1dult
stF.
auch dolt.
1
‘Langmut, Geduld im Leiden’
2
‘Leid’
1
‘Langmut, Geduld im Leiden’
kumit dir ein leit zcu handen / vnd mac dirz nicht wol
geandin, / da zcu saltu dine dult kerin Elmend
A 843;
ob her û is von herzen holt / und er mit manlîcher dolt / in sîme herzen minne
treit En
1596;
muoter, nû habt iuwer dolt / und lebet sanftes muotes Volrat
86.
– als christl. Tugend:
die cristenliche minne, / dult unde demuot
SüklV
762;
[die Minne] an daz cruce bant / mit willeclicher dulde
/ vor unser alden schulde / Jhesum Cristum, den heilant, / gotis sun
Daniel
5211;
uf daz mir [im Martyrium] also wurde / die
kraft der heiligen dult Pass III
183,48
2
‘Leid’
ez ist im selb ein jamers duld / und ein uͤbel
Teichn
246,100
MWB 1 1390,58; Bearbeiter: Diehl
2dult
stF.
→
tult
MWB 1 1391,8;
dultec
Adj.
‘geduldig’ (überw. präd.):
si waz dultich, swie dikch si gestroffet wuͤrd
PrOberalt
62,31;
vnd sol man gar gehorsam sin vnd gar dvltig, tvͤmotig,
sitic, maͤzzig, andethic vnd emzig an dem gebet SpitEich
41,24;
waz ir unrechtez geschach, dar zu waz si gar duldic HlReg
87,9.
–
‘langmütig’
herre got genædiger und baremherciger dultiger
[
patiens
] und uil genædich PsM
85,15.
–
~ sîn mit Akk. ‘etw. ertragen, auf sich
nehmen’
ich bin, der die manslaht begie, / [...] / und sol
ouch billich duldic / sîn des gerihtes strâfen HvBer
5960.
1347
MWB 1 1391,9; Bearbeiter: Diehl
dultecheit
stF.
‘Langmut, Geduld im Leiden’
swer minnen wil die dultekeit, der hüete sich vor zageheit, / daz er dultec sî
durch got, / niht durch der zageheit gebot WälGa
10057;
tvͤmvtighait und tvltikait in vngelvke vnd in siechtag
SpitEich
36,15.
42,18;
gott wil in göttlichen rautt / geben, wer dulttekaitt / in
sines hertzen schrine traitt GTroj
241
MWB 1 1391,21; Bearbeiter: Diehl
dulteclich
Adj., Adv.
adv. auch -lichen.
‘geduldig’
daz wir daz himelrîche / erwerben sicherlîche / bî duldeklîcher zer
Walth
77,39;
BrZw
68.
– überw. adv.:
vrowe, ein dinc sal ich u sagen, / woldet ir iz duldecliche
tragen, / daz u vil liep were GrRud
I 17;
daz er sölhen ungemach / leit sô dulticlîchen / durch got den
vil rîchen EnikWchr
13349;
daz sol er dvldiclichen liden BrHoh
4
MWB 1 1391,29; Bearbeiter: Diehl
dulten
swV.
1 intr. ‘dulden, leiden’
2 tr. (meist mit Akk.d.S.) ‘etw. (jmdn.) erdulden’
2.1
‘etw. ertragen, erleiden’
2.2
‘etw. auf sich nehmen, bewusst ertragen’
2.3
‘etw. zulassen, geschehen lassen, hinnehmen’
2.4
‘etw. als angenehm empfinden’ (oft gemach
~
) 2.5 mit Akk. und präp. Erg. ‘etw./jmdn. als etw.
anerkennen’
1
intr. ‘dulden, leiden’
daz der ze rehte dulten sol / der ê gerihte in hôher dol
RvEBarl
10627;
so wil ich üch es wissen lon, / wie ich doch dulde schwere
GTroj
6265.
– phras. ‘wer siegen will, muss dulden’ (vgl. TPMA
2,317):
sus ein pôêta spricht: / [...] / swer dâ dult,
der vint den sic; / wiltû gesigin, duldin pflic! NvJer
2248
2
tr. (meist mit Akk.d.S.) ‘etw. (jmdn.) erdulden’
2.1
‘etw. ertragen, erleiden’
wir alle dulten den tot Hochz
871;
von ir dulde ich ungemach, / manig ‘ach’ /
füeget mir diu reine SM:WvT
3: 3,1;
wann er das ryten nit kund gedulden Lanc
193,33;
daz er darumbe fürbaz / Apollen und Machmeten haz /
nimmer mêr gedulde / umb die selben schulde Ottok
49013.
– mit Nebensatz:
wan diu vil leider dulten sol, / swaz der lîp alhie
getuot, / ez sî übel oder guot RvEBarl
14850;
so sol der siechmaister dvlden vnd helffen, swaz den hof anget
UrkCorp (WMU)
3583,37;
nu duldet doch das es vor uch hange an uwerm
sattelbogen Lanc
145,14.
– mit Akk.d.P. ‘jmdn. dulden’
jst aber, daz der herre den [...] in dem land
dvldet UrkCorp (WMU)
1312AB,26
2.2
‘etw. auf sich nehmen, bewusst ertragen’
daz ichz von ir hân / und ich durch triuwe dulde daz. /
so müezze mir niemer werden baz, / liezze si mich SM:Had
49: 2,5;
daz ir mîn ungemach / sô wildiclichen duldet, / daz hân
ich unverschuldet KvWSchwanr
921;
ich bin bereit, / daz ich des kampfes arebeit / wil dulden
unde lîden ebd.
699
2.3
‘etw. zulassen, geschehen lassen, hinnehmen’
süntlîcher sin / begunde wahsen ouch an in. / des dulte
gotes zorn niht mê RvEBarl
2069;
unreht ich kûme dulde / und mac sîn niht gelîden
KvWSchwanr
642;
wer hete dannoch [gegen die Überzahl der
Gegner] die kraft / erne dulte meisterschaft [ihren
Sieg] ? Iw
4084;
Wig
4160.
–
‘das Recht anerkennen’
daz daz selb gvt dehein reht dulden sol wan vor der herren beider rat
UrkCorp (WMU)
1411,8;
swelich edel man vnsern burgern gelten sol, der sol daz reht dvlden
vor vnserr stat sachwalt ebd.
2383,33
2.4
‘etw. als angenehm empfinden’ (oft gemach
~
):
daz ich dulte alsolch gemach Parz
185,8;
daz er des armen sêle sach / dulten êweclîch gemach: /
dem was wol und im vil wê RvEBarl
3412;
Vät
39524;
Pass III
231,34;
[sie] gabin des eine gelichnisse bi deme lawen suze
daz duldet di zunge gerne SalArz
7,9
2.5
mit Akk. und präp. Erg. ‘etw./jmdn. als etw.
anerkennen’
das man fúr guͦt oͮch dulde mich
RvEWh
2163;
des was in solher mâze vil / daz ich für guot ez dulden wil RvEGer
1142;
si wolden fürbaz niht / sweren noch hulden, / noch ze
herren dulden / die hêrschaft von Ôsterrîch Ottok
92296
MWB 1 1391,37; Bearbeiter: Diehl
dultunge
stF.
‘duldsames Leiden’
den dultungen
[
passionibus
] Cristis dur gedulti wir
tailuankin BrZw
Prolog
MWB 1 1392,27; Bearbeiter: Diehl
dulz
Adj., Adv.
‘süß, angenehm’ (aus afrz. dolz, vgl. Suolahti
1,82):
si gap mir an ir den pris, / daz ich waere ir dulz amis / mit
dienste disen meien Tannh
3,16;
von amure seit ich ir, / daz vergalt si dulze mir ebd.
3,86
MWB 1 1392,30; Bearbeiter: Diehl
dûme
swM.
‘Daumen’
den vumften vinger nenne ich rume, / her heizet pollex der
dume / der ist der kurste sunder schrei / und hat nicht denne gelede zwei
Brun
3756;
dâ was ein cleinez snuorlîn / [...].
/ dâ hæte diu schœne în geslagen / ir dûmen von ir linken hant Tr
10939;
swa man einen seckelsnider begrifet an der hantgetat
[...] uber den sol man also rihten daz man im den
gerehten dumen sol abeslahen StRAugsb
125,1;
UrkCorp (WMU)
2302,42.
– als Maßangabe (im Gen.):
nym denne eynen stekken, eynis dumyn dicke
Albrant
3,4;
dar ob man sach dú braͤwelin / haben ainen under
schaid, / sich, nach aines dumen brait SHort
7086.
– sprichw. (vgl. TPMA 2,179f.):
wil sich einer in dem hanfe [beim
Spinnen] iht sûmen, / der bedarf zer rehten hant des tûmen
SM:Go
1: 4,11;
habet ouch den dumen in der hant! [macht eine Faust - i.S.v.
‘bewahrt die Herrschaftsrechte’, vgl. FrlWb S. 68]
Frl
8:1,11.
– als Bestandteil von Personennamen:
Charel vnd Albreht, die Davmen UrkCorp (WMU)
1209,6,38
MWB 1 1392,35; Bearbeiter: Diehl
dûm|elle
swF.
Längenmaß (meist Distanz vom Ellbogengelenk bis zur Daumenspitze):
pigmêi, diu sint zwaier daumellen lanch BdN
490,36;
alle die wîle unde sich der man verwalten mac, daz er
[...] ûf ein ors komen mac von einem steine oder von
einem stocke einer dûmellen hôch sunder mannes helfe SpdtL
144,2;
zwen baum stunden in India / [...] /
hoch wol hundert duͦmen eln HvNstGZ
1824
MWB 1 1392,56; Bearbeiter: Diehl
dûm|ellenbreit
Adj.
‘eine dûmelle breit’
an gezierde daz bette niht was betrogen, / mit lîsten rîch dûmellenbreit, /
vil steine rîch darîn geleit ErnstD
2399
MWB 1 1393,1; Bearbeiter: Diehl
dûm|ellenlanc
Adj.
‘eine dûmelle lang’
er maz des wurmes füeze, [...]: / die klâ vor dem
riste wârn dûmellen lanc WolfdA
592,4
MWB 1 1393,4; Bearbeiter: Diehl
dûmen
swV.
1 Part. Prät. als Alternative zu dûmelle 2
‘mit Daumenschrauben foltern’
1
Part. Prät. als Alternative zu dûmelle:
zweier getúmder eln lanc RvEWchr
1505
2
‘mit Daumenschrauben foltern’
dar uf fing man ir etwie vil und kesteget sü sere mit dümende ClosChr
127,15
MWB 1 1393,7; Bearbeiter: Diehl
dûmen|geleich
stN.
‘Daumenglied’
were oͮch, das der burger wndot den selder [Häusler,
Dörfler ohne Landbesitz] vnd dû wnde alse tief ist, das si gat an
das erste tûmengelêch UrkCorp (WMU)
1295,14
MWB 1 1393,12; Bearbeiter: Diehl
dumme
Subst.
entstelltes domini in Verballhornungen der relig. Eingangsformel
in nomine domini:
in nomine domini [La. nomine dvmme
] , ich
wil beginnen, sprechent âmen Walth
31,33;
in nummer dummen amen, / wer hat diz gesehen mer, / daz eins kuneges dohter
her / spinnet wollen umme lon? Elis
7070;
in nummer dumme nâmen! du wirdest nimmer vehtens sat OrtnAW
418,4
MWB 1 1393,17; Bearbeiter: Diehl
dumpfe
swM.
Bed. unklar, verschiedene Vorschläge ‘Dampf des aus dem Körper strömenden
Bluts’ (Pfeiffer, NvJer. S. 140); ‘Lebenshauch
(anima)’ (Bech, NvJer., S. 95);
‘Atemnot’ (ebd. S. 95, vgl. auch Johansson, NvJer., S.
228f.):
daz houbit lîz er ligin dâ / und lîf den andrin nâ / vaste mit dem strumpfe
[Rumpf] . / zu jungist im der dumpfe / bestûnt mit
alsulchir nôt, / daz er vîl dânidir tôt NvJer
11768
MWB 1 1393,25; Bearbeiter: Diehl
dumpfec
Adj.
‘verschleimt’
daz cruͦt [Kresse] gesoten
mit zigenmilch, oder der same, daz ist gut getrunken, swen di brust dumpfech ist
Macer
44,12;
heilsame trenke den, di dumfic warin, unde ouch den kichenden
ebd.
52,5
MWB 1 1393,34; Bearbeiter: Diehl
dumpfen
swV.
Bed. unklar, wohl kaum ‘unterdrücken’ (Lexer 1,475),
möglicherweise ‘rauchen’ übertr. ‘in Erregung
geraten’
eine huben von zindale / truͦch er zallem male, / da er die oren under
stach, / vnz sie der knecht eines sach, / der ime ze soumende phlach. / vnd alse der
nicht verhelen mach, / vnde torste doch nicht ruͦge / daz sin herre
truͦge / eines esels oren an, / der knecht dvmphen began, / solder die melde
laze, / vnde gienc sine straze AlbvHalbB
49
MWB 1 1393,39; Bearbeiter: Diehl
dunc
stM.
‘Vermutung, Meinung’
min dunck, min sin unde min muͦt / hat sine volge gesworn / unde iuch
ze wunnen mir erkorn Ainune
146;
in wane ein künig, nach dunke ein man Frl
11:10,11.
7:19,11;
der iemer nâch dem wunsche schœnes wîbes solte vâren, / der
kunde sî nach mînem dunke schœner niht gemachen SM:UvS
17: 1,9;
Reinfr
1951;
HlReg
81,29;
Seuse
301,1
MWB 1 1393,49; Bearbeiter: Runow
duncnisse
stF.
‘Meinung, Urteil’
die obersten krefte der sêle zückent ire duncnüsse ûzer dem wesenne der gnâden
Eckh (Pf)
515,10
MWB 1 1393,57; Bearbeiter: Runow
dünec
Adj.
unklar (wohl zu donen, vgl. Anm.z.St.) ‘sehnsuchtsvoll,
erregt’
kan dich die minne machen dünic, / die kiusche in reinen sinnen spünic
Frl
5:25,13
MWB 1 1393,60; Bearbeiter: Runow
dünen
swV.
‘donnern, ein Getöse machen’
oy wî dî wîfini clungin, / dâ dî marih cisamine sprungin! /
[...] / derde diruntini [die Erde
drunten] diuniti Anno
27,5;
Widolt vnde Grimme / liefin in deme ringe / die riesin do
tvnidin / daz die erde bibite Roth
5056;
bediu brunne unde schilt, / daz wart allez enzwai gecilt. / si sluͦgen,
daz ez tunte Wenzl
345
MWB 1 1394,1; Bearbeiter: Runow
dünke
stF.
‘Vermutung’
diu frouwe / ersach, daz er der schœnste was. / alsus ez ir ir dünke maz, / er
wær sô werder minne wert HvBer
1573
MWB 1 1394,9; Bearbeiter: Runow
dünkel-
‘eingebildet, Schein-’
erstes Glied von Adj.- und Subst.-Komposita (vgl. Bech, Marner, S. 387),
vorwiegend in Texten aus dem md./nd. Übergangsgebiet (vgl. das nd. gut bezeugte
dunkelgût, Schiller/Lübben 1,597, das auf analoge Bildungen
eingewirkt haben könnte); im Einzelfall nicht sicher abzugrenzen vom Adj.
tunkel
MWB 1 1394,12; Bearbeiter: Runow
dünkelbiderman (?)
stM.
‘scheinheiliger, nur in seiner Einbildung vortrefflicher Mann’
(oder zu tunkel Adj.? Vgl. FrlWB 379):
nu merke, tunkel biderman, / [...] / din erenhenne
kret, so krotzelt din han Frl
8:25,1
MWB 1 1394,19; Bearbeiter: Runow |