
):
Kunegunt die frîe, / die ist ir kamerîe, / ir ingesinde tegelîs; / sie hat
ouch sunderlîchen prîs EbvErf
3164.
1285;
die edele furstinne bat iren hern zu einem male unde sprach ‘gnediger herre,
ich bete uwer gnade daz ir mir und minen kemerien erloubit daz iz bestalt werde, waz
geroubit adir armen luten wider got abe gebrochen si’ Köditz
28,28
MWB 3,1 125,33; Bearbeiter: Diehl
kamerinne
stF.
→
kamerærinne
MWB 3,1 125,43;
kamerknëht
stM.
1 niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’
2 zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum
Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2 HRG 2,1562f.; weitere Belege DRW 6,923-25)
1
niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’
dô si geriten hêten wol nâch ritters rehte, / dô wurden vil unmüezic ûf des
küniges hóve vil manige kámerknehte Kudr
180,4
2
zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum
Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2HRG 2,1562f.; weitere
Belege DRW 6,923-25):
wir Ludweich von gots genaden roͤmischer chuͤnich
[...] enbieten unsern lieben chamerchnechten den juden
ze Regenspurch unser huld MGHConst
5:598,7
(a. 1323);
sehzig marck silbers geltes, die er von uns und dem riche hat uf den juden ze
Spyer, unsern lieben chamerknechten UrkSpeyer
340,26
(a. 1331);
wanne die juden zuͦ Nuͤrenberg unser camerknecht itzunt sitzent in manigerley
vehe des gemainen volkes und auch die burger in der stat irs leibs und guͦts, die
weil die juden in der stat seint, nicht sicher seint MGHConst
9:463,4
(a. 1349);
(vgl.
daz er di juden (seiner chamer chnecht) vreien vnd beschirmen wil
UrkWürzb
39,218
(a. 1323 kopial)
und
kamere
3.1)
MWB 3,1 125,44; Bearbeiter: Diehl
kamerlant
stN.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörendes Landstück, Hofeinheit (weitere Belege DRW 6,930f.):
ez svͤln ouch des gotshouz amptleute den selben wein vnd andern wein, den di
maier von ir chamerlant dienent, alliv iar nemen nah zwaier frumer gemainer manne
rat UrkCorp (WMU)
3479,19
u.ö.;
[wir] vergehen [l. verjehen
] offenlichen unt tuon kunt [...], das wir
[der Propst des Klosters Polling]
[...] habent lassen [...] unser
chamerlant ze T. unt unsern zehenden ze P. DRW
6,931
(SchlernSchr. 112; a. 1312)
MWB 3,1 126,1; Bearbeiter: Diehl
kamerlêhen
stN.
‘Kammerlehen’, von einer →
kamere
ausgegebenes, zum →
kamerguot
gehörendes Lehen bzw. entspr. Geldsumme der Kammereinkünfte (vgl.
differenzierter mit weiteren Belegen DRW 6,932f.):
kamerlehen ist nit reht lehen. daz hat ende so der herre vnd der man wil.
kamerlehen ist daz. so ein herre sprichet ze sinem man. ich lihe dir ûs minr kamer
ein marke oder mer SchwSp
200a;
swoz ich im [dem Bischof von Passau] mohtt vfgeben,
daz han ich im geben vnd vfgeben [...] in sin hant
[...], an div chamerlehen, div han ich mir selbe
svnderlichen behalten mit sinem guten willen UrkCorp (WMU)
3418,1;
Vͦlreich von Ahe hat 1 acher, der ist 1 chamerlehen [
agrum ad cameram pertinentem
]
UrbSonnenb
113;
UrbBayÄ
1926,a.
– der dafür zu leistende Zins:
das Peter von Ranbach [...] sin kamer leͥn in dem
hove ze Obrendvnrten, ein malter habren gelz ierlichs, das von v̂ns, der herschaft
von Rapreswile, sin rect kamer leͥn was, verkoͮfet hat
[...] dem abte vnd dem gozhûs ze Rvͥti UrkCorp
(WMU)
3050,14;
so sol der hof gelten ze zinse 1200 kese [...] und
daruber 5 ß ze kamerlene UrbHabsb
1:300,6
MWB 3,1 126,12; Bearbeiter: Diehl
kamerlouge
swF.
‘Urin’ (zu
kamere
1.1):
mit den vrouwin si antrug / daz sie uf den meistir klug / guzzen kamirlouge /
uf houpt und uf sin ouge PfzdHech
336,30;
sie netzten ir [der personif. Seele in der
Hölle] in die augen / mit fuͦrin kammer laugen. / sie warn an der
martel snel HvNstVis
520
MWB 3,1 126,36; Bearbeiter: Diehl
kamerlöugelîn
stN.
Dimin. zu
kamerlouge
:
Antipes sîn wîb ob im was / und schute im ûf das houbet sîn / ein unreines
kamerlöugelîn, / das es im dur den buosen ran Ammenh
16782
MWB 3,1 126,43; Bearbeiter: Diehl
kamermeier
stM.
bäuerl. Inhaber einer →
kamerhuobe
:
V. chamermayer in F. solvit de chamerhub DRW
6,940
(MittSalzbLk. 74; 13. Jh. (?))
MWB 3,1 126,47; Bearbeiter: Diehl
kamermeister
stM.
‘Schatzmeister, Kammermeister’, Verwalter der Kämmereieinkünfte (vgl.
kamerære
1,
hovemeister
):
do hisch he sinen kamermeistir unde hiz unde gebot im nemelich daz her gelde
unde bezale solde waz da vorzert unde vortan were Köditz
51,11;
den kamermeister er ez [Helm, Schild und Schwert]
nemen hiez, / der moht ez kûm gedinsen vor der swaere Loheng
799;
zv disem kaͦvfe wrden gebeten vnde zv gezivgen genvͦmen her Otte von
Swarzburc, chorherre zv dem tvͦme, [...] her Albreht der
schriber, [...], her Vlrich, kamermeister UrkCorp
(WMU)
3130,12.
3131,39.
– bezogen auf die Erzämter der Kurfürsten:
wir Ludwig von gotis genadin margrafe zuͦ Brandenbuͦrg
[...] des heyligen romischen riches oberster
kamermeyster MGHConst
9:53,41
(a. 1349)
MWB 3,1 126,50; Bearbeiter: Diehl
kamerphenninc
stM.
Münzabgabe an eine →
kamere
:
de Mvͤndreiching chamerpfenning UrbBayS
4,439;
camerpenninge RegErzbKöln
4,72
(a. 1308)
MWB 3,1 127,3; Bearbeiter: Diehl
kamerrûʒe
stF.
spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a.
kamerbëlle
,
kamerbirse
):
frouwe, er ist ungewaschen, / sprach ein kamerrûze, / lâzet in dâ ûze
HBirne
245
MWB 3,1 127,7; Bearbeiter: Diehl
kamerschaz
stM.
1 in der Kammer aufbewahrter Schatz (z.T. fließender Übergang zu
2 ) 2 an die Kammer zu entrichtende Abgabe
1
in der Kammer aufbewahrter Schatz (z.T. fließender Übergang zu
2):
des künges rîcher kamerschaz / wart gein Dâmas sâ gesant
RvEAlex
6816;
im [St. Laurentius] het sîn meister
[der Papst] sein chamerschatz bevolhen, daz er in
gæbe witwen und weisen durh got PrStPaul
127,16;
Roth
2894;
[es] was ouch niemen in der werlt, / erne muose daz
keiserlîch gezelt / mit chamerschatze êren, / den frône hort mêren
Wernh
3737;
daz dem soldan hie / sîns kamerschatzes abe gie / an silber
und an golde, / daz er unsanfte dolde: / wande zwei der besten lant, / diu im ze
zinse sint benant, / diu geltent sô vil niht, / als er flust hie giht
Ottok
53204
2
an die Kammer zu entrichtende Abgabe:
Christian der Chropf von chamerschatz git: an dem herbiste 40 pfunt vnd von
einer wisen 2 pfunt UrbTirol
71
MWB 3,1 127,11; Bearbeiter: Diehl
kamerschrîbære
stM.
Schreiber in der herrscherl. Kammer, Verwaltung:
Dietrich unser chamerschriber UrkWittelsb
2,53
(a. 1294);
an hern Paul, unsers herren des kuniges cammerschreiber
BgRIglau
342,15
MWB 3,1 127,28; Bearbeiter: Diehl
kamerselde
F.
einer →
kamere
unterstehender bäuerlicher Hof (vgl.
kamersidel
Subst.):
in suam curiam pertinent iv opera, que appellantur chamerseldi
UrkSüdtirol
3,2:4
(um 1250).
3,2:169
(um 1250)
MWB 3,1 127,33; Bearbeiter: Diehl
kamersidel
M.
Bewohner einer →
kamere
(als lokaler Verwaltungseinheit):
quilibet homo de cuius homo sit, si est chamersidel vel lehenman, ille debet
ire ad enspom et adiuvare UrkTirol
1:3,142
(a. 1239)
MWB 3,1 127,38; Bearbeiter: Diehl
kamersidel
Subst.
einer →
kamere
unterstehender bäuerl. Hof (vgl.
kamerselde
):
quedam fidelis femina nomine Eccha [...] quendam
locum curtilem id est houastat in Halle et loca duarum patellarum ad Galganara et
duos chamarsidili [...] tradidit UrkSalzb
1,274
(a. 1025)
MWB 3,1 127,43; Bearbeiter: Diehl
kamerstap
stM.
→
kamererstap
MWB 3,1 127,49;
kamerstrâʒe
swF.
Weg zum Verwaltungssitz (?):
an der kamerstrazen zuene morgen. an Ostirlingerin akkere zuene morgen
UrkMittelrhein
2,386
(a. 1202-4)
MWB 3,1 127,50; Bearbeiter: Diehl
kamertuom
stN.
‘Amt des Kämmerers’
der bischof, swer niu bischof wirt, hat ze rehte lidig alle des bistommes
ambt, ane dez marschalchtuon, dez trossessen tuon daz camertuon unde daz schenktuon
RbBasel
4,2
MWB 3,1 127,54; Bearbeiter: Diehl |