k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knieleip stM. knielinc stM. knierat stN. knierûnen (?) swV. knieschîbe swF. knieüberwërfen stN. knieval stM. knievallen swV. kniewe|linc stM. kniewen swV. kniewenke stF. knîp stM. knir knei Interj. knisten swV. knistunge stF. kniuwelîn stN. kniuwen swV. knobel stM. knobelouch stM. knobelouchhoubet stN. knoche swM. knöchelîn stN. knochen swV. knode swM. knodebôʒe swM. knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
knieleip
stM.
Bez. für ein vom Boden bis zum Knie reichendes Brot, ‘Knielaib’ (vgl.
knie
2; DRW 7,1155; s.a.
kniebrôt
,
kniewelinc
2):
nota ze Walhenstorf des Alnkhouers gut, daz sin was, des sint VIII. hub,
geltent VIII. schaf [Schaff] siliginis
[...]. item X. huͦner, VI. chnielaib vnd X. chæs ze
winahten UrbBayS
4,317(App.).
4,458
u.ö.
MWB 3,1 398,7; Bearbeiterin: Wemhöner
knielinc
stM.
→
kniewelinc
MWB 3,1 398,14;
knierat
stN.
‘Kniekehle, Kniegelenk’ (vgl. EWA 5,639):
genu: knierad SummHeinr
2:6,112;
ze deme chnieraden dâ sint si [die
Beine] gebogen, / daz si sich
leichen [biegen] swenne si scrîten Gen
173;
niderhalb des chnieraden an deme beine stânt die waden ebd.
175;
vertebrum: knurad VocOpt
1.265;
pobles: knoͤirad, knúrad ebd.
1.266
MWB 3,1 398,15; Bearbeiterin: Wemhöner
knierûnen (?)
swV.
Ansatz und Bed. unklar, ‘etw. auf Knien/ kniend raunen’? (vgl.
Anm.z.St., dort als Verschreibung für zwirûnen
‘durch Raunen Zwist säen’ gedeutet):
mit worten crenket si [die böse Zunge] den luft /
unt senket jene, die si dâ tragent, in der helle gruft: / knierûnen, spotten,
smeichen, lugelôsen, mein swern, vluoch bejagen, / daz kan diu bœse zunge
RvZw
94,6
MWB 3,1 398,22; Bearbeiterin: Wemhöner
knieschîbe
swF.
‘Kniescheibe’, häufig pars pro toto für ‘Knie’
sî sluoc mir ûz dem zeswen knie / des slages die knieschîben
BFrau
737;
durch beid chnyescheiben / sluog er im ein wunden, / daz im da von swunden /
beidiv chraft und sinne Krone
10062;
sette er horner [zum Aderlass]
bynnen an daz dye [Oberschenkel] ouer dy knyschyben
OvBaierl
130,20.
132,11;
alsiz [der Elefant] gevellet ouh
dernider, / [...] / iz mûz dâ ligende blîben, / wandiz ne
hât niht knieschîben; / [...] / des ne mach iz niht gebôgen
/ an den schenkelen sîn gebeine SAlex
4365.
– für den Unterschenkel:
der der stercke des pherdes nicht enacht, noch der knyescheyben des starcken
mannes [
tibiis viri Ps 146,10]
PsMb
32(Glossar);
sin [des Pferdes] knyeschijben teilten enzwey /
beynwachs und spat [entzündl. Erkrankung des
Fesselgelenks]
Krone
19847.
– zur Bez. eines Sterns im Sternbild Taurus (vgl. Anm.z.St.):
deu letst clo [Klaue] des
gekruͤmten ohsen mit seiner gepogenn knischeiben KvMSph
47,15
MWB 3,1 398,30; Bearbeiterin: Wemhöner
knieüberwërfen
stN.
‘Übereinanderschlagen der Beine’
der mensch sol lachen ane zene bleckin, sehin ane ougen steckin, redin ane
hende streckin unde ane vingirzaigin, [...], sizzin ane
knie ubirwerfen unde ain siten lainen SeeleSp
368,22
MWB 3,1 398,51; Bearbeiterin: Wemhöner
knieval
stM.
‘Kniefall’
ez ist sîn [Gottes] wille und sîn gebot / daz man
nâch sîner brust slegen / deheiner üppekeite phlege / und nâch sîner knie valle
[La. sînem chnievalle
] / niht engeude noch enschalle WälGa
10269
MWB 3,1 398,56; Bearbeiterin: Wemhöner
knievallen
swV.
‘auf die Knie fallen’
juden unde heiden die kome hiute [...] wider dem
heiligen Criste, daz sie in uble handeloten [...] unde
knievalleten vur in spotlichen PrMill (S)
55,18;
bede weip vnde man / vnde auch div himelische schar / muͤzzen
knievallen dar Wernh
A 692
(=
ebd.
D 768
).
– subst.:
hei waz er im dâ êren tet / mit knievallen und mit bet!
EnikWchr
3414;
PrMd
16
MWB 3,1 398,61; Bearbeiterin: Wemhöner
kniewe|linc
stM.
auch knie-, knî-.
1 Teil der Rüstung zum Schutz der Beine, ‘Knieling’
2 Bez. für ein vom Boden bis zum Knie reichendes Brot (vgl.
knieleip
,
kniebrôt
)
1
Teil der Rüstung zum Schutz der Beine, ‘Knieling’
ein riter der sol an tragen / ein ganzes harnesch;
[...] / [...] / halsperg,
schôs und îsnîn hosen, / büchel, beinbergen oder knieling genant / (si wissen wol,
den es ist erkant, / swas nôtdürftig ist an duͤ bein; / niht anders wan das selbe
ich mein) Ammenh
5829;
wâpenrocke, spaldenîre, knîlinge, vanen
StatDtOrd
108,7;
sine kniewelinge / warent ane stahelringe Herbst
71;
dô traf er ûf die schîben in / des kniewelinges herte
KvWTroj
34917
2
Bez. für ein vom Boden bis zum Knie reichendes Brot (vgl.
knieleip
,
kniebrôt
):
zu mittem meyen hat ein vogt zu recht 2 kniewelinge und 24 brodt
WeistBa
212
(a. 1343)
MWB 3,1 399,5; Bearbeiterin: Wemhöner
kniewen
swV.
auch kniuwen, knúwen.
‘knien, niederknien’ als Geste der Demut und/ oder im Gebet (vgl. zur
Sache 2HRG 2,1911-14; DRW 7,1155f. mit weiteren Belegen)
1 absol. 2 häufig mit präp. Erg. 2.1 meist mit vor/ vür
2.1.1 mit Dat. ‘vor jmdm. in kniender Position verharren, knien’
2.1.2 mit Akk. ‘vor jmdm. auf die Knie gehen, niederknien’ (nicht immer
klar von 2.1.1 zu trennen) 2.2 mit weiteren Präp.
1
absol.:
zwêne [Knappen] knieten unde sniten
Parz
237,17.
645,1;
als dikke únser froͮwe wart genant, so knúweti si
Mechth
2: 4,65;
dise [Heuchler] tuͦnt vil grosser
schinender werke und loͮffent umbe iren aplas, [...] sehent
die schoͤnen bilde an, und knúwent Tauler
247,4;
Daniel
5327;
Ottok
73572.
73637.
– Part.Präs.:
sus vant si Tristan alle / kniuwende unde an ir gebete
Tr
6039;
sô man ez kussen wil, so sal man vor dem crûce tûn eine
lange venie unde ez darnâch kniende kussen StatDtOrd
124,9;
Daniel
5366;
Seuse
42,27;
attr.:
swaz man dâ kniender schenken sach Parz
423,29;
BdN
468,33.
– subst.:
in minnen und in rúwen / mit andaht und knúwen
SHort
8206;
die [täglichen Sünden] vallent
ab mit rúwen [...], mit knúwende und des geliches
manigen dingen Tauler
272,28;
Daniel
6642
2
häufig mit präp. Erg.
2.1
meist mit vor/ vür
2.1.1
mit Dat. ‘vor jmdm. in kniender Position verharren, knien’
ir hant so lang vor mir geknyet Lanc
139,14;
Aiglins kam darzu gande und sah wo syn bruder vor dem
konig knyet ebd.
167,19
u.ö.;
Stephane, ich knúwe bi dir vor den júdeschen herzen
under den scharpfen steinen Mechth
2: 24,35.
3: 9,73;
Walth
11,11;
SchwSp
183b;
MF:Mor
23: 2,6
2.1.2
mit Akk. ‘vor jmdm. auf die Knie gehen, niederknien’ (nicht immer
klar von 2.1.1 zu trennen):
ûf stuont diu maget sâ zehant; / vür ir vrouwen
kniete si dô Wig
5650.
5436;
gein sînem bette gieng ir pfat: / ûffen teppech
kniete si für in Parz
193,1;
nach dez vater tode. kvmet der sun inner iare vnd tage zvͦ dem herren
[...] vnd bvͥtet im sine manschaft. mit
zesammen getanen handen. vnd gange im alse nahe ob er stande. daz er in
gereichen mvͥge. sitzet aber der herre. so sol er fvͥr in knvͥwen
SchwSp
183b;
StatDtOrd
127,8;
Ottok
73633;
er ging zu im und knyet fur yn Lanc
167,9.
341,4
u.ö.;
do gynk czu ym eyn mensche unde knyte vor en
EvBerl
109,3.
51,3;
VMos
23,22;
AvaLJ
116,1;
Tr
8163.
– subst. Inf. (?):
[zugleich mit dem Wirt] twuoc sich Parzivâl.
/ ein sîdîn tweheln wol gemâl / die bôt eins grâven sun dernâch: / dem
was ze knien für si gâch Parz
237,12
2.2
mit weiteren Präp.:
[Pharao] gibute daz man in
[Joseph] inphienge, / daz simi alle chniutin
ingagine [l. engegen
] alsô deme chunige Gen
2084;
Palmer von Assiria / kniete fur das pilde dar
HvNstAp
11891;
off jhem bette saß ein ußermaßen schone jungfrau, und
ein ander jungfrau knyete neben ir und kamte ir hare Lanc
316,11;
über Vîvîanzen kniet er dô Wh
61,23;
so si alle wolten wanen, / daz er an dem bette lage, / so
chnite er uf der erde Rol
2998;
PrOberalt
20,1;
er kniete im zuo der wunden, den helm er ab gebant
NibB
2115,2
MWB 3,1 399,20; Bearbeiterin: Wemhöner
kniewenke
stF.
‘Kniekehle’ (?):
suffrago: knuwenki VocOpt
1.264
MWB 3,1 400,14; Bearbeiterin: Wemhöner
knîp
stM.
rip. knîf.
‘Stechmesser, Dolch’ (vgl.
gnippe
swstF.
):
knipen uel stechmezzer [interl. zu cultellum
]
UrkWittelsb
1,91
(a. 1244);
man dede en ere cleyder aff / ind vant neyst erem lyue / wysse halsberch,
scharpe knyue Karlmeinet
390,37.
388,11.
388,42.
– als Bestandteil von Personennamen (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
473):
jch Meingoz Knibe von Grunenberc bekenne an diseme bribe
UrkCorp
1277,2.
1278,25
u.ö.
MWB 3,1 400,16; Bearbeiterin: Wemhöner
knir knei
Interj.
lautmalend für das Zerbrechen des Würfels:
er beginnet eim [Würfel] die ougen uzbrechen / und
hebet ein tobelich geschrei; / den andern bizet er enzwei; /
[zusätzlicher Vers im App.: sus lut der worfil knir kney
] den dritten muscht [zerschlägt] er mit
einem stein Jüngl
434
MWB 3,1 400,25; Bearbeiterin: Wemhöner
knisten
swV.
auch knüsten? (vgl.
zerknüsten
).
‘jmdn./etw. (nieder-)schlagen, -drücken’ (vgl. AWB 5,282f. mit weiteren
Belegen):
sámo mít den gûoten sálbon gehêilet uuérdent dîe
gekníston unte dîe sîechon lîchamon Will
70,11;
der eine hin, der ander her / wart von im geknüstet [Konjektur,
vgl. App.z.St.]
KvWEngelh
2855
MWB 3,1 400,31; Bearbeiterin: Wemhöner
knistunge
stF.
‘Reue, Zerknirschung’
der knistungi [
conpunctioni
] des herzin vnde der inthaltungi den vliz gebin BrZw
49
MWB 3,1 400,38; Bearbeiterin: Wemhöner
kniuwelîn, kniuwel
stN.
→
kliuwelîn
MWB 3,1 400,41;
kniuwen
swV.
→
kniewen
MWB 3,1 400,42;
knobel
stM.
‘rundliche Bodenerhebung, kleiner Hügel’ (vgl. SchweizId 3,717 s.v.
Chnubel):
ein acher zem knobel UrkCorp (WMU)
395,24
MWB 3,1 400,43; Bearbeiterin: Wemhöner
knobelouch
stM.
ahd. regelhaft klobe-, seit dem 11. Jh. zunehmend dissimiliert zu
knobe- (vgl. EWA 5,613); auch chloflech (
Albrant
3,17
), chnoveluch (
Barth
157,29
).
‘Knoblauch’
nim denne suͤzze milich vnd sehs totern vnd zwei haupt
knobelauches, die groz sint, vnd schele die schone vnd stoz sie BvgSp
42;
SalArz
13,33;
UrkLicht
7,467
(a. 1340);
StRMeran
413;
wer sich vor ainem leoparden beschirmen well, der nem
knoblauch und reib in zwischen den henden, sô fleucht der leopard BdN
145,10;
sie [die Ägypter] wolden anebeten
ouch / ziebollen, krût und knobelouch RvEBarl
10562;
LBarl
11342.
– als Bestandteil von Personennamen (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
132):
Chvnrad der Chnoblavch UrkCorp (WMU)
1209,41
MWB 3,1 400,46; Bearbeiterin: Wemhöner
knobelouchhoubet
stN.
‘Knoblauchknolle’
nime zwainzech phefers chorn unde chnobeluchhoubet unde
temper die in warmem wazer Barth
154,7
MWB 3,1 400,62; Bearbeiterin: Wemhöner
knoche
swM.
auch knucke.
‘Knochen’ (vgl.
bein
):
do geist [...] / zoch an sich menschen knochen / in
einer meide libe Frl
7:6,15;
alle sine knochen / wurden im zubrochen / von mangem herten slage
Zwickauer
375.
– hier wohl ‘knorpeliges Stück Fleisch’ (vgl. Glr.z.St. in Hayer,
BvgSp.):
der eynen fladen woͤlle machen von fleische, der nem fleisch,
daz do ge von dem lumbel [Lende] oder von dem wenste, vnd
nim knucken, vnd daz daz wol gesoten werde vnd hackez cleyne BvgSp
86.
87
MWB 3,1 401,1; Bearbeiterin: Wemhöner
knöchelîn
stN.
hier md. knuohelîn.
Dimin. zu knoche, ‘Fingerknöchel’ (vgl.
knübel
):
[sein kniefälliges Beten] daz was groz daz ime knorrin
warin gewahsehin an den kniwen. [...] alsame was ime an
sinen knuohelin an den handen gewahsin do [er] sich mite
inthilt [abstützte]
PrMd
16
MWB 3,1 401,12; Bearbeiterin: Wemhöner
knochen
swV.
→
knôpen
MWB 3,1 401,18;
knode, knote
swM.
obd. knode, md. knote, bereits in ahd. Zeit belegt (vgl. EWA
5,645ff.).
1
‘rundliche Verdickung, Knoten’
1.1 organisch 1.2 andere Materialien 2
‘festgezogene Verschlingung, Knoten’
2.1 eigentl. 2.1.1 an Riemen, Stricken u.ä. 2.1.2 an Kleidungsstücken, oft bildl. für verschlissene, schadhafte oder geflickte Kleidung 2.2 übertr. häufig in Texten der Deutschordensliteratur, oft semantisch verblasst
und/ oder als Reimwort 2.2.1
‘Verknüpfung, Verbindung, Zusammenhang; Struktur’
2.2.2
‘Verstrickung, Verwirrung, Komplikation’
2.2.3 Einzelnes 2.2.3.1
‘Urgrund, Anfang’
2.2.3.2
‘Kern einer Sache, eines Problems’ (vgl. mit späteren Belegen TPMA 7,108) 2.2.3.3
‘Schicksal’
3
‘Fessel’ , in der Wendung des kerkæres ~
auch metonymisch für ‘Gefangenschaft, Gefängnis’
1
‘rundliche Verdickung, Knoten’
1.1
organisch:
der weinreb hât die art, daz er ain seit an dem ast an
ainem knoden [
in uno nodo
] daz weinplat auzscheuzt BdN
351,12.
390,29;
her [der Löwe] envortilge mit
den knoten / sines zageles die vuz trite, / [...] / so
daz in niemant spor HeslApk
9460;
diu kel [des Menschen und mancher
Tiere] ist voller kruspeln und knoden BdN
18,25;
ez sint auch die küen [jene
kühn] , [...] der glider knoden
[...] starch sint ebd.
49,27;
dem ersten gieng es [das Wasser] an den
knoden [Fußknöchel] , dem anderen gieng es an die
knüw Eckh
2:467,1
1.2
andere Materialien:
de kindre sloeghen si mit geislen do, / daran hiengen conoten van bli
also: / daz bloet van irm libe vloes Alischanz
116;
HeslApk
11052
2
‘festgezogene Verschlingung, Knoten’
2.1
eigentl.
2.1.1
an Riemen, Stricken u.ä.:
nim den riemen unde chnuphe dar an einen chnoden
Barth
151,13;
er treit den gurtel knoten-voll JvNürnberg
221;
sie losten vrolich den knoten [des
Galgenstricks] , / da jener an gestricket wart Pass
I/II (HSW)
25618.
– in Verbindung mit seil pars pro toto für das
Mönchshabit:
was sol münigen werltlich gewant, die knoten unde seil umme sich
solten knupfen Meissner
17:13,8
2.1.2
an Kleidungsstücken, oft bildl. für verschlissene, schadhafte oder
geflickte Kleidung:
so ist min hemd voll knoten gar, / so manigen tak hat nit das jar
JvNürnberg
223;
der frouwen [...] heten die
este und etslich dorn / ir hemde zerfüeret: [...]
sine fuorte niht wan knoden an Parz
257,14.
260,6.
– unklar, evtl. Bez. für einen Teil des Waffenrocks:
nun sehet, wie gar lobebære, / als ob ez ein kotze wære / rehte
dicke von zoten, / an einem ieglîchen knoten / ein vingerlîn gestecket.
/ alsô was ez bedecket / der wâpenroc pfellîn [vgl.
Anm.z.St.]
Wigam (B)
2031;
die ungetrewen schintvezzel [d.i.
schiltvezzel, Band zum Umhängen und Tragen des
Schildes, hier metonymsch für Kriegsknechte]
[...] machent knoden an die gugeln und an die
röck BdN
235,11
2.2
übertr. häufig in Texten der Deutschordensliteratur, oft semantisch verblasst
und/ oder als Reimwort
2.2.1
‘Verknüpfung, Verbindung, Zusammenhang; Struktur’
noch wil ich stricken einen knoten: / danket bruoder Reimboten, / der
mich die rede tihten bat EbvErf
4517;
ich habe gesprochen da bevur, / daz ich nach miner
willekur / daz buch von unsers herren boten / tichten wolde in einen knoten
Pass I/II (HSW)
36410;
sache [
prima causa = Gott] einen knoten stricte / mit
underscheidener dinge kraft, / dar uf sneit sie vünf ecke / mit ir vil
bernder meisterschaft Frl
7:9,1.
7:9,5;
der knote was gelich aller creatiur ebd.
7:9,6;
vort merket hi den knoten / van der
bigraft [Grabstätte] der zwelfboten. / Petrus
unde Paulus fin / zu Rome begraben sin HistAE
6121;
di wile daz der knote / dem menschen ist so
verstricket, / so weyz er nicht waz geschicket / got an ym hat
bescheidenclich Hiob
3350;
do stricten die zwelfboten / aber vorbaz den knoten /
und satzten mit rate / pabeste, prelate, / die des libes sich irwegen / und
der cristenheite pflegen HeslApk
3622.
10296.
– von Erzählungen ‘Wendung’
do ich unse vrouwen / zu himele mit getichte
liez, / do duchte mich, daz iren vliez / di materie und iren knoten /
wol neme an die zwelfboten Pass I/II (HSW)
36441
2.2.2
‘Verstrickung, Verwirrung, Komplikation’
min herre hat mir ouch enpoten / er wolle entlosen
den knoten / den hie gestricket hat myn leben Vät
33452;
da mite ouch in sin herze brach / ein liecht von dem
gelouben, / daz in begonde rouben / von der e valschem knoten Pass
I/II (HSW)
17841;
si wonten, ein valscher knote / und der Juden koukelkunst, / hetten
sines [Alexanders] mutes gunst / vorwandelt
und ummegetan HistAE
5056.
–
‘Konflikt’
er wolde losen den knoten / und ez rechen mit der
hant Pass I/II (HSW)
19604;
do [mit der
Taufe] worde wir allentsamet / nach Criste cristene genamet
/ und wart entstricket der knote / zwischen uns heiden und gote /
gotlicher unminne HeslApk
10339
(vgl. dagegen Anm.z.St.)
–
‘Hindernis’
Symon der valschafte man / mit stetem willen
bleib daran, / daz er den heiligen boten / stricte leidigen knoten /
under der gemeinen diet Pass I/II (HSW)
20736;
wider den luten sie triben / manigen werren unde
knoten / uf die heiligen zwelfboten / in Babilonien lande ebd.
34299.
– häufig von relig. Texten und deren Auslegung ‘Geheimnis,
Schwierigkeit’ (vgl. TPMA 7,108):
des wêne ich, daz die zwelf boten / niht sô manigerleie knoten /
an iren predigen haben gemacht, / als man sider hât erdâht
Renner
22364;
zu stunt als die zwelfboten / der heiligen
schrifte knoten / zu entlosene begunden HeslApk
13176;
hir liget noch vorborgen ein knote ebd.
4487
u.ö.;
ine kan gesprechen noch entar, / warumbe die minne
des verhinc, / daz si den val [Adams] niht
under vinc, / sit er doch vor kunt was gote. / hie belibet unzerloset
der knote, / er ist zu ho gebunden Vät
54;
Daniel
6509.
4738.
–
‘Rätsel’
Clinsor ich loese dir die knoten Wartb (H)
359:4,1;
Loheng
41
2.2.3
Einzelnes
2.2.3.1
‘Urgrund, Anfang’
laze wir des walden [...] Gote, / der ist
der höste knote TvKulm
4828
2.2.3.2
‘Kern einer Sache, eines Problems’ (vgl. mit späteren Belegen
TPMA 7,108):
sich, Job, daz ist der knote! / got tut ane sache
nicht, / des du lange bist bericht Hiob
4404.
14621
2.2.3.3
‘Schicksal’
daz im bestricket ist der knote, / daz er ein
vurste ist genant / in des himelriches lant Vät
33408;
diz ist der warhafte knote, / da wider nymant mac
noch sol Hiob
7082
3
‘Fessel’, in der Wendung des kerkæres ~
auch metonymisch für ‘Gefangenschaft, Gefängnis’
du bist vri, / wand gelost ist din knote Pass I/II
(HSW)
41929;
do hiez er in besliezen / in des kerkeres knoten ebd.
23973.
19472
u.ö.
– bildl.:
dins jamers knoten / kund ich dir entstricken
WhvÖst
11396;
du entbindes gar den knoten / recht aller diner sunden
HeslApk
7174;
do twanc der grozen tugende craft / Jacobum den
zwelfboten, / daz er von allen leides knoten / [...] /
den vrunt wolde losen Pass I/II (HSW)
25924.
35318
MWB 3,1 401,19; Bearbeiterin: Wemhöner
knodebôʒe
swM.
spöttische Bezeichnung für einen kleinen, dicken Menschen:
die kurczen und die grozzen / daz sint knorzen oder bozzen [La.
die kurzen und die gestozen/ das sint alles knodebozen
]
MinneR 52
90
MWB 3,1 403,15; Bearbeiterin: Wemhöner |