jâ – jagesite jagespieʒ – jâmerbrôt jâmerbürde – jâmerrede jâmerrëgen – jâmersuht jâmertac – jardîn jârdinc – jârmarket jærmerlich – jegede jegelich – jëner, -iu, -eʒ jënerhalp, ënerhalp – jiuch jiuchære – ju jû – judenbrâtære judenbrücke – judenrâtman judenrëht – jugentheit jugentlich – jungede jungelinc – jungen jungent
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jâmerslac
stM.
‘Schicksalsschlag, Unglück’
daz im sin herze nicht zubrach / von bitterlichen
jamerslegen, / daz muste got selber under legen / mit siner helfe tougen
Vät
32781
MWB 3,1 46,61; Bearbeiter: Hansen
jâmersmërze
swM.
‘tiefer (seelischer) Schmerz, Trauer’
von im zart er sein gewant, / in sein hâr viel er zehant, / in twank der jâmer
smercze, / daz er sluͦg an sein hercze AlexiusC
339;
der vrouwen jâmersmerzen / begunde er mit ir weinen
KvWTroj
29172.
38238;
MarlbGr
810
MWB 3,1 47,1; Bearbeiter: Hansen
jâmersnit
stM.
Zuschnitt eines Trauergewandes, hier für das Trauergewand selbst (vgl.
jâmerkleit
):
din tot, ich wene, etliche [
guͦte wibe
] zu mir in starke jamers snite [La. jamer
snite
] cleide JTit
982,4
MWB 3,1 47,7; Bearbeiter: Hansen
jâmersorge
stF.
‘schmerzliche Sorge, Kummer’
wilt du niht enphlœhen / mîn getriuwe ræte, / sô wizzest daz du spæte / in
jâmersorgen funden wirst Reinfr
11609;
ir jâmersorge was dâ hin. / nâch vröuden staltens al ir sin
Virg
138,1
MWB 3,1 47,12; Bearbeiter: Hansen
jâmerstimme
stF.
1
‘Wehgeschrei, Wehklage’
2
‘von Schmerz erfüllte Stimme’
1
‘Wehgeschrei, Wehklage’
dâ hôrte man jâmerstimme / schrîen die Oselêre uber al LivlChr
6226
2
‘von Schmerz erfüllte Stimme’
die sele sprach mit grimme / mit einer jamer stimme / ‘nu we
mir, daz ich ie wart / gotes geschepfede nach der art / daz ich mensche bin
gewesen!’ HvNstVis
414
MWB 3,1 47,17; Bearbeiter: Hansen
jâmerstrâle
stF.
‘Pfeil des schmerzlichen Verlangens’ (bildl., in der Wendung senender
~
):
do si dise rede het erhort, / ir herzen vröude wart zestort / und volleclich
zevüeret. / ir herze wart berüeret / mit der senden jamerstrale
RuprvWü
657
MWB 3,1 47,24; Bearbeiter: Hansen
jâmerstric
stM.
‘Fesseln des Leids’ (bildl.):
sît uns der jâmerstric beslôz. / habt stille: uns næhet
freude grôz Parz
793,1;
sus lônt iedoch diu ritterschaft: / ir zagel ist jâmerstricke
haft ebd.
177,26
MWB 3,1 47,29; Bearbeiter: Hansen
jâmerstunde
stF.
‘Stunde des Leids’
suss was Marien hertz geladen / mitt liden und mitt soͤllicher pin / das sÿ
och gern waͤr gesin / bÿ Jhesu in der hellen grund / durch hundert tusent jamer
stund, / ob es múglich waͤr gewesen KvHelmsd
2228
MWB 3,1 47,33; Bearbeiter: Hansen
jâmer|stunge,
jâmer|stungen
swstF.
‘Stachel des Leids’ (bildl.):
swa solcher wazzer sprunge von herzen kunnen vliegen, / daz muͦzen jamer
stunge triben dar, ich wen, al sunder triegen JTit
5150,2;
des kunde si der vater wol getroͤsten, / biz daz in jamers stunge
[Laa. iamer stunge, iamer stungen
] begreif ebd.
5419,4;
vgl.:
hie wellen nicht beliben die jamer gebenden stungen ebd.
4330,1
MWB 3,1 47,39; Bearbeiter: Hansen
jâmersuht
stF.
‘schmerzliches Verlangen, Sehnsucht’
ich bin ein minnesiecher man /
[...]. / mîn trôst und mînes herzen ger / sint vil gar an
dich geleit, / des lâ mich dîner sælikeit / geniezen, hôchgeborniu fruht, / und
stille mîne jâmersuht / mit der vil reinen minne dîn KvWTroj
16832;
sende jâmersuht ebd.
29214.
15550;
vil liebez vrouwelin, / min herze treit die jamersuht RuprvWü
872;
KvWEngelh
5539
MWB 3,1 47,47; Bearbeiter: Hansen
jâmertac
stM.
‘Tag der Trauer, Jammertag’
nû bin ich alt und [du (welt)] hâst mit
mir dîn gumpelspil. / und zürne ich daz, sô lachest dû. / lache uns eine wîle noch,
/ dîn jâmertac wil schiere komen Walth
67,17;
si ware michel lieber dot / dann sy soll in solchen sorgen
streben / und in jamer tagen leben HvNstAp
4820
MWB 3,1 47,56; Bearbeiter: Hansen
jâmertal, âmertal
stN.
auch stM. (HvNstGZ ).
‘Jammertal’ (bildl. für die Welt, vgl. bibl. vallis lacrimarum Ps
83,7 s.a. TPMA 11,262f., vgl. auch jâmerlant, -tunc, -weide und
jâmerlich
2):
doch ist diu werlt ein jâmertal / gein der wunneclichen stat, / in der got
gezieret hât / sîn gesinde alsô, daz wîp noch man / die fröude niht durchgründen kan
Renner
230
u.ö.;
du solt och gedenchen an die minne. dc er
[Christus] durh dinen willen geboren wart in diz
ellende und in diz âmertal PrSchw
2,101;
wir klagen und ruofen unsern val / dir in disem jâmertal, / dâ weinen unde
trûren ist MarGr 18
301,96;
Maria, gotes muͤter clar, / siech in diesen jamer tal!
HvNstGZ
7066;
PrBerth
1:396,9;
Seuse
445,3
u.ö.
MWB 3,1 47,63; Bearbeiter: Hansen
jâmertunc
stM.
hier -dong.
‘(unterirdische) Höhle des Elends’ (bildl. für die Welt, vgl.
jâmertal
):
nu ist gelesen und geschriben, [...]
/ wie der dugentriche knabe / Jhesus von dem himel abe / neme sinen hohen sprung /
in der werlte jamer dong HvNstGZ
1884
MWB 3,1 48,14; Bearbeiter: Hansen
jâmerunge
stF.
1
‘Leid, Kummer, Trauer’
2
‘schmerzliches Verlangen, Sehnsucht’ (in der Wendung senende
)
1
‘Leid, Kummer, Trauer’
do Ryal [...] / vernam diu laiden
mære, / do wart sins hertzen swære / wahsen und meren. / sin hertze daz wart seren /
von der jamerunge WhvÖst
2861;
ich îlte balde zeime grabe: / mit klägelicher ungehabe / begruop ich in
[den Hund] dar inne. / mîn herze und mîne sinne /
wurden jâmerunge wol [l. vol
]
KvWPart
18639;
zu jâmirunge sî irwûc / und zu mitlîdunge, / daz dî nûwe
pflanzunge / des geloubin solde, / als der tûvil wolde, / sô jâmirlîch werdin
vornicht NvJer
11052;
KvWTroj
525;
Vät
649;
bildl.:
seht wa der iamerunge snite / dem sune in sin herze brach! Pass
III
590,52;
di wile an dirre vrouwen / was der jamerunge stric
Pass I/II (HSW)
11213.
–
umbe jmdn.
~ haben
‘um jmdn. trauern’
mit in giengen vrouwen und getwerc / und wârn in grôzem leide: / umbe die
wunneclichen maget / hetens vil jâmerunge, / an vröuden wâren sî verzaget
Virg
55,8
2
‘schmerzliches Verlangen, Sehnsucht’ (in der Wendung senende
~ ):
nu kam aber diu minne / in daz herz des von Sahsen. / des muose in im wahsen /
sende jâmerunge Reinfr
26129.
11847;
daz herze ir in dem lîbe spielt / von sender jâmerunge
KvWHerzm
521
MWB 3,1 48,20; Bearbeiter: Hansen
jâmervar
Adj.
‘nach Leid aussehend, schmerzerfüllt, traurig’
des sach man sî jâmervar / gar ze manger stunde Reinfr
12958;
da wart getragen gegen yn / ein doter man, ein einig barn /
der muter sin, die man da karn / sach, eine widewen iamervar EvStPaul
6922;
HvNstAp
16693.
– von verweinten Augen:
ie under stunden / sâhen si den ellenden man / mit jâmervarwen ougen an
Er
8345;
mit nazzen ougen jâmervar KvWSchwanr
1540
MWB 3,1 48,44; Bearbeiter: Hansen
jâmervluoch
stM.
‘von Leid erfüllter Fluch, Fluch aus Leid’
‘verfluͦcht si der selbe got / der uns sele und lip geschuͦf!’ / daz ist der
erste jamer fluch HvNstGZ
7389
MWB 3,1 48,54; Bearbeiter: Hansen
jâmervluot
stF.
‘Leid erweckende Flut’ (bildl. von Blut):
dî jâmirvlût, / daz reine blût / der ûwern vil armen
NvJer
23727
MWB 3,1 48,58; Bearbeiter: Hansen
jâmerwê
stN.
‘Not, Elend’
ge enweg und freuwe dich, / recht als du hettest mich /
gewunnen [befreit] von disem jamer we, / und kum zu
mir nicht wider me! HvNstAp
16489
MWB 3,1 48,61; Bearbeiter: Hansen
jâmerweckunge
stF.
‘Erwecken von Sehnsucht’
gottes trost ist hie niwan ein iamer wekvnge vnde ein reizvnge
der gervnge, niht ein satvnge des gelustes, vnde der gottes hie aller meist hat, den
iamert aller serest nach ime DvAStaff
581
MWB 3,1 49,1; Bearbeiter: Hansen
jâmerweide
stF.
‘Weide des Elends’ (bildl. für die Welt, vgl.
jâmertal
):
uf dirr jamer waid SHort
4368
MWB 3,1 49,6; Bearbeiter: Hansen
jâmerweinen
swV.
‘von Leid erfüllt weinen’ (subst.):
sine jamer weinen wart so groz / daz er die brust zu tal
begoz Vät
29543;
sine jamerec weinen [La. iamer wainen
] was vil heiz, / des er sich zu gote vleiz ebd.
17391.
15121
MWB 3,1 49,9; Bearbeiter: Hansen
jâmerwunde
swF.
‘Herzenswunde, tiefes Leid’
ein frouwe schœne von der stimme / sêre und inneclîche
erschrac, / dô si liebe nâhe lac; / ir jâmerwunde gar ze grunde / tiefe wac
KvWLd
15,26
MWB 3,1 49,14; Bearbeiter: Hansen
jâmerzil
stN.
‘leidvolles, trauriges Ende’
sô hân ich mich genumen an [...], /
daz ich ez volbringen wil / mit rede unz an daz jâmerzil, / daz Tristan und die
blunde Isôt / in glüender minne lâgen tôt HvFreibTr
48
MWB 3,1 49,18; Bearbeiter: Hansen
jâmerzît
stF.
‘leidvolle, traurige Zeit’
dye frauwe ließ iren streyt. / ye doch vil grosse jamer zeit
/ hette sy in irem hertzen / mit kumer und mit schmertzen HvNstAp
6166;
in disem live / ind in disen jamerziden, / darin du ’n dot
muͦstes liden MarlbRh
73,13
MWB 3,1 49,23; Bearbeiter: Hansen
jân
stM.
1 ein schmaler Streifen bebauten Landes (z.B. eines Getreidefeldes), der in einem Arbeitsgang abgeerntet wird (als gedachte Einheit der land- und forstwirtschaftlichen Arbeitsplanung, vgl. zur Sache SchweizId 3,43f., DRW 6,396f. mit späteren Belegen) 2 eine best. Grundfläche, ‘Jahn’ , metonymisch der Ertrag hiervon (vgl. DRW 6,396f. mit späteren Belegen) 3 übertr. ‘Reihe’
1
ein schmaler Streifen bebauten Landes (z.B. eines Getreidefeldes), der in einem
Arbeitsgang abgeerntet wird (als gedachte Einheit der land- und
forstwirtschaftlichen Arbeitsplanung, vgl. zur Sache SchweizId 3,43f., DRW 6,396f.
mit späteren Belegen):
bruder Reinold sag daz unser vrowe und di mit ir quamen, gingen an den jan mit
den muͦnichen und sniten [ernteten (Getreide)] mit in,
biz der convent wider zu clostere ginc HlReg
56,28
2
eine best. Grundfläche, ‘Jahn’, metonymisch der Ertrag hiervon (vgl. DRW
6,396f. mit späteren Belegen):
so danne ein halb iân holz, lit in dem walde, so da hoͤret zem banne ze
Eymuͤtingen UrkCorp (WMU)
2099,12
3
übertr. ‘Reihe’
dit ist daz iar [...] daz der godeliche rat /
gebenediet selber hat. / da von vil lvde ist uf gestan / in der heiligen kirchen ian
PrHess
19,176.
– wohl hierher (vgl. dagegen E. Steinmeyer, in: ZfdA 6 [1875], S.
15f.):
dâ endet sich der rîme ian MarGr 18
67
MWB 3,1 49,29; Bearbeiter: Hansen |