jâ – jagesite jagespieʒ – jâmerbrôt jâmerbürde – jâmerrede jâmerrëgen – jâmersuht jâmertac – jardîn jârdinc – jârmarket jærmerlich – jegede jegelich – jëner, -iu, -eʒ jënerhalp, ënerhalp – jiuch jiuchære – ju jû – judenbrâtære judenbrücke – judenrâtman judenrëht – jugentheit jugentlich – jungede jungelinc – jungen jungent
|
judenturn
stM.
‘Judenturm’, gemeint hier der Mainzer Rote Judenturm (z. Sache vgl. L.
Falck: Mainz in seiner Blütezeit als freie Stadt (1244-1328), Düsseldorf 1973.
S. 137):
vff eime zweiteil crutgarten, daz [...] gelegin ist
bie dem roden juden torme UrkHess (B)
3,178
(a. 1339 kopial)
MWB 3,1 87,50; Bearbeiter: Luxner
judenvîant
stM.
nur als Teil eines Personennamens:
Cristan judenfeint DRW
6,539
(Scheffler, ANürnbNB; a. 1350)
MWB 3,1 87,56; Bearbeiter: Luxner
judenwîn
stM.
für jüdischen Gebrauch bestimmter Wein oder eine von Juden zu entrichtende
Weinabgabe (vgl. DRW 6,577):
swer judenwein fueret, der hat niht genantes rehten UrbBayJ
481
MWB 3,1 87,59; Bearbeiter: Luxner
judenzins
stM.
von Juden für obrigkeitlichen Schutz zu entrichtende Abgabe (s.
judenstiure
):
zweintzig mark jerlicher gulde colmarisches gewihtes uf dem judencins zu
Colmar MGHConst
8:325,35
(a. 1347)
MWB 3,1 87,63; Bearbeiter: Luxner
judenzopf
stM.
wohl ‘Weichselzopf’, verfilzte, unhygienische Haartracht (vgl. DWB
14,1,1,636f.); hier als Personifikation:
dar kamen Mätzen frünt vil: / Rüdi Rumpf und Ochsenkropf, / Petter Rapp und
Judenzopf Bauernh
94
MWB 3,1 88,4; Bearbeiter: Luxner
judenzunge
swF.
‘Sprache des jüdischen Volkes’, hier meton. für das jüdische Volk:
hilf uns durch die kestigunge / die er [Christus]
leit von judenzunge, / durch die villât [Geißelung] an
der siule, / vor des leiden tiuvels griule MarGr 18
724
MWB 3,1 88,9; Bearbeiter: Luxner
judicieren
swV.
aus lat. iudicare.
‘attestieren, zusprechen’
din menschlich getat / dir judiciert schone / menschlich
complexione WhvÖst
3225
MWB 3,1 88,14; Bearbeiter: Luxner
jüdinne
stF.
‘jüdische Frau’ (vgl.
jude
):
frowe welt ir des ruchen / daz ir der iudinnen eine besuͦchet
VMos
33,4;
alle die juden und júdinne von Berne UrkBern
3,588
(a. 1294);
ist das ein christen man pei einer judinne leit oder ein jud pei einem
christen weib, di sint des uberhuors paideu schuldich RbRupr
132;
Eracl
5319;
PrBerth
1:115,1
MWB 3,1 88,17; Bearbeiter: Luxner
jüdisch
Adj.
‘jüdisch’ (für alles der jüdischen Gemeinschaft bzw. dem jüdischen Glauben
Zugehörige):
dô sprah der judische man SAlex
7153;
do kerte er sich zuͦ den júdeschen meisteren
Mechth
5: 23,156.
2: 24,35;
dise judesche wise [d. i. das Vertrauen auf das
eigene Tun und Schaffen anstelle reinen Gottvertrauens] die hant
alles vil lúte und stont uf iren eigenen wercken Tauler
64,19;
EvBerl
64,28;
UrkCorp (WMU)
2345,4.
– im Kontext der christl. Furcht-Lehre (vgl. Freytag, SuTheol., S.
120-122):
timor iudaicus, / ein judisch angest sprichet daz
Brun
11248.
– von der hebräischen Sprache:
daz er [Hieronymus] unbetrogen / wyt
zusamne hat gezogen / und indaz latin gedrungen / uz manherhande zungen, / zu
vorderst uz judischer sprach, / [...] / alle sunderliche
buch / di da waren der heiligen schrift Hiob
143;
subst.:
wenne aller sprâche lêrerîn / ist kriechisch, sô muoz jüdisch sîn / der
sprâche muoter über alliu lant Renner
22328
u. ö.;
got sprach zu siner muter jüdisch, latin nicht Frl
5:112,7;
subst.(?):
dar nâch ruofte er grimme / mit einer grôzen stimme / in jüdeschem hêlŷ,
hêlŷ / unt lamasabacthânŷ. / daz sprichet unt bediutet sich: / mîn got, mîn got,
wie hâstû mich / verlân, den dû unschuldic weist? MarienklUVr
998.
– auf die Gemeinschaft der Juden bezogen:
der site [die Beschneidung] ist
hiute under judiskem liute Gen
869;
daz dû im vrî lâzest sîn / sîn volc, di jüdischen diet
EnikWchr
7559.
6993;
[der Fluch,] den al dat jüdsch geslechte druͦch
MarlbRh
86,28
u. ö.;
SHort
2064;
HeslApk
11835.
– von Sitten, Gebräuchen u. a. (auch auf diu alte ê bezogen):
si newolten in iz doch nieht fersagen wolten si in gelîch
werden, / daz si sich bisniten unt begîngen judiske site Gen
1622;
swenne dvͦ dich bikeris / na der iudischer ewe, / so wirdes
dvͦ uil here, / also riche vnde also mere / alse Salemon vnde Dauid
TrSilv
497.
706;
diu under der jüdischen ê / wurden geborn
EnikWchr
22209
u. ö.;
MarlbRh
103,26;
Mechth
3: 8,6;
abwertend:
du jüdisch eiter, / die huf [Hüfte] der alden e,
die wart zerbrochen [vgl. Gn 32,25]
Frl
2:20,14.
– von Ländern und Regionen:
Archelaus was eyn herre ubir daz judische lant
EvBerl
8,7
u. ö.;
er zestôrte ouch Bethuliam, / dâ Judith Holofern sîn hôbet
nam. / unde zestôrte ouch judeisc lant VAlex
697
MWB 3,1 88,25; Bearbeiter: Luxner
jüdischeit
stF.
allg. die jüdische Gemeinschaft bezeichnend; spez. auch die die jüdische
Gemeinschaft konstituierende jüdische Religion (beides nicht deutlich von einander
zu trennen; vgl.
judenschaft
)
1 relig. ‘jüdische Glaubensgemeinschaft; jüdisches Volk’
2 rechtl. ‘jüdische (Stadt-)Gemeinde’
1
relig. ‘jüdische Glaubensgemeinschaft; jüdisches Volk’
dú júdschait verseret / wart von Herodem, dem vatter sin
SHort
3224
u. ö.;
alsô wolde gên / Christ under der jüdischeit LvRegFr
2956;
synagoga: iudzheit [zur Bez. der jüd. Gemeinschaft als
synagoga vgl. LexMA 3,1536f. s.v. Ecclesia und
Synagoge; s. ferner judenheit
]
VocOpt
5.053;
KvWGS
1718;
PassSpM
1075.
– bezogen auf die Zeit des Alten Testaments:
hivte ist der tac, an dem div iudischâit ende nam unde div kristenheit
angenge gwan. elliv div ê der iûdin div ist verwandilot in die hoczit ditzes
tâges Spec
54,17;
gant uss, ir tohtren von Syon, und nement war des kúniges Salomones, und
nement war der krone da mit in sin muͦter gekroͤnet hât! (daz waz dú
júdeschait, von der er geborn wart) PrGeorg
86,28;
svaz sider her von siner [Davids] art / vnde
von sime geslehte geboren wart, / die sint noch in der jvdesheit
MarHimmelf
99;
KvHelmsd
2384.
2862;
Loheng
3327.
– bezogen auf die Beschneidung:
du verguzz ouch dâ dîn bluot / und lit dâ durch uns
quâle / zuo dem êrsten mâle, / dô man dich besneit / nâch der judischeit
Ottok
49486
2
rechtl. ‘jüdische (Stadt-)Gemeinde’
daz wir von unserre stetde wegen mit dem iuden rate zuͦ Spire von ir unde der
iudescheite wegen [...] under uns solichen ubertrag,
[...] gesetzet unde gemaht hant
UrkSpeyer
370,19
(a. 1333).
433,19
(a. 1344);
als in irre statd zuͦ Wormessen geschehen ist an den juden unde der judischeit
zuͦ Wormeszen UrkWorms
2:267,12
(a. 1349);
UrkFrankf
2,537
(a. 1340)
MWB 3,1 89,8; Bearbeiter: Luxner
jüdischlich
Adj.
‘jüdisch’
nû sîn wir leider sô begraben / in jüdeschlicher unkust KvWSilv
4543
MWB 3,1 89,43; Bearbeiter: Luxner
judiste
swM.
‘geldgieriger, geiziger Mensch; Wucherer’ (als Wortspiel im Ggs. zu
juriste
mit Bezug auf Judas und
jude
; nur Renner ):
juristen stênt dem rehten bî, / judisten sint niht valsches frî; / juristen
sint gerehte liute, / judisten tuont vil übels hiute. / Jûdas teilt judisten mite /
sîns namen ein teil nach friundes site, / ouch sint die jüden ir genôz, / wenne ir
gîtikeit ist sô grôz / daz si nement vil grœzern gesuoch / denne jüden und ouch
grœzern fluoch Renner
8528
u. ö.
MWB 3,1 89,45; Bearbeiter: Luxner
jugende
Part.-Adj.
→
jungen
swV.
MWB 3,1 89,55;
jugent
stF.
auch jugit (RbGörlitz
43), junget (AvaJo
2,5;
PsWindb
118,9(Randgl.)
),
jungent (JPhys
19,2), jucht (KarlGalie
1062); Nom./Akk. Sg. auch jugende; sw. HBirne
40 (s. App. zu den sw. Formen in anderen Hss.); sehr häufig in Reimstellung
mit tugent.
Lebensabschnitt zwischen Kindheit und (Erwachsenen-)Alter
1 beim Menschen 1.1
‘Jugend, junges Alter’
1.2 im Verhältnis zu anderen Altersstufen 1.3
‘Zeit der Jugend, Jugendzeit’
1.4 übertr. auf junge Menschen (Gesamtheit oder best. Gruppe) 1.5 in Bezug auf die Rechtsfähigkeit bzw. die Bekleidung best. Ämter 2 beim Tier das Stadium des Jungtiers bezeichnend
1
beim Menschen
1.1
‘Jugend, junges Alter’
niemen darf sich ze siner iugende niht uersehen; si
sterbent alle geliche Spec
154,21;
an dem salmen der nach dem zehinzigistin ist. stet daz des
mannes iungent werde erniuwot also des aran JPhys
19,2;
er [
Noupatrîs
] het ouch jugent und liehten schîn Wh
22,19;
dîn lîb hât schœne und guote jugent, / dîn muot wîsheit
und ganze tugent SM:Te
13: 3,4;
HvNstAp
13014;
Mechth
1: 1,12;
RvEBarl
6955.
– phras.:
ûfgêndiu jugent und vollez guot, / diu zwei diu
vüerent übermuot Tr
267;
rehter fröiden, swer der waldet, / der hât immer niuwe
jugent KLD:UvL
24: 3,2.
– mit genauer Best. des Alters:
diu jugit hebit sich nach deme zwelftin jare unde endit in deme vier
unde zweintegistin jare RbGörlitz
43.
– übertr. ‘junges Leben’
unz im der tôt nam sîne jugent Wh
48,23;
scult ich iwer iugent han uerlorn Rol
6979
1.2
im Verhältnis zu anderen Altersstufen:
–
kindes ~
:
so wil ich doch ir diener sîn, / diu mich da twinget
her von kindes jugent SM:WvH
3: 1,8;
du hâst von kindes jugende / getragen ie der êren cranz
KvWWelt
140;
wend ich nie man baz uollinkuͦmin / an allir slachte
tuͦginde / gesach uon kindis iuginde / der ie sin swert begurte
Athis
F 144;
Parz
781,10;
RvEBarl
1501.
– als (Übergangs-)Phase von der Kindheit zum (Erwachsenen-)Alter:
ie baz unt baz / steic der herre [Karl d.
Gr.] zetugente / uon kintheit ce iugente, / uon der iugent
in daz alter Rol
26;
únser kintheit die was toreht, únser jugent die
wart angevohten; [...], min alter stat mir nu sere
ze scheltende Mechth
7: 3,9;
also teilit man dez menschen lebtage in vier. daz
erste ist die kintheit, iugent, manheit unde daz alter MNat
9,23;
PrOberalt
15,38.
16,2;
Martina
264,17;
im Ausdruck sterkere ~
i.S. des frühen Erwachsenenalters:
adolescentia ist ein alter des mennisken inzuisken dere chindiske unde
dere stercheren iungede. daz ist so dem chnappen der bart aller erist
beginnit springen. unde dere magede die bruste wohsen beginnent
PsWindb
118,9(Randgl.).
– in gegensätzlichem Bezug auf das →
alter
(bes. in Wendungen, Sentenzen o.ä.; vgl. TPMA 6,372-385 s.v.
jung):
jugent hât vil werdekeit, / daz alter siuften unde leit
Parz
5,13;
swer in der jugent wirt ein sluch / und mit fraze an
sin alter kumt, / wirt im da von ein grozer buch, / wie lützel daz der sele
frumt! TannhHofz
249;
swer an unzuht sîn jugent wendet, / der hât sîn alter gar geschendet
WälGa
161;
swer sich verlît in sîner jugent, / daz schadet dem alter sêre an
tugent GFrau
469;
Freid
52,22;
ErnstD
1525;
Renner
5625;
wan swas site duͤ jugent gevât, / den site das alter kûm verlât
Ammenh
7717.
1354;
swer aber in dem alter wil mit gemache leben, / der muoz in sîner
jugende nâch dem hûsrâte streben WolfdA
311,4;
MF:Her
2:5,7;
hânt alte liute jungen muot, / die jungen alten, deist niht guot; /
singen, springen sol diu jugent, / die alten walten alter tugent
Freid
52,6;
Renner
21785
1.3
‘Zeit der Jugend, Jugendzeit’
diu vrowe diu was tugenthaft, in ir jungede unberhaft
AvaJo
2,5;
wand ich dich mit herzen ie / in mîner jugent geminnet
hân Wig
6854;
si hât mir vröide in mîner jugent / mit ir wol schoener
zuht gebrochen abe MF:Reinm
12: 2,3;
NibB
7,4;
HimmlJer
71
1.4
übertr. auf junge Menschen (Gesamtheit oder best. Gruppe):
frou Minne, sît ir habt gewalt, / daz ir die jugent sus
machet alt Parz
292,2;
diu verteilte [verfluchte] jugende / begie ein
groz untugende Dietr
4330;
er lebete, swie man wolte / und als diu jugent solte
Tr
3502.
2277;
Frl
8:3,8.
– als Anrede:
trût geselle, süeziu jugent Tr
3128;
dû jugent ân ende in blüender jugent LobGesMar
24,2;
KvWEngelh
4321;
Frl
7:14,17
1.5
in Bezug auf die Rechtsfähigkeit bzw. die Bekleidung best. Ämter:
ob vnser eynes gerihte, daz gemanet wrde, niht volgte mit aller siner maht
nach sines amtmannes gebot, ez were danne durch libes not, durch jugende oder
durch alder UrkCorp (WMU)
2070,20.
2040,23;
daz er vor jugent zv disen male nicht mag priester werden
UrkWürzb
46,73
(a. 1323)
2
beim Tier das Stadium des Jungtiers bezeichnend:
welchiz [Tier] aber eine trocken
muter hat daz ist gut in der iugint. daz merke bi den chuzen SalArz
16,58.
17,2;
die jungen esel sint in der jugent etswie vil schœn und
lustig anzesehen BdN
119,35
u. ö.
MWB 3,1 89,56; Bearbeiter: Luxner
jugentheit
stF.
‘Jugend’
dur dine [Marias] reine triuwe /
wart er [der Hirsch, d. i. Gott] junc als ein
hindenkalp [Christus] . / den orden hielt er
beidenthalp / des alters und der jugentheit, / als ez davor het uf geleit / sin
eweclichiu trinitat KvWGS
1369
MWB 3,1 91,22; Bearbeiter: Luxner
jugentlich
Adj.
‘jugendlich, jung’
daz er in sîner blüenden jugent / mit jugentlîcher hêrren
tugent / wider sîn selbes sælden streit Tr
296;
ein bruͦder in der predier orden der was so sere beswert mit
einem guͦten ambachte in der gehorsami, [...], das im
entgieng sin jugentlichú maht und verlor sine menlichen kraft Mechth
4: 26,3.
–
~ zît
‘Jugendzeit’
gewonheit si ouch hade / von ir jugentlichen zit, /
[...], / daz si mit flize was gereit / in grozer
demudekeit / wa der priester messe sanc Elis
2763
MWB 3,1 91,28; Bearbeiter: Luxner
jugentvar
Adj.
hier jogunt-.
‘jugendlich, jung’
di joguntvar wip laze ich bliben, / der zal kunde nimant wol
beschriben Brun
180;
daz im [Amor] di ougen vorsperret
sint, / bezeichent daz gene sint vorblint, / di do volgen siner sla, / si sint
joguntvar adir gra ebd.
A 5,16
u. ö.
MWB 3,1 91,38; Bearbeiter: Luxner
jumente
swF.
auch ioment (Loheng
5476); aus afrz. jument (vgl. Vorderstemann, Fremdwörter, S.
125f.).
‘Stute’
daz was Margot von Pozzidant, / den man gezimieret vant /
eine jumenten rîten, / dar ûf er wolde strîten, / mit îser kovertiur verdact
Wh
395,7;
der selb ain jumenten rait, / diu was so kostlich beclait
WhvÖst
17861;
Loheng
5476
MWB 3,1 91,44; Bearbeiter: Luxner
junc
Adj.
1 noch nicht er- bzw. ausgewachsen ‘jung’
1.1 von Menschen 1.2 von Tieren 1.3 von Pflanzen, Haaren u. a.; auch ‘frisch, neu’
1.4 in Wendungen 1.4.1 häufig in Kollokation mit alt (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 238f.) 1.4.2 in Sprichwörtern (vgl. TPMA 6,372-385) 2 im Superl. zur Bez. einer zeitlichen Abfolge ‘letzte(r/ s)’ (s. auch
jungeste
Adv.) 2.1 allg. 2.2 spez. in Ausdrücken für das Ende der Zeit, wobei sich zwischen allg. ‘das
Jüngste Gericht, der letzte Tag (der Menschheit)’ und
individualisierendem ‘Ende des Lebens, Tod’ unterscheiden lässt 2.2.1 subst. (mit Präp. ane ) 2.2.2
dër ~ tac 2.2.3
dër/ diu/ daʒ ~ zît 2.2.4 in weiteren Verbindungen daʒ ~ ende, gerihte, urteile, zil; diu
~ hinevart, stunde, vrist u. ä. 2.3 vereinzelt adv. im präp. Ausdruck zuo dëm ~
1
noch nicht er- bzw. ausgewachsen ‘jung’
1.1
von Menschen:
also ist den jungen luͤten: so si junch sint, so dunchent
si wertlicheu dinch schoͤn und wunnechlich; so si alt werdent, so dorret iz in
alles daz in ê suͤzze waz PrOberalt
68,34;
Rüedelîn, du bist ein junger blappenblap! SM:UvS
22: 7,1;
die brûdere, die sô alt oder sô iunc oder sô cranc sint
StatDtOrd
70,31;
die iunge koninginne Roth
4018;
VAlex
590;
Herb
15112;
BdN
75,32;
Wig
1818.
–
dâ was daz junge her von Lîz / komn an die von
Lirivoyn Parz
378,12.
– bezogen auf die Jugendzeit:
in sînen besten zîten, bî sînen jungen tagen / man
mohte michel wunder von Sîvride sagen NibB
22,1.
1796,1;
alsô daz er got clain gedienet hât in seinen jungen
tagen BdN
279,20;
wol ir werden, süezzen, jungen jâren! SM:KvL
12: 5,9;
KLD:UvL
3: 1,6;
Wh
13,25.
– meton.:
hie dachte er, daz er sinen nefen / furraten wolte,
daz iunge leben Herb
208;
Wh
293,22.
69,10;
des hilfet in dîn junger tôt ebd.
64,24;
sîn jungez herze was sô grôz Parz
384,24;
Wh
93,30;
Wig
2947;
got ûz ir jungen munde sprach Parz
396,19.
– in Datierungen bezogen auf das Fest Mariä Geburt (8. September):
an dem abende vnserre frowen dages der jvngern UrkCorp
(WMU)
N235,19
u. ö.
– subst. (vgl. auch
junge
swM. sowie
junger
):
rîcher got, wie wir nâch êren dô rungen! / dô rieten die alten und
tâten die jungen Walth
85,30;
daz sich die jungen des nicht schamen
PrOberalt
28,31;
dâ zuo diu junger sprach / ‘swester, disen ungemach /
den sol dir got verbieten. / [...] ’
Iw
5639
u. ö.;
Mechth
5: 24,48;
NibB
414,1;
Herb
15251;
UvZLanz
8836.
– als Bestandteil von Personennamen:
sant Dyonisius des jungere den wunderte wie er also
unmossen sere vor in allen zuͦ neme Tauler
190,10;
Hug Manesse der jvnge UrkCorp (WMU)
863,4.
612,16
1.2
von Tieren:
daz ivnge eselli, da niemen vf gesezzen was, bezaichent
die haiden Spec
47,7;
al senfte was ouch diu künegîn, / reht als ein jungez
genselîn / an dem angriffe linde Wh
100,12;
man vint rennen [Lab] in der
jungen tier magen, diu noch saugent und dar zuo idruckent BdN
116,3
u. ö.;
MNat
7,21;
SalArz
17,6
1.3
von Pflanzen, Haaren u. a.; auch ‘frisch, neu’
nym in dem merczin eyne iunge buche, di do si eynis beynis
dicke Pelzb
121,30
u. ö.;
dar nach gip im nachtschaten saf. vnde coriandri saf vnde
borraginis saf. vnde iungir reben saf SalArz
55,13;
waz ist daz liehte, daz lûzet hervür / ûz dem jungen,
grüenen gras SM:UvB
3: 1,2;
BdN
416,16;
Rennewart. / dem was besenget sîn junger bart
Wh
311,16.
270,30;
unde wehset daz junge hâr doch vast Barth
149,21;
wenn si [die Hirsche] ir hörner
habent geworfen und in jungeu hörner her wider wahsent BdN
130,10;
wohl hierher:
swelch man hât ein stükke scharlachnes [Tuch] ,
der scol iz verschozzen [versteuern] vor sechs mark;
ein geverwet tûch vor vier mark; ein iunk ypersch [aus
Ypern] , [...] vor zwû mark
UrkZeitz
20
(a. 1322).
– übertr. ‘schwach, gering’
dem pfärde was der rücke junc: / wær drûf ergangen dâ
sîn sprunc, / im wære der rücke gar zevarn Parz
531,1;
ir [der Rheinländer] tugent ist kranc, ir
milte ist junc WernhSpr (Z)
50,3
1.4
in Wendungen
1.4.1
häufig in Kollokation mit alt (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
238f.):
–
junc unde alt, junge unde alte, die jungen mit/ zuo den
alten u. ä. ‘viele; alle, jede(r)’
sô hôrten junge und alte dâ / die tiuvel lûte
schrîen sâ RvEBarl
13627;
fröit iuch, jung und alt SM:Ro
7: 1,1;
junge und alte im drungen nâch
Parz
150,30;
si begunden alle gâhen, / die alten zuo den
jungen. / ze dem tor si ûz drungen UvZLanz
1401;
ReinFu
K,1610;
KvWLd
2,117.
–
junc noch alt, junge noch alte
‘keine(r), niemand’
ich neweiz in mîner gewalt neweder junge noh alt
/ der dir sî gelîch Gen
2068;
ez sleich nie leo junc noch alt / unvorhtlîcher durch keinen walt
HvBer
4244;
ez wart niemen vride geben, / jungen noch den alden
Dietr
9384.
–
ër/ siu wære/ sî junc oder alt i.S.v. ‘wer
auch immer er/ sie sei’
daz er wol ist gekrœnet / von vrôn Sælden gewalt, / er sî junc
oder alt, / der sie dâ schouwen getar StrDan
542.
5248;
er si gra, ivnc oder alt ReinFu
K,999;
er sî jung oder alt, arm oder rîch, edel oder unedel
PrBerth
1,66,9;
ir sit iunc oder alt / ir sit prode oder balt
VMos
65,18;
Hochz
429
1.4.2
in Sprichwörtern (vgl. TPMA 6,372-385):
von dem spricht der gemain spruch: junger engel,
alter tiefel BdN
231,28;
trage junges har, grawen sinne Erz III
36,277;
ez blüt ouch dicke ein junger sin durch grisez har Frl
5:23,7
2
im Superl. zur Bez. einer zeitlichen Abfolge ‘letzte(r/ s)’ (s. auch
jungeste
Adv.)
2.1
allg.:
daz was ir jungestiu ger / daz ich iu daz bræhte / und
man dâ bî gedæhte / muoterlîcher triuwe / und senlîcher riuwe Wig
11358;
swer auch ein wein veil hat nach der iungesten winglocken,
der git 60 d. zuͦ bezzerunge WüP
35,5;
do sprach der iunger: waz betútet die iungeste collecta?
Lucid
102,22;
vnd sv́ln der selben ivngesten [neuesten]
viervntzweinzig [Ratsmitglieder] ehtv́we
[acht] sin von den edeln vnd ehtv́we von den
koͮflv́ten vnd ehtv́we von den antwerklv́ten UrkCorp (WMU)
1797A,46;
Himmelr
7,6;
Eckh
5: 416,9.
– subst.:
‘ich bin’, sprichet got, ‘der êrste und der jungeste’
Eckh
5: 115,1;
ieslîch frouwe ir dienest tuot, / ê die jungsten, nu
die êrsten Parz
240,15;
Lucid
101,19;
PrOberalt
49,40.
– die Bez.
~ bruoder/ predigære für die Mitglieder eines
Mönchsordens des Dritten bzw. Letzten Zeitalters nach der Lehre Joachims v.
Fiore bei Mechth (vgl. LexMA 5,485-487):
von den jungesten bruͦdern [Überschrift;
vgl. Anm.z.St.]
Mechth
6: 21,2;
von Enoch und Elyas pine und von den jungesten
prediern [Überschrift]
ebd.
6: 15,1
u. ö.
2.2
spez. in Ausdrücken für das Ende der Zeit, wobei sich zwischen allg. ‘das
Jüngste Gericht, der letzte Tag (der Menschheit)’ und
individualisierendem ‘Ende des Lebens, Tod’ unterscheiden lässt
2.2.1
subst. (mit Präp. ane):
den [Hort] hiezen mîne
herren senken in den Rîn, / dâ muoz er wærlîche unz an daz jungeste sîn
NibB
1742,4;
wir sculen unsir houbet, den heiligen Christ, bescermen zediu, daz er
uns an dem jungist / mit gesundem houbet bescerme unde daz wir ze der ewigen
genze geladet werden MillPhys
91,1;
alse der brutegoum cumet mit einer menie siner riter,
so er sine brut enphahit vnde si mit gesange fúr leitet, alse duͦt man mit
den rehten an ir iungesten Lucid
123,5
2.2.2
dër ~ tac:
von dem êrst erschinenen tage / unz an des jungesten
tages schîn / muoz Tesereiz geprîset sîn Wh
347,17;
so chumt der jungiste tach also sciere so ein
braslach [Wimpernschlag]
AvaJG
17,8;
Vät
15139;
HvNstAp
3173;
Roth
2257.
–
wirne komen niemir hinne, / iz ist unser
iungister tac Rol
6039;
als ein diep begrîffet dih der jungiste tac
Erinn
789;
iz ist ouch hiute dîn jungister tach
Kchr
13062;
WälGa
8326;
En
12898
2.2.3
dër/ diu/ daʒ ~ zît:
daz wir uon ime in dem iungisten zîte mit gesunteme
houbite. zuͦ ewiger genzi geladet werden JPhys
11,42;
der hêrre lebet ienoch / unze an daz iungiste zît
VMos
12,2;
Warnung
207;
AvaA
1,1;
RvEBarl
3299;
im Plural:
daz unser hêrre got, der ein houbet ist der ecclesien,
nû bî diesen iungesten cîten ouch hûtere solde haben
StatDtOrd
25,3;
Martina
203,20.
–
daz ir her komen sît, / daz ist iuwer jungestiu
zît Iw
1158;
daz wart ir jungestiu zît StrKarl
5590;
daz man sîn bîhte tuon sol / an sînem jungisten zît
WälGa
8345;
Konr
11,78
2.2.4
in weiteren Verbindungen daʒ ~ ende, gerihte, urteile, zil; diu
~ hinevart, stunde, vrist u. ä.:
so wirt uns gesendet an dem jungisten ende / Elyas unde
Enoch AvaA
7,1;
nv han ich iv gemachen kvnt / die zit die iungsten stunt / wie der
welte frovde welzit Martina
211,64;
sô got an dem jungesten zil / an daz gerihte komen
wil RvEBarl
3643;
ê dir nû chomt dîn jungiste vrist, / sô mûstû vil
offte rûffen ‘wê! [...]’ Erinn
504;
Litan
562;
Spec
113,1
–
daz si des ruwen nit behilt / umme ir missewende / biz an ir
jungest ende! Elis
8986;
du ne maht si niht irlose, / mit den du wirdist funden / in ir
iungisten stunden Glaub
2563;
daz ander geteilit ist / dez och an der iungsten frist / ein
ieglich mensch enpfindit Martina
202,108;
daz ist ir jungestez zil, / daran man sie wil
toten Vät
5312;
Litan
797;
Erinn
482
2.3
vereinzelt adv. im präp. Ausdruck zuo dëm ~
:
–
‘zuletzt, schließlich’
scamonea di
vurbet [reinigt] des ersten di coleram. dar
nach daz fleuma. zu dem iungesten di melancoliam SalArz
85,41.
–
‘zumindest, wenigstens’
zim iungistin doh daz wir geuolgen. daz nih unzi zir
sathi wir trinken. sunder mazclicher [
saltim vel hoc consentiamus, ut non usque ad satietatem bibamus,
sed parcius
]
BrZw
40
MWB 3,1 91,51; Bearbeiter: Luxner
juncbrunne
swM.
‘verjüngende/ heilende Quelle, Jungbrunnen’
secht, das ist mein pester hort, / den ir vor ewr secht dort.
/ es ist ain jungk prunne: / der mane noch di sunne / peschain nie so grossen solt
HvNstAp
12951;
si fuorte in [...], / für einen berc, dâ westes einen
juncbrunnen stân: / der was einhalp kalt und anderhalbe warm WolfdB
336,2;
WolfdD
557,2;
JTit
4530,4.
– übertr. für Maria:
si ist der lebendig junch prunnen / der die alten wider
pracht Teichn
114,44
MWB 3,1 94,33; Bearbeiter: Luxner
junc|hêrre, -hërre
swM.
auch jun(c)ker (Lanc
39,10 u. ö.), juͦngk- (Lanc
21,23).
1 i. d. R. Bez. für einen jungen Mann höherer Stellung ‘junger Edelmann,
Adeliger’ , auch ‘Knappe’ (genauere Differenzierungen von Stand und Funktion problematisch; vgl. DRW 6,614-617) 2 Bez. für einen jungen Ordensmann
1
i. d. R. Bez. für einen jungen Mann höherer Stellung ‘junger Edelmann,
Adeliger’, auch ‘Knappe’ (genauere Differenzierungen von Stand und
Funktion problematisch; vgl. DRW 6,614-617):
si horten di phaht [das Recht] leren
/ die edelin iuncherren / unde schermen mit den schilten Rol
662;
daz man den juncherren hôch / als unerbermeclichen sluoc
KvWHvK
102;
sîn kint, der junkherre, / gên sînem vater verre / mit
vrœlîchem muote gie RvEBarl
8147;
der knapp sah wol das das kint [im Alter von 10
Jahren] ein edelman was, und antwurt im alsus: lieber juncker, das
uch got ere Lanc
36,35;
wand auch Hainrich von Sigenhaim dannoch jvncherre was vnd nicht aygens
ynsigels het UrkCorp (WMU)
2413,14;
Parz
343,17;
SAlex
5616;
Wig
1438;
MarcoPolo
30,14.
–
ich wil dir junge altherren zeigen / und alte jungherren geben für eigen
Walth
80,25.
–
‘junger Dienstherr’
er chot sîn hêrre hête in dare gesant umb einen michelen
ârant, / sîneme junchêrren umb ein wîb diu guot wâre und êrlîch
Gen
993;
er [Joseph] troste sich vil
harte / sines iunkherren: / er liez im niht gewerren Wernh
A 4421;
der getriuwe marschalc dan Rûal / und sîn junchêrre
Tristan / die griffen ir gescheffede an Tr
4501.
– als Titel:
ein acker vf der werben nebent juncherren Hetzele UrkCorp
(WMU)
3244A,23.
61,17.
– als Anrede für Christus bzw. Gott:
juncherre wîs, du wære grîs: / nu zieret dich ein brûner
vahs KvWLd
1,17
2
Bez. für einen jungen Ordensmann:
dar vmb geb wir der vorgenant Christein an all wider red ein halb herren
pfrvent gentzleich, alz man sei geit einem junchherren vnsers ordens
UrkEnns
6,99
(a. 1333);
vnd schol der oblaymaister [Verwalter der Abgaben]
an den zwain jartegen einem igleichen herren geben ein semel,
[...], vnd ein stauf weins dezselben weingarten vnd als
vil den junchherren vnd den pruͤdern UrkKlostern
1,281
(a. 1340)
MWB 3,1 94,43; Bearbeiter: Luxner
junc|hêrrelîn, -hërrelîn
stN.
Dimin. zu
junchêrre
.
‘Edelknabe, Knappe’
das ir herre solte sin / das edel juncherrelin / Willehelm
der guͦte RvEWh
3234;
zu den nam er sehs juncherrelin, / edeliu kint von hoher art
WhvÖst
224;
juncherrelîn, / durch rehte minne beite ein lützel mîn KLD:WvM
2:1,7;
Parz
430,26
u. ö.;
Wh
174,9
MWB 3,1 95,19; Bearbeiter: Luxner
junc|hêrrinne
stF.
hier -in.
‘Ehefrau eines (jungen) niederen Adligen’
item du jungherrin und R.K. git von 1 schup. vroschwiles IIII sol.
DRW
6,608
(Geschfrd. der 5 Orte; a. 1331)
MWB 3,1 95,26; Bearbeiter: Luxner
junc|knëht
stM.
‘Bäckergeselle’
ob ein jungknecht ein meister werden wiel, den solten die meister versuchen,
ob er sein handtwerch konne vollkömlichen oder nicht DRW
6,609
(StArchBresl.; a. 1326 kopial)
MWB 3,1 95,30; Bearbeiter: Luxner
junclich
Adj.
‘jung, jugendlich’
swâ man die engele mâlet, daz man sie eht anders niht enmâlet wan als ein kint
von fünf jâren, als junclich PrBerth
1:389,16;
swer in [
den brunnen
] trinket drî stunt, / der ist alwegen gesunt, /
[...] / und ist immer junclîch, / starc und ouch
tugentlîch Wigam (B)
1620;
wil dû dîn antluze aver junchlich machen unde schône, sô nim
eine henne [...]
Barth
134,16;
HvNstAp
13244;
Lanc
19,27;
daz ez [Nieswurz] den leip
verändert auz seiner schickung in ain pezzer gestalt und in ain junkleich schickung
BdN
399,30;
in mîner âbentzît [Lebensabend] ich bin / unt trage
doch jungen liuten gar junclîchen morgen schîn RvZw
180,2.
– von Haar:
swaz junclich was unde val / daz brach sîn êlich wîp dan Bîspel
(Pf)
37,34.
– die Zeit der Jugend:
mit hoffart wart er wol beladen / in sinen iuncklichen tagen / stalt er nach
weltlicher er RitteruT
12;
Tit
125,2.
– von jugendlichem Verhalten:
ouch weiz mîn trehten daz, / daz si vil wunderen schône was, / wande izne wêre
von junchlicher ubermût / niwan von ir tugeden vil gût JJud
1155;
Bîspel (Pf)
37,27
MWB 3,1 95,35; Bearbeiter: Luxner |