dëgenschaft
stF.
‘Kampfkraft, Kampfgeschick, Heldenhaftigkeit’
er sluoc mit sölher degenschaft / ûf die herten ringe, / als
fiurîn urspringe / dâ wæren ensprungen UvZLanz
2588
MWB 1 1248,24; Bearbeiterin: Baumgarte
dëgerlîchen
Adv.
‘vollständig, gänzlich’ (vgl. nd. dëger):
alse der mensche ane hebet, so sal he digerlichen durchvaren und durchsehen
alle die winkil sinre selen Seuse
529,16
MWB 1 1248,28; Bearbeiterin: Baumgarte
degradieren
swV.
‘jmdn. in seinem Rang herabsetzen’
dorumb wolt pabst Innocencius den selben pfaffen degradiert haben
SächsWchr
Forts. 325,6;
ân die di der apt von hohem rat hat für gesetzet
[...] oder die er hat degradirt von rechten sachen, die
andern alle samt süllen sein dar nach alz si bechert sint [in der
Reihenfolge, in der sie ins Kloster eingetreten sind]
BrAlt
63
MWB 1 1248,32; Bearbeiterin: Baumgarte
dehein
Indef.-Pron., Pron.-Adj.
auch dekein (s.a. →
kein
und →
nehein
); adj. Verwendung (meist attr.) überwiegt deutlich;
pronominale Verwendung fast immer mit Angabe der Bezugsgröße (meist durch Gen. partit.,
seltener durch ein präp. Attr.), selten als einfaches rück- oder vorausweisendes
Indef.-Pron.
1
‘irgendein(er)’
1.1 im nicht verneinten Satz: pron. 1.2 im abh. Satz, der einem durch ne und/oder niht verneinten Satz untergeordnet ist 1.3 im durch nie oder niemer verneinten Satz 1.4 im verneinten Satz, wenn etw. anderes als das Bezugswort von dehein in Abrede gestellt wird 2
‘kein(er)’
2.1 im durch ne und/oder niht verneinten Satz 2.2 im durch niemer verneinten Satz (vgl.
1.3
) 2.3 im abh. Satz, der einem durch nie verneinten Satz untergeordnet ist
(vgl.
1.2
) 2.4 im nicht verneinten Satz: pron.
1
‘irgendein(er)’
1.1
im nicht verneinten Satz: – pron.:
swâ man vant deheinen, der riter solde sîn / von art der
sînen mâge, [...] diu ladet’ man zuo dem lande
NibB
28,1;
dv bist gnediger dan ir decheiner Litan
529;
gat aber vnder den drien dukeinre abe, da sol man ein andern nemen an sine
stat UrkCorp (WMU)
N85,35.
– adj.:
der âre vliuget hoher denne dehein uogel
Spec
119,19;
hete ich nu dehain man / der reche minen anden!
Rol
8012;
wa geschach ie deheim man baz? UvZLanz
4291;
sîn herze dâ von vreude vie /
als [weil] im dehein manheit / ze tuone wart
vür geleit Wig
3423
1.2
im abh. Satz, der einem durch ne und/oder niht
verneinten Satz untergeordnet ist:
daz ne saget uns nehein pûch
[...], / daz deheiner sô rîche wâre, /
[...] / sô der wunderlîche Alexander
VAlex
38;
doch gedâht er an einen schaden, / daz er niht überwunde /
den spot den er vunde, / sô er sînen gelingen / mit deheinen schînlichen dingen
/ ze hove erziugen möhte Iw
1526
1.3
im durch nie oder niemer verneinten Satz:
swaz dînes liehten antlützes was, / dar an gewuohs noch
nie dehein gran Wh
67,15;
küener videlære wart nie dehein NibB
1834,2;
nimmer wirt dehein tac / man sehe vür daz hûs gân / ein
tier, daz ist sô wol getân Wig
3851;
der selben [Bücher] hân ich
einez, / daz süezer nie deheinez / von menschen geschriben wart
KvHeimHinv
74.
– mit weiterer Negation:
da negenas nie dehain bárn: / si ertrancten sich
selbe Rol
7063;
da enwirt nimmer vinster, da enwirt niemer dehain
vnsenfte von froste noch von hicz Konr
20,70
1.4
im verneinten Satz, wenn etw. anderes als das Bezugswort von dehein
in Abrede gestellt wird:
got enist niht ein zerstœrer deheines guotes, sunder er
ist ein volbringer Eckh
5: 288,10
2
‘kein(er)’
2.1
im durch ne und/oder niht verneinten Satz:
– pron.:
er sunterôte drîer tage vrist / al sîn
quorter [Herde]
[...] / von den Jacobes vehan
[...] / daz tet er umbe daz daz Jacobe newurde
deheinez Gen
1398;
ir deheiner mohte von dem strît / niht enpfaren
Wh
327,18;
irn was iedoch deheiniu alt Iw
6194.
– adj.:
helt, dûne hâst deheinen prîs, / ob dû mir nimst mîn
halbez leben Wh
79,22;
sîne rou dehein daz guot / daz sî an in hete geleit
Iw
3728;
mich kan unstæte dehein ander wîp / ir niht gemachen
KLD:UvL
11: 5,3;
wir enhant uch dheynen willen arg zu thun diewil das
ir uns truw thúnt Lanc
72,30.
– in den Wendungen deheiner slachte/ hande/ leie
‘keinerlei’ und deheine(n) wîs/ wëc
‘in keiner Weise’
→
slahte
,
hant
,
leie
,
1wîse und
wëc
2.2
im durch niemer verneinten Satz (vgl.
1.3
):
wir sculen den sige zehoue pringen, / oder unser dehain
chumet niemir hinnen Rol
6024
2.3
im abh. Satz, der einem durch nie verneinten Satz untergeordnet ist
(vgl.
1.2
):
sô unsanfte ich nie gestreit
[...], / wand ich dir deheines schaden gan
Wh
86,30
2.4
im nicht verneinten Satz: – pron.:
ir gruoz im dâ deheiniu bôt Wig
7304;
daz was ir deheinem niwan Sîvride erkant
NibB
382,4;
des einen und dekeines mê / wil ich ein meister sîn
MF:Reinm
12: 5,1;
daz er im lihe ein ros zehant, / wand er dekeinez in daz
lant / mit im gefüeret hæte KvWSchwanr
980.
– adj.:
dehein dinc mich des erwenden kan Wig
1360;
im neher erbe niht was bekant. / er hette selbe deheine
kint Herb
123;
daz kom sô sêre in sînen sin, / daz er dekeines slâfes
phlac RvEBarl
627;
sît
[seid] im [Gott] in
vorhten vreuden vol, / daz got deheines zornes phlege ebd.
13661;
vnt daz dise [...] gotes gabe von deheinem
minen vrivnt [...] ze deheiner nachchvnftiger zit
mit deheiner vordervnge mvͤge zebrochen werden oder in deheinen
irresal iht chomen mvͤge UrkCorp (WMU)
N215,8
MWB 1 1248,40; Bearbeiterin: Baumgarte
deheinest
Adv.
auch dekeinest (s.a.
keinest
).
‘irgendeinmal, jemals’
swer sin selbis so virgizzit / das ers [das Kraut]
dekeinest izzit, / der wirt zehant so gemmelich [lustig]
/ das er ze tode lachet sih RvEWchr
2987.
23799;
ob sis deheinest bvdorfendv [bedürfend] werdent
UrkCorp (WMU)
3243,12
MWB 1 1249,56; Bearbeiterin: Baumgarte
dëheme
stswM.
auch dime/deime, dehtem/dehtum; bair. auch techel
(zur großen Varianz an Schreibformen und für weitere Belege vgl. DRW 2,746 und
2DWB 6,551).
Schweinezehnt (aus lat. decuma/ decima)
1
‘Abgabe für die Schweinemast in Eichen- und Buchenwäldern’
2
‘Recht, die Schweinemastabgabe zu erheben’
3
‘Schweinemast’
4
‘Zeit der Schweinemast’
1
‘Abgabe für die Schweinemast in Eichen- und Buchenwäldern’
de porcis [...] nullum dabunt pretium sive deheme
UrkWürtt
9,411
(a. 1291 kopial);
UrkCorp (WMU)
55,2;
swan auch âs wirt von akcherram in dem mitterholtz so sol man dem hertzogen
den techel geben von dem swein einen pfenning UrbBayS
4,100
2
‘Recht, die Schweinemastabgabe zu erheben’
ego [...] Eigelbertus episcopus
[...] tribuens ei [...]
tehemen in possessionibus suis UrkMichelf
25,104
(a. 1140/46);
waz der furgenante J. odir sin aldern [...] hatten in
dem dorfe zu Bessingen an gerichte an lude an deimen DRW
2,748
(Hs. ArchDarmstadt; a. 1343)
3
‘Schweinemast’
pastum porcorum quod dyme nuncupatur DRW
2,748
(Hs. Univ.-Bibl. Heidelb.; a. 1268)
4
‘Zeit der Schweinemast’
swann avch der techel wirt, so geit man ie von dem swein einen phenning
UrbBayS
4,47
MWB 1 1249,63; Bearbeiterin: Baumgarte
dëhemswîn
stN.
‘zur Eichelmast in den Wald getriebenes Schwein’ (vgl. DRW
2,750):
hii sunt porci, qui dicuntur techswein UrbSteierm
107
MWB 1 1250,22; Bearbeiterin: Baumgarte
dëhse
swF. , dëhsel
swF.
1
‘Queraxt, -beil’
2 möglicherweise ‘Spinnrocken’ (Lexer 1,416 und vgl.
dëhsen ) oder ‘Fichtenzweig, Fichtenbesen’
(Schmeller, BWB 1,482. 484 und vgl. samdehse ), swF.
1
‘Queraxt, -beil’
in der acches unde der dehselen hinewurfen si [interl. zu in
securi et ascia dejecerunt eam
]
PsTr
Ps 73,7
(= Vulg. 73,6);
ascia: dehsela Volucr(W)
350;
ascella: dehse ebd.
351;
ascia: dehsele VocBV287
3:678,21;
SummHeinr
1:250,284
2
möglicherweise ‘Spinnrocken’ (Lexer 1,416 und vgl.
dëhsen) oder ‘Fichtenzweig, Fichtenbesen’
(Schmeller, BWB 1,482. 484 und vgl. samdehse), swF.:
daz ein wib ein chalb rit, / daz wæren wunderliche sit, / ode rit vf einer
dehsen, / ode vf einem hvspesem / nach salze ze Halle fure Aberglaube
15
(vgl. dëhselrite)
MWB 1 1250,25; Bearbeiterin: Baumgarte
dëhselrite
swF.
‘Hexe’ (der berittene Stecken wird als Beil, Spinnrocken oder
Fichtenzweig bzw. -besen gedeutet, vgl. zusammenfassend BMZ 2,1:744b,51):
dû vil bœse dehselrit! Helbl
1,1196
MWB 1 1250,37; Bearbeiterin: Baumgarte
dëhsen
stV. (IV)
‘Flachs schwingen’ (die holzigen Teile aus dem gebrochenen
Flachs herausschlagen):
sî saz eins tages unde dahs, / dô viel ein wênigez vlahs / in die gluot
BFrau
311;
dô hôrte ich eine swingen: wan si dahs / wan si dahs, si dahs,
si dahs KLD:GvN
41: 1,5
u.ö.;
der werch in der stat swinget, blúwet oder tichset, der git oͮch an die
stat drige schillinge UrkThurgau
4,574
(a. 1331);
Iw
6203;
Helmbr
1360
MWB 1 1250,41; Bearbeiterin: Baumgarte
dëhsîsen
stN.
‘Eisen zum Schwingen des Flachses’
sî [...] sluoc mir eine wunden wît / mit dem dehsîsen
BFrau
325;
VocBV926
3:627,14;
SummHeinr
2:309,03.9
MWB 1 1250,50; Bearbeiterin: Baumgarte
dëhsschît
stN.
‘Flachsschwinge’
daz gehilze guldîn, starc und wît. / ze Nördelingen kein
dehsschît / hât da niemen alsô breit Wh
295,16
MWB 1 1250,54; Bearbeiterin: Baumgarte
dehtem, dehtum
M.
→
dëheme
MWB 1 1250,57;
deime
M.
→
dëheme
MWB 1 1250,58;
deisch
stM.
‘Mist’
fimus id est letamen, deisc vel stercus SummHeinr
2:303,170;
fimus: miste vel teische VocBV138c
67
MWB 1 1250,59; Bearbeiterin: Baumgarte
deise
swF.
‘Gitter, Rost’
suspensiua: dese, scilicet cratis super ignem VocClos
Su122
MWB 1 1250,62; Bearbeiterin: Baumgarte
deisme
swstM.
‘Sauerteig’
nym eygirschalen, wol gestossen, unde rockyn deyssym
Albrant
3,5.
– meist bildl.:
alle sin [des Abtes] lerunge si ein deisme dez
gotelinchen rechtis [
fermentum divinae
iustitiae
]
BrHoh
2;
daz rîche der himele ist glîch eime deismen EvBeh
Mt 13,33;
hutet uch vor deme deysme der glissenere EvBerl
113,7;
SummHeinr
1:336,318
MWB 1 1251,1; Bearbeiter: Diehl
deismen
swV.
‘etw. säuern, mit Sauerteig versehen’
ir [...] opphert vru uwer oppher, dri tage uwern
zenden, und heiliget lob von gedeysemten [
de
fermentato
] und heizet daz ein willigis oppher Cranc
Am 4,5
MWB 1 1251,9; Bearbeiter: Diehl
deiswâr
Interj.
→
wâr
Adj.
MWB 1 1251,14;
deklînen
swV.
‘deklinieren’
waren si dem chinde holt, / alle die schulære: /
[...] / decleinen, singen unt lesen / lerten siz
Jüdel
54;
swer schuolern nu wil wol declîne, / der sende mit in nâch guotem wîne / und
lêre si denne ein argument Renner
17567;
PsWindb
118,87 (Randgl.)
MWB 1 1251,15; Bearbeiter: Diehl
delfîn
stM.
→
talfîn
MWB 1 1251,21;
dëlfîn
stM.
1
‘Delfin’ (vgl. 2 ein (nicht identifizierbares) Meerwunder (vgl.
1
‘Delfin’ (vgl.
BdN
250,22ff.
):
ain merswein [...] haizt mit ainem
andern namen delphîn BdN
142,1;
delphinus ist ain visch, der haizt delphin. iedoch ist er
niht daz merwunder delphin ebd.
250,23
u.ö.;
ein visch der heizet delfîn, / der hiez si für sich viere / dâ komen harte
schiere KvWTroj
14024;
Krone
11599
2
ein (nicht identifizierbares) Meerwunder (vgl.
BdN
235,15ff.
):
delphinus haizt ain delphin. daz mertier hât kainen munt an
der stat, dâ in andreu tier habent BdN
235,16;
ist aber, daz der mensch des delphins niht izzt, sô tragent
si in auz dem wazzer an daz lant und beschirment in vor andern mertiern ebd.
236,1
MWB 1 1251,22; Bearbeiter: Diehl
delfînette
stF.
→
talfînette
MWB 1 1251,36;
delit
Subst.
‘Freude, Vergnügen’ (aus afrz. delit):
uch sael van mir noch groes delit / ind vele leves gescheyn KarlGalie
4812
MWB 1 1251,37; Bearbeiter: Diehl
dëmere
stF.
‘Dämmerung’
nâch werkis amte / gemach dî heidin hattin, / dise
[...] intslâfin wârn / gar intnumen allin vârn, / want
iz was in der demere NvJer
17013.
19167
MWB 1 1251,40; Bearbeiter: Diehl |