kaf
stN.
1
‘Schale, Hülse, Spreu’
2 übertr. in verschiedenen Wendungen für eine Kleinigkeit, etw. Wertloses (überw. wmd.)
1
‘Schale, Hülse, Spreu’
so wolde ich durch die liebe din / miden immer svnnen schin /
vnde trincken wazzer vur den win, / vur brot caf vnde vesen Herb
14059;
hochvart, nu grin! / gief, kaf si din: / sus drischet sich din sat
Frl
8:25,20.
– bezogen auf bereits einmal Verarbeitetes:
stoz sie [die Mandelkerne] vaste
vnd menge sie mit kaldem wazzere eben dicke vnd rink sie durch ein schoͤn tuͦch
vnd tuͦ die kafen wider in den moͤrser, stoz sie vnd rinc sie vz
BvgSp
39.
– in Vergleichen:
da di bosen sin geworfen af, / als uz dem korne is daz
kaf Brun
12034;
daz caf bezeichent ytele ere die da vluͦget als ein caf PrLpz
(L)
40,43
2
übertr. in verschiedenen Wendungen für eine Kleinigkeit, etw. Wertloses (überw.
wmd.):
alle dine craft is eyn caf MinneR 409
123;
it were der stat van Coelne eyn kaff, / sloge men irre ein dusent aff
HagenChr (G)
2557;
dat mich eyn man mit syner hant / van myme rosse steche aff. / das is mich,
here, doch als eyn kaff KarlGalie
6965;
daz irdisch lust wart an in slaf / und achten minner dan ein kaf / uf die
vertumeten unvlat, / die da besulet kusche wat Pass III
578,80;
ir wisheit ist nit wen ein kaf PrHess
41,370;
wat mocht ich mine wort / keren weder inde vort / inde al die rede ergeve, /
die Morant der greve / vur al sin recht da ergaf, / id en halp eme niet ein kaf
MorantGalie
1844;
dar umb en was en neit en kaff, / eynen heyden warp hey aff / van eyme
kastelane ho KarlGalie
13074
MWB 3,1 105,23; Bearbeiter: Diehl
caferân
N.
unbekannter Arzneibestandteil (evtl. verschrieben aus saferan?; vgl.
safrân
):
nim daz goͮte cinimin. vnde daz caferan [
tolle cinamomum et caffar
] . beider geliche Ipocr
78
MWB 3,1 105,53; Bearbeiter: Diehl
kaffât
stF.
→
kapfât
MWB 3,1 105,57;
kafse, kefse
stswF.
auch kofse, klepfze.
‘Kapsel, Behälter’ (aus lat. capsa, vgl. z.B.
SummHeinr
1:370,400
):
als lantgrâve Cunrât / daz gebeine în gemachet hât, / des
herren herze heiliclich / in eine kofsen lusticlich Kreuzf
8166.
– überw. ‘Reliquienbehälter, -kapsel, -schrein’
eine kesfin her andaz sper bant / die her indeme tome nam
Roth
4102;
eine kefsen nam er an der stet, / diu was heilctuomes vol
Wig
4393;
der priester gap im dô den segen / als er beste kunde: / mit
kefsen und mit munde / segent er in ebd.
4417;
so bin ich bereit / zu legene uf die kefs die hant, / so wirt
der kristenheit bekant / daz hie geshiht ein reine e Rennew
5063;
StrAmis
999;
einer clepffzen was es [der Gral, vgl. Felder, Krone, S.
700] glich, / die vf einem altar stet Krone
29385;
vnd swaz da aigen ist an den vorgenanden guͤtern, daz hab ich gegeben reht vnd
redelich [...] dem vorgenanden bischof vnd sinem gotzhûse
an die kafs v́nserre frown von dem tuͦme ze Kostenz UrkCorp (WMU)
1949AB28,27.
– übertr.:
sluß uff diner gnaden kebs! Minneb
2024;
wâ beslôz ie maget hort sô grôzen? / dir sælden kefs vol heilikeit gestôzen /
kan niht genôzen Helbl
11,53;
die kefse din [der Leib Mariens] beslozzen hete /
die ewigen gotheit Frl
9:1,13;
du [bezogen auf einen Menschen] hohez adel und
rechter eren kefs ebd.
5:25,1
MWB 3,1 105,58; Bearbeiter: Diehl
kafselîn
stN.
Dimin. zu
kafse
:
der brûder sîn gebeine / von dem fleische reine / er lûteret
und machtez în / in ein schônez kofselîn Kreuzf
8118
MWB 3,1 106,21; Bearbeiter: Diehl
kagen
stF.
→
gegene
stF.
MWB 3,1 106,24;
kagresvisch (?)
stM.
ein Speisefisch (s. auch
kabervisch
):
der see trug güt vische: / [...] /
roten visch und lachsen, / sturen und kagres visch [Hs. A: chaber
visch
]
HvNstAp
18049
MWB 3,1 106,25; Bearbeiter: Luxner
kak
stM.
‘Pranger’ (überw. nd., vgl. DRW 6,409-411 und Schiller/ Lübben
2,417):
de edificio dicto kax, tam ligneo, quam ferreo opere
StRechAachen
127,19;
advocatus debet facere seu fieri patibulum, domum suspensoris, kakonem
schuppham [evtl. als Kompositum ‘Prangerschuppen’ aufzufassen
(vgl. Anm.z.St.)]
WeistErf
104
(a. 1332)
MWB 3,1 106,29; Bearbeiter: Diehl
kal
Adj.
flekt. kal(w).
‘nackt, bloß’
1 meist bezogen auf menschl. Kopfhaar ‘kahl, ohne Haare’
2 bezogen auf Tiere 3 übertr. ‘leer’
1
meist bezogen auf menschl. Kopfhaar ‘kahl, ohne Haare’
calvus: calwer vel glaber, recalvaster SummHeinr
2:7,133;
wen list von einem ritter daz, / daz er kal von natûre was / und âne hâr
Boner
75,2;
der eine der was gra, / [...] / der
andere der was kale. / ich bekenne sie bede harte wale TrSilv
239;
Kchr
7918;
ist er kayl und ane har, / man sprichet, er sii ein glazzer schalk / und trage
in sinen huͦte kalk MinneR 52
64;
den spot möht ir wol verdagen, / sprach der kalwe gebûr
StrAmis
1661;
si wurden hars die kalwen vor hitze in disen noͤten JTit
4152,1;
JvNürnberg
137.
– als Bestandteil von Personennamen:
Hertwich der kale MorantGalie
2191;
Lais der stolcz und Gales der kale Lanc
256,5;
dis beschach [...] vor hern Rvͤdiger dem scriber
[...] vnde dem meiger von Schlierbach vnde Bvrchart
dem Kalwen UrkCorp (WMU)
341,19
2
bezogen auf Tiere:
Plinius spricht, daz der strauz von nâtûr kal werd und plôz;
aber er hât ain sô dick haut, daz in niht
freuset [friert] , wenn er von den federn enplœzt wirt
BdN
223,28
3
übertr. ‘leer’
sîn bett daz kalwe Helbl
1,676;
mîns herzen wal / stêt aller wîbe kal KLD:RvR
3,109;
SM:Gl
1: 1,12
MWB 3,1 106,37; Bearbeiter: Diehl
kalamâr
stN.
Behälter für Schreibwerkzeug, Tinte (aus mlat. calamarium von lat.
calamus
‘Schreibrohr’, vgl.MlatWB 2,49 und Germ. Rom. 1,136):
an sînem gürtel bereit / sol sîn ein guotes kalamâr, / das man einen
schribgezuͤg vür wâr / nennet, swer es erkennen kan Ammenh
11327
MWB 3,1 106,62; Bearbeiter: Diehl
calamarbe
Subst.
eine Pflanzenart (aus calamadre [ital. calamandrea
‘Gamander’] entstellt?, vgl. Suolahti 1,115; vgl. auch Wagner, Albrecht, S.
185f.):
aller pfat voreinet was dirre walt so wilde, / verhulzet und versteinet uber
al. des lag da groz unbilde / mit farme, scholopamder, kalamarbe, /
[...] verwahsen JTit
300,3
MWB 3,1 107,4; Bearbeiter: Diehl
kalamente
F.
‘Katzenminze’ (aus griech.-lat. calamintha; vgl. Marzell 1,710ff.
sowie 3,152 u. 310ff.; vgl. auch
bîminze
):
nim eppe vnde venchil wurzel. calamente vnde ysopo
SalArz
45,23
u.ö.;
daz diu kalamente was geflohten / uz ir beider munde JTit
5943,3.
– überw. lat. flektiert:
nepita zu latine, calamentum in chrieschen, biminze zu dute
Macer
11,1;
uon calamenti saffe SalArz
57,5
MWB 3,1 107,11; Bearbeiter: Diehl
kalamentesaf
stN.
‘Saft der kalamente’
salbe dich mit eppe saffe. oder mit calamente saffe. oder
salbe dich mit litargiro. vnde mit rosen ole SalArz
78,9
MWB 3,1 107,19; Bearbeiter: Diehl
calamîe
swF.
eine Heilpflanze (Verwechslung von calamentum [ →
bîminze
] mit calamîn
‘Galmei’?, vgl. Suolahti 1,115):
sie heten von Arâbiâ / manger slahte wurze dâ, / cassia und calamî, / thymota
und cinamî UvEtzAlex
14613;
tu den puluer zu der kalamien SalArz
37,5.
36,57.
37,20
MWB 3,1 107,23; Bearbeiter: Diehl
kalamît
stF.
‘Magnet’ (zur Sache vgl. WälGa (W) , Anm.z.St.):
daz îsen hât ouch den sit / daz ez ziuhet hin zer calamît WälGa
2622
MWB 3,1 107,29; Bearbeiter: Diehl
kalander
M.
→
galander
MWB 3,1 107,32;
calant
stM.
→
galîe
,
schalander
MWB 3,1 107,33;
kalbe
swF.
‘Kuhkalb’ bzw. ‘Färse; Kuh, die noch nicht gekalbt hat’ (s.a.
kalp
):
vitula vel uvenca vel bucula: kalba SummHeinr
1:144,1;
daz sie den wolf gesellent / dem lamme glich unders joch /
[...] / den lewen zu einer kalben
HeslApk
21933;
so fueret her ain vaist kalben, / ez totent ze ainer
wirtschaft! SHort
4240;
RvEWchr
20660;
BdN
292,32;
eine kû schol man vorschozzen vor eine halbe mark; eine kalben vor einen
virdunk UrkZeitz
29
(a. 1322).
– bezogen auf das Goldene Kalb (Ex 32,1-4):
do begunden si ringin / mit unzcitlichim springin / und schreckin allenthalbin
/ unzcitlich vor der kalbin PfzdHech
269,26
MWB 3,1 107,34; Bearbeiter: Diehl
kalbe
swM.
→
kolbe
MWB 3,1 107,47;
kalbele
swF.
‘weibliches Kalb’ (übers. lat. vitula; vgl. Hbr 9,12f.):
so nam er aine rôte kalbellon diu ân mâl waz [...]
und nam denne von der gemainde zwêne boͤche und ainen wider ze ainem opher
PrSchw
2,118.
2,114
u.ö.
MWB 3,1 107,48; Bearbeiter: Diehl
kalben
swV.
‘ ein Kalb werfen, kalben’, hier evtl. übertr. ‘sich wie ein Kalb
benehmen, herumalbern’ (vgl. mit jüngeren Belegen FWB 8,486 und 8,488 s.v.
kälbern):
wyͤ, mir ist leyde und czoren, / ich han myn knecht [auf dem
Weg] vorloren / [...] / und ich furchte
er lege [liege] kalben OsterSpI
617
MWB 3,1 107,53; Bearbeiter: Diehl
kalbskrœse
stN.
‘Kalbsdarm’
die feitzten kalbeskroͤse / / gesoten und geroͤstet KgvOdenw
1,179
MWB 3,1 107,60; Bearbeiter: Diehl
kalbslebere
swF.
‘Kalbsleber’
wilt du einen guͦten fladen machen von kalbslebern, so nim
kalbslebern vnd hacke die clein BvgSp
90
u.ö.
MWB 3,1 107,62; Bearbeiter: Diehl
kalbsvuoʒ
stM.
1
‘Kalbsfuß’
2 als Pflanzenname (Aronstab; vgl. AWB 5,9 und Marzell 1,449f.)
1
‘Kalbsfuß’
[sie] spalden den kalbes vuz HeslApk
8445
2
als Pflanzenname (Aronstab; vgl. AWB 5,9 und Marzell 1,449f.):
iliaros pes vituli: cabeswz [l. calbes-
]
Gl
3:542,33
(BStK947)
MWB 3,1 108,1; Bearbeiter: Diehl
kalc
stM.
‘Kalk’
dô wart vermûret daz tor / mit kalke und mit steinen / grôzen unde kleinen, /
die veste wâren unde hart En
8413;
mit dem kalke man in bant [verputzte den
Saal] , / so man in schonest fant, / rechte wiz als der sne
Herb
1825;
ouch was daz gemiwer / von guotes kalkes stiwer / sô vaste
verwallen Ottok
59872;
do man icht zymern wold / oder mawren sold, / holcz slahen
oder kalich prennen HvBurg
5701;
[es gibt an Zoll] der wagen mit ziegel oder mit mvrsteinen
oder mit kalcke, [...], einen phenninch UrkCorp
(WMU)
548ABC,15,16,38.
– oft im Hinblick auf die Eigenschaften des ungelöschten Kalks:
der ungenetzte kalch lebet vnde ist heiz an dem uierden
gradu. vnde trucken SalArz
92,6.
28,21;
OvBaierl
76,1;
Macer
35,23;
lebentiger kalk, daz ist newer kalk, hât verporgenz fewer
BdN
443,21.
443,24;
die wile trucken ist der kalc, / sin viur, daz ist verspart, / und wirt er
naz, gar manigvalt / vor hitze er brinnet uf der vart Frl
9:7,13;
sumelîche gotes scalche, / mit wallundem kalche / marterte
man in die lîchnâmen Kchr
6398;
als ob ein kalc dâ wære enbrant, / alsô was ob im rouches
vil KvWTroj
35932;
Ottok
4492.
– phras. (?):
so ist der kalc und trunkenheit / vil wol von einer art [im
Hinblick auf die eruptive Reaktion nach dem Zufügen von
Flüssigkeit]
Frl
9:7,17;
si solten geben, ê dem lobe der kalc würde abe getragen [bevor
der Lack (hier ‘Kalktünche, Schminke’) ab ist (vgl. Wilmanns, Walth.
Anm.z.St.)]
Walth
28,30;
ist er kayl und ane har, / man sprichet, er sii ein glazzer schalk / und trage
in sinen huͦte kalk MinneR 52
66.
– als Bestandteil von Personennamen:
Friederich im Chalch UrkCorp (WMU)
N671,2
MWB 3,1 108,6; Bearbeiter: Diehl |