lastergief
stM.
‘schändlicher, lasterhafter Tor’
seht, do so der laster gief [Lucifer] / viel in daz
abgrunde tief, / uz ichlichem kore hoch / hin zu grunde er ie czoch / mit im den
zenden engel TvKulm
181
MWB 3,3 905,57; Bearbeiter: Richter
lasterhuot
stM.
Kopfbedeckung, die als Zeichen der Schande verwendet wird (vgl. SchweizId 2,1788
mit jüngeren Belegen):
undankbæri wirt niemer guot, / si treit ûf ir den lasterhuot
Boner
47,124
MWB 3,3 905,62; Bearbeiter: Richter
lastericlich (?)
Adj., Adv.
→
lasterlich
MWB 3,3 906,3;
lasterkêr
stM.
Hinwendung zu dem, was Schande bringt:
gewalt bî grôzem guote, liut bürge und dâ bî lant, / lîp kraft
schœn unde kleider, / swer der genuht iht hât, / in des verschamten muote / man
lasterkêr ie vant KLD: Kzl
1: 2,6
MWB 3,3 906,4; Bearbeiter: Richter
lasterkleit
stN.
‘Kleidung der Schande’ (übertr.):
diu gîtikeit [...] stichet als ein nâdel / durch al
des menschen sælikeit. / sî ist ein sunder lasterkleit, / swâ sî die hôhen fürsten
tragent, / od die nâch dheinen êren jagent HvBer
6341
MWB 3,3 906,9; Bearbeiter: Richter
lasterkôsen
swV.
‘lästern, blasphemisch reden’ (übers. lat. blasphemare):
und seht etlîche von den scrîbêren sprâchin in en: ‘dirre lastirkôsit.’
EvBeh
Mt 9,3;
alle sunde werden vorgebin den sunen der menschen und lastirkôsunge mit den si
habin gelastirkôsit ebd.
Mc 3,28.
Mc 3,29.
Mt 26,65
MWB 3,3 906,14; Bearbeiter: Richter
lasterkôsunge
stF.
‘(Gottes-)Lästerung, Blasphemie’ (zur Übers. von lat.
blasphemia):
darumme sage ich ûch daz alle sunde und lastirkôsunge werden vorgebin den
lûten EvBeh
Mt 12,31.
Mt 26,65.
Mc 3,28
MWB 3,3 906,20; Bearbeiter: Richter
lasterlappe
swFM.
ursprünglich ein Stoffstreifen, den Prostituierte zur Kennzeichnung tragen mussten
(vgl. Kühnel, Kleidung, S. 204; Schiller/ Lübben 4,45); hier in der Wendung
lasterlappen ane slâhen (mit Dat.d.P.) ‘jmdm. übel nachreden, über
jmdn. lästern’
swer wöllte wesen ir [
muotwilliger
herren
] cappellân, / der slahe laster lappen an / allen den,
die er gesiht: / man ahtet ze hofe sîn anders niht Renner
618
MWB 3,3 906,25; Bearbeiter: Richter
lasterlëben
stN.
‘schmachvolles, verwerfliches Dasein, Lasterleben’
mochte wir an gote / noch genade vinden, / wir wolden gar
erwinden / von dem laster lebene / und uns vurwart ebene / in sime gebote halden
Pass I/II (HSW)
15863
MWB 3,3 906,34; Bearbeiter: Richter
lasterlich, lesterlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lichen;
auch lasterclich (
Roth
2015,
unklar, ob Verschreibung oder Bildung auf -iclich).
1
‘schändlich, schmachvoll, Schande bringend/ mit Schande
behaftet’
2
‘schmähend, lästerlich’
3
‘sündig’ (oder zu 1 ?) 4 zur Übers. von lat. terribilis
1
‘schändlich, schmachvoll, Schande bringend/ mit Schande
behaftet’
er swôr bî sînen rîche, / daz er vil lasterlîche / Alexander
wolde vâhen / und ûf einen ast hân / und scantlîche nemen in daz leben
SAlex
1932;
daz ist ein lasterlich geschiht UvZLanz
3520;
zwâre, ê ich ir laege lasterlîchen bî, / ê liez ich mich
schern unde villen [schinden, quälen]
MF:Reinm
64: 4,3;
manige under yn kerten den rúcke und flohen lasterlichen
wiedder gegen ir pavilune Lanc
271,28;
her mvͦz an den stuͦnden / sterbin lestirliche
TrSilv
576;
StrKD
57,125;
KvHeimHinv
225;
Lanc
190,28;
Herb
6947;
Er
120
2
‘schmähend, lästerlich’
swer dem andern lesterliche scheltwort sprichet, der sal die
stat rumen in achte tagen einen manden uz ze sine und nicht naher ze kuͦmene bi drin
milen WüP
7c,2;
sîn ros er lesterlîche schalt UvZLanz
2051;
Parz
447,26;
HvBurg
439;
die iu des jehent, daz der wint / got heize oder wese got: /
daz ist ein lasterlîcher [gotteslästerlicher,
blasphemischer] spot RvEBarl
9548;
der hy so gar unebene / rede vuret wider got / und ubertrytet
sin gebot / mit sinen worten lesterlich, / uf sin vertumen ewiclich / der selbe wirt
gerichtet dort Hiob
13075.
5980;
PrGeorg
36,4;
UrkCorp (WMU)
N238B,31
3
‘sündig’ (oder zu 1?):
frashait, lasterleiche untugent, / wie du swachest die jugent
HvBurg
201;
wir sculen auer uehten wider den lasterlichen sunden
Spec
126,6;
LBarl
13759;
daz diniu scâf geistlich wuͦcher bringen. daz fleisklich noch
lasterlich nesi JPhys
17,29
4
zur Übers. von lat. terribilis:
daz lesterlich übele ThvASu
60,7
MWB 3,3 906,39; Bearbeiter: Richter
lastermâl
stN.
1
‘Schandfleck, (Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâse
u. -meil ) 2
‘Fehler, Sünde’
1
‘Schandfleck, (Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâse
u. -meil):
sint zwô guote / frowen wol gemuote, / si ist diu vierde; / sint ir tûsent, si
ist ir eine, / der nie laster mâl an schein, / das ist rîch zimierde Rumelant
(R)
13:3,16;
czwischen czwene mörder hart / an daz crucz genegelt er wart / im czu eime
laster mohl TvKulm
4511;
die frowen selbe hânt sich in / diu lastermâl geworfen Reinfr
16885;
Boppe
1:4,8;
WhvÖst
13912.
– etw., das Schande verursacht:
nu wil ich dulten sînen haz / und wil iuch herren lêren daz / wie man den
lôser vinden mac: / in sînem munde swebt ein strâl [Pfeil, hier
bildl. für die Zunge] / mit geluptem
[vergiftetem] lastermâl; / der schuz ist giftrîch
und ir slac KLD: Alex
2:2,11
2
‘Fehler, Sünde’
[er] wanderte willeclich / in iren lastermalen
[
in maculis eius ambulat Iob
18,8] , sich, / also daz er ging wandern / von eyner sunde zu der
andern Hiob
7272.
4287;
sechse sint der lastermol / di versniden sal der stol: / ougen di hoe vligen,
/ und czungen di jo ligen, / und hende di verterben / unschuldic blut und sterben, /
und di vuze di gar snel / sint czu bösen dingen hel TvKulm
2751.
2766
MWB 3,3 907,10; Bearbeiter: Richter
lastermære
stN.
‘schändliches Gerede’
sînen lantvürsten clageter daz, / wie er beswæret wære / mit
disem lastermære Tr
15328
MWB 3,3 907,33; Bearbeiter: Richter
lastermâse
swF.
‘(Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâl
u. -meil):
lastermasen er nie gewan, / er ist an allen enden / gar ane valsch unde ane
meil FvSonnenburg
60,9;
ouch wart der herre tugenthaft / mit lastermâsen nie bezigen
Reinfr
12519;
kuͤnge, fuͤrsten, graven wert, / dienstherren, dienstman,
kainr gert / wuͤrken laster masen werch WhvÖst
17781;
an den gebruͤdern baiden / ist laster mase verwischet: / ir
hohes lob erfrischet / swaches lob, und wær ez ful ebd.
18613;
KvWTroj
34280
MWB 3,3 907,36; Bearbeiter: Richter
lastermeil
stN.
‘(Zeichen der) Schande’ (s.a.
lastermâl
und -mâse):
ein historje [...] / von einem ritter hôchgemuot, /
der nie lastermeil gewan KvWPart
231;
schame ist allir dinge togunt, / schame hat an allir ere
teil, / schame kan decken lastermeil Brun
2686
MWB 3,3 907,47; Bearbeiter: Richter
lastermunt
stM.
‘Lästermund, Schandmaul’
sin [Judas’] laster muͤndes vach /
riet nieman lutzel gudes HvNstGZ
2462
MWB 3,3 907,53; Bearbeiter: Richter
lasternôt
stF.
‘schmachvolle, bedrängende Lage; große Schande’
laydes was er alles vol / und schamte sich der laster not. /
er wolt im selber tuen den dot HvNstAp
8660
MWB 3,3 907,56; Bearbeiter: Richter
lasterpîn
stM.
‘Schmerz, Leiden aufgrund von Schande’
vrouwe, lât mir den lasterpîn, / ich sol in billîchen haben. ich wolde lebende
sîn begraben UvTürhTr
1808
MWB 3,3 907,60; Bearbeiter: Richter
lasterrüege
M.
sprechender Name für einen moralisierenden Dichter:
ich weiz noch zwên ungefüeg, / den Argenhaz, den Lasterrüeg. / und der
Êrenknolle, / wînes der volle! Helbl
2,1372.
– Lit.: G. Wolf, Die Kunst zu lehren, Frankfurt a.M. 1985, S.
100f.
MWB 3,3 908,1; Bearbeiter: Richter
lastersac
stM.
Schimpfwort für eine Person, die voller Schande ist (vgl.
lastervaʒ
):
du [
wyp mit geteilter
mynne
] bist der schanden laster sak Minneb
4016;
der lip spricht: [...] minen lip
ich selber minnen wil; / was mag dem bessers gesin, / denn guͦtú mursel und starker
win? / antwurt der ewigen wisheit: o du boͤser lastersack, / din lon ist boͤs und
ungesmack Seuse
399,2
MWB 3,3 908,7; Bearbeiter: Richter
lasterschame
stF.
‘Schmach, Schande’
si sollent [...] / iren namen laessen
vinden / altzyt aen laster schame, / so wert gecroent ir werde name MinneR
481
695
MWB 3,3 908,15; Bearbeiter: Richter
lastersnallen
stN.
‘schändliches Reden’
der tugentlose da bi / hebt uf sin laster snallen / und sin
gufter schallen / mit worten tugentlosen WhvÖst
97
MWB 3,3 908,19; Bearbeiter: Richter
lasterspoten
stN.
oder Pl. zu -spot stM.?
‘schändliches Reden, Spotten, Verhöhnen’
in laster spoten vielen sie [die Peiniger
Jesu] / zu der erden uf ir knie HvNstGZ
3023
MWB 3,3 908,22; Bearbeiter: Richter
lasterstat
stF.
‘Ort der Schande’
si vûrten in in smêher heit / als einen dîb gebunden, / sam
einen den man vunden / het an bôser, snôder tât, / zû des krûzes lasterstat
JvFrst
8008
MWB 3,3 908,26; Bearbeiter: Richter
lasterunge, lesterunge
stF.
1
‘Tadel, Widerrede’ (zur Übersetzung von lat.
vituperatio und redargutio ) 2
‘Entehrung, Lästerung, Schande’
1
‘Tadel, Widerrede’ (zur Übersetzung von lat.
vituperatio und redargutio):
wande ih horte die lasterunge, schelte [Doppelglossierung zu
vituperationem
] maniger ensamit wonenter in der
umbeuerte PsWindb
30,14;
worden bin ich als ein man nieht horenter unde nieht habenter in munde sinem
die lastrunge [interl. zu redargutiones
]
PsM
37,15
2
‘Entehrung, Lästerung, Schande’
secht an die lestrung groß, / dabey jamer und not, / ouch den scharpffen tot /
gern sy uns hetten tan FrSchw
3160;
von leiden [vom Erdulden (der)]
lesterunge Vät
Überschrift vor 13331
MWB 3,3 908,30; Bearbeiter: Richter
lastervar
Adj.
‘schändlich, nach Schande aussehend’
[die Kämpfenden] werten sich vor lastervarwen malen, / di
zageheit in sturme kan uf strichen [aufzeichnen]
JTit
4150,2;
ez wirt daz end laster var, / wie gar reich der anfanch waer
Teichn
250,68
MWB 3,3 908,43; Bearbeiter: Richter |