klagestat
stF.
‘Ort, an dem (bei einer Beerdigung) geklagt wird’
nymant sal zcu lychen gehen odir an der clage stad sitzen, er dan man vespere
gelutet [
nemo ad aliquod funus in loco querimonie sedebit ante pulsum
vesperarum
]
StRMühlh
133
MWB 3,1 309,41; Bearbeiter: Hansen
klagestimme
stF.
‘klagende, schmerzerfüllte Stimme’
mit ainer klage styme sy rieff: / von Tarsis ir purgere! /
ich clag ew mein schwere / und tu ew meinen jamer kunt HvNstAp
15497;
si fuͦren durch die wilde und liden not und arebeit vil herte. / do liez der
walt ir clage stimm erklengen / zu kunde wol die virre: ein cleiner don kan sich in
walde lengen JTit
5138,3
MWB 3,1 309,46; Bearbeiter: Hansen
klagetwanc
stM.
‘schmerzliches Ungemach’
Therentius sprichit ouch, / daz iz dir zu nichte touc, / daz
du strebis wider clagetwanc. / dune komistis abe, du wirdis cranc
Elmend
A 849
MWB 3,1 309,54; Bearbeiter: Hansen
klagevogel
stM.
‘Kauz, Käuzchen’ (als Bez. für verschiedene Eulenarten):
ulula haizt ain klagvogel, dar umb, sam Isidorus spricht, wan
sô er rüeft oder schreit, sô tuot er sam er wain oder klag, und bedäutt sein stimm
ungelük [vgl. Isidor, Etym. 12,7,38
]
BdN
227,21.
227,20.
MWB 3,1 309,58; Bearbeiter: Hansen
klagevüerære
stM.
Prozessvertreter einer Partei vor Gericht (vgl. DRW 7,1061):
enprist aver der antwurter dem anchlager mit dem rechten, so
sol er fuͤrbaz ledich sein der ansprach von dem, dez chlagfuͤraer dirr gewesen ist
StRMünch
315,25
MWB 3,1 310,1; Bearbeiter: Hansen
klagewandel
stM.
‘von dem unterliegenden Beklagten zu zahlende Gerichtsbuße’ (vgl. DRW 7,1066
mit einem weiteren Beleg des 14. Jhs.):
wehr ambtman ist, dem gehörent an die wandl zu nemen umb zeredtung, umb
schwert zugken, messer zugken, überärn und überzeinen und klagwändl von iedem zwelf
phening WeistÖ
8:899,27
(a. 1340)
MWB 3,1 310,6; Bearbeiter: Hansen
klagewîse
stF.
‘Klagemelodie’
Davit von jamir tihte alda / ein klagelichis klagesang, /
[...], / das grozer klage irzeigte vil / dú in der
klage wise gie RvEWchr
26895
MWB 3,1 310,13; Bearbeiter: Hansen
klagewort
stN.
1
‘Klagerede, Klage’ (im Pl.) 2
‘Klage, Jammer’
1
‘Klagerede, Klage’ (im Pl.):
disǐ wort daz sint clagewort Konr
2 W1,2;
von disen klageworten / diu frouwe zallen orten / vil inneclichen trûrte
KvWEngelh
3357;
dô dise clagewort / brûdir Ernke hât irhôrt, / sîn herze
binnin wart beweit [d.i. beweget
] / kegn ir in barmeherzikeit NvJer
19262;
geclagetes aber ir hêrren iht / mit clageworten? nein si niht
Tr
1736;
HvFreibTr
6652;
Seuse
125,19
2
‘Klage, Jammer’
in dem lande vlouc zehant / niht wan daz eine clagewort: / ‘â
noster sires, il est mort! / welch rât wirt des landes nuo? /
[...] ’ Tr
5483
MWB 3,1 310,17; Bearbeiter: Hansen
klagewunt
Adj.
‘durch Klage verwundet’
ir frawen, daz bedencket e, / e daz diu afterriuwe erge! / und wirt iuch
afterriuwe kunt, / so sit ir immer clage wunt UvLFrb
1108
MWB 3,1 310,29; Bearbeiter: Hansen
klagewuoft
stM.
‘Wehklage’
claga uuoft áne trôst Himmel
52
MWB 3,1 310,33; Bearbeiter: Hansen
klagunge
stF.
‘Klage, Beschwerde’
so werde alle div noturft [an Kleidung] von dem
abbete gegebin. [...] daz aller der noturfe clagunge abe
genumen werde [
ut omnis auferatur necessitatis excusatio
]
BrHoh
55;
qverimoniam: chlágunga Gl
1:773,4
MWB 3,1 310,35; Bearbeiter: Hansen
klam
stM.
‘Bedrängnis, Klemme’ (vorwiegend in religiösem Kontext):
siu ligent in dem clamme / der helleschlichin wamme / in dez tievils buosen
Martina
148,53;
daz bant ist der gedienet ban, / der klemmet in der helle alsô, / daz Jûdas
nie die nôt [La. nie solich clam
] gewan Winsb
53,10;
der mit im leit des krûzes klam JvFrst
10567.
– hierher oder zu →
klamme
stF.?:
si werden in verdammen / zû des tôdes klammen
JvFrst
6192;
och wirt der dritte gebreste / dem menschen in dem neste / uon der nature
clamme / in siner muoter wamme / diu in also entschicket / daz vatter vnd muoter
erschricket / von dez kindes bilde Martina
199,93;
mit svnden clamme ebd.
205,35
MWB 3,1 310,41; Bearbeiter: Richter
klam (?)
Adj.
Ansatz und Bedeutung unklar, vgl. Frl Anm.z.St.:
do dir ein clamer morgen schein Frl
13:33,6.
– syntaktisch unklar, mehrere Wortarten denkbar, jedoch Eingriffe in den Text
erforderlich:
bî dem wart ouch erzeiget / daz in di herz sich neiget / zû
blîben dâ daz wâre lam / daz an des krûzes boume klam [Hs. chlamp
[:lamp], trotzdem zu klimmen stV.?] /
enphangen wirt mit andâcht, / zû wesen dâ hât er gedâcht JvFrst
1500
(vgl. z.St. S. 384 und Ferber 30,10-14)
MWB 3,1 310,55; Bearbeiter: Richter
klambe
stF.
→
klamme
MWB 3,1 311,1;
klamben
swV.
→
klammen
MWB 3,1 311,2;
klamen
swV.
→
klammen
MWB 3,1 311,3;
klamenîe
stF.
auch clamanie.
wohl ‘Geheimnis, Geheimlehre’ (zu lat. clam
‘heimlich’, vgl. G. Schweikle, Parodie und Polemik in mhd. Dichtung,
Stuttgart 1986, Anm. auf S. 193 zu Str. 56 Z. 3), in älterer Forschung als
‘klarer Himmel’ aufgefasst (vgl. Suolahti 1,123):
nigromanzie erkenne ich gar. / astronomie nim ich an den sternen war: / vinde
ich die clamanie [Laa. clamanei, klamenie
] in rehter ahte, / so kunde ich wol die warheit sagen Wartb
(H)
373:21,3;
swie vil ich an den sternen las, / swen so die klamenie in vollem heider
[klarem Himmel] was, / daz hat mich ie kegen India
gewiset ebd.
390:1,2;
zwo clamanie an sternen tuot din singen mir bekant ebd.
562:5,9;
Loheng
183
(entspr. Wartb (H) 373:21,3)
MWB 3,1 311,4; Bearbeiter: Richter
klamere, klammer
stF.
Pl. auch clemern (
BdN
245,1
).
‘Klammer’
leg in [den Aal] dann in ain clamer
spiz [gespaltenen Bratspieß] , daz ist ain clainr
eiseneinr spiz gespalten und gênt die zwai clemern oben und unden zesamen und habent
ringel, dâ mit man si zuo enander twingt BdN
245,1.
– hier evtl. eine Form der Fessel, Stock (Holzbretter zum Einspannen von Hals
und Händen?):
si lait mir an ain clamer / vnd ruͤrt mich mit dem hammer / da mit si mangen
het versmit MinneR 433
495.
– übertr.:
leit jâmer und trûren / mîn herze alsô vormûren / mit der starken angist
clammern MinneR 27
185;
den vil tugentrîchen / twanc der vorhte klamere KvWPart
1193;
alter schulde klamere KvWGS
347
MWB 3,1 311,19; Bearbeiter: Richter
klamerspiʒ
stM.
ein gespaltener Bratspieß (zum Einklemmen, hier von Aal):
leg in [den Aal] dann in ain clamer
spiz, daz ist ain clainr eiseneinr spiz gespalten und gênt die zwai clemern oben und
unden zesamen und habent ringel, dâ mit man si zuo enander twingt BdN
244,34
MWB 3,1 311,34; Bearbeiter: Richter
klamirre (?)
Subst. (F.?)
eine Speise, Semmelschnitten mit Obst- oder Fleischeinlage (vgl.
Anm.z.St.):
datz Ôsterrîche clamirre, / ist ez jener, ist ez dirre, / der tumbe und der
wîse / hânt ez dâ für herren spîse. / die soltu ezzen Helmbr
445
MWB 3,1 311,40; Bearbeiter: Richter
klamme
stF.
auch klambe (
Karlmeinet
472,47
); s.a.
klam
stM.
‘Bedrängnis, Klemme, Not’
die warhæit begunder rüeren, / [...] wie die bürge
müesten / dulten fiures flamme, / unde mit wie grozer chlamme / diu liute solden
vallen Serv
1460.
430;
in derselben clamme [aus dem Paradies vertrieben,
von Gott nicht länger beachtet] / da lage wir lange
VMos
10,23;
du erloestes mit dyner gewelde / usser engstlichen klamben / van des
waelvisches wamben / Jonam Karlmeinet
472,47;
Ottok
3384;
MinneR 444
71
MWB 3,1 311,45; Bearbeiter: Richter
klamme
swF. (oder N.?)
‘Klammer, Zange’
ez [das Mischwesen] fuͦrt ain
clammen / sines herren Merlines, / da mit er vil pines / manigem het gestellet
WhvÖst
11730
MWB 3,1 311,56; Bearbeiter: Richter
klammen, klamen
swV.
auch klamben.
‘etw. (mit Klammern) festmachen’ (s.a.
klampferen
):
er hiez si [die Arche] limen und chlamben
GenM
28,11;
er ist vervlûchet und verdamt / swer hanget an daz holz
geklamt JvFrst
7486;
sumlich wurden ouch verdamt / und zû dem êwigen tôde geklamt
ebd.
8630.
–
‘einklemmen’ (?), Sinn des Belegs ist unsicher, vgl. Anm. z. St.:
wol mag der fröden zang / Adam clamen in die gail [i.S.v. in die
Fröhlichkeit einbinden? von niederen Trieben erlösen?] / da sines
rippes och ain tail / an dir, gehüre stete, lit MinneR 272 (DKL)
1,61
MWB 3,1 311,60; Bearbeiter: Richter
klampferen
swV.
‘etw. (mit Klammern) fest zusammenfügen’
sô vaste hiez er si [die Arche]
chlampheren unde lîmen daz si der fluote vreise mahte erlîden Gen
695
MWB 3,1 312,8; Bearbeiter: Richter
1klanc
M.
Bedeutung unklar, evtl. ‘Schlinge, Verschlingung’ (vgl. FrlWB, S. 185, s.a.
das ebenfalls unklare
klenc
Adj.):
den slangen beiz min harm, ich wisel [La. den clangen paiz
mein himleins wisel
]
Frl
1:9,14
MWB 3,1 312,12; Bearbeiter: Richter |