k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kambe
swM.
→
kamp
stM.
MWB 3,1 119,13;
kamber
stM.
→
kembære
MWB 3,1 119,14;
cambicolor
Subst.
eine (schillernde) Stoffart (s.a.
enbicobe
):
reich was ir geraitte, / geworcht von purper und von samit, /
conbicolor und von capit HvNstAp
3951
MWB 3,1 119,15; Bearbeiter: Diehl
kâm|britel
stM.
‘zum Zaumzeug gehörende Gebissstange, Kandare’ (kâm- aus lat.
camus, mit zahlr. ahd. Belegen vgl. AWB 5,23f.):
camus: kambritil SummHeinr
1:354,117.
2:95,219;
die dir sust nicht nach wellent gan! / leg in cham pritel
an! Teichn
468,28
MWB 3,1 119,19; Bearbeiter: Diehl
kambur
stM.
‘Zählender, (Be-)Rechner’ (vgl. lat. computator und
Anm.z.St.):
ez wær eim kambur genuͦg, / der da zu der siene
[Rechenschiene] sæze / und die zal mit vieren mæze, /
so wær ein summer langer tag. / der heiden da so vil tot lag / daz nieman da die
erde sach Rennew
22890
MWB 3,1 119,25; Bearbeiter: Diehl
kamelîn
stN.
→
1kemelîn
MWB 3,1 119,31;
camêliôn
stM.
→
gamâlêôn
MWB 3,1 119,32;
Camêne
swF.
‘Camene, Kamöne’ (ital. Quellgöttinnen, die im MA den Musen gleichgesetzt
wurden, vgl. LexAntikeGestalten, S. 407ff. und 1Okken, Tr. z.St.):
der wirt, die niun wirtinne, / Apolle und die Camênen, / der
ôren niun Sirênen, / die dâ ze hove der gâben pflegent Tr
4871
MWB 3,1 119,33; Bearbeiter: Diehl
kâmene (?)
swMN.
zu ahd. kâm, kâmo ? (vgl. AWB 5,17 u. 24f.).
‘Kieferknochen’
vort me Samson mit ungevug / tusent man ze tode slug / mit eime kamenen groz [
maxillam id est mandibulam asini Idc 15,15] / eines
esels, des en nicht verdroz HistAE
1697
MWB 3,1 119,39; Bearbeiter: Diehl
camênisch
Adj.
‘camenisch, kamönisch’ (vgl.
Camêne
und 1Okken, Tr. z.St.):
diu mînen wort muoz er mir lân / durch den vil liehten tegel
gân / der camênischen sinne Tr
4891
MWB 3,1 119,45; Bearbeiter: Diehl
kamer-
s.a.
kemer
-
MWB 3,1 119,49;
kamerambet
stN.
1 Tätigkeit des Kammerdieners (zum persönlichen Dienst) 2 (niedriges) Kämmereramt, betraut mit finanziellen Aufgaben bzw. der Verwaltung von
kamerguot
(zur Sache vgl. DRW 6,800ff.)
1
Tätigkeit des Kammerdieners (zum persönlichen Dienst):
‘vrowe, waz sol ich sprechen mêr? / wan iwer hof stât ritterlîch: / man wirt
dar inne wol êren rîch. / und wirt mir iwer kameramt, / ich hânz, ob got wil,
ungeschamt / und wilz ouch von iu mit den spern / enpfâhen, swenne ir welt, vil
gern.’ UvLFrd
235,29
2
(niedriges) Kämmereramt, betraut mit finanziellen Aufgaben bzw. der Verwaltung von →
kamerguot
(zur Sache vgl. DRW 6,800ff.):
vonme kamær ampet git man zwai pfvnt UrbBayÄ
1556,g;
das ich in vnd dem closter in das vor genanntchamer ambt dienen sol
[...] ainen emer weins UrkEnns
6,138
(a. 1334 kopial);
eyne halbe huwe, die wart gegeben zu selegerete in das kameramicht den vrowen
zu der kappellen DRW
6,801
(Diefenb.-Wülcker 685; a. 1346);
wohl hierher:
die sine chamer ampt hant StrKD
107,197;
der dô des kameramtes phlac Ottok
91044
MWB 3,1 119,50; Bearbeiter: Diehl
kamerære
stM.
auch kemerer.
‘Kämmerer’ (rechtl. stärker differenziert mit zahlr. weiteren Belegen DRW
6,843-850; zur Sache vgl. 2HRG 2,1548ff.):
camerarius: kamrer VocOpt
41.071
1 in der Verantwortung für die
kamere
(ihre Ausstattung, herscherl. Kleidung, Schatz, Einkünfte) und die mit ihrer
Verwaltung verbundenen Aufgaben wichtigstes Hofamt neben
marschalc
,
schenke
,
truhtsæʒe
in den meisten weltl. wie geistl. Herrschaften (vgl.
hovemeister
,
kamermeister
) 2
‘Diener, untergeordneter Bediensteter’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden) 3 Verantwortliche oder Bedienstete im Bereich städt. oder dörfl. Verwaltung bzw. bei Gericht 4 übertr. ‘Verwalter, Hüter’
5 Einzelnes 5.1 als Bestandteil von Flurnamen 5.2 als Bestandteil von Personennamen
1
in der Verantwortung für die →
kamere
(ihre Ausstattung, herscherl. Kleidung, Schatz, Einkünfte) und die mit ihrer
Verwaltung verbundenen Aufgaben wichtigstes Hofamt neben →
marschalc
,
schenke
,
truhtsæʒe
in den meisten weltl. wie geistl. Herrschaften (vgl.
hovemeister
,
kamermeister
):
ich bevalh den kemerere min / beide ros vnde gewant / daz sie
brachtin indiz lant Roth
2614.
1138;
Marssilies gebot den kamereren / daz si gereite waren / der
uil herlichen gebe Rol
2707;
Eraclîus der gewære / hiez die kamerære / dem guoten man daz
silber wegen Eracl
1042;
Rennew
12273;
RvEWchr
7129;
do kom der burg kamerer Minneb
224;
daz vns [dem Abt von Limburg] di [
vischerie zu Eychene
] dienen sal oder vnserme kemerere also lange, also wir zu Nuwenburch
sin UrkCorp (WMU)
3067,25;
jch Otto von Liehtenstain, chamerer in Steir ebd.
3413,9;
Bruich, der vrauwen kemereir van Guilche StRechAachen
409,30.
– in Verbindung mit den anderen drei zentralen Hofämtern
marschalc
;
schenke
;
truhtsæʒe
:
div geistlichen fvrsten ampt vnd div weltlichen fvrsten ampt, div sin
gestiftet von erste mit vier fvrsten ampten, mit einem trvhsæzen vnd mit einem
marschalke vnd mit einem kamerær vnd mit einem schenchen SchwSp
33a;
dô nam mîn hêr Gâwân / vier werde rîter sunder dan, /
daz einer kamerære / und der ander schenke wære, / und der dritte truhsæze, /
und daz der vierde niht vergæze, / ern wære marschalc Parz
666,25;
Wh
261,22;
Eracl
1609;
die ambtliute us des bischoves costen suln ime rat tuon, der marschalch
sinen rossen, der trussezze daz essen als dem bischove, der schenke den win
also, der camerer daz gewant RbBasel
12,8;
UrbBayJ
529.
– bezogen auf die Erzämter der Kurfüsten:
daz riche uz siben münden / maz ie sin kür mit kreften: /
[...] / der marschalc ist von Sachsen; / sol sin
ein kamerere / wol Brandenburc, der herre Frl
12:9,7;
wir Ludowig von gots genaden marchgraf ze Brandenburch, des heyligen
romischen reychs oberister chamerer StRMünch
142,33;
RvZw
240,9.
–
[Judas] was Christes kamerêre Renner
3220;
des endekristes kamerer / sint ûf erden gar ahpêr, / die guot în sament
âne selde, âne êre ebd.
8693;
alle zungen suln ze gote schrîen wâfen / und rüefen im, wie lange er welle
slâfen. / [...]. / sîn kamerære [der
Papst] stilt im sînen himelhort Walth
33,28
2
‘Diener, untergeordneter Bediensteter’ (nicht immer klar von 1 zu
scheiden):
des wirtes kamerære in becken von golde rôt / daz wazzer für
truogen NibB
606,1;
UvLFrd
226,30;
sich huop dâ harte grôz gedranc / dô si gekrœnet giengen vür.
/ die kamerære bî der tür / wielken ez mit starken slegen Wig
9490
(vgl.
kamerstap
);
WälGa
3243;
juncfrouwen, kamerære, / swaz der dâ bî ir wære, / die lie si
slâfen über al Parz
192,21;
Mai
94,9;
Ottok
46424
3
Verantwortliche oder Bedienstete im Bereich städt. oder dörfl. Verwaltung bzw. bei
Gericht:
swaz si da [während der Feuerlöscharbeiten]
verliesent, daz suͤllen in der stat chamrer gelten StRMünch
419,29;
ez muͤgen aber zwen arm pecken wol auf ainer panck sten, nach der chamrer rat
und wizzen ebd.
433,9
u.ö.;
vnnd sünndt dissz die amptleüth: ein marschalckh, ein schultheisz
[...] ein cammerer WeistGr
4,190
(a. 1339 kopial);
gebutet der richter dem kemmerer, das her in lade DRW
6,848
(ÄltpolnRdm.; vor 1320)
4
übertr. ‘Verwalter, Hüter’
di da hie beuore were / des heiligen geistis camerere
Litan
695;
VRechte
370;
Mechth
1: 44,43;
Jôsep den du mir ze huote / gaebe, daz er mîner kiusche ware / hüeter unde
kameraere Philipp
7473;
der züchte marschalc Kurvenal / und aller tugent ein kamerer
HvFreibTr
1541;
iuwers heiles kamerære Craun
582
5
Einzelnes
5.1
als Bestandteil von Flurnamen:
vnser holz zvͦ Alungen, das da heizet der camerere holz UrkCorp
(WMU)
N709,41
5.2
als Bestandteil von Personennamen:
Niclaus Kamerere vnd andere erber luͥte UrkCorp (WMU)
2300,2;
her Albreht der alte Kamerer ebd.
790,46.
– bereits als fester Familienname
her Ulrich, der kamerer uon Wellenpurch UrkCorp (WMU)
3443,28
u.ö.
– Lit.: W. Rösener, Hofämter an mittelalterlichen Fürstenhöfen, in:
DAEM 45 (1989), S. 485-550.
MWB 3,1 120,5; Bearbeiter: Diehl
kamerærinne
stF.
auch kamerinne (Mai ).
‘Kämmerin’, von der Hofmeisterin bis zur Kammerdienerin, -frau (nicht immer
klar zu differenzieren, vgl.
kamerîe
):
dar inne guͦt gesteine / smaragden, jachande, / robine unde diamande, /
saphire unde ander steine gnuͦc / her fur di kemmereren druͦc Elis
520.
2711;
[die Königin] und ir zway kindelein / und auch di
kamererin HvNstAp
4734;
diust [die Nachtigall] dâ ze hove
kamerærîn: / diu sol ir leitærinne sîn [vgl. auch V. 4800
meisterinne
]
Tr
4811.
– übertr.:
wîsheit pflac dîner [Beaflor] sinne. / triwe dîn
kamerærinne [Hs. chamerinne
] was Mai
176,15;
trvwe ist der tugenden ein gezelt / und wiget in allen hohis gelt / sist allir
tugent ein kamererin / vnd schenkit in der minne win Martina
25,47;
gîtikeit hât alterseine / mit aller missetât gemeine: / bôsheit ist ir
kamererîn, / karkeit ist ir kelnerîn Renner
4567;
sa sie [die Seele] vor ir da schauwit / die
godelichen gnade, / die [...], / eyn kemmereren godis ist
PrHess
11,416;
Mechth
7: 36,37
u.ö.
– Ehefrau des Kämmerers:
jch Elsbet von Lengenbach, chamererinne in Oͤsterrich, vergich an disem brief
[...], daz ich den cehent datz Gvntherstorf,,
verchovfet [...] han [...], vnde
ist daz geschechen mit meines wirtes Frideriches, des chamerers in Oͤsterrich,
gvetem willen UrkCorp (WMU)
1732,30
MWB 3,1 121,30; Bearbeiter: Diehl
kamerærse
swF.
‘Kammerdienerin, -frau’ (zur Bildung -se, -sen vgl. Mhd. Gr.
Wortb. § S 183ff.):
der kunig hatte tusint jungelinge und also vil kemeryrschin, dy do dyntin in
syme hove MarcoPolo
40,9;
in rechten trouwen, her Godyn, / ir souldet eyne kamerersse syn, / want ir
wyllet vmmer syn gereit / zo wyssen vrauwen heymlicheit KarlGalie
13667
MWB 3,1 121,57; Bearbeiter: Diehl
kamerbëlle
swF.
spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a.
kamerbirse
,
kamerrûʒe
):
dô sprach diu kamerbelle: / ‘nû vârent al getelle! / mîn rât der wirt iu
nütze. / [...].’ HBirne
311
MWB 3,1 122,1; Bearbeiter: Diehl
kamerbirse
swF.
spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a.
kamerbëlle
,
kamerrûʒe
):
si wart noch grüener dan ein gras / und dar nâch als ein kirse. / dô sprach
diu kamerbirse: / ‘ frouwe, ich hân ez wol vernomen, / wir sint ze laster beide
komen. / [...].’ HBirne
455
MWB 3,1 122,6; Bearbeiter: Diehl
kamere
stswF.
‘Kammer’ (v.a. zu den rechtl. Aspekten vgl. DRW 6,784-797; 2HRG
2,1544-48)
1 in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums) 1.1 allg. 1.2 mit Hinweis auf verschiedene Funktionen 1.3 häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die
Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von
3.1 , vgl. auch ) 2 selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort) 3 in rechtl. Zusammenhängen 3.1 bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und
Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu
trennen von 1.3 ) 3.2 bezogen auf ein Gericht 4 bezogen auf den Himmel, das Paradies 5 bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.) 5.1 in seiner Gesamtheit 5.2 auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz 6 Einzelnes 6.1 übertr. 6.2 umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg
1
in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums)
1.1
allg.:
ir findent mich in der schönsten kamern die in dißem sal
[Palasgebäude] ist Lanc
350,12;
alse vil wonungen und kammeren sint in eime huse, also
sint in dem menschen vil krefte und sinne unde wúrckunge Tauler
104,16;
erlpleter habent die art, wâ man si sträut in ain kamern,
dâ tœtent si die flœch BdN
315,8.
– übertr. (von der Seele als Braut):
so gat dú allerliebeste zuͦ dem allerschoͤnesten in
die verholnen kammeren der unsúnlichen gotheit Mechth
1: 44,78
1.2
mit Hinweis auf verschiedene Funktionen:
der künic ze der vürstîn urloup nam er volget dem Lutringaere, / der wîst
in in ein kamer wît, / diu mit rîchen tepchen schône was beleit, / dar inne
stuont ein bette kostebaere Loheng
858;
die maget wolgêtan / mit dem künige ist gegân / ze kamern und ze reste
ErnstD
2841;
in der kamern lac Hector, / vnz er wol gesunt wart
Herb
9375;
do was bi Priamis trone / ein kamere vil schone: /
[...] / Priamvs hiez in daz gaden / sine ratgeben
laden ebd.
7216;
vnde so si dv nvwin
[Kleider] impfant so svns dv altin zehant widir gebin
zir chamra [
in vestiario
]
BrEng
55;
darnach kamen sie in ein kamern, da stunden zwenczig
habich und valcken off eim rick. darnach kamen sie in ein ander kamern, da
stunden zwenczig der schonsten roß Lanc
428,13.
–
‘Abtritt, Toilette’
wir sollen och iewederhalp des baches vber den selben bach machen zwo
offene kameren mit vier sessen, zvͦ den maneglich moͤge gan von iewederre
strasse, vmbe sin gemach da ze habende UrkCorp (WMU)
N714,33,34;
von deme swîgene zu haldene in den heimelichen cameren [
in locis nature necessariis
‘Toiletten’
] . / in den stûlen unde in den cameren der privoisen [
ante sedes et in sedibus
‘Toiletten’
] sulen die brûdere zu allen cîten ir swigen vesteclîche halden
StatDtOrd
71,24;
itwanne dunket enem, wo he gerne to stole ginge vnde
et krimmet en sere in den lif; wan he vf dy kammeren kommet, so wyl nych von
eme OvBaierl
25,2.
– Lager und Verkaufsstätte eines Kaufmanns (vgl.
koufkamer
):
wer zu kamern stet, der sal zu cynse geben eyne halbe mark
UrkBresl
103
(a. 1324);
alle [...] sullen geben uz der kameren vumf
virdunge alle iar StRFreiberg
251,29.
– in der Wendung
~ unde këller:
da sie in der burg da waren und die kelre und die
kamern besuchten Lanc
478,33;
jch sol auch dem capitel ze Salzburch mit cheller vnd mit chamer vnd
mit allem gemach warten UrkCorp (WMU)
1436,31;
daz si [...] antwürten
[...] sullent [...]
vnser heilgen sant Felix vnd sant Regeln fünff mütt kernen in die kamer vnd
in den keler WeistGr
1,9
(a. 1338).
– hierher oder Kompositum ‘Zimmer im Untergeschoß’ (vgl.
Steinhoff, Lanc., S. 989):
ein ander bot kam und sagte das ers durch got dete
und durch synen willen und zu im keme, zu Bertelac in die nieder kamer, er
were so siech das er yczu sterben wönde Lanc
539,27.
– wohl Verschreibung:
die wile daz got in ertriche was. do erquickete er dri totin. einen in
der kartuͦrn PrLpz (L)
70,29
(vgl.
der in der kamirn ligt bezlozzin ebd.
71,1
)
1.3
häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die
Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von
3.1, vgl. auch ):
nu vore golt vnde schaz / des ein michil mancraft /
indiner kameren / is gelegit zo samene Roth
598;
Frúoté der küene der kamere er dô phlac, / dâ golt und gesteine und vil
dínges inne lac Kudr
280,1;
ist daz ein christe eim iuden ein wunden slecht,
[...] der selbt geit dem chunich oder herczogee
czwelf marck goldes in sein chamer StRBrünn
369;
PKchr
209,42;
Hawich
4518;
lât mich pflegen der kamere. belîben ûf der fluot / wil
ich bî den frouwen, behüeten ir gewant NibB
531,2;
silber, gesteine, pfellor vnd golt / vnd al der
kvͥneginne kamer, / ahzek soͮmer, die nam er, / die gar die kamer trvͦgen
TürlArabel
*A 255,3;
chumt ein wcherære dar, /
[...], / swaz si [Menschen,
Einwohner] habent, daz wirt sin. / er ist ir chamer und ir
schrin, / dar in ir gut allez muͦz StrKD
138,8.
–
Engellant ze ainer kamere [
‘Vorratskammer, Einnahmequelle’ oder ‘Gebiet eines
Staatsgebildes’ (vgl. 6.2)] /
eruacht ich dem chunc Karle / unt andriu uil manigiu riche
Rol
6855
2
selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort):
er schuof den rittern ir gemach, / und gienc da er sîne
kamern sach, / ein kleine gezelt von samît Parz
93,8.
800,16;
einen helfant zôch ein knappe kluoc / der des küniges kamer
truoc Wig
10688;
das werde helffant was perait, / der frauwen kamer dar auff
gelait HvNstAp
17910
3
in rechtl. Zusammenhängen
3.1
bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und
Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu
trennen von 1.3):
alle di, di gehoren in ains bischof von Wirtzburg camer
unn hof WüP
104,9;
wan diu munzze in in sine [des
Bischofs] kamer hoeret StRAugsb
18,8;
die selben [Juden] gap der künic Tytus in des
rômischen küniges kamer ze eigen SchwSp (W)
214,15;
SchöffIglau
178;
er sulle im senden hin / die juden in Francrîch / und
die sullen eigenlich / in des rîches kamer gehôren Ottok
91327
(vgl.
kamerknëht
);
swer avch in vnser [des Hzgs. von Bayern]
chamer ist oder chvmt, wír meinen in di mvͤnz vnd an den wehsel [
in camera nostra, hoc est in loco monete vel concambij
(2273A,42)] , dem pannen vnd gebieten wir frid UrkCorp
(WMU)
2237B,18;
ist 1 lêhen, daz hoͤrt in der abtassinne chamer [
pertinet ad cameram abbatisse
]
UrbSonnenb
80
3.2
bezogen auf ein Gericht:
aber jst, daz vf der hofmarch vor dem rihter iht ze chrieg chumpt, daz an
des voites reht gêt, daz sol er [der Richter] an den
voit bringen, so der denne in sin hvͦs zv chamer chumt UrkCorp
(WMU)
1100AB,21,20;
er sal zu der schepphen cameren nicht gehen RbMagdeb
251,15.
252,54
4
bezogen auf den Himmel, das Paradies:
daz wir gerne unsen scaz / beginnen hine samenen / in di himelischen cameren
Glaub
2601;
kuͤnginne, gammer [Maria, gehen
wir] ! / wis mich zu der kammer / mit diner wishait sluͤzzel, / daz
mir gnaden schuͤzzel / dar inne gefuͤllet werde WhvÖst
14410
5
bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.)
5.1
in seiner Gesamtheit:
[die Heiligen, die] uz dem chamer disses broden libes
in diu himelischen wunne zv der genozzeschefte der heiligen engel fuͤr das
antluz des almehtigen gotes chomen sint Konr
19,5.
22,93
5.2
auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz:
vzer dez wibes leberen gant zuo vil enge aderen in die
kameren, da daz kint inne lit Lucid
62,16.
62,2
u.ö;
min lieber sun spilt harte fruͦ / in des leibes kamere
Wernh
A 2409
u.ö.;
daz hirne ist geteilt in drie cameren
Lucid
63,7;
kæme ich in ir herzen kamer, / ob si daz mit willen lieze,
/ dâ wont ich KLD:BvH
16: 4,7.
– übertr.:
niht an der an gebornen wât, / diu von des herzen
kamere gât, / die si dâ heizent edelen muot Tr
4994;
mins herzen grunt, mins sinnes kamer Frl
3:29,7
6
Einzelnes
6.1
übertr.:
unschuldic ist der zungen hamer. / ez [
daz getiht
] muoz kumen von des herzen künste kamer Loheng
7645;
wez sleht diner bosen zungen hamer / muntz falsch in
truwen kamer? Minneb
4006;
nv hvͦp sich manger hande spil, / der ich nv niht sagen
wil. / floytirn tambvren vnd tschalmin, / in dem kle muos ir kamer
[Aufenthalt] sin TürlArabel
F 497
6.2
umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg:
das [sie]
[...] verkoufet han ir wingarten
[...] eine halbe juchert rebon
[...], siben kamer rebon UrkZürich
7,142
(a. 1300);
15 kamern reben und 1 steg SchweizId
3,250
(ZUrk; a. 1335)
MWB 3,1 122,12; Bearbeiter: Diehl
kamererstap
stM.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum.
Stab der Kammerdiener (v.a. um im Gedränge Raum zu schaffen):
nû het ouch diu keiserîn der gaehe sich niht versûmet: / sie und diu rein
Elîzabeth / sich ein teil vür die pfafheit gemachet het, / vil kameraer steb [
kamerstebe Konj., vgl. Rückert,Loheng. z.St.] in durch
gedrenge rûmet Loheng
3020
(vgl.
swie doch die kamerære stebe heten JTit
1842,2
und
kamerære
2)
MWB 3,1 124,41; Bearbeiter: Diehl
kamergewant
stN.
bei besonderen Gelegenheiten getragenes Gewand (das auf Reisen mitgeführt
wird):
manec soumær muose tragn / kappeln unde kamergewant. / manec
soum mit harnasche erkant / giengen ouch dar unden Parz
669,5.
353,8;
ir kamergwant truoc man în / und entladete den helfant
Wig
11460;
Eilh (L)
6424.
6417
MWB 3,1 124,50; Bearbeiter: Diehl
kamergrâve
swM.
leitender Kämmereibediensteter der Finanzverwaltung in habsburgischen Ländern
(vgl. DRW 6,895f.), ‘Kammergraf’
jch, Pittrolf von Tuln vnd purger ze Wienne vnd zden zeiten chamergraf, tun
chunt UrkCorp (WMU)
3148,2.
1818,35
MWB 3,1 124,57; Bearbeiter: Diehl
kamerguot
stN.
von der →
kamere
verwaltetes bewegliches und unbewegliches Gut eines Landesherrn bzw. dessen
Erträge (vgl. 2HRG 2,1560f.), ‘Kammergut’
wer hintz kamer gelten sol, und des laugent, wann man es an in vodert, das
pringt ain ieder hausgenoss wol mit seinem schreiber. gicht aber der antwurter, er
hab des kamerguet gewert, und das der hausgenoss des laugnet, das pringt der
antwurter wol mit zwain ietzlichen pider erber mannen, als recht ist
StRWien
36.
37
MWB 3,1 124,62; Bearbeiter: Diehl
kamerhof
stM.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörender Hof:
darnâch fuorten si in [den gewählten jungen
König] / in den kamerhof hin. / in der selben klûse / wont der
kunic mit hûse Ottok
80255
MWB 3,1 125,8; Bearbeiter: Diehl
kamerholz
stN.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörender Wald (hier als Flurname, vgl.
kamervorst
):
aput silvam dictam kamerholz prope Bliswilr UrkSlgAlmende
416
(a. 1284);
daz der stift von Selse suͦnderliche hat drie welde, ligende in demme
vorgenanten eigen, daz ist daz Rôtris, der Mülnhart unt daz Kamerholz
WeistGr
1,761
(a. 1310)
MWB 3,1 125,13; Bearbeiter: Diehl
kamerhort
stM.
‘Schatz’, der in der →
kamere
aufbewahrt wird (hier übertr.):
dîner werke pflac Stæte / und aller dîner ræte / gedanke unde worte / und
dîner kamerhorte Mai
177,30;
minne ist ein daz beste wort, / minne ist ein übergulde, ob allen tugenden
kamerhort, / minne ist ein sloz der sinne, dâ mite man guotiu werc besliezen sol
RvZw
32,2
MWB 3,1 125,21; Bearbeiter: Diehl |