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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lâwen - lêbartinne    


lâwen swV. zu Adj. 1 intr.
1.1 ‘warm werden’ s. AWB 5,652 mit Beleg des 11. Jh.s
1.2 ‘lau, kalt werden’
1.3 ‘lasch, unmotiviert, kühl sein’
2 tr.
2.1 ‘etw. anwärmen, lauwarm machen’
2.2 ‘etw. abkühlen, abschwächen’
   1 intr.    1.1 ‘warm werden’ s. AWB 5,652 mit Beleg des 11. Jh.s    1.2 ‘lau, kalt werden’ wen du mit diner buze / bist wider suer noch suze, / noch warm noch kalt wider mich; / hir noch richt ich ober dich / und werde din vorziende, / von minem munde spiende / glich warmer spise, so sie lat [vgl. Apc 3,16] HeslApk 6469    1.3 ‘lasch, unmotiviert, kühl sein’ ich wolde swer es horte lesen / [erg. der möge] nicht in tugenden lawen Pass I/II (HSW) 42099    2 tr.    2.1 ‘etw. anwärmen, lauwarm machen’ nim daz saf der wizzvn bilsun. vnde lawiez. vnde toͮ ez in daz ore [Anm.z.St.: simphoniace candidioris sucum tepefactum in aurem mitte ] Ipocr 40    2.2 ‘etw. abkühlen, abschwächen’ daz niht [...] lasters unsvͦberheit lawe hitze geistes [interl. zu tepescat ardor spiritus ] PsM H 24,4

MWB 3,3 916,49; Bearbeiter: Richter

lâwicheit stF. auch lawkeit ( Seuse ); auch umgelautet lewikeit ( PrNvStr 278,22; Seuse 499,9 ). ‘Trägheit, mangelnder Eifer, Halbherzigkeit, Laschheit (des Glaubens)’ doch stont dise lúte muͤssig, daz ist sú stont in lauwikeit, in kaltheit, minnelos und gnadelos Tauler 29,21; da von, mensche, wis gereit / und laz dich mit truwen / dine lawekeit beruwen HeslApk 7288; swer den helen visch, der da heisset ein al, bi dem sweif wil haben und ein heiliges leben mit lawkeit wil an vahen, der wirt in baiden betrogen Seuse 9,17 u.ö.; PrNvStr 278,22

MWB 3,3 917,1; Bearbeiter: Richter

læwiclîche Adv. auch -lichen. ‘halbherzig, lasch, träge’ denne spricht er ist dv gehorsami anpfanchlich gotte. vnde svͦzv din monschon. da daz. daz da geheizin wirt. nvt forchtlich. noh trachlich. noh levchlich [ non trepide, non tarde, non tepide ] . old mit widirstendim entwurte wirt getan BrEng 5. – bezogen auf den Glauben: wie hastu [mein Herz] so traklich und so lawklich da her gelebt! Seuse 228,3. 408,1; sú [...] kumment also zuͦ gotte in dis wasser; aber daz tuͦnt sú also leweklichen, blintlichen und treglichen, und darumb, alleine sú genesent, so blibent sú doch also verre alse es an in ist, nút alse es an gotte ist Tauler 35,9. 126,18

MWB 3,3 917,13; Bearbeiter: Richter

laxis (?) Subst. eine Speise (vgl. Hayer, BvgSp., S. 14): tuͦ daz muͦs [aus Leber und Eiern] gantz in die pfannen, druͤcke ez wol, daz ez gantz blibe an eime stuͤcke vnd laz ez backen. als ez gar si gebacken, so gibz hin, vnd daz heizzet laxis BvgSp 40

MWB 3,3 917,26; Bearbeiter: Richter

laʒ Adj., Adv. selten adv. (nur vereinzelt im Superl., s.u. 2.2.1, Kreuzf 7650; Pelzb 126,23 ). Auch loʒ ( HvNstAp 11305 ); Komp. laʒʒer, leʒʒer, auch leizir ( Mühlh 144,26 u.ö.); Superl. leʒʒist, auch lest, letst, letzt (zur Affrikate s. AWB 5,873 mit Lit.). Die semantische Differenz zwischen Positiv und Superlativ ist schon ahd. ausgeprägt; im Komparativ sind beide Verwendungen belegt. 1 ‘träge, langsam, schwerfällig, kraftlos, nachlässig’
1.1 im Positiv
1.1.1 allg.
1.1.2 ‘nachlässig, faul, schwach in Bezug auf etw./jmdn.’
1.1.2.1 mit präp. Erg. ( ane, gegen, mite, wider, ze )
1.1.2.2 mit Gen.
1.1.2.3 mit Dat.
1.1.3 übergehend zu ‘frei von etw.’
1.1.3.1 mit präp. Erg. ane
1.1.3.2 mit Gen.
1.1.4 subst.
1.1.5 mit starker Flexionsendung oder Komparativ
1.2 im Komparativ ‘träger, matter, langsamer’
1.2.1 allg.
1.2.2 mit Gen.
1.2.3 subst. (phras.? s.u. 2.2.5.3 ,
2 (in einer bestimmten Abfolge bzw. Ordnung) ‘später, weiter hinten’
2.1 im Komparativ ‘jünger, neuer, später’
2.1.1 allg.
2.1.2 mit starker Flexionsendung in der Wendung noch letzerer noch erer ( HeslApk ) zur Beschreibung der Gleichheit in der Dreifaltigkeit
2.1.3 in der Datumsangabe unser vrouwen tag der leʒʒeren u.ä. für ‘Mariä Geburt (8. Sept.)’ , das spätere Marienfest im Jahr (s. Grotefend, Zeitrechnung 1,68; vgl. êrer 2.3 , weitere Belege s. WMU 2,1095; vgl. auch unten 2.2.5.4 )
2.2 im Superlativ ‘letzt’
2.2.1 allg.
2.2.2 ‘höchst, äußerst’
2.2.3 als Gegensatz zu beʒʒist ‘schlechtest, geringst’
2.2.4 bezogen auf das Ende des Lebens oder das Ende der Welt (oft mit tac oder zît ; vgl. junc 2.2 )
2.2.4.1 bez. auf das Lebensende (für weitere Belege s. WMU 2,1094f. und DRW 8,1244–1246)
2.2.4.2 bez. auf das Ende der Welt (christl.-eschatologisch)
2.2.5 subst.
2.2.5.1 allg. (s.a. leʒʒiste stF.)
2.2.5.2 korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit bzw. Einzigkeit (vgl. êrst unter 1.1.2 , s.a. unten zu 2.2.5.5.4 )
2.2.5.3 phras. (?), vgl. die Vorstellung, die letzte Person sei schlecht dran/ wenig angesehen (s. TPMA 7,385–387)
2.2.5.4 in Datumsangaben (vgl. auch oben 2.1.3 mit Lit.)
2.2.5.5 mit Präp.
   1 ‘träge, langsam, schwerfällig, kraftlos, nachlässig’    1.1 im Positiv    1.1.1 allg.: sîn snelheit, diu ist niht ze laz: / er kom ze vuoz vor den die riten Wh 272,6; Parz 10,3; das wetter was heiß, und sin athem begunde kurczen, und wurden syn slege laß Lanc 387,28; SM:KvA 3: 1,6; treͣg und las HvBurg 3129; wann der chünigk gewar wirt dehainerschlächt guetes, das nutz ze tuen ist, das sol er tuen mit weschaidenhait, nichtt gar sain [träge] noch ze schier, das er nichtt gesehenn werd ungestuem noch ze laß [ ne videatur impetuosus vel remissus ] HvHürnh 10,4; HvNstGZ 297; Daniel 6682; MF:Mor 27: 2,7; Herb 10144; Eracl 3024. 5050; Iw 128; sie tichtent gerne ettewaz, / oder sint zum minsten niht laz [faul] Physiogn 52; swen sünde twinget, der sî niht laz / er helfe der sêle ze aller stunde Renner 19464. 22909; unwillic unde laz KvHeimUrst 36; KLD:GvN 39: 5,4; KvHeimHinv 1103; Ottok 1436; KLD: WvB 2:2,8; HistAE 605; WhvÖst 1505. 18805; spriche ich ‘gel,’ sî sprichet ‘rôt,’ / spriche ich ‘rot,’ sî sprichet ‘gel;’ / spriche ich ‘laz,’ sî sprichet ‘snel,’ / spriche ich ‘snel,’ sî sprichet ‘laz.’ BFrau 68; ich bin so krank, von alter las SHort 1973; von stritt waz er worden lass GTroj 8098. 9710; Seuse 548,19. – selten attr.: ôwê, dû lazzer tôt, / dû sûmest dich an mir ân nôt, / daz dû mich niht nimest hin UvEtzWh 2817; sie hazzen starken lazzen lîp Kreuzf 6558; mîn lazzer munt nicht offenbâr / kan sîn ritterschaft volzeln HvFreibJoh 46. 322; in unklarer Verwendung: also behielt Friderich / daz bemisch rich. / vnd er hilt ez furbaz / mit siner [Friedrichs oder des Reiches?] zcung laz Dalimil (B) 69,152; stark flekt. oder Komparativ (vgl. unten 1.1.5 ): ich enmüge nicht über daz wazzer, / mîn lîp siech unde lazzer / mac nicht die vart erlîden HvFreibTr 4636. – übertr.: si [ dutische zunge ] ist mir noh al ze laz [schwerfällig] Pilatus 1,60; dü selbe magtt / hette ieren schwestran gesagtt / wie ir mortt gerochen waz. / des ward ir sendes truren las [ließ nach, schwächte sich ab] GTroj 9652. 17298; ir sneller prîs wirt anders laz Parz 147,8; vil trûreclîche er nidersaz, / als im sîn vreude wære laz RvEBarl 8164; dâ wâren wîse meister dô, / mit hôher kunst niht ze laz ebd. 11637 u.ö.; SM:Tu 6: 5,2; Herb 742. 13333; wær des geburt ein wênic laz [wäre er von niedriger Geburt] Helmbr 491; vor was ez [das Gebet] heiz und balt, / nu was ez laz und kalt Vät 4716; Iw 7040; Mechth 4: 2,91    1.1.2 ‘nachlässig, faul, schwach in Bezug auf etw./jmdn.’    1.1.2.1 mit präp. Erg. (ane, gegen, mite, wider, ze): daz die meisterschaft iht zu laz sî an deme gerihte [Überschr.] StatDtOrd 77,24; Ottok 20089. 21833; bin ich gein [= gegen ] dem strîte laz, / ich vreische iedoch diu mære wol Parz 420,16 u.ö.; Wh 267,28; Rennew 16012; daz man laz / wirt gegen übeler sünde LobGesMar 36,3; Daniel 8208; RvEBarl 7374; Hiob 10870; Isôt mit rede nicht zu laz / was HvFreibTr 3784; wis gen den vînden hôchgemuot, / den vriunden niht mit dienste laz Winsb 39,7; wâ nû dîner helfe list? / der schînet wider mich ze laz KvWTroj 18873; bist du aber trêge und laz und lêwe [ ‘lau’, lustlos] zuo gottes dienste SprMyst (Pf) 234b,38; ze manheit wart er nie laz Wig 2303; SHort 1032; HartmKlage (G) 1857; WhvÖst 67; Himmelr 5,2; daz heilictum nider saz. / si wurden alle zu im laz [zu schwach, um es weiter zu tragen] , / daz si nicht huben vurder daz Pass III 50,57    1.1.2.2 mit Gen.: daz er vrâgens was sô laz, / do’r bî dem trûregen wirte saz, / daz rou dô grœzlîche / den helt ellens rîche Parz 256,1; wesantt helffe nitt ze lass! GTroj 11570; er waz der reise nit zu laz / und ging aber fuͦrbaz HvNstGZ 149; er was des libes laz, / uf eime esele er do saz Pass III 607,29; Daniel 7666; mit Gen. und präp. Erg. mit ane, gegen zur Angabe von Personen: wis dîner helfe an mir niht laz Parz 715,23; wirdestu kein uns des laz [unwillig] , / so wizze daz wir uf dich / zugen beide sulch begich [Zeugnis, testimonium Dn 13,21] / wie zu dir ein jungelinc / were uf unkusche dinc / kumen Daniel 7548    1.1.2.3 mit Dat.: besait [angeklagt] wurden sie darna / kein [gegen] dem kunge umme daz / wie sie weren harte laz / sime gebote werde Daniel 1230    1.1.3 übergehend zu ‘frei von etw.’    1.1.3.1 mit präp. Erg. ane: ein kuͤnc an vræuden laz, / der sældelose Tybalt Rennew 14510. 24294; an valsche snel, an rehte laz KLD: Kzl 16: 8,6; ich ward doch nie an eren loß HvNstAp 11305; GTroj 22664; Parz 562,8. 144,11; SM:Pf 1: 2,8; RvEWchr 28990; SpdtL 158,14; WhvÖst 7601    1.1.3.2 mit Gen.: diu frouwe valsches laz Parz 128,20; sus wart diu frouwe trûrens laz ebd. 270,22; Wh 76,26; unprises was er laz Rennew 18735; ein toubez œde vaz, / daz lære ist, lebender witze laz RvEBarl 12952; der fröden bin ich worden lasz GTroj 8472; Ottok 38751; WhvÖst 16896    1.1.4 subst.: payde tantzen und springen / sach man in den gassen. / man sach da niemand lassen : / si waren allesampt fro HvNstAp 17310; man sach nieman sô lazzen, / [...] / sô alten noch sô grîsen, / er engienge tanzen unde treten Flore (P) 7558; kom nimmer uf daz lazze [werde nicht nachlässig] Frl 7:38,15; ein træger, ein iugent [l. tugent?] lazzer, / der so vil sunden beget StrKD 11,18; SM:Tu 1: 2,3; Warnung 2837; WhvÖst 6004. – als Schimpfwort: lazzer, / wes trubest du mir daz wazzer FabelCorp 1,11    1.1.5 mit starker Flexionsendung oder Komparativ: ern was der lider nicht lazzer / und swam snellîch und gerade / gein sînen vriunden zu dem stade HvFreibTr 3212; die wîl ir [der sêle ] muot ist sô lazzer / daz sie die vedern niht erhebt LvRegSyon 1747; ir deheiner was sô lazzer, / er gâhte für den andern hin Ottok 7279. 8925; Brun 5284    1.2 im Komparativ ‘träger, matter, langsamer’    1.2.1 allg.: wan man ze tugenden lasser / da wirt SHort 5575; dâ kom gezimieret / manec sarrazîn durh wîbe lôn / [...] / der was sneller, der was lazzer Wh 404,1; swen in turst tet lazzer [ihn schwächte] , / sô tranc er îtal wazzer WvRh 6554; also di cisterna kaldet daz wazzer, / also machet uns di sunde lazzer Brun 4895. 10373; so sprichet dise werde magt / und hat daz wider mich gesagt, / geselleschafft si beßer. / dez ist myn frewde leßer [schwächer] MinneR 480 326; Rennew 12728    1.2.2 mit Gen.: wirt mir din helff niht geboten, / so wirt ich synnen laßer Minneb 2519; bin ich der sinne nicht lazzer Brun 4046. 7114; wie ich si der rede lazzer ebd. 5205    1.2.3 subst. (phras.? s.u. 2.2.5.3 , Märt 2143 )    2 (in einer bestimmten Abfolge bzw. Ordnung) ‘später, weiter hinten’    2.1 im Komparativ ‘jünger, neuer, später’    2.1.1 allg.: [ich] weiz alles din geberk [Geheimnisse] , / und dine lezzeren werk / schinet [l. schinent, vgl. App.z.St.] vor mir herren / maniger den erren [ et opera tua novissima plura prioribus Apc 2,19] HeslApk 3570; die lezern mit den erren / vier und zwenzic alden herren ebd. 16251; da habin die leizirin kint [aus der zweiten Ehe] alsi gut recht alsi di erstin· unde di erstin alsi di lezisti Mühlh 148,28. 144,26. 146,4    2.1.2 mit starker Flexionsendung in der Wendung noch letzerer noch erer ( HeslApk ) zur Beschreibung der Gleichheit in der Dreifaltigkeit: ir kein der drier [der drei Personen Gottes] / ist mechtiger noch vrier, / noch gewaldiger noch herer, / noch letzerer noch erer, / wen die drie sint allentsamen / ein war got HeslApk 11174. 682. 8928 (vgl. letzeren swV.)    2.1.3 in der Datumsangabe unser vrouwen tag der leʒʒeren u.ä. für ‘Mariä Geburt (8. Sept.)’, das spätere Marienfest im Jahr (s. Grotefend, Zeitrechnung 1,68; vgl. êrer 2.3, weitere Belege s. WMU 2,1095; vgl. auch unten 2.2.5.4 ): iz enschol ouch nîmant brûwen nâch sende Walpurge tage biz vf vnser vrowen tak der letzern UrkZeitz 39 (a. 1322); wir willen ouch, dat dat iar inde der tirmt [Termin] diser vorgenuͦmder gulden ze Colne allewege anege an unser vrouwen dage der lazzer, den man in latine heizet nativitas, inde ouch allewege uzge an derselver unser vrouwen avende [Vorabend des besagten Feiertags] UrkKöln 3,88 (a. 1275 kopial). 3,89 (a. 1275 kopial); an dem achtin tage unsir lieben frouwen der letzern Köditz 76,26. 90,25; ad festum s. Marie lazene [l. lazere ] UrkKölnSchr 2,1:39 (ca. 1190-1202)    2.2 im Superlativ ‘letzt’    2.2.1 allg.: in dem letzten stuck diss puochs BdN 103,5 u.ö.; zu dem letsten thurney Lanc 228,10; PrMd (J) 352,21; sun mîn der lezziste [der Jüngste] , dû [Benjamin] nebist der wirsiste noch der bezziste Gen 2966; als ez begriffen ist an der lesten hantveste, die datz Regensburch gegeben ward an vnser vrowen abent in der vasten UrkCorp (WMU) 1411,23; uris [ihres (der zweifach verwitweten Frau)] lezistin mannis neisti vatirmac [nächster Verwandter väterlicherseits] Mühlh 178,24; sô der leste tac / des gelobeten frides vergât, / uns niht ungemût er lât Kreuzf 4890; in der lesten wochen, / do der fride vz ginc Herb 12654; RvEBarl 14970; KLD:Kzl 1: 4,10. 16: 10,16; KvMSph 47,14; Kreuzf 51; Tauler 65,8; alle täding vnd vrtail, die da beschehen czbischen dem leczten vrtail [das den Rechtsstreit beendende Urteil] vnd des kriegs, sol man dem noder [Schreiber, notarius ] geben zw verschreiben XII den. vnd nicht mer StatTrient 134. – ‘hinterbleibend (länger überlebend)’ so aber daz leste gemahel ir baider ze iungeste tot leit, den selben leichnamen shulle wir [...] zuo vnserm chloster bringen UrkCorp (WMU) N748,12; so aber das leste vnser baider stirbet ebd. N749B,13. – rechtssprachl. zur Unterscheidung, aus welcher Ehe die Kinder stammen (vgl. êrst unter 1.1.2): da habin die leizirin kint alsi gut recht alsi di erstin· unde di erstin alsi di lezisti Mühlh 148,30. – adv. ‘zuletzt’ werlt, die dir nâch willen leben, / den leste leidet dînes lônes geben Kreuzf 7650; eczliche kirsboume werdin gepflanczt allir lest in Nouember Pelzb 126,23    2.2.2 ‘höchst, äußerst’ die oberste und die woreste hochzit und die aller leste ist die hochgezit des ewigen lebens Tauler 57,2; ein innemen und ein habin des ubersten und des leistin gudis Parad 92,2. 11,34; die zeigent dan ir leste tugent / mit degentlicher heldes mugent / und vechten sige mit gewalt HeslApk 19007    2.2.3 als Gegensatz zu beʒʒist ‘schlechtest, geringst’ si [...] sullen mich [...] wan [...] in ein guet ledich wirt, daz weder daz best noch das löst ist, an gevärd besideln UrkSteing 596 (a. 1341)    2.2.4 bezogen auf das Ende des Lebens oder das Ende der Welt (oft mit tac oder zît; vgl. junc 2.2)    2.2.4.1 bez. auf das Lebensende (für weitere Belege s. WMU 2,1094f. und DRW 8,1244–1246): so were daz sin leste tag Herb 7131. 12482; von got mich nieman bringen mac / unz an den lesten tac EnikWchr 13368; biz an die lesten zît ebd. 11751; daz ist ein gemeiniu klage, / diu mich an vröuden wendet: / daz ist an mînem lesten tage [Todestag] / leider unverendet Neidh WL 30:1,9; Rennew 18451. 25296; he lit diͤ leste stunde, / den grimmen dot MarlbRh 26,19 u.ö.; HvFreibTr 6625. – in Verbindung mit gescheffede/  wille ‘Testament, letzter Wille’ ez sol och chain frow [...] zivch sin vͤber dehain dinck wan vͤber elichen heirat, notnvnft vnd vber das lest geschæft an dem tod, wan bi den drein dingen spvlgent die frowen aller maist ze sein UrkCorp (WMU) 1975AB,8; von geschaften vnd brieuen oder des leczten willen ains menschen StatTrient 135; vgl. daz ich an mînen lesten zîten min gescheft gesetzet han, als hie gescriben stet UrkCorp (WMU) 923,11. – subst. oder ellipt. an sinem oder sinen letzten ‘an seinem Lebensende’ (vgl. leʒʒiste stF.): allez daz recht, daz Perchtold von Luͤchsenekke mit nutz vnde mit gewer gehabt het vnde mier vnde minen chinden an sinē lesten geschaffen het UrkCorp (WMU) 1814,20    2.2.4.2 bez. auf das Ende der Welt (christl.-eschatologisch): in dem letzsten geriht unsers herren BdN 218,13. 238,3; hinne vür unz an den lesten tac [bis zum jüngsten Gericht] Neidh WL 23:6,13; dis waz der minnecliche Paulus ein worer prophete do er sprach: ‘in den lesten tagen so súllent die lúte werden grosse minner ir selbes’ [vgl II Tim 3,1-4] ; sit Tauler 94,21. 34,32; sun, nim ie darunder war / gotes und der lesten zit / die diu welt mit grimme git RvEWh 15189    2.2.5 subst.    2.2.5.1 allg. (s.a. leʒʒiste stF.): liplich frucht ist das leiste unde daz suziste daz da ist in dem menschin Parad 71,11; daz herz ist daz êrst, daz an dem tier lebt in der muoter leib, und ist daz letzst, daz stirbt BdN 26,5; der letscht an der schar ebd. 185,10; Herb 4807; si was nû diu leste Ottok 7234; got [...] hat versuchet mynen mut, / recht als eyn golt in heyzer glut / versucht wirt hin uf diz leste [bis zum Äußersten] / und inmancher glute gleste Hiob 9403    2.2.5.2 ~ korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit bzw. Einzigkeit (vgl. êrst unter 1.1.2, s.a. unten zu 2.2.5.5.4): der erste und der leste [= jeder] / sol ietzunt bereiten sich dar zuͦ / daz er Orense shaden tuͦ Rennew 15176; mit den ersten vnde mit den lesten [= mit allen] Herb 12982; Wh 209,8; si muoz diu êrste und ouch mîn leste [= die einzige] unz an mîn ende sîn KLD: GvN 8: 2,5; got ist der allir erste und der leiste Parad 117,37    2.2.5.3 phras. (?), vgl. die Vorstellung, die letzte Person sei schlecht dran/ wenig angesehen (s. TPMA 7,385–387): ‘got gehaz den lesten!’ / sprâchen, die dâ fluhen hin Ottok 7435; dô hazzet man die lesten / und wurden die die hêrsten, / die des allerêrsten / an die vînde sluogen ebd. 5616; vgl.: der tiefel verchert do iren sin, / [...]. / der leczt scholt sein der lasser [der Letzte musste derjenige sein, der langsamer war = alle beeilten sich sehr] , / zehauffen lieffens in das wazzer Märt 2143; der zum ersten darinn [ in jhen burg ] mocht komen der enbeite des letsten nicht Lanc 178,17    2.2.5.4 in Datumsangaben (vgl. auch oben 2.1.3 mit Lit.): nach unser vrouwen tac der letzten u.ä. für ‘Mariä Geburt (8. Sept.)’ vnd ist daz geschehen [...] des næhsten vritages nah vnser frowen tach der lesten UrkCorp (WMU) 2020,41; ze vnserr vrowen messe ze der letzsten ebd. 3423,3. an des hîligen kriuzes tac dem letzten = der zweite Kreuztag (14. Sept., Kreuzerhebung) im Unterschied zum ersten Kreuztag (3. Mai, Kreuzfindung): ditz ist geschehent, do von Christes geburd waren tausent jar, zwai hundert iar, in dem vier vnd nevntzichsten iar, an des heligen chrvͤcez tag dem lesten UrkCorp (WMU) 2023,30    2.2.5.5 mit Präp.    2.2.5.5.1 mit ane: und waz lôns er von ir hie / an dem lesten [zuletzt] enphie! Ottok 16916    2.2.5.5.2 mit in: wie sint sú in daz urteil gottes in dem lesten gevallen Tauler 66,28    2.2.5.5.3 mit mite: dô im [Christus am Kreuz] der tôt mit leste [zuletzt] / gewan sîn menschlîch leben an Loheng 3886    2.2.5.5.4 meist mit ze, zuo: vile harte er si chlagete, ze lezzist er gedagite Gen 949; zi leste si sich suonten, mit guote si scieden ebd. 1476; vmbe alle die sache vnd bruche, die zwischen vns vnde im [Graf Eberharte von Wirtemberg ] vf geloͮffen waren sit der svͦne, die nv zv leste [letzthin, kürzlich] zv Stutgarten wart gemachet, biz an disen hutigen dach UrkCorp (WMU) 931,19; Segremors aß zu dem ersten krencklichen, und zuletst was er starck und mechtig worden das im nichts enbrast Lanc 428,4. 581,3. 598,9 u.ö.; alleu grôzeu wazzer fliezent ze letzt in daz mer BdN 102,14; daz nider tail an dem tier ist als daz nider tail ains adlarn [...], und hât ze letzt [hinten] ainen swanz mit schüepeln als ain visch ebd. 240,17; sich, arme werlt, daz ist dîn lôn, / den du gibes zu leste! Kreuzf 7621; ce lezzes MarldA 290; zu leszisten Macer 90,2; zu leist Elis 9434; ze lesten Ottok 36672; zeletscht BdN 161,12; biz zu leste Rennew 10264; zu allerletste Lanc 279,2; zo alre leste HagenChr (G) 1082; SM:Te 4: 2,5; Tauler 33,9; GTroj 7722. – korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit (s.a. oben 2.2.5.2): zu eristen vnde zu lezisten [zu jeder Zeit, stets] Litan 1337; er gebârte untâre / von êrst unz hin ze leste UvZLanz 5567. 6623; diz meisteret alliz allir meist / der vil heilige geist. / der ist zerist vnde ze lezist / allir meistere bezist, / der meisteret alle di dinc, / di da gut vnde reht sint Glaub 1714; zêrist unde ze leste [ohne Unterlass, von vorne bis hinten] / hîz si ire geste / vil harte flîzlîchen plegen SAlex 5931; von erste biz zu leste / werdent luͤte und ligent tot Rennew 25994; von erst biz hin zu leste ebd. 31058; vgl. tuͦ als ich dich wise, / daz ist bi namen daz beste / beide nu und zu leste! ebd. 18354. – mit (enklitischem) Artikel: sither ich uch zum letsten sah Lanc 489,34; wie dir was, dô dû in zem lesten hâtest, alsô tuo nû, die wîle dû sîn missest Eckh 5: 225,4; darüber rettens lange. / iedoch wart ez zem lesten / mit eiden und mit hantvesten / vergewisset wol Ottok 53837; zuo dem lesten ebd. 17089; zem lest ebd. 48684; zem leste ebd. 56641. – Pl.: von erste biz hin zu den lesten Rennew 8742

MWB 3,3 917,32; Bearbeiter: Richter

laʒ stM. ‘Trägheit, Faulheit, Nachlässigkeit’ du solt vlihen muzekeit, / such der hende arbeit; / der laz machet die sele kranch, / unkunst zeuhet der muͤz ganch Erz III 36,391. – meist sunder ~ ‘unverzüglich, eifrig’ din name [...] da vor e was / an gerufen sunder las Daniel 6394. 8134; [Jonathan] van dem honegseume az / wider daz gebot sunder laz [vgl. I Sm 14,27] HistAE 1994. 937; AvaLJ 68,3; TvKulm 2953; Ottok 95884

MWB 3,3 922,58; Bearbeiter: Richter

lâʒ stM. (auch stF.? So Hrsg. zu Albert 1250 ). 1 das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses
2 ‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert )
3 ‘Verhalten, Haltung’ (vgl. gelâʒ stMN. 4 )
4 hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw. Abgabe daraus (vgl. gelæʒe stN. 5 )
   1 das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses: hie mite begunde er mâzen / [...] / einen wurf und einen swanc, / der was grôz unde lanc: / dem hæte er sîne mâze / an der seige [Neigung, Wurfrichtung] und an dem lâze / reht in der merke gegeben, / daz er Tristande an sîn leben / solte sîn gegangen Tr 16018    2 ‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert ): in deme selben iare / starp der phaffe zware / wand er nach den lazen / saz #(mpu) da die luͦte azen Albert 1250; ain vierdaiͤl der selben guͦlt sol man iemer me ze Wilar den suestern geben, die von tranͤch ald von laiͤssin ald von ander licher cranhaith ir reuendar nith gehalten múgen UrkCorp (WMU) 1624,21    3 ‘Verhalten, Haltung’ (vgl. gelâʒ stMN. 4): ein teil baz ich bekant mir bin / an mines herzen lazze, / hie von ich mich verwazze [verwünsche] Vät 33387    4 hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw. Abgabe daraus (vgl. gelæʒe stN. 5): nie hab me so wol geviel: / von alten rehten, lassen, zol / siht man si getregtes also vol / sam die vil richen stette ligen SHort 6491

MWB 3,3 923,3; Bearbeiter: Richter

lazan M. oder N. ein Tier (lanzani in der lat. Vorlage): von dem lazan. lazania ist ain tier gar grimm, alsô sprechent Solînus und Jacobus, und von des grimmichait mag kain tier sicher gesein BdN 146,12; daz tier streitt neur mit den, die seins geslähtes niht sint, aber ez kriegt niht mit andern lazann ebd. 146,18

MWB 3,3 923,26; Bearbeiter: Richter

lâʒære, læʒære stM. hier wohl gekürzt lesser, lozzer (vgl. 2 5Mhd. Gr. § L 22). 1 ‘jmd., der andere zur Ader lässt’
2 ‘jmd., der zur Ader gelassen wird’
   1 ‘jmd., der andere zur Ader lässt’ flebotomator: lesser VocOpt 31.013. – als Bestandteil von Personennamen: Walther der Swaͤwichs losser UrkRegensb 738 (ca. 1325-1350); Ulle lozzer ebd. 762 (ca. 1325-1350) u.ö.    2 ‘jmd., der zur Ader gelassen wird’ so es heiss waz und er vil muͤd von dem gene [Gehen] und krank waz worden, ald so er ein lesser waz und er denne in den erbeiten also gevangen lag [...], so lag er underwilent und grein und grisgramet in im selb Seuse 39,18

MWB 3,3 923,33; Bearbeiter: Richter

læʒærebinde swstF. ‘Binde, (Ver-)Band des Aderlassers’ fasciola: lesserbind, lesserbinde VocOpt 31.016

MWB 3,3 923,45; Bearbeiter: Richter

lâʒe stF. (?) lâʒ stM.

MWB 3,3 923,48;

lâʒen, lân stV. (VII) zur Formenvielfalt s. Mhd. Gr. (KSW) 2 § V230-236, urkundenspr. WMU 2,1095f.; volle und kontrahierte Form auch nebeneinander ( lâzen unde lân KvWTroj 45226 ); einzelne Sonderformen: 3. Sg. Ind. Präs. leciz ( Roth 3951 ); 1. u. 3. Sg. Prät. auch lie ( PrOberalt 36,27; Wig 6766; Rol 5798 ); Imp. Sg. lach ( SM:Had 10: 2,1 u.ö.; SM:Te 11: 3,1 ); Imp. Pl. lönd ( GTroj 2751. 9741 ). 1 als selbständiges Verb
1.1 ‘jmdn./etw. (in bestimmter Weise) von sich lassen, loslassen’
1.1.1 ‘jmdn. verabschieden, fortlassen’
1.1.2 ‘jmdn. frei lassen’
1.1.3 in Verbindung mit binden mit Ersparung des Obj., zum Ausdruck von Verfügungsgewalt (oder zu lœsen ?, s. binden 8 )
1.1.4 ‘(Jagdhunde/ Falken) loslassen’ (s.a. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 131)
1.1.5 myst. ‘etw./sich aufgeben, loslassen’ , auch als Part.-Adj. ‘losgelöst von der Welt und eigener Intention, Gott ergeben’ (vgl. Zirker, Wortschatz S. 53f.; Largier, Eckh. 1,959-962; s.a. gelâʒenheit )
1.1.6 ‘etw./sich lösen’
1.1.7 ‘jmdn./etw. in einem bestimmten Zustand, eine Position/ Richtung lassen bzw. bringen’
1.1.7.1 mit halbpräd. Adj. (mit Ersparung des Inf. sîn/  wësen ?, vgl. unter 2.3.2.2 )
1.1.7.2 mit halbpräd. Subst.
1.1.7.3 mit präp. Erg., Pron.-Adv. oder selten Adv. ‘jmdn./etw. in einem best. Zustand/ einer Position lassen, in einen Zustand/ eine Position/  Richtung bringen’ u.ä. (modal, direktional) [vgl. 1.10 ]
1.2 ‘(jmdn./etw.) zurücklassen, loslassen, aufgeben’
1.2.1 ohne Obj. ‘loslassen, nicht festhalten’
1.2.2 ‘jmdn./etw. aufgeben, verlassen, zurücklassen’
1.2.2.1 überw. mit Akk.d.P.
1.2.2.2 mit Akk.d.S.
1.2.3 mit Gen.d.P. und Neg.-partikel niht (hier kaum als Akk. zu lesen, vgl. 1.4.2 ) ‘aufgeben, ablassen von jmdm., im Stich lassen’
1.2.4 ‘in Ruhe lassen, gewähren lassen, von jmdm./etw. ablassen’ (meist mit Akk.d.P.)
1.2.5 ‘ablassen von etw. (Erzählinhalten)’
1.2.5.1 mit Akk.
1.2.5.2 ohne Akk., mit präp. Erg.
1.3 ‘(jmdm./einer Sache) jmdn./ etw. (über)geben, überlassen’
1.3.1 allg.
1.3.2 als Frage beim Abschied, die das Schutzbedürfnis der verlassenen Person ausdrückt ( wem lâʒest du mich? u.ä.)
1.3.3 etw. hër ze jmdm. ‘jmdm. überlassen’
1.3.4 etw./jmdn. (sich) ane/ûf/  ze jmdn./etw. ‘überantworten, überlassen, in jmds. Hände legen’ (weitere Belege aus Rechtstexten s. WMU 2,1097 u. DRW 8,720f.)
1.3.5 jmdm. den namen ~ ‘Namen geben’
1.4 ‘(unter)lassen, sein lassen, bleibenlassen, ablassen’ (vgl. auch wësen/  sîn/  stân ~ unter 2 )
1.4.1 ohne Akk.
1.4.1.1 allg
1.4.1.2 mit explizierendem Satz
1.4.1.3 in Doppelausdrücken
1.4.2 mit niht (Neg.-Partikel oder Akk.?)
1.4.2.1 allg.
1.4.2.2 mit explizierendem Satz ‘(nicht) ablassen, unterlassen’ (zur Bekräftigung, dass das Genannte getan wird)
1.4.3 mit Akk.
1.4.3.1 allg.
1.4.3.2 mit Obj.-Satz
1.4.3.3 mit explizierendem Satz
1.4.3.4 im Doppelausdruck tuon unde ~
1.5 ‘enden, aufhören’
1.6 ‘etw. zulassen, gewähren’
1.6.1 ‘(jmdm./einer Sache) etw. gestatten, gewähren’
1.6.2 oft etw. âne haʒ/ nît/ zorn ‘(gleichmütig/ wohlwollend) zulassen, gewähren, zugestehen’ , auch als Litotes i.S.v. ‘sich wohl gefallen lassen’
1.6.3 hierher? nieman vür sich ~ (an gewalt) ‘niemanden (in Bezug auf Macht) vor sich lassen; niemandem mehr Macht als die eigene zugestehen’
1.7 ‘etw. erlassen, nachlassen’ , oft mit Dat.d.P.
1.8 ‘aussehen, sich (in bestimmter Weise) verhalten, benehmen, einen gewissen Anblick bieten’ (vgl. gelâʒ stMN. u. gelæʒe sowie Schiller/  Lübben 2,636)
1.9 ‘etw. fließen, hervorkommen lassen’
1.9.1 ‘etw. fließen lassen’
1.9.2 ‘etw. (überw. fließend Gedachtes) von sich geben, hervorkommen lassen’
1.9.3 ‘etw./sich (wachsend) ausstrecken’
1.9.4 ‘etw. (aus Schöpferkraft) hervorbringen, erschaffen’
1.10 (von Bewegungen) mit präp. Erg. oder Pron.-Adv., oft mit Refl.-Pron. [vgl. 1.1.7.3 ]
1.10.1 allg.
1.10.2 etw./sich zesamene ~ ‘etw./ sich zusammentun, vereinen’
1.10.3 ‘sich (an einen Ort/ von etw. weg) begeben, bewegen’
1.10.4 sich an/ ûf diu knie ~ u.ä. ‘sich niederknien’
1.11 bezogen auf Aderlass (zur Sache s. LexMA 1,150f.)
1.11.1 ohne Dat. oder Akk. ‘zur Ader lassen’
1.11.1.1 ohne präp. Erg.
1.11.1.2 mit präp. Erg.
1.11.2 mit Dat.d.P. (und meist präp. Erg.) ‘jmdm. zur Ader lassen’
1.11.3 mit Akk. (und fakultativem Dat.)
1.11.3.1 ‘(eine Ader) zum Aderlass verwenden, eine bestimmte Ader lassen’
1.11.3.2 ‘(Blut) durch Aderlass abgeben’
1.11.3.3 mit Refl.-Pron. ‘sich durch Aderlass Blut nehmen lassen’
2 nach Art eines Modalverbs mit Inf. eines weiteren Verbs ‘lassen, zulassen, veranlassen (eine Handlung, einen Vorgang u.ä.)’ ; mit bestimmten Verben (z.B. belîben, ligen, sîn, stân ) ‘ablassen, bleiben lassen, unterlassen’
2.1 ohne Erg. beim Inf.
2.1.1 stân ‘aufhören, einhalten’ (vgl. Öhmann, Lehnprägung, S. 74)
2.1.2 sîn ‘sein lassen, ablassen’
2.1.3 ‘lassen, zulassen, erlauben, gestatten’ (hier nur mit (be-)sëhen und explizierendem Nebensatz)
2.2 mit Erg. beim Inf., die nicht Akk. sind
2.2.1 ‘lassen, (eine Verbalhandlung) veranlassen, bewirken’
2.2.2 ‘lassen, (eine Verbalhandlung) zulassen, erlauben, gestatten’
2.2.3 dar gân ~ (in Richtung eines Gegners) ‘auf jmdn. losgehen, einschlagen’
2.3 mit einem Akk. beim Inf.
2.3.1 Inf. von intr., unpersönl. (oder absol. gebrauchten tr.) Verben (der Inf. erschiene in Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im Aktiv, der Akk. als das Subjekt)
2.3.1.1 allg.
2.3.1.2 mit Ersparung des Inf.
2.3.1.3 mit halbpräd. Adj.
2.3.1.4 formelhaft (?)
2.3.1.5 lôʒ gên ‘das Los ziehen/ entscheiden lassen (in Bezug auf etw.)’
2.3.1.6 belîben/ ligen/ stân ‘bleiben lassen, ablassen von etw.’
2.3.1.7 mit gân/  strîchen u.a. Bewegungsverben, überwiegend von Reitern, die ihre Pferde antreiben, übergehend zu ‘(auf jmdn.) losgehen, (jmdn.) angreifen’ ; der Akk. ist meist erspart (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 263f. mit zahlreichen Belegen)
2.3.1.8 (er-/ în-)klingen
2.3.1.9 schînen ~ oder schîn wërden/  wësen ~ ‘sichtbar werden lassen, zeigen, beweisen’
2.3.2 mit sîn/  wësen
2.3.2.1 etw. sîn/  wësen ‘etw. sein lassen, unterlassen’
2.3.2.2 jmdn./etw. (in best. Weise) sîn/  wësen mit Prädikat (und fakultativem Dativ)
2.3.2.3 mit adv. Best.
2.3.2.4 mit Obj.-Satz
2.3.2.5 mit Ersparung des Inf. (s.a. 2 5 Mhd. Gr. § S 232,2)
2.3.3 Inf. von tr. Verben mit Akk.-Obj. (der Inf. erschiene in Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im Passiv, der Akk. als das Subjekt)
2.3.3.1 ‘veranlassen, bewirken’
2.3.3.2 Akk. ist Refl.-Pron. ‘lassen, zulassen’
2.3.4 mit Inf., Akk. und Dat.
2.4 mit Inf. eines Vollverbs und doppeltem Akk.
2.5 mit Part.Prät. statt Inf. ‘lassen, veranlassen’ (in Rechtstexten)
   1 als selbständiges Verb    1.1 ‘jmdn./etw. (in bestimmter Weise) von sich lassen, loslassen’    1.1.1 ‘jmdn. verabschieden, fortlassen’ wie lieplîchen sie / der bâbst enphienc unde lie LvRegFr 1475; Ägidius 1459; der hêrre in liez, als im wol zam, / mit guoter handelunge HvFreibTr 1438; Will 48,10. – übertr., mit Refl.-Pron.: dvͥ naht zvͦ gaht [eilte heran] , der tag sich lie TürlArabel *A 270,28    1.1.2 ‘jmdn. frei lassen’ Moyses gienc für den künic unde sprach: lâ die liute, oder dir tuot got übel BuchdKg 31,8; Pylatus Barraban do liess, / Jesum er crútzegen do hiess SHort 9454; er was ein sô gewaltic man, / daz er alle die hiez lân, / die gevangen wâren EnikWchr 21832. 28942; dô er die frouwen wolgetân / von dem gewerb niht wolt lân [von seiner Werbung nicht freilassen wollte] , / dô gie si zuo irm wirt ebd. 23814; RvEWchr 9949; UrkCorp (WMU) 2176,40    1.1.3 in Verbindung mit binden mit Ersparung des Obj., zum Ausdruck von Verfügungsgewalt (oder zu lœsen ?, s. binden 8): diu selben wazzervogel sint [bedeuten] die hailigen lêrer, [...], die gotes stat verwesent [vertreten] auf ertreich und sein reht vitztüem [rechtmäßige Verwalter] sint ze pinden und ze lâzen, sam die pfaffen, die löbleich priester sint BdN 211,28    1.1.4 ‘(Jagdhunde/ Falken) loslassen’ (s.a. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 131): ir sult den bracken lâzen NibB 947,2; do liezen sie uf ir uart / die gerechten hunde Ägidius 366; Tr 17290 (vgl. Komm.z.St. bei 2Okken, Tr.); lieber vriunt, nu schawe, / wa du ain tuͤrteltuͤbelin / sehest in dem venster min, / dar zuͦ dinen valken la! WhvÖst 7079. 7385. – mit Ersparung des Akk.: sie liezen zu einem hirze dô HvFreibTr 2391; man suoch, man lâz, man henge, / man birs, man jag, man schieze Hadam 43,1. 44,2. 54,7; die jeger heten gelâzen / ze einem hirze UvEtzAlex 18958; Tr 3430. 3446    1.1.5 myst. ‘etw./sich aufgeben, loslassen’, auch als Part.-Adj. ‘losgelöst von der Welt und eigener Intention, Gott ergeben’ (vgl. Zirker, Wortschatz S. 53f.; Largier, Eckh. 1,959-962; s.a. gelâʒenheit ): dodurch lident sú und lossent alle ding und enpfohent von gotte und tragent ime alles daz sú enpfohent Tauler 30,12; in einre gelossenre gebeitsamer langmuͤtikeit ebd. 23,22; und wære ein mensche zweinzic jâr gelâzen, næme er sich selben wider einen ougenblik, er enwart noch nie gelâzen. der mensche, der gelâzen hât und gelâzen ist und der niemermê gesihet einen ougenblik ûf daz, daz er gelâzen hât, und blîbet stæte, unbeweget in im selber und unwandellîche, der mensche ist aleine gelâzen Eckh 1:203,1. 1:196,7; ein reht gelassenr mensch Seuse 166,21; alse die gelazenen plegent Lilie 36,36. – mit Refl.-Pron. u. zum Teil mit Dat. oder ze gote: wer mîn jünger wil werden, der muoz sich selben lâzen; nieman enmac mîn wort hœren noch mîne lêre, er enhabe denne sich selben gelâzen Eckh 1:170,1; got und der túfel sind in dem menschen; der sich selb wil fuͤren ald sich selb wil lassen, der vindet den underschaid Seuse 167,12. 162,25; nu nemen wir daz ander wort her fúr, daz er spricht: lazsen. daz meinde er ufgeben oder verahten ebd. 336,1; Tauler 16,16; da der mensch mit einem ufgebene sines frien willens sich got lasset in einem ieklichen nu Seuse 161,2; so kumment sú es an got demuͤteclichen und lossent sich sime willen Tauler 23,30; die menschen, die sich ze gote lâzent Eckh 1:61,1    1.1.6 ‘etw./sich lösen’ ich wil daz ir diu bant [Fesseln des Gefangenen] lât StrAmis 2278. – mit Refl.-Pron.: sie [Mäuse] nuogen alsô vaste dar, / biz diu wurz vil nâch sich lie RvEBarl 4637    1.1.7 ‘jmdn./etw. in einem bestimmten Zustand, eine Position/ Richtung lassen bzw. bringen’    1.1.7.1 mit halbpräd. Adj. (mit Ersparung des Inf. sîn/  wësen?, vgl. unter 2.3.2.2 ): swer [...] die gürtel witer lat TannhHofz 126; sî [Lunete] ist getriuwe unde guot. / ich [Laudine] hân sî übele lâzen [schlecht behandelt] . / ich möhte wol verwâzen / mîne zornige site Iw 2025; got lâze sî mir vil lange gesunt MF: Mor 1: 3,1; SM:JvW 4: 4,4; MarldA 28; SM:Gl 3: 5,16. ledic/ vrî ~ u.ä. ‘freilassen, befreien’ er [der Herr] læt si [die Eigenfrau] ledic, unde si wirt vrî SpdtL 133,19; Parz 52,21. 86,13; wærer dâ zuo ledec lân / aller sîner schulde Iw 1712; sî müezen iuch lâzen vrî, / od ich erslahe sî alle drî ebd. 4347; ob iht wandels an mir sî, / daz er [der Leser] mich doch lâze vrî / valscher rede: daz êret in Wig 6; Parz 220,18; SM:Gl 2: 5,19; die [Gefangenen] sal die stat los inde quit lazen van ierme gevenkenisse UrkCorp (WMU) 78,18. wâr/ stæte ~ ‘(ein Versprechen) wahr werden lassen, einhalten’ nû muose der künec lâzen wâr / daz er gelobete wider in Iw 4608. 5555; des swuoren si und liezenz wâr Wig 3585. 11237; er hat niht wandels umb ein har, / swaz er geredet, daz lat er war Tannh 1,40; KvWHvK 7; RvEBarl 11297; HvFreibTr 1072; Rennew 31557 u.ö.; sînen jungern er erschein, / als er in globet hæte; / daz liez er vil stæte LBarl 2731. 7496; SM:Had 5: 2,3; Tr 6366; Rennew 27634; Wahrh 42; vereinzelt unmein ‘ohne Falschheit’ ~ : des sworen sie ime eide / die liezin sie vmmiene Roth 824. – mit Part./Part.-Adj. (vgl. unter 2.5 , s.a. 2 5Mhd. Gr. S 30,2): dô er si sêre weinde liez, / des tages dô er von ir reit Parz 629,6; [wir] muosten unsern bruoder hinder uns gevangen lâzen BuchdKg 19,13; StrKD 6,355; StatDtOrd 33,33    1.1.7.2 mit halbpräd. Subst.: augbrawen von guten mazzen / wil ich die besten lazzen [sein lassen, nennen] Physiogn 152; maget ~ ‘jmdn. jungfräulich, unberührt bleiben lassen’ die künegîn er maget liez Parz 202,22; ich pit dich, laß mich magt / durch aller frawen ere! HvNstAp 15717; übertr. (Inschrift auf einem Helm): elliu werlt wafen / di muzen mich maget lazen Rol 3298    1.1.7.3 mit präp. Erg., Pron.-Adv. oder selten Adv. ‘jmdn./etw. in einem best. Zustand/ einer Position lassen, in einen Zustand/ eine Position/  Richtung bringen’ u.ä. (modal, direktional) [vgl. 1.10 ]: – mit präp. Erg.: sie suln [sorgsam sein] [...] / und sich nicht lasen in den slaf HeslApk 1168; mich lât wol ir helferîchiu hant / ûz banden SM:HvS 1: 7,3; daz er die hant zem brîtel [Zügel] liez / und den linken vuoz gestiez / wol vaste in den stegereif Tr 7041; âne trôst lât mich diu liebe in klage SM:JvW 5: 2,10 (vgl. hierzu die Belege unter 2.3.2.3); er liez en wâge [warf in die Waagschale, setzte aufs Spiel] iewedern tôt, / der sêle und des lîbes Wh 3,4; dô kunic Ruodolf daz ervant, / er liez in niht ab den wegen [ließ ihn nicht beiseite stehen] , / er müest ouch sîner amte phlegen Ottok 18625; ab herzen liezen si daz [sie gaben es auf (Glr.)] ebd. 29420; der rede nam er kleine war / und lie si fúr dú oren gar [vollständig zu den Ohren hinaus] , / als obers hete niht virnomen RvEWchr 22898; des nimt er vil kleine war; / er lât ez durch diu ôren gar, / zem einen în, zem andern ûz Wig 112; uf daz volk sin gelazen / die vier tuvel in Eufrate, / daz sie vru werben und spate, / stunde, tac, mane und jar, / daz in der nimmer ein har / entrinne noch entge HeslApk 14404; ich hân ûf êre lâzen [ausgerichtet] nu lange mîniu dinc NibB 2028,2; EnikWchr 6364; der rihter mac in mit reht niemer ûz der æhte lâzen SpdtL 188,3; KvWTurn 900; SM:JvW 1: 3,3. – mit Pron.-Adv. (dar în/ dar ûf/ da vür): si [die Mutter des Moses] bereitt dem kind ein ledelîn [einen kleinen Behälter, Korb] / und lie [setzte] daz kint dar în schier EnikWchr 6291; der selbe knabe reine / des tages dâ ze hove gie / vor den tischen unde lie / dar ûf die blanken hende sîn KvWHvK 62; er [...] lie sich dâ ze lande nider / ûf ein rîchez lêhengelt. / [...] / dar ûf liez er sich [ließ er sich nieder] ebd. 388; tuo mir ûf der sælden tür, / sliuz zuo und lâ mich niht dafür SM:HvS 3: 2,6; HeslApk 7340. – mit Adv. (vürbaʒ): durh disin vorhtlichin nit / saztin sih ouh da gein im / die gotis virmeindin philistim / und liezin in da niht fúrbas me RvEWchr 5592    1.2 ‘(jmdn./etw.) zurücklassen, loslassen, aufgeben’    1.2.1 ohne Obj. ‘loslassen, nicht festhalten’ – im Doppelausdruck halten unde ~ i.S.v. Verfügungsgewalt/ Verhaltensweise (weitere Belege s. halten 5.4): du bist nah vnde uerre, / du heldis vnde lezis, / du bist michel vnde mezich Litan 77; alle die wîl und der man [...] ûf ein ros mit einem schilte unde mit einem schafte gesitzen mac [...] und eine mîle gerîten mac, die wîle mac er halten unde lâzen, als ob er vierzic jâr alt wære SpdtL 121,19; subst.: sin halden und sin lazen RvEWh 3351    1.2.2 ‘jmdn./etw. aufgeben, verlassen, zurücklassen’    1.2.2.1 überw. mit Akk.d.P.: von diu sol ieglich man sînen vater jouch sîne muoter lâzzen. / er sol siu begeben, sol mit sînem wîbe guotlîche leben Gen 303; Litan 837; Eckh 5: 24,7; so ruͦft er an dem crúze: ‘got, got min, wie hast du mich gelossen!’ Tauler 197,5; Romere die muͦsten lazen / al ir abgot, / alse der kuninc selbe gebot TrSilv 318; Armênje daz lant / in [König Philipp] ze herren wolde lân, / daz was im biz dar undertân RvEAlex 2815; alsus verderbet mich ein sælig wîb, / diu mich lât / âne rât, / den si hât SM:KvT 5: 1,10; SAlex 1127; AvaLJ 48,7; TürlArabel *A 17,28. under wëge(n) ~ : du gotes geberærinne; / nu nela mih under wegen niht! SüklV 66; AvaLJ 26,2; RvEWh 15684; her in leciz uns under wege nit Roth 3951; Rol 1098; Wig 3217; Wernh 3293; Iw 1658 u.ö. – ‘jmdn. (in Bezug auf etw.) im Stich lassen’ (mit präp. Erg. oder Gen.d.S.): ich ließ uch umb keynerleyslahte gut mit sorgen oder mit engsten Lanc 5,15; ez wære niht êrbære, / ob si in dheiner dinge liezen Ottok 15041. 79612. – ‘jmdn. in einer bestimmten Position (hier: Führungsrolle) zurücklassen’ der herre den er dâ liez / ze fürsten über allez daz lant, / der was Militô genant KvHeimHinv 92; das selbe sol oͮch der herzoge tuͦn oder sin hoͮbetman, den er an siner stat in dem lande lat UrkCorp (WMU) 1615,34; StatDtOrd 110,38. – mit unbelebtem Subjekt ‘jmdn. verlassen, von jmdm. weichen, ablassen’ ob du unrechte sveris daz dich di muselsucht biste [befalle] di Naamannen liz. vnde Iezi bestunt [vgl. IV Rg 5,9-27] ErfJud 7; von wurzen hêt ez [das Brot] solhe kraft / daz in lie diu hungers nôt / als erz engegen dem munde bôt Wig 4473; diu vil liebe aleine / mich betwungen hât, / daz ichz beweine, / ob ir trôst mih nu lât SM:KvL 8: 3,12; sælde und ellen iuch niht lât Parz 371,16. – ‘jmdn. hinterlassen’ (hinterbliebene Angehörige): dise zwei lizen eine dochter HlReg 38,3; swâ ein man stirbet der ein wîp læt unde niht kinde SpdtL 99,16. 86,3; waz hat Got gemeint / daz [...] die aht kuͤnigrich / alle gar on erben sint, / ir keine gelaßen hat kein kint? MinneR 444 206; EnikFb 181; mit Dat. und präp. Erg.: dirre Ulrîch uns nâch im liez / einen sun Kreuzf 1061    1.2.2.2 mit Akk.d.S.: waz riet dir den muot, / dô dû hætest sô grôz guot, / daz dû ez lieze umb einen wân? RvEBarl 339; [wir sollen] loͮfen zvͦ dem lebintigim brunnen, dem heiligim Crist, sûln unser alte hût da lazzin Spec 9,24; ich lâze einen trôst noch hinder mir MF: Mor 3: 3,4; Märt 5988; Lanc 5,33; TürlArabel *R 54,19; die netze liessen si von der hant [ließen sie aus der Hand] / und volgeten im [Jesus] na ze hant SHort 5123; Hochz 583. – zur Übers. von lat. ponere: er chût indem euangelio. ich habe gewalt minen lîp zelazîne. unte aue zenêmine [vgl. Io 10,18 potestatem habeo ponendi eam et (...) sumendi eam ] JPhys 27,3. – ‘etw. (als Erbschaft) hinterlassen’ ir vater hiez Dancrât, der in diu erbe liez / sît nâch sîme lebene NibB 7,2; suaz he dan sienis guitis hindir umi leizit Mühlh 100,1. 104,10; tôtleibe heizet daz swaz ein man læt von varndem guote unde von andern dingen SpdtL 109,8; Parz 52,11; übertr.: do fuͦr der fuͤrste zu hymel schone / [...] / vnd liez vns allen sinen segen, / die sines gelauben wollen pflegen TürlArabel *R 112,17. daʒ lëben/  den lîp ~ ‘sterben’ und [ der kneht ] vrâget dâ der mære / [...] wie ir beider veter hiezen, / und wenne si daz leben liezen StrAmis 1252; er muoz mir lâzen daz leben / oder muoz mir mîn silber geben ebd. 1943; dich helffent nit die grossen liste din, / du must mir hie lassen din leben SalMor 274,3; Herb 9132. 16253. – ‘etw. (einen Ort oder Weg) verlassen’ er [David] lie / die stat und ouh das riche. / er kerte vlúhtecliche / von dan RvEWchr 29488; do zoget er in Galileam. vnd liez di stat Nazareth EvAug 6,5; KvWLd 1,169; der nider wech [in das Himmelreich] daz ist der wech der gebot vnsers herren, der ist als liht ze genne als ze lazen PrBerthKl 4,5; PrMd (J) 340,23    1.2.3 mit Gen.d.P. und Neg.-partikel niht (hier kaum als Akk. zu lesen, vgl. 1.4.2 ) ‘aufgeben, ablassen von jmdm., im Stich lassen’ ein reiniu wîse, saelic wîp, / *der lâz ich doch sô lîhte niht MF:Reinm 4: 4,9; ter tot ter bezeichint ten tieb, / iuer ne lat er hie niet MemMori 94; gottes sun [...] sinen uattir so innicliche anruͦfte, daz er sin niht lieze PrGeorg (Sch) 23,184; daz er [...] gotte gar durnehticliche getrúwe, daz er sin niht laze ebd. 23,193    1.2.4 ‘in Ruhe lassen, gewähren lassen, von jmdm./etw. ablassen’ (meist mit Akk.d.P.): her hiez in [den Teufel] uaren virwazen, / daz her den man lieze, / daz her ime nichein schade ne were Ägidius 1145; dirre mensche tuͦt grosse zeichen; lossent wir in alsus, so kumment die Roͤmer und nemment unser stat Tauler 65,9; dhein lant er niht enliez, / er wolt ez betwingen EnikWchr 21042; MF:Wolfr 2: 4,2. – mit von: dâ diu natûre læzet von irm werke, dâ hebet got ane ze würkenne Eckh 2:64,3. – hierher? ‘außer Acht lassen’ ob des bischolfes zorn / ein abt wolt gestillen, / daz er [...] / liez unser vogtî hin dan Ottok 26826    1.2.5 ‘ablassen von etw. (Erzählinhalten)’    1.2.5.1 mit Akk.: wa ich die aventuͤre han / gelazen, da grif ich wider an TürlArabel *R 140,4 u.ö.; diu zwei [Edelsteinsorten] lâz ich under wegen / und wil der selben nû gedagen Volmar 72; HvFreibTr 1299; RvEWchr 3090; BdN 27,16; Eckh 1:142,8    1.2.5.2 ohne Akk., mit präp. Erg.: nv merkent, wa wir liezzen e / von dem tsahtelvr [ schahteliur ‘Kastellan’ ] vnd von dem Markis TürlArabel *A 168,18    1.3 ‘(jmdm./einer Sache) jmdn./ etw. (über)geben, überlassen’    1.3.1 allg.: wie [l. wir ] lazen ouch ime [um den Streit beizulegen] Turgowe, hus vnde stat, lant vnde lute vnde allez, daz dar zu gehoret UrkCorp (WMU) 1062,28; so rihtet got rehte, / wan er uns nimet unde lat, / als er des gewalt hat, / beidiu lutzzil unde vil VRechte 90; er muz uns me der gisele lan GrRud Bb 24; ir unminne mir niht lât / ir minne, an der mîn fröide lît SM:WvK 6: 2,3; Mühlh 99,13; KvMSph 36,6; SuTheol 12. 106; do liezzen si in den vogeln und den tyren Konr 2 O,205; sime rosse er den zom liez Herb 11560. – mit ze: daz er mir mûz lâzen / ze phande sîn houbit SAlex 1568; SalMor 53,5. Parz 394,29; sînen neven er mir ze knehte liez ebd. 498,13; wære doch Jôhannes hie, / den mir mîn sun [Jesus] ze sune lie / und mich ze muoter im beschiet KvHeimHinv 300. – im Doppelausdruck ~ unde gëben: daz selbe guͦt [...] habn wir gelazzen vnd gegebn ze rehtem aigen den vorgenanten frawen ze Muͤnchen UrkCorp (WMU) 1025,39; allez daz guot [...], daz han ich gebn vnt glazen Albrechtn dem Sumerekker ebd. 3205,22; ein ander mensche, der niht enhæte lîplîches noch geistlîches ze lâzenne noch ze gebenne, der mensche lieze allermeist Eckh 1:202,10    1.3.2 als Frage beim Abschied, die das Schutzbedürfnis der verlassenen Person ausdrückt (wem lâʒest du mich? u.ä.): herre vatir, weme leizist dû uns? die armin schâf sulin die vreislichin wolve vil schiere bestân PrMd (J) 340,34; vil lieber herre min, wem wildv mich nu lazzen oder emphelehen Konr 6,34; als dû, mîn trût, nu von mir scheidest, / wem lâst du danne ein senedez wîp? SM:Wi 8: 1,3; Machmêt, vil süezer got, / ich hân dich geminnet ie; / wem hâstu mich nu lâzen hie? Wig 7719; Flore (P) 2730; MarHimmelf 317; GFrau 449; mit Akk.d.S.: wer wirt vür iuwer swære / dâ iuwer helfære? / wem lânt ir iuwer êre dâ? RvEBarl 3777; wem lieze du kiuschlîche zuht? Wh 157,7; NibB 522,1    1.3.3 etw. hër ze jmdm. ~ ‘jmdm. überlassen’ nû duz her ze mir lâst. / ez muoz, als dû geredet hâst, / versuochet werden hie zestunt Eracl 1599; swaz ez nû sî des ich bite, / dâ êret mich mite / und lât die bete her ze mir [gewährt die Bitte, gebt mir das Erbetene] , / wand ich ir anders gar enbir Iw 4553; der strît ist lâzen her ze mir ebd. 7690; du solt im sîn ungemach / wenden: alsô sol er dir. / lât ir daz peidiu her ze mir [Artus] : / ich wil den kampf undervarn Parz 716,8    1.3.4 etw./jmdn. (sich) ane/ûf/  ze jmdn./etw. ~ ‘überantworten, überlassen, in jmds. Hände legen’ (weitere Belege aus Rechtstexten s. WMU 2,1097 u. DRW 8,720f.): ich hân die sinne / vil stæte breit / an dich gelân: / war, wie wê mir diu liebe tuot! SM:HvS 2: 1,7; got hât ûf erde an zwêne man die kristenheit gelân SM:We 1: 2,1; StrAmis 1082; Tauler 45,32; daz wir den kriek vnd die missehellunge [...] also verrihte vnd verscheiden haben, wan ez von beiden tailen [Streitparteien] an vns genczlich gelezzen wart UrkHohenz 2,443 (a. 1331); StiftStBernh 231; Gnadenl 1,546; ich las es auf dy trewe dein Hawich 3667; daz er vil ungerne entphie / daz amt, daz man uf in lie Pass III 10,54; der tet als die wisen tunt, / die ir dinc lan zu gote ebd. 9,65; diz ist zu deme urteile des obersten unde der brûdere gelâzen StatDtOrd 86,3. – mit Refl.-Pron. ‘sich auf jmdn./etw. verlassen, sich jmdm. anvertrauen’ lâ dich an unsern herren LvRegFr 1330; ich wil mich sîn an iuch lân EnikWchr 21328; hastu icht vil gelogen / oder iemant betrogen / der sich an dein trewe lie? HvBurg 731; er lett sich an di guten wein HvNstAp 12767; SM:HvF 5: 1,7; Tr 6380; PrGeorg (Sch) 17,207; der brûdre trucht [Schar] sich ûf in [den Verräter] lîz / unde tâtin sînen rât NvJer 12202; er liez sich gar uf got Pass III 122,9. 595,89; ein muͦnich [...] durch sine suchede [...] liez sich al ze vil uf ertzenie HlReg 42,6; Brun 8637; MinneR 444 217    1.3.5 jmdm. den namen ~ ‘Namen geben’ Chana sô wart ez genant / nâch dem herren als er hiez [ Chanaus ] . / den namen er dem wazzer liez EnikWchr 3466; der selb Metius hiez. / den namen er der stat liez, / wan si hiut Metz ist genant ebd. 22268. 13502. 21082; EnikFb 886; vgl. daz wort ‘homo’ nemen wir von vrouwen und von mannen, aber die Walhe wellent ez niht den vrouwen lâzen durch ir krankheit [Schwachheit] Eckh 2:345,5    1.4 ‘(unter)lassen, sein lassen, bleibenlassen, ablassen’ (vgl. auch wësen/  sîn/  stân ~ unter 2):    1.4.1 ohne Akk.    1.4.1.1 allg: doch lâze ich niemer, / ich diene ir iemer SM:UvB 6: 1,15; ir gemahelen sin [ si in ] hiez, darumbe er niene liez, / er nedienet ir mit triwen also mit rehte siner frouwen AvaLJ 3,3; ich wære dicke gerne vrô, / wan daz ich nit gesellen hân. / nû si alle trûrent sô, / wie möhte ichz [Hs. ich ] eine denne lân? Walth 120,1; do sprach únser herre: ‘las, si ist dir alze swere.’ Mechth 5: 34,23; Herb 6336. – mit Ergänzung durch Präp. von ‘ablassen (von etw.), aufhören (mit etw.)’ Apollonius, der ir vater hiez, / von rehter demuͦt nie geliez Vät 6200; von dem gebet sie liezen ebd. 14555. 17531    1.4.1.2 mit explizierendem Satz: darnah vil unlange liez / Abraham der reine man / er sante riliche dan / gein Mesopotamia RvEWchr 5255    1.4.1.3 in Doppelausdrücken: tuon unde ~ : si wolte unde enwolte; / si wolte tuon unde lân Tr 10275; Iw 510; an rate wil ich iemer stan, beide tuͦn und lan, doch mag ich nu dar nit gan Mechth 1: 44,53; [die vrîheit,] in disem gegenwertigen nû gote ze wartenne und dem aleine ze volgenne in dem liehte, mit dem er dich anwîsende wære ze tuonne und ze lâzenne Eckh 1:29,3; daz ich mich sein verzeich gar vnd ganzleich, daz si furbas da mit mugen tun vnd lassen als mit andern irem aigen gut UrkCorp (WMU) 758,39; Frl 9:2,12; subst.: nu gebiet nâch iweren mâzen / mîn tuon odr mîn lâzen Parz 405,14; Eckh 2:450,8; alles des menschen tuͦn und lossen Tauler 28,16 u.ö.; Frl 4:18,12. lîben unde ~ wohl ‘außer Acht lassen’ (vgl. Ottok unter 1.2.4), → 1lîben    1.4.2 mit niht (Neg.-Partikel oder Akk.?)    1.4.2.1 allg.: dú gottes minne twingen wil / mich ungelerten heben an, / beginnen dez ich nie began, / so daz ich nit gelaussen mag SHort 21; dâ von si niht enliez, / si sant ze pfingsten nâch ir EnikWchr A II,244. – mit niht und Gen.: ich kan noch wunder machen, des ich niht wil lazen Tannh 1,90; ich newolde des nit lazen, / des ich zubele gedathe, / er ich iz mit werken volbrehte SüklU 22; mit Ersparung des niht (im hinteren Vers): dhein red er niht enlie, / er sagt sie hern Pharaô, / und liez sîn durch dhein drô EnikWchr 7836    1.4.2.2 mit explizierendem Satz ‘(nicht) ablassen, unterlassen’ (zur Bekräftigung, dass das Genannte getan wird): Moyses do nith enliez / er thete als got in heiz RvEWchr 11540 u.ö.; dhein wîl er dô niht lie, / er bat got den rîchen / vil andæhticlîchen EnikWchr 17100; dvͥ bvrkgrevin nvͥt enliez, / si were mit vliz Arabeln bi TürlArabel *A 275,2; Märt 10887; KgTirol 7,2. – mit Negation in beiden Teilsätzen (s. hierzu 2 5Mhd. Gr. § S 147,3): doch dar umbe lâze ich niht, in [d.i. ich ne ] sî gemeit [ich lasse nicht davon ab, fröhlich zu sein] MF:Reinm 64: 2,3; si wesse wol daz er niht enliez / swes si in bat ern tæte daz Wig 352; Reinhart do niht enlie, / ern gienge ze hove mit sinnen ReinFu K,42; Parz 405,4; Vät 4676. – mit Gen.-Korrelat im übergeordneten Satz: der Brittun kraft des nit enliez, / sine wurben ritterlichen da TürlArabel *R 36,28; der helt Gâwân des nicht enliez, / ern sprêche zu den jegern HvFreibTr 2380; StrAmis 1162; der selb bot des niht enliez, / ûf sîn ros er dô saz EnikWchr 9596 u.ö.; dye selbig des nicht enlie, / zü dem alter sy auch gie Märt 3703 u.ö.; TürlArabel *A 173,8; RvEWchr 21807; HvNstGZ 4844    1.4.3 mit Akk.    1.4.3.1 allg.: ob wir durch diu minne des almæhtigen gotes die suͤnde nicht lazzen PrOberalt 6,1; ouh begunder lâzen / urlôge und giricheit / und was mit zuhten gemeit SAlex 7264; iz wer der gotsdienst ze lange lazzen in der vorgenanten chyrhen sande Jacobs UrkAltenb 135 (a. 1314); Gnadenl 1,167; lât selchen spot SM:UvS 5: 1,6; ReinFu K,89; sô muoz ich lân die fröide mîn KLD: UvL 9: 2,8; daz si üppeclîche sprüche lâzen under wegen NibB 862,2; des mvsten sie ir rede lan Herb 943; Iw 4880; Eracl 2368; Volmar 449; Mechth 2: 8,8    1.4.3.2 mit Obj.-Satz: wî torste wir lâzen, / daz unser hêre uns gebôt, / durh siheiner slahte nôt! SAlex 1507; marcgrâf Albreht niht enliez, / swaz in sîn bruoder tuon hiez, / daz tet er des morgens drâte EnikFb 363    1.4.3.3 mit explizierendem Satz: ouch liez er nie deheinen tac [er ließ keinen Tag aus, ließ nie ab davon] , / er sant einen kneht vür / daz er spehet StrAmis 940; der künic daz vil selten liez / ern rite baneken drin [in den Wald] Wig 179; die hôhgemuoten degene diene wolden daz niht lân, / sine drungen, dâ si sâhen die minneclîchen meit NibB 284,2    1.4.3.4 im Doppelausdruck tuon unde ~ : vnd sol Tægene mit dem houe tvͦn vnd lazzen, swaz er wil UrkCorp (WMU) N810,10; ihtes iht mê ze tuonne oder ze lâzenne Eckh 2:450,7    1.5 ‘enden, aufhören’ der [der Dame] bin ich worden undertân, / als daz schif dem stiurman, / swanne der wâc sîn ünde alsô gar gelâzen hât MF:Eist 12:1,5. – mit Refl.-Pron.: hiemite sich die rede lie. / ieglicher heim zu huse gie Pass III 356,23    1.6 ‘etw. zulassen, gewähren’    1.6.1 ‘(jmdm./einer Sache) etw. gestatten, gewähren’ nún tusent [...] / er tote und nieman frid liess SHort 3235; daz er die vart solt lâzen Ottok 83219; zehant der kunig zu im sprach: / ‘erkennest du wol den man?’ – / ‘ja, her. welt irs also lan, / so kenne ich in wol pey namen.’ HvNstAp 2113. – mit Ersparung des Akk.: der edele Rûal lieze / und hætez nôte verlân, / ezn müese allez vür sich gân, / des sîn vriunt Tristan bæte Tr 2178; EvAug 5,7. – ‘etw. (be)lassen’ (auch mit Dat.d.S.): ich lâz des puoches ordnung ze latein BdN 55,6; das wir die nuwe mulin ze Celle heizen abe brechen vnd deme wassere sinen alten rùns [Lauf] lassen UrkCorp (WMU) 96,18    1.6.2 oft etw. âne haʒ/ nît/ zorn ~ ‘(gleichmütig/ wohlwollend) zulassen, gewähren, zugestehen’, auch als Litotes i.S.v. ‘sich wohl gefallen lassen’ ist iemen, dem gelinge baz, / daz laze ich iemer ane haz Tannh 3,97; Bêne unders küneges armen saz: / diu liez den kampf gar âne haz Parz 686,2. 766,7; KLD:BvH 8: 1,5; NibB 296,3; si mugen ez lâzen âne nît, / obe ich der wârheit ime vergihe MF:Reinm 5: 5,3; NibB 651,1; Wig 6196; StrAmis 59; diz wort lazet ane zorn, / wen ichz vorswigen nicht entar HeslApk 18570; Iw 2391; Wh 290,22; StrAmis 1138 im Ggs. dazu: er lat es niht durch smaehen haz Tannh 1,20    1.6.3 hierher? nieman vür sich ~ (an gewalt) ‘niemanden (in Bezug auf Macht) vor sich lassen; niemandem mehr Macht als die eigene zugestehen’ Nabuchodonosor sîn nam hiez, / an gewalt er nieman für sich liez. / er was ein gewaltic man, / als ich von im gehœret EnikWchr 16944 u.ö.; der selbe keiser Lotharjus hiez, / an gewalt er nieman für sich liez, / wan man vant nindert sîn gelîch EnikFb 956    1.7 ‘etw. erlassen, nachlassen’, oft mit Dat.d.P.: dô liez er die schulde / und swaz im leides was getân Wig 11163; Parz 301,2; laz uns schulde unser als wir lazen scholæren unseren [interl. zu dimitte nobis debita nostra sicut et nos dimittimus debitoribus nostris ] PsM C 12,4. 24,18; Walth 6,10; HeslApk 2710; HagenChr (G) 3058; dem [Schächer] her [Christus] liez allen sinen mein / durch eine mezeliche bicht HeslApk 3214; swer aber daz vͤber gieng, der sol von dem schaff ein pfunt pfenning geben; des sol man im nihtsniht lazzen UrkCorp (WMU) 1796,24; darzu ist mir lazzen aller hande dienst, der von demselben hof dem gotshous drew iar an vnderlazz versezzen ist, vnd han ouch mich des selben hoves fvrzicht getan UrkKlostern 1,126 (a. 1311); UrbBayÄ 1910,b; WüP 61,5    1.8 ‘aussehen, sich (in bestimmter Weise) verhalten, benehmen, einen gewissen Anblick bieten’ (vgl. gelâʒ stMN. u. gelæʒe sowie Schiller/  Lübben 2,636): do begvnde er mit dem wibe / svfzen vnd weinen. / sie liezzen durch in einen / alle iemerliche Herb 9798. 7530 u.ö.; se liet als se onsinnich were MinneR 336 486; din arger mut lat als daz swin Frl 11:9,16; subst.: dâ hôrter und vernam / in gazzen unde in strâzen / von clage al solch gelâzen, / daz ez in muote starke Tr 6022    1.9 ‘etw. fließen, hervorkommen lassen’    1.9.1 ‘etw. fließen lassen’ der wermaten saf mit ochsengallen gemischet unde in das ore gelassen vortribet das clophen Macer 3,24 u.ö.; vnde laz iz in di ougen SalArz 38,26; du lazest die brunnen in den telren [interl. zu que emittis fontes in convallibus ] PsM 103,10; unze uns der niu Adam sines vater hulde gewan, / daz er daz bluot an die erde liez AvaLJ 153,4. – übertr.: laze den zoren din [interl. zu effunde iram tuam ] PsM 78,6    1.9.2 ‘etw. (überw. fließend Gedachtes) von sich geben, hervorkommen lassen’ manigen zaher [Träne] er lie dô er von in gie Gen 1821; TürlArabel *A 226,23; der geliez nie vorhtlîchen sweiz Parz 145,6; VRechte 136; sus kan diu wunnebære / vil manigen siufzen lâzen KvWTroj 15947. 16092; er [Morolf] ließ vor der kunigin einen großen furtz SalMor 244,2. 661,5    1.9.3 ‘etw./sich (wachsend) ausstrecken’ [gesegnet ist, wer auf Gott vertraut] vnd wirt als ein holz daz wirt gepelzet vf div wazzer, daz ze der viuhte lât wurzen sîne [interl. zu quod ad humorem mittit radices suas Ier 17,8] PsM Per 20,8; jungez gras, / daz sich hie zu durch nuwe werde / gelazen habe uz der erde Brun 11734    1.9.4 ‘etw. (aus Schöpferkraft) hervorbringen, erschaffen’ den dunre und diu blicschôz / von viurînem lufte lât / dîn [Gottes] kraft RvEBarl 57; der daz firmament gelazen hat / und in des hant gar elliu dinc beslozzen stat, / der schirme mich vor dir mit siner tougen Wartb (H) 371:19,4; daz beste wîb mir leide tuot, / die got ûf erde hât gelân SM:HvF 3: 2,4    1.10 (von Bewegungen) mit präp. Erg. oder Pron.-Adv., oft mit Refl.-Pron. [vgl. 1.1.7.3 ]    1.10.1 allg.: er [Virgilius] sprach: ‘frou wol getân, / den korp sült ir her ab lân, / dâ wil ich sitzen in. / [...].’ / zehant si den korp liez, / als sie Virgilius dâ hiez EnikWchr 23903    1.10.2 etw./sich zesamene ~ ‘etw./ sich zusammentun, vereinen’ wunde vnd gesvnde zesamen sich liezen TürlArabel *A 231,11; ir kraft [Gefolgsleute] sich do zesamne lie / vnd ilten ser vns nah ze varn ebd. *A 241,16; bas hilfet venchel saf unde hangalle [...] das zusamene gelassen unde di ougen mit bestrichen Macer 8,13    1.10.3 ‘sich (an einen Ort/ von etw. weg) begeben, bewegen’ er [der Falke] lïss sich über die bome GTroj 8391; in di wuste sich der liz HistAE 662; was Got gn̈aden pegie / als er sich her von himel lie Hawich 3378; ob dv gotes svn bist. lazz dich hinab [ mitte te deorsum Mt 4,6] EvAug 5,20; do lie sich aber wider dan / das mer [das Rote Meer] an sine stat als ê RvEWchr 10941; Quintilion sich gegen im [seinem Gegner] liz Herb 5730. 17811; Tr 12634; HvNstAp 2140    1.10.4 sich an/ ûf diu knie ~ u.ä. ‘sich niederknien’ daz ain [Pferd] daz lie sich an diu kniu, / da ez den degen erste sach WhvÖst 4282; fur den keiser er nv gie, / zetal liez er sich vf ein knie TürlArabel *R 316,14; der dritte unde ouch sie beide / liezen zu gebet hie / sich mit andaht uf die knie Vät 10767. 21527    1.11 bezogen auf Aderlass (zur Sache s. LexMA 1,150f.)    1.11.1 ohne Dat. oder Akk. ‘zur Ader lassen’    1.11.1.1 ohne präp. Erg.: da von wart ez verbotten, daz nieman lazin solte an disen tagen MNat 17,34. 6,34. 14,19; kain zeit ist pesser unnd nützer ze lassenn [ ad minutionem ] HvHürnh 37,11. 38,10; des nehsten tages ließen sie alle vier Lanc 456,11; Herb 1982; subst: sô der mensch geswillet von dem lâzen Barth 142,20; KvMSph 23,20; BdN 54,4    1.11.1.2 mit präp. Erg.    1.11.1.2.1 allg. ze (der) ader(n) ~ : vnd swenne si siech sint oder ze ader hawent gelazen, so sol man ir flizlichen vnd milticlichen phlegen SpitEich 15,3; Tr 15117; SalArz 24,6; der edele furste gelazen hatte zu der adirn Köditz 23,10    1.11.1.2.2 zur Bestimmung des Ortes/ der Ader: jst der houbit we uon dem blute. so la an der houbit ader SalArz 30,31. 44,34; la hinder den oren vnde an deme slafe [an der Schläfe] an den adern ebd. 38,52; daz man auf der denken [linken] hant oder auf dem denken arm dâ für [Milzleiden] lâz BdN 30,33; der laze rechtirhalbin uz der ader an deme kinne SalArz 31,22. 42,8    1.11.2 mit Dat.d.P. (und meist präp. Erg.) ‘jmdm. zur Ader lassen’ so la deme sichen uf der rechtin hand an der ader di da heizit basilica SalArz 55,10. 64,39. 77,18; ir sult iu heizzen lâzen, / daz frumt iu zuo den sachen Eracl 3580; obir wir [= vier] tage zo laz im denne abir Albrant 3,63. 1,7; Lanc 456,10; BdN 336,24. – als Umschreibung für Kampfwunden: die die wirtschaft dâ besâzen, / den was almeistic lâzen / zer adern oder sus zem verhe Wh 449,2. – als Tötungsmittel: man liez im ûf der mêdiâ. / des muost er lân sîn leben dâ / sanft unde lîse EnikWchr 23021    1.11.3 mit Akk. (und fakultativem Dat.)    1.11.3.1 ‘(eine Ader) zum Aderlass verwenden, eine bestimmte Ader lassen’ dor noch laz ym dy span odir Albrant 3,63; laz im uor dem houbite di mittel adern SalArz 29,48; das wir alle dry die ader laßen an dem rechten arme Lanc 456,9    1.11.3.2 ‘(Blut) durch Aderlass abgeben’ diseu truckent unnd krenckent den leib: das ist [...] essenn gesaltzenn essenn, das pluet übermaß lassenn [ minuendo mensuram excedere ] , gar übel und traurigk gedänck habenn HvHürnh 43,1; [ich] weiz doch wol, ê ich ein argen zagen getwünge ûf milten muot, / daz ich mit riemen lîhter twünge einen stein, daz man im an der âder lieze bluot WernhSpr (Z) 73,14    1.11.3.3 mit Refl.-Pron. ‘sich durch Aderlass Blut nehmen lassen’ da sprach Lancelot, im wurd nie gelaßen zur adern; wolt myn herre Gawan, er dete sich laßen Lanc 456,10    2 nach Art eines Modalverbs mit Inf. eines weiteren Verbs ‘lassen, zulassen, veranlassen (eine Handlung, einen Vorgang u.ä.)’; mit bestimmten Verben (z.B. belîben, ligen, sîn, stân) ‘ablassen, bleiben lassen, unterlassen’    2.1 ohne Erg. beim Inf.    2.1.1 stân ~ ‘aufhören, einhalten’ (vgl. Öhmann, Lehnprägung, S. 74): nein, dur got, lât stân! SM:Te 10: 3,7; lât stân lieben brüeder, slahent iuwern bruoder niht BuchdKg 6,3; Tr 10199; Herb 18227; Frl 14:32,1    2.1.2 sîn ~ ‘sein lassen, ablassen’ nu lâzze eht sîn SM:HvF 3: 3,7; lâ sîn SM:AvR 2: 3,10; KLD:BvH 16: 2,10    2.1.3 ‘lassen, zulassen, erlauben, gestatten’ (hier nur mit (be-)sëhen und explizierendem Nebensatz): hilf, hilf, guot wîp, lâ besehen, / ob du brechen maht / sorgen bant MF:Wolfr 9: 3,1; nû lâ sehen, wer mich gelêren kunne, / daz ich singe niuwen sanc! MF:Mor 2: 3,11    2.2 mit Erg. beim Inf., die nicht Akk. sind    2.2.1 ‘lassen, (eine Verbalhandlung) veranlassen, bewirken’ die porten vant er uf getan, / dar in lies er balde gan RvEWh 1370    2.2.2 ‘lassen, (eine Verbalhandlung) zulassen, erlauben, gestatten’ ach vil liebú tohter min, / laz an dinen gnaden sin / und tuͦ das, tohter min, durh mih RvEWchr 9127. – mit Dat. (teils refl. Dat.): das mir [der Kranken] der froͤden úbermäß / wider stan und gan laß, / deß ich wenig hab gedingen FrSchw 3664; darzuo habe ich guot gedingen: / lât diu liebe mir gelingen, / sô mag ich in fröiden wesen SM:JvW 3: 4,5; SM:Wi 2: 2,4; zu den bettecleideren an eime sacke, [...] unde an eime kussene lâze im igelich brûder genûgen StatDtOrd 39,15; so wil der smerze / im nicht genügen lazen Frl 14:26,9; lâz lingen dir [beeil dich, mach schnell] ! Boner 48,34. gâch sîn/  wësen ~ mit refl. Dat.: lât iu sîn niht ze gâch NibB 425,2; Tr 3185; nû lâ dir wesen gâch Iw 958. 2143; nu lâ dir von mir niht sîn sô gâch Wh 122,2; lâ dir nâch mir wesen gâch RvEBarl 5345    2.2.3 dar gân ~ (in Richtung eines Gegners) ‘auf jmdn. losgehen, einschlagen’ er erbeizte und hiez in ûf stân. / zesamene liezen si dar gân Er 833; die crichen alle gemeine / huben sich in engeine / vnde liezzen so dar gan. / in kvnde niht vor bestan, / irn slegen noch irn stichen Herb 13997. 5092. 7467; Lanc 83,5    2.3 mit einem Akk. beim Inf.    2.3.1 Inf. von intr., unpersönl. (oder absol. gebrauchten tr.) Verben (der Inf. erschiene in Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im Aktiv, der Akk. als das Subjekt)    2.3.1.1 allg.: in deme munde [des Menschen] liez er [der Schöpfergott] hangen eine zungen lange Gen 124; Vät 3. 8623; di seli læt er von den sundin irstan SuTheol 287; nv sol ich vch wizzen lan, / wa von die rede ist getan ReinFu K,11; la varn dine forhte! Lucid 154,7; VRechte 87; du la ligin den satin buch ÄJud 215; JPhys 16,8. 20,7; mid allin erin hizzer si biwarin, / er li si vrolichin von imo varin LobSal 206; Himmelr 3,32; er wolde si lâzen leben SAlex 967; nu la du den zorn din / uber mich verworhten niht gan SüklV 432; welt, nu lach mich des geniezzen, / daz ich dîner fröiden ie leiter und venre ie was! SM:Te 11: 3,1; MarseqM 50; SM:JvW 5: 1,1; ich wil daz ir in slâfen lât / unz morgen StrAmis 2314; StatDtOrd 35,15; SpdtL 168,14; laß es sieden BvgSp 49; Macer 49,8; Barth 136,22; daz er diz unde daz, / zwîvel unde arcwân / allez zeiner hant lie gân [er ließ es beiseite/ außer Acht] Tr 16514 (vgl. ich lâze ez allez zeiner hant / beidiu liute unde lant ebd. 14219 )    2.3.1.2 mit Ersparung des Inf.: ich kume iu gerne, lânt sî mich Iw 5134; [der Truchsess, der der Lüge überführt wurde,] kunde sprechen noch gelân Tr 11255; des wolde ich geswigen hân / und swige ouch noch, und liezze er [der Fragende] mich SM: Gl 3: 5,10; SM:HvR 2: 2,5; Lanc 4,10    2.3.1.3 mit halbpräd. Adj.: wolt er sus ze mîme gebote stên, / gesunt lieze i’n hinnen gên Parz 539,28; dâ sterbent wan die veigen: die lâzen [l. lâzent ‘lasst!’ ] ligen tôt NibB 150,2    2.3.1.4 formelhaft (?): so laze mich got leben, / sus getaner ratgeben / ist luzel imme lande GrRud #g+d#g-b 1    2.3.1.5 lôʒ gên ~ ‘das Los ziehen/ entscheiden lassen (in Bezug auf etw.)’ sy crucegeten en unde teileten syne cleydere unde lizen eyn loz ubir sy gen [ mittentes sortem super eis Mc 15,24] EvBerl 59,2. – mit Ersparung des Inf.: uf gewant minez liezen si ir loz [interl. zu super uestem meam miserunt sortem ] PsM 21,19; sie teilten in mîne wât / und liezen lôz ûf mîn gewant RvEBarl 2887. 2866; dî Nattangin woldin dort / den gotin tûn ein opfir grôz / und lîzin ire lôz / undir dî cristnin sâ, / dî sî gevangin hattin dâ NvJer 11168    2.3.1.6 belîben/ ligen/ stân ~ ‘bleiben lassen, ablassen von etw.’ durch gute la man dizz beliben! Physiogn 332; die rede lât belîben NibB 17,1; Lucid 17,5; KvWHvK 124; die rede wil ich nu lazen ligen TürlArabel *R 73,24; wie man in lobe und in spreche und in nenne, daz lâze ich ligen Eckh 2:166,3; daz wir di rache lazen stan VMos 61,22; Eracl 2232    2.3.1.7 mit gân/  strîchen u.a. Bewegungsverben, überwiegend von Reitern, die ihre Pferde antreiben, übergehend zu ‘(auf jmdn.) losgehen, (jmdn.) angreifen’; der Akk. ist meist erspart (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 263f. mit zahlreichen Belegen): si liezen dar strîchen / mit verhancten zoumen diu marc UvZLanz 4468; sî wâren alle viere / ze orse komen schiere / und liezen [die Pferde] von ein ander gân, / dazs ir puneiz möhten hân Iw 5311; die werden und die frischen / zein ander liezen hürten KvWEngelh 2797; diu ros nâmens mit den sporn / und liezen dare strîchen En 8935. 7530; Rab 665,3. 759,1; si liezen zesamene strîchen / alsô krefteclîchen / sô si meiste von ir sinnen / ûz den rossen mohten gewinnen Er 812. 766. – mit den Pferden als Subj.: von Munsalvæsche wâren sie, / beidiu ors, diu alsus hie / liezen nâher strîchen / ûfen poynder hurteclîchen Parz 679,25. – in anderen Kontexten: sie liezen dar strîchen [im Zweikampf ohne Pferd] , / nû gâhen, nû entwîchen Eracl 5091; der ungehiure rise Urgân / er lie wol balde hine gân / des endes, dâ diu stange lac Tr 16044; der wint liez ouch dare gan / vnde warf sie [auf den Wellen] vort vnde wider Herb 17091; nu loset, wie diu nahtegal dar nâher strîchen lât [vgl. NeidhWB s.v. strîchen ] Neidh SL 16:2,6    2.3.1.8 (er-/ în-)klingen ~    2.3.1.8.1 vom Klang der Waffen: mîn swert lieze ich klingen / beidiu durch îser unt durch vel [Haut] Parz 747,10; die liezen swert erklingen Wh 417,18; PleierGar 4298; UvEtzAlex 1568. 7507; di liezzen ir swert chlingen / durch maneges heiden lip StrKarl (S) 9648; JTit 4135,2. – mit Ersparung des Akk.-Obj.: lâzâ klingen! Wh 413,1; PleierGar 15900; nu lat dar naher chlingen! Dietr 6578; si liezzen dar chlingen / mit æislichen slegen Rab 815,1; do nam er Schemmingen [sein Pferd] / ze beiden sporn, do liez er dar chlingen ebd. 393,6. 395,1. 596,3; JTit 137,2; mit Ersparung des Inf.: diese jungen recken / sie lant die scharfen ecken GrRud Cb 5    2.3.1.8.2 von Musik u.a., hier auch erklengen ~ : Tristan der begunde / einen leich dô lâzen clingen în Tr 3585. 17205; ir niuwen sumerwîse / die liezen si dâ clingen KvWTroj 10029; KvWPart 17407; si wil uf der linden alrest niwe clage lazen klingen JTit 5170,4; do liez der walt ir clage stimm erklengen ebd. 5138,3; [so mancher Spieler] bi im selber treit / sinen vint, der im widerseit, / die wurfel, wen er si let klingen Jüngl 383    2.3.1.9 schînen ~ oder schîn wërden/  wësen ~ ‘sichtbar werden lassen, zeigen, beweisen’ wol ir heiligin pilgerime / nu lat wol schinin / durch waz ir uz sit komen Rol 246; Gen 19; du salt durh den willen mîn / hûte lâzen werden schîn, / ob du bist alsô wîs, / alse man saget SAlex 6314; nu lâ des wesen guot schîn, / daz dich got erwelt hât Wernh 3326. D 514. D 1665. D 4137; mit Ersparung des Inf.: ih wil dir lâzen schîn, / daz ih ein gwaldich got bin SAlex 3006    2.3.2 mit sîn/  wësen    2.3.2.1 etw. sîn/  wësen ~ ‘etw. sein lassen, unterlassen’ lâ du dîn rede wesen VAlex 422; herr, lönd die rede sin! GTroj 2751; ir frawen, ir sult [...] ivr tuteln dazz der porte vnd ze dem venster mit den mannen lazen sin PrBerthKl 4,25; Lucid 130,3; SM:JvW 6: 2,8; Iw 178; TannhHofz 69    2.3.2.2 jmdn./etw. (in best. Weise) sîn/  wësen ~ mit Prädikat (und fakultativem Dativ): er ist ane zwivel / ein rehter lugenære; / lat in iu sin ummære! Wahrh 54; KvWHvK 118; ich wil dich lazen vri wesen / dinev dinc solen dir wole irgen VMos 14,23; got lâz iuch iemer sâlich sîn VAlex 346; lant mich ungehindert sin Mechth 1: 44,47; lâ dir mîn leit geclaget sîn KvWKlage 15,5; SM:JvR 1: 6,4; lât diz vingerlîn / einen geziuc der rede sîn Iw 2945. 2136; den sul wir voget wesen lân NibB 522,4; Parz 715,29; TannhBu 25; MarlbRh 13,25; Eckh 1:92,8    2.3.2.3 mit adv. Best.: swie si mich doch lât in sorgen sîn SM: WvT 1: 2,4; ach, sî lie mich in jâmer sîn SM: Had 5: 5,4; des sol mir ir trôst niht wenken, / sie enlâze mich ir sîn / [...] nâhen bî KLD: UvL 4: 4,4    2.3.2.4 mit Obj.-Satz: laz sin daz [angenommen, dass] nicht wen ein man / an dem kristengelouben si bestan, / bi deme solde di kristenheit / zum gelouben komen widir, also man seit Brun 11110; ‘nu lânt mit iwern hulden sîn [gestattet, gewährt] ’ / sprach er ‘swes ich vrâge / und zeigt mir mîne mâge, / wan ich enweiz wer ich bin [...] ’ UvZLanz 312    2.3.2.5 mit Ersparung des Inf. (s.a. 2 5Mhd. Gr. § S 232,2): in der werlte ist manec man / valsch und wandelbære, / der gerne biderbe wære, / wan daz in sîn herze enlât Iw 201; lâtz iu von mir niht swære [nehmt es mir nicht übel] Parz 555,7; durch iwer zuht lât iu niht leit, / ob i’u mînen kumber klage ebd. 24,18. 526,28. 535,22    2.3.3 Inf. von tr. Verben mit Akk.-Obj. (der Inf. erschiene in Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im Passiv, der Akk. als das Subjekt)    2.3.3.1 ‘veranlassen, bewirken’ ne mache ich ivch nicht gesunt odir heilen, / so lazet mich antwedir hahen odir steinen TrSilv 64; daz her [...] / ein munstir wirken lieze / vnd da samenen hieze / die gotis holden Ägidius 750; Tristrant ime geben liez / hundert sillinge / guter sterlinge Eilh St,7370; SüklV 391; Herb 56    2.3.3.2 Akk. ist Refl.-Pron. ‘lassen, zulassen’ dar umb lie sich der heilig gotes sun an daz heilig chruͤtze hahen PrOberalt 4,20. 4,30. 5,34; wa lát si sich vínden? Tannh 1,101; ein grâve wert von Bâre / lie sich in dirre parte sehen KvWTurn 623; sold ouch daz immer geschehen, / sô müeste si sich lâzen sehen [zeigen, sich bewähren] , / daz si wurde sô gehiwer, / daz von ir helfe stiwer / daz lant erben bekæme Ottok 1848; junger lúte hertze [...], die von naturen wilde sint und geneiget zuͦ der welte sint, daz sú sich múgent lossen zemmen und vohen, und volgent gotte noch Tauler 60,5; JPhys 11,37; Spec 15,18; Wahrh 96 – auch in Aussagen über Eigenschaften bzw. Möglichkeiten unbelebter Subjekte: er [der Stein Calcedonius] enlat sich niht ergraben HimmlJer 181; ein anderslachte korn [...] let sich ringe malen SalArz 8,47    2.3.4 mit Inf., Akk. und Dat.: ne la mir herre nit gewerren / mine manicfalden missetat Litan 4; [Gott] laze uns den tranc wol zemen! TannhHofz 200; lâze ez ime gevallen wol, / die wîle ez ime gevallen sol Tr 15. – refl. Dat.: die wunnechlichen engel clar / geschûf got mit worten gar, / daz liez er im gevallen GvJudenb 13; nu lat iu die zuht behagen! TannhHofz 225    2.4 mit Inf. eines Vollverbs und doppeltem Akk.: lâ míh dîne stímma uernéman Will 148,2; er liez si iz sehen und versten AvaLJ 50,3; er liez sie habin ir ruwe Athis A* 56; got lazze uch sine hulde gewinnen Rol 838; lâ mich dîn güete machen heil SM:Tu 6: 6,3; sol er ez den gast selbe verkaufen lan in dem rehte als davor geschrieben stat StRAugsb 46,13; sît dû, herre, bist sô wol gemuot / [...], / daz dû den sündære / [...] dîn hulde haben lâst / durch dîne barmunge: / des enist dehein zunge, / diu dich müge vol loben Eracl 56; lâ mich trôst erwerben SM:KvL 9: 4,5; KvWHerzm 202; MarldA 221; Lucid 158,6; HvHürnh 18,7. – mit Obj.-Satz anstelle eines Akk.: ich wil iuch lâzen hœren, / wer Eraclîus wære Eracl 106; ich wil uch wissen lan, das vierhande rure ist: dyssenteria, dyarria, lyenteria, cyliaca Macer 6,5; nv schvlt ir hivte lazzin gniezzin die heiligin christenheit, daz ivch min trehtin hivte hie gesamnet hat in sinem dienest Spec 6,6. – mit Refl.-Pron. und weiterem Akk.: lât mich iuch machen gesunt Iw 5464; lânt iuch mîn bitter ungemach / erbarmen, herre tugentrîch! KvWSchwanr 442; lâ mich, frowe, erbarmen dich! SM:St 9: 1,13; SM:Te 2: 3,10; sus liez ich sich weiden / mîniu ougen dar SM: KvL 15: 2,7; MarldA 244; SüklU 59; Hochz 124; wes lazet ir vch disen gebvren schelden? ReinFu K,143; UvZLanz 41; mit Obj.-Satz: lâz erbarmen dich, sprach ir gespil zehant, / daz mich armen / niht geschuof diu gotes hant, / wan sî geschuof mich rîchen KLD: BvH 7: 2,1    2.5 mit Part.Prät. statt Inf. ‘lassen, veranlassen’ (in Rechtstexten): daz dise rede vnde tat gantz vnde stete blibe, des han ich disen brief dar vber lazen ge machet UrkWürzb 39,220 (a. 1323); des han wir vnser jngesigel laezen gihenket an disen geinwertigen brief zv eim vrkunde dar vber ebd. 40,198 (a. 1338); vnd hebben vnse briven gegeven vnd beingesilelt [l. beingesigelt mit einem Siegel versehen] laten mit vnsen ingesigeln UrkCorp (WMU) 1612,30. N572,31

MWB 3,3 923,49; Bearbeiter: Richter

lâʒguot stN. in rip./niederrh. Quellen (s.a. mnd. Belege im WMU s.v. und unter lâʒhuobe). vom Grundherrn gegen Zins oder Dienste überlassenes Grundstück oder Gut, ‘Lassgut’ beneficium quod lazgut dicitur DRW 8,726 (CDRhMos.; a. 1190); qui etiam ab eadem ęcclesia beneficiatus erat bonis feodalibus et bonis censualibus. que uulgo leenguͦt. et lazguͦt dicuntur UrkNiederrh 1,324 (a. 1176); allodium et quoddam Laizguͦith. quę habuit Thesdorp ebd. 1,389 (a. 1197)

MWB 3,3 938,6; Bearbeiter: Richter

laʒheit stF. ‘Trägheit, Nachlässigkeit’ als iclîche kunst gemêrt, / gewunnen und behaldin wert / mit des lîbis ûbindir tât, / sust ouch iclîche tugint hât / von ûbene mêrunge breit / und minrunge von lazheit NvJer 3123; alle die sêle die von iuwern schulden verlorn werdent, von unrehtem gerihte, von der lazheit des gerihtes, daz ir iuch versûmet oder vergâhet mit gerihte unde witewen unde weisen und armen unde rîchen niht fride machet als verre ir müget unde sült PrBerth 1:364,28; lazheit: diu sol nu gên her in / mit irem gesinde, daz ich iu nenne / [...]: / senfteleben und müezikeit, / ûfschieben und unstêtikeit, / unflât und versiumikeit, / trâkeit und unverstandenheit Renner 15962. 4361; ich hân vernumen daz [...] man manige metten habe / von lazheit lâzen ungesungen ebd. 16913. 16013-16037 u.ö.; wer, daz der bote siech wͦrde, stuͤrbe oder geuangen wͦrde oder durch lazheit antwͦrte versuͤnde [= versûmte ] UrkCorp (WMU) N408,37; von trakheit noch von lazheit JTit 103,4; HartmKlage (G) 1167; Loheng 3620; Lanc II 212,7; Krone 11944; LvRegSyon 2199

MWB 3,3 938,16; Bearbeiter: Richter

læʒic (?) Adj. ‘zulässig, geziemend’ sin kleider, die er truc / waren ouch mitelmezec, / wand ez ist wol ezec [l. wol lêzec, vgl. Diemer in WSB 48 (1864), S. 351 ] , / swaz allen luten mite hilt / und idoch drunder nicht engilt [La. enhilt ] / verborgene valscheit. / sus waren disses herren kleit / nicht zu bose, nicht zu gut Pass III 429,84

MWB 3,3 938,38; Bearbeiter: Richter

læʒlich Adj. vgl. dagegen leʒlich . ‘gering, leicht’ (im Gegensatz zu houbethaftic ): daz dehain rihtær noch amptman[...] gegen den vorgenanten purgern ze Wienne iht suͦln haben ze rihten vͦber læzlich geschiht oder vͦber hauptheftige, noch vͦber leiplich oder des gutes [...], nvr alaine der statrihter UrkCorp (WMU) 2345,15

MWB 3,3 938,45; Bearbeiter: Richter

laʒstein stM. laststein

MWB 3,3 938,52;

lâʒunge stF. 1 ‘Aderlassen’
2 ‘Unterlassung’
3 ‘Unterordnung, Sich-Gott-Überlassen’
   1 ‘Aderlassen’ swem di adre geswullen ist von der lazunge, hirzwam [Hirschtrüffel] gezzen und kuwen mite bestrichen, vertribet di swulst Macer 97,7    2 ‘Unterlassung’ sprechen wir von den gesteltnüssen der sünde, die an der lazunge lit oder an der tuowunge [ de specie peccati omissionis et commissionis ] ThvASu 172,20    3 ‘Unterordnung, Sich-Gott-Überlassen’ daz virde ist: daz sich der mensche turre gote zu mâle lâzen und nicht intsetzen in sîner lâzunge weder diz noch daz. [...] dirre geist ensal nicht setzen weder diz noch daz, sunder her sal sich got lâzen setzen war hin in got haben wil HvFritzlHl 238,20

MWB 3,3 938,53; Bearbeiter: Richter

laʒverticheit stF. ‘Faulheit, Nachlässigkeit’ in der hizze wirstv irnivwit. vnd verbrennit an der tracheit. vnd an aller lasvertikeit. daz dv denne rehte wirst ein nivwer mensche PrWack 56,341

MWB 3,3 939,3; Bearbeiter: Richter

laʒʒe stF. ‘Müdigkeit’ (so BMZ 1,942b und Lexer 1,1845) oder ‘Sich-Gehen-Lassen’ (?): dez wart mit leidez craft / Limenius vnd sin geselleschaft / vbir laden da zemale / mit lazze vnd nidez strale / vnd von zornis vnsitten Martina 146,56

MWB 3,3 939,7; Bearbeiter: Richter

laʒʒe (?) M. ‘Höriger, Minderfreier’ (s. 2HRG 3,1013-1015 s.v. Liten, vgl. mnd. lat Schiller/  Lübben 2,634): in villa W. VJ mansos litonum i.e. lazze DRW 8,717 (HHalberstUB.; a. 1189 kopial)

MWB 3,3 939,12; Bearbeiter: Richter

laʒʒen swV. 1 intr. laʒ sein oder werden’
1.1 ‘säumen, träge sein’
1.2 ‘nachlassen, geringer/  schwächer werden’
1.3 subst. ‘Säumen, Trägheit, Nachlassen’
2 tr. ‘jmdn./etw. laʒ machen, schwächen, träge machen, aufhalten’
   1 intr. ‘laʒ sein oder werden’    1.1 ‘säumen, träge sein’ ich breng dich, dâ dû nims nâch gir / rîchir habe roubis mê, / wen dû î gewunnes ê. / wes lîstû unde lazzis sô? NvJer 22408    1.2 ‘nachlassen, geringer/  schwächer werden’ bi wilen lazzet mir daz leit / vnde wirt mir der freuden me Herb 746; nû lazte unde pûst [pausierte, kam einer Pflicht nicht nach] / der Pettouwære darab Ottok 24069; sô daz [Haupt] mit siechtum wirt betoubt, / zehant lazzent unde serbent [werden krank] / alliu gelit und verderbent ebd. 24496; dar nach uber manigen tac / begonde er ein teil lazzen / und liez sich undervazzen / an dem herzen mit vulheit Pass I/II (HSW) 14897; Rennew 3484; Kreuzf 5011. ane etw. ~ : er enlazzet daran niht, / daz dinc er ordenlich verriht Ottok 22294; dâvon er an freuden lazt ebd. 63308; der an triwen nie gelazt, / von Beiern herzog Otte, / der kam dar mit grôzer rotte ebd. 69103 u.ö.; diu kerge treit der milte haz, / [...], / diu kerge lazzet an der schrift, / diu kerge an werdekeit ist gar verstummet Boppe 1:4,11; WhvÖst 12620    1.3 subst. ‘Säumen, Trägheit, Nachlassen’ ir wirde snel an prîse / und mîn dienest træge: / [...] / mîn lazzen mac ir snelle niht ergâhen Hadam 141,5; waz sucht ir, meit, so spate in disen gazzen? / kein lazzen, / wir vazzen / die liebe Frl 1:4,15; Daniel 2042. âne/  sunder ~ : die sele heilen / ane lazzen mit gebete Daniel 1845; an tentzen ir gerne gat / abendis uf den gazzen, / tribet da ane lazzen / mit der jugent bose dinc ebd. 2934; steteclich sunder lazzen ebd. 550    2 tr. ‘jmdn./etw. laʒ machen, schwächen, träge machen, aufhalten’ si [Elisabeth] lazzet uwer [des Fürsten] wirdekeit [indem sie dem Festmahl fern bleibt] Elis 2676; alle die, / die si [die Gegner] niht wellen lazzen hie Ottok 84652; din [Gottes] bermede hat gelaszit / die rache zvͦ aller stunde / gein vns vmme vnse sunde PrHess 63,176. – mit Akk. und Gen. (s. Anm.z.St.) ‘etw. um etw. schmälern, berauben’ daz vil manigen irret / hochswebender tugende, dem sus von art anders nicht enwirret. / daz ist ein not, der [wenn einer] richen mut kan grozen ellens lazzen Frl 5:49,6. – mit Refl.-Pron.: vil grâven von ir lande / begundenz an si hazzen; / wes si sich wolde lazzen [weshalb sie sich davon abhielte] , / daz se einen man niht næme, / der ir ze hêrren zæme Parz 824,16; ob wol der wille were balt, / doch lazzet sich di andacht / von des herzen umme tracht Pass I/II (HSW) 18037; Permêniô sich niht lazzet. / under den werden begienc er mort UvEtzAlex 8128

MWB 3,3 939,16; Bearbeiter: Richter

stM. auch stN. ( UrkCorp N308,41. N184,36 ). ‘Hügel, Anhöhe’ (vgl. lêwer ): ich saz ûf eime grüenen lê, / dâ ensprungen bluomen unde clê / zwischen mir und eime sê Walth 75,32; si chomen in der maze / zu dem her oͮf einen le Dietr 6148; jtem <1/2> ager nidewendig des grozsen lêz iuxta scultetum UrkCorp (WMU) N184,41; seht wie des meres ünde / walgen ûf und ze tal: / sus vuor der strît über al, / hie ûf slihte, dort ûf lê Wh 392,9; Martina 251,8; Helbl 5,14; LobGesMar 13,3; HvNstAp 4283; WhvÖst 6154. – übertr.: hochvart ist uf der tugende le / ein blünder kle, / den nimmer me / versalwet [beschmutzt] keiner schanden sne Frl 5:38,14; da ich di blumen vinde / vol craft der suzen winde, / di sich czu der nwen e / schrenken uz dem alden le, / dir zu lobe TvKulm 64; Helbl 12,13. – als Bestandteil eines Personennamens: Johans an dem lewe UrkCorp (WMU) 2064,22

MWB 3,3 940,4; Bearbeiter: Richter

lêbart, lêbarte stswM. aus lat. leopardus; auch leb(e)hart, lepart, lewart, auch leo-, lew-, li(e)-. 1 ‘Leopard’ (s.a. Batereau, Tiere, S. 45f. und Schmidtke, Tierinterpr., S. 328–330)
1.1 allg.
1.2 in theologischer/  metaphorischer Auslegung, Träumen u.ä.
1.3 besondere Merkmale, auch in Vergleichen
1.3.1 das scheckige Fell
1.3.2 Schnelligkeit
1.3.3 Sprungvermögen
1.4 als Bildelement (z.B. auf Rüstung oder Schutzsteinen); heraldisch kommt es zu Überschneidungen mit dem Löwen (vgl. G. Scheibelreiter, Tiersymbolik und Wappen im Mittelalter, in: Das Mittelalter 12,1 (2007) , S. 9–23, hier S. 14f.)
2 als Bestandteil von Eigennamen (Personennamen und Hofname)
   1 ‘Leopard’ (s.a. Batereau, Tiere, S. 45f. und Schmidtke, Tierinterpr., S. 328–330)    1.1 allg.: von dem leoparden. leopardus ist ain tier geporn von dem lewen und von dem parden BdN 145,6; lewparten, lewen, wilde swein, / obentin und kamelein, / ainhuren und rinoceros, / wisinttier und frosch HvNstAp 10138; leparten, wolve, luchse, / hasen, tachs, fúchse WernhMl 3683; TrudHL 52,29; Brun 637; Rol 7095; ReinFu K,2006; Wig 3878; HvNstAp 6687. 8152; StrKarl (S) 3630; MarcoPolo 72,7. – gezähmt oder in Gefangenschaft gehalten: tigris, lêbarte, seltsæn tiere, / vil lewen wurden schiere / ûz irn holn gelâzen / gegen im an die strâzen UvEtzAlex 14627; RvEAlex 13282; ouch het der mære degen balt / zwêne liebart erzogen, / die mit dem helt vür unbetrogen / liefen swâ er kêrte, die wâren sô gelêrte, / daz sie tâten swaz er in gebôt PleierTand 9106 u.ö.; der leopard wirt zam etswenne, aber er wirt nümmer sô zam, daz er seiner grimmichait vergezz BdN 145,17; als Geschenk: si sante mir pantêre / seszich unde mêre / und hundrit liebarte, / di dâ loufint harte SAlex 5555. – abgerichtet für die Jagd: si habent die leoparden pei in, die in daz wilt vâhent BdN 493,18. 145,27; man setzet valken und lêbarten / hûben ûf, daz si niht warten [spähen] / hin und her Renner 10035; MarcoPolo 21,5; JTit 1678,3    1.2 in theologischer/  metaphorischer Auslegung, Träumen u.ä.: ez [das Untier, das den Antichrist bezeichnet] was eim lebarte gelich, / wan der selbe wuoterich / hat misliche lere, / nu demuote, denne here LAntichr 449; der man bezeichent di unkuscheit, / der lebehart den sunder so man seit, / der lewe di hochvartikeit Brun 2591. 9403; HistAE 4332; Litan 114; daz êrste tier was ain liebarte; / der vier arenvetech habete, / der bezaichinet den Chrîchisken Alexandrum, / der mit vier hern vuor after lande Kchr 536; Anno 14,1; und wundert mich sere warumb yn Merlin ein lepart hieß; sit der lewe werder ist dann der lepart, darumb solt er yn zu recht eim lewen geglichet han Lanc 504,10. 505,1    1.3 besondere Merkmale, auch in Vergleichen    1.3.1 das scheckige Fell: lebeharde mit den vil wehen [bunten] vlecken Brun 9401; En 5261; ûf den goffen [Hinterbacken] hâtiz rindis hâr, / an den sîten liebarten mâl: / sô sarrazîn joh cristinman / nie nihein bezzer ros gwan SAlex 291. 5483; im stuͦnden gar die guffe wol / gevar rehte alsam ein lebart / (nie dehein oͤrshe [Pferd] der varwe wart) Rennew 2701; GTroj 4252; des môres hût unsanfte lât / ir swarze varwe, die si hât: / des lêbarten hiute sam geschiht, / diu enlât ir maneger flecken niht [vgl. Ier 13,21] : / als wizzet, daz ein übel man / sîn übel niht vermîden kan Freid 88,21; sô der môr die swerze lât / und ouch der liebarte / sîne vêhe swarten, / sô tuost ouch dû vil lîhte wol [dann erst wirst du Gutes tun] ; / du bist des übels alsô vol LBarl 13466; ein liepart nie sô vêher / an maniger varbe wart gesehen, / als man dem kunic muoste jehen / daz sîn gemüete wære [= er ist wankelmütig] Ottok 2058; der [Ovid] nam den vrowen ere und gab in mal, daz lewart nie so schecker / wart, dann er di frowen hat gemeilet JTit 263,2    1.3.2 Schnelligkeit: daz münechlîn gar snelle / kam als ein liebart her gevarn Mönchl 155; die wurden zornic vnde snel als der lebarte Lucid 61,8; dar qvam der zobel vnd der mart / vnd der lewart snel ReinFu K,1337; hierher (?): si sante mir pantêre / seszich unde mêre / und hundrit liebarte, / di dâ loufint harte SAlex 5555    1.3.3 Sprungvermögen: swer lobt des snecken springen / und des ohsen singen, / der kam nie, dâ der lêbart spranc / noch dâ diu nahtegale sanc Freid 139,21; ein snegge vúr einen lehpart wol tusent klafter lang sprang [Motiv der verkehrten Welt] Marner (W) 6:11,4; RvZw 160,6; Pass I/II (HSW) 34690; [der gejagte Hirsch] entran den hofwarten, / die in sam die lewarten / von sprunge waren an chumen StrKD 7,50; daz half dem schermmeister, daz er wîte spranc / alsam ein lêbart wilde Kudr 361,2; Bit 9339; EckenlE2 36,7. – die drei Sprünge des ~ : der lêbart ist ein snellez tier, / und swaz er niht begrîfen schier / mac mit wîten sprüngen drîn, / nâch dem lêt er sîn loufen sîn Renner 19367; [aus der Vereinigung von pardus und Löwin entsteht] snel, vêch, in valwer varwe der lêparte, / des snelheit nicht entrinnen kan / in sprüngen drîn, swaz loufens pfligt ûf erden Boppe 1:7,10; [eine Dame ist] noch süzer dan dem hering dünke wazzers glins, / [...], / noch süzer dan dem lebartin / dri roubes gernde sprünge sin, / [...], / noch süzer dan dem kempfen siges crone Frl 3:18,9; vgl.: wenne man in zuo jagen ablæzt und er daz tier in dem vierden oder in dem fünften sprung niht begreift, sô stêt er still zorniger und grimmiger BdN 145,20; hier symbolisch für Christus: du reiniu creatiure [Maria] / gebære uns den vil zarten / erwelten lebarten, / des drivalteclicher sprunc [an das Kreuz, unter die Erde (Grab), in die Hölle] / daz wilde tier, alt unde junc, / mac ergahen, so man giht KvWGS 746    1.4 als Bildelement (z.B. auf Rüstung oder Schutzsteinen); heraldisch kommt es zu Überschneidungen mit dem Löwen (vgl. G. Scheibelreiter, Tiersymbolik und Wappen im Mittelalter, in: Das Mittelalter 12,1 (2007), S. 9–23, hier S. 14f.): mit golde lieht von Arâbîn / was im [dem Schild] sîn velt bedecket, / und wâren drîn gestrecket / entwerhes drî lêbarten KvWTurn 313; Altistrates von hoher art / trug den starcken libart / [...] / in ainem roten schilte HvNstAp 17649; mit dem lebarten paniere ebd. 17833. 17828; ein wapen, [...] / das was ein richer lebart / vf zobel von harm gesnitten Krone 18093; GTroj 4252; uf dem helm sich regte / mit sprungen ain lebart WhvÖst 15557. 15568; PleierGar 10833. – apotropäisch: auf aim swarzen stain ain mensch, der sitzt auf aim leoparden und hât ain rœrn in der hant, der [Stein] ist guot wider diu pœsen tier und wider ertrinken in wazzer BdN 470,36    2 als Bestandteil von Eigennamen (Personennamen und Hofname): Cuͤnrat Lebarte UrkCorp (WMU) 2550,41; der alte Lebarte ebd. 2550,31; hus vnd houestat zuͦ dem lehbarten ebd. 3252AB,5

MWB 3,3 940,23; Bearbeiter: Richter

lêbartinne stF. ‘Leopardin, Leopardenweibchen’ der tier fräulein sint krenker wan [schwächer als] die man, ân [bis auf] diu perinne und diu leupartinne BdN 116,8

MWB 3,3 942,21; Bearbeiter: Richter