Krûtnowe?
stF.
ein Flurname bei Kembs im Elsass (zur Deutung s. F. Bech, Alemannia 4 [1877],
S. 195-197):
in dem dorf ze Kems die darkomen luͥte und die in der
Kruͥtnoͧwe sint gesessen, gent [=
gebent
] ze sture bi dem meisten 35 #(schilling), zem
minsten 1 #(pfund), 5 #(schilling) UrbHabsb
1:8,22;
duͥ herschaft hat oͧch die Kruͥtenowa, die voͤrste und
ellu duͥ holtzer, duͥ da ligent zwischent Basel und Roggenhusen ebd.
1:25,17
MWB 3,2 658,27; Bearbeiter: Tao
krût|tisch
stM.
‘Gemüsestand’
daz nieman dekeinen crutdisch setzen sol an den market an des gerteners willen
UrkCorp (WMU)
29,16
MWB 3,2 658,36; Bearbeiter: Tao
krûtvaʒ
stN.
‘Fass zum Einmachen von Sauerkraut’
wa [sind] krautvass, scharbret?
Hausgeschirr
41
MWB 3,2 658,39; Bearbeiter: Tao
krûtwurm
stM.
‘Raupe’, die krût oder Baumblätter frisst:
von dem krautwurm. eruca haizt ain krautwurm. daz ist ain
langer wurm und hât gar vil füez und mangerlai varb. der wurm frizt daz kraut ab und
diu pleter ab den paumen BdN
301,2;
cantarides haizent paumwürm, die zuo obrist auf den esten
wahsent an slintpäumeinen paumen oder an andern paumen auz fäuhten. auf den pletern
wahsent die würm reht sam die krautwürm auf dem kraut, aber si gewinnent volkumen
flügel und vliegent des tages ebd.
299,31
MWB 3,2 658,42; Bearbeiter: Tao
krûtzëhende
swM.
in Gemüse zu entrichtender Zins:
vnd chravtzehent wol ein halbes pfvnt geltes UrkCorp (WMU)
3283,1
MWB 3,2 658,53; Bearbeiter: Tao
crûzifigen
swV.
aus lat. crucifigare.
‘ans Kreuz schlagen, kreuzigen’
‘herre, crucifige!’ / sprachen sie [zu
Pilatus] , ‘du salt in lan / uf ein cruce balde erhan.’
Pass I/II (HSW)
5896.
5906.
6152
MWB 3,2 658,56; Bearbeiter: Tao
crûzifix, crûzifixus
stN.
auch
crucifixum Tauler
251,32
(Akk.Sg.).
– entlehnt aus mlat. crucifixum, crucifixus (MlatWB
2,2019).
–
‘Kruzifix’, (plastische) Darstellung des ans Kreuz genagelten
Christus:
er [der Spiegel] hatte einsit behalden / niewan ein
einfeldec glas, / uf die ander sit gemachet was / eines crucifixes bilde
Elis
1345.
1451.
1904;
bi der stat nahe was ein húlzin bilde, ein
crucifixus, daz waz mit einem húslin umbmachet Seuse
66,4;
in dem [Kloster] waz ein steinin
bilde, ein crucifixus, und daz was [...] ein ebenlengi der
masse, als Cristus was ebd.
67,8;
do gie er [...] uss der cell uf die
cancell under daz crucifixus und knúwet nider ebd.
16,16.
197,1.
196,3.
379,16
u.ö.;
das er in ein kilche gange und das crucifixum ansehe, do es
an der want gemolet ist Tauler
251,32;
AdelhLangm
4,10.
43,17;
EbnerChrist
12,27;
EbnerMarg
47,25.
88,19.
110,26
MWB 3,2 658,60; Bearbeiter: Tao
crûzifixe, crucifixus
Adj.
mlat. crucifixus (MlatWB 2,2038).
‘ans Kreuz geschlagen’, subst., ‘Gekreuzigter’
[Gott Vater,] dînen sun den crûcifixen / heiz uns leiten ûz
dem bade / der vertânen wazzernixen, / daz uns ir gedœne iht schade
KvWLd
1,129;
vil bild in richem werde ergozzen, ergraben, erhowen, /
[...] crucifixus unde unser vrowen JTit
345,2;
min bruoder [...] braht mir ainen ganczen menschlichen
lip, der was in ain wissez tuoch gewunden. do ich ez uf tet, do was ez ain menschlicher
lip aines crucifixus, und daz enphieng ich, ez wer der hailig fronlichnam unsers herren
EbnerMarg
110,26.
– als Ruf des Hahns:
[der Hahn] ruͦfet ‘crucifixus’: / daz
Jesus an der hafte hienc des todes ric sus Rumelant (K)
4:21,9
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 3,2 659,14; Bearbeiter: Tao
crysolecter
stM.
→
crisolecter
MWB 3,2 659,30;
kubêbe
swF.
auch kobebe
OvBaierl
80,11.
80,15;
zu mlat. cubeba, afrz. cubebe (MLatWB 2,2058, Suolahti 1,136
und EWA 5,846f.).
–
‘Kubebenpfeffer’ (Piper cubeba L., vgl. Marzell 3,793):
nim rosen zehen scrupulos, cubeben siben scrupulos, cardemome
sechse, holz aloe ein unze, uon den allin mache ein puluer SalArz
42,48.
47,19.
48,15;
man sal eme ok warme ding alz peper vnde yngeber vnde galgan
vnde kubeben in dy spyse gebyn OvBaierl
88,20.
80,11.
80,15.
110,13;
von den kubeben [Überschrift]
BdN
366,10;
wizz auch, daz die velscher die cubeben oft velschent mit
den kranwitpern, wan si sint geleich enander ebd.
326,31;
JTit
4821,4;
Freudenl
229;
PrBerth
1:506,34;
Martina
64,37;
Erlös
6138;
MarcoPolo
53,19;
Glossenbelege des 13. und 14. Jh.s s. AWB 5,451
MWB 3,2 659,31; Bearbeiter: Tao
kubêbenkorn
stN.
einzelne Frucht des Kubebenpfeffers:
soͤ ist daz eyn kobenie koren [l. kobebenkoren,
vgl. Hartl, Textkritisches, ZfdA 74
(1937), S. 221] , / wellich
mayt er [ihr] maytum hat vorloren, / und
verschlunder [l. verschlunde
] nuͤne alle
morgen, / helfe er got, soͤ [sie] mochte an dem ersten
erworgen OsterSpI
718
MWB 3,2 659,47; Bearbeiter: Tao
kubêblîn
stN.
Dimin. zu
kubêbe
(Rosenqvist 2,333).
‘Kubebenpfeffer’
cubebe: cubebli, gubebli VocOpt
49.037
MWB 3,2 659,54; Bearbeiter: Tao
kübel
stM.
auch entrundet kibel.
– ahd. kubilo swM. (AWB 5,451f.); zu mlat.
cūpellus m. ‘kleine Kufe’ (EWA 5,848ff.).
–
‘Kübel’
ein chra die dvrste vbele. / do vlovch si ze einem chvbele. / da vant si wazer
innen FabelCorp
25,2;
dannocht hot er [wer arm heiratet] weder
scheffer [Pl. von schaf
] noch kibell
Hausgeschirr
21;
KgvOdenw
13,17;
von bluote wart diu erde rôt, / daz man vergôz in kübels wîs
KvWPart
16177;
daz man fieren ie ze samen / hirsz in ainen kübel
richt [anrichtete]
Bauernh
149;
situla: cubil Gl
3,327,57
(BStK 556; 14. Jh.).
– als Maß:
man sol merchen daz maz, daz obengeschriben ist, daz da chvͤbel
haizzent, der machent ie sehs chvͤbel einen hofmvtte UrbBayS
4,50.
4,48.
4,49;
ein chubel chorns UrkEnns
4,391
(a. 1301);
s.a. DRW 8,18 mit 2 weiteren Belegen.
– als Bestandteil eines Personennamens (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
529):
Ruͦdolf Kv̓bel UrkCorp
3018,27
MWB 3,2 659,57; Bearbeiter: Tao
kübeler
stM.
‘Bötticher, Küfer’ (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 522f.), nur als
Personenname belegt :
einen acher ze Wiedinkon, den da búweta der alte kv̓bler
UrkCorp (WMU)
3092,27;
fro Margaretha Chuͦnrates seligen wip des kubelers in der Brunnegassen
UrkCorp
2393,8.
2416,22.
3486,38.
3487,24;
ein brediger hiez der Kübeler SprMyst (Pf)
229a,35
MWB 3,2 660,12; Bearbeiter: Tao
kübelîn
stN.
Dimin. zu
kübel
.
‘kleiner Kübel’
vas quod dicitur chubli DRW
8,19
(SteirLArch.; a. 1185)
MWB 3,2 660,20; Bearbeiter: Tao
kûch
stM.
vgl. →
kûchen swV. und DWB 5,305f.
–
‘das Hauchen, Keuchen’, bildl.:
die singer künste [Gen.] rûch. / niht
wan ein snabelsnappen / zeigt mir ir storchen kûch KLD: Kzl
1: 5,16
(vgl.
[Der Storch habe ] kain stimm
[...] denne daz er cläpper mit dem snabel
BdN
175,8
)
MWB 3,2 660,23; Bearbeiter: Tao
kuchel
stF. oder stN.
Nebenform zu →
küchen
(vgl. DWB 5,2493f.);
oder ist eine alte Diminutivbildung küchel stN. anzusetzen (vgl. EWA
5,854)?
–
‘Küche’
popina vel culina: chvchil, chuchin Gl
3:630,2
MWB 3,2 660,29; Bearbeiter: Tao
küchel
stN.
→
kiuchel
MWB 3,2 660,33;
kuchelen
swV.
‘keimen’
dô îczunt der ketzere sâmen kuͦcheldin EvBeh
5
(vgl. Glossar z.St.: pullulare)
MWB 3,2 660,34; Bearbeiter: Tao
kuchelîn, kuchel
stN.
‘Küken, das Junge eines Vogels’
di henne, / [...] di ir kuchelin kan
bewarn / vor den wien und den arn Brun
3782;
alsam andere vogelin, / di ire eyger wol bewachen / und ire
cuchelin besachen Hiob
14490;
die vogel tragen [übertragen, schenken] uf ir
kuchel dan / mit fröiden leben [Akk.-Obj.]
Wartb (H)
563:7,13.
– hierher oder zu →
kiuchel
, küchel stN.:
der [Hahn] get vil der hennin an / und let die
kuchil rennin / alleine mit der hennin PfzdHech
188,28
MWB 3,2 660,37; Bearbeiter: Tao
kuchelmeister
stM.
→
kuchenmeister
MWB 3,2 660,47;
kuchelstiure
st.F.
→
kuchenstiure
MWB 3,2 660,48;
kuchen, kiuchen
stN.
Ansatz unsicher.
‘Küken, das Junge eines Vogels’, nur Pl. belegt:
wî dicke wolde ich samenen dîne sune alse ein henne sament ire
kuͦchin [
pullos suos
] undir ire
vetiche EvBeh
Mt 23,37;
Marîâ brâchte ouch ir opfer: zwei turteltûben und zwei kuchin
[vgl. duos pullos columbarum Lc 2,24]
HvFritzlHl
81,5;
‘schui, wie [= wîe
‘Weihe’
] , schui!’ sus rufen die kint, ‘verderbe
uns nicht die kiuchen.’ Frl
5:35,12
MWB 3,2 660,49; Bearbeiter: Tao
küchen, kuchen,
küche, kuche,
kuchîn
stF. , kuchene
swstF.
kuchein:
BdN
196,28.
197,3.
197,19;
NüP
185;
kuchene (kuchine), swF.:
SAlex
4044;
BrHoh
35.
53;
BrEb
35;
stF.:
BrHoh
46;
Mechth
6: 1,41.
– aus vulgärlat. cocīna (EWA 5, 855f.).
–
‘Küche’
von den wocchinarin der kuchi [
de
septimanariis coquinae
]
BrZw
35.
46;
ze sîner cuchenen man ouh gab, /
[...] zehen sumersâzen / veiz unde grôzen, / und dar zô
drîzich rinder / mêrre unde minder, / und dar zô hundrit wedere SAlex
4044;
hey waz man des zer kuchen des küneges
ingesinde [Dat.] truoc! NibB
943,4.
965,2.
959,1;
dane was gesoten noch gebrâten, / unt ir küchen unberâten
Parz
486,12;
so gruͤsset er si [Gott die
Seele] mit der hovesprache, die man in dirre kuchin nút
vernimet Mechth
1: 2,10;
das ich wider krieche als ein gesclagen hunt in die
kúchin ebd.
5: 33,11;
do ist hochgezit, do
rúchet [duftet] die kuchin so wol der edelen
guͦten spise die do wurt angerichtet Tauler
98,16;
der schultheizen butil sol die kuchen berihte mit heuen, mit pfeffere
vn̄ mit salze UrkCorp (WMU)
29,14.
3575,26.
126,6.
1912,45;
WüP
50,5.
85,11;
Macer
Gewürzvorr. 3;
Er
3088;
Wh
188,8.
188,16.
198,21
u.ö.;
Wig
8863;
Tannh
14,50;
Krone
9851;
RvZw
198,6;
EnikWchr
12963.
13050.
28569;
EnikFb
2503.
1426;
HvNstAp
18018;
PrBerth
1:403,5;
Pass III
32,79;
PrGeorg
339,19;
HvBurg
5584;
Köditz
20,6.
– humoristisch:
ich [Trevrizent] mac uns selben
niht gespîsen, / esne welle uns got bewîsen. / mîn küche riuchet selten
Parz
485,7;
Kudr
99,4;
des herren küche [...] / ein vil lützel riuhet, / der
koch ab wec fliuhet Helbl
15,384;
die Unger selten erblent / von ir kuchen der rouch: / ein
wagen voller knobelouch, / dâ hât lenger zezzen an / von Ungern kunic Wêlân / denn
ir an tûsent bachen Ottok
6932.
–
des tiufels ~
, umschreibend für die Hölle:
Sobna der schreiber wirt über gefüert als ain cappân. eiâ, wâ
hin? treun, an kain ander stat danne in des teufels kuchein BdN
197,3;
dar umb sint si [die pflichtvergessenen
Priester] zuo nihtiu nütz dann in des teufels kuchein ebd.
197,19
MWB 3,2 660,58; Bearbeiter: Tao
kûchen
swV.
vgl. →
kûch
stM.,
kîchen
swV. und
1hûchen
swV.
–
‘hauchen, keuchen’
dû blæsest [La. der kuchet
] kalt unt
hûchest [La. der blaset
] warm / ûz eines mannes
munde: stæter triuwen bistû arm RvZw
61,4
(vgl. Anm.z.St.
);
die höchsten, die zer werlte solten rechtes pflegen, / die lazen
sie [die Mâze
] in krankem wesen kuchen
Frl
9:11,4.
– auch keuchen durch Kontamination mit kîchen (FrlWB, S.
197 und Kluge, S. 485):
man kennet nicht des affen keuchen Frl
8:25,10(App.)
MWB 3,2 661,36; Bearbeiter: Tao |