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ABCDEF s.VGHIJKL
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jâ – jagesite
jagespieʒ – jâmerbrôt
jâmerbürde – jâmerrede
jâmerrëgen – jâmersuht
jâmertac – jardîn
jârdinc – jârmarket
jærmerlich – jegede
jegelich – jëner, -iu, -eʒ
jënerhalp, ënerhalp – jiuch
jiuchære – ju
jû – judenbrâtære
judenbrücke – judenrâtman
judenrëht – jugentheit
jugentlich – jungede
jungelinc – jungen
jungent

   juncman - jungeste    


juncman stM. z. T. unklar, ob Syntagma. ‘junger Mann, Jüngling’ Vestian, / der was ein edele juncman SAlex 327; da er di magt da verlie, / ain ander jungkman gegen im gie HvNstAp 15743; junc man, wie hâstu sô getân, / daz du dîne herren hâst verlân? StrKarl 5373; Renner 11615; KarlGalie 9904 u. ö.

MWB 3,1 95,58; Bearbeiter: Luxner

juncmeister stM. wohl eine Art (Hilfs-)Lehrer (evtl. Übers. von lat. magister puerorum; vgl. Maurer/  Rupp 1,478): gruszent mir ewern jungmaister, meinen lieben schuler und früind HvNördlBrf 4,83. – hier unklar, ob nicht eher junger/  jüngster Meister einer Zunft (vgl. DWB 4,2,2398): von ivncmaister ain halp pfvnt UrbBayÄ 1287,b

MWB 3,1 96,1; Bearbeiter: Luxner

junctûre stF. von lat. iunctura. ‘Verbindung, Verknüpfung’ (hier bezogen auf die Nähte an einem wâpenkleit): doch was ein underscheide / zwischen den weggen [keilförmige Stoffstücke] und der nât. / ûz golde ein bendel wol gedrât / was der junctûre decke, / der underschiet die wecke / mit sînem glanzen schîne KvWTroj 3821

MWB 3,1 96,8; Bearbeiter: Luxner

juncvrischinc stM. ‘Jungtier’ (als Abgabe): item de agnis altfrischinge LI, ivnchfrischinge XXVII UrbNAlteich 305; quecumque huba servit cum avena. illa solvit VI modios avene; altfrisching quilibet valet XII denarios ad vronchost; junchfrischinch autem valet VI denarios ad vronchost ebd. 292 u. ö.

MWB 3,1 96,15; Bearbeiter: Luxner

juncvrouwe swF. auch junffer (UrkFriedb 108); selten st. (EnikWchr 9754 ; Ottok 63716 ; WolfdD (J) 6:36,4 ; Seuse 406,10). 1 von Personen, i. d. R. junge, adelige und unverheiratete Frau
1.1 die (hohe) gesellschaftliche Stellung betreffend
1.1.1 ‘junge Herrin, Dame’
1.1.2 ‘Edelfräulein, Hofdame; Dienerin, Magd’
1.2 das junge Alter betreffend ‘junge Frau, Mädchen’
1.3 die sexuelle Unberührtheit betreffend (auch vom Mann) ‘Jungfrau’ (vgl. auch 1.4 )
1.4 für einen reinen, unberührten Menschen bzw. dessen Seele (v. a. in der Mystik; vgl. Hernández, Eigentum, S. 73-76; Egerding, Metaphorik 2,180-183)
2 das Tierkreiszeichen ‘Jungfrau’
3 in Eigennamen
4 unklar, ob Pranger (vgl. Anm.z.St.), Schandmantel oder Folterinstrument (vgl. DRW 6,602) in der Wendung in die ~ spannen
   1 von Personen, i. d. R. junge, adelige und unverheiratete Frau    1.1 die (hohe) gesellschaftliche Stellung betreffend    1.1.1 ‘junge Herrin, Dame’ ein juncvrouwe, heizt Lûnete Iw 5885; nu sage der ivnurouwin din / min dienist ob sie is gerochit Roth 2010; dô daz getwerc den rîter sach, / ze sîner juncvrouwen ez dô sprach Wig 1889; Parz 810,12; Tr 10440. – auch als Verheiratete: wir juncherre Johannes genant von Mezzen vnde vnsir eliche vrowe iuncfrou Agnes von Hohenuels UrkHess (B) 2,662 (a. 1306). – als Schwangere: nû vuorte dirre wîse man / sîne juncvrouwen [die mit Gregorius schwangere Mutter] dan / in sîn hûs Greg 658. – als Anrede: nein süeziu juncvrouwe, nein! Tr 10154; juncvrouwe, nu sagt mir mê Wig 3842    1.1.2 ‘Edelfräulein, Hofdame; Dienerin, Magd’ mîner muoter juncfrouwen / ir vingerlîn an snüeren tragnt Parz 123,28; Elena [...] / vnde ir ivncfrouwen Herb 2603; nu begunder umbe schouwen / und sach vil juncvrouwen, / die ir gesindes wâren Iw 5200; Angnes der froͧwen junchfroͧwe von Wise UrkBasel 3:77,37 (a. 1293); UrkCorp (WMU) 59,38; MarcoPolo 30,15; Wh 278,24. – übertr.: die gedenke sint vndertenig der vernunft als ein ivngfroͮwe ir froͮwen RvBib 55,11    1.2 das junge Alter betreffend ‘junge Frau, Mädchen’ welche iuncvrowe loufet uz ires vaters brote mit einem manne hinwec, oder welche iuncvrowe sich verlobit wider ires vater wille StRFreiberg 57,6; als juncvrouwen unde kint / gelustic unde gelengic sint Tr 10067; ez wære wîp oder man, / juncvrouwe oder ander maget Wh 231,9; diu prüstel [...] schüllent an den juncfrawen klain sein und tapfer BdN 25,5; SchwSp 149a; EvBerl 106,17. vf zwein phileren / mochte man schowen / zwo iuncfrowen / geworht von steine Herb 9277. welheu junkfraw daz wazzer trinkt, ist si noch magt [sexuell unberührt] sô geschicht ir nihts, ist si aber niht maget, sô beprunzt si sich zehant BdN 447,27    1.3 die sexuelle Unberührtheit betreffend (auch vom Mann) ‘Jungfrau’ (vgl. auch 1.4): sô væht man ez [das Einhorn] mit ainer käuschen juncfrawen BdN 161,24 u. ö.; war umme hete he [Christus] in [Johannes] leber dan einen anderen? [...] umme sîne jungfrowelîchen reinekeit, wan he ein juncvrowe was; wan der maitum treit di krône uber alle tugende HvFritzlHl 37,37 u. ö.; sît ich [Partonopier] iuch niht enrüere / unde als ein juncfrouwe lige KvWPart 1487; Eckh 1:24,5 Herb 2520. pei dem tier [ dër merjuncvrouwen ] verstên ich die valschen juncfrawen, die mit gepänd als juncfrawen gênt und sich juncfrawen haizent und sprechent, si haben gar gevast, und ezzent doch flaisch haimleich an dem freitag: dâ sint si gar girig nâch BdN 241,12. – für die Jungfrau Maria: dô sante Marîe, / diu edele unt din frîe, / diu maget [La.: juncvrouwe ] unberuoret, / ze dem templo wart gefuoret Wernh 1345; vnde ere der hochgelobetin junckfrawe sancte Marie, der gebererin gotis UrkCorp (WMU) 222A,32; Tauler 11,9. – für Klosterfrauen: ein latinischer brief, wie die junffern zum Trone [ein Kloster] die gemeyn von Friedberg im ban gehabt UrkFriedb 108 (a. 1328); daz si [...] sullen geben [...] deme conuente zv Lippoldesberge den heiligen jvngfrowen [...] dit korngelt UrkCorp (WMU) N651,10    1.4 für einen reinen, unberührten Menschen bzw. dessen Seele (v. a. in der Mystik; vgl. Hernández, Eigentum, S. 73-76; Egerding, Metaphorik 2,180-183): juncvrouwe ist alsô vil gesprochen als ein mensche, der von allen vremden bilden ledic ist, alsô ledic, als er was, dô er niht enwas Eckh 1:24,8 dise vruht und dise geburt [Obj.] machet disiu juncvrouwe [Subj.] , diu ein wîp ist, geborn [der Mensch bzw. seine Seele ist nicht nur reine, unberührte juncvrouwe, sondern auch wîp in dem Sinne, dass er bzw. sie das von Gott Empfangene ‘zum Ertrag’, also zur vruht, bringt] ebd. 1:30,6 u. ö.; o minnendú sele, [...] du bist ein menlich man an dinem strite, du bist ein wolgezieret juncfroͮwe in dem palast vor dinem herren Mechth 2: 19,7 u. ö.; alsus sol dise juncfroͮwe in abgescheidenheit sin, alle ir sitten, ir sinne, ir gelas, alles inwert, so bringet sú vil frúhte und grosse fruht, gotte selber, gottes sun, gottes wort Tauler 11,18; Will 4,1. – für die Töchter von Jerusalem bzw. Zion (übertr. für die christl. Gemeinde bzw. die Kirche; vgl. Is 1,8): ích besuéren íuuích iúnkfróuuon ze Hierusalem Will 134,1; gêt ûz ír iúncfróuvon. ír da búiuuet in Syon ebd. 53,1. 85,1; kumt, juncvroun van Syon, / kumet, der genoz ich bon! MarlbRh 34,16    2 das Tierkreiszeichen ‘Jungfrau’ daz sehste zaichen haizzt deu juncfraue, daruͤmb, daz deu sunne ist danne unperhaft KvMSph 23,22 u. ö.    3 in Eigennamen: – als Flurbez.: vnsern weingarten ze Minnepach, der div Juncvrawe haizet UrkCorp (WMU) N441,27. – in einem Hofnamen (als Teil eines Personennamens): Dudo zer juncfrowen hove UrkCorp (WMU) 1729,43    4 unklar, ob Pranger (vgl. Anm.z.St.), Schandmantel oder Folterinstrument (vgl. DRW 6,602) in der Wendung in die ~ spannen: sal man in dy juncvrow spannen DRW 6,602 (ZWestpreuß.; um 1300)

MWB 3,1 96,22; Bearbeiter: Luxner

juncvröuwelich Adj. ‘keusch, unberührt, jungfräulich’ in juncfrouwelicher mugent [Kraft, Vermögen] / nach godes suze follebraht / wus innerlich ir andacht / unde ir geistlichen side Elis 1100; die nidersten krefte der sêle, als verre sie hânt berüeret zît oder stat, als vil hânt sie verlorn ir juncvröuwelîche reinicheit Eckh 1:275,9; das ir [...] der junckfroulicher himelscher orgelkunigin [d. i. Mechthild v. Magdeburg, vgl. Anm.z.St.] , [...] auch VII Paternoster und Ave Maria mit VII venien sprechint HvNördlBrf 43,128; Seuse 29,11. si [die Seele] ist ein us glenzender rubin in eime jungvroͤwlichen vúrspan Seuse 252,25. – ‘zu einer juncvrouwe gehörend’ zwei jungfroͤwliche oͮgen súllen sich nit vil umb luͦgen Seuse 481,6. ~ huote phlëgen ‘die Jungfräulichkeit bewahren’ wande he [Johannes] hi uf erden / juncfrouwelicher hude plac Elis 829. – mit Bezug zur Nonnenweihe (im Zusammenhang mit der Braut-Christi-Vorstellung; vgl. Egerding, Metaphorik 2,184): disen [...] jungfrowelichen uszog der usserwelten gottes gemaheln von der valschen welt in ein himelsches leben Seuse 410,12. 361,1

MWB 3,1 97,63; Bearbeiter: Luxner

juncvröuwelicheit stF. ‘Jungfräulichkeit, Unberührtheit’ hier übertr. i.S.v. ‘Empfänglichkeit (der Seele für Gott)’ (vgl. Egerding, Metaphorik 2,181f.): dâ enist im [dem Menschen] sîn juncvröuwelicheit ze nihte nütze, wan er niht ein wîp enist zuo der juncvröuwelicheit mit ganzer vruhtbærkeit. dar an lît der schade [der Mensch bzw. seine Seele soll nicht nur reine, empfängliche juncvrouwe sein, sondern auch das von Gott Empfangene als ein vruhtbæreʒ wîp ‘zum Ertrag bringen’ (vgl. folgenden Beleg)] Eckh 1:28,3; vil guoter gâben werdent enpfangen in der juncvröuwelicheit und enwerdent niht wider îngeborn in der wîplîchen vruhtbærkeit mit dankbærem lobe in got ebd. 1:27,10. 1:28,2

MWB 3,1 98,21; Bearbeiter: Luxner

juncvröuwelîn stN. Dimin. zu juncvrouwe . 1 von Personen, i. d. R. junge, adelige und unverheiratete Frau bzw. Mädchen
1.1 das junge Alter betreffend ‘junge Dame, Frau, Mädchen’
1.2 ‘Edelfräulein, Hofdame, Zofe; Dienerin, Magd’
2 das Tierkreiszeichen ‘Jungfrau’
   1 von Personen, i. d. R. junge, adelige und unverheiratete Frau bzw. Mädchen    1.1 das junge Alter betreffend ‘junge Dame, Frau, Mädchen’ nu was das junvroͮwelin / nih wan siben jar alt RvEWh 3770; von dir wirt diu hûsfrouwe dîn [Anna] / enpfâhende ein juncfröuwelîn [Maria] WvRh 654; dô sprach ein hobisch juncfrauwelîn Eilh (L) 2343; ein edel juncvrowelîn, / daz niht schœner mohte gesîn Mai 5,25; Tr 13578; Kreuzf 330. do stunden elf kurcze juncfrouwelin [Zwerginnen] , / dy waren schone und wol getan LaurinA (L) 922. er [ein Stern] gab sunder liechten schin, / und stuͦnd als ain junkfroͤwelin / die ain kint an ir arme truͦg WernhMl 2956    1.2 ‘Edelfräulein, Hofdame, Zofe; Dienerin, Magd’ zwei guldîniu kerzstal / truogen diu juncvröwelîn UvZLanz 889; nun was dâ nieman inne / âne die küniginne / wan cleiniu [junge] juncvrouwelîn Tr 11669; vor der slâfenden herzogîn / wâren vil juncfrouwelîn / in der kemenâten UvEtzWh 2460; Wh 296,16; Parz 815,25    2 das Tierkreiszeichen ‘Jungfrau’ die ordnung und die zal der himelzaichen die sint also: wider, ohs, zwinlein, krebs, leo, juncfreulein, wag, schorp, schuͤtzlein, stainpok, krug, vischlein KvMSph 23,3

MWB 3,1 98,36; Bearbeiter: Luxner

juncvrouwenantlitze stN. Gesicht eines Mädchens bzw. einer jungen Frau: Beda spricht, daz diu selb slang [aus dem Paradies] ain junkfrawenantlütz hab gehabt [vgl. LThK 9,154 ] BdN 270,26

MWB 3,1 98,61; Bearbeiter: Luxner

juncvrouwenhöubetlîn stN. hier juncvrou-. (kleiner) Kopf einer jungen Dame oder eines jungen Mädchens (hier als Schmuck an einer Fibel): ein vürspan truoc sie oben, / dâ von was zuo loben, / daz was golt von Arâbîn. / zwei juncvrouhöubtelîn / wâren beidenthalben dar an erhaben, / zwischen den war ergraben / mit loube ein rebelîn [vgl. Anm.z.St.] Wigam (B) 4510

MWB 3,1 99,1; Bearbeiter: Luxner

junczëhende swstM. auch jungi-. Zehnt von Jungtieren (als Abgabe): daz ich einen dritteil der zehenden [...] kornzehenden, hoͤzehenden und jungzehenden, mit allen dingen so dar zuͦ hoͤrent, han UrkBern 5,269 (a. 1322); in [...] decimis minutis seu nascentium, dictis vulgariter jungizenhenden ebd. 6,417 (a. 1338)

MWB 3,1 99,9; Bearbeiter: Luxner

jungalte swM. als Bez. für Christus, der als Mensch jung und als Gott alt ist (vgl. Bez. als primus et novissimus Apc 1,17 und 2,8): da der jungalte zwischen saz / gegerwet [gekleidet] , als er sich vermaz / in wizem kleide sunder haz Frl 1:7,5

MWB 3,1 99,16; Bearbeiter: Luxner

junge swM. subst. Mask. Sg. von → junc . ‘Junge, Jüngling, junger Mann’ do uant si den iungen / sten bi eineme brunnen VMos 21,6; der junge, der den arn truoc, / der vaht âne liste UvZLanz 2036; die vierzehen jungen, / des küneges süne von Nûbîant, / ir neve Sînagûn dô vant / vil nâch umbe gekêret Wh 432,4; NibB 42,3; Daniel 7777. – als Bestandteil von Personennamen: I <1/2> acker zvͦ Bebelins mate; I zweiteil nebent deme Jv́ngen UrkCorp (WMU) N90,11; Tilman zvm Jungen ebd. 1729,38

MWB 3,1 99,21; Bearbeiter: Luxner

junge swN. ‘(Tier-)Junges, Jungtier’ dâr [ Enêas ] diu sú [Sau] mit trîzig iungin vant Anno 23,14; in [den Pelikan] twinget sîner triwe gelust / daz er bîzet durch sîn selbes brust, / unt lætz bluot den jungen in den munt Parz 482,17; ain türteltaub mit zwain jungen pringt genâd BdN 472,2; Tauler 426,38; JPhys 23,7 u. ö.

MWB 3,1 99,31; Bearbeiter: Luxner

jungede stN. meist -id(e) (zu den Suffixvarianten -ide und -îde (zu späterem -eit) vgl. Etymol.Wb.  d.Ahd. 5,13f.). 1 ‘(Tier-)Junges, Jungtier’
2 ‘Jugend’ (als menschl. Alter)
   1 ‘(Tier-)Junges, Jungtier’ do wart / [...] / von Jacobe dem guͦtin / das vihe virlistet gar also / das ez ze sinin ziten do / ze gelúcke dem reinin man / dechein jungede gewan / wand das vech und blecket was RvEWchr 6395. 6385; da vindet ir ain eselinne gebvnden vnde ir ivngide Spec 46,30; so er [der Vogel] sin jungide gebirt / unde daz boslich wirt Hochz 821; swer den satz veber vert vnd an satz auftuot als manig iungeit er schenchet, der get dem rihter LXXII pfenning UrbBayJ 470; daz unser herre auf diu eslinn und auf ir jungid saz PrOberalt 76,34; GenM 64,12. – im Gleichnis: wir sulen [wie das Reh] unseriu iungide ziehen unde sougen TrudHL 112,24    2 ‘Jugend’ (als menschl. Alter): adolescentia ist ein alter des mennisken. inzuisken dere chindiske. unde dere stercheren iungede. daz ist so dem chnappen der bart aller erist beginnit springen. unde dere magede die bruste wohsen beginnent PsWindb 118,9(Randgl.)

MWB 3,1 99,38; Bearbeiter: Luxner

jungelinc, jüngelinc stM. einen jungen Mann zwischen Kindes- und Erwachsenenalter bezeichnend ‘Knabe, Jüngling, junger Mann’ swenne der jungelinc ze vierzehen jâren komen ist SpdtL 122,5; die schœnesten jungelinge die under zweinzic jâren sîn BuchdKg 61,16; daz ist diu chintheit e der junglinch ze man wachse PrOberalt 15,37; swaz diu frouwe und der jüngelinc / ein ander dâ tâten, / daz möhte ein nunne errâten Eracl 4010; die porte, dâ man den tôten ûz truoc, den jüngelinc, einer witewen sun Eckh 1:304,2; Spec 102,14; VAlex 367. do vorte der alde iungelint / dusint ritar inden sint [auf den Weg] Roth 2163. – im Pl. auch für beide Geschlechter ‘junge Leute’ hei wie vrô die jungelinge [Flore und Blanscheflur] / ungescheiden aller dinge / vriuntschefte pflâgen Flore (P) 599 u. ö.; vil guter got, / gib disen jungelingen [dem Brautpaar] , / daz ir herze ringen / dines willen ramen [streben] Pass I/II (HSW) 28321. – für Novizen eines Ordens: di ivngelinge [ adulescentiores ] en habin bi ein ander ir bette nit BrHoh 22; UrkCorp (WMU) 1656A,4

MWB 3,1 99,60; Bearbeiter: Luxner

jungen, jüngen swV. auch jugen (LobGesMar 87,9, Pass III 454,10, SHort 4856). 1 intr. ‘(wieder) jung werden’
2 tr. ‘jmdn. verjüngen, (wieder) jung machen’
3 refl. ‘sich verjüngen’
   1 intr. ‘(wieder) jung werden’ sus mac ich jungen, alsus wirde ich alt MF:Fenis 5:2,5; die bluͦme er ir heyen [hegen] sal, / da von sie ymmer ju̍nge Krone 23687; swer den venchel steteclichen isset, her iunget Macer 13,19; Tannh 7,12; Tr 13061. – Part.Präs.: Seneca sprichet daz der git / gruͤnet, wahset alle zit; / dannoht, so alle untugende / altent, daz er ist jugende SHort 4856; ich meine Crist mit tugenden, / der machte in [Aegidius] also iugenden, / daz er vil wundere hie tet Pass III 454,10    2 tr. ‘jmdn. verjüngen, (wieder) jung machen’ mich mag diu liebe jungen KLD:SvL 5:2,8; trunkenheit di junget den grisen Brun 3486; ahî wie er streit, / unze er gar tungte daz velt mit den tôten. / die álten ez álsâ jungte Kudr 675,4; Tannh 4,110. – Part.Präs.: ach jugendiu jugent, ach jugender muot LobGesMar 87,9. – Part.Prät. in Passivkonstruktionen: daz sint dîe sêla. dîe der [d. i. dâr ] geiúnget sint in dero tôife Will 4,2; daz unser vater alt / werd ouch von iu gejunget hie KvWTroj 10955; diu schrift betiutet uns vür wâr / wie er gejunget wirt KLD:Kzl 16: 2,8; MillPhys 82,6; RvEWchr 1545    3 refl. ‘sich verjüngen’ der Salomon der júnget sich / in diner minn demuͤtenklich KvHelmsd 4535; mist manigen magern acker tünget, / daz er fruht bringet und sich jünget Renner 5886. 19345; dar umb lauft er [der Hirsch] zehant zuo einem prunn und trinket. dâ von jüngt er sich und pringt sein kraft wider BdN 129,22; da mit du hast gejünget dich! WhvÖst 1115; Parz 175,11; KLD:OvB 8:7

MWB 3,1 100,18; Bearbeiter: Luxner

jungent stF. jugent

MWB 3,1 100,51;

junger swstM. ursprüngl. Komp. von → junc (deswegen z. T. auch sw. flekt.). 1 ‘Schüler; Lehrling, Gehilfe’
2 ‘Jünger, Apostel’
   1 ‘Schüler; Lehrling, Gehilfe’ discipulus: iunger VocOpt 39.027; der meister vnde der iunger / redent wider ein ander Lucid 2,8; Aristotilis, [...], hat gemachtt ditz puech seinem junger, dem grossen kaiser Alexannder HvHürnh 1,2; sam die schuoler, die ê maister wellent sein denn junger BdN 122,26; alz ein meister, der alle chunst in im het, der niht auzzer im suchet, sunder einen iungern het, in den er guͤzz alle sein chuͤnst, so offenbar der iunger seinen meister Eckh (J) 19,5; Litan 75; Kudr 364,3. sus muoste dulten Jôsaphât / von dem tiuvel manigen rât, / den er an in ie kêrte, / als in betwungen lêrte / des tiuvels junger, Thêodas RvEBarl 12039. – ‘Novize’ wie dv gehorsami dir ivngron sol sin BrEng 5. – übertr.: der wernden not ein ivnger Martina 128,81    2 ‘Jünger, Apostel’ er sprach: "ecce agnus dei" zuo sinen jungern zwein AvaLJ 49,6 u. ö.; dô unser hêrre Jhêsus Christus [...] sîn vleisch unde sîn blût dâ gab sînen iungeren StatDtOrd 36,13; do chom er selbe, v́nser herre Jesus Christus, mit sinen ivngern Konr 3 W1,192 u. ö.; PrMd (J) 342,9; Kchr 3031; BdN 63,8

MWB 3,1 100,52; Bearbeiter: Luxner

jungerinne stF. ‘Anhängerin, Jüngerin’ diu arme gotes dienaerinne, / Marîâ, Jêsus jungerinne Philipp 9141. – übertr.: [ diemuot ] ist der tugende behalterinne, der genâden erwerberinne, [...], der wârheit jungerinne, der minne enzünderinne DvASchr 338,22

MWB 3,1 101,12; Bearbeiter: Luxner

jungerlich Adj. wohl ‘jung, jugendlich’ (oder zu junger 2?): er [Christus] ist understútzet mit den bluͦmen der gotheit und umbsetzet mit dem senat der jungerlichen wúrdekeit Seuse 548,22

MWB 3,1 101,18; Bearbeiter: Luxner

jungern swV. ‘verjüngen, jünger machen, erneuern’ dú schoͤne minne von hoher gewalt dú jungert die sele Mechth 3: 13,20; der slange jungert sînen balc WernhSpr 16,9; der werde mensche jungert sich niht mêre ebd. 16,10

MWB 3,1 101,22; Bearbeiter: Luxner

jungersen stswF. ‘Schülerin, Novizin’ (zum Suffix vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S 183-187): vnde waz sie [die Äbtissin] ir iungersen leret [ quae discipulis docuerit ] zu vermiden des insal sie selbe nit began BrEb 2; sprechin vnde leren gecimet der meisteren. swigen vnde horen geuellet der iungersen ebd. 6 u. ö.

MWB 3,1 101,27; Bearbeiter: Luxner

jungeste Adv. 1 das Ende von etw. betreffend ‘zuletzt, am Ende, schließlich’
2 auf das zuletzt zurückliegende Eintreten einer Handlung oder eines Ereignisses verweisend ‘das letzte Mal, letztens, jüngst’
   1 das Ende von etw. betreffend ‘zuletzt, am Ende, schließlich’ er [Matthäus] zalt uns vil rehte Cristes geslahte / von anegenge unze jungist, er screip liber generationis AvaLJ 204,4; were ez mit stale wol bedacht, ez müste doch jungest vallen Frl 5:99,12. – meist in der präp. Wendung ze ~ : ci iungis niwart daz niht virmidin, / her niwurde mit gewêfinin ûze dir burg virtribin Anno 39,7; iedoch ze jungist überwant / diu wârheit die lüge StrAmis 788; ze ivngest so nim heine hant folle salzes Ipocr 55; WernhMl 1,26; AHeinr 1518. – verstärkt ze aller ~ : ze aller jungest gescuofe du den man / nah tinem bilde getan SEzzo 31; ze aller ivngest gab er sin selbes lip dvrh vns ze der marter Spec 34,11 u. ö.; Wig 3543; HimmlJer 381    2 auf das zuletzt zurückliegende Eintreten einer Handlung oder eines Ereignisses verweisend ‘das letzte Mal, letztens, jüngst’ vrowe, dû solt sîn gemant / wie ich nû jungist schiet von dir RvEGer 4593; an den selben drin ivngist ginanten schidelvten stat, uf ir æît oͮch zirvarnne in dem vorginantem zîl vmbe die livte, die in den hôf zVrza cinshaft sint UrkCorp (WMU) 17,46; des ist nu ermer mîn wât / denn ir si jungest sâhet Parz 258,11; Wig 1368; NibA 2309,3. – verstärkt aller ~ : ich weiz niht waz dar nâch geschach / dô man in aller jungest sach SpdtL 162,19; dô er die / aller jungest mit jâmer sach Wig 1198. ze ~ : dô dîn charele Joachim, / [...] / von dir ze jungiste schiet Wernh 611; waz wir redeten, dô ich in ze jungest sach MF:Kürenb 1:1,5

MWB 3,1 101,34; Bearbeiter: Luxner

jungeste stF. ‘letzte Zeit, Tod’ (vgl. junc 2): dc du got an diner iungesti och wirst sehende PrSchw 1,129

MWB 3,1 102,1; Bearbeiter: Luxner