l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
leidic
Adj.
1
‘voller Schmerz, leidvoll, betrübt ’ (von körperlichem und seelischem
Schmerz, Trauer, Verzweiflung, Reue, Zorn; häufiger zu hërze ,
muot , sin(ne) ); vgl.
leidiclich
,
leitlich
) 1.1 attr. 1.2 überw. präd. 1.3 jmdn.
tuon/ machen
‘jmdn. in Leid bringen’
1.4 subst. 2
‘leidbringend, schmerzlich’
2.1 allg. 2.2 formelhaft als Attr. für den Teufel und für verhasste/ teuflische Personen
‘schrecklich, furchtbar’
1
‘voller Schmerz, leidvoll, betrübt ’ (von körperlichem und seelischem
Schmerz, Trauer, Verzweiflung, Reue, Zorn; häufiger zu hërze,
muot, sin(ne)); vgl.
leidiclich
,
leitlich
)
1.1
attr.:
da mit gienc er von dan / als ein vil leidiger man, /
dem bekummert hat diu minne / den lip, daz hertze, die sinne
Rennew
24968;
zuhant er uf sich machte / und hete leidigen sin Pass III
374,29.
387,18;
min leidec herze in miner brust Pass I/II
(HSW)
8580;
mit leidigem mute Pass III
194,76;
Pass I/II (HSW)
34870;
do chomen boten geriten / mit vil leidigen siten / ze Ezelburch fur den
sal Dietr
7669;
mit ruwen vnde mit swere, / mit so getanen geberen, / die
dar zv gehorten, / mit leidigen worten Herb
10836;
EnikWchr
10315;
Tr
2323
1.2
überw. präd.:
leidich was [...] geist min [interl.
zu anxiatus est ... spiritus meus
]
PsM
142,4;
der was leidic, der was frô Ottok
1712;
daz der mensch noh klaget und leidig ist, daz kunt alles
von gebresten Seuse
168,4;
dem leidigen Walach / wart aber wider wê / verrer wirs
denn ê Ottok
88636;
Lanc
69,22;
UrkCorp (WMU)
1377,42;
leidic unde unvrô RvEBarl
7242.
11542.
8533;
ern sol niht leidic umb mich wesen Tr
7448.
sô wart si doch sô leidic / der sinne Katze
2014;
[...] daz ich leidic wirde und trûric bin?
Eckh
5: 14,16.
5: 20,5
u.ö.;
Rennew
1435;
RvEWchr
21783.
– halbprädikativ:
das Ihesusli kam wider dar / und vant sú laidig
allú gar WernhMl
4834;
Herb
1549.
Eckh
5: 53,11;
ir iegeliche also leidic saz Herb
7924.
aldiwile si daz sprach, / den vater man ouch kumen sach, / beide
leidec unde kranc Pass III
102,19;
da si in die wuͤste kerten do / schadehaft, leidig
und unfro RvEWchr
13755;
sin tœten unverseret / die Babylonen muete. / leidic
in zornis gluete / samenten sie sich drate / uf den kunic
Daniel
8058
1.3
jmdn. ~
tuon/ machen
‘jmdn. in Leid bringen’
mich tuot leidic unde unvrô / dîn unväterlîchiu drô
RvEBarl
8459;
wan machete gerehticheit den gerehten leidic
Eckh
5: 12,17
u.ö.;
so leidig unde zwifelhaft / machte sin tot alles sin her
/ das si verzageten an ir wer RvEWchr
17731
1.4
subst.:
daz er nie kom her für, / unz daz die leidigen / ir
klage liezen Ottok
64842
2
‘leidbringend, schmerzlich’
2.1
allg.:
das leidig alter Krone
24462;
er hêt manigen leidigen tac. / mit dem her fuor er von
dan. / vil smerzen, siechtuom er gewan, / wan in twanc grôziu nôt. /
[...]; / mit gift tet er [
sîn
næhster kamrære
] im daz leit EnikWchr
19648;
dô ez [das Feuer, dem niemand
entrann] gar erloschen was, / [...], /
dô was allerêrst ze klagen / diu leidige geschiht / und diu jæmerliche angesiht
Ottok
83705;
owe den leidigen stoͮbsúnden Mechth
5: 2,20;
von der leidigen tobesuht des zornes ebd.
6: 20,15;
daz [...] got der vater niht in
im enwürket diu werk, sunder diu leidige crêatûre noch in im lebet und neiget in
und würket in im diu werk Eckh
5: 19,7;
Tauler
61,31
u.ö.;
ach, isz was in yme das leidige ego sum
Seuse
512,10
2.2
formelhaft als Attr. für den Teufel und für verhasste/ teuflische Personen
‘schrecklich, furchtbar’
der vater hiez Belial, daz ist der leidige tiefal
Gen
667;
VMos
52,18;
PrMd (J)
350,2;
PrOberalt
172,36;
Brun
2022
u.ö.;
Spec
6,30
u.ö.;
daz er ivch bewâre uor deme leidigem viande ebd.
83,6
u.ö.;
vnde wart der laidige valant vz dem wrme mit dem wibe
redehaft Konr
24,12
u.ö.;
EnikWchr
2111
u.ö.;
dô der leidic Sathan / sach an disem guotem man, / daz er
niht wolt scheiden / von got ebd.
13261
u.ö.;
Himmelr
12,31;
Brun
6221;
dem leidigen wizenære [der im Fegefeuer die
Strafen vollzieht]
SüklV
573.
–
mich hât der leidege Hagene mînes guotes âne getân
NibB
1260,4;
ich sag iuz, wie erz ane vienc, / der leidige Karlot
Ottok
3053.
3673
MWB 3,3 1008,7; Bearbeiterin: Baumgarte
leidiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen (z.B.
HvBurg
4015
).
1
‘voller Schmerz, leidvoll’ (von körperlichem und seelischem
Schmerz; vgl.
leidic
,
leitlich
) 2
‘leidbringend’
1
‘voller Schmerz, leidvoll’ (von körperlichem und seelischem
Schmerz; vgl.
leidic
,
leitlich
):
er [der kranke Herodes] muͦse
laidichliche / von sinem yrdischem reiche / varen in die helle Wernh
A 4377;
[in der Hölle] in den leideclichen vorhten / sint sie
einander alle gram Vät
15208;
Gâwân mit leideclîchem siten / ûz siufzendem herzen sprach: /
‘owê, owê und immer ach! HvFreibTr
2826.
3049;
UvEtzWh
809;
ein weinen von ir ougen brach, / dar auf si leidechlichen sprach
Krone
11346;
alle, die dâ wâren, / die muosen weinens mit im pflegen. / si klagten niewan
den degen: / sô leitlîch [La. leidiclich
] er
gebârte Mai
162,13;
Ottok
6262.
– jmdm. ~
tuon (vgl.
leit
stN. 4.4, 5.3.2):
die tumben getelinge tuont mir aller leideclîch. / swaz ich tuon, ich kan
si bî der guoten niht erleiden Neidh
WL 16:5,3
2
‘leidbringend’
sich hat nicht wol enthalten / mein hercz, es enhab gedacht /
das es gerne het vorpracht / laidichleichen uncheusche sunde HvBurg
4015
MWB 3,3 1009,18; Bearbeiterin: Baumgarte
leidigære
stM.
‘jmd., der anderen Leid antut’
di leidegere balt, / dy den guten tun uberlast / und sy
betruben um eyn bast / an alle barmherzekeit Hiob
13226;
di sich ny wolden irbarmen, / di twinger und di leydeger, /
mit gewalt di dar unde her / daz arme volk verdrungen gnug ebd.
13433
u.ö.;
daz tier bedäut die läut, die sich gar sêr fürhtent vor irn
laidigærn und durchæhtern und getürrent sich nindert geregen BdN
233,31;
und [...] spriche ich, daz der heilige geist âne
mitel in dise drîerleie menschen gesant wirt. [...] unde
[zweitens] zuo den zuonemenden, daz sie ir êhtern
unde leidigern alse willic sint als irn friunden unde guottêtern Eckh
(Pf)
365,6;
deme harmscarare, leidigare [Doppelglossierung interl. zu
calumniatore
]
PsWindb
71(Oratio)
MWB 3,3 1009,40; Bearbeiterin: Baumgarte
leidigen
swV.
1
‘jmdn.(/etw.) (an Körper, Vermögen, Ansehen u.ä., oft in unterschiedlicher
Kombination) schädigen oder beeinträchtigen’ ( ane etw.,
mit etw.; vgl.
3leiden
1.1 ), ‘jmdm.
leit
(stN.) zufügen’ (mit Akk.); zum Gebrauch in
Rechtstexten vgl. DRW 8,1157; übers. lat. affligere ( 2
‘sich jmdm. verhasst machen’ (vgl.
2leiden
, mit refl. Dat.d.P.)
1
‘jmdn.(/etw.) (an Körper, Vermögen, Ansehen u.ä., oft in unterschiedlicher
Kombination) schädigen oder beeinträchtigen’ (ane etw.,
mit etw.; vgl.
3leiden
1.1), ‘jmdm.
leit
(stN.) zufügen’ (mit Akk.); zum Gebrauch in
Rechtstexten vgl. DRW 8,1157; übers. lat. affligere (
PsM
41,10.
42,2.
43,8
), tribulare (
PsM
55,2.
105,42
), concutere (
EvAug
131,25
):
er wolt in hân geleidigôt / mit marter und mit grôzer nôt LBarl
578;
man spricht auch, daz die slangen den nakenden menschen
förhten und vliehen und getürren in niht gelaidigen BdN
261,2;
den paum [Lorbeerbaum] laidigt der
donr und daz weterplitzen niht ebd.
327,12.
275,19.
200,15;
er [der Wein] laydigt dy fünff
synn allsand HvHürnh
52,9.
–
daz si iemman an dem obgeschribenn ungelt diu vorgeschribenn sehs jar in
dheinen weg laidig noch beswaͤre MGHConst
6,2:74,20
(a. 1331);
daz ir di selben frauwen weder mit steuer noch mit tagwerchen
[Fronarbeit für einen Tag] noch mit nachtselden
[Verpflichtung zur Beherbergung best. Personen]
noch mit fuetern [Füttern/ Bewirten] , an leuten oder
an guͦt immer icht gemuͦt oder laidigt UrkCorp (WMU)
1933,39.
N783,13;
oder sein guet, oder sein gesind indert laidigt mit worten oder mit
werchen, oder ansprech, oder anvechten mit chrieg [...]
haimlich oder offenleich UrkAltenb
211
(a. 1341);
vnde wolte der bischof si [die Stadt] dar vber
vrlugen oder anders leidigen UrkCorp (WMU)
1788AB,23,22;
UrkWittelsb
1,143
(ca. 1255);
MGHConst
6,2:317,1
(a. 1333).
–
das ir [Maria] niement
schmacheit tæte, / weder lebende noch tot / von niement wurde geleidegot
WernhMl
12346;
als frouwe Anna daz vernam, / daz Joachim der ir man / sô
sêre was geleidigôt [durch die Zurückweisung seines Opfers wegen
seiner Kinderlosigkeit] , / dô wâre ir lieber der tôt
Wernh
475.
– Part.-Adj.:
dô [Jakob] der geleidigôte man
[dem Leid widerfahren ist] von deme grabe
[seiner Frau Rahel] hine heim chom, / er nam an
sînen arm daz sîn vil luzzele barn Gen
1692;
ob ein ros oder ein ochs oder ein hunt oder ein ander tiere iemant
laidigt, so schol der herre dez selben tiers [...] daz
selb tier dem gelaidigten [geschädigten] menschen czu
pesserung [Entschädigung] geben
StRBrünn
403
2
‘sich jmdm. verhasst machen’ (vgl.
2leiden
, mit refl. Dat.d.P.):
ein groz swert, daz her [der
Teufel] hute treit / uf alle die mortvreidigen / die sich got irm
schepfer leidigen HeslApk
10864
MWB 3,3 1009,56; Bearbeiterin: Baumgarte
leidigunge
stF.
‘Schädigung’ (an Körper, Seele, Gut, Ansehen o.ä., vgl.
leidigen
; z.B. Verletzung, Vergewaltigung, Beleidigung
u.ä.):
von ir [der Schlangen] erczney
werdent grozz laidigung vertriben, vnd ist doch fur war ainem yedem chuͤnd, das in
in selbs tödleiche gifft tragent HvHürnh
52,12.
– oft in Rechtstexten (vgl. DRW 8,1157f.):
wer aber, das ieman keine dirre drier stette anegriffe mit zuckende
[Wegnehmen] , mit roͮbende oder mit ander leidigunge
UrkCorp (WMU)
1788AB,35.
1788AB,36,35;
daz die beiber [Frauen]
[...] schuldig sind ze clagen vnd ze offenbaren die frevel
oder laidigung [...] jnner XV tagen
StatTrient
123;
den schaden sol er gelten vnd die laidigung abtragen vnd wenden ebd.
155;
daz niemant dhain person der stat ze L. [...] an in
selben oder an ir güten [...] mit dhainem pfant noch mit
andern laidigung niht laidigen sol DRW
8,1158
(VerhNdBayern; a. 1321)
MWB 3,3 1010,41; Bearbeiterin: Baumgarte
leidunge
stF.
‘Leiden’
dise zaichen der ordenunge des wolgeschaffen augenn und
ungeschaffenn augen werdennt wechant pei achtt dinngen: von der werüerunge,
[...] von der farbe, von der
michele [
quantitate
] , von den leidungen
die daraus gent [
ab eis passionibus que ab eo
exeunt
]
HvHürnh
46,4;
swenne he [der Minnekranke] sich
uortufet mit gedanken. so uortribet he beide des libes werc vnde der sele. wande der
lip uolget der sele in ir getat. vnde di sele deme libe an siner leidunge
SalArz
34,4
MWB 3,3 1010,60; Bearbeiterin: Baumgarte
leie
stF. (Gen.) , -lei(e)
Suffix
aus afrz. lei, loi, vgl. Suolahti 1,145, Kluge, S. 566 s.v.
-lei, Kolb, leie; nur im Gen. Sg. und Pl. belegt in
den Formen lei(e), leige,
auch leije (
SM:Tr
6: 1,3;
SM:Wi
3: 1,12;
SM:St
3: 1,2.
10: 1,7
); Gen. Pl. vereinzelt -en (vgl. 1.3); i.d.R. mit
vorangestelltem Numerale oder Pronomen (demonstr. [relat.], interr., indef.); Rel.-Satz
einleitende Pron. greifen i.d.R. nicht leie auf, sondern dessen Bezugswort;
es lässt sich in bestimmten syntaktischen Umgebungen ein subst. Gebrauch (1) und ein Gebrauch als Suffix (2)
nachweisen, wenn sich auch der größte Teil der Belege weder formal noch semantisch
zuordnen lässt (3); in seltenen Fällen kommt es auch zu
inkongruenter Syntax (im Folgenden gekennzeichnet).
1 subst. ‘Art, Sorte’
1.1 im attr. Gen. mit best. Artikel und schwacher Flexion der vorausgehenden Begleiter (Numeralia, Pronomina) 1.2 im part. Gen. als Subj. oder Obj. 1.3 vereinzelt bei starker Flexion der vorausgehenden Begleiter
(hier maniger , vgl. 3.2.7 ) und (sw. ?) Gen. Pl.
auf -en (vgl. 2
5 Mhd. Gr. § M 18, Anm. 7; Mhd. Gr. (KSW) 2 § S 59 Anm. 1) 2 Suffix zur Bildung von Adj. (und Adv., vgl. 2.3 ) 2.1 bei einem unflektierten Basiswort (i.d.R. Numeralia größer als
drei; auch indef. waz und ander (zum Nhd. hin dann
zunehmend obligtorisch st. Gen. der Basis, auch ungrammatische Parallelbildung,
vgl. wazerlei Lexer 3,707 mit frnhd. Belegen, waserlei DWB
13,2289f.); i.d.R. attr., vorangest. 2.1.1
vierleie
‘viererlei, von vier verschiedenen Arten’
2.1.2
vünfleie , auch vünferleie
‘fünferlei, von fünf verschiedenen Arten’
2.1.3
sechsleie
‘sechserlei, von sechs verschiedenen Arten’
2.1.4
sibenleie , auch sibenerleie
‘siebenerlei, von sieben verschiedenen Arten’
2.1.5
zehenley
‘zehnerlei, von zehn verschiedenen Arten’
2.1.6
wazleie
‘welcherlei, welcher Art’
2.1.7
anderleie
‘anderer, einer zweiten Art’ (vgl. aber flexivloses ander im Gen. Sg. Fem. und Pl. vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2 § P 382) 2.2 bei Kongruenz mit dem Dat. des Subst. 2.3 vereinzelt adv. 3 bei st. Gen. der vorausgehenden Begleiter/ Basis (für Num. von eins
bis drei wohl obligatorisch) weder formal noch semantisch erkennbar, ob Subst. oder
Suffix; i.d.R. attr. dem Bezugswort vorangestellt ( manigerleie bei
Herb häufiger in Postposition), seltener präd. 3.1 mit Numeralia von eins bis drei 3.1.1
einer(-) leie 3.1.2
zweier(-) leie
‘zweierlei, zweier Art’
3.1.3
drîer(-) leie
‘dreierlei, dreier Art’
3.1.4
vünfer(-) leie
2.1.2
3.1.5
sibener(-) leie
2.1.4
3.2 mit Pronomina 3.2.1
aller(-) leie
‘jeder Art’
3.2.2
beider(-) leie
‘beiderlei, beider Art’
3.2.3
deheiner(-) leie
‘keinerlei, keiner Art’
3.2.4
der(-) leie
‘derlei, solcher Art’
3.2.5
einiger(-) leie
‘irgendein, irgendeine Art’
3.2.6
keiner(-) leie
‘keinerlei, keiner Art’
3.2.7
maniger(-) leie
‘vielerlei; verschiedener Art’
3.2.8
neheiner(-) leie
‘keinerlei, keine Art’
3.2.9
swëlcher(-) leie
‘welcher Art (auch immer)’
3.2.10
wëlcher(-) leie
‘welcherlei, welcher Art’
1
subst. ‘Art, Sorte’
1.1
im attr. Gen. mit best. Artikel und schwacher Flexion der
vorausgehenden Begleiter (Numeralia, Pronomina):
ein blâ tûch derselben leye vor eine mark UrkZeitz
1,23
(a. 1322);
syrenen trug der milte / Appolonius an dem schilte, / der
selben lay ain rundel [Wappenschild am Helm]
HvNstAp
12292;
nu vant ich ain puoch ze latein der selben lai
BdN
485,36;
der drittenlai zend sint hawer ebd.
14,5;
der andern lai swefel haizt erleschter swefel ebd.
480,34.
374,33.
432,1.
455,5
u.ö.
1.2
im part. Gen. als Subj. oder Obj.:
ainer lai paum wachsent in dem land gegen der sunnen
aufganch BdN
312,24.
339,28;
der dritten lai ist weizlot ebd.
356,32;
ainr lai wechst hœher wan der andern lai ebd.
316,32;
ez ist auch ainer andern lai des krautes, daz ist guot
und smeckt wol ebd.
421,27.
356,27;
(syntaktisch unklar [zu ander vgl. 2.1.7]:
ez ist auch ainer ander lai swammen ebd.
402,1.
269,22;
noch ist ain dritten lai der stain ebd.
441,23.
325,25.
339,28;
auch der êrsten lei ... der
ander:
ez ist dreier lai wein. der êrsten lai ist wäzrig
und dünn, der ander erdisch und dick ebd.
351,32
).
– als Obj.:
von golden ain reiches klaid / ward der frauwen an
gelaid. / der selben lay legt an sich / Appolonius HvNstAp
5981
1.3
vereinzelt bei starker Flexion der vorausgehenden Begleiter
(hier maniger, vgl. 3.2.7) und (sw. ?) Gen. Pl.
auf -en (vgl. 2
5Mhd. Gr. § M 18, Anm. 7; Mhd.
Gr. (KSW) 2 § S 59 Anm. 1):
schône dringent dur daz gras / bluomen manger leijen
SM:St
3: 1,2.
10: 1,7
(vgl. den ebenfalls im Alem. belegten -en Gen. Pl. in
maniger handen
→
hant
13);
[Bibellesen schadet] sunderlichen doch den leien
[Ungelehrten] / die niht kunnen mancherleien /
schrift hin unde here lenken Macc
14360
2
Suffix zur Bildung von Adj. (und Adv., vgl. 2.3)
2.1
bei einem unflektierten Basiswort (i.d.R. Numeralia größer als
drei; auch indef. waz und ander (zum Nhd. hin dann
zunehmend obligtorisch st. Gen. der Basis, auch ungrammatische Parallelbildung,
vgl. wazerlei Lexer 3,707 mit frnhd. Belegen, waserlei DWB
13,2289f.); i.d.R. attr., vorangest.
2.1.1
vierleie
‘viererlei, von vier verschiedenen Arten’
bi den sint bezeichent vierlai dinch
PrBerthKl
2,41.
6,18
u.ö.;
von vierleie nutz Mechth
5: 2,1.
5: Reg. 4;
ez sint vierlai sneken BdN
258,26.
31,15;
2.1.2
vünfleie, auch vünferleie
‘fünferlei, von fünf verschiedenen Arten’
an im [dem Körper] sint
uolbracht vunfleie sinne SalArz
26,31;
von fúnfleie craft der minne Mechth
4: 28,1.
5: 34,1.
5: Reg. 49.
–
von fúnferleie craft der minne
Mechth
4: Reg. 45
2.1.3
sechsleie
‘sechserlei, von sechs verschiedenen Arten’
von sehsleie craft gottes gabe Mechth
6: Reg. 22;
von sehsleie kinden únsers herren gottes ebd.
5: 24,1.
5: Reg. 32
2.1.4
sibenleie, auch sibenerleie
‘siebenerlei, von sieben verschiedenen Arten’
von sibenleie schoͤni der minnenden sele
Mechth
5: 4,2.
5: Reg. 8.
–
bî dem worte mac man nemen siben lêre und
sibenerleie trôste Eckh
5: 49,20.
– vereinzelt präd.:
wan daz
[
gesmeid
] ist sibenlai: golt
silber gunderfai [natürlich vorkommende Legierung aus
Silber, Gold (und Kupfer)] kupfer zin plei und eisen
BdN
474,4
2.1.5
zehenley
‘zehnerlei, von zehn verschiedenen Arten’
wie der almehtige got die heilige kristenheit geordent hât mit zehen
leie liuten PrBerth
1:141,26
2.1.6
wazleie
‘welcherlei, welcher Art’
waz leige werkes si began, / da was got ie gefuget in
Elis
776;
vmme waz leye sache daz were UrkCorp (WMU)
1200,28
2.1.7
anderleie
‘anderer, einer zweiten Art’ (vgl. aber flexivloses ander
im Gen. Sg. Fem. und Pl. vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2 § P 382):
ze däutsch ain wälhisch nuz
[...], dar umb, daz man ir ain underschaid hab
[...] von ander lai nuzzen BdN
333,33;
ze vnderstenne raûp vnt prant vnd anderlaie schaden UrkCorp
(WMU)
1038,34;
→
anderleie
indekl.
Indef.-Pron.
2.2
bei Kongruenz mit dem Dat. des Subst.:
von zweierleien armen lúten, die minnenklich und pinlich
arm sint Mechth
3: Reg. 31
(vgl. aber häufigeres -leie
3.1.2
ebd.
3: 19,1
u.ö.
);
die trinken, ezzen und spil / hir leren und unvuren / mit
siben leien huren HeslApk
3730
(oder Dat. mit sw. Gen. von huore
?)
2.3
vereinzelt adv.:
zwey augen zweyerleye getan, / als ich wol zwirunt gesehen
han, / braun einz, daz ander gra gestalt Physiogn
189;
[sie sandten Botschaften nach Rom und Sparta] und in
andre stete alsam, / die man einerleie vernam Macc
5666
3
bei st. Gen. der vorausgehenden Begleiter/ Basis (für Num. von eins
bis drei wohl obligatorisch) weder formal noch semantisch erkennbar, ob Subst. oder
Suffix; i.d.R. attr. dem Bezugswort vorangestellt (manigerleie bei
Herb häufiger in Postposition), seltener präd.
3.1
mit Numeralia von eins bis drei
3.1.1
einer(-) leie:
–
‘einer gewissen, bestimmten Art’
ez sin etliche als einer laie ophel, di wahsent in
dem vervlvchten lande, di sint vzen schone, vnd
[...] ein vnflat innen
PrBerthKl
4,32;
BdN
269,21
u.ö.;
HvHürnh
1,7.
–
‘ein und derselben Art, identisch’
sparwær. daz ist ain edel vogel und ist klainr an
der grœz und an der sterch denne der greiffalk,
[...], und habent doch paid ainrlai varb
BdN
207,28;
DvASchr
369,4;
(vgl. syntaktisch unklar:
der zaher [...] ist
dreier lai. daz ainr lai ist weiz BdN
369,10
);
→
einerleie
Adj., Adv., Pron.
(?)
3.1.2
zweier(-) leie
‘zweierlei, zweier Art’
wachin ist zveierleie. einez ist naturlich. daz ander
unnaturlich SalArz
23,39;
ez ist zweierleie wizzen in disem lebene des êwigen
lebens Eckh
5: 240,2;
ich habe zwoͤigerleige lúte arm gesehen
Mechth
3: 19,2;
von zweierleie armen lúten ebd.
3: 19,1.
5: Reg. 4;
Mühlh
148,24;
PrOberalt
142,22.
148,34;
BdN
203,16
u.ö.
– präd.:
adamas ist ain edel stain, der ist zwairlai
BdN
432,34
u.ö.;
der aufgank und der underval der himelzaichen ist
zwaierlay KvMSph
36,25;
diu riuwe ist zweierleie: diu ein ist zîtlich
oder sinnelich, diu ander ist götlich Eckh
5: 236,2
3.1.3
drîer(-) leie
‘dreierlei, dreier Art’
do sach ich di drierleyge kirsin vf eyme boume wachsin
Pelzb
127,28.
119,23;
drîerleie betrüepnisse ist, daz den menschen rüeret und
drenget in disem ellende Eckh
5: 8,4;
das úns got gegeben hat drierleige gabe an der waren
wisheit Mechth
4: 3,9.
4: 22,29.
3: 1,109.
5: Reg. 2.
6: 8,31.
– nachgestellt:
in der jungesten zit soltu haben minne, gerunge,
vorhte, rúwe drierleie Mechth
6: 6,2.
6: Reg. 12
3.1.4
vünfer(-) leie
→
2.1.2
3.1.5
sibener(-) leie
→
2.1.4
3.2
mit Pronomina
3.2.1
aller(-) leie
‘jeder Art’
so sal he den magen vurben
[...] vnde sal miden allerleie vische vnde
uleisch da sich fleuma uon meret SalArz
42,39
(vgl. syntaktisch unklar:
nu well wir von der aller lai würmen hie sagen
BdN
287,22
);
→
allerleie
Adj.,
Pron.
3.2.2
beider(-) leie
‘beiderlei, beider Art’
wizz, daz die paiderlai maulper pœs pluot machent
BdN
330,31
3.2.3
deheiner(-) leie
‘keinerlei, keiner Art’
wiedder uwern willen wil ich dheynerley ding thun
Lanc
107,18.
120,31.
160,24
3.2.4
der(-) leie
‘derlei, solcher Art’
nu begonde salben / di edele unde di frie [das
Kind] / mit der leie arzetie, / daz iz drade wart gesunt
Elis
7414;
dar umb macht man lägel auz derlai holz
BdN
332,31.
337,8
u.ö.
3.2.5
einiger(-) leie
‘irgendein, irgendeine Art’
das wyddir wir noch vnsir erben [...]
eynigerleye dinst noch gerechtickeit dar uff zcu setzene haben
UrkCorp (WMU)
222AB,22,13
3.2.6
keiner(-) leie
‘keinerlei, keiner Art’
ir lib, ir sel und ouch ir muͦt / die hat Got selber insiner pflicht,
/ das sÿ moͤcht betruben nicht / kainer laÿe sunde schaden
KvHelmsd
259;
sus lebt er ein mânôt, / daz in keiner leie slahte nôt / von vreuden
gescheiden mahte Wigam (B)
1217;
daz keinerleye unfuͤr darinne geschehe
WüP
62,5.
32,3;
BdN
262,34.
277,32;
HeslApk
21702.
20553;
Daniel
3789
3.2.7
maniger(-) leie
‘vielerlei; verschiedener Art’
si sahen lewen striten und mangerleie wundersam getwirge
[Zwerge]
JTit
6109,2;
in manger leie ahte / hân ich dich gelêret Wigam (B)
394;
UrkCorp (WMU)
548ABC,10,11,35;
Ägidius
931;
Herb
16694;
Tauler
50,27;
KLD:Kzl
12: 1,2.
– nachgestellt:
fröide gît / ouch der meije mangerleije SM:
Wi
3: 1,12;
wurze maniger leige Herb
14346;
meist von klage u.ä.:
daz geschrei / vnde klage maniger leie
Herb
2776.
10198
u.ö.
– präd.:
vngesmackiz wazzerer ist manchirleie. einiz ist
gesalcin. einiz svebelic. daz dritte pechic.
[...]
SalArz
19,54
u.ö.;
→
manic
3.2.8
neheiner(-) leie
‘keinerlei, keine Art’
nicheinirleigi sache Mühlh
106,1
3.2.9
swëlcher(-) leie
‘welcher Art (auch immer)’
swelher leie sünde ez dâ ist PrBerth
1:212,36;
"herre Krist von himele, / [...] swer in
dînem namen mich êre / mit swelher leie guote, / dem hilf ûz sîner nôte
MargAntioch II
639;
Mühlh
180,26.
170,18;
UrkCorp (WMU)
982,35.
331,8
3.2.10
wëlcher(-) leie
‘welcherlei, welcher Art’
welicher leie dienste die nidern den obern schuldic und undertænic
sint PrBerth
1:141,27;
sin kaufmanschaft, welherleie die were
WüP
79,5;
BvgSp
56
MWB 3,3 1011,7; Bearbeiterin: Baumgarte
leie
stswF.
vgl. DWB 6,681f.
1
‘Fels’ (as. leia , vgl. Kluge, S. 566 s.v. Lei ; weiterer Beleg stF., Lexer 1,1868 a. 1361) 2
‘Schiefer’ (vgl. Glr.z.St.; weitere, jüngere Belege vgl. FWB 9,861f. s.v.
2leie ; s.a.
leiendeckære
)
1
‘Fels’ (as. leia, vgl. Kluge, S. 566 s.v. Lei;
weiterer Beleg stF., Lexer 1,1868 a. 1361):
die stat und die burg warn hoch gelegen off einer selbwahsen
leyen [auf einem natürlichen Felsen] ; einhalb under
der leyen lieff die rivire schön und breit, und anderhalb lag der walt groß und
schön Lanc
486,11;
der weg was sere eistlich und ging zwuschen zweyn leyen
hien, die groß und hoh waren ebd.
620,29;
er stach yn so sere das er uß dem satel fure uff jhen harten
leyen ebd.
621,30;
da kert Galahot das pfert umb und reit die leie
wiedder [zurück]
ebd.
487,35
u.ö.
– wohl nicht hierher (anders, trotz stM. noch Lexer und DWB i.S.v. ‘Weg’),
sondern Schreibermissverständnis aus c’Elegie (elsäss. Ort Eligium,
heute Ehl, vgl. Glr.z.St.):
dannin santir drî heilige man, / ci predigene den Vrankan: / Eucharium
unti Valêrium, / der dritti geinti [d.i.
geendete
] ûffin leige Anno
32,8
2
‘Schiefer’ (vgl. Glr.z.St.; weitere, jüngere Belege vgl. FWB 9,861f. s.v.
2leie; s.a.
leiendeckære
):
it. de domo follonum tegenda pro schindelen, leuen, funibus, cannalibus,
doerde [
dorrede ?] , clavis et aliis multis
necessariis 18 m. 3 s. StRechAachen
149,21
MWB 3,3 1014,9; Bearbeiterin: Baumgarte
leie
swM.
auch leige (:aige, vgl. z.B.
VRechte
522
); aus lat. laicus; häufiger mit attr. tump.
1
Person, die nicht dem Klerus angehört (vgl. z.B. LThK 6,589-597, bes. 591;
LexMA 5,1616f.; Borgolte, Die mittelalterliche Kiche, bes. S. 33f.)
‘Laie’
1.1 allg., Person ohne kirchliches Amt mit vom Kleriker verschiedenen Rechten und Pflichten 1.2 spez. als Anrede an das männliche Publikum im Minnesang (meist mit einem höfischen Epitheton; oft neben einer Anrede des weiblichen Publikums) 2 Person, die ungelehrt ist 2.1 bezogen auf theologische Fragen 2.2 bezogen auf weltliches Wissen
1
Person, die nicht dem Klerus angehört (vgl. z.B. LThK 6,589-597, bes. 591;
LexMA 5,1616f.; Borgolte, Die mittelalterliche Kiche, bes. S. 33f.)
‘Laie’
1.1
allg., Person ohne kirchliches Amt mit vom Kleriker verschiedenen Rechten und
Pflichten:
auz dem gelauben tretent etleich ketzer, die sich in
laien weis ân all weih an nement peiht ze hœren und ze vergeben den läuten ir
sünd BdN
217,11;
Spec
25,6;
ein infel [Bischofshut/
Tiara] unde ein krône die pflegent nû der kristenheit / mit ir
gerihten schône. / [...]. / ir pfaffen unde ir leien, /
wâ vindent ir ein sicherheit / vor den gerihten zweien? KLD: Kzl
2: 7,15;
Walth
9,25;
dirre dinge [dass der
phaffenvürste seinen (Blut-)Richter vom König genehmigen
lassen muss] bedarf ein leie [ein Fürst, der kein
Kleriker ist] niht der gerihte enphæhet von dem künige
SpdtL
164,13
u.ö.;
iz ist reht, daz der leie / eine chonen
aige [eine Ehefrau hat]
VRechte
407
u.ö.;
Mechth
4: 10,2;
SM:We
1: 1,1;
das sint zwei leben: der rehten leyen leben vnd der
geistlichen lvͤite leben Konr
18,29
u.ö.;
diu cristenheit gelepte nie sô gar nâch wâne. / die sî dâ lêren solten,
die sint guoter sinne âne. / es wær ze vil, und tæt ein tumber leie daz
Walth
33,33;
VRechte
431;
Spec
139,3;
RvEBarl
13575.
– auch bezogen auf die Dichotomie von gelehrten, geweihten Brüdern und
Laienbrüdern im Kloster:
sô die brûdere zu ezzene kument, sô sulen die pfaffen
den gewonlichen segen unde die leigen ein pater noster unde ein ave Maria
sprechen StatDtOrd
40,18.
34,27.
35,11;
wan da ain orden ist vnd da phaphen vnd laien ain
gehorsaim tvent, daz wer vnpilliech, wer div bvͤz vngeliech
SpitEich
24,5.
–
leien unde phaffen (und Varianten) zur Umschreibung für ‘alle
Menschen, jedermann’
dô schiet / sich diu riuwige diet. / leien unde
pfaffen / die vuoren ir dinc schaffen Iw
1595;
der kayser lat die läwt klaffen, / paide layen und
pfaffen, / und wais er doch das sein darinn KvMSph
3,25;
er sei laye oder pfaffe PrOberalt
71,28
u.ö.;
vor phaffen, noch vor leien StrKD
48,43
u.ö.;
UrkCorp (WMU)
475AB,31,35
u.ö.;
Eracl
2818;
SM:UvB
1: 1,13;
BdN
300,32
u.ö.;
JJud
762;
manic mensch, daz ez vernam, / quam von andern landen dar, / phaffen,
leien manigiu schar LvRegFr
4900.
2328.
– zusammen mit ähnlich umfassenden paarigen Ausdrücken:
ez si frauwe oder man, rich oder arm, pfaffe oder
leye, wie sie genant sin, geistlich oder werltlich WüP
97,3;
ez si pfaffe oder leye, herre oder kneht, frawe oder
magt, rich oder arm ebd.
98,2;
edele unedele, arme und rîche, / leien unde phaffen
LvRegFr
1593
1.2
spez. als Anrede an das männliche Publikum im Minnesang (meist mit einem
höfischen Epitheton; oft neben einer Anrede des weiblichen Publikums):
ir vil wunnenclîchen wîp, ir wolgemuoten leien, wünschet
daz mîs herzen trût mich von den senelîchen sorgen scheide KLD:
GvN
7: 3,1;
megde leigen, wir sun reigen nû den sumer lanc ebd.
46: 2,4;
wol ûf, ir hübschen leien! / wir suln die fröide heien, /
vil frœlîch tanzen reien ebd.
14: 1,12;
êregernden stolzen leien, fröit iuch gen dem süezen meien,
/ gen der fröidebernden zît. / hiure siht man megde reien. / dar sult ir iuch
frœlich zweien KLD: Kzl
9: 2,1
u.ö.;
sît undertænig minne, werden leigen SM:WvT
4: 1,5;
SM:KvL
12: 1,1.
7: 1,6;
Tannh
7,2;
SM:Wi
4: 2,9
2
Person, die ungelehrt ist
2.1
bezogen auf theologische Fragen:
der meister sprach: uon gote geturre wir nith ze uerre
gereden, wan die leigen kemint lithe in einen grozen zuiuel, so sie ze tiefe
rede vernement, der sie sich verstan nith enmúgen Lucid
5,2;
wie stat ez vnbe die leigen, die sich der grozen
bezeichenunge niht verstan encúnnent noch enmugent? ebd.
76,9;
swaz ich leien ie gesach, / sô vernam ich nie sô wîsen
niht. / kunnet ir der buoche iht? StrAmis
1350
2.2
bezogen auf weltliches Wissen:
der môn [Mond] hât in im swarz
flecken, und sprechent die laien, ez sitz ain man mit ainer dornpürd in dem
mônen BdN
65,22.
74,24.
17,2
u.ö.;
daz wizzent wênig laien ebd.
183,17;
daz ander zaichen ist, daz die stern pei der himelspitzen,
di manik lay den wagen haizzet, uͤmbwaltzen und daz wir sie nimmer verlisen
KvMSph
11,27;
in den bûchen hân ih gelesen, / daz ouh sîn vater solde
wesen / ein gwaldiger got. / daz ist der leien spot, / di des niht ne wizzen, /
waz man tût mit listen SAlex
2987.
– in (Selbst-)Aussagen über Wolfram von Eschenbach:
doch ich ein leie wære, / der wâren buoche mære /
kund ich lesen unde schrîben Parz
462,11;
waz her Wolfram ie gesprach / daz ist von guotem sinne geschehen. /
des müezen wir im alle jehen, / leien munt gesprach nie baz
UvEtzAlex
127;
man saget von dem von Eschenbach / und git im pris, daz laien munt nie
baz gesprach Wartb (H)
358:4,9;
Wig
6346.
– Lit.: G. Steer, Zum Begriff ‘Laie’ in deutscher Dichtung
und Prosa des Mittelalters, in: L. Grenzmann/ K. Stackmann (Hgg.),
Literatur und Laienbildung im Spätmittelalter und in der
Reformationszeit, Stuttgart 1984, S. 764ff.; R. Imbach, Laien
in der Philosophie des Mittelalters, Amsterdam 1989
MWB 3,3 1014,33; Bearbeiterin: Baumgarte
leiebære
Adj.
‘laienhaft’ (vgl. Anm.z.St.), ironisch:
die gar gelerten leieberen pfaffen, / die singent, des mich wunder hat, / ob
sie daz wollen grunden, / wie al der helle winkel sint geschaffen / unde wie daz
himelrich al stat Rumelant (K)
3:3,1
MWB 3,3 1016,10; Bearbeiterin: Baumgarte
leiekast
Subst.
Bed. unklar (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 615 versucht Anbindung an
leie stswF., ‘Fels, Schiefer’ oder an lîmen und
kaste
als Zweitglied); Bestandteil eines
Personennamens:
der alt Laikast UrkCorp
349,34;
Vlrich Laykast ebd.
349,35
MWB 3,3 1016,16; Bearbeiterin: Baumgarte
leieliute
stSubst.
hier leige- (Sg. leigeman
Ssp , vgl. DRW 8,311 s.v. Laimann [nd.]; leienman, vgl.
RechtssC 53,59 Hs. a. 1454).
‘Laien’ (vgl.
leie
stM.):
nu vernemet ir wol ze gediute, / tumpen leige liute. / ir maget vile wol
verstanten, / dunchet iz iuch nieht enplanten [glaubt nicht, dass es
Euch nichts angeht] . / swanne der man vihtet, / sin waffen uf
rihtet, / so cheret der mansleche / deme swerte daz ein ecke / uber sin selbes
houbit, / so wirt diu sele ertoubit ArnoltSieb
38,2
MWB 3,3 1016,22; Bearbeiterin: Baumgarte
leienbrôt
stN.
‘gewöhnliches, nicht geweihtes Brot’ (vgl. AWB 5,765 s.v.
leigenbrôt; s.a.
liutbrôt
):
panes laicos: liutprot, leginproth, [...], lainprot
Gl
1:402,63
MWB 3,3 1016,32; Bearbeiterin: Baumgarte
leienbruoder
stM.
auch lai-, leige(n)-.
Ordensbruder ohne geistliche Weihen, ‘Laienbruder’
darumme setze wir, daz ein iegelich brûder phaffe eime
iegelicheme brûdere sînes ordenes, [...], daz ambeht der
tôten begê, [...], unde ein iegelich leigenbrûder sol
sprechen hundert pater noster vur sînes conventes brûder sêle
StatDtOrd
37,6;
ime [dem zur Buße fastenden brûder
phaffe
] sal ouch genûgen mit der spîse, die man pfliget
zu gebene den leige brûderen, sô sie bûzent ebd.
88,24.
35,5;
undir disen gelitten [(Mit)gliedern]
/ sint pfaffin ouch enmitten, / dî eine werde stat dâ hânt / und sullin sîn gemant,
/ daz sî [...] manen sundir sparn / dî leigenbrûdre, daz sî
sich / vlîzin zu haldne vesticlîch / dî regle und den ordin NvJer
861
(=
StatDtOrd
26,7
).
23306;
die laibrvder svlen dinen in dem spital vnd in den hoͤfen
SpitEich
4,7;
ze einem rehten zins [...] iegelichem mvnch, der
priester oder dyaggen ist, ein maz, vnd iegelichem schvͤler, der mvnch ist, vnd
iegelichem laybrvͤder ein halbe maz des pesten Neker wins UrkCorp
(WMU)
2614,37;
vor brvͦder Abrehte, der leigebrvͦder meister ebd.
271,22;
bruͦder Berchtolt der ledergerwer, leiebruͦder von Wettingen ebd.
1903,19;
Mechth
7: 49,1
MWB 3,3 1016,36; Bearbeiterin: Baumgarte
leiendeckære
stM.
‘Dachdecker’ (zu
leie
stswF., vgl. DRW 8,1161 s.v. Leiendecker
mit Belegen ab 1300)
MWB 3,3 1016,61; Bearbeiterin: Baumgarte
leiengerihte
stN.
das überlieferte deutsche Recht im Unterschied zum römischen oder kanonischen
Recht (vgl. DRW 8,307; vgl.
leienrëht
), ‘Laienrecht’
der kinde vnd der frowen phleger die heizent etwa ein voget, etwa ein phlegær,
etwa sicher boten, etwa vormvnt, etwa behalter, die svln alle getriwe livte sin. in
der shrift da sint si gesvndert an ir rehte, aber in leigen gerihte da haben wir
einz als daz ander SchwSp
29a
MWB 3,3 1017,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leienhërre
swM.
‘weltlicher Herrscher’ (vgl.
leienvürste
,
leiiclich
):
[die Richter der geistlichen Herren] sullen den ban von
dem künige enphâhen. unde tuon si des niht, sô werdent si an allen den schuldic, dâ
si über rihtent. des bedurfen die leien herren niht. daz ist dâ von, daz si selben
urteil gebent über den tôtslac SchwSp (W)
96,32;
ebenso
SpdtL
198,5
MWB 3,3 1017,10; Bearbeiterin: Baumgarte
leienkurvürste
swM.
‘weltlicher Kurfürst’ (vgl.
leienvürste
):
vnd goben dis vrtail die leigen kurfursten vnd ander des riches holden vnd
getrouwen ze Nurenber in dem gepoten houe UrkCorp (WMU)
3110,34
MWB 3,3 1017,18; Bearbeiterin: Baumgarte
leienphaffe
swM.
auch leige-.
‘Weltgeistlicher; Geistlicher, der keinem Orden angehört’ (vgl. DRW
8,308):
[bei Rechtsgeschäften sind Laien als Zeugen Ordensangehörigen
(begeben liuten) vorzuziehen,] wern ez aber
laigephaffen, di suͤlen ienem sines rehten helfen vor dem vogt oder vor dem
burgraven, swes geriht ez danne ist, und swan ez an den ait gat, den suͤlen si tun
vor irre maisterschafft nach pfaefflihem reht StRAugsb
179,2;
tuomhêrren, nunnen unde leienphaffen / unt al die orden, die Got hât
geschaffen, / die lebent, des diu ê erziuget: / swer der ê ze rehte phligt, / der
hât hie unt dort gesigt; / swerz widerredet, des volget niht: er liuget!
RvZw
225,7
MWB 3,3 1017,23; Bearbeiterin: Baumgarte
leienphrüende
stF.
einem Laien gewährte kirchliche Pfründe (vgl.
phrüende
3; DRW 8,308 mit weiteren späteren Belegen; 2HRG
3,403-406):
daz nieman gedenk, daz dhein unser vorfar [...],
kuͤnig oder keiser, dhein layͤnpfruͤnt in dem vorgenanten chloster ze Buͦchow ie
verlihen oder gegeben haben, dann ze einem mal einem arzat durch lieb, der waz auch
seshaft bei in und verdient die pfruͤnd MGHConst
6,2:3:477,25
(a. 1335)
MWB 3,3 1017,37; Bearbeiterin: Baumgarte
leienrëht
stN.
das überlieferte deutsche Recht im Unterschied zum römischen oder kanonischen
Recht (vgl. DRW 8,309 und
leiengerihte
), ‘Laienrecht’
hie sullen wir sprechen, wer ze rehte phleger müge sîn oder
niht der kinde und der vrauwen. etwâ heizet er phleger, etwâ sicherære, etwâ voget,
etwâ vormunt, etwâ behalter; die sullen alle getriuwe liute sîn. in der schrift sô
sint si gesundert an ir reht, aver vor leien reht sô haben wir einez alse daz ander
SpdtL
126,11;
ebenso
SchwSp (W)
52,8
MWB 3,3 1017,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leienswëster
F.
auch lei-, leige-.
weibliches Mitglied einer Ordensgemeinschaft, die nicht zur Nonne geweiht ist
(vgl. DRW 8,309), ‘Laienschwester’
daz wir swester Adelhait, vnser leige swester von Alphach, geben alliv iar
XVIII sv̂merv [Scheffel] roken UrkCorp
(WMU)
2881,4;
sie waz einz nahts vor irm pette an irm gebet: da kom sie von ir selber. do
ging ein leienswester, die waz ir gastmeisterin, dreie stund zu ir und sprach, daz
sie her abe ging zu den gesten. da versan sie sich niht in dise werlt von gotlichen
gnaden. da ging die leiswester hin und sprach von der priolin
EbnerChrist
19,13.
5,36.
6,8
MWB 3,3 1017,57; Bearbeiterin: Baumgarte
leienvürste
swM.
auch lei-, leige(n)- (
HagenChr (G)
618;
SchwSp
48b
), lêg- (
EnikWchr
27939
).
‘weltlicher Herrscher’ (vgl. DRW 8,306):
ain lai fuͦrste mag nicht aim andern lai fursten hof gepieten ob er daz selbe
reht hat daz er hof gepieten muͦg [ vor ein königliches Hofgericht
laden ]
SchwSpK
4,3:145;
den romischen chvnech svlen chiesen drei pfaffen fursten vnd vier lai fursten
ebd.
4,3:137;
wir geben die wal drin erzebischoven unde vier leienvürsten
PKchr
179,19;
Loheng
1970;
HagenChr (G)
618;
der chvnec hebet den ersten hershilt. die bischofe vnd die abbet. vnd die
abtissen. die da fvrsten sint. die hebent den andern hershilt. die leien fvrsten den
dritten. die vrien herren den vierden SchwSp
7a.
68b.
48b;
SpdtL
83,17.
231,4;
man sach ie leienfürsten streben / in stürmen und in striten bi dem riche
neben / und ouch ir swert / beschirmen sunder wan. / her künig, ir sult die
leienfürsten richen, / in rechter not die pfaffen von iu wichen Frl
8:13,11;
Ottok
13643.
28433;
ir sult besenden / in dem rîche in allen enden / die edeln fursten alle /
[...], / daz sie komen gar ze hove, / leienfursten,
bischove, / unde sitzet zuo geriht / unde erteilet dise geschiht, / wie ûch die
fursten lêren EbvErf
1408;
Rumelant (K)
2:13,10;
Helbl
8,1102;
Hawich
4707.
4692
MWB 3,3 1018,6; Bearbeiterin: Baumgarte
leienwînzehende
stM.
‘einem weltlichen Herren zustehender Weinzehnt’
daz ich [A., ain ritter,] han verichen
und vergich offenlich an diesem brief [...] dem
[...] abt und dem convent von Salmanswiler
[...] ainz glichen tails und ainer rechter gemaind
[Gemeinschaft] an dem laigen winzehenden
[...] ze Marchdorf, daz wir den selben winzehenden mit
anander hinanfuͥr [...] niessen sont
UrkSalem
2,570
(a. 1300)
MWB 3,3 1018,32; Bearbeiterin: Baumgarte
leienzëhende
swM.
einem weltlichen Herren zustehender Zehnt (vgl. WMU 2,1118; DRW 8,310):
davon han wir zu lehen die burg Franckenburg, [...]
und daz tal und die lüte darunder, und zu Kestenholtz den leyhen zehenden und den
kirchensatz und was zu Franckenburg höret von alter her UrkEls
2,157
(a. 1336);
alles, das ich an dem dorfe ze Emeringen hête mit dem kirchen sazze der
kirchen ze Emeringen, mit akkern, mit wisen, mit holze, mit velde vnd mit dem laîen
zehenden, den ich och da hête UrkCorp (WMU)
2912,20.
1569,33;
min herre hat gelihen A.v.G. den layenzehend ze K.
[...], den man nemt den gemeinen layenzehenden
DRW
8,310
(WürtVjh; a. 1344);
UrkRapp
477,5
(a. 1350);
UrkZürich
11,245
(a. 1330)
MWB 3,3 1018,41; Bearbeiterin: Baumgarte |