jâ – jagesite jagespieʒ – jâmerbrôt jâmerbürde – jâmerrede jâmerrëgen – jâmersuht jâmertac – jardîn jârdinc – jârmarket jærmerlich – jegede jegelich – jëner, -iu, -eʒ jënerhalp, ënerhalp – jiuch jiuchære – ju jû – judenbrâtære judenbrücke – judenrâtman judenrëht – jugentheit jugentlich – jungede jungelinc – jungen jungent
|
jânen
swV.
‘etw. (einer Sache) abtrotzen, mühsam erlangen’ (mit Präp.
von):
wir muͤssen unser spise in sweize von der erde janen Marner (W)
1:2,13
MWB 3,1 49,49; Bearbeiter: Hansen
jappe
F.
wohl eine Giftschlange (vgl. G. Ehrismann, in: Germ. 34 [1884], S. 492):
er [der valsche priester
] tritet selbe in jappesstift [l. jappes
stift, vgl. jappestift stN.] , / swenne er den
süezen got emphât: / er slindet vipernâtern gift KgTirol
9,5
MWB 3,1 49,53; Bearbeiter: Hansen
jappe|stift
stN.
wohl der Giftstachel einer Schlangenart (vgl. G. Ehrismann, in: Germ. 34 [1884],
S. 492):
diu strâfe ist vipernâtern gift / und snîdet als daz jappestift
KgTirol
43,4
MWB 3,1 49,59; Bearbeiter: Hansen
jâr
stN.
selten sw.
(
SHort
).
‘Jahr’
1
‘Kalenderjahr’
2
‘Zeitraum von einem Jahr’
3
‘Lebensjahr’
3.1 allg. 3.2 im Pl. mit Gen.d.P. 4 phras. 4.1 hyperbolisch für lange oder als lang empfundene Zeiträume (auch
hundert , tûsent ~
u.ä.) 4.1.1 allg. 4.1.2 im Vergleich ‘tausend Jahre sind (dort) wie ein Tag’ zur Beschreibung einer angenehmen, lustvollen Situation (vgl. II Pt 3,8; Ps 89,4) 4.1.3 im Vergleich ‘ein Tag ist (dort) wie tausend Jahre’ zur Beschreibung einer unangenehmen, qualvollen Situation 4.1.4 in der Bekräftigungsformel solte jmd. leben tûsent ~
(u.ä.) 4.2
durch daʒ ~
‘die ganze Zeit, immerfort’ (offen zu wörtlichem ‘übers Jahr,
ganzjährlich’ , s.
durch
2.2 ) 4.3
in (vil) kurzen jâren
‘innerhalb kurzer Zeit, binnen weniger Jahre’
4.4
von jâre ze jâre
‘von Jahr zu Jahr, jedes Jahr’
4.5
vor den / jmds. jâren
‘vorzeitig, früher als (allgemein) erwartet oder erhofft’
4.6
binnen sînen jâren (sîn)
‘minderjährig (sein)’
4.7
ze sînen (vollen) jâren komen
‘erwachsen, volljährig, mündig werden’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 236f. mit weiteren Belegen) 4.8
sîniu ~ verslieʒen, verenden
‘sterben’
4.9
~ unde tac
4.9.1 rechtssprachl. als Frist (auch ein ~ unde ein tac ; vgl.
2 HRG 2,288ff., LexMA 5,279; s.a. DRW 6,403f. mit weiteren Belegen) 4.9.2 allg. für eine längere Zeitspanne (auch manic
~ unde tac ; nicht immer scharf vom rechtssprachl. Gebrauch zu trennen) 4.10
der genâden ~
übertr. für Christus (vgl. Is 61,2; Lc 4,19) 4.11 sprichw. (?) ander ~ , ander guot
‘neues Jahr, neues Glück’
1
‘Kalenderjahr’
daz iar teilent die liute in zwei, in den winter unde in den
sumer. abir die meister teilent ez in vier teil [Winter, Frühling,
Sommer und Herbst]
MNat
6,12;
da von [durch die julianische
Kalenderreform] het daz iar driu hundert unde sehzic unde fiunf
tage unde sehz stunden ebd.
16,26;
so was do ie gewisse / groz market alle iar
Eilh
St,7389;
Mâbûz sîne gelübde tete / und sluoc des jâres
[in diesem Jahr] nieman UvZLanz
3825;
KvHeimUrst
94.
– bezogen auf das Erntejahr:
dar umb macht er [Jupiter]
allez ertreich frühtig und pringt guoteu jâr BdN
57,8;
ain überfrühtig jâr ebd.
292,14.
78,11;
so reinege
[niederschlagsreiche] iar sin. so wirt daz korn
vuchte. so trockene iar sin vnde uil windes. so wirt daz korn truckene
SalArz
8,62.
– bezogen auf das Kirchenjahr:
als dicke man ez [das ‘Veni sancte
spiritus’
] singet in dem iâre StatDtOrd
124,32
2
‘Zeitraum von einem Jahr’
die eslinne tragent iriu kint in dem leib ain ganzez jâr
BdN
120,16;
des ist nit ein jare [noch kein Jahr
her]
Lanc
360,31;
sô ich herwidere chume ze jâre [in einem Jahr,
binnen Jahresfrist] sô hât chint dîn wîb Sara Gen
884.
892;
hat er der puͦzze niht, man verpiutet im daz hantwerch ein
iar StRMünch
225,13;
Eckh
2:198,6
3
‘Lebensjahr’
3.1
allg.:
des menschen stimm sterkt sich von dem vierzehenden jâr
unz an daz alter BdN
16,27
u.ö.;
er enhete der jâre doch niht sô vil, / diu reichent gein
des bartes zil Wh
271,1.
124,20;
die wisten, die da waren / an witzen vnde an iaren
Herb
18115.
7853;
zwene muͤniche [...] in wol
getagten jaren Rennew
35545;
HagenChr (G)
1650;
in den ûf blüenden jâren Tr
2074.
624.
15344;
der jar ain kind KvMSph
2,12;
EnikWchr
4599.
– in Altersangaben:
so er [der Phoenix] finf
hundert iar alt wirt. so uert er ineinen walt heizit Líbanus
JPhys
27,6;
der was dô alt ze wâre ahtzig und zehenzig jâre
Gen
1699;
Lucid
31,13.
21,16;
do Ihesus was worden der iar zwelfer alt do gink er
mit in in Ierusalem EvAug
130,5;
biz Jesus wart zwelf jaren / alt SHort
2265;
ist daz der suͦn jares unde tages alt wirt UrkWürtt
9,21
(a. 1285)
(vgl. 4.9);
sô versinne ich mich vür wâr, / ich habe vünf und
vierzic jâr RvEBarl
6252
u.ö.;
ein kint von acht iaren Macer
60,12;
EvAug
3,20;
Lanc
271,12.
546,9
3.2
im Pl. mit Gen.d.P.
‘jmds. Lebensjahre, Lebenszeit’, metonymisch auch ‘Leben’
er hæte sich vor schanden / alliu sîniu jâr behuot
KvWWelt
17;
sus gênt mîniu jâr dahin SM:KvL
9: 2,9;
herre, ich sol mit hulden gern / daz ir mir hœhet
mîniu jâr Wh
130,29;
[der arme Schetis,] des kurziu jâr
[dessen Jugend] sô manegen prîs / het mit
rîterschaft bezalt ebd.
242,10;
dâ zuo sô weiz ich wol an mir, / daz mîner jâre kein
man [niemand meines Alters] / sô manic edele
seitspil kan Tr
7875;
Nestor von siner swere, / wander den svn tot sach, /
sine hende zv brach / vnde verfluchte sine iar Herb
13741;
Wig
3832;
RvEBarl
838.
13108.
– spez. auch jmds. ‘Volljährigkeit, Mündigkeit’ (vgl. auch
4.7):
Termuͦt [...] leite grozen
vliz an in [Moses] / das nie mit liebe sunder haz
/ kint ê wart irzogen baz, / liepliche untz an sinú jar
RvEWchr
9174.
– allgemein für die Zeit, in der jmd. lebt oder regiert:
die stete unde diu castêl, / diu von Canêles jâren /
in sîner pflege wâren Tr
5209;
vor Corinêis jâren ebd.
16691;
sus lepte das vil edil wip / vil gar biz das ir
kúnicriche / und ir lant in ir jaren / mit ir berihtet waren
RvEWchr
3698.
– formelhaft umschreibend:
zü dem [Hiltibold] gie
sand Galle do / und rett gein im also, / ob er da pey seinenn
jarnn [jemals] / in dem walde hiet ervarnn, /
da ein mensche peleiben mochte Märt
21761;
mit steinen und mit stecken / süllens die nâtern
wecken / alsô ungefuoge, / daz si sîn hab genuoge, / und süllen ir ouch
vâren / immer bî irn jâren [stets]
EnikWchr
1066.
3099
u.ö.
– übertr. ‘Gottes Jahre’ für die Ewigkeit, das Himmelreich (vgl.
auch AWB 4,1786 mit Lit.):
gib den vremeden nicht din ere / noch den vreislichen
dine jar HeslApk
113
4
phras.
4.1
hyperbolisch für lange oder als lang empfundene Zeiträume (auch
hundert, tûsent ~
u.ä.)
4.1.1
allg.:
suͤz, it is dir offenbar, / dat mir ein iͤwlich dach
is ein jar, / als lang als ich bin van dir gescheiden MarlbRh
50,12;
der wîle dunket mich ein jâr, / daz ich niht ritter
wesen sol, / daz tuot mir wirs denne wol Parz
149,12;
darumbe wolt ich drîzzig jâr / ze wazzer und ze brôte
gerne vasten SM:Wi
9: 14,4;
were die nach [Nacht] eins
iares lanc Herb
14108;
so si hvndert iar gebrinnet PrBerthKl
2,55;
doch dunket mich, der selbe pîn / hab wol tûsent jâr
gewert / an mir senden, siechen armen SM:Ro
6: 1,6;
hett mir das kußen tusent jar under dem heubt
gelegen, ich hett als lang geslafen Lanc
356,33;
Eckh
1:91,10;
Herb
981.
– daneben selten auch für als kurz empfundene Zeiträume:
waz vor eyme jare gülden waz, daz ist nü worden bly
SM:Ga
1a: 2,8
4.1.2
im Vergleich ‘tausend Jahre sind (dort) wie ein Tag’ zur
Beschreibung einer angenehmen, lustvollen Situation (vgl. II Pt 3,8; Ps
89,4):
– meist vom Himmelreich:
David der kuͤnig hat gelesen / daz dusent jar vor
gotes wesen / sint noch kuͤrtzer dann der tag / der gestern verging der
wesens pflag HvNstGZ
4690;
sô vüege dich ze gote, wan dâ sint tûsent jâr als
der tac hiute Eckh
5: 12,1;
Warnung
3409;
SHort
3832;
ir reinez leben verdiente hie / daz gotes gnâde
si dort enpfie / dâ tûsent jâr sint ein tac Wig
11702;
KvHeimUrst
1962.
– vom Paradies:
tûsent jâr ist ein tac, / wan ez niht süezer wesen
mac. / heiâ wie mangen süezen dôn / singent diu kleinen voglîn schôn /
hie bî uns in dem paradîs! EnikWchr
623
(vgl.
ebd.
1184.
1186
).
– vgl. ähnl. ‘ein Tag ist (dort) wie ein Jahr’, allg.:
nu lâ mich, frowe, varn mit dînen hulden! / mir
wære ein jâr ein tac bî dir von schulden SM:UvS
12: 5,8
4.1.3
im Vergleich ‘ein Tag ist (dort) wie tausend Jahre’ zur
Beschreibung einer unangenehmen, qualvollen Situation:
iuwer red ist mir ein slac, / wan mir ist zwâr / ein
tac wol tûsent jâr; / die lebich mit sorgen immer mê EnikWchr
12608;
ein tag ist mir tusent jar, / so du mir froͤmede
woͤltest sin Mechth
2: 2,20.
– von der Hölle:
ein tac der ist da tusint iar Martina
10,3
4.1.4
in der Bekräftigungsformel solte jmd. leben tûsent ~
(u.ä.):
solte ich tusent iar leben, / vnde weren miner fiere,
/ wir enkvnden von der gezirde / nimmer gesagen vollen gnvc
Herb
624;
solde ich biz zv tusent iaren / leben vnde dannoch
vort, / mich solden ruwe die wort ebd.
11236;
sölte er leben tûsent jâr Eckh
5: 284,5;
lebt ich tûsent jâr SM:Tr
2: 3,6;
wurde ich tûsent jâr alt RvEGer
4496.
– vgl. ähnl. hundert ~
:
swelch wort der junge man bejaget, / sol er hundert jar leben, /
daz muoz im iemer ane kleben StrTier
22,9
4.2
durch daʒ ~
‘die ganze Zeit, immerfort’ (offen zu wörtlichem ‘übers Jahr,
ganzjährlich’, s.
durch
2.2):
secht, alsust al durch daz jâr stêt mîn bejag! SM:Ro
8: 3,7;
darumbe ich iemer dur daz jâr des tievels zîte litte
SM:UvS
31: 1,12;
daz [Verschwendung] trîbet sie alsô durch das
jâr, unz daz er ze einem armen manne wirt PrBerth
1:319,37;
KvWLd
24,15;
Iw
6701
4.3
in (vil) kurzen jâren
‘innerhalb kurzer Zeit, binnen weniger Jahre’
wir sullen beschowen / in vil kvrzen iaren, / daz iz
geruwet vnsen haren Herb
2767;
da gwunnen sie inne / an habe vnde an gwinne, / daz sie
in kvrzen iaren / wol gerichet waren ebd.
17050.
1871;
RvEBarl
12975;
Eckh
5: 26,12
4.4
von jâre ze jâre
‘von Jahr zu Jahr, jedes Jahr’
aller hiligen hochzit nimt vf von iar ze iar biz an den
ivngisten tag PrBerthKl
2,6;
swer aber des kindes erbe ist, den sal des kindes vormunde berêden von
jâre zu jâre des kindes gûtes SSp (W)
1:23,2;
alles das gut das ir von mir hettent zu lehen das wil ich
uch beßern von jar zu jare! Lanc
109,16;
von jare zu jar ward ein ander ritter uff den
thorn [Turm] gethan ebd.
304,18;
Tannh
1,18;
Mühlh
132,13
4.5
vor den/ jmds. jâren
‘vorzeitig, früher als (allgemein) erwartet oder erhofft’
gedinge, sorge, vlêhen tuot / mich vor den jâren werden
alt SM:UvS
17: 3,2;
die getriuwen senedære / [...]
triben ir senemære / von den, die vor ir jâren / von sene verdorben wâren
Tr
17185
4.6
binnen sînen jâren (sîn)
‘minderjährig (sein)’
sô mac her ir geben einen knecht oder eine magit, die binnen iren jâren
sîn SSp (W)
1:20,1;
munechet man aber ein kint binnen sînen jâren, ez mûz wol binnen sînen
jâren ûz varen und beheldet lênrecht und lantrecht ebd.
1:25,2.
1:23,1
4.7
ze sînen (vollen) jâren komen
‘erwachsen, volljährig, mündig werden’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 236f.
mit weiteren Belegen):
ieglîch cristen mensche sol suochen drîstunt in dem jâre
daz bûteidinc [Sendgericht] , sô er ze sînen vollen
jâren komen ist, daz ist sô er einez unde zweinzic jâr alt ist
SpdtL
82,2.
90,6
u.ö.;
ein juncherre, der zu seinen jarn nicht chömen ist, daz ist über
vierzechen jar StRWien
15;
dennoch hette Priam / rechte drizzic kint, /
[...]. / sie warn zv irn iaren kvmen / vnde starg
an irme libe Herb
1720;
daz kint was niht ze sînen jâren komen
EnikFb
2102.
2125;
Spec
1,22;
Lanc
25,31;
Mühlh
136,16
u.ö.
– von Drachen:
koment si [die würme
] zuo ir jâren, in tuot der hunger wê: / sô wæne ich, in dem
lande vor in iht bestê OrtnAW
494,3
4.8
sîniu ~ verslieʒen, verenden
‘sterben’
daz ich in der zuoversiht diu mîniu jâr verslîze
KvWLd
32,347;
sus wârn verendet sîniu jâr Wig
8323;
RvEBarl
1514
4.9
~ unde tac
4.9.1
rechtssprachl. als Frist (auch ein ~ unde ein tac; vgl.
2HRG 2,288ff., LexMA 5,279; s.a. DRW 6,403f. mit weiteren
Belegen):
swa sich zwai elute gesament, stirbet der eins, eê
jar und tak furkumt, mit swelhen gedinge die zesamen komen sint, daz sol
staete sin StRAugsb
143,25;
di weri sal ste iar unde tac Mühlh
129,12
u.ö.;
swer einen totslac tuͦt,
[...] der sal die stat rumen in achte tagen jar
und tac uz der stat ze sine WüP
7b,3
u.ö.
–
da myn herre der konig die
keitunge [d.i. keitivige
‘unglückliche’
] jungfrauwen in syn beschirmung nam ein jare und einen
tag Lanc
308,21;
bin eimi iari undi bin eimi tagi nach uris vatir
toidi Mühlh
132,1
u.ö.
4.9.2
allg. für eine längere Zeitspanne (auch manic
~ unde tac; nicht immer scharf vom rechtssprachl. Gebrauch zu
trennen):
nu wert is iar vnde dag / daz uil manic man lac /
indeme kerkenere / vnde qualitin sich sere Roth
430.
724;
si clagte jar und tag / Liguridim di rainen / mit
manigem haissen wainen HvNstAp
15210;
da wonete der herre guͦte / manic iar vnde tac
Ägidius
281;
KvHeimUrst
698
4.10
der genâden ~
übertr. für Christus (vgl. Is 61,2; Lc 4,19):
wen er di genade ist / vor aller unser sunden mist / und ist der genaden
jar, / der sich uz der arken clar / der werlde bar czu troste
TvKulm
1659.
2940
4.11
sprichw. (?) ander ~ , ander guot
‘neues Jahr, neues Glück’
wir sulen wesen hochgemut. / ander jar, ander gut. / reuwik herze sol win
han. / ich han ouch gutes vil vertan / und lebe bi den leuten noch
Jüngl
492
MWB 3,1 49,63; Bearbeiter: Hansen
jârâ, jârîâ
Interj.
auch jârîach, ierâ.
intensiviertes jâ (auch in Zusammenstellung mit diesem), häufig einen
Satz (eine Frage) einleitend
1 zum Ausdruck von Gefühlsbewegung 1.1 insbes. Leid, Klage, Verzweiflung 1.2 Zorn 1.3 Verwunderung 2 zur Bekräftigung, Bestätigung
1
zum Ausdruck von Gefühlsbewegung
1.1
insbes. Leid, Klage, Verzweiflung:
jâriach [La. u.a. owe
] , ir sît betrogen. / sich hât etwer angezogen / engels bilde unt
namen, / der uns schaden unde schamen / gefrumet mit sînen listen hât
KvFuss
481;
‘dû maht sîn niht vermîden; / dise nôt muostû lîden, /
[...].’ / diu sêle sprach ‘jarîâ!’ / sâ zehant
wâren dâ / die unreine geiste / [...] / und quelten sî
mit vlîze Tund
879;
‘jarâ jâ,’ sprach dô Wolfhart, / ‘daz wir die hervart / ie geriten an den
Rîn!’ Bit
7873;
‘jârâjâ’, sprach Hagene, ‘waz haben wir getân!’ NibB
477,3;
jâriâ, waz sol sîn werden? Priesterl
49;
Roth
2856.
3046.
– mit Gen.:
iaria der chlæglichen zeit, / swer mit der werlde tot geleit
Warnung
3013
1.2
Zorn:
dô sprach der künic rîche / vil harte zorniclîche: / jâriâ, dû vil armer
man, / wie hâstu sus an dir getân? / dû hâst harte missedâht, / dich hât dîn
ungelücke brâht / zuo dem bœsen muote, / daz enkumt dir niht ze guote
LBarl
588
1.3
Verwunderung:
si rufften alle ‘jara ja, / was pedeuttet dise geschicht?’
HvNstAp
18796
2
zur Bekräftigung, Bestätigung:
dô sprach der edel voget guot / ‘der rîche got müez uns bewarn!’ / ‘jarâ jâ’
sprach Wolfhart Virg
896,1;
jarâ jâ ich muoz mich wern ebd.
899,11.
898,11.
1038,7;
jâra jô, den ahselnotten [ein Tanz]
/ kan er wol ze prîse, / [...]; / hôher sprüng ist er ûf
anger wîse SM:Go
2a: 7,7;
jara ja! / bistu der boten ainer / der von mir nie dehainer /
lebent wart gelazen, / des muͤzen sin verwazen / die dich da her gesendet haben
WhvÖst
5224;
ich gedaht: ‘heylalle, yeia iera! / west ich waz nu griffen an, / daz ich nit
wuͦrde der sinne wan!’ MinneR 480
10
MWB 3,1 53,26; Bearbeiter: Hansen
jârbëte
stF.
‘jährlich zu entrichtende Abgabe’
absolvimus [...] ab omni onere servitutis: precariis
consuetis, que iarbede dicuntur DRW
6,409
(Gudenus, CDMog.; a. 1274)
MWB 3,1 53,62; Bearbeiter: Hansen
jârbuoch
stN.
nur im Pl.
Aufzeichnungen, in denen die wichtigsten Ereignisse eines Jahres festgehalten
werden, ‘Jahrbücher, Annalen’ (vgl.
jârgeschihtebuoch
):
die clugen den geruchen / schriben in den jarbuchen / waz dem kunege entstet /
und waz er selbe beget Secret
1276;
vgl.:
in der Juden annalibus / (daz spricht zu tutsche alsus / ‘in
der jar buͦchen’ HvNstGZ
6028
MWB 3,1 54,1; Bearbeiter: Hansen
jârbuoʒe
stF.
(ein Jahr dauernde) Strafe für schwere Vergehen (nach den Statuten des Deutschen
Ordens; vgl. auch DRW 6,410 mit Lit.):
dô der pâbist diz vornam, / in sô grôzin zorn er quam, / daz
er den selbin Hartman / gebôt der meistirschaft irlân / und in in dî jârbûze î /
setzin NvJer
10479;
wir setzen, daz man alle die brûdere mit der iârbûze bûze, dî
dâ wider ires ordenes gesezzede sich anderswâr berûfent oder appellîrent
StatDtOrd
61,10;
sô sal er in alle wîs bûzen, alse an der iârbûze geschrîben
ist ebd.
82,38
u.ö.
(
zur Ausgestaltung vgl. insbes.
85,11ff..
88,17ff.
)
MWB 3,1 54,9; Bearbeiter: Hansen
jârdienest
stM.
Dienst, Arbeitstätigkeit für die Dauer eines Jahres:
swie sô sie daz [Lohn] umbe dich verdienet hânt mit
ir jârdienste als dierne unde knehte oder hirte mit sîme stabe oder tresche mit sîme
flegel PrBerth
1:90,12
MWB 3,1 54,21; Bearbeiter: Hansen
jardîn
M.
‘Garten’ (aus afrz. jardin, vgl. Suolahti 1,111):
si gie [...] in ein jardin, da
gruͤnes gras / der meye durch vræude het gestecket TürlArabel
*R 238,10;
nu nam div kuͤngin zehant – / der triwe si vil stæte vant – /
besunder vier emeralin [heidnische Fürstinnen] , / vnd gie
von dan in ein jardin ebd.
*R 116,8
u.ö.
MWB 3,1 54,26; Bearbeiter: Hansen
jârdinc, jâr(ge)dinge
NMF.
jährlich oder mehrmals jährlich zu bestimmter Zeit gehaltenes Gericht (vgl. DRW
6,411f. mit weiteren Belegen; s.a.
jârgerihte
):
advocatus habebit etiam tria condicta in anno, que dicuntur jardinc
UrkDOHess
1:139,31
(a. 1262);
darumb geloͤven ich ieme [dem Probst]
[...], dat ampt [des Boten]
vortme zuͤ vordenene [d.i. verdienen
‘dienend leisten’
] bit minz selviz live [...], suindirlich zuͤ
der jairdingen UrkMoselQ
521,6
(a. 1329);
dat wir [...] sîn geweist in dême refentere zuͦ
muͦnstere und dabof beseßen hain einen jairdingh ebd.
521,39
(a. 1344; kopial M.14.Jh.);
UrkMeissen
1,149
(a. 1256);
coloni, [...], nostro cottidiano iudicio de quindena
in quindenam et eciam tribus vicibus in anno, quod vulgariter jayrgedinge dicitur,
se tenebantur presentare RegErzbKöln
3(2),293
(a. 1301)
MWB 3,1 54,33; Bearbeiter: Hansen
jâregelîches
Adv.
→
jærgelîches
MWB 3,1 54,50;
1jâren, jæren
swV.
1 intr. ‘alt werden, zu Jahren kommen’ (vgl.
bejâren
) 2 tr. ‘etw. alt werden lassen, erhalten’ (nur passivisch) 3 refl. rechtssprachl. ‘volljährig, mündig werden’
1
intr. ‘alt werden, zu Jahren kommen’ (vgl.
bejâren
):
als div zarten kint / div spil vogil [
‘Spielvögel’ (bildl.)] ir muoter sint / so si ir willen
varent / mit zvht mit tugenden iarent Martina
23,10;
gar min leit daz muͦz da hin, / swanne din lip gejaret, / der
wol dem glich gebaret / daz gar din ellen richet Rennew
11707;
daz ir so wol gejaret bint [seid]
/ und iwer oͤrsh in spruͤngen gat, / dem grawen hare daz niht stat ebd.
35196;
getaget unde gejâret, / gebartet unde gehâret, / alsô diu
wâren gotes kint / und wallære [Pilger] dicke sint
Tr
2625;
ez [das lob
] ist so gejaret [gereift] , / daz ich die
werden loben wil Frl
5:12,4
2
tr. ‘etw. alt werden lassen, erhalten’ (nur passivisch):
des wirt iwer sælicheit vil lank gejaret JTit
5159,4
3
refl. rechtssprachl. ‘volljährig, mündig werden’
hât ouch der herre des kindes guot ze gelde lâzen ê daz ez sich gejære, der
herre behaltet die sât unde niht den bodem SchwSp (W)
183,7.
183,2;
jâret ez [das kint
] sich aver nâch den rehten zinstagen, daz gelt des guotes hât ez
verlorn SpdtL
215,11;
unz sich daz kint gejâret hât ebd.
216,10
u.ö.
MWB 3,1 54,51; Bearbeiter: Hansen
2jâren, jæren
swV.
‘jmdn. aufhalten’
doch wart in für und wider / ûf dem weg und ûf dem plân /
manic snellez rennen getân / mit bogen ûf siu. / daz teten si umbe diu, / daz man si
jârt sô lange, / unz daz man die gevangen / bræhte ab der strâz Ottok
77344;
daz si si nie kunden / sô vil gejæren an den stunden ebd.
77349
MWB 3,1 55,10; Bearbeiter: Hansen
jâres
Adv.
erstarrter adv. Gen. Sg. von jâr.
1
‘jährlich, jedes Jahr’
2
‘übers Jahr, das Jahr hindurch’
1
‘jährlich, jedes Jahr’
im gap der künic ze lône / ein meigertuom in sîne gewalt, /
daz jâres vierzic pfunde galt KvWTroj
5724;
ein gelt gab er im unde lêch / daz jâres galt zweihundert marc
KvWHvK
739;
zuelf man oder me [...], die ime iores diene muͦgen
zeihin phunth heller UrkCorp (WMU)
1373,23.
360,14
2
‘übers Jahr, das Jahr hindurch’
in gastes wîs ich jâres maniges edelen guot gewinne Unverzagt
3:4,3;
nâch wem haben die [
herren
] gesant, / der grôz guot jârs mit in verzer? Renner
2205
MWB 3,1 55,17; Bearbeiter: Hansen
jârgedinge
stN.
→
jârdinc
MWB 3,1 55,29;
jærgelîche
Adv.
‘jährlich’
iargelich iteniwet er [Schlange]
sich unde lât sîne alte hût Spec
101,10;
wir setzen ouch, daz alle dî ambehtlûde, dî mit dem grôzen
capitele gesetzet werden, daz die iêrgelîche ir ambeht ûfgeben in deme capitele
StatDtOrd
96,36;
umbe fiunf shillinge haller phenninge ze zinse an sante Michels tage jergelich
dem selben closter ze gende UrkWürtt
9,237
(a. 1288);
PrSchw
1,81;
RvEBarl
5047
MWB 3,1 55,30; Bearbeiter: Hansen
jærgelîches, jâregelîches
Adv.
‘jährlich’
wir wellen oͮch den selben spital [...] fri machen
vor stuͥre, vor wahte, vor zinse unde vor anderen rehten, die
[...] unserme herren [...] von
der hovestette, da der spittal uffe stat, iaͤrgeliches gen oder gevallen solten
UrkHeilbr
29,30
(a. 1306);
der hvͦben gith îegelichv iaregiliches ahte vierteil gutes roken vnd drie
kappen UrkCorp (WMU)
N819,16;
sô sal der nêheste lantcommendûr der hûser eines
[...] darzu bescheiden, daz man dâ inne des meisteres
iârgecît [Totengedenktag] begê iêrgeliches
StatDtOrd
90,27;
ouch sulen dî landescommendûre iêrgeliches zu einem mâle grôz
capitel halden ebd.
102,24
u.ö.
MWB 3,1 55,39; Bearbeiter: Hansen
jârgëlt
stN.
‘jährliche Einkünfte’
ein iclich dinstman der hundert mark jargeldis hat UrkLandfr
24
(a. 1338)
MWB 3,1 55,53; Bearbeiter: Hansen
jârgerihte
stN.
jährlich oder mehrmals jährlich zu bestimmter Zeit gehaltenes Gericht (vgl.
jârdinc
):
der selbe kelner hat och einen acher, von des wegen er sol geben einem vogte
ze meyen ein imbis und ze herbst ein imbis, so er dar kumet zuͦ den jargerichten
UrbHabsb
1:252,21;
daz die rihter von dem tal soͤllent kommen zuͦ den vier jorgerihten zuͦ Baden
UrkCorp (WMU)
1047,23
MWB 3,1 55,56; Bearbeiter: Hansen
jârgeschihtebuoch
stN.
nur im Pl.
Aufzeichnungen, in denen die wichtigsten Ereignisse eines Jahres festgehalten
werden, ‘Jahrbücher, Annalen’ (vgl.
jârbuoch
):
daz Jêsus ze kriuzigônne gefüeret wart und daz kriuze muoste tragen. in der
Ebreischen alten jârgeschihtebuochen WvRh
Überschrift vor 9662
MWB 3,1 56,1; Bearbeiter: Hansen
jârgewande
stF.
auch -gewant (:vant); vgl.
jârgezil
.
1
‘Jahresverlauf, Jahr’
2
‘Jahrestag’
1
‘Jahresverlauf, Jahr’
nu was ez in der jargewant, / daz man an der zale vant / von Cristes geburte
fuͦr alwar / zwolf hundert funf unde zwenzic jar Elis
3461
2
‘Jahrestag’
di brudere [...] / begent di frouwen heren /
[...], / ir mettene unde ir dagezit, / wanne ir
jargewande lit, / mit der melodien, / der selben armonien, / wi si irs vater hochzit
/ begent Elis
9948
MWB 3,1 56,8; Bearbeiter: Hansen
jârgezal
stF.
‘Anzahl von Jahren’, hier ‘Zeitraum, Zeitalter’
vort nu hi man merken sal / daz van der kunge iargezal / uber Judam und
Israhel / daz ich uz irer rede wel, / der propheten wol echtig, / mit der rede doch
zweitrechtig HistAE
2486
MWB 3,1 56,17; Bearbeiter: Hansen
jârgezil
stF.
vgl.
jârgewande
.
1
‘Jahresverlauf, Jahr’
2
‘Jahrestag’
1
‘Jahresverlauf, Jahr’
iz was ouch in der jargezil, / wer nach der zide fragen wil, / da man schreib
fur allewar / von Crist geburte tusent jar, / zwei hundert funfe unde drizic
Elis
9921
2
‘Jahrestag’
wer gerne wesen flizic / zu der rechenunge wil, / der findet wol di jargezil /
in dem meie, alse ich e las, / an septimo kalendas Elis
9928
MWB 3,1 56,22; Bearbeiter: Hansen
jârgezît(-)
→
jârzît
(-)
MWB 3,1 56,30; |