2lînîn
Adj.
‘schwächlich, weich’ (vgl. DWB 6,706 s.v. leinen adj.):
ich sol sîn tôrel hiuwer sîn - / er [der Herzog von Schwaben, auf
den ein Attentat geplant wird] ist niht sô lînîn, / daz ir iuch
sîn mugt erwern Helbl
4,310
MWB 3,3 1177,34; Bearbeiter: Richter
lînînerîn
Adj.
zur Suffixform -erîn (hier an -în angehängt) vgl. Mhd. Gr.
Wortb. § A 85.
‘leinen, aus Leinen’ (s.a.
1lînîn
):
[die Tuchhändler] soln auch kein tuch verkauffen, sie sin
denne gezeichent, und daz leininerin tuch niht anders wann von der wollen mezzen,
und verkauffen, und daz leininerin tuch sol haben an der zal zu dem minsten an zwen
vierzig genge [Webgänge, s. ganc 10
]
StRRotenb
496
MWB 3,3 1177,39; Bearbeiter: Richter
linize
swF.
→
lunze
MWB 3,3 1177,48;
lînkappe
swF.
‘Leinenumhang’
die selben wallenden man / die truogen unde hæten an /
lînkappen unde solhe wât, / diu wallæren rehte stât Tr
2631
MWB 3,3 1177,49; Bearbeiter: Richter
linket
Adj.
→
linc
MWB 3,3 1177,52;
lînlachen, lîlachen
stN.
auch lîlach (
EnikWchr
10298;
Albrant
3,6
).
‘Laken, Betttuch’ (s.a.
lîchlachen
):
secht, wa die lilachen, / darin zun ersten stunden / der
licham was gebunden, / lagen da besit hin abe Pass I/II (HSW)
8476;
gar lind ist dir gebetet / mit sydenen lin lachen / unter
vehen [mehrfarbigen] deklachen SHort
10535;
sie liez ir lîlachen / von guotem hâre machen EbvErf
3513;
UvLFrd
344,19;
Tr
18148;
StatDtOrd
38,21
MWB 3,3 1177,53; Bearbeiter: Richter
lînmengære
stM.
‘Leinenhändler’
notum sit [...] abbatissam
[...] mensam inter linmengere delegasse Petro et suis
heredibus UrkKölnSchr
1,108
(12. Jh.)
MWB 3,3 1177,62; Bearbeiter: Richter
lînöl, -olei
stN.
‘Leinöl’
tzu golt varwe nim merren und âlôe glîch giwegin und alsô vil lînôleys, daz
sûd mit einandir in eime nûwen tupphine biz daz ôley vorsûd, sô sês du die varwe
Barth (H)
492.
492;
bestreich iz dann mit lein œl: so wirt ez gesunt
Albrant
1,20;
darumb han ich ir vnd irem gotzhauz geben achtzehen pfunnt guter Hallar vnd
einen centen leinoels UrkCorp (WMU)
290,20
MWB 3,3 1178,1; Bearbeiter: Richter
linpfic
Adj.
→
limpfic
MWB 3,3 1178,9;
lînsâme
swM.
auch lint-.
‘Leinsame’
brenne den linsamen. vnde missche in mit ole. vnde salbe daz
hâr Ipocr
25;
nym ybysche [von (der Pflanze)
Eibisch] wortzn vnde pappiln bleter vnde linsamen
OvBaierl
106,29;
nym papiln vnde ybisten [des
Eibischs] worczelen, lintsamen ebd.
83,7.
159,2
MWB 3,3 1178,10; Bearbeiter: Richter
lînsât
stF., stM. oder N.
‘Leinsaat, Leinsamen’
swem die bruste sweren, der nem linsat und sied ez mit
hirzinem unslit oder mit smalz BenRez
50;
nim lin sat vnde stoz daz wol mit uioln ole. vnde wachs vnde
butter da lege di lin sat zu. vnde sut iz alliz mit ein ander SalArz
44,9.
45,25
u.ö.;
von dem linsat. semen lini haizet linsât BdN
422,23
MWB 3,3 1178,16; Bearbeiter: Richter
lînsâtöl
stN.
‘Leinöl’
salbe im den buch mit lin sat ole. vnde mit ruten
ole [Rautenöl]
SalArz
52,1
MWB 3,3 1178,23; Bearbeiter: Richter
linse
swM.
‘Wolf-Hund-Mischling’
von dem linsen. linsius ist ain tier vierfüezik, daz wirt von
ainer wülpen oder von ainer wolfsmuoter und von ainem hund, wan ietwederz der zwair
tier ist sô unkäusch, daz si den nâtürleichen haz zwischen enander lâzent und koment
zesamen durch den glust, und alsô nimpt der lins, der ir paider kint wirt, varb und
nâtürleich siten von in paiden, wan er ist starch und grimm BdN
148,22
MWB 3,3 1178,25; Bearbeiter: Richter
linse
swstF.
‘Linse, Same der Linsenpflanze’ (zur Sache vgl. Körber-Grohne,
Nutzpflanzen, S. 350-360):
dô hête Jacob gemachôt ein muos ûz linsen vile guot
Gen
1090;
sine linse [Pl.?]
er [Jakob] sot VMos
22,9;
zem vasttag hanf, lins und bôn; / visch und öl sie liezen schôn / die herren
ezzen Helbl
8,883;
ein plaster [...] uon rosen vnde uon
linsen. vnde mirtel SalArz
58,2;
StatDtOrd
67,34;
HvBurg
6399;
UrkLicht
7,467
(a. 1340).
– bildl. Ausdruck für Geringfügigkeit, zur Verstärkung einer Negation (vgl.
Friedrich, PhrasWB, S. 273f.):
er het niht eine linse / umb aller fürsten guot gegeben Reinfr
18412;
swaz sîn friunde und arme liute klagen, / daz sol er [der auf
tugendlose Weise in der Welt erfolgreich sein will] wegen
[dem soll er Gewicht beimessen] gein einer linsen
Renner
5033.
15773;
und ein ieglich engel, sô er ie hœher ist, sô sîn vröude ie grœzer ist, und
diu vröude al sament ist rehte als kleine als ein linse wider der vröude, die got in
dem werke hât Eckh
3:364,7
u.ö.;
ReinFu
K,1407;
JTit
3339,2
MWB 3,3 1178,34; Bearbeiter: Richter
linsenkoch
stN.
‘Linsenbrei, -gericht’
Esau verchoͮfte hinz Jacob sin erbreht umbe ein linsen choch
GenM
47,6
MWB 3,3 1178,55; Bearbeiter: Richter
linsenkorn
stN.
‘Linse, Linsenkorn’ (bildl. als Ausdruck für Geringfügigkeit):
e die natur eitel lid, e prech ain erein hafen von geprechen
ains linsenkornes, ob der hafen als dike wer piz an den himel; e geng daz wazzer ze
perge KvMSph
12,26
MWB 3,3 1178,58; Bearbeiter: Richter
linsenkrût
stN.
‘Linsenpflanze’
wil dû die zende wîz machen, sô nim die wurze des
linsenchrûtes unde schab die rinden abe unde rîp die zende vast dâ mit, sô werdent
si wîz Barth
147,12
MWB 3,3 1178,63; Bearbeiter: Richter
linsenmorgen
stM.
‘mit Linsen bebaute Fläche im Umfang eines morgens’ (hier
Toponym):
ein morge ackers, der ovch in dem hof horet, vnde heizet Linsenmorgen
UrkCorp (WMU)
1419,44
MWB 3,3 1179,3; Bearbeiter: Richter
linsenwal (?)
N.
‘Linsengericht’ (Zweitglied zu wallen i.S.v. ‘kochen’,
oder konjizieren zu -mâl
‘Mahlzeit, Gastmahl’?):
di erstekeit siner geburt / er [Esau] verkoufte
uberal / um ein lutzel linsenwal [Hs. lynsen
val
]
HistAE
1036
MWB 3,3 1179,7; Bearbeiter: Richter
lînsoc
stM.
Fußbekleidung aus Leinen, ‘Leinenschuh’
caligula: linsoc SummHeinr (Ho)
4,22;
dei bein nebedechent in hosen noch die linsoche
Himmelr
9,8
MWB 3,3 1179,12; Bearbeiter: Richter
linster
Adj.
‘auf der linken Seite befindlich, linke(r/ s)’ (kontaminiert aus →
linc
und →
winster
?, vgl. W. Röll: Eine Handvoll
Sprachgeschichte. In: Studien zu Literatur, Sprache und Geschichte in Europa [FS
Haubrichs]. Hg. A. Greule u.a., St. Ingbert 2008, S. 477-490, hier S.
487):
got spricht: ‘swer mir volgen wil, / der get nicht in dem
vinstern / zur rechten noch zur linstern / hende.’ HeslApk
7188;
zur zeswen und zur linstern / hende ebd.
21988
u.ö.
MWB 3,3 1179,16; Bearbeiter: Richter
lintboum
stM.
‘Tragestange’ an einer Bahre (vgl. aber Laa. der Stelle, s.
lînboumîn
,
line
):
nu vernemet von der barn. / die lintboume warn / von wizeme elfenbeyne
En (FSch)
7984
MWB 3,3 1179,26; Bearbeiter: Richter
lintîn
Adj.
→
lindîn
MWB 3,3 1179,30;
lint(-lîche)
Adj., Adv.
→
linde
(-lîche)
MWB 3,3 1179,31;
lintlockunn
Subst.
→
lindlockunge
MWB 3,3 1179,32; |