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ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
      kettelinc stM.
      ketzer stM.
      ketzergeloube swM.
      ketzerheit stF.
      ketzeric Adj.
      ketzerîe stF.
      ketzerige stF.
      ketzerinne stF.
      ketzerisch Adj.
      ketzerkint stN.
      ketzerlich Adj.
      ketzermeister stM.
      ketzerpriester stM.
      ketzervuore stF.
      ketzerwîse stF.
      ketzerwolf stM.
      ketzîn Adj.
      ceucocrota Subst.
      kevene stF.
      këvere swM.
      këverlîn stN.
      kevje stF.
      keye (?) Subst.
      keʒʒel stM.
      keʒʒelære stM.
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kettelinc - keʒʒelære    


kettelinc stM. eine Fischart (vgl. einen weiteren Beleg FWB 8,832): der hof ze Agren [...] giltet jerglich ze vogtrecht [...] 400 roten [Fischart mit roten Kennzeichen] , die mit enander wert sin suln 2 phunt und 8 schillinge, 400 kettelinge, die alle mit enandern 5 phunt wert sin suln, und 16 ele [Aale] , der jeglicher 6 phenning wert sin sol UrbHabsb 1:152,9

MWB 3,1 230,35; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzer stM. jmd., der Glaubensgrundsätze vertritt, die von der (durch die röm.-kath. Kirche vertretenen) Auslegung der christlichen Heilsbotschaft abweichen, ‘Ketzer’ (vgl. LexMA 4,1933-37 s.v. Häresie): chetzer, iuden und heiden / dunchent uns die got leiden, / wand si des glouben niht enhant. / swie groze sunde si begant, / so sint ir sunde doch ein wint / wider die verlorn christen sint StrKD 112,1; HvNstGZ 6528. – in Rechtstexten (vgl. differenzierter mit weiteren Belegen DRW 7,795-797): ketzer haizzent die laͤut, die an dem gelauben mit willen irrent, oder einen valschen wan habent von dem gelauben, vnd dem fraͤveleichen volgent, vnd sich niht wellent lazzen weisen RechtssA K18,1; auch ist der ein ketzer, der die heiligen geschrift anders verstet vnd si bedaͤuttet, dann si die heiligen lerer auzlegent ebd. K18,9 u.ö.; unde ist, daz ein chetzer wirt gevangen umbe ungelauben unde wirt den phaffen geantwurtet, wirt der bewaert, den sol man dem vogte antwurten mit libe unde mit gute, unde sol der uber in rihten mit der hurt [Scheiterhaufen] , unde swaz gutes bi im begriffen wirt daz ist des vogtes StRAugsb 106,32 (Verbrennen von Ketzern auch: Elis 4004; WälGa 12685; Mai 165,27; Ottok 45501. 86037 ); Ausschluss von gerichtlichen Funktionen: er [der Richter] sol auch niht jude sîn noch ketzer noch heiden; er sol ein êkint sîn; er sol auch niht lam sîn an handen noch an füezen SpdtL 148,6; chint, div nit ze ir tagen komen sint [...], verbannen livte vnd verehte livte vnd chezzer vnd maineide livte, die des vor gerihte vber zivget sint, die mvgen alle nit gezivc sin SchwSp 10b. – pseudoetymol. Herleitung der Bezeichnung von ‘Katze’ (Symbol der Falschheit und des Verrats): er hiez in einen ketzer. daz tet er dar umbe, daz er sich gar wol heimelîchen gemachen kan, swâ man in niht wol erkennet, als ouch diu katze PrBerth 1:402,21. 1:403,6. – Ketzer sind gefährlich, weil nur Gelehrte sie erkennen können: nû wachet, edele cristen, wachet, / daz uns der leiden ketzer rât / iht scheide von der trinitât RvZw 88,10; nút underwindent úch zuͦ hoher wisheit, [...], und lant die hohen pfaffen darnoch studieren und disputieren, [...] umb der heiligen kirchen willen, obe sú in not keme mit ketzern; aber daz si úch verbotten Tauler 115,5; Märt 4942; SchlierbAT (LS) 1,78; Brun 11652. – im Vergleich: wer ouch were der sich [in Indien] nicht wusche, der wurde gehaldin sam eyn keczer MarcoPolo 62,12

MWB 3,1 230,43; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzergeloube swM. nicht mit der kirchl. Lehre übereinstimmender christl. Glaube, ‘Irrglaube, Häresie, Ketzerei’ (vgl. ketzer ): unde dâ stêt [...]gar wol in dem sermone [...] wie man ûf den rehten gelouben reden sol unde wie der ketzergeloube schînet als ein fûlez holz PrBerth 1:250,22

MWB 3,1 231,29; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerheit stF. ‘Ketzerei, (von der kirchl. Lehre abweichende) Irrlehre, Häresie’ Lambarten glüet in ketzerheit, war umbe leschestû [Papst] des niht, / sint daz man der dîner schâf sô vil in ketzervuore siht? WernhSpr (Z) 35,4; sus wart kristen gloube / gehœhet und geêret, / und die sich heten verkêret / mit irresamer ketzerheit, / die burgen sich und was in leit LvRegFr 2602; Märt 482

MWB 3,1 231,35; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzeric Adj. ketzerige stF.

MWB 3,1 231,43;

ketzerîe stF. von der kirchl. Lehre abweichender christl. Glaube ‘Ketzerei, Irrglaube, Häresie’ (vgl. LexMA 4,1933-1937 s.v. Häresie; LThK 5,1415f. s.v. Ketzerbewegungen): ez wuchs ein ketzerie an in, / ein ungeloube unbehende Vät 38384; daz andere sint grôze meistere di di schrift al zu nâhe dûten [...]. aber ungelêrte pfaffen di nemen si zu wîte und zu grop. dar umme ist komen ûz disen zwên alle kezerie und ungloube HvFritzlHl 1:33,39; ez gêt niht weges zem himelrîche ûz der heidenschaft noch ûz der jüden ê, noch ûz der ketzerîe PrBerth 1:357,8; der [ manger slahte sünden ] ich ein teil wil künden. / hôchvart, gîtekeit, / unkiusch und vrâzheit, / zouber unde ketzerî BuchdRügen 183; zu hoher predegunge / was er [Konrad von Marburg, einer der ersten Inquisitoren] al zu wol bereit, / ein minner guder cristenheit, / ein echter [Verfolger] ketzerie / mit strenger jagerie Elis 3975. – in Rechtstexten (vgl. differenzierter und mit weiteren Belegen DRW 7,797f.): uber swen umbe die ketzerie gerihtet wirt den sol man brennen StRAugsb 108,27; swer von der ketzerie komen wil, den sol man enphahen; ez sol der bischof sinen eit offenlich nemen, also daz er von der ketzerie kere SchwSp 137a

MWB 3,1 231,44; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerige stF. ‘Ketzerei, Häresie’ dis nemment tumbe affehte lúte fleischlichen und sprechent, sú súllent gewandelt werden in goͤtteliche nature, und das ist zuͦmole boͤse valsche ketzerige Tauler 121,28; [Gott] erhorte dez keisers bet / vber die ketzerige groz / ir anevanc er gar besloz / ir mittel und och ir ende Martina 287,57. – zur Bezeichnung von abweichendem und von der Kirche nicht geduldetem Sexualverhalten (vgl. auch FWB 8,839. 842; Anm.z.St.: ‘Sodomie’); wohl oft Homosexualität: vmb ein kezzerige vnd vmb allez das, daz dem man den lîp genemen mag, da sol ein herre einen vmb vahen vnd einem lantgericht antwrten WeistAarg 21 (a. 1348)

MWB 3,1 232,5; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerinne stF. ‘Ketzerin’ (vgl. ketzer ): ketzer oder ketzrinn, wenn sich die wellnt bechern, so sol er dem pischolf oder dem ketzermaister verswern allen irrtum RechtssA K22,4. – übertr. ‘Vertreterin gefährlicher und verderblicher Lehren’ thuet solhes nit [veranlassen, dass der König Inzest mit seiner Tochter treibt] , das ist mein ratt: / (psäch, Mynne, ir sult euch sere schamen) / ir verlieset anders ewren namen. / ir sult nicht, fraw Mynne, / werden ein ketzerynne HvNstAp 163

MWB 3,1 232,19; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerisch Adj. einer christl. Irrlehre zugehörig, ‘ketzerisch, häretisch’ (vgl. ketzer , ketzerîe ): si jên er [Christus] het ein lîchnam rein / von edler himelischen art, / [...] / mit der rede si nicht bestên, / wan si ist valsch und unrecht / und ein ketzerisch gebrecht. / swaz dô mechte bewêren / di wârheit an unserm hêren / natûrlicher menscheit / daz was allez an in geleit JvFrst 3730

MWB 3,1 232,29; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerkint stN. ‘Kind eines Ketzers’ (vgl. ketzer ): des êrsten sint alliu diu kint, diu âne touf ersterbent, jüdenkint unde heidenkint unde ketzerkint, diu dannoch umbe den gelouben niht wizzent und alsô sterbent ê daz sie den ungelouben begrîfent an dem herzen, und aller kristenliute kint, diu âne den heiligen touf ersterbent: diu varnt alle an eine stat, diu heizet Limbus und ist vor der helle PrBerth 1:126,24

MWB 3,1 232,37; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerlich Adj. , -lîchen Adv. 1 einer christl. Irrlehre zugehörig oder ihr anhängend, ‘ketzerisch, häretisch’ (vgl. ketzer , ketzerîe )
2 zur Bezeichnung von abweichendem und von der Kirche nicht geduldetem Sexualverhalten (vgl. auch FWB 8,839. 842), hier in Bezug auf eine inzestuöse Beziehung
   1 einer christl. Irrlehre zugehörig oder ihr anhängend, ‘ketzerisch, häretisch’ (vgl. ketzer , ketzerîe ): si sprachen [vor Gericht] , er macheti buͤcher. an den stuͤndi falschú lere, mit der alles lant wurdi verunreinet mit kezerlichem unflat Seuse 68,23; wilt du die werk gemeine / elleu lazen under wegen, / der die geloubigen sullen pflegen, / daz ist ein chetzerlicher mut StrKD 4,503. 4,482; die ketzer sieht man weinen, / die bosen und die unreinen, / die valschen muͦnsere [Münzer] , / dez glauben velschere. / in die cristenheit sie haben / ir valsch ysen [um falsch zu prägen] gegraben, / da sie valsch slahent mite / und rat nach ketzerlichem site. / do von werdent sie geschant, / beide hie und dort gebrant HvNstGZ 6535. – adv.: ir sult wizzen sicherlîchen / daz der lebet ketzerlîchen / der dâ wert mit widerstrît / sîne bôsheit zaller zît / und den allez daz dunket guot / daz er aller gernest tuot WälGa 11294; Helbl 2,1259    2 zur Bezeichnung von abweichendem und von der Kirche nicht geduldetem Sexualverhalten (vgl. auch FWB 8,839. 842), hier in Bezug auf eine inzestuöse Beziehung: daz in der fleischlîch vater sîn / mit sô heidenischen schîn / hêt bî der tohter sîn zwâr, / daz was ketzerlîchen gar EnikWchr 21880

MWB 3,1 232,46; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzermeister stM. ‘Inquisitor’ chaͤm dann der chetzer maister, dem enpfolichen waͤr von dem pabst, oder von dem pischolf, daz er solt suͦchen vngelaubig laͤut RechtssA K18,31; ketzer oder ketzrinn, wenn sich die wellnt bechern, so sol er dem pischolf oder dem ketzermaister verswern allen irrtum, vnd daz er den gelauben staͤt well halten ebd. K22,6

MWB 3,1 233,8; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerpriester stM. ein Geistlicher, der selber Ketzer ist: von checzer priesteren [Überschrift] . auch ain bischolf oder ain pfaff, der ain checzer ist haymleich oder offenbar, wär [erg.: er ] vber wunden mit vrtailen [...], der solt nit die sacrament handelen vnd geben RechtssB K22,18

MWB 3,1 233,16; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzervuore stF. ‘ketzerische Lebensweise, ketzerisches Treiben’ Lambarten glüet in ketzerheit, war umbe leschestû [Papst] des niht, / sint daz man der dîner schâf sô vil in ketzervuore siht? WernhSpr (Z) 35,5

MWB 3,1 233,22; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerwîse stF. ‘ketzerische Lebensweise, ketzerisches Treiben’ zem ersten begonde er [der hl. Ulrich] vragen / den pristern sêre lagen / ob sie mit rehter lere / stuͦnden ze des livͦtes kere / [...] / darnach muͦsen die leien / an den selben reien. / [...] / do er daz gemachete allez sleht / symonîe vnd alle ketzer wise / virbot der witzige grise Albert 758. – übergehend zu ‘unrechte Sache’ san eine vͦrteil man ime vant / daz er vͦf dem evangelio swuͦre / daz er nie irfuͦre / daz ketzer wise weͣre daz dinch / daz er daz bistuͦm so entphiench Albert 1238

MWB 3,1 233,27; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzerwolf stM. Wolf, der in dieser Fabelauslegung als Ketzer gedeutet wird: er [der Hütehund, hier als geistl. Lehrer gedeutet] wachet dur den hêrren sîn. / ist er getriuw, daz wirt wol schîn, / üb er der schâfen hüetet wol / vor ketzerwolfen, als er sol Boner 93,48 (zur Bezeichnung von Ketzern als Wölfe s.a. WernhSpr (Z) 35,2f. )

MWB 3,1 233,39; Bearbeiterin: Baumgarte

ketzîn Adj. ‘von der Katze’ (aus einem Glossar zu Materialbez. von Leder und Pelzen): catinum: chezzin Gl 3:626,52 (BStK926)

MWB 3,1 233,46; Bearbeiterin: Baumgarte

ceucocrota Subst. crocota

MWB 3,1 233,49;

kevene stF. hier kevina. ‘Käfig’ (vgl. kevie ; vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 5,442f.): cavea: kebia, kevina SummHeinr 1:346,464

MWB 3,1 233,50; Bearbeiterin: Baumgarte

këvere swM. , këver stM. 1 ‘Insekt, Käfer’
2 Blütenstand am Baum, ‘Kätzchen’ hier der Espe (unklar, ob hierher, weil sie einer Raupe ähneln, oder als Frucht zu kefe ‘Erbse, Linse, Schote’ )
   1 ‘Insekt, Käfer’ scharlabeus [d.i. scarabeus ] : khepher SummHeinr 2:481,379.1; brucus [d.i. bruchus ] : kever ebd. 2:66,277 u.ö.; dô tet er [Gott] in den dritten slac / [...] / dô ir korn wart gesæt / und man daz sneit unde mæt, / dô kômen der kevern [Heuschrecken] alsô vil, / [...] / mit sô ungefüeger schar, / [...] / daz ez daz korn allez az EnikWchr 7757; die kevern fliegent unverdâht, / des vellet maneger in ein bâht [Unrat, Mist] . / der kever sich selbe triuget, / swenn er ze hôhe fliuget Freid 146,9. 73,17; Renner 16315; Bîspel (G) 38,1. – als Bestandteil eines Personennamens: so han wir inen ze búrgen gegeben [...] Heinrich den Keuer, Peter de vischer UrkCorp (WMU) 1651AB,19,17    2 Blütenstand am Baum, ‘Kätzchen’ hier der Espe (unklar, ob hierher, weil sie einer Raupe ähneln, oder als Frucht zu kefe ‘Erbse, Linse, Schote’): nim [gegen Kopfschmerz] di keveren di da wachsen an den aspen. vnde stoz di mit aldeme smere in einem morsere SalArz 31,13

MWB 3,1 233,53; Bearbeiterin: Baumgarte

këverlîn stN. Dimin. zu këvere ‘kleines Insekt, Würmchen, Käferlein’ er giht, als dich [König] der tôt bestê / und als diu erd über dich gê, / sô sî ein kleinez keverlîn / sterker dan dû mügest gesîn EnikWchr 19207

MWB 3,1 234,10; Bearbeiterin: Baumgarte

kevje, kefige stF. auch kebje, kevi; aus mlat. cavia, gabia (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 5,440-42; AWB 5,66; SchweizId 3,162-64); stN. oder Apokope: in ein kevi Seuse 251,13 ). ‘Vogelkäfig’ cavea: kebia, kevina ubi aves includuntur SummHeinr 1:346,464; dâ vil der kleinen hundel bal / und vogel in kevjen sungen Virg 138,10; die fogel in kefigen sungen WolfdD 1374,4; daz hertze ist ainer hande kevi, in der singen sont vier voͤgellú, der stim únser herre gern erhoͤret PrGeorg 22,27; Seuse 297,4. 251,13

MWB 3,1 234,15; Bearbeiterin: Baumgarte

keye (?) Subst. Bed. unklar; lt. Glossar viell. ‘Keule, Wurfspieß’ (vgl. weitere Ansätze F. Bechs in Germ 22 (1877), S. 49f.): ir tôten, die sie hâten, / die branten sie mit irme zûge, / vur wâr ich nicht enlûge: / spere, schilde, brunje, pfert, / helme, keyen und swert / brante man durch ir willen, / dar mite solden sie stillen / den tûvel in jener werlde dort LivlChr 3886

MWB 3,1 234,25; Bearbeiterin: Baumgarte

keʒʒel stM. auch alem. keʒʒî stN. ( VocOpt 10.010 ), s.a. SchweizId 3,516, 518. ‘Kessel, Topf, tiefes Metallgefäß’ 1 zum Erhitzen von Flüssigkeiten und zum Kochen und Braten von Speisen
2 zum Vollzug von Strafen und Gottesurteilen (vgl. auch DRW 7,782-84 und 7,784f. s.v. Kesselfang)
3 in Vergleichen und Redewendungen
3.1 wer einen (alten) Kessel berührt, wird rußig (weitere Beisp. DWB 5, 620f., TPMA 4,286f.)
3.2 mit Anspielung auf den Lärm des Kesselschmiedens
   1 zum Erhitzen von Flüssigkeiten und zum Kochen und Braten von Speisen: caldarius, lebes, cacabus: chezzil Gl 3:677,42 (BStK287); [...] chezzel unde phande, erin haefen unde swaz von ere oder von kupher oder von ysen oder von blie oder von zin gemaht ist, daz ist allez erbegut StRAugsb 151,12; UrkCorp (WMU) 371,15; snyt di kirsin [Kirschen] ane wassir alleyne in eyme kessile odir in eyme toppe, vnd laz si sydin Pelzb 133,14; Rûmolt der kuchenmeister, wie wol er rihte sît / die sînen undertânen, vil manigen kezzel wît, / häven unde pfannen NibB 777,2; Ottok 35074; Iw 3277; er bat in lange sniten bæn [leicht rösten] / und inme kezzel umbe dræn Parz 420,30; legez [das Ferkel] sanfte in einen kezzel, laz ez erwallen, daz die hut iht zvͦ breche BvgSp 8; Wh 285,28; GTroj 8055; EnikWchr 9179. – vereinzelt auch allgem. ‘Gefäß’ den [Schwefel] macht diu kunst in kupfereinen oder in erdeinen kezzeln und behelt man in dreu jâr. dar nâch verkêrt er sich in weizen aschen von seiner aigenen hitz BdN 481,1; übertr.: Moab chezzel trostes mines [interl. zu: Moab lebes spei mee ] PsM 107,10    2 zum Vollzug von Strafen und Gottesurteilen (vgl. auch DRW 7,782-84 und 7,784f. s.v. Kesselfang): man sol in dri wal [drei Wahlmöglichkeiten] fvr teilen: die wazzer vrteil. vnd daz heiz isen zetragen vf der hant. oder in einen wallenden kezzel mit wazzer zegrifen vnz an den ellebogen SchwSp 24b. 26a; SchwSp (W) 165,11. – im Fegefeuer: als si [die Teufel] si brahten uf das lant, so zugen si inen bitterliche die hut abe und wurfent si in einen siedenden kessel alzehant; darin stiessen si si mit fúrigen gablen Mechth 5: 14,10    3 in Vergleichen und Redewendungen: daz [Land] ist so verbrant von der sunnen, daz ez wallit als ein kessil Lucid 36,3    3.1 wer einen (alten) Kessel berührt, wird rußig (weitere Beisp. DWB 5, 620f., TPMA 4,286f.): swer den alden kezzel rûret, vêhet râm zehant RosengP 833; wan alse daz unmugeliche ist, daz ain mentsche dike gange unde sich ribe an ainen ramigin keszil und er doch niht werde entraint, also ist unmugeliche, daz ieman der welt hainliche sie, daz er uon ir niht entraint werde PrGeorg (Sch) 6,20    3.2 mit Anspielung auf den Lärm des Kesselschmiedens: dâ wart ein sulch getemere / beidiu von zimmer und von ruof, / von rossen und von liuten hal ein sulcher wuof, / sam tûsent smide ûf kezzel slüegen hemere Loheng 1740

MWB 3,1 234,33; Bearbeiterin: Baumgarte

keʒʒelære stM. ‘Kaltschmied, Kesselflicker’, der niedergelassen oder meist fahrend Geräte aus Kupfer, Messing oder Eisen herstellt, verkauft und repariert (DRW 7,788f. mit Lit.; Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., 276; vgl. kaltsmit ): retentis nobis dumtaxat caldariatoribus, qui kesseler vulgariter appellantur DRW 7,788 (Hornschuch, Keßler; a. 1294); wir F., [...] burggraffe ze Nürnberg, verjehen [...] an dießem brieff, daz wir [...] die chaldschmied und die chezzler in unßer gnade und schirme genommen haben ebd. 7,788 (ebd.; a. 1327); [...] kezlær und die dâ glocken giezen Ottok 65683; mit wer si sô rungen / daz schilde, helme klungen / als glocken, kezzelære / zesamen lâzen wære Georg 5047. – als Bestandteil von Personennamen: Walther der mulner, Heinrichs tochterman dez kesselers UrkCorp (WMU) 813,33 u.ö.

MWB 3,1 235,20; Bearbeiterin: Baumgarte