klemberen
swV.
tr. ‘klemmen, festhalten’
dîn minne ist gar ein zange mir, / si klemmet [La.
klembert
] mich, ich muoz ze dir KLD:OvB
13:3,8
MWB 3,1 348,11; Bearbeiter: Richter
klemde
stF.
‘Enge, Einklemmung’
er [ein Christ] ein panzir îserîn /
trûc zunêst dem lîbe sîn, / daz im was vor ein hemde. / mit alsulchir clemde / er
daz vleisch in zoume hîlt NvJer
14086
MWB 3,1 348,14; Bearbeiter: Richter
klemmelich
Adj.
‘beklemmend’
kurzlich iedoch nu geschach / daz godes minne ir underbrach /
[...] / ir herzen clemmelichen not Elis
4450
MWB 3,1 348,18; Bearbeiter: Richter
klemmen
swV.
Prät. klamte.
‘klemmen’ (s.a.
klammen
swV. und
2klimmen
stV.)
1 tr. u. refl. ‘(jmdn./ etw.) einklemmen, einzwängen, fest drücken’
1.1 allg. 1.2 von Greifvögeln ‘(etw.) mit den Klauen packen’
1.3
‘(jmdn./etw.) in Bedrängnis bringen, unter Druck setzen’
1.4 mit Refl.-Pron. ‘sich drängen’
2 intr. ‘in einer Notlage, in Bedrängnis sein’
1
tr. u. refl. ‘(jmdn./ etw.) einklemmen, einzwängen, fest drücken’
1.1
allg.:
do si resâhen daz abgot, / dô was iz aller Rômære spot. /
Jûlîânus was gar, / die hant stiez er im in den munt dar. / dar inne uobte sich
der vâlant: / er clamte im die hant / und gehabet in sô vaste, / daz er sich mit
nihte relôsen mahte Kchr
10783;
sô fliegen auf irn ruck sitzent, sô ziehent
si [Elefanten] die haut in runzeln und klemment
die vliegen ze tôd BdN
135,31
1.2
von Greifvögeln ‘(etw.) mit den Klauen packen’
so clemmit he [der Adler] iz [sein
Junges, das nicht in die Sonne zu schauen erträgt] mit sinin
vuoze / undi leid iz vallin unsuoze, / dat iz zebristit upe der erden
WernhvN
617;
singenden vogel aber unde clemmenden, unde winde und hezzehunde und
bracken mac man wol gelden mit eime iren glîchen, der alsô gût sî, ab man ez
gewêret uffen heiligen SSp (W)
3:47,2.
– subst.:
waz sol des habeches sneller vluc unde des valken denne
[La. was sol des habches klemmen
] ? Frl
5:37,6
1.3
‘(jmdn./etw.) in Bedrängnis bringen, unter Druck setzen’
were der winter kalt allein / der vns truric machit /
[...] / vnd och die vogil klemmet / ir hohin sanc
ir lemmet Martina
44,47;
dâwidir [gegen der unkûsche brunst
] doch mit allir craft / der reine gotis degin vacht, / daz
vleisch mit hungir clemminde NvJer
18840;
ie me in irem mute / der heilige geist erglemmet, / ie me
di werlt si clemmet Pass I/II (HSW)
10972;
minne klemmet rechte alsam ein zange SM:Had
17: 3,7.
– subst. (vgl. Anm.z.St.):
swer vîende vliut unde vriunde jaget, / sol dem gelingen, des muoz
ouch gelücke sêre walten. / wie, ob der vriunt ze vîende wirt unde ze den
vremeden swert? / dâ g’schiht ein klemmen, dâ von im unsælde wirt beschert
WernhSpr (Z)
67,14
1.4
mit Refl.-Pron. ‘sich drängen’
wie sich diu rotte klamde / und in einander flaht, / diu
dâ des êrsten vaht! Ottok
16166;
dô si kômen zesamde / unde sich der strît klamde / in
einander mit hurte, / gotes helfe man dô spurte / an der getouften diet ebd.
44708
2
intr. ‘in einer Notlage, in Bedrängnis sein’
der klemmet in der helle alsô Winsb
53,9
MWB 3,1 348,21; Bearbeiter: Richter
klemmer
stM.
→
klimmære
MWB 3,1 349,1;
klempelîn
stN.
→
klepfelîn
MWB 3,1 349,2;
klenc (?)
Adj.
Ansatz und Bed. unklar, vielleicht zu ebenfalls unklarem
1klanc
‘Schlinge, Verschlingung’ (?) i.S.v. ‘verworren, verfilzt, struppig’
langer bart unt horwege kleider [La. clengir bart hore
cleider
] : / alsô verstalt was er leider AlexiusB
283
MWB 3,1 349,3; Bearbeiter: Hansen
klëne
swM.
‘Leuchtkäfer, Glühwürmchen’ (vgl. AWB 5, 247 s.v. kleno; s.a.
gleim
):
cicendula: glimo vel kleno quod gradiens vel volans lucet
SummHeinr
1:168,771;
cicendula: cleno ebd.
2:215,137.
2:146,9.
2:66,280
MWB 3,1 349,8; Bearbeiter: Hansen
klënen
swV.
1
‘etw. (Lehm) verschmieren, streichen’
2
‘"etw. (Flechtwerk, Hölzer u.ä. in den Gefachen einer Fachwerkwand) mit Lehm
beschmieren, ausfüllen’
3
‘etw. (mit Lehm) verkleben, zusammenkleben’
1
‘etw. (Lehm) verschmieren, streichen’
di tyevelynne kunde / gifft werffen auff der nasen, / das der
anger und di wasen / mit al wurden uber dent, / als der leym ward geklaint
HvNstAp
9030
2
‘"etw. (Flechtwerk, Hölzer u.ä. in den Gefachen einer Fachwerkwand) mit Lehm
beschmieren, ausfüllen’
recht als die pfæl in ainer klänten want den laim aufhaltent [
sicut pali in pariete luteo parietem tenent
]
BdN
22,9;
die muͤre waren nit geclent: / sie waren schone marmelstein
HvNstGZ
162
3
‘etw. (mit Lehm) verkleben, zusammenkleben’
ein swalwe klent von leime / ein hiuselîn, / dâs inne ist / des sumers ein vil
kurze vrist Neidh
SL 26:7,3
MWB 3,1 349,13; Bearbeiter: Hansen
klengel
stM.
‘Glockenschwengel, Klöppel’ (hier bildl.):
swenn der reben klengel / der louber klanc begunde wegende fuͤren
JTit
404,2
MWB 3,1 349,27; Bearbeiter: Hansen
klengen, klenken
swV.
auch klinken, klingen
(z.B.
MarcoPolo
36,25;
Dalimil
13,42
),
vgl. auch
klingen
stV.;
Prät. klankte neben klenkte
(
EnikWchr
26425.
26414;
WhvÖst
17581
).
1
‘etw. (Glocken, Saiten, auch Schwerter u.ä.) zum Klingen bringen, erklingen
lassen, läuten’
2
‘etw. (Töne, Musik u.ä.) hervorbringen, erschallen lassen’
3
‘erklingen, läuten’ (von Glocken)
1
‘etw. (Glocken, Saiten, auch Schwerter u.ä.) zum Klingen bringen, erklingen
lassen, läuten’
si muosten umb schouwen, / ob ez wærn man oder frouwen, /
wer die glocken klanct EnikWchr
26425.
26444
u.ö.;
glocken, / die man ze gotes dienste klenget Renner
6569.
5844;
swer mit kunst uf herpfen wan eine seiten klenget JTit
3565,1;
sich saczt Cirad czu der iuncfrowen / [...] vnd
begunde met mit ir czu trink[en] / vnd dy pusawn czu clinken Dalimil
13,42.
–
ir zweier freunt [...] / die helme kunden
klengen, alsam si wern in einer kezzel smitten JTit
5893,4;
ritterliche da ir swert / der arme kraft da clancte /
durch wapen, daz ez lancte / die sel von dem libe WhvÖst
17581.
– subst.:
daz klenken [der Glocke] wart
im aber kunt EnikWchr
26440.
– mit Refl.-Pron. ‘erklingen, läuten’
diu glock klenkt sich ander stunt
EnikWchr
26414
2
‘etw. (Töne, Musik u.ä.) hervorbringen, erschallen lassen’
ûz der blüete clenket / vil süezen dôn / manec wildiu nahtegal
KvWLd
4,20;
die snuere moissen brechin wol, / so wa der esil clinkit gigen tone
Stolle (Z)
121:n.3,4;
dô sunget irz [das Kyrie eleison] niht glîch unde
kundet ez niht wol klenken mit dem dône PrBerth
1:496,11;
Martina
70,74;
NibB
1964,4.
– bildl.:
also horte man sin lop ie clengen / in allen richen, swa man in bekande
JTit
3582,2.
– subst.:
rotten, hærpfen, zimbeln und ziterje, / vil suͤzer doͤne klenge
[La. klengen
] fuͤrt man vor im JTit
6194,4.
– mit erspartem Obj. (vgl.
klingen
stV.):
sô [...] diu lerche clenket / in
daz ôre sîn KvWLd
7,49
3
‘erklingen, läuten’ (von Glocken):
diu glock aber offenbar / hêt geklenket umb daz reht
EnikWchr
26411;
vil glockilin beyde von silbir und von golde, di do klingetin
MarcoPolo
36,25
MWB 3,1 349,30; Bearbeiter: Hansen
klenke (?)
stF.
‘Klang, Gesang’ (oder Pl. von
2klanc
stM.?):
sît si lônet kleine / mîner niuwen klenke [
gedenke:
] , / wan mag ich dienen anderswâ? Neidh
WL 27:2,6;
und [er] gieng hin fúr den alter
[...] und tonde verborgenlich daz gedoͤne: ‘benedictus
qui venit’, als die geischlichen klenke dennoh in siner sel waren
Seuse
386,30;
ob allen schoͤnen klenken ebd.
306,19
MWB 3,1 350,5; Bearbeiter: Hansen
klënster
stM.
‘klebrige Streichmasse, Teer, Pech’ (vgl.
klîster
):
er [Noah] schuof, daz er gevuoge / sie
[die Arche] bestriche mit chlenster
Aneg
1833
MWB 3,1 350,13; Bearbeiter: Hansen
klënwant
stF.
‘Lehmwand’
recht als die pfæl in ainer klänten want [La.
chlenwent
] den laim aufhaltent [
sicut pali in pariete luteo parietem tenent
]
BdN
22,9
MWB 3,1 350,16; Bearbeiter: Hansen
klenze (?)
swF.
auch clens-; Etymologie unklar, vgl. EWA 5,593f.
‘Spange (als Beinschmuck)’ (vgl. AWB 5,247):
periscelides sunt ornamenta crurium vel caligę episcoporum: klenzun
SummHeinr
1:319,29;
periscelides: klenzun [La. clensen
]
ebd.
2:12,261
MWB 3,1 350,20; Bearbeiter: Hansen
klëp
stM.
‘klebrige Streichmasse, Teer, Pech’ (s.a.
kleip
):
mit zehim letten unde klebe / hiez si [die Mutter
von Moses] vil wol bestrichen das [das
Körbchen] fúr wazzer RvEWchr
8935
(vgl. Ex 2,3 et linivit eam bitumine ac pice);
mit klebe er sie [die
Kästen] bestrîchen hiez, / man lie sie gar unwæhe swarz, / er hiez dran
legen niht wan harz RvEBarl
1840;
litura: cleb SummHeinr
2:356,200.3.
– bildl.:
lim vnd cleb ist ir minne Ratte
55
MWB 3,1 350,26; Bearbeiter: Hansen
klepfel, kleffel
stM.
‘Glockenschwengel, Klöppel’ (vgl.
klüpfel
):
diu glocke muoz den klüpfel [La. kleffel
] hân, / sol si grôzen dôn begân Freid (G)
126,15.
– als Gl. zu mlat. batillus (vgl. MlatWB 1,1393):
batillum: clephel GlAnzfWK
41,25
(BStK 154a)
MWB 3,1 350,35; Bearbeiter: Hansen
klepfelîn
stN.
auch klaͤmp-, s. DWB 5,943 u. 5,954.
‘Klapper’ als Signal sozialer Ausgrenzung bes. bei Aussätzigkeit (vgl.
klaffe
swF. und BMZ 1,847b klopfelîn mit Beleg des 15. Jh.s), hier übertr.
zur Verleumdung:
eine vrouwen die man hât erkant / an ir êren stæte, /
[...] / sô sint die valschen sô gemuot / daz si sô
stæte niht mac gesîn / sine slahen ir doch ein kläpfelîn [La.
klaͤmplin
] / mit worten und mit vâre Wig
2376
MWB 3,1 350,41; Bearbeiter: Richter
klepfen
swV.
‘etw. (eine Glocke) erschallen lassen, läuten’
ze aneganden ernen [Erntezeit] sol der kelner
[...] eine glocke klephen UrkCorp (WMU)
N816,37
MWB 3,1 350,50; Bearbeiter: Hansen
klepfze
F.
→
kafse
MWB 3,1 350,54;
kleppisch
Adj.
‘geschwätzig’ (s.a.
kleffic
u.
kleffisch
):
welhes augen her für pauzent auz dem haupt, der ist
unschämich und kleppisch und ain tôr BdN
43,22.
47,26
MWB 3,1 350,55; Bearbeiter: Hansen
cleric, clerck(e)
M.
‘Geistlicher, Kleriker’
dar vmb hadde hey eynen sede, / dat hey zo allen zyden / de mysse ind de
gezyden / halp syngen mit den clercken Karlmeinet
321,51;
der glich sayte mir eyn cleric Pelzb
130,7;
ez ist cleric, leie, noch begine [Laienschwester]
JvBrabant
7:3,5
MWB 3,1 350,59; Bearbeiter: Hansen
klette
swMF.
eine Pflanze, ‘Klette’ (gemeint wohl v.a. die ‘Große Klette’ Arctium
Lappa L., vgl. Marzell 1,374 ff.) bzw. deren markante, mit Widerhaken versehene
Fruchtstände:
nezzeln, cletten, dorne / was hinden unde vorne / uf dem
acker vil genuc Vät
19011;
lapatium, daz ist chlette Barth
144,14;
lappa vel lappatum: bleticha vel cletto SummHeinr
2:353,143;
lappa vel philantropos: kletta ebd.
1:189,252
u.ö.;
lappa, clithae: klette GlAnzfKdVz
7:144,470
u.ö.
– häufig bildl. und im Vergleich:
die hurteclichen stoͤzze / sich in ain ander mangten / daz an
ain ander hangten / die vinde als die cletten WhvÖst
8133;
an im si klept alsam ain klet SHort
2657;
unser herre Jesus Christus kuam in dise werlt und vant in dem akkere der
werlde dorn kletten nezzeln und ander uncruͦt PrLpz
28,29;
swer sich ze kletten mischet, / unsanfte er s’ abe wischet: / nieman frumer
mische sich / ze bœsen liuten, daz rât ich Freid
118,7.
118,13;
Dalimil
46,14;
Tauler
225,28.
225,29;
Martina
47,31.
–
bezzert her mir nicht, ich werfe im einen stein in sinen garten / unde eine
kletten in den bart Meissner
16:6,8
MWB 3,1 351,1; Bearbeiter: Hansen
Klevener
stM.
‘Wein aus Chiavenna (Kleven)’ (vgl. Alanne, Weinbau, S. 195):
alle di wein, di man hie kauft, ez sei Rainual, Kleuener, Welhisch wein,
Elsazzer oder Osterwein NüP
117
MWB 3,1 351,24; Bearbeiter: Hansen
klëwen (?)
swV.
‘klagen’ (vgl. auch
klöuwen
und
klû
):
wan hort si klewen und klagen SHort
3075.
– hierher (so Glr.z.St.) oder zu →
klëben
swV.:
du must unser gnaden leben, / in fuͤre, in bech, in swebel
kleben. / also werdent sie getrost / die suͦnder in der helle rost
HvNstVis
560;
vgl.:
Appolonius also klebete [Hs. klebere
] . / auff dem wag er schwebete [an einer
Schiffsplanke] / in so jamerliche klage HvNstAp
1366
MWB 3,1 351,28; Bearbeiter: Hansen |