kathezizieren
swV.
‘jmdn. auf die Taufe vorbereiten, den Katechismus lehren’ (mit Akk.d.P.; vgl.
MlatWB 2,367 s.v. catechizo):
er katheziziert in sô: / ‘sun’ sprach er, ‘geloubestû / mit
vesteclîchen sinnen nû, / daz got ie was und iemer ist’ RvEBarl
6732;
er kathezizierte in sâ / mit gotlîchem segene aldâ ebd.
14155
MWB 3,1 173,22; Bearbeiterin: Baumgarte
katholicô
M.
zum mlat. Adj. catholicus (vgl. MlatWB 2,379ff.).
Bez. für den Patriarchen von Hromgla [= Ranculat], einer byzantinischen
Festung am Euphrat (vgl. Suolahti 1,121):
waz dar inne veiles læge? / derz mit gelte widerwæge, / der
bâruc von Baldac / vergulte niht daz drinne lac: / als tæte der katolicô / von
Ranculat: dô Kriechen sô / stuont daz man hort dar inne vant Parz
563,7
MWB 3,1 173,29; Bearbeiterin: Baumgarte
katîve
Adj.
‘fremd, elend, unglücklich’ (vgl. Suolahti 1,121):
ouch soullens wyr anderen haven schande / ind kative blyven in desem lande
KarlGalie
4195;
o wi mir armen wive, / wie bin ich dus keitive / hie in deseme lande / inde
ich dese schande / en weiz weme clagen, / de mich moge verdragen / na urdeile inde
rechte MorantGalie
1664.
– subst.:
wir sullen arme kative bliven HagenChr (G)
3174;
‘in truwen’ sprach der keitif MorantGalie
4857
MWB 3,1 173,37; Bearbeiterin: Baumgarte
katze
swF.
‘Katze’
1 das Tier (zur Bed. der Katze in Volks- und Aberglauben vgl. Hwb. dt. Abergl.
4,1107-1124) 1.1 allg. 1.2 in Vergleichen 1.3 in Sprichwörtern, Wendungen u. ä. (vgl. Friedrich, PhrasWB 241 sowie TPMA 6,441-465) 2 eine Belagerungsvorrichtung, die vor allem dem Schutz der Belagerer diente (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,406f.)
1
das Tier (zur Bed. der Katze in Volks- und Aberglauben vgl. Hwb. dt. Abergl.
4,1107-1124)
1.1
allg.:
cattus: katze VocOpt
45.068;
musio oder murilegus oder cattus haizt ain katz. daz ist
gar ain listik tier BdN
151,24;
diu katze mint unreine, entreint daz reine RvZw
165,7
u. ö.;
er muoste loufen unde gân / ûf manigen hôhen rûhen berc,
/ dâ weder katze, noch getwerc / möht über sîn geklummen KvWTroj
6190;
ein alsô armez hûs, / dâ diu katze noch diu mûs / sich niender inne moht
ernern Georg
1896;
Barth
139,29;
ReinFu
K,313;
RvEBarl
10551.
– eine →
merkatze
(?):
dâ [auf dem Schild] lûhte
in swarzem schîne von / ein wildiu katze von dem mer KvWTroj
33071.
– das Niesen einer Katze in Verbindung mit magischen Fähigkeiten
(?):
dir het diu katze niht genorn [geniest] , /
frumer kneht; und wær ez wâr! [vgl. Anm.z.St.]
Helbl
1,1393
1.2
in Vergleichen:
– Aussehen betreffend:
ir [Flatas] antlitz ist
fraßlich. / geleich ainer wilden katzen HvNstAp
4380;
verwâze von mir den Satân, / der [...] als
ein eber ist gezan / und hât alsam ein katze gran
[Schnurrhaare]
MarGr 18
61;
Herb
7691.
– Verhalten betreffend:
si [die merker
] sehent umb sam diu katze nâch der mûs SM:Had
3: 5,5;
als die katze mit der mûs / spilten die Oselêre LivlChr
1230;
er [der Löwe] îlte ûz sîme neste / zuo dem
pherde wünneclich / und hete sam ein katze sich / gestrûbet und gesmücket, /
diu sich zesamne drücket, / sô si der miuse lâgen muoz
KvWPart
10526;
HvNstAp
4618;
Bez. ketzer abgeleitet von katze bei
PrBerth (vgl. auch die weiteren Ausführungen von
1:402,21 bis 1:403,21):
er hiez in einen ketzer. daz tet er dar umbe, daz er sich gar wol
heimelîchen gemachen kan, swâ man in niht wol erkennet, als ouch diu katze
PrBerth
1:402,23
u. ö.
1.3
in Sprichwörtern, Wendungen u. ä. (vgl. Friedrich, PhrasWB 241 sowie TPMA
6,441-465):
als diu katze ûz kumet, sô rîchsent die miuse: als ir [der
Dienerschaft] hêrschaft ûz kumet, sô hebet sich grôz unzuht
PrBerth
1:85,6;
sô diu katze gevrizzet vil, / zehant sô hebet sî ir
spil [als Anspielung auf Iweins Übermütigkeit während eines
Gelages]
Iw
823;
diu mûs ungerne ziuhet kint, / swâ si weiz, dâ katzen sint
Freid
141,14
u. ö.;
man streichet eine katzen schon, / um daz sie miuse jaget
Frl
9:10,13;
duͤ kaz den vischen ist gefaͤr / vnd wa si by dem wazzer waͤr / si woͤlt
dar in komen nicht MinneR 53
77;
dû [
werlt
] ziuhest mir den halm alsô einer jungen katzen vor
WernhSpr (Z)
64,3;
RvMunre
1257.
–
diu ~ belîbet jmdm. ûf dem rücken etwa i.S.v.
‘etwas Unangenehmes/ eine Last (er-)tragen müssen’ (?)
(vgl. DWB 5,285):
daz mir belibe hie / ûf dem ruck diu katze, / daz
Niuhûs [eine Burg] , ze tratze
Ottok
54835.
– in der Fabel ‘Rat der Mäuse gegen die Katze’ (vgl. Dicke/
Grubmüller Nr. 483; zur aus dieser Fabel erst später erwachsenen Wendung
einer katze die schellen anehengen/-binden u.ä. vgl. DWB
5,283, FWB 1,1238 sowie TPMA 6,461):
da sollen wir [die Mäuse] henken an / der
katzen eine schellen [s. Anm.z.St.]
KgvOdenw
8,27;
Boner
70,27
2
eine Belagerungsvorrichtung, die vor allem dem Schutz der Belagerer diente (vgl.
Schultz, Höf. Leben 2,406f.):
testudo: katze VocOpt
29.051;
der kunic het mit im genomen / antwerc und einez, heizet
katze Ottok
9106
u. ö.;
czu hulfe desir eynunge so sullen wir furin eyne blidin, eyne kaczin und
czwenczig schiczin mit rucarmbrustin UrkErf
2,191
(a. 1343);
Kreuzf
6452;
KLD:BvH
16: 2,8.
– im bildhaften Vergleich:
hie wurt rehte die katze an die mure getrungen; schiere
so der mensche in kummet in daz riche daz in uns ist, die muren súllent schiere
gevellet werden Tauler
419,37
MWB 3,1 173,47; Bearbeiter: Luxner
katzenber
stNF.
Bez. für unterschiedliche Pflanzen, s. AWB 5,59
MWB 3,1 174,58; Bearbeiter: Luxner
katzenbrët
stN.
hier -brit; Pl. -brútter.
Abdeckung bzw. Dach der Katze, einer Belagerungsvorrichtung (vgl.
katze
2):
pluteus: katzenbrit, kaczenbrútter VocOpt
29.055
MWB 3,1 174,60; Bearbeiter: Luxner
katzengolt
stN.
Bez. für das goldgelbe Harz des Kirschbaumes (vgl. Kluge S. 478):
gummi : kazzengolt SummHeinr
1:186,221.
2:48,286
MWB 3,1 175,1; Bearbeiter: Luxner
katzenhâr
stN.
‘Katzenhaar, -fell’
der ameiz des gewar wart, / vz dem hovbet tet er eine vart. /
do kroch er rechte, deswar, / fvr sich in daz katzenhar ReinFu
K,2042
MWB 3,1 175,4; Bearbeiter: Luxner
katzenhuot
stM.
hier katzhvt.
‘Kopfbedeckung aus Katzenfell’
do satzt er im vf den katzhvt ReinFu
K,2014
MWB 3,1 175,8; Bearbeiter: Luxner
katzenhurt
stF.
Abdeckung bzw. Dach der Katze, einer Belagerungsvorrichtung (vgl.
katze
2):
cratis: katzenhurt, kaczenhurt VocOpt
29.056
MWB 3,1 175,11; Bearbeiter: Luxner
katzenkint
stN.
‘Katzenjunges, junge Katze’ im Sprichwort (vgl. TPMA 6,449):
katzen kint gelernet wol mûsen Renner
13325;
kchaczn chind lernt wol maüsenn Freid (Sch)
96
MWB 3,1 175,14; Bearbeiter: Luxner
katzenkrût
stN.
‘Katzenminze’ (vgl. Marzell 3,309-313):
nepta: katzencraut Gl
3:562,28
(BStK285)
MWB 3,1 175,18; Bearbeiter: Luxner
katzenmist
stMN.
‘Katzenkot’
wor daz mol in den ougen nym
ruiz [Ruß] unde katzen mist unde salcz unde menge daz
mit czegener milch [Ziegenmilch] unde truckene is denne
unde rip daz czu puluer unde blos dem pherde in daz ouge Albrant
3,56
MWB 3,1 175,20; Bearbeiter: Luxner
katzenôr
stN.
‘Katzenohr’, hier als Bestandteil eines Personennamens:
her Gvnther katzenôr, ein burger von Strazburg UrkCorp (WMU)
N130,9
MWB 3,1 175,26; Bearbeiter: Luxner
katzenouge
swN.
‘Auge einer Katze’
lieber meister, ez sol an mîr / ein katzen ouge werden. / ichn
weiz niht uf der erden, / daz baz gesehe, dan si tut [dem König soll ein
fehlendes Auge mit dem Auge einer Katze ersetzt werden]
StrKD
2,27
u. ö.
MWB 3,1 175,29; Bearbeiter: Luxner
katzenritter
stM.
jmd., der zur Schau mit Tieren kämpft (vgl. DWB 5,299):
spil laͤut vnd loͤtern [Gaukler] vnd katzen ritter,
vnd ander puͦben, die guͦt mit unzuͤchten vnd mit suͤnden gewinnent
RechtssA
V27,51
MWB 3,1 175,34; Bearbeiter: Luxner
katzen|smër
stN.
‘Katzenfett’
nim chazensmer unde eines dahses smer unde bernsmer unde einer
alten geize smer Barth
143,11;
man sal nemen katzen smer vnde aloe glich uil
SalArz
116,13
MWB 3,1 175,39; Bearbeiter: Luxner
katzenspil
stN.
‘Spiel für Katzen’
[
dër wërlt
] lon ist ein katzen spil: / si zeiget vnd zucket / geliche als der
den halm rucket / durch schimpf den ivngen katzen vor TürlArabel
*R 67,12
MWB 3,1 175,43; Bearbeiter: Luxner
katzensprunc
stM.
‘Sprung einer Katze’, hier übertr. auf Menschen, die sich aus dem Fenster
retten, ‘waghalsiger, riskanter Sprung’
da wart gedain sulch katzen sprunck / van luden beide alt ind junck / zo den
vinsteren us HagenChr (G)
3129
MWB 3,1 175,47; Bearbeiter: Luxner
katzenvaʒ
stN.
‘Napf, Schale für eine Katze’
gip dir selber ûf dîn katzenvaz oder dînen kinden oder dîner katzen!
[seinen Handwerkern und Dienstleuten hingegen soll man das Essen in
grôzen schüzzeln geben]
PrBerth
1:91,6
MWB 3,1 175,53; Bearbeiter: Luxner
katzenvënsterlîn
stN.
‘Katzentür’
disiu kemenâte / ist niht volkumen, friunde mîn: / dort sölte ein katzen
vensterlîn / unden sîn an jener tür! Renner
4172
MWB 3,1 175,58; Bearbeiter: Luxner
katzenwurz (?)
stF.
wohl Bez. für den Scharfen Mauerpfeffer, eine Pflanze (mhd. Glossenbeleg; vgl. AWB
5,59 sowie Marzell 4,200-215; bes. 202 u. 214)
MWB 3,1 175,62; Bearbeiter: Luxner
katzenzagel
stM.
Bez. für unterschiedliche Pflanzen:
– Acker-Schachtelhalm (vgl. Marzell 2,233-259; bes. 247):
italica, centeramia: kazzvnzagel SummHeinr
1:195,307.
2:52,351;
arcontilla: katzenzagil Gl
3:535,11
(BStK947).
3:535,11
(BStK808).
– als Unkraut (lt. Gl. Bez. für Achillea Millefolium, die Schafgarbe; vgl.
Marzell 1,82-93; bes. 85):
den kacenzagil, daz vncrvt, / wil ich beduden alle fart PrHess
4,580
u. ö.
MWB 3,1 176,1; Bearbeiter: Luxner
katzstreichen
swV.
‘jmdn. (mit Berührungen) umgarnen, verführen’
sie schinent an den
gelezen [Verhalten] / der wibe, die des warten / daz
sie den mannen zarten / und sie die man katzstreichen / mit suzen worten weichen, /
biz sie mit in gestellen / alles daz sie wellen HeslApk
14113
MWB 3,1 176,10; Bearbeiter: Luxner
kauerære (?)
stM.
von lat. chaurarius (vgl. MlatWB 2,530)?
wohl ‘Fassbinder, Böttcher’ (vgl. DRW 7,566), hier nur als Bestandteil
eines Personennamens:
Chunradus chauer habet unam curtem que pertinet ad suum chaurgeriht
DRW
7,566
(NotizBlÖst.; a. 1257)
MWB 3,1 176,16; Bearbeiter: Luxner |