k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kiule
swF.
auch külle.
1 eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf.
Leben 2,213; s.a.
kolbe
) 2 Schlagkopf eines Streitkolbens
1
eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf.
Leben 2,213; s.a.
kolbe
):
mit sîner herten kiulen / mahte er starke biulen / den knehten, die dâ liefen
HBirne (W)
199;
mit swerten und mit kiulen / kam geriuschet manic helt, / der ûf den grâven ûz
erwelt / sluoc des mâles unde stach KvWPart
14318;
mitt küllen und bartten [Beilen] /
begunden sy den zartten / mürden allenthalben GTroj
8001;
mit swerten [...] unde mit kuͤlen [
cum gladiis et fustibus Lc 22,52]
EvBerl
62,12;
mit swerten unde mit kuͤlen [
cum gladiis et lignis Mc 14,43]
ebd.
56,24;
ein kiule wol beslagen Er
2350;
vor die sprengel starke kûlen / sie fûrten
Kreuzf
7233;
dî [Heiden] ouch in swindin
vreidin / wurfin kuilen unde sper / kegn den cristnen abe her NvJer
23692;
Macer
17,20;
Parz
75,7;
Brun
9872.
– als Ausrüstung des Hirten:
die heirti sal och [dem Hilfeschrei der
Vergewaltigten] volgi mit sinir cuilin undi mit siemi crummin
stabi· undi sal diz vie lazi ste Mühlh
109,16
2
Schlagkopf eines Streitkolbens:
einen kolbn er in der hende truoc, / des kiule grœzer denne
ein kruoc Parz
570,6.
– übertr. auf die Quaste (?) des Löwen:
der lewe bram unde grein / an grozer ungeberde. / er
sluc uf die erde / mit sines zagels kulen Vät
27415
MWB 3,1 288,42; Bearbeiter: Hansen
kiuleht (?)
Adj.
→
kugeleht
MWB 3,1 289,4;
kiulenslac
stM.
‘Schlag mit einer Keule’
der alde munich warf in neder / vnd gap ime einen kulenslak, / daz hee an der
erden gelak Zwickauer (DVN)
B,309;
du hast mich gejagt, gevangen, gebunden und so tief gewundet,
das ich niemer wirde gesunt. du hast mir manigen kúlenschlag geben
Mechth
1: 3,6.
1: 3,10
MWB 3,1 289,5; Bearbeiter: Hansen
kiuschære
stM.
jmd., der enthaltsam bzw. keusch lebt:
Noe bezeichent di lerere, / bi Daniel sint bezeichent di
kuschere Brun
5118
MWB 3,1 289,12; Bearbeiter: Hansen
kiusche, kiusch
Adj., Adv.
auch kuske, alem. auch künsche, künsch.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
1 allg. 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’
2.1 allg. 2.2
‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen) 2.3
‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern) 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’
1
allg.:
sîne meister lêrten in / zuht und hovelîchen sin, / wol
gebâren, kiusche wesen, / mit witzen an den buochen lesen / und reine küneges milte
hân RvEBarl
939.
5096;
sî ist schœne, sî ist guot, / kiusche, blîde, stæte, / zühte
rîch, wîplîch gemuot KLD:UvL
47: 5,6.
54: 7,6;
si [die zwölf Fürsten] waren kuske
unde reine. / den lip furten si ueile / durch willin der sele Rol
77;
kiuschiu wîpheit diu ist wert / des besten lobes, des man
gert RvEBarl
11821;
daz starke trinken überstreit / sîne kiusche zuht und lêret
in zorn Wh
276,13;
vnd was diu froͮwe chusche vnd reine vnd marhte vil
andæhticliche sant Johannes lere Konr
12,22;
der vil künsche tegen GTroj
1512;
diu guote, / diu kiusche gemuote ZwBüchl
778;
wis stete, milde, kusch, gezogen HeslApk
5909;
sagt mir mit kiuschen witzen [ruhig,
besonnen] , / wie der zorn sich an gevienc, / dâ von got iwern haz
enpfienc Parz
462,4;
der werde clâre Anfortas / manlîch bî kiuschem herzen was
ebd.
823,24.
26,15;
diz treip der kiusche [wohlerzogene, anständige]
jungelinc KvWSilv
514;
mit kiuschem munde rôsenrôt ebd.
354;
dô sprach aber sîn kiuscher wirt [der fromme,
asketische Trevrizent]
Parz
472,12.
452,15.
493,9;
Iw
6466
u.ö.;
StatDtOrd
29,16;
ironisch:
ein wolf mit alsô kiuschen siten / in die schâfes stîge siht
/ [...], / als dô der marcrâve sach Wh
129,14;
subst.:
der kúnsche und der
plide [Freundliche]
RvEWh
514
u.ö.;
des kiuschen got [Nom.] geruochet
Parz
466,28.
459,22;
Frl
1:5,12;
personif.:
HvNstGZ
249.
1343.
–
~ mit worten unde mit wërken (u.ä.) ‘in Wort und Tat besonnen,
tugendhaft, ohne Falsch’
bis diemüetic unde kiusch / mit werken und mit worten
Ottok
700;
wis worte und werke kiusche, / mit wârheit âne getiusche!
RvEBarl
14839;
diu schœne frowe mîn, / diu ist wandels erlân: / sî ist
kiusch mit worten und mit werken SM:Had
30: 3,6;
vgl. ähnl.:
sun, dû solt kiuscher worte sîn / und stætes muotes Winsb
39,1;
si sulen haben kiuschiu wort WälGa
389;
is enwert nommer ritter guͦt / der nit kuͤsch met werken
ist MinneR 481
615
2
spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’
2.1
allg.:
er [Moses] hiez si
[das Volk Israel] halten kúsche ir lip / und die
wile miden ir wip / biz darnach uf den dritten tag RvEWchr
11544;
Helyas der weisage, / [...] der
lebt cheusche hie nidene: / des wart er ze himele / von den englen gefueret, /
durch daz er vnberuͤret / was von allen weiben Wernh
A 1429;
sein genad und sein guͤt verwandelot also gaches an dem
suͤntær allez unrecht, [...] den hurær macht er chæusch
PrOberalt
113,25;
o quam pulchra est casta generatio cum claritate. ‘owî’,
sprach er, ‘wie scone ist div chûsce
[unbefleckte] geburt mit der berhtele!’
Spec
96,3;
MarlbRh
86,7;
UrkCorp (WMU)
2345,35;
BdN
491,20
u.ö.;
Konr
22,45.
– von Tieren:
der vogel ist von nâtûr gar rain, käusch und gar
mæzig, wan er unkäuscht neur ein stund und niht mêr in ainem ganzen jâr
BdN
189,22
u.ö.;
der elephant ist [...] kusch
und reine Brun
3797
2.2
‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen):
swenne mir der sêlden tac betaget, / daz mir getrûwet
würde ein maget, / die ich mînem lîbe / zu vrouwen und zu wîbe / in rechter ê
solde hân, / daz ich sie maget wolde lân / und kiusche ein umbe gêndez jâr
HvFreibTr
1079.
829;
sam ein lieht juncfrouwe in kiuschem magetuome
KvWLd
32,365.
– häufig von Maria (auch bildl. von auf Maria bezogenen Dingen und
Sachverhalten):
unser fraw, diu rain käusch magt voller gnâd
BdN
271,24.
246,3;
ich pünd mich in der maid grüzz, / der rainen chäuschen
himelporten KvMSph
4,14;
si [Maria] beleip kiusch âne
man KvWLd
1,225.
wie manigen zaher si gaben ze dem selben male / diniu
chiusken ougen, min vil liebiu frouwe AvaLJ
156,7;
KvWLd
1,36;
HvBurg
534.
552
(vgl.:
und hât im [sich] got
selber auz dem käuschen holz ain arch gemacht, dâ er sich inn beslôz
BdN
338,25)
2.3
‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern):
wer sein [Pfeffer] vil izt,
dem entsleuzt er den leip und verzert des menschen sâmen und macht in keusch
BdN
374,5;
wan etlich sint chüsch di von der mveterleib also geborn sint [
sunt enim eunuchi, qui de matris utero sic nati sunt Mt
19,12]
EvAug
45,4.
45,5.
45,6
3
spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’
an ezzen und an tranke / lâ kiusche dich beschouwen!
KvWTroj
15031;
bî fremder koste ist si [die personifizierte Gier]
gar frêzic, / ûz irem biutel kiusche und mêzic Renner
4586;
swie vil er az untz an die zît, / er wart so rehte keusche
sit, / daz er minner denne ein kint az StrKD
8,30;
RvEBarl
6767;
KvWAlex
411.
– subst. (phras.?) in der Wendung der kiusche unde der vrâʒ
‘der Genügsame wie der Verfressene, jeder’
in kleiniu goltvaz man nam, / als ieslîcher spîse zam, /
salssen, pfeffer, agraz. / dâ het der kiusche und der vrâz / alle gelîche genuoc
Parz
238,28;
an keinr stat man nie gaz / baz. der kuͤshe und der vraz
/ heten vil gnuͦg die beide Rennew
32454.
– Lit.: W. Haubrichs, Zur Ausstattung des inneren Menschen, in: Innenräume
in der Lit. des dt. Ma., Tübingen 2008
, S. 295-308
MWB 3,1 289,15; Bearbeiter: Hansen
kiusche
stF.
selten
sw.
(
Lucid
87,18
)
auch chiuske, chuske, alem. auch kiunsche,
künsche.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
1 allg. 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1 allg. 2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen) 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
1
allg.:
ia waren di herren edele / in cristenlichem lebene. /
[...] si heten zucht unt scam, / chuske unt gehorsam, /
gedult unt minne Rol
3422.
9061;
ir magetlîcher kiusche scham / grôz weinens klage in benam, / daz si hæten
getân / ob siez durh zuht niht hæten lân LvRegFr
4384;
[Parzival] riet sîn manlîchiu zuht / kiusch unt
erbarmunge Parz
451,5;
si kom dicke ûz frouwenlîchen siten: / sus flaht ir kiusche
sich in zorn ebd.
365,21.
472,16
u.ö.;
ei Heimrîch von Narbôn, / waz was erblüet ûz dîner vruht /
kiusche, milte, manheit, zuht! Wh
167,22.
190,11;
ir wîplîch kiusche und ir scham / machte si rôt und dar nâch
bleich Wig
8969;
scham treit ir den spiegel, dâ von kiusche sî mit ganzer /
tugende minnet KLD:BvH
5: 3,5;
wizz, daz reht käusch sich gar hôch swinget über leipleich
nâtûr BdN
363,4;
sprichtt sannd Augustin: ‘wo wol leben ist, da ist seltten
keusch’ SchlierbAT (LS)
1,197;
waz rehtev chevsch si, da sprechent die hiligen vil vrag dar
vber PrBerthKl
1,56;
Konr
23,71;
Erz III
36,370.
– bildl./ personif.:
der triuwen muome, der kiusche base /
[...], die blunde Isôt HvFreibTr
6452;
sô wol dir, hôchgeloptez adel [...],
/ mâz unde kiusche sint dîn ingesinde KLD:Kzl
16: 1,14;
si hæte kiusche an sich gedruht / mit herzeclichem flîze
KvWKlage
11,7;
Frl
5:102,3;
PrWack
31,59.
– im Vergleich:
an tat ein lewe, an kuͤsche ein meit
TürlArabel
*R 22,24;
hie wellnt ein ander vâren / die mit kiusche lember
wâren / und lewen an der vrecheit Parz
737,20
2
spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1
allg.:
div driv: kvsche, armvot, gehorsaim, die sint in allen
orden, vnd die foderet got an dem ivnxsten geriht vor allen dingen von
geislichen lvten SpitEich
2,10.
2,9;
si was schamender kiusche bar, / si nam sich solhes
lebenes an, / daz si lie deheinen man, / si gæb im ir minne solt, / was si sînem
lîbe holt RvEBarl
10332;
Spec
98,1;
PrBerthKl
4,19
2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen):
so zucket er Dinam unde fuͤret si sinen weck. unde besclâfet si und nimet
ier. ier kuͥschi uͥber ier willen PrSchw
2,61;
si behuotent ir chiuske unde ir magetuom, des habent si
ewichlichen ruom AvaA
5,4;
so vienc si dar zo, / daz si di kusche verkof / vnde kint ir magetvm
verlos / mit bosen knechten Glaub
2269;
Mai
236,26;
HvNstAp
243.
15805.
– von Maria:
frouw aller fröude, ich lobe an dir daz dû den got
gebære, / des tohter und des muoter dû bî ganzer kiusche wære
KvWLd
32,47.
1,182;
daz was die wandels vrie, / die iuncvrowe Marie, / die im zu mutere
wart erkorn, / von der kusche er wart geborn / uns zu grozer selikeit
Pass III
79,26;
der prunn bedäutt unser frawen, diu ain prunn ist
der käusch und aller rainikait BdN
484,5.
460,2;
SM:EvS
1: 13,8;
im Vergleich:
Maria ein elefant was / an irre kusche als ich las
Brun
4124
3
spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
er [Trevrizent] hete gar
versprochen / môraz, wîn, und ouch dez prôt. / sîn kiusche im dennoch mêr gebôt, /
der spîse het er keinen muot, / vische noch fleisch, swaz trüege bluot
Parz
452,20;
er az vnt tranc genote, / der gar verlorne tote: / wie moͤcht in gefristen
daz? / gefrumt het im chivsche baz Warnung
644
MWB 3,1 290,60; Bearbeiter: Hansen
kiuschede
stF.
‘Sittsamkeit, Tugend’ (vgl.
kiusche
stF.):
mit kiuschede gurten sie sich wol, / ir liehtvaz wâren oleis vol, / hei, wie
klâr sie brunnen! LBarl
5111
MWB 3,1 292,3; Bearbeiter: Hansen
kiuschegen
swV.
‘sexuell enthaltsam leben’
etlich sint chüsche di sich selber gechestigt habent oder
chüschigent dvrch daz riche der himel [übers. sunt eunuchi, qui se
ipsos castraverunt propter regnum caelorum Mt 19,12]
EvAug
45,7
MWB 3,1 292,7; Bearbeiter: Hansen
kiuscheheit, kiuscheit
stF.
auch kusheit, alem. kúnschait.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
modestia: kusheit GlAnzfKdVz
3:49,223;
kuisheit, daz ist inthaldunge fon den dingin di forbodin sint
oder frieheit fon bekorungen [Versuchungen]
Parad
71,33;
HartmKlage (G)
1315.
– häufig spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
von dez künigs keüschait [
de regis castitate (Überschrift)] o genädiger kaiser,
du sollt nit naigen zu dem gelust der weibe: unkeüsch ist ain semlich aigenschaft
der schwein HvHürnh
14(Überschr.);
der [Josef] sol dich
[Maria] ze ainer frowen han / mit dienste dinem libe,
/ nút unkúnschlich ze wibe. / [...] / er haͮt mit
kúnschait sin leben / als du mit trúwen got ergeben WernhMl
1965
u.ö.;
sô hât diu käuschait auch zwuo aigenchait, wan si ist
unfruhtpær und ist sauber oder rain BdN
61,13;
der rehten leben ist niht mê / wan driu: ich mein die rehten ê, / magetuom
unde kiuscheheit Freid
75,20;
dú angebornú kúscheit oder angenomen Mechth
5: 4,8
u.ö.;
StatDtOrd
52,17
u.ö.;
Eracl
2019;
~ des Körpers:
ich entheize unde gelobe kûscheit mînes lîbes
StatDtOrd
128,8;
ganzú kúschehait an libe und an herzin PrGeorg (Sch)
9,31;
die wege der tugende, als kúscheit des lichamen und armuͤt
und gehorsamkeit Tauler
242,19;
HvBurg
3076;
Daniel
1848.
– von Maria:
muͦter aller kúscheit, / ich klagen dir alles min herzeleit.
/ salve regina! Mechth
7: 26,17;
do du gebaͤrd aͮn allen smertz / in gantzer rainer kúschhait / gottes sun,
Jhesum gemait KvHelmsd
4447
u.ö.;
Daniel
1062;
bildl. vergleichend:
das helffen bain [bedeutet] ir kúschait, / mit der
sÿ schon was beklait KvHelmsd
583;
du der kuscheit ein einhorn, / du ein rose sundir dorn, / du
ein viol an der schouwe Brun
325;
ir kuscheit gelichet / der lylien an der wize Pilatus
1,96;
HeslApk
5456;
MarlbRh
38,4.
65,23;
HvBurg
536
MWB 3,1 292,12; Bearbeiter: Hansen
kiuscheloht
Adj.
‘sittsam, tugendhaft’ (hier subst.):
ach ymmer! was sol ich / tuͦn, du kuͤschelohter zart? /
[...] / schol ich lenger din enbern, / so muͦz sel,
lip, hertz swern / in wernder marter ymmer WhvÖst
6701
MWB 3,1 292,56; Bearbeiter: Hansen
kiuschicheit, kiuschekeit
stF.
alem. auch kúnsch-.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
van genaden has du die duͦgede der selen, alse verduldicheit, otmuͦdicheit,
cuschicheit, wischeit, inde der geliche Lilie
2,2;
so schein des herren [Landgraf Ludwigs] kuschekeit.
/ [...] / menlich, stede was sin muͦt Elis
3191;
daz sich die volhertung halte zuo den betrüebden, alse sich
die chuschkeit heltet zuo der begerung der böser lüste ThvASu
208,12;
kewschkait HvBurg
4357;
RvEWchr
14816.
27981;
PsM
H 5,3.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
do wurden si der vergift so vol gemessen, das si verluren der
engele reinekeit und vergassen ir megtliche kúschekeit Mechth
3: 9,61.
1: 44,49;
daz bezaichet die kúnschikait die únser herre an sinem leben und an siner
lieben muͦter hatte PrGeorg
9,1
u.ö.;
Seuse
105,2;
Elis
5431.
5544;
~ des Körpers:
sinnes und herzen reinecheit / und des lîbes kiuschecheit / wonten ir ze
staete mite / mit scham und êrebaerem site WvRh
1540;
zu rechter notdurft dez libez mit reiner kushekeite HlReg
20,23;
bildl./ personif.:
eya liebú vrowe Kúschekeit, ich bevilh úch min magetlich
kleit Mechth
7: 48,60;
ein wisses kleit der luteren kúschekeit ebd.
1: 44,20.
1: 46,9.
– von Maria:
also sprichit ain hailich man von vnsirre liebun vroͮwn: ‘ir kivschichait
ubirtriffet allir menschen kivschichait’ PrGeorg (Sch)
29,14;
Tauler
7,19;
SM:EvS
1: 4,1;
Philipp
1276.
1436.
– im Vergleich:
auch muͦz er ane schant / gelich dem dyamant / sin an rehter
kuͤschekait WhvÖst
4091
MWB 3,1 292,61; Bearbeiter: Hansen
kiuschiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
der grâl ist mit hôher kür. / sô suln sîn rîter hüeten / mit
kiuscheclîchen güeten Parz
493,24;
si erwirbt im kiuscheclîche / einen sun vil ellens rîche
ebd.
367,27;
niht zückent mir von mîner schame / dekeinen lasterbæren
roup, / durch daz mîn lop niht werde toup / an kiuscheclicher stætekeit
KvWTroj
21831;
Konr
6,54.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
mvget ir gar sein ane wip / vnt wol betwingen ivren lip / ze chivschechlicher
ræinichæit Warnung
1418;
der sich kunschklich haltet, der wird hie geeret und von got
gekroͤnet Seuse
106,11;
DvAOff
34;
Parz
526,5;
von Maria:
die hete diu reine muoter, mîn frouwe sant Marîâ, gar volleclîchen unde
kiuscheclîchen unde reineclîchen PrBerth
1:256,4.
–
~ lëben
‘geistliches Leben’
der mantel wart [...] einer megede nu gegeben, / di
sich in kuschecliches leben / in godelicher gnade / iezu bestricket hade
Elis
8362
MWB 3,1 293,33; Bearbeiter: Hansen
kiuschlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kúnsche-,
chiunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
er hât ouch kiuschlîche zuht. / man mac in ziehen als ein
maget: / er leistet gerne swaz man im saget Wh
272,18.
157,7;
von geburte ein frouwe / ist si, und von tugenden wîp. /
kiuschlîch smielen lachen / kan ir kleinvelrôter munt KLD:UvL
47: 7,1;
sît muoz sîn [des Grales] pflegn
getouftiu fruht / mit alsô kiuschlîcher zuht Parz
454,28;
alle die. die reht vnd chiunschlich lebent. vnd den hailigen geloben behaltent
wider ir eben christen PrWack
30,46;
Elis
832.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
âne wîp er wolde sîn / und leben kûschlîche
Kreuzf
355;
die gode iren magethum gevent, / inde imer kuͦsliche hie levent
Lilie
64,11;
kúschlich lebin in deme libe, daz enist niht menschlich lebin, ez ist himils
lebin PrGeorg (Sch)
4,56;
PrGeorg
32,15;
in eim rôtguldîn vingerlîn / sol man in [den
Saphir] kiuschlichen tragen Volmar
139;
swelich vrowe ane man kuselike leuet na ires mannes dothe UrkCorp
(WMU)
2,31;
Spec
97,36
u.ö.;
PrOberalt
15,39;
SpitEich
5,32;
Dietr
178.
– bildl.:
dine kuschlichen cleit / soldestu mit werdekeit / behalden
gar in aller macht Pass I/II (HSW)
13639
MWB 3,1 293,58; Bearbeiter: Hansen
kiuschmæʒicheit
stF.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung (in sexueller Hinsicht)’
mit sulchir kuschmezikeit / der meide vridil was beweit [d.i.
beweget; dadurch, dass der Feldherr Scipio Africanus ihm seine
Verlobte unberührt zurückgegeben hat] / daz he di herrin der
heidinschaft / sinis gezcungis und ire kraft / vugete zcu den Romern
PfzdHech
189,31
MWB 3,1 294,24; Bearbeiter: Hansen
kiuschrîche
Adj.
‘keusch, sittsam, rein’
[Maria,] frewe dich der reinen tât, / daz dir, der
geschaffen hât / al die welt, ist worden holt / dur dînen kiuscherîchen solt [
per castitatem tuam V. 1452
]
WvRh
2676
MWB 3,1 294,32; Bearbeiter: Hansen
kiuschvarwe
stF.
ein Gras oder Kraut (genauere Bed. unklar; vgl.
buschvarwe
, Verschreibung aus diesem?):
ascania: kúschvarwe, buschvarwe [im Kapitel de graminibus
et herbis
]
VocOpt
50.041
MWB 3,1 294,37; Bearbeiter: Hansen
kiutel
stN.
wohl ‘Tausch, Kauf’ (vgl.
kûten
swV.):
man vindet in den kremen [Krämerbuden] / hantschu,
rymen, buͤtel / daruz so werden kuͤtel KgvOdenw
6,100
MWB 3,1 294,41; Bearbeiter: Hansen
1kiuten
swV.
‘sprechen, plaudern’ (hier subst.; vgl.
quëden
stV.):
si lânt gedœnes wunder / dâ schellen unde erliuten. / ir
kôsen unde ir kiuten / wirt mit ir vil manicvalt KvWTroj
15360
MWB 3,1 294,45; Bearbeiter: Hansen
2kiuten
swV.
‘tauschen’
→
kûten
MWB 3,1 294,49;
kiuwe
swstMF.
auch kew(e)
(:lëwe
PleierMel (St)
10062,
Krone (Sch)
12760
u.ö.;
:êwe
Marner (W)
1:4,11;
:sêwe
WhvÖst
1198
),
koͤwe, koͮwe.
1
‘Kiefer’
2
‘Schlund’ (meist von Tieren)
1
‘Kiefer’
in schedel unde in kiuwen / enpfiengens tiefe scharten Neidh
WL 14:6h,13;
des berges was dennoch me / oberhalb dem sewe; / eines visches
chewe / was des sewes bruggen tor WhvÖst
1198;
an der stunde do gesigt er an dem helle hunde. / sine chiwen
er im brach AvaLJ
161,2;
mandibula: baccho, ein kew SummHeinr
1:126,152.
– im Pl. auch i.S.v. ‘Rachen, Schlund’ (vgl.
2):
den grôzen leun / mit sînen wîten keun Iw
6688
2
‘Schlund’ (meist von Tieren):
in dem wysen stugk ain zöbelin lew, / der gint wyt mit siner chew
PleierMel (St)
10062;
wilde esel und löuwen / mit ir wîten köuwen [Hs. C loͤwen:
koͤwen
]
WvRh
72,50;
und vuor ime diu zunge / enwâge in der chewen Krone (Sch)
10557.
12760;
faux: choͮwe chiwe Gl
4:213,17;
UvZLanz
1954.
–
do nam sant Johannes das wisse lamp mit sinen roten
wunden und leit es in den koͮwen irs mundes [in den Mund des
Marienbildes]
Mechth
2: 4,100.
–
des tiuvels
~ bildl. für die Hölle:
die muͦssen in des tievels kewen, / da sint si lebent in jamer tot von
ewen und ze ewen Marner (W)
1:4,11;
den hat des tivels chiwe / verslunden vntz andie fvzze
Warnung
540;
o wi sin gite gecuwe [l. gitege
cuwe
] , / wi manigen si uerslunde / vnde wi manigen si uerwunde
Litan
418.
1285
MWB 3,1 294,50; Bearbeiter: Hansen
kiuwen
stV. (IIa)
md. auch kiugen, kûgen
(
NvJer
11342;
PrLeys
3,21
).
‘(etw.) kauen’
sô nam er brôt an sîne hant / und smucte sich zuo einer want.
/ dâ saz er unde kou genuoc UvZLanz
3691;
als wir lipliche spise essent, so kúwen wir zem ersten, und
denne sinket si nider in den lichamen senfteklich Tauler
294,22.
294,4;
nim venkel [Fenchel] und kiwe den
BenRez
15;
ain iegleich tier, daz sein ezzen slindet und niht kewt, daz
ist mager, sam der wolf BdN
118,12;
sô nement si [die Wiederkäuer] ez
[das Essen] dann her wider und kewent ez dann
anderwaid ebd.
13,30;
wenn man ez keut ebd.
355,33
u.ö.;
toste [Oregano] gekuͦwen unde in
dem munde lange gehalden, vertribet den zanswer Macer
48,14;
der col vrischz gechiwen [...],
hilfet der heisen stimme ebd.
50,14.
97,2
u.ö.;
Neidh
WL 5:5,8;
MorantGalie
5184.
–
vinger ~
(nâch etw.) ‘ungeduldig (auf etw.) warten’
wir suln ein niuwez briuwen, / dar nâch sî die vinger kiuwen Neidh
(HW)
13,36.
– bildl.:
hie zwischent sol si dv́ gottis wort kv́wen vnde in trvken mit
deme gebette DvAStaff
135;
sam daz hâr diu milwe / kan tougenlichen wol zerkiun, / sus
kiuwet er sîn selbes nest, der üppeclîche trûret KvWLd
32,80;
Mechth
4: 3,41;
Tauler
294,31
u.ö.;
Seuse
302,14;
subst.:
Tauler
294,23
u.ö.;
Martina
60,71;
MvHeilFr
42
MWB 3,1 295,15; Bearbeiter: Hansen
kiv-, kîv-
→
kib–
MWB 3,1 295,42;
kivelen
swV.
→
kibelen
MWB 3,1 295,43;
kivelwort
stN.
→
kibelwort
MWB 3,1 295,44;
kiver
stM.
wohl ‘gebisstragender Kopfknochen, Kiefer’ (nur als Bestandteil von
Personennamen; vgl. WMU 3,2584):
Cvͦnrat der Kiver UrkCorp (WMU)
1964,28;
Hainrich der Kiver ebd.
3534,29
MWB 3,1 295,45; Bearbeiter: Hansen |