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ABCDEF s.VGHIJKL
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jâ – jagesite
jagespieʒ – jâmerbrôt
jâmerbürde – jâmerrede
jâmerrëgen – jâmersuht
jâmertac – jardîn
jârdinc – jârmarket
jærmerlich – jegede
jegelich – jëner, -iu, -eʒ
jënerhalp, ënerhalp – jiuch
jiuchære – ju
jû – judenbrâtære
judenbrücke – judenrâtman
judenrëht – jugentheit
jugentlich – jungede
jungelinc – jungen
jungent

   judenturn - junclich    


judenturn stM. ‘Judenturm’, gemeint hier der Mainzer Rote Judenturm (z. Sache vgl. L. Falck: Mainz in seiner Blütezeit als freie Stadt (1244-1328), Düsseldorf 1973. S. 137): vff eime zweiteil crutgarten, daz [...] gelegin ist bie dem roden juden torme UrkHess (B) 3,178 (a. 1339 kopial)

MWB 3,1 87,50; Bearbeiter: Luxner

judenvîant stM. nur als Teil eines Personennamens: Cristan judenfeint DRW 6,539 (Scheffler,  ANürnbNB; a. 1350)

MWB 3,1 87,56; Bearbeiter: Luxner

judenwîn stM. für jüdischen Gebrauch bestimmter Wein oder eine von Juden zu entrichtende Weinabgabe (vgl. DRW 6,577): swer judenwein fueret, der hat niht genantes rehten UrbBayJ 481

MWB 3,1 87,59; Bearbeiter: Luxner

judenzins stM. von Juden für obrigkeitlichen Schutz zu entrichtende Abgabe (s. judenstiure ): zweintzig mark jerlicher gulde colmarisches gewihtes uf dem judencins zu Colmar MGHConst 8:325,35 (a. 1347)

MWB 3,1 87,63; Bearbeiter: Luxner

judenzopf stM. wohl ‘Weichselzopf’, verfilzte, unhygienische Haartracht (vgl. DWB 14,1,1,636f.); hier als Personifikation: dar kamen Mätzen frünt vil: / Rüdi Rumpf und Ochsenkropf, / Petter Rapp und Judenzopf Bauernh 94

MWB 3,1 88,4; Bearbeiter: Luxner

judenzunge swF. ‘Sprache des jüdischen Volkes’, hier meton. für das jüdische Volk: hilf uns durch die kestigunge / die er [Christus] leit von judenzunge, / durch die villât [Geißelung] an der siule, / vor des leiden tiuvels griule MarGr 18 724

MWB 3,1 88,9; Bearbeiter: Luxner

judicieren swV. aus lat. iudicare. ‘attestieren, zusprechen’ din menschlich getat / dir judiciert schone / menschlich complexione WhvÖst 3225

MWB 3,1 88,14; Bearbeiter: Luxner

jüdinne stF. ‘jüdische Frau’ (vgl. jude ): frowe welt ir des ruchen / daz ir der iudinnen eine besuͦchet VMos 33,4; alle die juden und júdinne von Berne UrkBern 3,588 (a. 1294); ist das ein christen man pei einer judinne leit oder ein jud pei einem christen weib, di sint des uberhuors paideu schuldich RbRupr 132; Eracl 5319; PrBerth 1:115,1

MWB 3,1 88,17; Bearbeiter: Luxner

jüdisch Adj. ‘jüdisch’ (für alles der jüdischen Gemeinschaft bzw. dem jüdischen Glauben Zugehörige): dô sprah der judische man SAlex 7153; do kerte er sich zuͦ den júdeschen meisteren Mechth 5: 23,156. 2: 24,35; dise judesche wise [d. i. das Vertrauen auf das eigene Tun und Schaffen anstelle reinen Gottvertrauens] die hant alles vil lúte und stont uf iren eigenen wercken Tauler 64,19; EvBerl 64,28; UrkCorp (WMU) 2345,4. – im Kontext der christl. Furcht-Lehre (vgl. Freytag, SuTheol., S. 120-122): timor iudaicus, / ein judisch angest sprichet daz Brun 11248. – von der hebräischen Sprache: daz er [Hieronymus] unbetrogen / wyt zusamne hat gezogen / und indaz latin gedrungen / uz manherhande zungen, / zu vorderst uz judischer sprach, / [...] / alle sunderliche buch / di da waren der heiligen schrift Hiob 143; subst.: wenne aller sprâche lêrerîn / ist kriechisch, sô muoz jüdisch sîn / der sprâche muoter über alliu lant Renner 22328 u. ö.; got sprach zu siner muter jüdisch, latin nicht Frl 5:112,7; subst.(?): dar nâch ruofte er grimme / mit einer grôzen stimme / in jüdeschem hêlŷ, hêlŷ / unt lamasabacthânŷ. / daz sprichet unt bediutet sich: / mîn got, mîn got, wie hâstû mich / verlân, den dû unschuldic weist? MarienklUVr 998. – auf die Gemeinschaft der Juden bezogen: der site [die Beschneidung] ist hiute under judiskem liute Gen 869; daz dû im vrî lâzest sîn / sîn volc, di jüdischen diet EnikWchr 7559. 6993; [der Fluch,] den al dat jüdsch geslechte druͦch MarlbRh 86,28 u. ö.; SHort 2064; HeslApk 11835. – von Sitten, Gebräuchen u. a. (auch auf diu alte ê bezogen): si newolten in iz doch nieht fersagen wolten si in gelîch werden, / daz si sich bisniten unt begîngen judiske site Gen 1622; swenne dvͦ dich bikeris / na der iudischer ewe, / so wirdes dvͦ uil here, / also riche vnde also mere / alse Salemon vnde Dauid TrSilv 497. 706; diu under der jüdischen ê / wurden geborn EnikWchr 22209 u. ö.; MarlbRh 103,26; Mechth 3: 8,6; abwertend: du jüdisch eiter, / die huf [Hüfte] der alden e, die wart zerbrochen [vgl. Gn 32,25] Frl 2:20,14. – von Ländern und Regionen: Archelaus was eyn herre ubir daz judische lant EvBerl 8,7 u. ö.; er zestôrte ouch Bethuliam, / dâ Judith Holofern sîn hôbet nam. / unde zestôrte ouch judeisc lant VAlex 697

MWB 3,1 88,25; Bearbeiter: Luxner

jüdischeit stF. allg. die jüdische Gemeinschaft bezeichnend; spez. auch die die jüdische Gemeinschaft konstituierende jüdische Religion (beides nicht deutlich von einander zu trennen; vgl. judenschaft ) 1 relig. ‘jüdische Glaubensgemeinschaft; jüdisches Volk’
2 rechtl. ‘jüdische (Stadt-)Gemeinde’
   1 relig. ‘jüdische Glaubensgemeinschaft; jüdisches Volk’ dú júdschait verseret / wart von Herodem, dem vatter sin SHort 3224 u. ö.; alsô wolde gên / Christ under der jüdischeit LvRegFr 2956; synagoga: iudzheit [zur Bez. der jüd. Gemeinschaft als synagoga vgl. LexMA 3,1536f. s.v. Ecclesia und Synagoge; s. ferner judenheit ] VocOpt 5.053; KvWGS 1718; PassSpM 1075. – bezogen auf die Zeit des Alten Testaments: hivte ist der tac, an dem div iudischâit ende nam unde div kristenheit angenge gwan. elliv div ê der iûdin div ist verwandilot in die hoczit ditzes tâges Spec 54,17; gant uss, ir tohtren von Syon, und nement war des kúniges Salomones, und nement war der krone da mit in sin muͦter gekroͤnet hât! (daz waz dú júdeschait, von der er geborn wart) PrGeorg 86,28; svaz sider her von siner [Davids] art / vnde von sime geslehte geboren wart, / die sint noch in der jvdesheit MarHimmelf 99; KvHelmsd 2384. 2862; Loheng 3327. – bezogen auf die Beschneidung: du verguzz ouch dâ dîn bluot / und lit dâ durch uns quâle / zuo dem êrsten mâle, / dô man dich besneit / nâch der judischeit Ottok 49486    2 rechtl. ‘jüdische (Stadt-)Gemeinde’ daz wir von unserre stetde wegen mit dem iuden rate zuͦ Spire von ir unde der iudescheite wegen [...] under uns solichen ubertrag, [...] gesetzet unde gemaht hant UrkSpeyer 370,19 (a. 1333). 433,19 (a. 1344); als in irre statd zuͦ Wormessen geschehen ist an den juden unde der judischeit zuͦ Wormeszen UrkWorms 2:267,12 (a. 1349); UrkFrankf 2,537 (a. 1340)

MWB 3,1 89,8; Bearbeiter: Luxner

jüdischlich Adj. ‘jüdisch’ nû sîn wir leider sô begraben / in jüdeschlicher unkust KvWSilv 4543

MWB 3,1 89,43; Bearbeiter: Luxner

judiste swM. ‘geldgieriger, geiziger Mensch; Wucherer’ (als Wortspiel im Ggs. zu juriste mit Bezug auf Judas und jude ; nur Renner ): juristen stênt dem rehten bî, / judisten sint niht valsches frî; / juristen sint gerehte liute, / judisten tuont vil übels hiute. / Jûdas teilt judisten mite / sîns namen ein teil nach friundes site, / ouch sint die jüden ir genôz, / wenne ir gîtikeit ist sô grôz / daz si nement vil grœzern gesuoch / denne jüden und ouch grœzern fluoch Renner 8528 u. ö.

MWB 3,1 89,45; Bearbeiter: Luxner

jugende Part.-Adj. jungen swV.

MWB 3,1 89,55;

jugent stF. auch jugit (RbGörlitz 43), junget (AvaJo 2,5; PsWindb 118,9(Randgl.) ), jungent (JPhys 19,2), jucht (KarlGalie 1062); Nom./Akk. Sg. auch jugende; sw. HBirne 40 (s. App. zu den sw. Formen in anderen Hss.); sehr häufig in Reimstellung mit tugent. Lebensabschnitt zwischen Kindheit und (Erwachsenen-)Alter 1 beim Menschen
1.1 ‘Jugend, junges Alter’
1.2 im Verhältnis zu anderen Altersstufen
1.3 ‘Zeit der Jugend, Jugendzeit’
1.4 übertr. auf junge Menschen (Gesamtheit oder best. Gruppe)
1.5 in Bezug auf die Rechtsfähigkeit bzw. die Bekleidung best. Ämter
2 beim Tier das Stadium des Jungtiers bezeichnend
   1 beim Menschen    1.1 ‘Jugend, junges Alter’ niemen darf sich ze siner iugende niht uersehen; si sterbent alle geliche Spec 154,21; an dem salmen der nach dem zehinzigistin ist. stet daz des mannes iungent werde erniuwot also des aran JPhys 19,2; er [ Noupatrîs ] het ouch jugent und liehten schîn Wh 22,19; dîn lîb hât schœne und guote jugent, / dîn muot wîsheit und ganze tugent SM:Te 13: 3,4; HvNstAp 13014; Mechth 1: 1,12; RvEBarl 6955. – phras.: ûfgêndiu jugent und vollez guot, / diu zwei diu vüerent übermuot Tr 267; rehter fröiden, swer der waldet, / der hât immer niuwe jugent KLD:UvL 24: 3,2. – mit genauer Best. des Alters: diu jugit hebit sich nach deme zwelftin jare unde endit in deme vier unde zweintegistin jare RbGörlitz 43. – übertr. ‘junges Leben’ unz im der tôt nam sîne jugent Wh 48,23; scult ich iwer iugent han uerlorn Rol 6979    1.2 im Verhältnis zu anderen Altersstufen: kindes ~ : so wil ich doch ir diener sîn, / diu mich da twinget her von kindes jugent SM:WvH 3: 1,8; du hâst von kindes jugende / getragen ie der êren cranz KvWWelt 140; wend ich nie man baz uollinkuͦmin / an allir slachte tuͦginde / gesach uon kindis iuginde / der ie sin swert begurte Athis F 144; Parz 781,10; RvEBarl 1501. – als (Übergangs-)Phase von der Kindheit zum (Erwachsenen-)Alter: ie baz unt baz / steic der herre [Karl d. Gr.] zetugente / uon kintheit ce iugente, / uon der iugent in daz alter Rol 26; únser kintheit die was toreht, únser jugent die wart angevohten; [...], min alter stat mir nu sere ze scheltende Mechth 7: 3,9; also teilit man dez menschen lebtage in vier. daz erste ist die kintheit, iugent, manheit unde daz alter MNat 9,23; PrOberalt 15,38. 16,2; Martina 264,17; im Ausdruck sterkere ~ i.S. des frühen Erwachsenenalters: adolescentia ist ein alter des mennisken inzuisken dere chindiske unde dere stercheren iungede. daz ist so dem chnappen der bart aller erist beginnit springen. unde dere magede die bruste wohsen beginnent PsWindb 118,9(Randgl.). – in gegensätzlichem Bezug auf das → alter (bes. in Wendungen, Sentenzen o.ä.; vgl. TPMA 6,372-385 s.v. jung): jugent hât vil werdekeit, / daz alter siuften unde leit Parz 5,13; swer in der jugent wirt ein sluch / und mit fraze an sin alter kumt, / wirt im da von ein grozer buch, / wie lützel daz der sele frumt! TannhHofz 249; swer an unzuht sîn jugent wendet, / der hât sîn alter gar geschendet WälGa 161; swer sich verlît in sîner jugent, / daz schadet dem alter sêre an tugent GFrau 469; Freid 52,22; ErnstD 1525; Renner 5625; wan swas site duͤ jugent gevât, / den site das alter kûm verlât Ammenh 7717. 1354; swer aber in dem alter wil mit gemache leben, / der muoz in sîner jugende nâch dem hûsrâte streben WolfdA 311,4; MF:Her 2:5,7; hânt alte liute jungen muot, / die jungen alten, deist niht guot; / singen, springen sol diu jugent, / die alten walten alter tugent Freid 52,6; Renner 21785    1.3 ‘Zeit der Jugend, Jugendzeit’ diu vrowe diu was tugenthaft, in ir jungede unberhaft AvaJo 2,5; wand ich dich mit herzen ie / in mîner jugent geminnet hân Wig 6854; si hât mir vröide in mîner jugent / mit ir wol schoener zuht gebrochen abe MF:Reinm 12: 2,3; NibB 7,4; HimmlJer 71    1.4 übertr. auf junge Menschen (Gesamtheit oder best. Gruppe): frou Minne, sît ir habt gewalt, / daz ir die jugent sus machet alt Parz 292,2; diu verteilte [verfluchte] jugende / begie ein groz untugende Dietr 4330; er lebete, swie man wolte / und als diu jugent solte Tr 3502. 2277; Frl 8:3,8. – als Anrede: trût geselle, süeziu jugent Tr 3128; dû jugent ân ende in blüender jugent LobGesMar 24,2; KvWEngelh 4321; Frl 7:14,17    1.5 in Bezug auf die Rechtsfähigkeit bzw. die Bekleidung best. Ämter: ob vnser eynes gerihte, daz gemanet wrde, niht volgte mit aller siner maht nach sines amtmannes gebot, ez were danne durch libes not, durch jugende oder durch alder UrkCorp (WMU) 2070,20. 2040,23; daz er vor jugent zv disen male nicht mag priester werden UrkWürzb 46,73 (a. 1323)    2 beim Tier das Stadium des Jungtiers bezeichnend: welchiz [Tier] aber eine trocken muter hat daz ist gut in der iugint. daz merke bi den chuzen SalArz 16,58. 17,2; die jungen esel sint in der jugent etswie vil schœn und lustig anzesehen BdN 119,35 u. ö.

MWB 3,1 89,56; Bearbeiter: Luxner

jugentheit stF. ‘Jugend’ dur dine [Marias] reine triuwe / wart er [der Hirsch, d. i. Gott] junc als ein hindenkalp [Christus] . / den orden hielt er beidenthalp / des alters und der jugentheit, / als ez davor het uf geleit / sin eweclichiu trinitat KvWGS 1369

MWB 3,1 91,22; Bearbeiter: Luxner

jugentlich Adj. ‘jugendlich, jung’ daz er in sîner blüenden jugent / mit jugentlîcher hêrren tugent / wider sîn selbes sælden streit Tr 296; ein bruͦder in der predier orden der was so sere beswert mit einem guͦten ambachte in der gehorsami, [...], das im entgieng sin jugentlichú maht und verlor sine menlichen kraft Mechth 4: 26,3. ~ zît ‘Jugendzeit’ gewonheit si ouch hade / von ir jugentlichen zit, / [...], / daz si mit flize was gereit / in grozer demudekeit / wa der priester messe sanc Elis 2763

MWB 3,1 91,28; Bearbeiter: Luxner

jugentvar Adj. hier jogunt-. ‘jugendlich, jung’ di joguntvar wip laze ich bliben, / der zal kunde nimant wol beschriben Brun 180; daz im [Amor] di ougen vorsperret sint, / bezeichent daz gene sint vorblint, / di do volgen siner sla, / si sint joguntvar adir gra ebd. A 5,16 u. ö.

MWB 3,1 91,38; Bearbeiter: Luxner

jumente swF. auch ioment (Loheng 5476); aus afrz. jument (vgl. Vorderstemann, Fremdwörter, S. 125f.). ‘Stute’ daz was Margot von Pozzidant, / den man gezimieret vant / eine jumenten rîten, / dar ûf er wolde strîten, / mit îser kovertiur verdact Wh 395,7; der selb ain jumenten rait, / diu was so kostlich beclait WhvÖst 17861; Loheng 5476

MWB 3,1 91,44; Bearbeiter: Luxner

junc Adj. 1 noch nicht er- bzw. ausgewachsen ‘jung’
1.1 von Menschen
1.2 von Tieren
1.3 von Pflanzen, Haaren u. a.; auch ‘frisch, neu’
1.4 in Wendungen
1.4.1 häufig in Kollokation mit alt (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 238f.)
1.4.2 in Sprichwörtern (vgl. TPMA 6,372-385)
2 im Superl. zur Bez. einer zeitlichen Abfolge ‘letzte(r/  s)’ (s. auch jungeste Adv.)
2.1 allg.
2.2 spez. in Ausdrücken für das Ende der Zeit, wobei sich zwischen allg. ‘das Jüngste Gericht, der letzte Tag (der Menschheit)’ und individualisierendem ‘Ende des Lebens, Tod’ unterscheiden lässt
2.2.1 subst. (mit Präp. ane )
2.2.2 dër ~ tac
2.2.3 dër/  diu/  daʒ ~ zît
2.2.4 in weiteren Verbindungen daʒ ~ ende, gerihte, urteile, zil; diu ~ hinevart, stunde, vrist u. ä.
2.3 vereinzelt adv. im präp. Ausdruck zuo dëm ~
   1 noch nicht er- bzw. ausgewachsen ‘jung’    1.1 von Menschen: also ist den jungen luͤten: so si junch sint, so dunchent si wertlicheu dinch schoͤn und wunnechlich; so si alt werdent, so dorret iz in alles daz in ê suͤzze waz PrOberalt 68,34; Rüedelîn, du bist ein junger blappenblap! SM:UvS 22: 7,1; die brûdere, die sô alt oder sô iunc oder sô cranc sint StatDtOrd 70,31; die iunge koninginne Roth 4018; VAlex 590; Herb 15112; BdN 75,32; Wig 1818. dâ was daz junge her von Lîz / komn an die von Lirivoyn Parz 378,12. – bezogen auf die Jugendzeit: in sînen besten zîten, bî sînen jungen tagen / man mohte michel wunder von Sîvride sagen NibB 22,1. 1796,1; alsô daz er got clain gedienet hât in seinen jungen tagen BdN 279,20; wol ir werden, süezzen, jungen jâren! SM:KvL 12: 5,9; KLD:UvL 3: 1,6; Wh 13,25. – meton.: hie dachte er, daz er sinen nefen / furraten wolte, daz iunge leben Herb 208; Wh 293,22. 69,10; des hilfet in dîn junger tôt ebd. 64,24; sîn jungez herze was sô grôz Parz 384,24; Wh 93,30; Wig 2947; got ûz ir jungen munde sprach Parz 396,19. – in Datierungen bezogen auf das Fest Mariä Geburt (8. September): an dem abende vnserre frowen dages der jvngern UrkCorp (WMU) N235,19 u. ö. – subst. (vgl. auch junge swM. sowie junger ): rîcher got, wie wir nâch êren dô rungen! / dô rieten die alten und tâten die jungen Walth 85,30; daz sich die jungen des nicht schamen PrOberalt 28,31; dâ zuo diu junger sprach / ‘swester, disen ungemach / den sol dir got verbieten. / [...] ’ Iw 5639 u. ö.; Mechth 5: 24,48; NibB 414,1; Herb 15251; UvZLanz 8836. – als Bestandteil von Personennamen: sant Dyonisius des jungere den wunderte wie er also unmossen sere vor in allen zuͦ neme Tauler 190,10; Hug Manesse der jvnge UrkCorp (WMU) 863,4. 612,16    1.2 von Tieren: daz ivnge eselli, da niemen vf gesezzen was, bezaichent die haiden Spec 47,7; al senfte was ouch diu künegîn, / reht als ein jungez genselîn / an dem angriffe linde Wh 100,12; man vint rennen [Lab] in der jungen tier magen, diu noch saugent und dar zuo idruckent BdN 116,3 u. ö.; MNat 7,21; SalArz 17,6    1.3 von Pflanzen, Haaren u. a.; auch ‘frisch, neu’ nym in dem merczin eyne iunge buche, di do si eynis beynis dicke Pelzb 121,30 u. ö.; dar nach gip im nachtschaten saf. vnde coriandri saf vnde borraginis saf. vnde iungir reben saf SalArz 55,13; waz ist daz liehte, daz lûzet hervür / ûz dem jungen, grüenen gras SM:UvB 3: 1,2; BdN 416,16; Rennewart. / dem was besenget sîn junger bart Wh 311,16. 270,30; unde wehset daz junge hâr doch vast Barth 149,21; wenn si [die Hirsche] ir hörner habent geworfen und in jungeu hörner her wider wahsent BdN 130,10; wohl hierher: swelch man hât ein stükke scharlachnes [Tuch] , der scol iz verschozzen [versteuern] vor sechs mark; ein geverwet tûch vor vier mark; ein iunk ypersch [aus Ypern] , [...] vor zwû mark UrkZeitz 20 (a. 1322). – übertr. ‘schwach, gering’ dem pfärde was der rücke junc: / wær drûf ergangen dâ sîn sprunc, / im wære der rücke gar zevarn Parz 531,1; ir [der Rheinländer] tugent ist kranc, ir milte ist junc WernhSpr (Z) 50,3    1.4 in Wendungen    1.4.1 häufig in Kollokation mit alt (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 238f.): junc unde alt, junge unde alte, die jungen mit/  zuo den alten u. ä. ‘viele; alle, jede(r)’ sô hôrten junge und alte dâ / die tiuvel lûte schrîen sâ RvEBarl 13627; fröit iuch, jung und alt SM:Ro 7: 1,1; junge und alte im drungen nâch Parz 150,30; si begunden alle gâhen, / die alten zuo den jungen. / ze dem tor si ûz drungen UvZLanz 1401; ReinFu K,1610; KvWLd 2,117. junc noch alt, junge noch alte ‘keine(r), niemand’ ich neweiz in mîner gewalt neweder junge noh alt / der dir sî gelîch Gen 2068; ez sleich nie leo junc noch alt / unvorhtlîcher durch keinen walt HvBer 4244; ez wart niemen vride geben, / jungen noch den alden Dietr 9384. ër/  siu wære/  sî junc oder alt i.S.v. ‘wer auch immer er/  sie sei’ daz er wol ist gekrœnet / von vrôn Sælden gewalt, / er sî junc oder alt, / der sie dâ schouwen getar StrDan 542. 5248; er si gra, ivnc oder alt ReinFu K,999; er sî jung oder alt, arm oder rîch, edel oder unedel PrBerth 1,66,9; ir sit iunc oder alt / ir sit prode oder balt VMos 65,18; Hochz 429    1.4.2 in Sprichwörtern (vgl. TPMA 6,372-385): von dem spricht der gemain spruch: junger engel, alter tiefel BdN 231,28; trage junges har, grawen sinne Erz III 36,277; ez blüt ouch dicke ein junger sin durch grisez har Frl 5:23,7    2 im Superl. zur Bez. einer zeitlichen Abfolge ‘letzte(r/  s)’ (s. auch jungeste Adv.)    2.1 allg.: daz was ir jungestiu ger / daz ich iu daz bræhte / und man dâ bî gedæhte / muoterlîcher triuwe / und senlîcher riuwe Wig 11358; swer auch ein wein veil hat nach der iungesten winglocken, der git 60 d. zuͦ bezzerunge WüP 35,5; do sprach der iunger: waz betútet die iungeste collecta? Lucid 102,22; vnd sv́ln der selben ivngesten [neuesten] viervntzweinzig [Ratsmitglieder] ehtv́we [acht] sin von den edeln vnd ehtv́we von den koͮflv́ten vnd ehtv́we von den antwerklv́ten UrkCorp (WMU) 1797A,46; Himmelr 7,6; Eckh 5: 416,9. – subst.: ‘ich bin’, sprichet got, ‘der êrste und der jungeste’ Eckh 5: 115,1; ieslîch frouwe ir dienest tuot, / ê die jungsten, nu die êrsten Parz 240,15; Lucid 101,19; PrOberalt 49,40. – die Bez. ~ bruoder/  predigære für die Mitglieder eines Mönchsordens des Dritten bzw. Letzten Zeitalters nach der Lehre Joachims v. Fiore bei Mechth (vgl. LexMA 5,485-487): von den jungesten bruͦdern [Überschrift; vgl. Anm.z.St.] Mechth 6: 21,2; von Enoch und Elyas pine und von den jungesten prediern [Überschrift] ebd. 6: 15,1 u. ö.    2.2 spez. in Ausdrücken für das Ende der Zeit, wobei sich zwischen allg. ‘das Jüngste Gericht, der letzte Tag (der Menschheit)’ und individualisierendem ‘Ende des Lebens, Tod’ unterscheiden lässt    2.2.1 subst. (mit Präp. ane): den [Hort] hiezen mîne herren senken in den Rîn, / dâ muoz er wærlîche unz an daz jungeste sîn NibB 1742,4; wir sculen unsir houbet, den heiligen Christ, bescermen zediu, daz er uns an dem jungist / mit gesundem houbet bescerme unde daz wir ze der ewigen genze geladet werden MillPhys 91,1; alse der brutegoum cumet mit einer menie siner riter, so er sine brut enphahit vnde si mit gesange fúr leitet, alse duͦt man mit den rehten an ir iungesten Lucid 123,5    2.2.2 dër ~ tac: von dem êrst erschinenen tage / unz an des jungesten tages schîn / muoz Tesereiz geprîset sîn Wh 347,17; so chumt der jungiste tach also sciere so ein braslach [Wimpernschlag] AvaJG 17,8; Vät 15139; HvNstAp 3173; Roth 2257. wirne komen niemir hinne, / iz ist unser iungister tac Rol 6039; als ein diep begrîffet dih der jungiste tac Erinn 789; iz ist ouch hiute dîn jungister tach Kchr 13062; WälGa 8326; En 12898    2.2.3 dër/  diu/  daʒ ~ zît: daz wir uon ime in dem iungisten zîte mit gesunteme houbite. zuͦ ewiger genzi geladet werden JPhys 11,42; der hêrre lebet ienoch / unze an daz iungiste zît VMos 12,2; Warnung 207; AvaA 1,1; RvEBarl 3299; im Plural: daz unser hêrre got, der ein houbet ist der ecclesien, nû bî diesen iungesten cîten ouch hûtere solde haben StatDtOrd 25,3; Martina 203,20. daz ir her komen sît, / daz ist iuwer jungestiu zît Iw 1158; daz wart ir jungestiu zît StrKarl 5590; daz man sîn bîhte tuon sol / an sînem jungisten zît WälGa 8345; Konr 11,78    2.2.4 in weiteren Verbindungen daʒ ~ ende, gerihte, urteile, zil; diu ~ hinevart, stunde, vrist u. ä.: so wirt uns gesendet an dem jungisten ende / Elyas unde Enoch AvaA 7,1; nv han ich iv gemachen kvnt / die zit die iungsten stunt / wie der welte frovde welzit Martina 211,64; sô got an dem jungesten zil / an daz gerihte komen wil RvEBarl 3643; ê dir nû chomt dîn jungiste vrist, / sô mûstû vil offte rûffen ‘wê! [...]’ Erinn 504; Litan 562; Spec 113,1 daz si des ruwen nit behilt / umme ir missewende / biz an ir jungest ende! Elis 8986; du ne maht si niht irlose, / mit den du wirdist funden / in ir iungisten stunden Glaub 2563; daz ander geteilit ist / dez och an der iungsten frist / ein ieglich mensch enpfindit Martina 202,108; daz ist ir jungestez zil, / daran man sie wil toten Vät 5312; Litan 797; Erinn 482    2.3 vereinzelt adv. im präp. Ausdruck zuo dëm ~ : – ‘zuletzt, schließlich’ scamonea di vurbet [reinigt] des ersten di coleram. dar nach daz fleuma. zu dem iungesten di melancoliam SalArz 85,41. – ‘zumindest, wenigstens’ zim iungistin doh daz wir geuolgen. daz nih unzi zir sathi wir trinken. sunder mazclicher [ saltim vel hoc consentiamus, ut non usque ad satietatem bibamus, sed parcius ] BrZw 40

MWB 3,1 91,51; Bearbeiter: Luxner

juncbrunne swM. ‘verjüngende/  heilende Quelle, Jungbrunnen’ secht, das ist mein pester hort, / den ir vor ewr secht dort. / es ist ain jungk prunne: / der mane noch di sunne / peschain nie so grossen solt HvNstAp 12951; si fuorte in [...], / für einen berc, dâ westes einen juncbrunnen stân: / der was einhalp kalt und anderhalbe warm WolfdB 336,2; WolfdD 557,2; JTit 4530,4. – übertr. für Maria: si ist der lebendig junch prunnen / der die alten wider pracht Teichn 114,44

MWB 3,1 94,33; Bearbeiter: Luxner

junc|hêrre, -hërre swM. auch jun(c)ker (Lanc 39,10 u. ö.), juͦngk- (Lanc 21,23). 1 i. d. R. Bez. für einen jungen Mann höherer Stellung ‘junger Edelmann, Adeliger’ , auch ‘Knappe’ (genauere Differenzierungen von Stand und Funktion problematisch; vgl. DRW 6,614-617)
2 Bez. für einen jungen Ordensmann
   1 i. d. R. Bez. für einen jungen Mann höherer Stellung ‘junger Edelmann, Adeliger’, auch ‘Knappe’ (genauere Differenzierungen von Stand und Funktion problematisch; vgl. DRW 6,614-617): si horten di phaht [das Recht] leren / die edelin iuncherren / unde schermen mit den schilten Rol 662; daz man den juncherren hôch / als unerbermeclichen sluoc KvWHvK 102; sîn kint, der junkherre, / gên sînem vater verre / mit vrœlîchem muote gie RvEBarl 8147; der knapp sah wol das das kint [im Alter von 10 Jahren] ein edelman was, und antwurt im alsus: lieber juncker, das uch got ere Lanc 36,35; wand auch Hainrich von Sigenhaim dannoch jvncherre was vnd nicht aygens ynsigels het UrkCorp (WMU) 2413,14; Parz 343,17; SAlex 5616; Wig 1438; MarcoPolo 30,14. ich wil dir junge altherren zeigen / und alte jungherren geben für eigen Walth 80,25. – ‘junger Dienstherr’ er chot sîn hêrre hête in dare gesant umb einen michelen ârant, / sîneme junchêrren umb ein wîb diu guot wâre und êrlîch Gen 993; er [Joseph] troste sich vil harte / sines iunkherren: / er liez im niht gewerren Wernh A 4421; der getriuwe marschalc dan Rûal / und sîn junchêrre Tristan / die griffen ir gescheffede an Tr 4501. – als Titel: ein acker vf der werben nebent juncherren Hetzele UrkCorp (WMU) 3244A,23. 61,17. – als Anrede für Christus bzw. Gott: juncherre wîs, du wære grîs: / nu zieret dich ein brûner vahs KvWLd 1,17    2 Bez. für einen jungen Ordensmann: dar vmb geb wir der vorgenant Christein an all wider red ein halb herren pfrvent gentzleich, alz man sei geit einem junchherren vnsers ordens UrkEnns 6,99 (a. 1333); vnd schol der oblaymaister [Verwalter der Abgaben] an den zwain jartegen einem igleichen herren geben ein semel, [...], vnd ein stauf weins dezselben weingarten vnd als vil den junchherren vnd den pruͤdern UrkKlostern 1,281 (a. 1340)

MWB 3,1 94,43; Bearbeiter: Luxner

junc|hêrrelîn, -hërrelîn stN. Dimin. zu junchêrre . ‘Edelknabe, Knappe’ das ir herre solte sin / das edel juncherrelin / Willehelm der guͦte RvEWh 3234; zu den nam er sehs juncherrelin, / edeliu kint von hoher art WhvÖst 224; juncherrelîn, / durch rehte minne beite ein lützel mîn KLD:WvM 2:1,7; Parz 430,26 u. ö.; Wh 174,9

MWB 3,1 95,19; Bearbeiter: Luxner

junc|hêrrinne stF. hier -in. ‘Ehefrau eines (jungen) niederen Adligen’ item du jungherrin und R.K. git von 1 schup. vroschwiles IIII sol. DRW 6,608 (Geschfrd. der 5 Orte; a. 1331)

MWB 3,1 95,26; Bearbeiter: Luxner

junc|knëht stM. ‘Bäckergeselle’ ob ein jungknecht ein meister werden wiel, den solten die meister versuchen, ob er sein handtwerch konne vollkömlichen oder nicht DRW 6,609 (StArchBresl.; a. 1326 kopial)

MWB 3,1 95,30; Bearbeiter: Luxner

junclich Adj. ‘jung, jugendlich’ swâ man die engele mâlet, daz man sie eht anders niht enmâlet wan als ein kint von fünf jâren, als junclich PrBerth 1:389,16; swer in [ den brunnen ] trinket drî stunt, / der ist alwegen gesunt, / [...] / und ist immer junclîch, / starc und ouch tugentlîch Wigam (B) 1620; wil dû dîn antluze aver junchlich machen unde schône, sô nim eine henne [...] Barth 134,16; HvNstAp 13244; Lanc 19,27; daz ez [Nieswurz] den leip verändert auz seiner schickung in ain pezzer gestalt und in ain junkleich schickung BdN 399,30; in mîner âbentzît [Lebensabend] ich bin / unt trage doch jungen liuten gar junclîchen morgen schîn RvZw 180,2. – von Haar: swaz junclich was unde val / daz brach sîn êlich wîp dan Bîspel (Pf) 37,34. – die Zeit der Jugend: mit hoffart wart er wol beladen / in sinen iuncklichen tagen / stalt er nach weltlicher er RitteruT 12; Tit 125,2. – von jugendlichem Verhalten: ouch weiz mîn trehten daz, / daz si vil wunderen schône was, / wande izne wêre von junchlicher ubermût / niwan von ir tugeden vil gût JJud 1155; Bîspel (Pf) 37,27

MWB 3,1 95,35; Bearbeiter: Luxner